{"id":13625,"date":"2016-06-23T17:36:08","date_gmt":"2016-06-23T15:36:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13625"},"modified":"2016-06-23T17:37:33","modified_gmt":"2016-06-23T15:37:33","slug":"geht-niemand-endgueltig-verloren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13625","title":{"rendered":"Geht niemand endg\u00fcltig verloren?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Papst Franziskus ist ein so ganz anderes Kirchenoberhaupt. Er begeistert auch viele Evangelikale, die ihn f\u00fcr seine \u201ewunderbare Weite\u201c loben. In der vergangenen Woche b\u00fcrstete Alexander Kissler in \u201eEin relativ katholischer Papst\u201c einmal gegen den Strich. Der \u201eCicero\u201c-Redakteur nimmt darin kein Blatt vor dem Mund und spricht vom \u201eredseligen Relativismus\u201c des Papstes, nennt ihn einen \u201ein wei\u00df gewandeten Dalai Lama\u201c, einen \u201eUno-Generalsekret\u00e4r mit Brustkreuz\u201c. \u201eNicht dass jemand so redet, wie Franziskus redet, ist das Problem \u2013 sondern dass ein Papst so redet. Und dass damit ein Papst, dem nichts \u00fcber den Glauben der Apostel gehen sollte, ununterscheidbar wird in der Riege der weltlichen Herren.\u201c Kissler, der Benedikt XVI viel positiver sah, erwartet von Franziskus im \u201espirituellen Kerngesch\u00e4ft keine Terraingewinne\u201c und sieht daher die Zukunft der Kirche Roms eher tr\u00fcb: \u201eDer Nachfolger wird eine spirituell ausgezehrte und verunsicherte Kirche \u00fcbernehmen.\u201c<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob Kissler dem Papst gerecht wird, soll hier nicht bewertet werden. Doch es scheint tats\u00e4chlich so, dass in den scharfen Worten manches Wahre steckt. Denn im \u201espirituellen Kerngesch\u00e4ft\u201c der Bibelauslegung f\u00e4llt der Argentinier hinter seinen Vorg\u00e4nger deutlich zur\u00fcck, was die Generalaudienz vom 4. Mai wieder zeigte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In\u00a0 seiner Katechese legte Franziskus das bekannte Gleichnis vom verlorenen Schaf in Lk 15 aus.\u00a0 Er fordert dazu auf, \u201eoft \u00fcber dieses Gleichnis nach[zu]denken, denn in der christlichen Gemeinschaft gibt es immer jemanden, der fehlt und nach seinem Weggang einen leeren Platz zur\u00fcckl\u00e4sst.\u201c In der Auslegung findet sich viel evangelistischer Geist: \u201eMan muss hinausgehen und darf sich nicht in den kleinen Gemeinden, in der Pfarrgemeinde, nicht in sich selbst verschlie\u00dfen und sich f\u00fcr \u2018die Gerechten\u2019 halten.\u201c Der Papst sieht die Gefahr, dass die Christen sich in ihren Stall einschlie\u00dfen, \u201ein dem es nicht nach den Schafen, sondern nach einem ungel\u00fcfteten Raum riecht!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bild der offenen T\u00fcren und damit auch der offenen Kirche ist gewiss nicht falsch. Doch Franziskus geht dar\u00fcber und gibt den evangelistischen Aussagen einen bestimmten Dreh: \u201eDie Lehre, die Jesus uns erteilen will besagt vielmehr, dass kein Schaf verloren gehen kann. Der Herr kann sich nicht mit der Tatsache abfinden, dass auch nur ein einziger Mensch verloren geht. Das Wirken Gottes besteht in der Suche nach den verlorenen S\u00f6hnen, um dann ein Fest zu veranstalten und sich mit allen \u00fcber die Wiederfindung zu freuen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gleichnis vom verlorenen Sohn, auf das er hier anspielt, folgt in Kapitel 15 ab Vers 11. Wollen die Gleichnisse in dem Kapitel aber wirklich aussagen, dass kein Sohn bzw. Schaf, kein einziger Mensch, verloren gehen <em>kann<\/em>? Wenn Gott sich nicht mit der Tatsache abfindet, \u201edass auch nur ein einziger Mensch verloren geht\u201c, wird er dann nicht auch sicherstellen, dass niemand tats\u00e4chlich verloren geht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch folgende S\u00e4tze werfen Fragen auf: \u201eGott kennt unsere gegenw\u00e4rtige Wegwerfkultur nicht, f\u00fcr Gott hat diese keine Bedeutung. Gott sondert keinen Menschen aus; Gott liebt alle, sucht nach allen: einen nach dem anderen! Er kennt den Ausdruck \u2018Menschen aussondern\u2019 nicht, denn er ist zur G\u00e4nze Liebe und Barmherzigkeit.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sondert Gott Menschen aus, wenn er doch nicht alle rettet? Wirft er dann Menschen weg? Ist hier noch irgendein Raum f\u00fcr eine Erw\u00e4hlungslehre?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen Ende bringt es der Papst auf den Punkt: \u201eIn der Sichtweise Jesu gibt es keine endg\u00fcltig verlorenen Schafe, sondern nur wiederzufindende Schafe. Das m\u00fcssen wir genau begreifen: F\u00fcr Gott ist niemand endg\u00fcltig verloren. Niemals! Bis zum letzten Moment sucht Gott nach uns.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der katholische Blogger Felix Honekamp best\u00e4tgt die Sicht des Papstes in \u201eDas Gleichnis vom \u2018wiederzufindenden Schaf\u2019\u201c: \u201eNiemand ist verloren, weil Gott niemanden verloren gibt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eWie ein Heide und Z\u00f6llner\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gibt es einzig wiederzufindende Schafe? Also Schafe, die dann auch wiedergefunden werden? Jesus gibt niemanden verloren in dem Sinne, dass zu Lebzeiten von Menschen das Tor des Heils immer offen bleibt. Folgt aus dieser Tatsache, dass es objektiv Verlorene gar nicht gibt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus erz\u00e4hlt die Gleichnisse in Lk 15, weil den Pharis\u00e4ern und Schriftgelehrten missf\u00e4llt, dass \u201eallerlei Z\u00f6llner und S\u00fcnder\u201c zu Jesus kamen, \u201eum ihn zu h\u00f6ren\u201c. Lasst die S\u00fcnder zu mir kommen, denn ich bin derjenige, der sie zur\u00fcckholen kann und der einige von ihnen tats\u00e4chlich zur\u00fcckholt. Diejenigen, die ihn h\u00f6rten und die auf ihn h\u00f6rten. Das ist die Kernaussage der Gleichnisse dort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist damit eine Aussage \u00fcber alle Z\u00f6llner und S\u00fcnder gemacht? Ja, insoweit damit gemeint ist, dass sie alle kommen k\u00f6nnen. Wenn die T\u00fcren schon f\u00fcr die verachteten und verhassten, weil n\u00e4mlich den Menschen Schaden zuf\u00fcgenden Z\u00f6llner offen sind, dann f\u00fcr jeden S\u00fcnder. Aber dies bedeutet ja nicht, dass alle Z\u00f6llner und S\u00fcnder wiedergefunden werden. Im Vers 7 ist die Bu\u00dfe der S\u00fcnder genannt. Im Fall der Umkehr und Bu\u00dfe ist \u201eFreude im Himmel\u201c. Die Bu\u00dfe ist, so k\u00f6nnte man sagen, das wahrnehmbare Zeichen, dass der Gute Hirte ein Schaf wiedergefunden hat. Das Verweigern der Bu\u00dfe ist Zeichen, dass sich ein S\u00fcnder nicht wiederfinden l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Matth\u00e4us findet sich das Gleichnis in etwas anderem Zusammenhang. In Mt 18 geht es mehr um die J\u00fcnger. Das verlorene Schaf in V. 12\u201314 ist eher der J\u00fcnger auf Abwegen. Das machen auch die folgenden Verse (15\u201317) deutlich, die S\u00fcnde von Christen behandeln (\u201eS\u00fcndigt aber dein Bruder an dir, so geh und weise ihn zurecht\u2026\u201c). Verweigert der an der S\u00fcnde festhaltende Bruder die Umkehr, so ist er schlie\u00dflich aus der Gemeinde auszuschlie\u00dfen, und hier tauchen die Z\u00f6llner wieder auf: \u201e\u2026 so sei er f\u00fcr dich wie ein Heide und Z\u00f6llner\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier haben wir nun die \u201eAussonderung\u201c, gegen die Franziskus so Sturm l\u00e4uft. Es ist ja eine Aussonderung, die nicht nur eine rein menschliche, sondern auch eine gleichsam g\u00f6ttliche sanktionierte ist, wie V. 18 deutlich macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eIn jedem menschlichen Wesen wohnt der Heilige Geist\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle werden wiedergefunden werden. Der Papst dehnte die christliche Br\u00fcderlichkeit schon so manches Mal auf alle Menschen aus. Zu einer muslimischen Delegation sagte er: \u201eWir alle haben einen gemeinsamen Vater \u2013 wir sind Geschwister!\u201c Diese universalistische Tendenz ist ja in der Kirche Roms seit dem II Vatikanum festzustellen. <em>Alle<\/em> Menschen sind nun \u201eauf das Gottesvolk auf verschiedene Weise hingeordnet\u201c. Der \u201eHeilswille\u201c wird wahrlich universal gesehen und erstreckt sich auch auf Anh\u00e4nger nichtchristlicher Religionen. Nun k\u00f6nnen z.B. auch diejenigen gerettet werden, die ehrlich suchen und versuchen, moralisch zu leben (<em>Lumen gentium<\/em>, 16).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Dokumenten des II Vatikanums blieb noch vieles im Ungef\u00e4hren. Der Horizont begann sich aber gewaltig auszudehnen. Andere gingen dann deutlich weiter. F\u00fcr die Einheit der Menschheitsfamilie setzt sich seit Jahrzehnten die von Chiara Lubich (1920\u20132008) gegr\u00fcndete Focolare-Bewegung ein. Auch Fr. Roger (1915\u20132005), der Gr\u00fcnder von Taiz\u00e9, betonte immer wieder: \u201eDie Menschheit soll zu einer gro\u00dfen Familie zusammenr\u00fccken\u201c. Jesus wohne schon in jedem Menschen, denn \u201ein jedem menschlichen Wesen wohnt der Heilige Geist\u201c. Wiederholt lehrte er, dass die Menschen begreifen m\u00fcssen, dass \u201edas Wesentliche\u201c (und das meint doch wohl die Vers\u00f6hnung mit Gott) im Menschen, in jedem Menschen, schon geschehen sei. Es ist nur die Frage, wann der Mensch dies erf\u00e4hrt und begreift. \u201eAlle Menschen haben denselben Meister. Es ist noch ein Geheimnis. Aber einmal wird es offenbar werden\u201c. Der Leib Christi solle wachsen, \u201ebis er das All umfasst\u201c. Rhetorisch fragte Roger: \u201eIst die Kirche im Herzen Gottes nicht so weit, wie die ganze Menschheit?\u201c Die Botschaft ist also eindeutig: Keiner geht wirklich verloren; es ist nur eine Frage des bewussten, subjektiven Wissens um die <em>schon geschehene<\/em> Erl\u00f6sung. Evangelisation im eigentlichen Sinne, so wie sie lange Zeit verstanden wurde, ist nicht n\u00f6tig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Papst hat Recht, dass wir uns nicht in St\u00e4llen einschlie\u00dfen sollen; dass die T\u00fcren ge\u00f6ffnet bleiben m\u00fcssen. Schlie\u00dflich war auch Jesus offen f\u00fcr die zu ihm kommenden S\u00fcnder und Z\u00f6llner. Aber diese sagte er sicher nicht: Ihr k\u00f6nnt gar nicht endg\u00fcltig verloren gehen; alles wird gut; lasst uns \u201eeinen neuen Weg der Br\u00fcderlichkeit\u201c (Franziskus) finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die S\u00fcnder und Z\u00f6llner, die zu Jesus kamen, lie\u00dfen sich von ihm ver\u00e4ndern. Sie h\u00f6rten den Bu\u00dfruf an verlorene S\u00fcnden. Jesus begann seine Zeit des Predigens mit diesem Bu\u00dfruf (Mt 4,17). Das Evangelium des Lukas endet mit einer Ank\u00fcndigung Jesu, dass nun allen V\u00f6lkern die Bu\u00dfe zur Vergebung der S\u00fcnden gepredigt wird (Lk 24,47). Auch die Apostel riefen zur Bu\u00dfe auf: die ersten beiden gro\u00dfen Predigten des Petrus enden mit einem Bu\u00dfaufruf (Apg 2,38; 3,19). Paulus tat das gleiche (Apg 17,30) und fasste im R\u00fcckblick den Inhalt seiner Verk\u00fcndigung so zusammen: \u201esie [die Heiden] sollten Bu\u00dfe tun und sich zu Gott bekehren und rechtschaffene Werke der Bu\u00dfe tun\u201c (Apg 26,20). J. Edwin Orr (1912\u20131987), der baptistische Pastor, Autor und gro\u00dfe Historiker der modernen Erweckungen, nannte daher in einer Predigt die Bu\u00dfe \u201edas erste Wort des Evangeliums\u201c. Seine Verk\u00fcndigung ist das<em> \u201e<\/em>spirituelle Kerngesch\u00e4ft\u201c der Kirche, jeder Kirche. Was n\u00fctzt die Durchl\u00fcftung \u00e0 la Franziskus, wenn dies wichtige Element der Herausforderung n\u00e4mlich der Ruf nach Bu\u00dfe, Umkehr und Bekehrung an wirklich Verlorene fehlt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Holger Lahayne, 24.5.2016<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.lahayne.lt\">www.lahayne.lt<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Papst Franziskus ist ein so ganz anderes Kirchenoberhaupt. Er begeistert auch viele Evangelikale, die ihn f\u00fcr seine \u201ewunderbare Weite\u201c loben. In der vergangenen Woche b\u00fcrstete Alexander Kissler in \u201eEin relativ katholischer Papst\u201c einmal gegen den Strich. Der \u201eCicero\u201c-Redakteur nimmt darin kein Blatt vor dem Mund und spricht vom \u201eredseligen Relativismus\u201c des Papstes, nennt ihn einen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":434,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13625"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/434"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13625"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13625\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13626,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13625\/revisions\/13626"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13625"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13625"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13625"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}