{"id":13621,"date":"2016-06-21T10:02:02","date_gmt":"2016-06-21T08:02:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13621"},"modified":"2016-06-21T10:04:27","modified_gmt":"2016-06-21T08:04:27","slug":"tuerkei-christen-unerwuenscht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13621","title":{"rendered":"T\u00fcrkei: Christen unerw\u00fcnscht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die T\u00fcrkei hat traditionell gro\u00dfe Probleme im Umgang mit ihren religi\u00f6sen und ethnischen Minderheiten. Die Hoffnung auf eine baldige Verbesserung schwindet derzeit, da sich Europa in der Fl\u00fcchtlingskrise auf die Partnerschaft mit der T\u00fcrkei angewiesen sieht. Die T\u00fcrkische Verfassung bezeichnet das Land als laizistischen Rechtsstaat. Unter Laizismus wird normalerweise eine strenge Trennung von Staat und Religion verstanden. Der t\u00fcrkische Laizismus sieht dagegen eine staatliche Kontrolle der Religionen vor, um sicherzustellen, dass sich die Religionen neutral verhalten.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die verfassungsm\u00e4\u00dfig gew\u00e4hrleistete Religionsfreiheit wird sehr eng ausgelegt. Folglich gibt es f\u00fcr die christlichen Minderheiten im Land zahlreiche Beeintr\u00e4chtigungen. So verbietet der Staat, Pfarrer und christliche Religionslehrer auszubilden. Der Bau von christlichen Kirchen wird behindert. Immer wieder wurden und werden Kirchen und Kapellen beschlagnahmt und abgerissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die Schwierigkeiten begrenzen sich nicht nur auf die rechtliche Stellung der christlichen Gemeinschaften, sondern setzen sich im privaten Leben fort. So erleben Christen, dass sie bei der Arbeitssuche oder dem Zugang zu staatlichen Stellen diskriminiert werden. Nur ganz selten schaffen sie es, in h\u00f6here Positionen der Politik, der Verwaltung oder des Milit\u00e4rs aufzusteigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gem\u00e4\u00df dem katholischen Theo\u00adlogen Timo G\u00fczelmansur, Leiter der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle der deutschen Bischofskonferenz, gibt es in der T\u00fcrkei durchaus eine Kultfreiheit, die es Christen erm\u00f6glicht, ihren Glauben privat und innerhalb von bestehenden Kirchenmauern zu leben. Dagegen bliebe ihnen \u00aballes Weitere, was noch mit echter Religionsfreiheit verbunden w\u00e4re, verwehrt\u00bb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anfeindungen und \u00dcbergriffe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Versch\u00e4rfung der Situa\u00adtion ergibt sich derzeit durch einen neuen Nationalismus. Nach Einsch\u00e4tzung von G\u00fczelmansur wird \u00abvieles, was nicht islamisch ist und nicht eindeutig zum \u2039T\u00fcrkentum\u203a geh\u00f6rt, zum Feind erkl\u00e4rt\u00bb. Damit wird eine Atmosph\u00e4re der Ablehnung gegen Christen geschaffen, die das Zusammenleben nachhaltig untergr\u00e4bt. So zogen kurz vor dem Jahreswechsel radikale Muslime durch die Stra\u00dfen von Istanbul und anderen St\u00e4dten. Sie trugen Plakate und Banner, auf denen feindselige Parolen gegen das Weihnachtsfest zu lesen waren. Auf einem Banner war ein Weihnachtsmann mit einem Kreuz als Monster abgebildet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch kam es in den letzten Monaten wieder zu gewaltt\u00e4tigen \u00dcbergriffen auf Kirchen und Pfarrer. So wurde am 10.\u2009September 2015 der Leiter der evangelischen Batikent-Bereket-Kirche in Ankara beschimpft und geschlagen. Erst eine Woche zuvor hatten Unbekannte im als fortschrittlich geltenden Izmir mit einem Jagdgewehr auf den Pastor der Torbali-Baptistenkirche geschossen. Wie durch ein Wunder blieb er unverletzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verletzt wurde hingegen die achtj\u00e4hrige Tochter des protestantischen Pastors Eyup Badem aus Sanliufra. Ende 2014 kam sie blut\u00fcberstr\u00f6mt von der Schule nach Hause. Sie wurde von Mitsch\u00fclern zusammengeschlagen. Pastor Badem selbst war schon mehrmals verpr\u00fcgelt worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Schrecken davon kamen Ende Februar 2016 Mitglieder der Agape Church Foundation in Samsun. Vier M\u00e4nner hatten vergeblich versucht, ins Kirchgeb\u00e4ude einzudringen. Besorgniserregend ist auch die Drohkampagne vom August 2015. Via Email, Facebook und SMS erhielten 20 Pastoren aus 15 protestantischen Kirchen Todesdrohungen im IS-Wortjargon. Verzeichnete das Jahr 2014 insgesamt mindestens 15 derartige Vorf\u00e4lle, so betrug die Anzahl nur ein Jahr sp\u00e4ter weit \u00fcber das Doppelte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles deutet darauf hin, dass radikale Islamisten hinter den Taten stehen. Die islamistische Politik, die staatliche Unterst\u00fctzung von islamistischen Rebellengruppen im Syrienkonflikt und der Strom von IS-Unterst\u00fctzern, die \u00fcber die T\u00fcrkei nach Syrien gereist sind, d\u00fcrften radikalen Kr\u00e4ften in der T\u00fcrkei weiterhin Auftrieb geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00d6zdemir: \u00abChristen in der T\u00fcrkei nicht vergessen\u00bb<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es scheint also dringend angeraten, dass im politischen Dialog wieder verst\u00e4rkt auf die Einhaltung von Menschenrechten hingewiesen wird. Der Umgang einer Nation mit ihren Minderheiten bietet einen Gradmesser daf\u00fcr, wie effektiv Menschenrechte innerhalb einer Gesellschaft sind. So mahnte k\u00fcrzlich auch Cem \u00d6zdemir, Parteivorsitzender der Gr\u00fcnen in Deutschland, die Christen in der T\u00fcrkei nicht zu vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Wortf\u00fchrerin der europ\u00e4ischen Fl\u00fcchtlingspolitik ist hier insbesondere die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel gefordert. Anfang Juli 2015 machte sie anl\u00e4\u00dflich des Ramadans die Aussage: \u00abEs ist offenkundig, dass der Islam inzwischen unzweifelhaft zu Deutschland geh\u00f6rt.\u00bb Merkel hatte zu gegenseitiger Wertsch\u00e4tzung der Religionen aufgerufen. Nun bleibt zu hoffen, dass sie diese Wertsch\u00e4tzung ebenso f\u00fcr die T\u00fcrkei fordert.<\/p>\n<p><em>Autoren: Benjamin Doberstein | Reto Baliarda<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Christian Solidarity International, 23.5.2016 (<a href=\"http:\/\/www.csi-de.de\/christen_unerwuenscht.php?nvd=585\">www.csi-de.de<\/a>)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die T\u00fcrkei hat traditionell gro\u00dfe Probleme im Umgang mit ihren religi\u00f6sen und ethnischen Minderheiten. Die Hoffnung auf eine baldige Verbesserung schwindet derzeit, da sich Europa in der Fl\u00fcchtlingskrise auf die Partnerschaft mit der T\u00fcrkei angewiesen sieht. Die T\u00fcrkische Verfassung bezeichnet das Land als laizistischen Rechtsstaat. 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