{"id":1362,"date":"2006-11-09T21:25:45","date_gmt":"2006-11-09T19:25:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1362"},"modified":"2009-09-07T10:41:00","modified_gmt":"2009-09-07T08:41:00","slug":"die-anbetung-der-weiblichkeit-gottes-und-das-bilderverbot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1362","title":{"rendered":"Die Anbetung der Weiblichkeit Gottes und das Bilderverbot"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Anbetung der Weiblichkeit Gottes und das Bilderverbot<\/strong> (1) <strong>Dogmatische Beurteilung der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c<\/strong> (2)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas g\u00f6ttliche Wort verbietet von vornherein, Gott mit dem gleichzusetzen, was Menschen in ihrer Erfahrung erkennen. Jeder Versuch der Vernunft, das Wesen Gottes mit dem nat\u00fcrlichen Vorstellungsverm\u00f6gen zu erfassen, macht aus Gott einen G\u00f6tzen, jedoch verk\u00fcndigt ihn nicht\u201c Gregor von Nyssa (335-394). (3)<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Das gegenw\u00e4rtig wirkende und ewig bleibende Wort Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist das Wunder der Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments, die urspr\u00fcnglich nur in einzelnen Rollen oder Bl\u00e4ttern aufbewahrt und im Gottesdienst verwendet wurden, da\u00df sie in einer wechselvollen Geschichte erhalten, gesammelt, in viele Sprachen \u00fcbersetzt und verbreitet worden sind bis auf den heutigen Tag. Das ist die sichtbare Erf\u00fcllung der Verhei\u00dfung: \u201eDenn ihr seid wiedergeboren nicht aus verg\u00e4nglichem, sondern aus unverg\u00e4nglichem Samen, n\u00e4mlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt. Denn \u00bballes Fleisch ist wie Gras und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen; aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit\u00ab. Das ist aber das Wort, welches unter euch verk\u00fcndigt ist. (1 Petr 1, 23-25; Jes 40, 6). Davon lebt die Gemeinde Jesu Christi bis auf den Tag der Wiederkunft ihres Herrn in seiner sichtbaren g\u00f6ttlichen Herrlichkeit. Deshalb sind die in der Bibel gesammelten Schriften keineswegs nur Texte der Antike, sondern sie haben ihren Ort und Gebrauch im Gottesdienst. Durch sie spricht Gott zu uns, und wir sprechen zu Gott \u2013 auch heute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Texte der Bibel wurden urspr\u00fcnglich sorgf\u00e4ltig mit der Hand abgeschrieben, oft auf hingebungsvoll kolorierten Bl\u00e4ttern, bis sie zum erstenmal um 1455 von Johannes Gutenberg in Mainz gedruckt wurden. Bibeln wurden verbrannt, ihr Besitz und ihre Lekt\u00fcre wurden verboten, in Zeiten der Verfolgung wurden sie geschmuggelt, als kostbarer Besitz aufbewahrt und heimlich weitergegeben, weil der Glaube darauf angewiesen ist und davon lebt. Aber in Zeiten des Mangels konnte das Bibeld\u00fcnndruckpapier auch zum Drehen von Zigaretten verwendet werden. Rechter Gebrauch und Mi\u00dfbrauch des Wortes Gottes sind immer beieinander, wobei die erste Frage ist, ob wir sie selbst auch regelm\u00e4\u00dfig lesen, uns nachdenkend aneignen oder nur \u00fcber Verstehensprobleme diskutieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00dcbersetzung der Heiligen Schriften ist immer von neuem eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe. Es gibt nicht nur eine Vielfalt von Sprachen, sondern auch deren Wandelbarkeit. Wohl in allen Kirchen findet sich eine gro\u00dfe Zur\u00fcckhaltung gegen\u00fcber einer Anpassung an die Umgangssprache. In den meisten griechischen und slawischen orthodoxen Kirchen gibt es bis heute eine eigene Kirchensprache in Bibeln und in der Liturgie, ebenso wie in der Westkirche die lateinische Kirchensprache bis zum Vaticanum II. (1962-1965). Das ist keineswegs nur ein starrer Konservativismus, sondern man wehrt sich aus guten Gr\u00fcnden, die Texte f\u00fcr die Begegnung mit der Heiligkeit Gottes in die ordin\u00e4re Alltagssprache zu \u00fcbertragen. Man wei\u00df, da\u00df eine Ver\u00e4nderung der biblischen Texte auch eine Ver\u00e4nderung der liturgischen Sprache, aber auch der Sprache und Vorstellungen f\u00fcr die pers\u00f6nliche Fr\u00f6mmigkeit nach sich ziehen mu\u00df. Wer diese Sachverhalte kennt, wird leicht verstehen, da\u00df es beim Verst\u00e4ndnis der biblischen und liturgischen Texte nicht nur um hermeneutische Probleme, sondern um pneumatische Ph\u00e4nomene geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auffallend ist auch in der deutschen Kirchensprache, da\u00df viele W\u00f6rter wie Amen, Halleluja, Zebaoth, Kyrie eleison, abba, dazu auch christologische Titel und Pr\u00e4dikationen wie Christus, Messias, vielleicht auch Pantokrator, keiner \u00dcbersetzung bed\u00fcrfen. Daran ist mindestens in Resten noch zu erkennen, wie das Wort Gottes auch sprachf\u00e4hig macht, indem es Sprache bildet und bereichert. Am leichtesten aber wird \u00fcbersehen und untersch\u00e4tzt, wie die biblischen Texte mit ihren Begriffen und Bildern wie z. B. Herz, Gewissen, Seele, S\u00fcnde, Himmel und H\u00f6lle, Teufel und Engel seit Jahrhunderten unsere Vorstellungswelt pr\u00e4gen und bereichern. Selbst so genannte Atheisten sind mit ihrer Negation darauf fixiert. Denn das gilt f\u00fcr alles, was wir von Gott wissen und reden, und das kommt gerade nicht aus unserer Erfahrung, sondern aus Gottes Offenbarung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So zeigt sich auch, wie keineswegs nur die Bibeltexte in die Umgangssprache \u00fcbertragen werden, indem wir \u201edem Volk aufs Maul sehen, wie sie reden&#8220;\u00a0 (M. Luther), sondern indem auch die Alltagssprache durch W\u00f6rter, Vorstellungen und Redensarten (4)\u00a0aus der Bibel bereichert und vertieft wird. Bildende Kunst und Literatur sind voll von solchen Bereicherungen. Dazu geh\u00f6rt auch die allgemeine Ethik sowie Rechtsbegr\u00fcndung und Recht. Je weniger jedoch die biblischen Schriften bekannt sind, desto mehr bleibt vieles davon unverst\u00e4ndlich. Die Wirkung der Bibel ist also keineswegs nur auf die Kirche beschr\u00e4nkt; sie ist ein Element unserer Kultur, auch wenn manche Theologen immer nur an den Verstehensproblemen h\u00e4ngen bleiben, die sie meist selbst erfinden und dabei v\u00f6llig den Blick f\u00fcr die Wirkung, den Reichtum, die Sch\u00f6nheit und vor allem die Heiligkeit der Heiligen Schriften verlieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c werden nun durchgehend die Gottesbezeichnungen durch weibliche Ausdr\u00fccke ver\u00e4ndert oder ersetzt. Dies ber\u00fchrt jedoch nicht nur die \u00dcbersetzung von Texten, sondern tiefgreifend auch den Vollzug der Begegnung mit Gott im Gottesdienst, im Bekenntnis und Zeugnis sowie im Gebetsleben von Christen. Es geht um die Offenbarung und Anbetung des wahren Gottes. Dies ist das sehr ernst zu nehmende Problem bei dieser Bibelausgabe, die man nicht als \u00dcbersetzung, sondern als ideologische Textver\u00e4nderung bezeichnen mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Die Konkurrenz von Gottesbildern bei \u00dcbersetzung<br \/>\nund Bewertung biblischer Schriften<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt immer wieder Bibelausgaben und \u00dcbersetzungen, (5)\u00a0die dem Volk nach dem Mund reden, um vermeintliche Verstehenshindernisse zu jeweils herrschenden Meinungen und Vorstellungen zu \u00fcberwinden. In der Mitte des 2. Jahrhunderts haben wir das Beispiel des aus Kleinasien stammenden und vermutlich der Gnosis nahestehenden reichen Reeders Markion, der die alttestamentlichen und eine Reihe neutestamentlicher Schriften aus dem kirchlichen Gebrauch ausschlie\u00dfen wollte, weil sie nach seiner Meinung nicht mit der Gottesvorstellung Jesu Christi vereinbar seien. Die Abneigung gegen einen zornigen und strafenden Gott mit seinem unbedingt geltenden Gesetz wiederholt sich immer wieder bis zu der Forderung, das Alte Testament aus dem kirchlichen Gebrauch zu entfernen. Was bei Markion der \u201efremde Gott\u201c ist, das ist bei Schleiermacher \u201eder andere Geist\u201c (6)\u00a0, und Hegel trieb dies in seiner Jugendschrift \u201eDer Geist des Christentums und sein Schicksal\u201c mit der Konfrontation von Humanit\u00e4tsreligion der Griechen und dem \u201eD\u00e4mon des Hasses\u201c im AT auf die Spitze: \u201eDer unendliche Geist hat nicht Raum im Kerker einer Judenseele\u201c. (7)\u00a0Mit seiner Autorit\u00e4t als Wissenschaftler erneuerte Adolf von Harnack die Thesen Markions und forderte die v\u00f6llige Abschaffung des Alten Testaments. (8)\u00a0Kein Wunder, da\u00df sich sogleich die fr\u00fchen Nationalsozialisten wie Artur Dinter (9)\u00a0auf solche Ergebnisse \u201ewissenschaftlicher Forschung\u201c berufen konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings w\u00e4re es falsch, in diesen Beispielen, die man heute emp\u00f6rt als Antijudaismus ablehnen wird, lediglich die Verirrung einzelner zu sehen. Es geht vielmehr um die Grundsatzfrage, ob die Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments als Wort ein und desselben Dreieinigen Gottes erkannt werden oder als Hervorbringungen menschlicher Geistes- und Religionsgeschichte. Gott ist dann nicht das Subjekt, das sich in seinem Wort offenbart und auf diese Weise angeredet und verk\u00fcndigt werden kann, sondern die Gottesbezeichnungen werden aus menschlichen Erfahrungen, Bed\u00fcrfnissen und Ideologien, die wandelbar und durch die jeweilige Situation bedingt sind, auf Gott \u00fcbertragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Forderung der Deutschen Christen auf der Sportpalastkundgebung des Gaues Gro\u00dfberlin vom 13. November 1933, in der es hie\u00df: \u201eWir erwarten, da\u00df unsere Landeskirche als eine deutsche Volkskirche sich frei macht von allem Undeutschen in Gottesdienst und Bekenntnis, insbesondere vom Alten Testament und seiner j\u00fcdischen Lohnmoral\u201c \u00f6ffnete damals vielen die Augen f\u00fcr das, was aus der Begeisterung f\u00fcr eine politische Bewegung in das Verst\u00e4ndnis der Heiligen Schrift als Fundament von Theologie und Kirche und damit in den Gottesdienst der Gemeinde eingedrungen war. Am 4. Januar 1934 folgte die \u201eErkl\u00e4rung \u00fcber das rechte Verst\u00e4ndnis der reformatorischen Bekenntnisse\u201c (1. Barmer Erkl\u00e4rung), in der es hei\u00dft: \u201eDie Kirche h\u00f6rt das ein f\u00fcr allemal gesprochene Wort Gottes durch die freie Gnade des heiligen Geistes in dem doppelten, aber einheitlichen und in seinen beiden Bestandteilen sich gegenseitig bedingenden Zeugnis des Alten und des Neuen Testamentes, das hei\u00dft in dem Zeugnis des Mose und der Propheten von dem kommenden und in dem Zeugnis der Evangelisten und Apostel von dem gekommenen Jesus Christus.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wilhelm Vischer hat in seinem weithin vergessenen oder auch verdr\u00e4ngten Werk \u201eDas Christuszeugnis des Alten Testaments\u201c die theologische Einsicht, um die es hier und im weiteren gehen mu\u00df, gleich im ersten Satz des Buches pr\u00e4zis formuliert: \u201eDie Bibel bezeugt vollg\u00fcltig, unter der Beglaubigung durch den heiligen Geist, da\u00df Jesus von Nazareth der Christus ist. Darum ist sie die heilige Schrift der christlichen Kirche. Denn die christliche Kirche ist die Gemeinde aller Menschen, die auf Grund des biblischen Zeugnisses erkennen und glauben, da\u00df Jesus der Christus ist, d.h. der Messias Israels, der Sohn des lebendigen Gottes, der Heiland der Welt\u201c . (10)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Eine neue, jedoch alte programmatische Ideologie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob dar\u00fcber in Theologie und Kirche heute noch ein Konsens besteht, ist eine sehr ernste Frage, die durch die \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c aufgeworfen wird. Unter drei Themenkreisen werden durch diese \u00dcbersetzung Wortlaut und Inhalt der Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments tiefgreifend und ausgehend von aktuellen gesellschaftspolitischen Forderungen und Ideologien ver\u00e4ndert:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beseitigt werden soll 1. eine vermeinte patriarchalische Gesellschaftsordnung der Heiligen Schrift (10), in der die Frauen unterdr\u00fcckt und benachteiligt werden. Dazu wird durchgehend die sog. \u201einklusive Sprache\u201c eingef\u00fchrt. Es ist nun die Rede von J\u00fcngern und J\u00fcngerinnen, von Sklavinnen und Sklaven, Herrinnen und Herren, von J\u00fcdinnen und Juden, von Griechinnen und Griechen, von Freundinnen und Freunden, Priesterinnen und Priestern, Prophetinnen und Propheten, Lehrerinnen und Lehrer, Christinnen und Christen etc., auch wenn das im Originaltext \u00fcberhaupt nicht steht. Diese \u201epolitical correctness\u201c nach amerikanischem Vorbild wird zwar inzwischen geflissentlich in Politik und Kirche befolgt, doch sie bleibt eine Verhunzung der Sprache und ist selbst f\u00fcr Verfechter dieser Ideologie schwerlich lesbar. Grammatisch wird dabei einfach Genus und Sexus verwechselt. Bisweilen artet das in Peinlichkeit aus, wenn z. B. mit Hebr 13, 1 die \u201eGeschwisterliebe\u201c gefordert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings findet sich im Unterschied zu vielen anderen deutschen Bibel\u00fcbersetzungen und sogar einigen Kommentaren in Gen 1, 27 endlich einmal die genaue Wiedergabe des hebr\u00e4ischen Wortlauts, wo es nicht \u201eMann und Weib\u201c hei\u00dft, sondern adjektivisch: \u201em\u00e4nnlich und weiblich\u2026 hat Gott sie geschaffen\u201c (ebenso richtig Gal 3, 28). Das dazu geh\u00f6rende Objekt ist \u201eAdam\u201c d. h. Mensch im Singular, und dies bedeutet, da\u00df Mensch als Gattung, als Bild und Gleichnis Gottes, m\u00e4nnlich und weiblich von Gott geschaffen ist. Auch wenn \u201eder Mensch\u201c nach dem grammatischen Genus Maskulinum ist, wird es niemand einfallen, Frauen nicht auch als Mensch zu bezeichnen. Leider wird diese von Gott geschaffene Zusammengeh\u00f6rigkeit und gleiche W\u00fcrde den Text ver\u00e4ndernd dadurch aufgehoben, da\u00df die Gattungsbezeichnung \u201eMensch\u201c mit dem individualisierenden Plural \u201eMenschen\u201c eindeutig falsch \u00fcbersetzt wird. Nach der richtigen \u00dcbersetzung des hebr\u00e4ischen Urtextes haben wir hier im wahren Sinne eine \u201einklusive\u201c Sprache, die von der in der Sch\u00f6pfung begr\u00fcndeten Zusammengeh\u00f6rigkeit von Mann und Frau und ihrer gleichen W\u00fcrde ausgeht. Was hingegen heute als \u201einklusive\u201c Sprache bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit gerade \u201eexklusiv\u201c, indem Mann und Frau voneinander unterschieden und gegeneinander aufgebracht werden. Die daraus erwachsende tiefe St\u00f6rung im Verh\u00e4ltnis von Mann und Frau ist heute un\u00fcbersehbar, wenn Frauen sich gezwungen f\u00fchlen, unter Verachtung ihrer weiblichen Gaben und Aufgaben sich nach der M\u00e4nnlichkeit zu definieren, selbst wenn dies, wie viele andere Gesellschaftsl\u00fcgen, emsig verdr\u00e4ngt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beseitigt werden soll 2., um den j\u00fcdisch-christlichen Dialog zu f\u00f6rdern (10), was man in den doch \u00fcberwiegend j\u00fcdischen Texten f\u00fcr antijudaistisch ansieht. Hierzu mag die Bemerkung von Martin Buber gen\u00fcgen, da\u00df der Philosemitismus dieselben Wurzeln wie der Antisemitismus hat, und zwar deshalb, weil die Gegens\u00e4tzlichkeit von V\u00f6lkern und Rassen gerade auch dadurch hervorgehoben wird, da\u00df man sie auf die eine oder andere Weise zu beseitigen versucht. Die in Gen 1, 26 f begr\u00fcndete Einheit aller Menschen nach Adam wird hier \u00fcbergangen und aufgehoben. Es ist jedoch nicht zu \u00fcbersehen, da\u00df die feministischen Eingriffe in die unver\u00e4nderliche Heiligkeit des Gottesnamen von rechten Juden als antijudaistisch und als tiefe Verletzung ihrer Fr\u00f6mmigkeit empfunden werden m\u00fcssen. Dabei ist es schon unglaublich, wie die in j\u00fcdischen Bibel\u00fcbersetzungen begegnende Gottesanrede \u201eder Ewige\u201c flugs verweiblicht wird: \u201eNeben der maskulinen Form ist gleichbedeutend die grammatisch weibliche Form m\u00f6glich: \u201aDie Ewige\u2019 (20). Jeder Jude kann das mit seinem religi\u00f6sen Empfinden und seinen Hebr\u00e4ischkenntnissen nur als Gottesl\u00e4sterung abweisen. Da\u00df sich kein Jude bereit gefunden hat, an diesem Projekt mitzuarbeiten, wird zwar von den Herausgebern als Defizit bezeichnet, d\u00fcrfte jedoch nach Lage der Dinge durchaus verst\u00e4ndlich sein. Im Gegensatz zu dem Bem\u00fchen, \u201evon christlicher Seite den Antijudaismus auch in der \u00dcbersetzung zu \u00fcberwinden\u201c (26) ist dieser Text mit seinen ideologischen Entstellungen ein absolutes Hindernis f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch mit den anderen monotheistischen Religionen wie mit Juden und auch mit Moslems. Der alte Vorwurf des Polytheismus bei den Christen findet damit neue Nahrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beseitigt werden sollen 3. Zust\u00e4nde sozialer Ungerechtigkeit (11), und zwar eigenartiger Weise nicht nur bei den Frauen und Sklaven, sondern auch bei der Diskriminierung von \u201eGottlosen\u201c, \u201eals ginge es (bei dieser \u00dcbersetzung des hebr\u00e4ischen Wortes \u201arascha\u2019) um Atheismus oder Unglauben\u201c (11). Mit diesem Hinweis in der Einf\u00fchrung ist bereits angedeutet, was von vielen Textstellen in der \u00dcbersetzung best\u00e4tigt wird: Was der Mensch als S\u00fcnder ist, wird offenbar durchgehend lediglich moralisierend als Tat und Verhalten aufgefa\u00dft, nicht jedoch als Macht und Zustand in dem Bund zwischen Gott und Menschen. Gerechte sind demnach solche, \u201edie Gutes\u201c tun, S\u00fcnder hingegen solche, \u201edie Unrecht tun\u201c oder \u201eversagen\u201c (z. B. R\u00f6m 6, Mt 9, 10. 13; Lk 5, 8 u. \u00f6.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ein Hinweis f\u00fcr die durchgehende Moralisierung der S\u00fcnde mag die verblasene \u00dcbersetzung von R\u00f6m 6, 23 dienen: \u201eDenn der Sold, den die S\u00fcndenmacht zahlt, ist der Tod. Die Zuwendung, die Gott schenkt, ist ewig lebendiges Leben im Messias Jesus, dem wir geh\u00f6ren.\u201c Wo jedoch von S\u00fcnde und Gnade nicht mehr klar geredet werden kann, verkommt das Evangelium. Die Zusammenfassung der Verk\u00fcndigung Jesu Mark 1, 15 lautet dann: \u201eDer Augenblick ist gekommen, die Zeit ist erf\u00fcllt. Die Gottesherrschaft ist nahe gekommen! Kehrt zum Leben um und vertraut dem Evangelium.\u201c Der Ruf zur Bu\u00dfe angesichts des kommenden Gerichts wird verw\u00e4ssert zu einer \u201ewellness\u201c-Theologie, wie sie leider von manchen Kanzeln t\u00f6nt. In dieser Hinsicht folgt die \u00dcbersetzung eben auch den W\u00fcnschen und Forderungen der Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Gottes Selbstoffenbarung oder menschliche Gottesbilder?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verehrung weiblicher Gottheiten ist in der multikulturellen Umwelt des Alten wie des Neuen Testaments etwas v\u00f6llig Normales, daher erw\u00e4chst daraus auch immer wieder eine Versuchung f\u00fcr das Volk Gottes des alten wie des neuen Bundes. Der Prophet Jeremia wendet sich gegen die Anbetung der Himmelsk\u00f6nigin, die vor allem von den Frauen verehrt wird (Jer 7, 17-19; 44, 15-27). Der Prophet Ezechiel wendet sich gegen die falschen Propheten und Prophetinnen, deren Verk\u00fcndigung und liturgische Gestaltung ihrem eigenen Geist, nicht aber dem Wort Gottes folgen (Ez 13). Da\u00df ausgerechnet in diesem Text \u201eGott der Herr\u201c mit \u201edie Ewige\u201c wiedergegeben wird, kann man nur als Verblendung, durch die der Textinhalt nicht mehr wahrgenommen wird, bezeichnen. (11)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die feministische Ideologie heute als etwas scheinbar Neues verbreitet, ist im Grunde eine st\u00e4ndig wiederkehrende Erscheinung in der Geschichte der Religionen. Im Umkreis des Christentums ist dabei vor allem auf die alte und neue Gnosis (12)\u00a0zu verweisen, die durchgehend m\u00e4nnliche und weibliche Wesen in ihren Hypostasen, \u00c4onen und Emanationen als Offenbarung des G\u00f6ttlichen beschreibt (13)\u00a0bis hin zur Lehre von den Archetypen, den \u201eseelendramatischen Vorg\u00e4ngen\u201c, von Carl Gustav Jung (1875-1961) mit seiner Erg\u00e4nzung der Trinit\u00e4t zu einer Quaternit\u00e4t durch Maria als weibliches Element.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit kommen wir zu dem entscheidenden Eingriff in den Textbestand der biblischen Schriften, da\u00df durchgehend die biblischen Gottesbezeichnungen durch weibliche Bezeichnungen erg\u00e4nzt oder ersetzt werden. Das geschieht unter der Voraussetzung, da\u00df Gott nicht das Subjekt in seinem Wort ist, sondern Objekt und Produkt menschlicher Vorstellungen, Bed\u00fcrfnisse und Erfahrungen. Allerdings mu\u00df gleich darauf hingewiesen werden, da\u00df diese Erscheinung keineswegs auf dieses Projekt beschr\u00e4nkt ist, sondern, ob man das will oder nicht, in der protestantischen Theologie sehr weit bis zur unreflektierten Selbstverst\u00e4ndlichkeit verbreitet ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir gehen nun aus von einigen Kerntexten, die zu den Grundlagen christlichen Lebens geh\u00f6ren, um zu zeigen, was hier geschieht:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.1. Das Vaterunser:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSo also betet: Du, Gott, bist uns Vater und Mutter im Himmel\u2026\u201c (Mt 6, 9). Gott wird nicht als Vater angeredet, sondern offenbar dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt, da\u00df er uns Vater und Mutter ist. Im Paralleltext ist zu lesen \u201eDu Gott\u2026\u201c statt \u201eVater\u201c (Lk 11, 2). Manchen Gemeinden und Schulklassen wird diese Wiedergabe des Vaterunsers seit Jahren aufgezwungen; nicht wenige Gemeindeglieder werden aber damit auch gezwungen, solche Gottesdienste nicht mehr zu besuchen. Welche Folgen diese neue Bibel\u00fcbersetzung f\u00fcr die Gemeinde und ihren Gottesdienst nach den Vorstellungen ihrer Verfechter haben soll, d\u00fcrfte sich auch in der zum Reformationsfest 2006 in Frankfurt\/M. arrangierten Veranstaltung gezeigt haben, die schlechterdings nicht als Gottesdienst bezeichnet werden darf, wenn die Schriftlesungen und liturgischen Texte nach dieser \u00dcbersetzungen verwendet werden sollten. Mit Sicherheit h\u00e4tten ihn s\u00e4mtliche Reformatoren unter Protest verlassen, und besonnene Christen, wenn sie wissen, was ihnen bevorsteht, werden \u00fcberhaupt nicht erst hingehen. Juden und Moslems, die man ja gerne bei solchen Veranstaltungen dabei h\u00e4tte, werden sich bei alttestamentlichen Lesungen mit Entsetzen die Ohren zuhalten und weglaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.2. Die Taufe:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso wird das Problem, das hier auf die Gemeinde zukommt, bei dem Tauf- und Missionsbefehl von Mt 28, 17-20 deutlich, wo es nun hei\u00dft: \u201eDie elf J\u00fcnger wanderten nach Galil\u00e4a auf den Berg, auf den Jesus sie hingewiesen hatte. Und als sie ihn sahen, huldigten sie ihm, einige aber zweifelten. Jesus trat heran und sprach zu ihnen: \u201aGott hat mir alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Macht euch auf den Weg und la\u00dft alle V\u00f6lker mitlernen. Taucht sie ein in den Namen Gottes, Vater und Mutter f\u00fcr alle, des Sohnes und der heiligen Geistkraft. Und lehrt sie, alles, was ich euch aufgetragen habe, zu tun. Und seht: Ich bin alle Tage bei euch, bis Zeit und Welt vollendet sind\u2019.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch dies ist ein Text, der nicht nur jedem Christen im Ohr, ja im Herzen liegt, der aber durch die Taufe eine konstitutive Bedeutung und Wirkung f\u00fcr das Entstehen und Bestehen der christlichen Gemeinde f\u00fcr alle Zeiten hat. Wird eine Taufe mit diesen Einsetzungsworten gespendet, dann ist sie unwirksam und ung\u00fcltig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df der Paralleltext Mk 16, 9-20 als sekund\u00e4re Einf\u00fcgung in Petit wiedergegeben wird, entspricht der in Agenden und Taufhandlungen seit einiger Zeit verbreiteten Praxis, den deutlichen Hinweis darauf, da\u00df allein die Taufe aus dem Gericht rettet, zu verdr\u00e4ngen oder v\u00f6llig zu streichen: \u201eWer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.\u201c Auch bei dem Text Mt 28, 20 entsteht der Eindruck, da\u00df nicht mit dem Ende der Welt durch ein Endgericht gerechnet wird, wie das durchgehend vom Wort Gottes bezeugt wird, sondern mit einer fortschreitenden Vollendung der Welt in ihrer Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Erl\u00e4uterung zu \u201etaufen\u201c wird dazu glatt behauptet, \u201eda\u00df ohne Taufe kein Heil bei Gott zu finden sei, ist ein Gedanke, der dem NT fremd ist, aber in einigen Handschriften sp\u00e4ter eingetragen wurde\u201c (2335). Man fasst sich bei solcher Unkenntnis unwillk\u00fcrlich an den Kopf und fragt sich, welchen Unfug solche Theologen, denen einfachste Grundkenntnisse fehlen, in einer Gemeinde anstellen. (14)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An solchen Kernstellen wie Vaterunser und Taufe zeigt sich nun, wie es durch die schon philologisch an keiner Stelle zu rechtfertigende Eintragung weiblicher Elmente in die Gottesbezeichnung zu einer tiefgreifenden Ver\u00e4nderung, ja sogar Aufhebung des gesamten in der Selbstoffenbarung des Dreieinigen Gottes begr\u00fcndeten christlichen Glaubens kommt. Da\u00df darauf schon seit l\u00e4ngerem von Theologen aus dem englischen Sprachbereich hingewiesen und davor gewarnt wird, ist den Nachahmern der amerikanischen feministischen Theologie in ihrer ideologischen Verblendung offenbar niemals zu Gesicht gekommen. (15)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.3. Erg\u00e4nzungen und Ersetzungen bei den Gottesbezeichnungen<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Bearbeitung der Texte kam es darauf an, weibliche Formen einzuf\u00fcgen und m\u00e4nnliche, vor allem \u201eVater\u201c und \u201eHerr\u201c zu vermeiden. F\u00fcr die alttestamentlichen Texte wird das Tetragramm \u201ejhvh\u201c durchgehend mit der vokalisierten Form \u201eadonaj\u201c wiedergegeben, was w\u00f6rtlich \u201eHerr\u201c hei\u00dft. Das hebr\u00e4ische Wort verdeckt also nur die deutsche Bedeutung. Jhvh elohim wird mit \u201eadonaj, also Gott\u201c wiedergegeben. Ferner werden sowohl m\u00e4nnliche \u201eer\u201c- wie auch weibliche \u201esie\u201c-Personalpronomina damit verbunden, z. B. Gen 1, 27: \u201e\u2026m\u00e4nnlich und weiblich hat er, hat sie, hat Gott sie geschaffen\u201c. Oder man liest \u201edie Ewige\u201c, auch \u201edie Heilige\u201c, \u201edie Gottheit\u201c. Es werden hebr\u00e4ische Bezeichnungen, die nicht aus dem Bibeltext kommen, eingetragen wie \u201eha makom\u201c \u2013 \u201eder Ort\u201c oder auch \u201eSchechina\u201c, abgeleitet von \u201eschachan\u201c \u2013 \u201ewohnen\u201c, z. B. der Tempel als der Ort, wo Gott seinen Namen wohnen l\u00e4sst (z.B. 1 K\u00f6 8, 13; 26, 8 &#8211;\u00a0\u201eder du thronst \u00fcber den Lobges\u00e4ngen Israels\u201c, Ps 22, 4 u. a. m.). Statt \u201eVater\u201c hei\u00dft es dann \u201eUrsprung\u201c (Joh 8, 18f; 1 Kor 1, 3; Eph 6, 23); statt \u201eHerr\u201c steht dann \u201edie Lebendige\u201c (durchgehend in Lk) oder auch \u201eder Befreier\u201c, statt vom \u201eSohn\u201c wird meistens vom \u201eKind\u201c geredet, statt Geist liest man \u201edie Geistkraft\u201c. Dies aber zeigt, wie die Namen der drei Personen der g\u00f6ttlichen Dreieinigkeit, Vater, Sohn und Geist, durchweg durch weibliche Erg\u00e4nzungen oder Ersetzungen ver\u00e4ndert werden. Da\u00df pistis \u2013 Glaube mehrfach als \u201eZuneigung\u201c wiedergegeben wird, z. B. Hebr 13, 9, zeigt, da\u00df man \u00fcberhaupt kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Glauben und Gehorsam in der Bundestreue Gottes hat (R\u00f6m 3, 1 ff).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu diesem durchgehenden Befund mit der Verweiblichung von Gottesbezeichnungen ist zu sagen, da\u00df keine davon philologisch zu belegen ist. Das aber bedeutet, es handelt sich nicht um eine \u00dcbersetzung des Urtextes, sondern um eine Textver\u00e4nderung. Der entsprechende Teil der Einleitung (16-21) l\u00e4sst erkennen, wie man sich windet, um diese einschneidenden Eingriffe in den Text zu begr\u00fcnden. In der Kopfzeile jeder linken Seite sowie auf dem Seitenrand wird daher auch meistens der Begriff aus dem Urtext angegeben und es werden Auswahlm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Gottesbezeichnung notiert. Die weiblichen Elemente werden also dem Text und damit auch den Lesern f\u00f6rmlich aufgezwungen. Diese Texte zu lesen oder gar vorzulesen, ist ein Ding der Unm\u00f6glichkeit, was wohl auch von den Urhebern gesehen wird, wenn sie raten: \u201eWegen der Anpassung der grammatischen Bez\u00fcge empfiehlt sich bei \u00f6ffentlichem Vorlesen eine Probelesung\u201c (17). Zu deutsch: der Text ist weder lesbar noch vorlesbar; er dient lediglich als Demonstration f\u00fcr eine bestimmte Ideologie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Vorgang greift aber noch tiefer nicht nur in den Text, sondern in den ganzen christlichen Glauben ein. Protestantische Theologen m\u00fcssen sich von Juden an die Heiligkeit des Gottesnamens erinnern lassen und vor allem daran, da\u00df diese Namen nicht von Menschen erfunden und auf Gott \u00fcbertragen werden, sondern da\u00df Gott selbst seinen Namen offenbart (Ex 3, 14 etc.), da\u00df daraufhin sein Namen verk\u00fcndigt und Gott von uns so erkannt und angerufen werden kann. \u201eNomen Dei est Deus ipse\u201c \u2013 \u201eDer Name Gottes ist Gott selbst\u201c \u2013 so lehrten die alten und alle rechtgl\u00e4ubigen Dogmatiker.(16)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade wo die Eliminierung von antijudaistischen Ankl\u00e4ngen eines der drei Hauptanliegen dieses Textes ist, mu\u00df man mit Entsetzen feststellen, da\u00df dieses ganze Unternehmen gerade in seinem Kern tiefgreifend antijudaistisch ist. Nicht nur orthodoxe Juden werden mit Abscheu auf das reagieren, was sie hier in ihren Heiligen Schriften vorgesetzt bekommen. In gleicher Weise ist es auch antichristlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.\u00a0Die Aufl\u00f6sung der Dreieinigkeit Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn evangelische Christen nicht in gleicher Weise wie Juden und Moslems darauf reagieren, dann wird das wohl daran liegen, da\u00df jedes Gef\u00fchl f\u00fcr die Heiligkeit des Namens Gottes und f\u00fcr seine Offenbarung in seinem Wort verloren gegangen ist, weil man die Heiligen Schriften lediglich als geschichtsbedingte Formulierung von Theologien ansieht, und dazu rechnen auch die Gottesnamen. Gerade deshalb mu\u00df man sich klar machen, da\u00df auf diese Weise die Selbstoffenbarung des Dreieinigen Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist, wie sich oben bereits bei der Taufformel zeigte, bis in die Wurzeln zerst\u00f6rt worden ist. Dies soll im Folgenden an den Aussagen \u00fcber die drei Personen der g\u00f6ttlichen Trinit\u00e4t gezeigt werden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.1. Gott der Vater<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durchgehend wird die Bezeichnung \u201eVater\u201c vermieden und entweder durch \u201eUrsprung\u201c ersetzt oder durch \u201eMutter\u201c erg\u00e4nzt. So hei\u00dft es im Gebet Jesu im Garten Gethsemane Mt 26, 39: \u201eMein Gott, Vater und Mutter, wenn es m\u00f6glich ist\u2026\u201c Diese Entstellung der Gebetsanrede Jesu findet sich immer wieder (Joh 8, 18 f u. a. m.). Konsequent w\u00e4re zu fragen, ob Jesus hier Gott als seine Eltern anredet, und damit stellt sich schon die Frage nach der Herkunft Jesu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wiedergabe von Mt 11, 25-30 zeigt in gleicher Weise, wie nicht nur das Verh\u00e4ltnis Vater-Sohn, sondern zugleich die Unterscheidung des Sohnes Gottes von denen, die durch ihn die Kindschaft empfangen, aufgehoben wird: \u201eEs war zu dieser Zeit, da\u00df Jesus Gott antwortete und bekannte: \u201aIch singe dir Loblieder, Gott Vater und Mutter f\u00fcr mich und m\u00e4chtig im Himmel und auf der Erde\u2026Du hast mir alles mitgeteilt. Niemand kennt mich als dein Kind so wie du, v\u00e4terlich und m\u00fctterlich. Niemand kennt dich so v\u00e4terlich und m\u00fctterlich, wie ich als dein Kind, und wie alle Geschwister, die ich dar\u00fcber aufkl\u00e4re\u2026\u201c In gnostischen Texten findet man solche Vorstellungen; christlich sind sie auf keinen Fall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von einer geradezu ersch\u00fctternden Gef\u00fchllosigkeit ist die Banalisierung des Klagegebets Jes 63, 15 ff: \u201eBlicke vom Himmel und sieh aus deiner heiligen und pr\u00e4chtigen Wohnung! Wo ist dein Eifer, dein Heldenmut? Deine innersten Gef\u00fchle und deine Mutterliebe bleiben mir vorenthalten. Du bist ja unser Vater, unsere Mutter. Abraham kennt uns nicht, Israel nimmt uns nicht wahr. Du bist Gott, unser Vater, unsere Mutter. ,Unsere Befreiung seit jeher\u2019, das ist dein Name.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eph 3, 15 wird der nicht ganz leicht zu \u00fcbersetzende Text, in dem alles, was genealogisch mit Vaterschaft (patria) bezeichnet wird, von Gott, dem Vater, herkommt, philologisch eindeutig falsch so verdreht: \u201eDeshalb beuge ich meine Knie vor der sch\u00f6pferischen Kraft (pater), die jedes Volk im Himmel und auf Erden benannt hat\u2026\u201c In diesem Fall wie auch bei der Ersetzung von \u201eVater\u201c durch \u201eUrsprung\u201c (1, Kor 1, 3; Eph 6, 23) wird eine personale Bezeichnung durch eine neutrale anonyme Bezeichnung im Sinne einer abstrakten Kausalit\u00e4t ersetzt. Au\u00dferdem zeigt sich hier, wie die Vorstellung von einer menschlichen \u00dcbertragung von Gottesvorstellungen, \u2013bildern und \u2013begriffen offenbar ein religi\u00f6ser Pluralismus verborgen ist, nach dem die Gottesbezeichnungen der verschiedenen Religionen einen gemeinsamen Inhalt und Bezugspunkt haben. (17)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die personale Bezeichnung \u201epantokrator\u201c, \u201eAllm\u00e4chtiger\u201c, wird neutralisiert: \u201eIch bin das Alpha und das O, sagt Gott, die Macht, die ist und die war und die kommt, die alles beherrscht\u201c (Apk 1, 8). Vermutlich weil nun doch Apk 22, 19 im Blick ist, hei\u00dft es dort jedoch: \u201eIch bin das Alpha und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende\u201c (Apk 22, 13).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese und viele weitere Eingriffe haben, wie leicht einzusehen ist, erhebliche Konsequenzen f\u00fcr das gesamte christliche Glaubensbekenntnis, angefangen beim ersten Artikel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.2. Der Sohn Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben dem bereits angef\u00fchrten Tauf- und Missionsbefehl ist die Taufe Jesu durch Johannes ein Grundtext f\u00fcr die Offenbarung der Dreieinigkeit Gottes (Mt 3, 13-17; Mk 1, 9-11; Lk 3, 21f). Das offenbarende und die Verhei\u00dfung des Alten Bundes erf\u00fcllende Wort Gottes von Ps 2, 4 wird gegen den Urtext so ver\u00e4ndert: \u201eDieses ist mein geliebtes Kind, ihm geh\u00f6rt meine Zuneigung\u201c. Dabei ist schon zu bedenken: Die Gottessohnschaft Jesu, der vom Vater in Ewigkeit geboren und daher nach seinem Wesen Gott ist, unterscheidet sich von der Gotteskindschaft, die wir durch die Taufe auf den Namen des Dreieinigen Gottes als Annahme zum Kind Gottes (adoptione R\u00f6m 8, 15f; Gal 4, 1 ff) empfangen. Dieselbe Aufhebung der Beziehung von Vater und Sohn durch die Ersetzung der Bezeichnungen aus dem Urtext findet sich auch Hebr 1, 1 ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">V\u00f6llig unverst\u00e4ndlich ist, da\u00df dann auch die Gebetsanrede Jesu \u201eabba\u201c, die aus guten Gr\u00fcnden aram\u00e4isch \u00fcberliefert und so auch in vielen \u00dcbersetzungen festgehalten wird, an entscheidenden Stellen in nach dem Textzusammenhang geradezu geschmackloser Weise pervertiert wird. So Mk 14, 36 beim Gebetsringen im Garten Gethsemane: \u201eGott, Ursprung, von dem ich herkomme, dir ist alles m\u00f6glich\u2026\u201c R\u00f6m 8, 15 wird die durch die Gabe des Geistes Jesu in der Taufe er\u00f6ffnete M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Christen, Gott anzureden, wie es der Sohn Gottes getan hat, bagatellisiert: \u201eDu Ursprung allen Lebens, sei unser Schutz!\u201c Nur Gal 4, 6 bleibt: \u201eAbba! Vater\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">V\u00f6llig den Sinnzusammenhang von Wort und Logos mit Gen 1, 1ff zerst\u00f6rend werden die gewichtigen Worte des Johannesprologs v\u00f6llig verzerrt: \u201e1 Am Anfang war die Weisheit und die Weisheit war bei Gott und die Weisheit war wie Gott. 2 Diese war am Anfang bei Gott. 3 alles ist durch sie entstanden, und ohne sie ist nichts entstanden\u202614 und die Weisheit wurde Materie und wohnte unter uns, und wir sahen ihren Glanz wie den eines einziggeborenen Kindes von Mutter und Vater voller Gnade und Wahrheit.18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einziggeborene, der im Mutterscho\u00df des Vaters ist, jener ist uns vorangegangen.\u201c Diese theologisch wie philologisch falsche \u00dcbersetzung kann man nur mit einem Gem\u00e4lde von Rembrandt vergleichen, auf das irgend jemand seine politischen Parolen mit Spr\u00fchfarben geschmiert hat. Und vor allem: Die Weisheit ist nicht die zweite Person der Dreieinigkeit, sondern Eigenschaft und Gabe Gottes, aber auch nur so und dann eine Eigenschaft von Menschen, wenn sie denn erbeten und geschenkt wird (1 K\u00f6 3).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">V\u00f6llig entstellt wird auch das Wort Jesu vom Bekennen und Verleugnen: \u201eDenn zu allen, die sich zu mir bekennen vor den Menschen, werde auch ich mich bekennen vor Gott, f\u00fcr mich Vater und Mutter im Himmel. Aber die mich verleugnen vor den Menschen, werde auch ich verleugnen vor Gott im Himmel\u201c (Mt 10, 32f). Noch schlimmer Mk 8, 38: \u201eIn dieser Generation, die den Bund mit Gott bricht, gibt es einige, die sich f\u00fcr mich und meine Worte sch\u00e4men. F\u00fcr die wird sich auch die himmlische Menschengestalt sch\u00e4men, wenn sie im Strahlenglanz Gottes mit den heiligen Engeln kommt.\u201c Dies hat \u00fcberhaupt nichts mehr mit dem Urtext zu tun, sondern das ist ein gesellschaftspolitisches Pamphlet, in dem die Grundlagen des Christusbekenntnisses aufgehoben sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kirchenv\u00e4ter wie Iren\u00e4us von Lyon, Gregor von Nyssa (s.o.), Gregor von Nazianz, Augustin und alle ihnen folgenden rechten Lehrer der Kirche haben immer darauf hingewiesen, da\u00df die Namen Gottes nicht einfach Eigenschaften sind, die aus menschlichen Vorstellungen auf Gott \u00fcbertragen werden, sondern in ihnen offenbaren sich die wesenhaften Beziehungen (<span style=\"font-family: Symbol;\">sceseiV<\/span>\u2013 relationes) zwischen den trinitarischen Personen. In ihnen offenbart sich das Wesen (Homousie) der Dreieinigkeit Gottes. Grundlegend offenbart sich in der Beziehung Gott Vater \u2013 Gott Sohn die Gemeinschaft des Wesens als Gott und die Differenz der Personen in einem Ich-Du-Verh\u00e4ltnis, wie es sich gerade bei der Taufe Jesu und bei seinen Gebeten manifestiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sowohl die Auseinandersetzung mit der Gnosis, z. B. bei Iren\u00e4us von Lyon (18)\u00a0wie auch die sog. christologischen und trinitarischen Streitigkeiten des 4. Jahrhunderts wurden durchweg dadurch ausgel\u00f6st, da\u00df bestimmte theologische Lehren der Anbetung des dreieinigen Gottes im Gottesdienst der Gemeinde widersprachen. Es wurde also keineswegs eine Trinit\u00e4tslehre oder Christologie entwickelt, sondern die Integrit\u00e4t des christlichen Gottesdienstes mit dem Lobpreis des Dreieinigen Gottes und der Taufe als realer Gemeinschaft mit Gott mu\u00dften verteidigt werden. Deshalb sind die christologisch-trinitarischen Abgrenzungen stets auch mit Taufe und Abendmahl verbunden. So ging es durchweg darum, diese Realit\u00e4t der Gemeinschaft mit dem Wesen Gottes festzuhalten. Gegen\u00fcber Arius wird dabei die falsche Auffassung vom Sohn Gottes energisch zur\u00fcckgewiesen: \u201eAuch wenn er als Gott bezeichnet wird (n\u00e4mlich im Gottesdienst der Gemeinde), ist er doch nicht wahrhaftiger Gott\u201c. (19)\u00a0Hier begegnet die Vorstellung von einer \u00dcbertragung von Gottesbezeichnungen, denen kein reales Sein entspricht. In gleicher Weise wird in der Confessio Augustana Art. I von der Einheit des Wesens und der Dreiheit der g\u00f6ttlichen Personen betont: \u201eda\u00df ein g\u00f6ttlich Wesen sei, welches genennt wird und wahrhaftiglich ist (quae appellatur et est) Gott, und seind doch drei Personen in demselben einigen gottlichen Wesen, gleich gewaltig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist, alle drei ein gottlich Wesen\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man sich vor Augen f\u00fchrt, wie mit diesen falschen \u00dcbersetzungen das unterschiedene Sein Gottes nicht nur aufgehoben, sondern durch weibliche Elemente aus der menschlichen Erfahrungswelt ver\u00e4ndert und ersetzt wird, dann wird deutlich, da\u00df damit der \u201emagnus consensus\u201c mit der alten Kirche und der gesamten rechtgl\u00e4ubigen Christenheit, der in CA I ausdr\u00fccklich betont und sorgf\u00e4ltig nachgewiesen wird, durchweg willk\u00fcrlich zerbrochen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.3. Der Heilige Geist<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist immerhin bedenkenswert, da\u00df die W\u00f6rter f\u00fcr \u201eGeist\u201c im Hebr\u00e4ischen feminin, im Griechischen neutrisch und im Lateinischen wie auch im Deutschen und vielen anderen Sprachen maskulin sind. Unter dem Zwang der ideologischen Vorgaben hei\u00dft es aber nun meistens: \u201edie Geistkraft\u201c. Auch die Bezeichnung der Person wird anonym gefa\u00dft, und das wird verbunden mit der Behauptung: \u201eIn nachbiblischer Theologie wird die Geistkraft zu einer Person der g\u00f6ttlichen Dreifaltigkeit (Trinit\u00e4t)\u2026\u201c (2377). Abgesehen davon, da\u00df die altkirchlichen Konzile keineswegs neue Dogmen produzierten, sondern, wie gerade gezeigt, die Integrit\u00e4t des Glaubens in der Einheit des Geistes vor allem f\u00fcr den Gottesdienst festhielten und gegen\u00fcber Irrlehren abgrenzten (definierten), liegt auch hier wie bei manchem anderen einfach mangelnde Kenntnis der Schrift vor. Denn als Person und damit als Subjekt begegnet uns der Geist als &#8222;parakletos&#8220; (Joh 14, 16. 26; 15, 26; 16, 7 sowie R\u00f6m 8, 16; 26 f), wenn er f\u00fcr uns eintritt und uns vor Gott vertritt. An allen diesen Stellen wird jedoch dieser theologisch und grammatisch eindeutige Sachverhalt plattgewalzt mit \u201edie Geistkraft\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6. Das Bilderverbot Ex 20, 4-6; Dtn 5, 8-10; 4, 9-20<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther hat in seinen Katechismen das zweite Gebot biblischer Z\u00e4hlung keineswegs, wie selbst von Theologen gelegentlich behauptet wird, gestrichen. Er hat es vielmehr mit dem ersten Gebot zusammengefa\u00dft und die umfangreiche Sanktion mit Zorn und Gnade als \u201eBeschlu\u00df\u201c des Dekalogs im Kleinen Katechismus und als Anhang zur Auslegung des ersten Gebots im Gro\u00dfen Katechismus eingef\u00fcgt: \u201eDu sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen\u2026\u201c Der biblische Kommentar zum Bilderverbot in Dtn 4 sch\u00e4rft das ein: Gott begegnet seinem Volk im Wort, das geh\u00f6rt wird und geschrieben ist: \u201eSeine Worte h\u00f6rtet ihr, aber ihr saht keine Gestalt, nur eine Stimme war da. Und er verk\u00fcndete euch seinen Bund, den er euch gebot zu halten, n\u00e4mlich die Zehn Worte, und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln (V. 12-13). Gott begegnet seinem Volk aber nicht im Bild von dem, was er geschaffen hat. Deshalb wird mit aller Strenge gewarnt: \u201eSo h\u00fctet euch nun wohl \u2013 denn ihr habt keine Gestalt gesehen an dem Tage, da der Herr mit euch redete aus dem Feuer -, da\u00df ihr euch nicht vers\u00fcndigt und euch irgendein Bildnis macht, das gleich sei einem Mann oder Weib\u2026\u201c (genau mu\u00df es auch hier wie Gen 1, 27 hei\u00dfen: m\u00e4nnlich und weiblich. (V. 15-16).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man nun vor Augen hat, in welcher Weise in dieser Ausgabe der Heiligen Schriften die Namen Gottes ver\u00e4ndert und durch andere ersetzt worden sind, dann ist zun\u00e4chst festzustellen, da\u00df durchgehend \u00dcbertragungen aus dem Bereich von Gottes Sch\u00f6pfung vorgenommen worden sind. Auf diese Weise schafft sich der Mensch einen Gott nach seinem eigenen Bildnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun wird immer wieder auf Texte hingewiesen, in denen weibliche Verhaltensweisen mit Gott verbunden werden wie z. B. \u201eIch will euch tr\u00f6sten, wie einen seine Mutter tr\u00f6stet\u201c (Jes 66, 13) oder: \u201eKann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, da\u00df sie sich nicht erbarme \u00fcber den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner verg\u00e4\u00dfe, so will ich doch deiner nicht vergessen\u201c (Jes 49, 15), oder: \u201eWie die Augen der Magd auf die H\u00e4nde ihrer Frau, so sehen unsere Augen auf den Herrn\u2026\u201c (Ps 123, 2). An allen diesen und \u00e4hnlichen Stellen geht es jedoch um Vergleiche oder Metaphern, nicht jedoch um Gleichsetzungen. (20)\u00a0Wenn dies nicht beachtet wird, kommt es unweigerlich zu einer \u00dcbertretung des Bilderverbots mit allen seinen Folgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn durchgehend die Bezeichnungen Herr, Vater ersetzt werden, dann geschieht dies erkl\u00e4rterma\u00dfen deshalb, weil man meint, auf diese Weise Unrecht wieder gut machen zu k\u00f6nnen. Begr\u00fcndet wird das in der feministischen Theologie immer mit negativen Erfahrungen in Ehe und Familie, die es ja durchaus geben mag. Doch dabei wird offenbar v\u00f6llig \u00fcbersehen, da\u00df man vorhandene oder eingebildete soziale und politische Mi\u00dfst\u00e4nde nicht dadurch ver\u00e4ndern kann, da\u00df man andere Gottesbilder produziert. Vielmehr wird auf diese Weise genau die Grundlage aus dem Wort Gottes aufgehoben, von der aus, beginnend mit Gen 1, 27, gezeigt werden kann, was in unserem Leben dem Willen Gottes zuwider ist. Andernfalls setzt sich der Mensch an die Stelle Gottes (Gen 3), auch in der Meinung, er k\u00f6nne alle Folgen des S\u00fcndenfalls in dieser Welt bek\u00e4mpfen und beseitigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings mu\u00df man auch sehen, wie bei diesen Ver\u00e4nderungen und Ersetzungen in den Gottesnamen die Personalit\u00e4t des Dreieinigen Gottes aufgel\u00f6st wird in Begegnungen, Gef\u00fchle und Erfahrungen, wie es das Kennzeichen aller Gnosis ist. Gott wird entmachtet, indem er seiner Herrschaft beraubt wird, nach der er Sch\u00f6pfer, Erhalter, Richter und Retter der Welt und aller Menschen ist, den wir als solchen \u201e\u00fcber alle Dinge f\u00fcrchten, lieben und vertrauen\u201c sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ausgew\u00e4hlten Beispiele f\u00fcr die dogmatische Beurteilung bilden nur einen kleinen Ausschnitt aus einem Gesamtbefund von theologischen und philologischen Fehlern. In den bisher vorliegenden \u00c4u\u00dferungen zu der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c zeigt sich, wie man sich dar\u00fcber entweder emp\u00f6ren oder lustig machen kann. Nach meiner Einsicht kommt es jedoch in erster Linie darauf an zu sehen, was an diesem Projekt symptomatisch ist f\u00fcr das, was bei uns in Theologie und Kirche weit verbreitet ist. Kirchenleitungen, die dieses Projekt unterst\u00fctzt haben und weiterhin f\u00f6rdern, m\u00fcssen sich vorwerfen lassen, da\u00df sie damit die Kirche und den christlichen Glauben zerst\u00f6ren. Wie jedoch nichts ohne Gottes Willen geschieht, so sollte uns auch diese Bibelausgabe die Augen \u00f6ffnen f\u00fcr das, was wir in der Lehre und daher weithin auch im Gottesdienst einfach verloren haben. Dies aber ist keineswegs eine Frage theologischer Richtungen und Schulen, sondern des theologischen Grundwissens. Die ernste Frage zur Pr\u00fcfung von uns selbst ist, ob der Dreieinige Gott, den wir bekennen, anbeten und verk\u00fcndigen, nur ein Gedankenprodukt von Theologen ist, oder ob er sich selbst in seinem Wort der Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments offenbart, zu uns spricht und an uns und dieser Welt handelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1 Ex 20, 4-6; Dtn 5, 8-10; 4, 9-20.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2 Bibel in gerechter Sprache. Hgg.: Frank Cr\u00fcsemann, Marlene Cr\u00fcsemann, Erhard Domay, J\u00fcrgen Ebach, Claudia Janssen, Hanne K\u00f6hler, Helga Kuhlmann, Martin Leutzsch und Luise Schottroff. G\u00fctersloher Verlagshaus. G\u00fctersloh 2006. 2400 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3 De vita Moysis. MPG 44, 376 D.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4 Vgl. Heinrich Kraus, Gefl\u00fcgelte Bibelworte. Das Lexikon biblischer Redensarten. M\u00fcnchen 1993.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5 Vorz\u00fcgliche Untersuchungen zu den ideologischen Einfl\u00fcssen bei neueren Bibel\u00fcbersetzungen mit weiteren Literaturhinweisen bieten: Bernhard Rothen, Der Hang zur frommen L\u00fcge. Die Gute Nachricht als Beispiel einer nat\u00fcrlichen Theologie. In KuD 37, 1991, 280-306; Armin Wenz, Schriftgem\u00e4\u00dfe Bibel\u00fcbersetzung? Kritische Anmerkungen zur \u201aGuten Nachricht\u2019. In: Ders., Sana Doctrina. Heilige Schrift und theologische Ethik. (=Neue Beitr\u00e4ge zur historischen und systematischen Theologie. 37) Frankfurt \/ M. u. a. 2004.84-120<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6 F. D. E. Schleiermacher (1768-1834), Der christliche Glaube \u00a7 132: Es \u201ekann wohl nicht behauptet werden, da\u00df das Gesetz von diesem selbigen Geist eingegeben sei\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7 Hegels Jugendschriften, Hg. von Hermann Nohl. 260).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">8 Adolf von Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. 1924\u00b2. Nachdr. 1985. Das Alte Testament \u201eseit dem 19. Jahrhundert als kanonische Urkunde des Protestantismus zu konservieren ist die Folge einer religi\u00f6sen und kirchlichen L\u00e4hmung\u2026Hier reinen Tisch zu machen und der Wahrheit in Bekenntnis und Unterricht die Ehre zu geben, ist die Gro\u00dftat, die heute \u2013 fast schon zu sp\u00e4t \u2013 vom Protestantismus verlangt wird.\u201c (217. 222).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9 Artur Dinter, 197 Thesen zur Vollendung der Reformation. 1926. These 1: \u201eDas alte Testament ist kein g\u00f6ttliches offenbartes Buch, sondern das widerspruchsvolle Werk irrender Menschen. Es ist von j\u00fcdischen Priestern teils aus j\u00fcdischen, teils aus nichtj\u00fcdischen Schriftwerken zusammengearbeitet worden. Es sind zahlreiche Schichten seiner Entstehung wissenschaftlich festgestellt\u2026\u201c These 29: \u201eDie Heilandslehre ist f\u00fcr alle Menschen die gleiche. Ein Volk h\u00f6herer Rasse aber wird sie anderes auffassen und anders bet\u00e4tigen als ein Volk niederer Rasse.\u201c \u2013 Alfred Rosenberg, Der Mythos des 20. Jahrhunderts (1930) lehnt die \u201eViehhalter und Zuh\u00e4lter Geschichten\u201c des AT ab und fordert ein 5. Evangelium, das dem germanischen Geist und Bewu\u00dftsein entspricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">10 Wilhelm Vischer(1895-1988) verfa\u00dfte in dieser Zeit sein Werk \u201eDas Christuszeugnis des Alten Testaments\u201c, Z\u00fcrich I Das Gesetz 1934 (19467); II Die Propheten 1941 (1946\u00b2). Dazu: Stefan Felber, Wilhelm Vischer als Ausleger der Heiligen Schrift. Eine Untersuchung zum Christuszeugnis des Alten Testaments. (=FS\u00d6Th 89) G\u00f6ttingen 1999).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">11 Vgl. auch: Offb 2, 14 ff. 20 ff; Kol 2.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">12 Vgl. hierzu Micha Brumlik, Die Gnostiker. Der Traum von der Selbsterl\u00f6sung des Menschen. Frankfurt 1992. Da\u00df der Name dieses Autors auf Seite 2399 unter den Mitgliedern des \u201eBeirats zur F\u00f6rderung, Unterst\u00fctzung und Begleitung des Projektes \u201aBibel in gerechter Sprache\u2019\u201c erscheint, kann nur auf einem mir unerkl\u00e4rlichen Mi\u00dfverst\u00e4ndnis beruhen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">13 Wenigstens ein paar Beispiele daf\u00fcr aus den Textfunden von Nag Hammadi, \u201eDie dreigestaltige Protennoia\u201c: Die Protennoia spricht zu den Gnostikern\u2026ich bin mann-weiblich, ich bin Mutter und Vater, bei mir selbst wohnend, mich mit mir selbst vereinigend und mich selbst liebend, weil das All allein durch mich Bestand hat, bin ich der Mutterscho\u00df der Erkenntnis des Alls, die ich geb\u00e4re das Licht\u2026ich bin der unwiederholbare Ruf der Herrlichkeit der Mutter, die Herrlichkeit der Sch\u00f6pfung Gottes, eine m\u00e4nnliche Jungfrau aus einem verborgenen Verstand\u2026\u201c \u00dcbersetzung nach ThLZ 99, 1974, 741 f. Vater, Mutter und Sohn bilden in Analogie zur menschlichen Familie und Fortpflanzung die Dreieinigkeit (ebda 735).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">14 Um wenigstens auf einige Belege angesichts mangelnder Bibelkenntnis hinzuweisen: Act 2, 37 ff; R\u00f6m 6; Gal 3, 27 f; 1 Petr 1, 3ff; 3, 21; Ti 3, 5; Eph 4, 5; Kol 2, 12 u. v. a. m.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">15 Vgl. dazu u. a.: Geoffrey Wainwright, Doxology. 1982\u00b2: Der Verf. \u00e4u\u00dfert deutliche Sympathien f\u00fcr \u2018inclusive language\u2019. Doch gerade deshalb hat seine Warnung noch mehr Gewicht, wenn er schreibt: \u201eCertain problems occur in connexion with the changes so far proposed when the reference is to God. The constant use of \u2018Creator\u2019, \u2018Redeemer\u2019, \u2018Sustainer\u2019 might push the understanding of the Trinity in an unacceptably modalist or economic direction. Forfeiture of sexual language is to risk falling into impersonal neuter.\u201d (352 f). Roland M. Frye, Language for God and Feminist Language. Problems and Principles. In: Scottish Journal of Theology Vol 41, No 4. 1988. 441-469: \u201cFor the church to adopt inclusive feminist language for the Deity would disrupt and destroy the careful, nuanced, and balanced formulations that for centuries have made it possible to proclaim the three persons, Father, Son, and Holy Spirit whom Christians encounter as divine, within a single undivided godhead\u201d. \u2013 \u201cInclusive language scenarios for speaking of God involve major misreadings of history and historical evidence. Such misuse of history and language cannot achieve desirable results. We cannot alleviate oppression among any segment of humanity by altering the language for the one sovereign God who revealed himself in Scripture and in the person of his only Son, who created us all in his image and who calls us all to the dignity of his service and strength of his redeeming love\u201d (469).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">16 So z. B. Abraham Calovius (1612-1686), Biblia Testamenti Veteris Illustrata. Wittenberg 1672. 314 zu Ex III; Biblia Novi Testamenti Illustrata. Hildburghausen 1719. 231 zu Mt 6, 9f: \u201cNomen Dei est Deus ipse, ut inter homines nominatur, h. e. agnoscitur et celebratur\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">17 Vgl. u. a.: John Hick, Gott und seine vielen Namen. Altenberge 1985. (God Has Many Names, Philadelphia 1982\u00b2); Paul. Knitter, No other Name? New York 1987<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">18 Adversus Haereses.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">19 Athanasios von Alexandria, Oratio 1 adversus Arianos. \u201eeos de kai legetai theos, all&#8217;ouk alethinos estin\u201d. (Im Original in griechischer Schrift).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">20 Man wird wohl (hoffentlich) auch nicht auf den Einfall kommen, den Vergleich von Ps 78, 65 f mit Gott gleichzusetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9. 11. 2006<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Bildver\u00f6ffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Nachrichtenagentur idea<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anbetung der Weiblichkeit Gottes und das Bilderverbot (1) Dogmatische Beurteilung der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c (2) \u201eDas g\u00f6ttliche Wort verbietet von vornherein, Gott mit dem gleichzusetzen, was Menschen in ihrer Erfahrung erkennen. 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