{"id":13566,"date":"2016-06-07T09:29:20","date_gmt":"2016-06-07T07:29:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13566"},"modified":"2016-06-07T09:29:20","modified_gmt":"2016-06-07T07:29:20","slug":"scheinheilig-und-antisemitisch-wie-eine-tourismusbroschuere-kirchlicher-hilfswerke-israel-daemonisiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13566","title":{"rendered":"Scheinheilig und antisemitisch &#8211; Wie eine Tourismusbrosch\u00fcre kirchlicher Hilfswerke Israel d\u00e4monisiert"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden gro\u00dfen Hilfswerke der evangelischen und katholischen Kirchen in Deutschland, \u00bbBrot f\u00fcr die Welt\u00ab und \u00bbMise\u00adreor\u00ab haben es sich zur Aufgabe gemacht, Israelreisende \u00fcber die v\u00f6lkerrechtliche Lage in Israel aufzukl\u00e4ren und f\u00fcr einen \u00bbfair gestalteten Tourismus\u00ab zu gewinnen. Dabei herausge\u00adkommen ist eine vollfarbig gestaltete Brosch\u00fcre mit dem frommen Titel \u00bbKommt und seht!\u00ab, einem Bibelzitat aus dem Johannes\u00adevangelium (Joh 1,39). Doch der \u00e4u\u00dfere fromme Schein tr\u00fcgt. Auf den folgenden fast 50 Seiten findet sich keine einzige weitere Bibelstelle, und schon gar keine zum The\u00adma Israel. Die Brosch\u00fcre hat nur ein Thema: Israel handle v\u00f6lkerrechtswidrig und sei f\u00fcr die schlechte Lage der Menschen in den pal\u00e4stinensischen Autonomiegebieten verantwortlich.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Biblische Inhalte sind nicht relevant<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Biblische Aussagen zum Anspruch Israels auf das biblische Land sucht man in der Bro\u00adsch\u00fcre vergebens. Bereits der Untertitel, \u00bbOrien\u00adtierungen f\u00fcr einen fair gestalteten Tourismus in Israel und Pal\u00e4stina unter Ber\u00fccksichtigung des V\u00f6lkerrechts\u00ab, l\u00e4sst erahnen, dass es den Autoren nicht um biblische Bez\u00fcge, sondern um die Darstellung des Nah\u00adostkonflikts als einem rein politischen Kon\u00adflikt geht. Obwohl die Bibel nur den Begriff \u00bbEretz Jisrael\u00ab (Land Israel) kennt, wird versucht, diese Bezeichnung zu relativieren. F\u00fcr das biblische Kernland Jud\u00e4a und Samaria wird systematisch der Name \u00bbPal\u00e4stina\u00ab verwendet, ein Name der vom r\u00f6mischen Kaiser und Judenhasser Hadrian 135 n. Chr. eingef\u00fchrt wurde, um die Erinnerung an das j\u00fcdische Volk auszul\u00f6schen. Dieser Name wird heutzutage bewusst eingesetzt, um den biblischen und historischen Anspruch des j\u00fcdischen Volkes auf das Land zu delegitimieren und um die Existenz eines nicht vorhandenen Staates \u00bbPal\u00e4stina\u00ab zu suggerieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Historische Fakten werden ignoriert<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer wieder werden historische Fakten ignoriert, die nicht in das pr\u00e4sentierte Bild von den b\u00f6sen Besatzern (Israelis) und den leidenden Besetzten (Pal\u00e4stinenser) passen. Zum Beispiel wird die Stadt Hebron in der Bro\u00adsch\u00fcre zwar korrekt als \u00bbeine der \u00e4ltesten kontinuierlich bewohnten St\u00e4dte der Welt\u00ab bezeichnet. Aber dass in Hebron seit \u00fcber drei Jahrtausenden Juden wohnen, wird unterschlagen; ebenso dass die j\u00fcdische Pr\u00e4senz in Hebron 1929 durch ein arabisches Massaker und anschlie\u00dfende Deportation durch die Briten ein grausames Ende fand. Erst 1968, nach dem Sechstagekrieg, konnten Juden wieder nach Hebron und teilweise in ihr Eigen\u00adtum zur\u00fcckkehren. Doch genau diese Juden werden in der Brosch\u00fcre als israelische Sied\u00adler bezeichnet, die einen Gro\u00dfteil der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung aus dem Stadtzen\u00adtrum vertrieben h\u00e4tten und nun in besetzten H\u00e4usern leben w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Beim V\u00f6lkerrecht gilt zweierlei Ma\u00df<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf mehreren Seiten wird das Thema V\u00f6l\u00adker\u00adrecht abgehandelt. Bei diesem Aspekt zeigt sich klar die antisemitische Tendenz der Brosch\u00fcre, ganz abgesehen davon, dass dabei falsche Informationen vermittelt werden. Falsch ist z. B. die Behauptung, die pal\u00e4stinensische F\u00fchrung habe Israel in den Grenzen von 1949 anerkannt. Wer auch immer mit pal\u00e4stinen\u00adsischer F\u00fchrung gemeint sein soll, die Herren Arafat, Abbas oder Hanije sahen bzw. sehen das anders. Auch die PLO-Charta, der PLO-Stufenplan und die Hamas-Charta sprechen eine andere Sprache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein klares Zeichen f\u00fcr Antisemitismus liegt vor, wenn bei vergleichbaren Umst\u00e4nden Ju\u00adden bzw. dem Staat Is\u00adra\u00adel nicht dasselbe zugestanden wird, was gleich\u00adzeitig allen anderen V\u00f6lkern und Staaten zugebilligt wird. Wenn ein Staat seine Nach\u00adbarn angreift, so wie Deutsch\u00adland im Zweiten Weltkrieg Polen angegriffen hat, und dabei eigenes Territorium verliert, hat er keinen Anspruch auf eine He\u00adraus\u00adgabe seines verlorenen Territori\u00adums. Das ist anerkanntes V\u00f6lke\u00adr\u00adrecht. Niemand redet von den ehemaligen deutschen Ostgebie\u00ad\u00adten, die von Polen oder Russland v\u00f6lker\u00adrechts\u00adwi\u00addrig besetzt seien. Wenn Polen heute auf ehemals deutschem Gebiet H\u00e4user bauen, dann ist dies eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, niemand bezeichnet sie als \u00bbillegale polnische Siedler\u00ab oder \u00bbpolnische Besatzungsmacht\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genauso wie Polen im Zweiten Weltkrieg, wurde Israel im Sechstagekrieg von Jordanien angegriffen. Jordanien verlor dadurch die von ihm besetzte \u00bbWestbank\u00ab, das biblische Kern\u00adland von Jud\u00e4a und Samaria an Israel. Wenn nun f\u00fcr Juden der gleiche Ma\u00dfstab gilt wie f\u00fcr alle anderen V\u00f6lker der Welt, dann sind auch die j\u00fcdischen Siedlungen v\u00f6lkerrechtlich legal. Wer das Gegenteil behauptet, ist ein Anti\u00adsemit, denn er spricht Juden, nur weil sie Juden sind, ein Recht ab, das er allen anderen V\u00f6lkern zugesteht. Wenngleich von einer moralisch bankrotten UNO diesbez\u00fcglich keine Fairness erwartet werden kann, sollte man bei kirchlichen Organisationen etwas mehr Ehr\u00adlich\u00adkeit und Zur\u00fcckhaltung erwarten k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich war der von christlichen Kreuz\u00adrittern in Jerusalem errichtete Kreuzfahrer\u00adstaat alles andere als v\u00f6lkerrechtskonform.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die \u00bbb\u00f6se\u00ab Mauer, die Leben rettet<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer wieder wird in der Brosch\u00fcre die von Israel w\u00e4hrend der Zwei\u00adten Intifada begonnene Trennungsanlage kritisiert, die Israel und die pal\u00e4stinensischen Au\u00adto\u00adnomiegebiete trennt, weil diese die Bewe\u00adgungsfreiheit der Pal\u00e4sti\u00ad\u00adnenser einschr\u00e4nkt. Dass die Trennungsanlage bzw. Mauer inzwischen auf israelischer Seite hunderte Leben gerettet hat, wird nicht erw\u00e4hnt. Im Jahr 2002, vor Er\u00adrichtung der Trennungsanlage, wurden 457 Israelis durch Terroranschl\u00e4ge ermordet und Tausende verletzt. Die Zahl der j\u00e4hrlich get\u00f6teten Israelis ging daraufhin bis auf zehn im Jahr 2009 zur\u00fcck. Die Gegner und Kritiker der Tren\u00adnungsan\u00adlage sehen in der Bewe\u00adgungs\u00ad\u00adfreiheit der Pal\u00e4stinenser ein h\u00f6heres Gut als das Leben unz\u00e4hliger Israelis. Sie berufen sich auf ein Gutachten des Internationalen Ge\u00adrichtshofs (IGH) zum Bau der Trennungs\u00adan\u00adlage aus dem Jahr 2004, in dem es w\u00f6rtlich, ohne eine entsprechende Begr\u00fcndung hei\u00dft: \u00bbDas Gericht kommt zu dem Schluss, dass sich Israel nicht auf das Recht zur Selbstver\u00adteidigung berufen kann \u2026\u00ab. Mit anderen Wor\u00adten: Nur tote Juden sind gute Juden. Juden, die ihr Leben sch\u00fctzen, versto\u00dfen gegen das V\u00f6lkerrecht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fairer Tourismus im heiligen Land?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Brosch\u00fcre will Touris\u00adten, Kirchengemein\u00adden und Reiseveranstalter motivieren, einen &#8222;fairen&#8220; Tourismus zu praktizieren, d. h. bei einer Israelreise auch die heiligen St\u00e4tten und Menschen in den pal\u00e4stinensischen Autono\u00admie\u00adgebieten zu besuchen. Viele Pilger, so wird bedauert, w\u00fcssten oft nicht, ob sich eine heilige St\u00e4tte in Israel oder auf pal\u00e4stinensischem Gebiet befinde. Deshalb soll eine mitgelieferte Landkarte den zuk\u00fcnftigen Pilgern helfen, fein s\u00e4uberlich zu unterscheiden, auf welchem Gebiet sich die besuchte heilige St\u00e4tte befindet. Eine wesentliche Information bleibt die Brosch\u00fcre jedoch schuldig: Die Tatsache, dass in Israel 20 Prozent arabische B\u00fcrger gleichberechtigt leben, w\u00e4hrend die pal\u00e4stinensischen Autono\u00admie\u00adgebiete heute praktisch \u00bbjudenrein\u00ab sind. Der Staat Israel ver\u00ad\u00adbietet deshalb seinen B\u00fcrgern, die Auto\u00adnomiege\u00adbiete, wie z. B. Beth\u00adlehem, zu betreten. Sonst ist, wenn sie Juden sind, ihr Leben in h\u00f6chster Gefahr. Zu viele Juden wurden schon vom pal\u00e4stinensischen Mob gelyncht, nachdem sie versehentlich ins pal\u00e4stinensische Autono\u00admie\u00adgebiet abgebogen waren. Ist das ein \u00bbfairer Tourismus\u00ab, bei dem alle will\u00adkommen sind, nur Juden nicht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ausgewogenheit sieht anders aus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Brosch\u00fcre erweckt den Anschein, sie f\u00f6rdere ausgewogene Informationen. Israeltouristen und Reiseveranstalter werden an ihre \u00bbbesondere Verantwortung\u00ab erinnert, \u00bbnicht eine der Konfliktparteien zu sehr zu bef\u00f6rdern und die andere zu diskreditieren.\u00ab Diese \u00bbbesondere Verantwortung\u00ab gilt offensichtlich nicht f\u00fcr die Herausgeber, denn praktisch alle Organisationen, welche die Brosch\u00fcre zur weiteren Informationsbeschaffung empfiehlt, sind bekannt daf\u00fcr, dass sie die pal\u00e4stinensische Propaganda unterst\u00fctzen. Das gilt insbesondere f\u00fcr das in der Brosch\u00fcre hervorgehobene sogenannte Kairos-Pal\u00e4stina-Dokument. Einseitiger kann man kaum \u00fcber die komplexe Situation im Nahen Osten informieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auf dem Weg nach Bethlehem<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbOb Maria und Josef vor gut 2000 Jahren wohl den Weg nach Bethlehem gefunden h\u00e4tten, wenn es damals bereits um die 90 Check\u00adpoints in der Region gegeben h\u00e4tte?\u00ab Mit dieser Frage beginnt die Pressemeldung von \u00bbBrot f\u00fcr die Welt\u00ab, in welcher die Brosch\u00fcre im Dezember 2014 vorgestellt wurde. Meine Antwort lautet: \u00bbJa, warum nicht?\u00ab Aber w\u00fcrden Maria und Josef heute, wenn sie von Na\u00adza\u00adreth nach Bethlehem wandern, auch ankommen? Die bittere Wahrheit lautet \u00bbNein\u00ab, denn wenn sie als Juden das pal\u00e4stinensische Autonomiegebiet auf ihrer Reise betr\u00e4ten, w\u00fcrden sie mit hoher Wahr\u00adschein\u00adlichkeit auf brutale Art und Weise ermordet, denn die in der Brosch\u00fcre hoch gepriesene Gastfreund\u00adschaft auf pal\u00e4stinensischer Seite gilt in der Regel leider nicht f\u00fcr Juden. Da kann man nur froh sein, dass Maria und Josef nicht in unserer Zeit nach Bethlehem m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fazit <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser Brosch\u00fcre wird Israel mal eher subtil, mal ganz direkt d\u00e4monisiert, delegitimiert und mit doppeltem Ma\u00df gemessen. Dass solcher Antisemitismus mit Spenden\u00adgeldern von \u00bbBrot f\u00fcr die Welt\u00ab und \u00bbMisere\u00ador\u00ab sowie mit Kirchensteuermitteln finanziert wird, ist ein Skandal. Ich werde jedenfalls der Auffor\u00adderung, nicht nur Israel, sondern auch die pal\u00e4stinensischen Gebiete zu besuchen, erst dann nachkommen, wenn ich das in Be\u00adglei\u00adtung j\u00fcdischer Freunde tun kann, ohne dass diese dabei ermordet werden, nur weil sie Juden sind.<\/p>\n<p><em>Wilfried Bullinger, aus &#8222;Seht den Feigenbaum&#8220;, Nr. 316, Oktober-Dezember 2015<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die beiden gro\u00dfen Hilfswerke der evangelischen und katholischen Kirchen in Deutschland, \u00bbBrot f\u00fcr die Welt\u00ab und \u00bbMise\u00adreor\u00ab haben es sich zur Aufgabe gemacht, Israelreisende \u00fcber die v\u00f6lkerrechtliche Lage in Israel aufzukl\u00e4ren und f\u00fcr einen \u00bbfair gestalteten Tourismus\u00ab zu gewinnen. 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