{"id":13498,"date":"2016-05-12T13:24:47","date_gmt":"2016-05-12T11:24:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13498"},"modified":"2016-05-12T13:27:20","modified_gmt":"2016-05-12T11:27:20","slug":"abtreibung-als-grundrecht-plaedoyer-fuer-das-recht-auf-leben-und-den-gebrauch-des-hirns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13498","title":{"rendered":"Abtreibung als Grundrecht? Pl\u00e4doyer f\u00fcr das Recht auf Leben und den Gebrauch des Hirns"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Bestrebungen der polnischen Regierung, eine Versch\u00e4rfung des Abtreibungsverbotes einf\u00fchren zu wollen, l\u00f6sen zurzeit heftige Diskussionen &#8211; nicht nur in Polen &#8211; aus. Und der wortgewaltige US-Pr\u00e4sidentschafts-Bewerber Donald Trump verk\u00fcndete, dass Frauen in den USA f\u00fcr Abtreibungen bestraft werden sollten. Etwas sp\u00e4ter meinte sein Wahlkampfteam, die \u00c4rzte sollten bestraft werden, nicht die Frauen, Trump sei falsch verstanden worden. Das Thema Abtreibung ist in und so greift auch Dagmar Rosenfeld in ihrer Kolumne \u201aFrauensache\u2019 in der Rheinischen Post (RP) vom 6.4.2016 das Thema auf und formuliert: \u201eDas Selbstbestimmungsrecht \u00fcber den eigenen K\u00f6rper war so etwas wie die Mondlandung der Frauenbewegung. Dieses Recht infrage zu stellen, mag f\u00fcr die Rechtspopulisten nur ein kleiner Schritt sein, f\u00fcr eine gleichberechtigte Gesellschaft aber ist es ein gro\u00dfer R\u00fcckschritt.\u201c<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun gibt es sicherlich etliche nachvollziehbare Gr\u00fcnde, eine &#8211; wie in Polen oder den USA geplante &#8211; Versch\u00e4rfung des Abtreibungsverbotes zu kritisieren. Und es gibt noch mehr \u00e4u\u00dferst gewichtige Gr\u00fcnde, \u201edas Selbstbestimmungsrecht \u00fcber den eigenen K\u00f6rper\u201c nicht anzutasten. Aber die Behauptung, ein Abtreibungsverbot bzw. Bestrebungen zu einer drastischen Reduzierung von T\u00f6tungen im Mutterleib, stellten einen \u201eR\u00fcckfall in alte Rollenbilder\u201c dar, oder w\u00fcrden das \u201eSelbstbestimmungsrecht von Frauen\u201c beschneiden und die Gleichberechtigung reduzieren, ist f\u00fcr denkende Leser nicht nachvollziehbar. Schon der Slogan der Frauenbewegung: \u201eMein Bauch geh\u00f6rt mir\u201c, mit dem in Deutschland vor Jahren die Abschaffung des \u00a7 218 gefordert wurde, war so emotional und unlogisch, dass man sich wunderte, wieso er von den Protagonistinnen so deutlich eingebracht wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sollte es eine Versch\u00e4rfung des Lebensschutzes geben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom Grundsatz her ist einem Aufruf: \u201eMein Bauch geh\u00f6rt mir\u201c nur zuzustimmen, wenn damit die Zeitspanne vor dem Beischlaf gemeint ist. Kein Mann sollte sich dem \u201aBauch\u2019 &#8211;\u00a0 oder anderen Intimbereichen &#8211; einer Frau f\u00fcr einen angepeilten Sexualkontakt n\u00e4hern, ohne das die \u201aBauchbesitzerin\u2019 dem nicht zustimmt. Lehnt sie diesen nicht ab oder stimmt sie ihm offensiv zu, dann ist damit gleichzeitig das Selbstbestimmungsrecht der Frau, Wochen sp\u00e4ter alleine \u00fcber den Abbruch einer Schwangerschaft als Folgen dieses \u201aAktes\u2019 entscheiden zu k\u00f6nnen, verwirkt. Ging es dabei um einen einvernehmlichen Sexualkontakt, w\u00fcrde ihr f\u00fcr sich reklamiertes Recht auf Selbstbestimmung auch dadurch reduziert, dass der Mann ein 50%tiges Mitspracherecht h\u00e4tte. Diese logischen Zusammenh\u00e4nge scheinen die Protagonistinnen von \u201eMein Bauch geh\u00f6rt mir\u201c konsequent auszublenden. F\u00fcr sie gilt folgender Denkansatz: F\u00fcr eine Abtreibung besitzt eine Frau das alleinige Entscheidungs-Recht, die Kosten dieser pers\u00f6nlichen Entscheidung (f\u00fcr Klinikaufenthalt, Lohnfortzahlung und evtl. sp\u00e4ter notwendig werdende psychotherapeutische Aufarbeitungen) werden ungefragt der Solidargemeinschaft aufgehalst und bei einer nicht vorgenommenen Abtreibung wird eine 100%tige Zust\u00e4ndigkeit \u00a0f\u00fcr die Zahlung von Alimenten beim Kinds-Erzeuger vorausgesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht hier nicht um eine moralische Beurteilung von Beischlaf-Situationen vor, au\u00dferhalb oder innerhalb von auf Ehe oder sonstwie auf Zukunft angelegten Beziehungen, sondern es geht um die Verantwortung f\u00fcr eingegangene Sexualkontakte gegen\u00fcber dem Partner bzw. der Partnerin und um die Verantwortung, ob die Entstehung neuen Lebens eingeplant wird oder ausgeschlossen werden soll. Eigentlich m\u00fcsste es entbehrlich sein, hier noch einmal auf die verschiedenen Methoden oder Wege der Empf\u00e4ngnis-Vermeidung bzw. Empf\u00e4ngnis-Verh\u00fctung hinzuweisen. Dass dennoch einige Verdeutlichungen notwendig zu sein scheinen, h\u00e4ngt wohl damit zusammen, das bestimmte politische Gruppen der \u00d6ffentlichkeit kollektiv viel zu lange ins Hirn einzutr\u00e4ufeln versucht haben, dass die Abtreibung eine &#8211; halt etwas sp\u00e4ter organisierte &#8211; Geburten-Planungs-Methode sei. Wer auf diesen &#8211; jede Logik entbehrenden &#8211; Denkansatz reinf\u00e4llt, wird vielleicht morgen auch andere Menschen, von denen er sich im pers\u00f6nlich beanspruchten Freiraum beeintr\u00e4chtigt sieht, per T\u00f6tung \u201aentsorgen\u2019 wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie stark die Diskussion zur Freigabe der Abtreibung semantisch verschleiert wurde, wurde schon durch den Begriff \u201eSchwangerschafts-Unterbrechung\u201c deutlich. Aber was ist das f\u00fcr eine Unterbrechung, die mit dem Tod endet? Es dauerte, bis erste Stimmen die Wort-Gaukelei offenkundig werden lie\u00dfen indem sie schlicht fragten, wann denn die Unterbrechung beendet und die Schwangerschaft fortgesetzt w\u00fcrde?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was viele B\u00fcrger auch heute noch nicht zu wissen scheinen: Auch nach der Neufassung des \u00a7 218 gab bzw. gibt es kein Recht auf Abtreibung, sondern eine Straffreiheit, wenn die gesetzlich geforderten Beratungsdienste aufgesucht wurden und die Entscheidung trotz Beratung und Hilfe im Konfliktfall in Richtung Abtreibung ging. So hei\u00dft es im \u00a7 218: <i>\u201eWer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Handlungen, deren Wirkung vor Abschlu\u00df der Einnistung des befruchteten Eies in der Geb\u00e4rmutter eintritt, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne dieses Gesetzes.\u201c <\/i>Erg\u00e4nzend dazu wird im \u00a7 218 a die Ausnahme der Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs geregelt: <i>\u201eDer Tatbestand des \u00a7 <\/i><a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/218.html\"><i>218<\/i><\/a><i> ist nicht verwirklicht, wenn (1) die Schwangere den Schwangerschaftsabbruch verlangt und dem Arzt durch eine Bescheinigung nach \u00a7 <\/i><a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/219.html\"><i>219<\/i><\/a><i> Abs. 2 Satz 2 nachgewiesen hat, da\u00df sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff hat beraten lassen, (2) der Schwangerschaftsabbruch von einem Arzt vorgenommen wird<\/i> <i>und (3) seit der Empf\u00e4ngnis nicht mehr als zw\u00f6lf Wochen vergangen sind.\u201c<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Es gibt kein Recht auf Abtreibung!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass sich Institutionen der \u00f6ffentlich finanzierten Sozialhilfe, die sich nett klingend \u201aPro Familia\u2019 nannten, besonders f\u00fcr Entscheidungen zu Gunsten einer Abtreibung ein- und zeitweise daf\u00fcr sogar die gesetzliche Dreitages-Frist zwischen Erstberatung und Entscheidungs-Umsetzung au\u00dfer Kraft setzten, ist ein Beleg daf\u00fcr, dass es keinesfalls um den Schutz des ungeborene Lebens ging. Und dass all dies in einem Land mit einem gewaltigen Geburten-Defizit geschieht, macht die Vorg\u00e4nge noch brisanter bzw. unfassbarer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer in einer festen Partnerschaft lebt, hat in der Regel das Thema Geburten-Planung zu einer passenden Zeit thematisiert und gekl\u00e4rt. Fehlt diese Basis \u2013 etwa weil ein sexueller Kontakt ohne Beziehungsperspektive angestrebt wird &#8211; und trotzdem ein zeugungsf\u00e4higer Akt gewollt ist, dann liegt es nahe, da\u00df die Partner die \u00a0Entstehung neuen Lebens verh\u00fcten. Auch Paare, welche nur f\u00fcr einen Kurz-Intervall ihre K\u00f6rper vereinen wollen, haben eine gro\u00dfe Verantwortung f\u00fcr ihr Tun: Dass keiner gegen den Willen des Anderen handelt bzw. keine Gewalt zum Einsatz kommt, dass ein Gegen\u00fcber nicht durch fehlende Achtsamkeit mit einer Krankheit infiziert wird und dass nicht leichtfertig ungewollt neues Leben entsteht, dem dann mit der Abtreibung t\u00f6dliche Gewalt angetan wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten Abtreibungen werden \u00fcbrigens nicht in der Folge von Vergewaltigungen oder Kurzzeit-Beziehungen, sondern in &#8218;ganz normalen auf Dauer angelegten Beziehungen&#8216; vorgenommen, weil ein weiteres Kind nicht mehr vorgesehen war und eine in Verantwortung gelebte Empf\u00e4ngnisregelung ausgeblendet wurde. Diese in Statistiken nachlesbaren Fakten und auch nach Gespr\u00e4chen mit Schwangerschaft-Konfliktberaterinnen erhaltenen Informationen k\u00f6nnen Menschen mit\u00a0 durchschnittlicher Empathie schon sprachlos machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, das hart erk\u00e4mpfte Selbstbestimmungsrecht der Frauen darf nicht torpediert werden! Ja, alle Menschen \u2013 ob winzig-klein oder \u00fcber-gro\u00df, jung oder alt, weniger oder mehr begabt, arm oder reich haben gleicherma\u00dfen das Recht, dass ihr K\u00f6rper &#8211; aber auch ihre Seele &#8211; in guter Vorsorge und Umsicht gesch\u00fctzt wird. Ja, alle Menschen haben sich f\u00fcr eine Gleichberechtigung von Frauen und M\u00e4nnern immer neu einzusetzen. Und der Staat hat durch klar gefasste Gesetze daf\u00fcr zu sorgen, dass diese Rechte den Lebensalltag pr\u00e4gen. Aber ein Recht auf T\u00f6tung, welches aufgrund einer fahrl\u00e4ssigen oder grob fahrl\u00e4ssigen Ausklammerung der eigenen Verantwortung f\u00fcr die Folgen eines Zeugungsvorgangs f\u00fcr sich zu reklamieren gesucht wird, meist auf Eigennutz basierend, ist ein nicht hinnehmbarer gesellschaftlicher R\u00fcckschritt. Die Konsequenz: Ja, auch ein ungeborenes kleines Kind hat ein Recht auf Leben.<\/p>\n<p><em>Dr. Albert Wunsch\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Der Autor ist Psychologe, Diplom Sozialp\u00e4dagoge, Diplom P\u00e4dagoge, Kunst- und Werklehrer sowie promovierter Erziehungswissenschaftler. Weitere Infos: <a href=\"https:\/\/newslettertool2.1und1.de\/subscriber-frontend\/link-tracking?target=http%3A%2F%2Fwww.albert-wunsch.de&amp;contactUuid=fe655fe9-021a-4aed-b00d-87c821f34ca1&amp;campaignUuid=47f97833-5410-4794-9fb2-fbcfda2a6e70\">www.albert-wunsch.de<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: Institut f\u00fcr Demographie, Allgemeinwohl und Familie (<a href=\"http:\/\/www.i-daf.org\">www.i-daf.org<\/a>), Aufsatz des Monats, 5\/2016 (11.05.2016)<\/em><\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bestrebungen der polnischen Regierung, eine Versch\u00e4rfung des Abtreibungsverbotes einf\u00fchren zu wollen, l\u00f6sen zurzeit heftige Diskussionen &#8211; nicht nur in Polen &#8211; aus. Und der wortgewaltige US-Pr\u00e4sidentschafts-Bewerber Donald Trump verk\u00fcndete, dass Frauen in den USA f\u00fcr Abtreibungen bestraft werden sollten. 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