{"id":13385,"date":"2016-04-11T11:12:47","date_gmt":"2016-04-11T09:12:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13385"},"modified":"2016-04-11T11:13:09","modified_gmt":"2016-04-11T09:13:09","slug":"schweden-dunkle-landstriche-im-sozialen-paradies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13385","title":{"rendered":"Schweden: Dunkle Landstriche im sozialen Paradies"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In vielen L\u00e4ndern hat Schwedens Sozialpolitik einen Ruf wie Donnerhall. Nicht selten h\u00f6rt man das Argument, Erwachsene und Kinder leideten nur deshalb unter dem Auseinanderbrechen von Familien, weil sie nicht die politische Weisheit der Schweden besitzen w\u00fcrden, die alleinerziehenden M\u00fcttern und deren Kindern mit au\u00dfergew\u00f6hnlich gro\u00dfz\u00fcgigen Sozialhilfen beiseite st\u00fcnden. Dieses naive Vertrauen in Schweden hat jedoch j\u00fcngst einen herben R\u00fcckschlag erlitten. Eine neue Studie (1) offenbart, dass sogar im sozialpolitisch gelobten Land Kinder geschiedener, alleinerziehender Eltern statistisch deutlich schlechter durchs Leben kommen als Gleichaltrige aus intakten Familien.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Rahmen dieser Studie untersuchten Wissenschaftler der Universit\u00e4ten von Stockholm und Uppsala sowie des Karolinska Instituts das psychische Wohlbefinden schwedischer Kinder aus drei unterschiedlichen Lebenssituationen: Kinder in der Obhut alleinerziehender Eltern, Kinder\u00a0 deren geschiedene Eltern das gemeinsame Sorgerecht innehaben sowie Kinder, die in intakten Kernfamilien leben. Die Daten zu den in den drei Gruppen beobachteten psychologischen Symptomen stammen aus einer Stichprobe von 3.200 schwedischen Familien mit Kindern im Alter von zwei bis siebzehn Jahren. Diese Daten zeigen deutlich, dass eine intakte Familie psychisches Wohlbefinden f\u00f6rdert, w\u00e4hrend eine zerr\u00fcttete Familie eher psychische Krankheiten hervorruft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der summarische Befund ist nicht \u00fcberraschend. Interessant sich auch einige Einzelergebnisse. Die schwedischen Wissenschaftler ber\u00fccksichtigten bei ihren Forschungen sowohl die Anzahl als auch den Schweregrad von &#8222;emotionalen Symptomen, Verhaltensproblemen, Hyperaktivit\u00e4t\/Unaufmerksamkeit und Beziehungsproblemen unter Gleichaltrigen&#8220;. Laut den Wissenschaftlern deuten die Studienergebnisse auf eine &#8222;h\u00f6here Symptombelastung bei Kindern alleinerziehender Eltern ([Relatives Risiko] = 2.2, p &lt; 0.001) und bei Eltern mit gemeinsamem Sorgerecht ([Relatives Risiko] = 1.6, p &lt; 0.001) hin als dies bei Kindern aus Kernfamilien der Fall ist.\u201d Mit anderen Worten. \u201eKindern mit Eltern, die ein gemeinsames Sorgerecht innehaben, geht es besser als Kindern von Alleinerziehenden, jedoch nicht so gut wie Kindern in Kernfamilien.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei dem Versuch, das von ihnen ausgemachte Muster zu begr\u00fcnden, wurde den Forschern deutlich, dass sogar in einem so \u00a0gro\u00dfz\u00fcgigen Sozialstaat wie Schweden Kinder \u00f6konomisch benachteiligt sind, die nicht in Kernfamilien leben: die Berechnungen der Autoren ergaben, dass &#8222;die beiden Typen von Trennungsfamilien mehr als doppelt so h\u00e4ufig (41.9% und 42.6%) zu der untersten Einkommensstufe z\u00e4hlen wie Kernfamilien (20.2%).\u201d Nach eingehender, statistischer Auswertung kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass &#8222;das Haushaltseinkommen nur begrenzt zur Erkl\u00e4rung der Unterschiede im seelisch-geistigen Wohlbefinden der Kinder beitr\u00e4gt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unabh\u00e4ngig davon, wie sie ausgel\u00f6st wird, ist die ausgepr\u00e4gte psychologische Verletzbarkeit von Kindern, die nicht in Kernfamilien leben, eine Tatsache &#8211; auch in Schweden. Dies ist allerdings auch keine neue Erkenntnis. Laut den Autoren dieser Studie &#8222;best\u00e4tigen die Ergebnisse bisherige Forschungen&#8220;, welche belegen, dass in Schweden (wie auch in anderen wohlhabenden westlichen L\u00e4ndern) &#8222;im allgemeinen Kinder geschiedener Eltern ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr &#8222;emotionale Probleme, soziale Missst\u00e4nde und geringes Wohlbefinden aufweisen als Kinder aus intakten Familien.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Worunter nun leiden Kinder psychisch in den zerr\u00fctteten Familienverh\u00e4ltnissen? Die Wissenschaftler argumentieren, dass das Leid der Kinder, das Leid der Eltern wiederspiegeln k\u00f6nnte. &#8222;Eine Mutter mit alleinigem Sorgerecht oder ein Vater ohne Sorgerecht zu sein steht im Zusammenhang mit einem erh\u00f6hten Gesundheitsrisiko &#8211; sowohl psychischer als auch physischer Natur&#8220;, so die Forscher. Au\u00dferdem k\u00f6nnten &#8222;elterliche Erkrankungen wiederum negative Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung und das Wohlbefinden haben.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der im Laufe der Jahrzehnte immer st\u00e4rkere Zauber Schwedens wird so schnell nicht verblassen. Die neue Studie jedoch bringt eine ern\u00fcchternde Wahrheit ans Licht: kein Sozialstaat wird die seelisch-geistige Gesundheit von Kindern mehr sch\u00fctzen als es eine intakte, nat\u00fcrliche Familie tut. Von Stockholm bis Seattle oder von Berlin via Br\u00fcssel und Paris bis Moskau gilt: Das Auseinanderbrechen von Familien bringt Kinder an den Rand psychologischer Belastbarkeit, oder wie manche\u00a0 Forscher sagen: An den Rand dunkler Landstriche in den Weiten der Psyche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Nachricht 3\/2016, Institut f\u00fcr Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V.<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.i-daf.org\"><em>www.i-daf.org<\/em><\/a>)<\/p>\n<p>________________________<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(1) Malin Bergstr\u00f6m\u00a0et al., \u201cMental Health in Swedish Children Living in Joint Physical Custody and Their Parents\u2019 Life Satisfaction: A Cross-Sectional Study,\u201d\u00a0<em>Scandinavian Journal of Psychology\u00a0<\/em>55.5 [2014]: 433-9.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In vielen L\u00e4ndern hat Schwedens Sozialpolitik einen Ruf wie Donnerhall. 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