{"id":13274,"date":"2016-02-26T18:44:19","date_gmt":"2016-02-26T17:44:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13274"},"modified":"2016-02-26T18:54:52","modified_gmt":"2016-02-26T17:54:52","slug":"die-notwendige-taufe-des-hermes-oder-wie-wir-zu-einer-biblischen-hermeneutik-kommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13274","title":{"rendered":"Die notwendige Taufe des Hermes oder: Wie wir zu einer biblischen Hermeneutik kommen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Hermeneutik ist die Kunst des Dolmetschens. Man braucht sie, um Texte richtig verstehen zu k\u00f6nnen. Denn jeder, der einen Text \u2013 besonders aus einer anderen Kultur und Zeit \u2013 liest, steht in Gefahr, statt das vorliegende Wort auszulegen, die eigenen Vorstellungen und Erfahrungen in dieses hineinzulesen. Also muss man ernsthaft fragen: Was hat der Autor urspr\u00fcnglich gemeint und was kann er mir heute sagen? Demnach ist die Hermeneutik eine seri\u00f6se und wichtige Kunst.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch sie hat auch ihre Haken und Fallen. Das f\u00e4ngt schon beim Namen des Hermes an. Hermes war in der griechischen Mythologie der G\u00f6tterbote. Er \u00fcberbrachte u.a. Botschaften der G\u00f6tter an die Menschen. Nun ja. Aber Hermes war nicht so harmlos wie es den Anschein hat. Er bet\u00e4tigte sich auch als Patron der Diebe und Wegelagerer. Bei ihm musste man aufpassen, dass einem nichts geklaut wurde. Eben war die Handtasche noch da, pl\u00f6tzlich ist sie weg. Hat Hermes sie mitgehen lassen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Historisch-kritischer Umgang mit der Bibel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genau das ist das schmerzliche Gef\u00fchl, das viele Christen haben, wenn Theologen die Bibel hermeneutisch bearbeiten. Eben stand noch eine Aussage in klaren Worten da. Doch ehe man sich versieht, wird sie als unechtes Jesuswort oder als unechter Paulusbrief bezeichnet und die Botschaft erscheint problematisch. In einem anderen Fall gebietet Gott eindeutig ein Verhalten und lehnt z.B. praktizierte Homosexualit\u00e4t ab, da kommen Hermeneuten und erkl\u00e4ren, dass Paulus etwas v\u00f6llig anderes vor Augen hatte, als er R\u00f6mer 1,18ff schrieb. Also war alles nur falscher Alarm bzw. ein bedauerliches Missverst\u00e4ndnis. Der Dumme ist in der Regel der Laie. Ihm fehlen die Kenntnisse, um die Tricks von Hermes zu durchschauen. Dem, was in schlichten und klaren Worten dasteht, kann man offensichtlich nicht vertrauen. Vor allem wird aufgrund der historisch-kritischen Auslegung oft behauptet, die von der Bibel dargestellten historischen Ereignisse h\u00e4tten so, wie sie die Bibel beschreibt, nie stattgefunden. Am Ende \u2013 so sagt es die hermeneutische Theorie \u2013 wollten die Schreiber nur ein besseres Verst\u00e4ndnis der menschlichen Existenz, eine sozialere Welt oder einen christlicheren Humanismus. Das war\u2019s dann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was soll man sagen zu der tiefen hermeneutischen Unsicherheit, die in der wissenschaftlichen Theologie meist unter dem Label \u201ehistorisch-kritische Forschung\u201c l\u00e4uft? Die Kritik an der historisch-kritischen Forschung bezieht sich auf die philosophischen und ideologischen Vorurteile, mit denen diese Methode an die Bibel herangeht. Sie praktiziert einen methodischen Atheismus, so, als ob es den lebendigen Gott nicht g\u00e4be. Eine sachlich profunde, historische, philologische und arch\u00e4ologische Arbeit ist damit allerdings keineswegs ausgeschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Notwendigkeit einer biblischen Hermeneutik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also, einen G\u00f6tterboten brauchen wir sicher nicht. Wohl aber die verl\u00e4ssliche Botschaft Gottes. Der Hermes, um bei der so zwielichtigen Gestalt zu bleiben, muss getauft werden. Dem Hermes, der unversehens das Wort Gottes manipuliert, muss das Handwerk gelegt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir brauchen eine biblische Hermeneutik, d.h. eine aus der Bibel selbst abgeleitete Kunst des Verstehens. Zu der geh\u00f6rt neben dem gr\u00fcndlichen Studium des Einzeltextes eine solide Kenntnis der Heilsgeschichte und des gro\u00dfen Zusammenhangs der Heiligen Schrift. Denn erst in der biblischen Ganzheit lassen sich die einzelnen Schriftabschnitte sachgem\u00e4\u00df zuordnen und verstehen. Die \u201edunklen Stellen\u201c, die schwer zug\u00e4nglich sind, k\u00f6nnen und m\u00fcssen durch die Texte, die eindeutig klar sind, verstanden werden.<\/p>\n<p><strong>Klarheit und Mitte der Schrift<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In allen Fragen, die unsere Gemeinschaft mit Gott und das Heil betreffen, ist die Bibel glasklar. Und das, weil Jesus das Zentrum der Offenbarung ist. Das Alte Testament weist prophetisch auf Christus hin und bereitet sein Kommen vor. Die Evangelien verk\u00fcndigen die Botschaft von seiner g\u00f6ttlichen Geburt sowie seinen Worten und Taten. Sie stellen sein Leiden und Sterben am Kreuz in die Mitte des Evangeliums und sie bezeugen seine leibhafte Auferstehung, seine Himmelfahrt und glorreiche Wiederkunft am J\u00fcngsten Tag zum Gericht \u00fcber Lebende und Tote. Dieses Evangelium von der Erl\u00f6sung und Rechtfertigung des S\u00fcnders entfalten die Apostel dann in ihren Briefen und Schriften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel ist also ungeachtet der langen Zeitr\u00e4ume, in denen sie entstand, und unabh\u00e4ngig von der Vielfalt ihrer Autoren ein in sich klarer und wahrer Zusammenhang. Sie ist das Werk Gottes, das aus der Inspiration des Heiligen Geistes hervorging. Weil Gott selbst Autor der Schrift ist, hat sie \u2013 und sie allein \u2013 Autorit\u00e4t in allen Fragen des Glaubens und Lebens. Und weil der Heilige Geist die menschlichen Verfasser geleitet hat, kann der Inhalt der Schriften auch nur durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes in der Tiefe verstanden und bejaht werden. Der Heilige Geist gebraucht das Schriftwort, um Menschen zur Bu\u00dfe und zum rettenden Glauben zu f\u00fchren. Der Geist bewirkt durch das Wort, dass Menschen in die Nachfolge Christi Schritt f\u00fcr Schritt hineingef\u00fchrt werden und so Christus \u00e4hnlich werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die alles bestimmende Mitte des geschriebenen Wortes Gottes ist deshalb das fleischgewordene Wort, d.h. Christus. Und das Ziel der Schrift ist soteriologisch, d.h. sie zeigt den Weg zum ewigen Heil.<\/p>\n<p><strong>Hermeneutische Grunds\u00e4tze \u2013 \u201esola scriptura\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei sind zwei weitere hermeneutische Grunds\u00e4tze zu bedenken:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erstens \u201esola scriptura\u201c (allein die Schrift). Das war Martin Luther angesichts der vielen kirchlichen Traditionen, Heiligenlegenden usw., die die Schrift \u00fcberwuchert hatten, ein gro\u00dfes \u00c4rgernis. Dadurch war das Evangelium mehr und mehr verdunkelt worden. Nat\u00fcrlich hat die Gemeinde Jesu in den Jahrhunderten ihrer Geschichte vielf\u00e4ltige Erfahrungen gesammelt und auch tiefe Einsichten gewonnen. Aber unsere konfessionellen Pr\u00e4gungen und theologischen Erkenntnisse m\u00fcssen immer neu an der Schrift als dem verbindlichen Ma\u00dfstab \u00fcberpr\u00fcft werden. Der Schriftbeweis ist deshalb in jeder theologischen Auseinandersetzung das entscheidende Argument.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zusammenhang des \u201esola scriptura\u201c ist zudem an eine eigenartige Verschr\u00e4nkung zu erinnern. Luther forderte \u201eallein die Schrift\u201c gegen die \u00dcbermacht der Traditionen in der mittelalterlichen Kirche. Die Kirchen der Reformation sind jedoch nach dem Aufkommen der modernen Bibelkritik im 18. Jahrhundert auf der anderen Seite vom Pferd gefallen. Sie behaupten, dass die Bibel, weil sie von Menschen geschrieben wurde, selbst auch nur menschliche Tradition sei. Die Theologen f\u00fchlen sich deshalb gen\u00f6tigt, erst m\u00fchsam nach authentischen Worten Gottes in der Bibel suchen, bzw. den sogenannten Kanon im Kanon zu finden. W\u00e4hrend die Katholische Kirche also die Tradition zur Bibel hinzuaddierte, hat der Neuprotestantismus die scheinbar lediglich menschlichen Traditionen aus der Bibel subtrahiert bzw. ausgeschieden. Beides ist falsch, weil weder die Addition noch die Subtraktion der Ganzheit der Bibel gerecht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hermeneutische Grunds\u00e4tze \u2013 \u201eTota scriptura\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit sind wir bereits beim zweiten Grundsatz: \u201eTota scriptura\u201c (die ganze Schrift). Die Bibel ist ein von Gott geschaffener Organismus, in dem alles mit allem in lebendiger Weise zusammenh\u00e4ngt. Dabei gef\u00e4llt es Gott, Menschen in einer bestimmten Lebensphase den einen oder anderen Bibeltext besonders wichtig zu machen. Aber die Schrift als Ganze ist gr\u00f6\u00dfer und bedeutsamer als unsere aktuellen Erkenntnisse. Deshalb sind wir auch an das gesamte Offenbarungswort von 1. Mose 1 bis Offenbarung 22 gewiesen. Entsprechendes gilt auch f\u00fcr bestimmte Phasen der Kirchengeschichte. In Verfolgungszeiten spricht z.B. die Offenbarung des Johannes besonders zu den Gl\u00e4ubigen. In der Reformationszeit hat Gott die Rechtfertigung des S\u00fcnders ganz neu ins Zentrum ger\u00fcckt. Als sich die evangelische Kirche in der \u201ebilligen Gnade\u201c bequem einrichtete, musste sie durch Gottes Geist zur Heiligung neu erweckt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um ein weiteres Beispiel zu nennen, in 1. Tim. 5,23 bittet Paulus seinen Freund Timotheus, wegen seiner Magenprobleme nicht nur Wasser, sondern auch ein wenig Wein zu trinken. Nun gut, mag mancher sagen, das ist wohl ein Hausrezept, das der Apostel bei seiner Gro\u00dfmutter gelernt hat. Aber ist dieser Ratschlag wirklich Gottes Wort? K\u00f6nnten wir auf diesen Vers nicht verzichten? Wir k\u00f6nnen es nicht, denn mancher charismatische Wunderheiler verlangt, dass Christen auf \u00c4rzte und Medizin verzichten und ausschlie\u00dflich auf Wunder hoffen. Da ruft uns Paulus zur bodenst\u00e4ndigen N\u00fcchternheit, obwohl er selbst oft die Heilungswunder Gottes bezeugt hat. Aber es gilt eben, die ganze Schrift ernst zu nehmen und anzuwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle diese Zusammenh\u00e4nge muss der bekehrte Hermes lernen und in der Auslegung praktizieren. Es geht also nicht um die Frage Hermeneutik Ja oder Nein, sondern um die Aufgabe, die Bibel als das geschriebene Offenbarungswort Gottes in Ehrfurcht zu h\u00f6ren und sie dann schriftgem\u00e4\u00df auszulegen.<\/p>\n<p><span style=\"line-height: 115%; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 12pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00a0<em>Quelle: www.bibelundbekenntnis.de<br \/>\n26.2.2016<\/em><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 115%; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 12pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hermeneutik ist die Kunst des Dolmetschens. Man braucht sie, um Texte richtig verstehen zu k\u00f6nnen. Denn jeder, der einen Text \u2013 besonders aus einer anderen Kultur und Zeit \u2013 liest, steht in Gefahr, statt das vorliegende Wort auszulegen, die eigenen Vorstellungen und Erfahrungen in dieses hineinzulesen. 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