{"id":1327,"date":"2005-05-18T16:52:43","date_gmt":"2005-05-18T14:52:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1327"},"modified":"2009-09-07T16:56:55","modified_gmt":"2009-09-07T14:56:55","slug":"trosten-lernen-bei-martin-luther","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1327","title":{"rendered":"Tr\u00f6sten lernen bei Martin Luther"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Tr\u00f6sten lernen bei Martin Luther<br \/>\nNach Luthers Schrift \u201eVierzehn Tr\u00f6stungen f\u00fcr M\u00fchselige und Beladene\u201c (1519)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Einf\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Anla\u00df zu dieser Schrift<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 12.1.1519 war Kaiser Maximilian gestorben. Im Vorfeld der Kaiserwahl gab es ein gro\u00dfes diplomatisches Tauziehen. Das Haus Habsburg schlug den Enkel Maximilians vor, Karl von Spanien. Der Papst favorisierte K\u00f6nig Franz I. von Frankreich, aber die deutschen Kurf\u00fcrsten wollten Karl zum Kaiser w\u00e4hlen. Der Papst versuchte noch, die Wende zu bringen, indem er dem s\u00e4chsischen Kurf\u00fcrsten Friedrich den Weisen die Kaiserkrone anbot, zus\u00e4tzlich noch einen Kardinalshut. Aber die Kaiserwahl fand am 28.6.1519 mit einer einstimmigen Wahl Karls V. statt. Die Umst\u00e4nde der Wahl hatten Friedrich den Weisen gesundheitlich zugesetzt. Nach der R\u00fcckkehr in seine Residenz Torgau erkrankte er schwer. Der kurf\u00fcrstliche Hofkaplan Spalatin forderte Luther auf, f\u00fcr den Kurf\u00fcrsten eine Trostschrift zu verfassen. Im August 1519 ging Luther an die Arbeit, am 22. September war er damit fertig.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Aufgabe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verschiedene Schwierigkeiten waren zu bedenken und zu \u00fcberwinden. Luther sollte eine pers\u00f6nlich abgefasste Trostschrift schreiben, durfte aber seinem Landesherrn nicht zu nahe treten. Er mu\u00dfte den Ernst der Situation bedenken, was aus der Reformation werden sollte ohne den Kurf\u00fcrsten, gleichzeitig mu\u00dfte er aber auch ein mutmachendes Wort finden. Auch der pers\u00f6nlichen Fr\u00f6mmigkeit des Kurf\u00fcrsten mu\u00dfte Rechnung getragen werden. Friedrich war ein eifriger Reliquiensammler. 1518 z\u00e4hlte man in seinen Sammlungen 17443 sog. \u201eHeilt\u00fcmer\u201c. Hier stand Luther vor der Aufgabe, schonend und doch deutlich den Blick des Kranken von den Heiligen weg zu Christus zu lenken. Luther selbst war in gro\u00dfer Bedr\u00e4ngnis. Die Disputation mit dem Theologieprofessor Joh. Eck in Leipzig hatte keine Wende zugunsten der Reformation gebracht. Der Proze\u00df gegen ihn wurde in Gang gesetzt, nachdem er mehrmals herausgeschoben worden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Form<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im 14. Jahrhundert war der Kult der sog. \u201eVierzehn Nothelfer\u201c aufgekommen. Das waren Heilige, die in allen m\u00f6glichen N\u00f6ten, von Zahnschmerzen bis hin zur Sterbeangst und Angst vor b\u00f6sen Geistern, angerufen wurden. In der Torgauer Marienkirche gab es ein Altarbuch von Lucas Cranach, das diese 14 Nothelfer darstellte. Luther kn\u00fcpft an dieses Bild an, weil er davon ausgehen konnte, da\u00df der Kurf\u00fcrst in seiner Fr\u00f6mmigkeit nun in seiner Krankheit bei diesen 14 Nothelfern Trost suchen w\u00fcrde. Aber im Grunde nimmt er nur die Zahl sowie die Tatsache auf, da\u00df all diese Heiligen bestimmte N\u00f6te und Leiden durchmachten sowie bestimmte Tugenden hatten, die vorbildlich waren. Im Ergebnis erzielt er auf diese Weise eine Gegen\u00fcberstellung von sieben \u00dcbeln und sieben G\u00fctern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Seelsorge<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther spricht in dieser Schrift in taktvoller Weise den Erfahrungs- und Fr\u00f6mmigkeitshintergrund des Kurf\u00fcrsten an. Er versetzt sich in die Verantwortung eines leitenden Amtes und in die damit verbundenen Freuden und Entt\u00e4uschungen. Er nimmt auch die Heiligenverehrung, ja sogar den Reliquienkult des Kurf\u00fcrsten hinein, und er versucht ihn von dort in den unmittelbaren Christusglauben hineinzuf\u00fchren. Die bestimmende und die ganze Trostschrift durchziehende Aussage ist die Feststellung: \u201eWahren Trost kann man nur aus der Schrift sch\u00f6pfen\u201c. Das Wort der Schrift, durch das Gott selber spricht, schenkt dem Menschen innere Freiheit von allem, was ihn bedr\u00fcckt und bedr\u00e4ngt. Die Heilige Schrift handelt nach Luther in einer doppelten Weise an uns. Sie h\u00e4lt uns immer zwei Bilder des Lebens vor. In guten Tagen weist sie uns hin auf den Ernst b\u00f6ser Zeiten, und in b\u00f6sen Tagen erinnert sie uns an die Tage des Gl\u00fccks. Im Reichtum weist sie auf die Armut hin, in Armut auf den geistlichen Reichtum bei Gott, in Sorgen auf die Freuden, in Freude auf die Not usw. Dies ist nach Luther ein Grundzug des g\u00f6ttlichen Trostes. Wie f\u00fchrt uns nun die Schrift zu dieser inneren Freiheit? Luther sagt: \u201eDer Heilige Geist wei\u00df, da\u00df jede Sache f\u00fcr den Menschen so viel Wert und Bedeutung hat, als er ihr selbst beimi\u00dft\u201c. Der Heilige Geist arbeitet durch das Schriftwort an uns in der Weise, da\u00df er uns befreit von der Hochsch\u00e4tzung und Liebe zu den irdischen Dingen und die g\u00f6ttlichen Dinge in ihrem Wert uns vor Augen stellt. Freiheit entsteht, indem der Heilige Geist eine v\u00f6llige Umwertung der Werte vornimmt, so da\u00df nichts Irdisches mehr eine Macht \u00fcber den Menschen auszu\u00fcben vermag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Tafel: Die sieben \u00dcbel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die \u00dcbel in uns: Das eigene Verderben der S\u00fcnde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mensch hat die H\u00f6lle in sich. Das ist schlimmer als das schlimmste k\u00f6rperliche Leiden. Ps. 11,11: \u201eAlle Menschen sind L\u00fcgner\u201c. Diese schlimme Verderbnis erfa\u00dft der Mensch gar nicht in ihrer vollen Tiefe. Wer wirklich die S\u00fcnde erkennt, der mu\u00df zugrunde gehen, so wie es einige Gottesm\u00e4nner erfahren haben. \u201eDer Herr t\u00f6tet und macht lebendig, f\u00fchrt in die H\u00f6lle und wieder heraus\u201c (1.Sam. 2,6; Lobgesang der Hanna). Es ist Gnade Gottes, da\u00df wir an der Erkenntnis unserer S\u00fcnde nicht verloren gehen. Aber all unsere Schwachheit und unser Elend, das wir erkennen, dient dazu, da\u00df wir daran denken sollen, da\u00df Gott uns allezeit heraushelfen kann. Insgesamt steht fest, da\u00df wir immer von mehr Leid verschont als geplagt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die \u00dcbel vor uns: K\u00fcnftige N\u00f6te<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gegenw\u00e4rtige Not wird kleiner, wenn wir an die vielen schrecklichen M\u00f6glichkeiten denken, welche die Zukunft z.B. an Krankheitsn\u00f6ten \u00fcber uns bringen k\u00f6nnte. Wie dankbar sollten wir sein, da\u00df stets nur ein Bruchteil der m\u00f6glichen Not uns dann auch tats\u00e4chlich trifft. So bekennt Jeremia in den Klageliedern: \u201eDie G\u00fcte des Herrn ist es, da\u00df wir nicht gar aus sind\u201c (Klagelieder 3,22). Durch ein \u00dcbel erinnert uns Gott an die vielen \u00dcbel, die uns in dieser Welt treffen k\u00f6nnten und auch treffen w\u00fcrden, wenn Gott sie nicht von uns fernhielte. So wie die Meereswellen eine Grenze haben (Hiob 38,11: \u201eBis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier sollen sich legen deine stolzen Wellen\u201c), so begrenzt Gott auch unsere Not. Christen sollten mit Furcht vor m\u00f6glichen \u00dcbeln in die Zukunft blicken \u201eDarum, wer sich l\u00e4\u00dft d\u00fcnken, er stehe, mag wohl zusehen, da\u00df er nicht falle\u201c. Das schlimmste \u00dcbel ist der Tod, der vor uns steht. Aber wir sollten bei der Betrachtung des Todes auch immer daran denken, da\u00df er f\u00fcr uns Christen ein Diener des Lebens sein mu\u00df. So ist auch diesem \u00dcbel vor uns tapfer entgegenzusehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die \u00dcbel hinter uns: Fr\u00fchere N\u00f6te<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Blick auf die vielen \u00dcbelst\u00e4nde und Gefahren in unserem bisherigen Leben lehrt uns die Dankbarkeit f\u00fcr die Durchhilfe Gottes. Diesen Blick hatten die M\u00e4nner und Frauen der biblischen B\u00fccher. \u201eIch gedenke der vorigen Zeiten. Ich rede von all deinen Taten und sage von den Werken deiner H\u00e4nde\u201c (Ps. 143,5). Dieser Blick nach r\u00fcckw\u00e4rts sagt uns: Gott ist bis jetzt bei dir gewesen, auch gerade dort, wo du es nicht gedacht und gesp\u00fcrt hast. Er wird auch in Zukunft bei dir bleiben. Und auch, wenn wir uns eine Zeitlang nicht in der F\u00fcrsorge Gottes wu\u00dften, sollen wir uns tr\u00f6sten mit dem Wort \u201eIch habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit gro\u00dfer Barmherzigkeit will ich dich sammeln\u201c (Jes. 54,7). Jeder, der aufmerksam seine Vergangenheit betrachtet, mu\u00df feststellen, da\u00df Gott ihn umsorgt hat. Selbst der Geizhals mu\u00df das bekennen, da\u00df Gott ihn dort, wo er nur eines im Sinn hatte, n\u00e4mlich mehr Geld zu erjagen, treu versorgt hat. So k\u00f6nnen wir lernen, unsere Sorgen an Gott abzugeben. Wer das nicht lernt, der f\u00e4llt unter das Schriftwort aus Ps. 28,5: \u201eSie wollen nicht achten auf das Tun des Herrn noch auf die Werke seiner H\u00e4nde. Darum wird er sie zerbrechen und nicht aufbauen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die \u00dcbel unter uns: Tod und H\u00f6lle<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei gro\u00dfe \u00dcbel gibt es \u201eunter uns\u201c, den Tod und die H\u00f6lle. Der schlimme und gewaltsame Tod anderer Menschen soll uns daran erinnern, da\u00df auch wir solch einen Tod verdienen w\u00fcrden. In Luk. 13, wo Jesus von den Galil\u00e4ern redet, die w\u00e4hrend des Tempelopfers vor Pilatus niedergemacht worden sind, f\u00fcgt er an: \u201eWenn ihr euch nicht bessert, so werdet ihr alle ebenso umkommen\u201c. Ebenso ist der Hinweis Jesu auf die Leute, die der Turm von Siloah erschlug, zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die H\u00f6lle soll uns vor Augen stehen als der Ort, an den wir eigentlich geh\u00f6ren und wo wir zweifellos hink\u00e4men, wenn uns nicht Gottes Gnade davor zur\u00fcckhielte. Auch die Tatsache, da\u00df Gott nicht allen Menschen den Weg zur H\u00f6lle versperrt, soll uns dankbar machen f\u00fcr die Gnade, die er uns schenkt. Vgl. Mt.11,21ff. die Weherufe Jesu \u00fcber Bethsaida und Kapernaum: \u201eUnd du Kapernaum, die du bist erhoben bis in den Himmel, du wirst bis in die H\u00f6lle hinunter gesto\u00dfen werden\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die \u00dcbel zu unserer Linken: Die Leiden der Feinde und S\u00fcnder<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu unserer Linken stehen unsere Feinde und Widersacher. F\u00fcr sie gilt es zu beten und dem Vorbild Christi zu folgen und das uns angetane Unrecht zu vergeben und zu vergessen. Ferner ist an die offenkundigen S\u00fcnder zu denken, die eine furchtbare Seele mit sich schleppen. Sie sind gepeinigt von einer unheimlichen Unruhe, wie es Jes. 57,20f. hei\u00dft: \u201eDie Gottlosen sind wie ein ungest\u00fcmes Meer, das nicht stille sein kann, und dessen Wellen Schmutz und Unflat auswerfen. Die Gottlosen haben nicht Frieden, spricht mein Gott.\u201c Wie klein ist unsere Not angesichts dieses Elends. Doch auch im Blick auf sie sollten wir von hei\u00dfer Christusliebe entbrennen und uns das Leid des N\u00e4chsten auf unser Herz nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die \u00dcbel zu unserer Rechten: Die Leiden der Christen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Rechten stehen unsere Freunde. Auch sie m\u00fcssen leiden, vgl. 1.Petr. 5,9: \u201eDem Teufel widerstehet fest im Glauben und wisset, da\u00df eben dieselben Leiden \u00fcber eure Br\u00fcder in der Welt gehen\u201c. Denken wir auch an die Glaubensv\u00e4ter. Auch sie mu\u00dften leiden. Die Gedenktage der Kirche erinnern uns an ihr Leiden. Gott z\u00fcchtigt seine Kinder, das wissen wir aus dem Hebr\u00e4erbrief. \u201eWelchen der Herr liebt hat, den z\u00fcchtigt er, und er straft einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt\u201c (Hebr. 12,6). Und weiter: \u201eGott erzieht euch, wenn ihr dulden m\u00fc\u00dft. Als seinen Kindern begegnet euch Gott, denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht z\u00fcchtigt?\u201c (Hebr. 12,7). Ein solcher Zuspruch vermag sogar uns die Z\u00fcchtigung lieb zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In allem Leid kennt Gott unsere Belastbarkeit. Er l\u00e4\u00dft uns nicht \u00fcber unser Verm\u00f6gen in Anfechtung fallen (1.Kor. 10,13) \u201eUnd er macht, da\u00df die Anfechtung ein solches Ende findet, da\u00df ihr\u2019s ertragen k\u00f6nnt\u201c. Schauen wir doch auf das furchtbare Ende Johannes des T\u00e4ufers, des gr\u00f6\u00dften Propheten! Nach der Laune der Tochter eines ehebrecherischen Weibes mu\u00dfte er sterben. Wie klein ist unser Leid angesichts dieses Todes!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das \u00dcbel \u00fcber uns: Das Kreuz Christi und der Tod Christi<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das gr\u00f6\u00dfte \u00dcbel ist der gekreuzigte Christus. Christus hat mit seinen Leiden alle menschlichen Leiden ber\u00fchrt, geweiht und geheiligt und damit ihren Fluch in Segen gewandelt. Wenn Christus gelitten hat, dann sollten auch wir das Leiden auf uns nehmen und uns nicht davor scheuen. Mit seinem Tod hat er den Tod geweiht und uns mit dem Tod befreundet. Der Tod eines Christen ist daher nur eine eherne Schlange. Sie sieht aus wie eine echte Schlange, ist aber ohne Leben, ohne Gift und Bi\u00df. Unser Tod als Christ hat dieselbe Gestalt wie jeder andere Tod, aber er ist doch etwas ganz anderes. Der Tod ist f\u00fcr uns tot. So ist es auch mit den Leiden der Christen. Sie gleichen \u00e4u\u00dferlich den Leiden aller Menschen. In Wirklichkeit sind aber unsere Leiden als Christen der Anfang der Leidlosigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDen Rock Christi, die Gef\u00e4\u00dfe, Wasserk\u00fcge und alles, was Christus ber\u00fchrt und gebraucht hat, achtest du f\u00fcr hohe Heilt\u00fcmer \u2013 durch seine Ber\u00fchrung geweiht -, du k\u00fcssest sie und h\u00e4ltst sie lieb und wert. Willst du dann nicht vielmehr Strafen, Unbill der Welt, Schande und Tod, die er durch seine Ber\u00fchrung geheiligt, ja sogar mit seinem Blut getr\u00e4nkt, gesegnet, die er mit willigem Herzen und in h\u00f6chster Liebeskraft umfangen hat, &#8211; warum willst du nicht diese lieben, umfangen, k\u00fcssen? Zudem ist darin viel gr\u00f6\u00dferer Verdienst, Lohn und Wert zu finden als in jenen Heilt\u00fcmern. Denn hierin erlangen wir den Sieg \u00fcber Tod, H\u00f6lle und alle S\u00fcnden, dort aber nicht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Kreuz Christi sollen wir das Herz Christi suchen und betrachten. Wie sehr hat er sich bem\u00fcht und ge\u00e4ngstet, um den Tod zu t\u00f6ten und zu Spott zu machen! So k\u00f6nnen wir lernen, die Leiden nicht nur zu ertragen, sondern sie zu lieben, zu w\u00fcnschen und suchen. In diesem 7. Bild m\u00fcssen alle unsere \u00dcbel und Leiden verschlungen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Tafel: Die sieben G\u00fcter<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Gut in uns: Die leiblichen und himmlischen G\u00fcter<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da sind zun\u00e4chst die Gaben des Leibes zu nennen: Sch\u00f6nheit, Kraft, Gesundheit, Sinnenst\u00e4rke. Wer diese Gaben viele Jahre lang genossen hat, der sollte auch die Zeiten, wo Gott diese Gaben einschr\u00e4nkt oder ganz wegnimmt, ertragen k\u00f6nnen. Ferner schenkt Gott jedem Einzelnen \u2013 in sehr weiser Abw\u00e4gung \u2013 ein fr\u00f6hliches Herz, Ansehen, Macht, Klugheit und weitere irdische G\u00fcter. Wenn Gott nun diesen Gaben etwas Bitternis beimischt, dann sollten wir nicht best\u00fcrzt sein. Was ist ein Braten ohne Salz? Was ist dauernder Genu\u00df? Schlie\u00dflich wird die Lust zur Last! Wir sind au\u00dferstande, im Leben nur Gutes zu genie\u00dfen. Wenn Gott uns nicht Leid und \u00dcbel zuschickte, wir m\u00fc\u00dften sie uns w\u00fcnschen, da wir ungetr\u00fcbte Lust gar nicht aushalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es fehlt in dieser Welt und auch in unserem Leben nicht an zahlreichen G\u00fctern Gottes. \u201eDie Erde ist voll der G\u00fcte des Herrn\u201c (Ps. 33,5). So singen wir in der Abendmahlsliturgie: \u201eHimmel und Erde sind deiner Ehre voll\u201c. Nur es gilt diese G\u00fcte zu entdecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den leiblichen G\u00fctern treten aber beim Christen die himmlischen G\u00fcter, vor allem der Glaube an Christus. Beim Glauben ist es genau so wie beim \u00dcbel in uns. Wir k\u00f6nnen diese Wirklichkeit nicht voll ermessen. Wer den Glauben hat, hat ja Christus selbst, d.h. die Wahrheit. Wer ihn ermessen wollte, der w\u00e4re im Himmel. Die Seele w\u00fcrde sich augenblicklich vom Leibe l\u00f6sen. So ist der Glaube jetzt nur als ein Angeld uns gegeben, das uns Hoffnung macht auf gr\u00f6\u00dfere Gaben, wobei der Glaube uns schon jetzt verwandelt, ein fr\u00f6hliches Gewissen schenkt, Vertrauen auf Gott, die Lust von Gott zu reden, sein Wort zu h\u00f6ren, mit Lust und Liebe Gott zu dienen, Gutes zu tun und B\u00f6ses zu tragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Gut vor uns: Der neue Leib ohne Leiden und S\u00fcnden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Nichtchristen bleibt nur die schwache Aussicht auf k\u00fcnftige bessere Zeiten. Er unternimmt gewaltige Anstrengungen, um eine bessere Zukunft zu erreichen, aber er bleibt im Irrtum befangen, wie wir am Gleichnis vom reichen Kornbauern sehen (Luk.12). Aber die Hoffnung auf eine Wende zum Besseren ist jedem Menschen von Gott eingegeben. Kein Mensch kann das Hoffen lassen. Solch ein Hoffnungsschimmer ist in jedem Fall eine Gabe Gottes. Er weist uns hin auf die rechte best\u00e4ndige Hoffnung, auf Gott selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei kostbare Gaben haben die Christen noch zu erwarten: Der Tod ist f\u00fcr sie das Ende der Leiden dieses Lebens und der Eingang zum Frieden, wie man am armen Lazarus erkennen kann (Lukas 16). Das gilt f\u00fcr jeden Christen: \u201eChristus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn\u201c (Phil. 1,21). Psalm 23: \u201eOb ich schon wanderte im finstern Tal &#8230;\u201c Der alte Mensch in uns will aber den Tod nicht so verstehen und hindert uns immer wieder an dieser Erkenntnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweitens beendet der Tod auch die zahllose Folge der Fehler und S\u00fcnden. Dies macht uns Christen den Tod nur noch w\u00fcnschenswerter, denn darunter leidet die gl\u00e4ubige Seele am meisten. Der Tod scheidet uns von der S\u00fcnde ganz und gar. So ist er f\u00fcr den Christen der Anfang des Lebens und der Anfang der Gerechtigkeit. Wir sollten Gott um Kraft bitten, den Tod in diesem Licht zu sehen und die Todesfurcht zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Gut hinter uns: Die fr\u00fchere F\u00fcrsorge Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus, wenn wir unser vergangenes Leben bedenken. Wohin w\u00e4re es mit uns gekommen, wenn wir einen freien Willen gehabt h\u00e4tten, wenn nicht die Regie Gottes \u00fcber uns gewaltet h\u00e4tte! Wie gut ist es f\u00fcr uns gewesen, da\u00df Gott \u201ealles in allem wirkt\u201c (1.Kor. 12,6). Wir sollten uns sch\u00e4men, da\u00df wir so selten an die F\u00fcrsorge Gottes in unserem vergangenen Leben denken. Aus dieser F\u00fcrsorge d\u00fcrfen wir auch seine F\u00fcrsorge hier und heute ableiten. Ps. 40,18: \u201eIch bin arm und elend, der Herr aber sorgt f\u00fcr mich.\u201c Die Bildung unseres Leibes im Mutterleib, wie Ps. 139 es beschreibt, ist ein schlagendes Beispiel f\u00fcr die F\u00fcrsorge Gottes \u2013 ohne unser geringstes Zutun. Wer nicht an dieser F\u00fcrsorge Trost sch\u00f6pft f\u00fcr den heutigen Tag, dem ist nicht zu helfen. 1.Petr. 5,7: \u201eAlle eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorgt f\u00fcr euch.\u201c Ps. 55,23: \u201eWirf dein Anliegen auf den Herrn. Er wird dich versorgen.\u201c Wir d\u00fcrfen sicher und fr\u00f6hlich leben, wenn wir Gott in seiner F\u00fcrsorge erkennen. Andernfalls machen wir unser Leben traurig und m\u00fchsam. Nur eine einzige Sorge ist berechtigt: da\u00df wir dem Herrn seine F\u00fcrsorge f\u00fcr uns aus seiner Hand rei\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Gut unter uns: Die Bewahrung vor der H\u00f6lle.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Blick auf die H\u00f6lle und die Verdammten sollte uns zutiefst dankbar machen f\u00fcr Gottes Gnade in unserem Leben. Im allgemeinen beeindruckt uns dieses unendliche Leiden wenig. Aber wenn wir uns in die Seele der Verdammten versetzen, dann wird ihr Schicksal eine gewaltige Predigt. Wenn Gott Menschen verwirft, so sollen wir dar\u00fcber seinen Willen ehren und seine Gerechtigkeit preisen, denn er begeht niemals einen Fehler. Wer an der S\u00fcnde Freude findet, dem geschieht es recht, da\u00df er umkommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Gut zu unserer Linken: Das Gl\u00fcck unserer Feinde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier geht es um unsere Widersacher und Feinde, die noch am Leben sind. Ihr Gl\u00fcck vermag uns sehr zu reizen und in Anfechtung zu st\u00fcrzen. Ps. 73,2f.: \u201eIch w\u00e4re schier gestrauchelt mit meinen F\u00fc\u00dfen, mein Tritt w\u00e4re beinahe geglitten. Denn es verdro\u00df mich der Ruhmredigen, da ich sah, da\u00df es den Gottlosen so gut ging.\u201c Oder auch Jer. 12,1: \u201eWarum gehet\u2019s doch den Gottlosen so gut, und die Ver\u00e4chter haben alles in F\u00fclle?\u201c Was will uns Gott damit zeigen? Er will uns zeigen, wieviel mehr Gutes er f\u00fcr die Guten bereit h\u00e4lt, wenn er schon f\u00fcr die B\u00f6sen so viel Gutes hat. Die Guten sollen ihn im Glauben suchen und lieben. Ps. 73,28: \u201eDas ist meine Freude, da\u00df ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf den Herrn.\u201c D.h. der Gute hat die Zuversicht, da\u00df Gottes G\u00fcte letztlich siegen wird. Das sichtbare Gl\u00fcck der Gottlosen ist f\u00fcr uns ein Stachel und Hinweis Gottes, auf die unsichtbaren G\u00fcter Gottes zu hoffen und unsere Leiden gering zu achten. Und noch ein Zweites: Die Widersacher m\u00fcssen uns zu unserem Heil dienen. Sie sind uns zwar eine Anfechtung, aber gerade in der Anfechtung wachsen wir im Glauben. \u201eSelig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet, denn nachdem er bew\u00e4hrt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen\u201c (Jak. 1,12). Die Feindschaft der Welt bringt uns geistlich voran. Die Welt versucht uns zu fangen, und gerade dadurch n\u00fctzt sie uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Gut zu unserer Rechten: Die Gemeinschaft der Heiligen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist die Gemeinde der Heiligen, unsere Freunde und Geschwister im Glauben. An ihnen erblicken wir das Heil und den Trost Gottes, allerdings nicht immer mit den Augen des Leibes, wohl aber mit den Augen des Geistes. Dazu kann auch \u00e4u\u00dferer Reichtum wie bei Abraham oder Ansehen und Ehre wie bei Daniel geh\u00f6ren. Aber die wichtigsten G\u00fcter sind Glaube, Liebe und Hoffnung. Das sind die G\u00fcter, die auch uns geh\u00f6ren. Das d\u00fcrfen wir immer, in jeder Notlage wissen. So geh\u00f6ren auch den Heiligen unsere Leiden, sie tragen sie mit. \u201eEiner trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erf\u00fcllen\u201c (Gal. 6,2). Welch ein Gl\u00fcck ist es, in solch einer Gemeinschaft zu leben, wo man sich mitfreut und mitleidet (1.Kor. 12,26). Ich bin nicht mehr einsam. Ich stehe unter dem Schutz Christi: \u201eWer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an\u201c (Sach. 2,8). Der Glaube der anderen hilft mir auf, die Keuschheit der anderen hilft mir rein zu bleiben, ihre F\u00fcrbitte sorgt f\u00fcr mich. Ich darf mich fremder G\u00fcter r\u00fchmen, gerade auch wenn ich arm, elend und h\u00e4\u00dflich bin. Ihre Ehre macht meine Schande wett. Das meinen wir, wenn wir bekennen: Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen. \u201eF\u00fcrchte dich nicht, denn derer sind mehr, die bei uns sind, denn derer, die bei ihnen sind\u201c (2.K\u00f6n. 6,16).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Gut \u00fcber uns: Der auferstandene Christus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die himmlischen G\u00fcter werden erst die vollendeten Seligen recht und v\u00f6llig erfahren und genie\u00dfen. Das gr\u00f6\u00dfte Gut \u00fcber uns ist der Auferstandene. Christus hat dem Tod die Macht genommen. \u201eDer Tod wird hinfort nicht \u00fcber ihn herrschen\u201c (R\u00f6m. 6,9). Der Auferstandene ist uns geschenkt. Ich habe teil an seiner Auferstehung und an all ihren Fr\u00fcchten. \u201eWie sollte Gott uns mit ihm nicht alles schenken?\u201c (R\u00f6m. 8,32).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was hat Christus durch seine Auferstehung bewirkt? Die S\u00fcnde hat er vernichtet, die Gerechtigkeit erweckt, den Tod verschlungen, das Leben wiedergebracht, die H\u00f6lle besiegt, ewigen Ruhm erworben. Dies sind unsch\u00e4tzbare Errungenschaften. Das Menschenherz wagt es kaum zu glauben, da\u00df sie ihm alle geschenkt sind. 1.Kor. 1,30: \u201eChristus ist uns von Gott gemacht zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erl\u00f6sung.\u201c \u201eSo bin ich ein S\u00fcnder, aber ich gehe in Christi Gerechtigkeit einher; ich bin unrein, aber seine Heiligkeit ist meine Heiligung; ich bin t\u00f6richt, aber seine Weisheit tr\u00e4gt mich\u201c. Solch einen gro\u00dfen Schatz verschafft uns der Glaube an den Auferstandenen. Er macht uns zu S\u00f6hnen und damit auch zu Erben Gottes. Dieses Bild erhebt uns \u00fcber unser Leid, aber auch \u00fcber unsere G\u00fcter. Christi Reichtum geh\u00f6rt uns. Wir h\u00e4ngen an ihm. Er ist der beste Priester und Schutzherr. Man braucht gar keine anderen Bilder. Dieses eine vermag uns mit starkem Trost zu erf\u00fcllen. Man mu\u00df es aber gr\u00fcndlich und mit aufmerksamem Herzen anschauen. Dann werden wir an den Widerw\u00e4rtigkeiten unseres Lebens nicht mehr leiden, vielmehr uns der Tr\u00fcbsale r\u00fchmen und vor lauter Freude an Christus sie kaum noch sp\u00fcren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tr\u00f6sten lernen bei Martin Luther Nach Luthers Schrift \u201eVierzehn Tr\u00f6stungen f\u00fcr M\u00fchselige und Beladene\u201c (1519) Einf\u00fchrung Der Anla\u00df zu dieser Schrift Am 12.1.1519 war Kaiser Maximilian gestorben. Im Vorfeld der Kaiserwahl gab es ein gro\u00dfes diplomatisches Tauziehen. Das Haus Habsburg schlug den Enkel Maximilians vor, Karl von Spanien. 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