{"id":13265,"date":"2016-02-23T09:54:08","date_gmt":"2016-02-23T08:54:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13265"},"modified":"2016-02-23T09:54:08","modified_gmt":"2016-02-23T08:54:08","slug":"die-todesstrafe-koennen-christen-dafuer-eintreten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13265","title":{"rendered":"Die Todesstrafe \u2013 k\u00f6nnen Christen daf\u00fcr eintreten?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein skrupelloser Triebt\u00e4ter missbraucht Kinder und bringt sie um. Soll man ihn leben lassen? Ein fanatischer Terrorist z\u00fcndet eine Bombe im Einkaufszentrum \u2013 Kinder und Erwachsene sterben zu Dutzenden. Soll der T\u00e4ter \u201enur\u201c ins Gef\u00e4ngnis? Auf der anderen Seite: Der neue amerikanische Justizminister ist ein frommer Christ, der gegen die Abtreibung k\u00e4mpft. Mit der Todesstrafe scheint er aber keine Probleme zu haben. Ist das miteinander zu vereinbaren? Staaten wie USA, Russland, China und zahlreiche Staaten in Asien und Afrika praktizieren die Todesstrafe.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders in Deutschland: Hier wurde 1949 die Todesstrafe abgeschafft. Im Grundgesetz hei\u00dft es in Art. 2: \u201eJeder hat das Recht auf Leben und k\u00f6rperliche Unversehrtheit\u201c. Art. 102: \u201eDie Todesstrafe ist abgeschafft.\u201c Best\u00e4tigt diese Regelung bei uns in Deutschland das 5.\/6. Gebot: Du sollst nicht t\u00f6ten! und die Bergpredigt Jesu? M\u00fcssen deshalb Christen hier und heute die Todesstrafe ablehnen? Hat der Vatikan Recht, wenn er das Kolosseum in Rom immer dann erleuchtet, wenn ein Land auf dieser Welt die Todesstrafe abschafft?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Was sagt die Bibel?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.1 Die Todesstrafe ist im AT ausdr\u00fccklich vorgesehen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste grundlegende Begr\u00fcndung finden wir in <em>1. Mose 9,5-6: <\/em>&#8222;Auch will ich euer eigen Blut, das ist das Leben eines jeden unter euch, r\u00e4chen und will es von allen Tieren fordern und will des Menschen Leben fordern von einem jeden Menschen. Wer Menschenblut vergie\u00dft, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden; denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde gemacht.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle wird die Gottebenbildlichkeit des Menschen mit der Todesstrafe in Verbindung gebracht: Wer Gottes Ebenbild t\u00f6tet, soll seinerseits get\u00f6tet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiterhin gibt es viele ausdr\u00fcckliche Regelungen zur Todesstrafe in den 5 B\u00fcchern Mose, der Tora: 2. Mose 21,12: &#8222;Wer einen Menschen schl\u00e4gt, da\u00df er stirbt, der soll des Todes sterben.&#8220; (direkt nach den 10 Geboten in Kap. 20!)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Todesstrafe auf Ehebruch in 3. Mose 20,10: &#8222;Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines N\u00e4chsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin, weil er mit der Frau seines N\u00e4chsten die Ehe gebrochen hat.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Todesstrafe auf Inzest und widernat\u00fcrliche Unzucht, z.B. in 3. Mose 20,13: &#8222;Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Greuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Gottesl\u00e4sterung, Zauberei und Sabbatsch\u00e4ndung ziehen die Todesstrafe nach sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vollzug der Todesstrafe kann Aufgabe eines Blutr\u00e4chers sein. Auch private Rache ist m\u00f6glich, ohne dass der R\u00e4cher bestraft wird. In der Regel wird die Todesstrafe durch Steinigung vollzogen. So hei\u00dft es in 3. Mose 24,16: &#8222;Wer des HERRN Namen l\u00e4stert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Ob Fremdling oder Einheimischer, wer den Namen l\u00e4stert, soll sterben.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon im AT wird der Grundsatz der Vergeltung als Hintergrund f\u00fcr die Todesstrafe genannt. So in 2. Mose 21,23-24: &#8222;Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fu\u00df um Fu\u00df.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das 5.\/6. Gebot hat mit einem Verbot der Todesstrafe nichts zu tun. Es bedeutet inhaltlich das Verbot des Mordens. Eine \u00dcbertretung des Gebotes zieht gerade die Todesstrafe nach sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.2 Im NT gibt es keine direkte Stellungnahme zur Todesstrafe.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie wird aber als eine Wirklichkeit des Rechtslebens vorausgesetzt. In Mk 12 par., dem Gleichnis von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern, wird die Todesstrafe als Schlusspunkt der Erz\u00e4hlung erw\u00e4hnt: Die M\u00f6rder werden von dem Weinbergbesitzer mit dem Tod bestraft. In Apg 5 werden zwei Gemeindeglieder in Jerusalem, die Gott betr\u00fcgen wollen, Ananias und Saphira, von Gott selbst mit dem Tod bestraft. In Joh 8 verhindert Jesus die rechtlich gebotene Todesstrafe f\u00fcr eine ertappte Ehebrecherin: \u201eWer von euch ohne S\u00fcnde ist, werfe den ersten Stein auf sie!\u201c Die Frau bekommt von Jesus die Gelegenheit zur Umkehr: \u201eIch verdamme dich auch nicht \u2013 aber geh hin und s\u00fcndige hinfort nicht mehr!\u201c \u00c4hnlich handelt Paulus: Im Philemonbrief ist zu lesen, dass er den entlaufenen Sklaven Onesimus zu seinem christlichen Herrn zur\u00fcckschickt und f\u00fcr ihn Gnade erbittet und christliche Bruderschaft erwartet. Rechtlich gesehen h\u00e4tte Onesimus mit dem Tod bestraft werden k\u00f6nnen. F\u00fcr Paulus ist aber offenbar eine solche Strafe innerhalb der christlichen Gemeinde nicht denkbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus selbst lehnt f\u00fcr sich und seine J\u00fcnger Rache und Vergeltung ab. In der Bergpredigt Mt 5, 38ff sagt er, dem \u00dcbel sei nicht zu widerstehen und es sei die andere Wange hinzuhalten, sowie \u201eLiebet eure Feinde!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wenn Nachfolger Jesu in Staat und Gesellschaft Verantwortung \u00fcbernehmen, gilt es, dem B\u00f6sen \u2013 zur Not auch mit Gewalt \u2013 zu wehren. Dies klingt in R\u00f6mer 13, 1ff an, wobei hier sogar eine heidnische r\u00f6mische Obrigkeit im Hintergrund steht. Dennoch gilt nach Paulus in R\u00f6m 13,4:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Denn sie (die Obrigkeit) ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber B\u00f6ses, so f\u00fcrchte dich; denn sie tr\u00e4gt das Schwert nicht umsonst: sie ist Gottes Dienerin und vollzieht das Strafgericht an dem, der B\u00f6ses tut.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus kann hier ganz anders schreiben als im Fall des entlaufenen Sklaven im Philemonbrief, weil es um die Lebensordnung des Staates und den Schutz der Allgemeinheit geht und nicht um das Verhalten innerhalb der Gemeinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geh\u00f6rt also die Todesstrafe aus christlicher Sicht zum Handeln der Obrigkeit dazu oder ist sie abzulehnen? Die Bibel gibt darauf keine eindeutige Antwort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Theologische \u00dcberlegungen sollen weiterf\u00fchren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Theologische Hinweise<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.1 Die geschichtliche Entwicklung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der j\u00fcdischen wie in der fr\u00fchen christlichen Tradition wird die Todesstrafe nicht in Frage gestellt. Sie geh\u00f6rt zu der Ordnungsmacht der staatlichen Gewalt und geschieht im Auftrag des g\u00f6ttlichen Gesetzes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst im 2. Jh. nach Christus finden sich einzelne christliche Stimmen gegen die Todesstrafe (Tertullian, Laktanz). Dies h\u00e4ngt auch mit der Reserve gegen\u00fcber dem heidnischen r\u00f6mischen Staat zusammen, der sich vor dem Gott der Bibel eben nicht verantwortlich wei\u00df und zeitweise die Christen verfolgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mittelalter herrscht die Auffassung, dass der Staat im Auftrag Gottes zur Todesstrafe berechtigt sei, dass die Kirche sich aber nicht an der Todesstrafe beteiligen darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reformation sieht dies nicht grunds\u00e4tzlich anders. Luther tritt bei einer drohenden Aufl\u00f6sung der staatlichen Ordnung und allgemeiner Willk\u00fcr (z.B. in den Bauernkriegen) auch f\u00fcr die Todesstrafe ein. Grunds\u00e4tzlich kann er aber der Obrigkeit die Milde vern\u00fcnftiger Liebe empfehlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine dunkle Seite der Kirchengeschichte bildet die Verfolgung der Ketzer und Sektierer bis hin zur Hexenverfolgung, die mit der massenhaften Praktizierung der Todesstrafe durch die Kirche verkn\u00fcpft ist. Hier haben sich Papst und Inquisition angema\u00dft, zur Verteidigung des wahren Glaubens, zum Schutz des Kirchenvolkes vor gef\u00e4hrlichen Irrlehrern und nat\u00fcrlich auch zur Durchsetzung der kirchlichen Machtanspr\u00fcche Menschen umzubringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im evangelischen Bereich ist dies bis auf wenige einzelne Ausnahmef\u00e4lle nie so durchgef\u00fchrt worden. Die Auseinandersetzungen in den Religionskriegen, etwa im 30j\u00e4hrigen Krieg, haben andere Hintergr\u00fcnde und geh\u00f6ren nicht zum Thema Todesstrafe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis in das 20. Jh. hinein haben eine gro\u00dfe Zahl von Theologen und Philosophen die Todesstrafe bejaht und auf verschiedene Art und Weise begr\u00fcndet, sei es mit der Vergeltung, dem Schutz der Gemeinschaft vor dem Verbrecher oder der sittlichen Ordnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die Erfahrung der braunen und roten Diktaturen ist aber ein Wandel eingetreten. Bekannte Gegner der Todesstrafe unter den neueren Theologen waren Emil Brunner, Karl Barth und Ernst Wolf. Heute wird man unter den lebenden Theologen in Deutschland niemanden mehr finden, der die Todesstrafe bef\u00fcrwortet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2 Theologische Argumente gegen die Todesstrafe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Gott der Herr und der Geber des Lebens ist, haben Menschen nicht das Recht dazu, einem anderen das Leben zu nehmen. Die einzige Ausnahme davon ist die Notwehr gegen einen lebensbedrohenden Angriff. Gericht, Schuldspruch und Strafe k\u00f6nnen aber nicht als Notwehr gegen\u00fcber dem T\u00e4ter gelten, sondern sie folgen der Rechtsordnung und stellen die menschliche Rechtsgemeinschaft wieder her. Zu diesem Zweck ist die Todesstrafe nicht notwendig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rechtsprechung Gottes \u00fcber uns Menschen hat eine v\u00f6llig andere Dimension und hat mit der menschlichen Strafe und S\u00fchne nichts zu tun \u2013 sie vollzieht sich am Ende der Tage im J\u00fcngsten Gericht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wichtiges Argument gegen die Todesstrafe aus dem christlichen Glauben lautet, dass Christus f\u00fcr unsere Schuld am Kreuz gestorben ist. Er hat unsere S\u00fcnde auf sich genommen. Durch Umkehr und Glauben ist Vergebung m\u00f6glich und ein neuer Anfang auch des gr\u00f6\u00dften S\u00fcnders. So hat sich z.B. der Apostel Paulus vor seiner Bekehrung zumindest der Beihilfe an einem Mord schuldig gemacht: bei der Steinigung des ersten christlichen M\u00e4rtyrers Stephanus. Dass danach Christus selbst ihm vor Damaskus begegnet, bedeutet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch Kreuz und Auferstehung Jesu und durch die Kraft des Heiligen Geistes kann ein Mensch ver\u00e4ndert werden. Die Todesstrafe w\u00fcrde diese M\u00f6glichkeit verhindern, die Gott den Menschen durch Christus er\u00f6ffnet hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Humanistische und gesellschaftspolitische Argumente gegen die Todesstrafe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder Mensch hat das Recht auf Leben \u2013 auch der Staat darf es ihm nicht nehmen, auch nicht im Fall schlimmster Verbrechen, weil dieses Menschenrecht auf Leben eben ohne Einschr\u00e4nkung f\u00fcr jeden Menschen gilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die eben schon genannte Ausnahme der Notwehr bedeutet, dass ich einem mich oder andere bedrohenden M\u00f6rder direkt gegen\u00fcber stehe und deshalb sofort handeln muss. Vor Gericht, in einem geordneten Prozess, ist die Situation anders. Niemand wird an diesem Ort an Leib und Leben bedroht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen die Todesstrafe spricht weiterhin, dass die M\u00f6glichkeit einer fehlerhaften Beweisf\u00fchrung und eines Justizirrtums nie auszuschlie\u00dfen ist. Ein brutaler M\u00f6rder k\u00f6nnte auch selbst \u2013 etwa als Kind \u2013 ein Opfer gewesen sein. Wird man ihm gerecht, indem man ihn t\u00f6tet? Todesstrafe kann \u2013 durch Abschreckung \u2013 Verbrechen nicht verhindern. Das zeigen gerade die L\u00e4nder, in denen die Todesstrafe praktiziert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Beweggrund der S\u00fchne oder der Rache kann in einem modernen Rechtsstaat als Begr\u00fcndung f\u00fcr die Todesstrafe nicht \u00fcberzeugen. Heute wird die Aufrechterhaltung der Rechtsordnung der staatlichen Gemeinschaft betont, die sowohl das Verbrechen wie den Verbrecher einschlie\u00dft. Die Rechtsordnung, f\u00fcr die der Staat verantwortlich ist, kann auch ohne die Todesstrafe gewahrt werden. Ein T\u00e4ter muss bei seiner Schuld behaftet werden \u2013 ihm das Leben zu nehmen, steht aber der staatlichen Gemeinschaft nicht zu, auch wenn der T\u00e4ter selbst anderen Menschen das Leben genommen hat. Das Recht eines jeden Menschen auf Leben steht f\u00fcr die humanistische Ethik an oberster Stelle der Werteskala.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Die gro\u00dfen Weltreligionen und die Todesstrafe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im <strong><u>Buddhismus<\/u><\/strong> geh\u00f6rt es zum rechten Handeln, nicht zu t\u00f6ten. Die Handlungen und Einstellungen der Menschen sollen von Mitleid getragen sein. Selbst das T\u00f6ten kleinster Lebewesen wird nicht gestattet, deshalb ist die Todesstrafe unvereinbar mit dieser Religion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im <strong><u>Hinduismus<\/u><\/strong> kommt es darauf an, dass jeder Mensch seine Pflichten dem anderen und der Gemeinschaft gegen\u00fcber erf\u00fcllt. Wer sich au\u00dferhalb dieser Ordnung stellt, konnte nach der alten hinduistischen Kultur mit dem Tod bestraft werden. Es gibt aber auch hinduistische Schriften, die sich prinzipiell gegen die Verh\u00e4ngung der Todesstrafe richten. Eine Regel lautet, dass Verbrecher nicht nur bestraft werden, sondern dass sie auch ihre Schuld wiedergutmachen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im <strong><u>Islam<\/u><\/strong> ist die Todesstrafe und auch das T\u00f6ten f\u00fcr Allah durch den Koran festgelegt. Es besteht aber keine einheitliche Auffassung \u00fcber die Einzelheiten und die konkreten Bedingungen im islamischen Kulturkreis. Im Koran steht: \u201eT\u00f6tet die von Gott geheiligte Seele nicht, au\u00dfer es ist gerechtfertigt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Haltung des <strong><u>Judentums<\/u><\/strong> ergibt sich aus dem oben geschilderten Inhalt des Alten Testamentes. In der j\u00fcdischen Rechtspraxis wurde aber schon im 1. Jh. n. Chr. die Todesstrafe nur sehr selten praktiziert und sollte nach der Auffassung mancher Schriftgelehrter faktisch abgeschafft werden. Im 2. Jh. hei\u00dft es in der Mischna, einem ma\u00dfgeblichen Teil der j\u00fcdischen \u00dcberlieferung: \u201eWer menschliches Leben vernichtet, handelt so, als w\u00fcrde er die ganze Welt vernichten.\u201c Das biblische Gesetz und seine Strafen werden danach als Warnung vor der Schwere bestimmter Verbrechen verstanden \u2013 wir sollen daraus lernen und brauchen die genannten Strafen nicht praktizieren, so meinen j\u00fcdische Schriftgelehrte. Allerdings ist es interessant, dass der moderne Staat Israel die Todesstrafe in seiner Gesetzgebung vorsieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel im AT bejaht die Todesstrafe, w\u00e4hrend das NT sie nicht ausdr\u00fccklich ausschlie\u00dft. Die christliche Tradition hat einschlie\u00dflich der Reformation mit gro\u00dfer Mehrheit f\u00fcr die Todesstrafe gesprochen, erst im 20. Jh. wird sie von der Mehrheit der christlichen Theologen abgelehnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zentrale theologische Argument liegt in der Erl\u00f6sung durch Kreuz und Auferstehung Jesu Christi: Wenn Christus unsere Schuld auf sich genommen hat und wenn Gott uns durch sein Kreuz und seine Auferstehung Vergebung und Erl\u00f6sung schenkt, haben wir Menschen nicht das Recht, einen anderen Menschen zum Tode zu verurteilen. Wir n\u00e4hmen ihm die M\u00f6glichkeit, dieses Geschenk Gottes anzunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Ausgangsfrage: <strong>Die Todesstrafe \u2013 k\u00f6nnen Christen daf\u00fcr eintreten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Christ kann durchaus f\u00fcr die Todesstrafe eintreten, und zwar aufgrund der biblischen und der theologischen Tradition. Wer das tut, muss sich aber mit sehr gewichtigen Argumenten auseinandersetzen, die auf dem Wort und dem Werk Christi begr\u00fcndet sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die heutige <strong>allgemeine politische Auffassung im westlichen Kulturkreis<\/strong> dr\u00e4ngt zur Ablehnung der Todesstrafe bis hin zu den Gremien der UNO. Ma\u00dfgeblich daf\u00fcr sind humanistische Argumente und das westliche Verst\u00e4ndnis der Menschenrechte mit dem Recht auf Leben als dem h\u00f6chsten Wert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Deutschland mit seiner nationalsozialistischen Geschichte gilt eine solche Ablehnung der Todesstrafe erst recht: Jeder Politiker, der sich f\u00fcr die Todesstrafe aussprechen w\u00fcrde, f\u00e4nde sich sofort in eine rechte Ecke gedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6. Ein Denkansto\u00df zum Abschluss<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer mit guten christlichen Gr\u00fcnden die Todesstrafe ablehnt, sollte allerdings konsequent sein. Nicht nur das Leben eines Verbrechers verdient Schutz, sondern auch das Leben des schw\u00e4chsten Gliedes unserer Gesellschaft: des ungeborenen Kindes im Mutterleib.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier wird in jedem Jahr hunderttausendfach die Todesstrafe praktiziert \u2013 ohne Strafandrohung f\u00fcr die Vollstrecker und mit Duldung der h\u00f6chsten staatlichen Instanzen. Das einzige \u201eVerbrechen\u201c eines ungeborenen Menschen besteht darin, durch seine Existenz seine Eltern in einen Konflikt zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darauf steht heute in Deutschland die Todesstrafe, ausgesprochen durch die Mutter, nach einer Pflichtberatung u.a. durch evangelische Einrichtungen. Wer sagt: Das darf man nicht vergleichen!, m\u00f6ge mir erkl\u00e4ren, warum der Gesetzgeber in dem einen Fall die T\u00f6tung von Unschuldigen &#8211; der Ungeborenen &#8211; zul\u00e4sst und im anderen Fall die Todesstrafe \u2013 bei erwiesener Schuld &#8211; verbietet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus diesem Dilemma kann man nur versuchen, sich herauszuwinden, indem man den Ungeborenen das Lebensrecht abspricht \u2013 aber damit vertritt man eine brutale Ethik der Zweckm\u00e4\u00dfigkeit. Oder man behauptet letzten Endes, dass in dem Konflikt zwischen dem Lebensrecht des Ungeborenen und den Interessen der Mutter bzw. der Eltern eine Notwehr-Situation entsteht, in der die Mutter\/die Eltern sich gegen die Lebensinteressen eines Ungeborenen wehren d\u00fcrfen. Aber auch diese Haltung, die im Grunde von ma\u00dfgeblichen Teilen der evangelischen Kirche vertreten wird, ist absurd.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn der entscheidende christliche Grundsatz der ist, dass Gott das Leben gibt und deshalb kein Mensch es nehmen darf, dann gilt dieser Grundsatz sowohl f\u00fcr das Leben eines brutalen M\u00f6rders wie f\u00fcr das Leben eines ungeborenen Kindes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M.E. ist es konsequent, sowohl gegen die Todesstrafe einzutreten als auch gegen die straflose massenhafte T\u00f6tung ungeborener Kinder im Mutterleib. Die Kirche als ganze und die einzelnen Christen d\u00fcrfen nicht schizophren argumentieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die katholische Kirche spricht in dieser Frage konsequent und schl\u00fcssig, w\u00e4hrend die evangelischen Kirchen aus politischer R\u00fccksichtnahme oder in Abh\u00e4ngigkeit vom Zeitgeist widerspr\u00fcchlich argumentieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfarrer Wolfgang Sickinger, M\u00fclheim<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Ein skrupelloser Triebt\u00e4ter missbraucht Kinder und bringt sie um. Soll man ihn leben lassen? Ein fanatischer Terrorist z\u00fcndet eine Bombe im Einkaufszentrum \u2013 Kinder und Erwachsene sterben zu Dutzenden. Soll der T\u00e4ter \u201enur\u201c ins Gef\u00e4ngnis? Auf der anderen Seite: Der neue amerikanische Justizminister ist ein frommer Christ, der gegen die Abtreibung k\u00e4mpft. 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