{"id":13199,"date":"2016-02-09T15:32:25","date_gmt":"2016-02-09T14:32:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13199"},"modified":"2016-02-09T15:39:26","modified_gmt":"2016-02-09T14:39:26","slug":"auch-deutschland-ist-rueckstaendig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13199","title":{"rendered":"\u201eAuch Deutschland ist r\u00fcckst\u00e4ndig.\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das aggressive Verhalten muslimischer M\u00e4nner aus psychoanalytischer Sicht &#8211; Ein Gespr\u00e4ch mit dem M\u00e4nnerforscher Matthias Franz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Professor Matthias Franz ist einer der wenigen V\u00e4ter- und Jungen-Forscher in Deutschland. Er lehrt Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf. Er ist Psychoanalytiker und Facharzt f\u00fcr Psychosomatische Medizin, Neurologie und Psychiatrie. Sein j\u00fcngstes Buch erschien unter dem Titel: \u201eAngstbei\u00dfer, Trauerkloss, Zappelphilipp? &#8211;\u00a0 Seelische Gesundheit bei M\u00e4nnern und Jungen\u201c. 2014 erschien von ihm: \u201eDie Beschneidung von Jungen. Ein trauriges Verm\u00e4chtnis\u201c. Im iDAF-Interview mit J\u00fcrgen Liminski weist er auf einen entscheidenden Punkt in der Debatte um die K\u00f6lner Vorg\u00e4nge hin:<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Sylvester-Ereignisse von K\u00f6ln haben gezeigt, da\u00df mit manchen Fl\u00fcchtlingen auch eine Art Macho-Kultur ins Land str\u00f6mte. Ist das eine Frage der Kultur, der Mentalit\u00e4t, der Psychologie, womit wir uns abzufinden haben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zusammenh\u00e4nge sind komplex und sicher sollten wir uns damit nicht abfinden. Zun\u00e4chst: Die Fl\u00fcchtlingspolitik der Bundesregierung und gro\u00dfer Teile der Opposition scheint dem Muster deutscher Grandiosit\u00e4t zu folgen. Es gilt unausgesprochen das Motto: Wir haben ja inzwischen verstanden, dass uns die Welt nicht geh\u00f6rt, jetzt aber wollen wir sie retten. Die Politik der offenen Grenzen f\u00fcr alle hat mittlerweile dazu gef\u00fchrt, dass Deutschlands vor kurzem noch nobelpreisverd\u00e4chtige Kanzlerin aufgrund ihres einsamen \u2013 sicher gut gemeinten &#8211; Entschlusses in dieser Angelegenheit von allen europ\u00e4ischen Nachbarn isoliert ist. Und nun sind unter der Million Fl\u00fcchtlinge auch Menschen nach Deutschland gelangt, die sich \u00fcber Regeln und Gesetze hinwegsetzen. Der Neid in ihrer Heimat und hier unerw\u00fcnschter, zumeist nordafrikanischer Kinder auf das s\u00fc\u00dfe Leben der hiesigen Jugend, zielte in K\u00f6ln auf die gleichzeitig angstausl\u00f6sende und faszinierende sexuelle Libertinage und individuelle Selbstbestimmung auch der Frau. Er bezieht seine aggressive Kraft wohl auch aus der Kr\u00e4nkung durch die hier erlebte Marginalisierung und Bedeutungslosigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dann sind wir sozusagen wieder selber Schuld?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich nicht. Und nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir unsere eigenen Gewaltdispositionen immer auch sehen und reflektieren. Aber vieles, ja das meiste von dem, was an sexueller Gewalt in K\u00f6ln geschah, ist wohl importiert. Viele Beobachter fragen sich seit der K\u00f6lner Sylvesternacht, ob ihre Belange und ihre b\u00fcrgerlichen Errungenschaften von den Regierenden gegen eine zunehmende Repatriarchalisierung durch islamistischen Terror, durch frauenverachtendes Machogebahren gewaltt\u00e4tiger nordafrikanischer Gangs und durch die zunehmende rechte Gewalt verteidigt werden k\u00f6nnen. Die Fragen sind berechtigt und schon deshalb d\u00fcrfen wir uns damit nicht abfinden. Die mittlerweile diffus empfundene Bedrohung unserer auf Gewaltenteilung und den Menschenrechten beruhenden freiheitlichen Lebensweise durch Teile der islamischen Kultur hat wohl eine Ursache im offen gelebten patriarchalischen Recht des St\u00e4rkeren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>Woher kommt das, psychologisch gesehen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die m\u00e4nnliche Tendenz zur Gewalt in der islamisch gepr\u00e4gten Machokultur hat auch einen tabuisierten sexuellen Hintergrund. Islam bedeutet ja nicht \u2013 wie zuweilen zu h\u00f6ren \u2013 Frieden, sondern Hingabe oder Unterwerfung. Und in der kindlichen Biografie fast aller m\u00e4nnlichen Moslems wird der Eintritt in ihre kulturelle Identit\u00e4t durch die Unterwerfung unter einen Gewaltakt markiert. Es flie\u00dft Blut. Im Gegensatz zur j\u00fcdischen Fr\u00fchbeschneidung acht Tage nach der Geburt werden die Jungen im Vorschulalter auf dem H\u00f6hepunkt der kindlichen Sexualentwicklung und der damit verbundenen Kastrations\u00e4ngste der traumatischen Erfahrung der Genitalbeschneidung unterworfen. Die patriarchalischen Machtanspr\u00fcche erzwingen eine religi\u00f6s und festlich verbr\u00e4mte kollektive Erfahrung, n\u00e4mlich, dass der St\u00e4rkere, weil er st\u00e4rker ist, dem Schw\u00e4cheren, weil er schw\u00e4cher ist, K\u00f6rperteile abschneiden darf und damit sogar ein gottgef\u00e4lliges Werk vollbringt. Kritik an diesem Ritual ist nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ist diese Erfahrung der Beschneidung nicht bald vergessen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, im Gegenteil. Die erfahrene Gewalt wird verinnerlicht und setzt sich fort. Die potenziell neurotisierende und ja auch mit erheblichen medizinischen Risiken verbundene Erfahrung der Beschneidung bewirkt aus psychoanalytischer Sicht bei vielen der Jungen bleibende \u00c4ngste um ihre M\u00e4nnlichkeit. Die Reaktion darauf ist ein hochkr\u00e4nkbarer m\u00e4nnlicher Ehrbegriff. Nicht selten kommt es auch zu einem Vertrauensbruch in ihrer Elternbeziehung und als Abwehr dieser Erfahrung zu einer kritiklosen patriarchalischen Loyalit\u00e4t und zur Identifikation mit dem Aggressor. Das kann dann zu einer Verinnerlichung schneidender Gewalt als Handlungsoption f\u00fchren. Die auf die Mutter gerichtete Entt\u00e4uschungswut, zu der vor der Beschneidung eine wechselseitige Idealisierungsbeziehung bestand und die trotzdem die Beschneidung nicht verhinderte, bewirkt nach diesem abrupten Bruch dann sp\u00e4ter tiefgreifende \u00c4ngste vor einer unkontrollierten Weiblichkeit und einer selbstbestimmten weiblichen Sexualit\u00e4t. Der gewaltt\u00e4tige Zugriff auf kindliche Genitalien durch die Beschneidung und die damit inszenierte Kastrationsandrohung ist im Grunde der transgenerational vermittelte, normative Kern des Patriarchats.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W\u00e4re hier also psychologische Aufkl\u00e4rung n\u00f6tig und zwar in gesellschaftlicher Breite?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf jeden Fall. Der gewaltfreie Umgang mit Kindern ist entscheidend f\u00fcr eine sich zivilisierende, s\u00e4kulare und empathief\u00e4hige Gesellschaft. Aber es geschieht nichts. F\u00fcr die destruktive kulturelle Tiefenwirkung und die zuweilen sexualneurotischen Ausformungen dieser kollektiven sexuellen Gewalterfahrung besteht in weiten Teilen des islamisch gepr\u00e4gten Kulturkreises\u00a0\u2013 aber auch bei uns &#8211; kein intellektuelles Bewusstsein. Sogar in den B\u00fcchern von Abdel-Samad und Kermani sucht man Hinweise auf diese Zusammenh\u00e4nge vergebens. Eine Ausnahme stellt Necla Kelek dar, die sich klar gegen die Jungenbeschneidung ausspricht. Da wo noch nicht verstanden wird, wird aber bekanntlich weiter gehandelt, wird weiter wiederholt und damit diese fatale Tradition gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K\u00f6nnte dann die psychologische Aufkl\u00e4rungsarbeit nicht von uns, dem Westen in seinen eigenen L\u00e4ndern wenigstens, geleistet werden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist immer schwierig von au\u00dfen zu kommentieren, wenn es um die Gruppenidentit\u00e4t anderer geht. Und das Thema ist ja nun gerade in Deutschland aufgrund unserer Geschichte hochbelastet. Zudem ist der Blick vieler unserer Politikerinnen und Politiker verhangen. Trotz w\u00fcnschenswert eindeutiger Verurteilung der M\u00e4dchenbeschneidung in allen ihren Varianten wurden die juristischen und medizinischen Kritiker der religi\u00f6s motivierten Beschneidung von kleinen Jungen im Zusammenhang mit dem K\u00f6lner Beschneidungsurteil von 2012 von der Bundeskanzlerin als Mickeym\u00e4use abgetan. Ein prominenter Gr\u00fcner, der es in der Vergangenheit schon schwer hatte sich auf die Seite missbrauchter Kinder zu stellen, r\u00fcckte die Beschneidungskritiker sogar in die N\u00e4he von Antisemiten. Und Deutschlands bekannteste Frauenrechtlerin bef\u00fcrwortete aus feministischer Sicht die Jungenbeschneidung mit entsetzlichen Argumenten. Die Beschneidung ist und bleibt aber eine traumatische Verletzung der genitalen kindlichen Integrit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Also ist auch Deutschland in dieser Frage r\u00fcckst\u00e4ndig und verweigert die Erkenntnis?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider ja. Und das ist schlimm. Der unfassbare Skandal der diskriminierenden Ungleichbehandlung von Jungen, die Erlaubnis ihrer Beschneidung ohne medizinische Indikation und Fachkunde durch den Gesetzgeber hat in Deutschland nach Auffassung f\u00fchrender Verfassungsrechtler zu einem schweren Bruch der Rechtssystematik und zu einer Relativierung menschenrechtlicher Grundwerte gef\u00fchrt. F\u00fcr die transgenerationale Weitergabe kindheitlich erfahrener Gewalt gibt es trotz klarer wissenschaftlicher Belege offensichtlich auch in Deutschland immer noch kein ausreichendes politisches Bewusstsein. Man muss ja schon froh sein, dass wir es nach langen Diskussionen im Jahr 2000 endlich geschafft hatten die Pr\u00fcgelstrafe f\u00fcr Kinder gesetzlich zu verbieten. Der Schutz religi\u00f6ser Bed\u00fcrfnisse Erwachsener auf Kosten der Gesundheit und sexuellen Integrit\u00e4t von Jungen unter dem Cover der freien Religionsaus\u00fcbung ist ein skandal\u00f6ser zivilisatorischer R\u00fcckschritt in der Sicherung der Kinderrechte. \u00c4rztinnen und \u00c4rzte sollten sich hier nicht zu Erf\u00fcllungsgehilfen machen lassen. Es gibt keinen medizinischen Grund einem gesunden Jungen seine gesunde Vorhaut abzuschneiden. Das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese Zusammenh\u00e4nge w\u00e4chst erfreulicherweise zum Beispiel in der Kinderchirurgie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0Was ist zu tun?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich ist es ganz einfach: Man tut Kindern nicht weh und M\u00e4nner haben an den Genitalien von Jungen -oder von Frauen, die das nicht wollen -nichts zu suchen. Und unser Staat hat dies mit seinem Gewaltmonopol durchzusetzen. Dies fordern nicht nur die Frauen der K\u00f6lner Sylvesternacht. Dies fordern auch die zahlreichen leidvoll betroffenen m\u00e4nnlichen Beschneidungsopfer, die sich endlich nicht nur als Patienten sondern auch \u00f6ffentlich zu Wort melden. Denn der aggressive Zugriff auf Genitalien ist in jeder Form und zu jedem Zeitpunkt ein schweres Trauma mit Folgewirkungen. Wir brauchen deshalb neben gro\u00dfen Anstrengungen zur Integration auch dringend eine Neuauflage der Diskussion um die Jungenbeschneidung, wenn wir wirklich verhindern wollen, dass kindliche Gewalterfahrungen zu wiederholender patriarchalischer Gewalt beitragen. Man k\u00f6nnte beispielsweise, wie teilweise im Judentum heute schon \u00fcblich, die Beschneidung nur symbolisch andeuten oder sie bis zur Vollj\u00e4hrigkeit verschieben, so dass jeder selber entscheiden kann, ob eine Beschneidung wirklich Sinn macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0Das gilt allgemein. Was k\u00f6nnten die Kirchen hier konkret tun? Immerhin geht es auch um Religion.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das m\u00fcssen die Kirchen selber entscheiden. Ich denke, hier gibt es auch vieles zum Thema Gewalt gegen Kinder, was noch nicht ausreichend aufgearbeitet ist. Die hastige Solidarisierung der Kirchen mit den religi\u00f6s motivierten Beschneidungsbef\u00fcrwortern stellt f\u00fcr mich ein Versagen dar angesichts der Notwendigkeit, mit Kindern gewaltfrei umzugehen. Hier haben erwachsene Kleriker wieder zu sehr an ihre Bed\u00fcrfnisse und an die Sicherung ihrer Religionsfreiheit und zu wenig daran gedacht, Kinder vor Gewalt in jeder Form \u2013 auch vor religi\u00f6s motivierter Gewalt &#8211; zu sch\u00fctzen. Lassen Sie mich aber auch selbstkritisch f\u00fcr meine Zunft sagen: Auch Psychotherapeuten sparen bei ihren Gespr\u00e4chen dieses Thema fast immer aus. Unsere Fachverb\u00e4nde schweigen beklommen. Niemand hat es wirklich gern mit dem Thema Kastration und den dazugeh\u00f6rigen \u00c4ngsten zu tun. Und darum geht es ja latent bei der Beschneidung. Auch ich selber war bis vor 15 Jahren noch v\u00f6llig naiv, was dieses Trauma angeht. Ich wurde aber durch zahlreiche bedr\u00fcckende Berichte meiner Patienten zunehmend sensibilisiert. Leider gibt es auch heute noch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die ihren m\u00e4nnlichen Patienten, wenn sie \u00fcber die Qualen ihrer Beschneidung und deren Folgen sprechen wollen, sagen, dass bei der Beschneidung doch nur ein kleines St\u00fcck Haut verloren ginge. Das ist nicht nur aggressive Ignoranz sondern auch eine Empathieverweigerung, die besch\u00e4mt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Institut f\u00fcr Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V., Interview 1\/2016 (www.i-daf.org)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das aggressive Verhalten muslimischer M\u00e4nner aus psychoanalytischer Sicht &#8211; Ein Gespr\u00e4ch mit dem M\u00e4nnerforscher Matthias Franz Professor Matthias Franz ist einer der wenigen V\u00e4ter- und Jungen-Forscher in Deutschland. Er lehrt Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf. Er ist Psychoanalytiker und Facharzt f\u00fcr Psychosomatische Medizin, Neurologie und Psychiatrie. 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