{"id":1319,"date":"2007-01-03T15:44:39","date_gmt":"2007-01-03T13:44:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1319"},"modified":"2009-09-06T11:52:48","modified_gmt":"2009-09-06T09:52:48","slug":"brauchen-wir-eine-%e2%80%9etheologie-des-kindes%e2%80%9c-um-weihnachten-zu-verstehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1319","title":{"rendered":"Brauchen wir eine \u201eTheologie des Kindes\u201c, um Weihnachten zu verstehen?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Brauchen wir eine \u201eTheologie des Kindes\u201c, um Weihnachten zu verstehen? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Drei Anmerkungen zum \u201eWeihnachtswort\u201c der Hannoverschen Landesbisch\u00f6fin: <\/strong><strong>\u201eAls Gottes Kinder sind wir alle beh\u00fctet\u201c (Evangelische Zeitung 24.12.06)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer an den Weihnachtstagen keine Gelegenheit hatte, an einem Gottesdienst teilzunehmen, oder sich einfach noch einmal die Weihnachtsbotschaft vergegenw\u00e4rtigen wollte, konnte in der weltlichen und kirchlichen Presse wieder manches besinnliche Wort finden. Grund genug f\u00fcr alle Christen, daf\u00fcr dankbar zu sein, da\u00df in unserem Land das Evangelium noch \u00f6ffentlich und ungehindert verk\u00fcndigt und publiziert werden kann. Desto gr\u00f6\u00dfer ist allerdings die Verantwortung der Verk\u00fcndiger und aller Christen, denen die \u00f6ffentliche Verk\u00fcndigung am Herzen liegt. Die folgenden Anmerkungen orientieren sich an dieser Verantwortung.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.) Ausgangspunkt der Weihnachtsbotschaft von Landesbisch\u00f6fin Dr. K\u00e4\u00dfmann sind die S\u00e4tze \u201eGott kommt als Kind\u201c und \u201eGott kommt schwach zur Welt\u201c. Es ist ihr ein Anliegen, die Normalit\u00e4t des Jesuskindes zu unterstreichen. \u201eEin ganz und gar menschliches Kind, das in Windeln gewickelt werden mu\u00df wie jedes andere Kind auf der Welt. Die Mutter stillt es, jemand bringt ihm Laufen bei und Sprechen\u201c. Aus diesen Feststellungen zieht sie den folgenden Schlu\u00df: \u201eWir begegnen da Gott, wo wir uns einem Kind zuwenden, einem Kranken, einer Sterbenden\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sowohl der Ausgangspunkt als auch die Schlu\u00dffolgerung sind einseitige Interpretationen der biblischen Weihnachtsbotschaft. Dort kann man schnell feststellen, da\u00df die neutestamentlichen Schriftsteller keineswegs an der Tatsache des blo\u00dfen Kindsein Jesu interessiert sind, sondern gerade die absolute Einzigartigkeit des Jesuskindes herausstellen, die dieses Kind unendlich \u00fcber alle anderen Kinder heraushebt, und die sie mit den Begriffen \u201eHerr\u201c, \u201eHeiland\u201c, \u201eK\u00f6nig\u201c und \u201eSohn Gottes\u201c beschreiben. Elisabeth nennt Maria \u201edie Mutter meines Herrn\u201c (Luk 1,43). Die schwangere Maria r\u00fchmt Gott, da\u00df er an ihr \u201egro\u00dfe Dinge\u201c getan hat (Luk 1,49). Die Hirten breiten das \u201eWort\u201c vom Heiland aus, das die Engel ihnen von diesem Kind gesagt hatten (Luk. 2,17). Die drei Weisen kommen, um den \u201eneugeborenen K\u00f6nig der Juden\u201c anzubeten (Mt 2,2). Paulus stellt fest: \u201eAls die Zeit erf\u00fcllt war, sandte Gott seinen Sohn\u201c (Gal. 4,4). Sie alle erkennen im Jesuskind auf unterschiedliche Weise den Sohn Gottes. Nicht das Kindsein Jesu ist also Inbegriff der biblischen Weihnachtsbotschaft, sondern da\u00df in diesem Kind der Erretter der Menschheit von S\u00fcnde, Tod und Teufel auf die Welt gekommen ist. Wir begegnen Gott demzufolge nicht dort, wo wir uns Kindern bzw. schwachen Menschen zuwenden, sondern wenn wir im Jesuskind den Christus entdecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.) Mit Recht weist Frau Dr. K\u00e4\u00dfmann auf die vielen \u201etraurigen Kindergeschichten\u201c hin, die 2006 passiert sind. \u201eEin Kind verhungert, ein M\u00e4dchen wird get\u00f6tet und verschwindet schlicht unter den Augen der Nachbarschaft, ein S\u00e4ugling h\u00f6rt auf zu schreien, weil er verdurstet ist und niemand wird aufmerksam\u201c. Ebenso mahnt sie zu Recht eine h\u00f6here Aufmerksamkeit der Politik f\u00fcr die Belange des Kindes an und stellt fest, da\u00df wir ohne Kinder \u201eLebenslust, Kreativit\u00e4t und Zukunftshoffnung\u201c verlieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So richtig und n\u00f6tig diese Feststellungen sind, sie nennen leider die Ursachen nicht und beschreiben nur die Spitze des Eisbergs. Die heutige gesellschaftliche Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber dem Kind hat ihre wesentliche Wurzel im postmodernen Paradigma der Selbstbestimmung, das den Menschen nicht mehr als Beziehungswesen sieht, sondern als ein Einzelwesen, das sich gegen\u00fcber den anderen durchsetzen mu\u00df. Hier mu\u00df eine Gesellschaftskritik ansetzen, die dem j\u00fcdisch-christlichen Erbe verpflichtet sein will. Unter dem Vorzeichen der Selbstbestimmung der Frau wurde in unserem Land sukzessive die T\u00f6tung der Ungeborenen im Mutterleib legalisiert, so da\u00df mittlerweile weite Teile unseres Volkes hinsichtlich der Abtreibung kein Unrechtsbewu\u00dftsein mehr haben. Ein gesellschaftskritisches Weihnachtswort m\u00fc\u00dfte unbedingt auch diese verh\u00e4ngnisvolle Folge der Selbstbestimmungsideologie beim Namen nennen und eine Revision des geltenden Strafrechts fordern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.) Aus der Feststellung, \u201eda\u00df Gott selbst Kind wurde\u201c, leitet das Weihnachtswort gesellschaftspolitische und missionarische Appelle ab: \u201eEine Kultur der Achtsamkeit auf Kinder mu\u00df entstehen!\u201c \u201eErziehungsberatung, qualifizierte Krippenpl\u00e4tze, Kindertafeln, gute Kindertagesst\u00e4tten sind gefragt\u201c. \u201eVor allem aber gilt es, Kindern die gute Nachricht weiterzugeben\u201c. \u201eWie wichtig ist es, da\u00df sie beten lernen, ja da\u00df sie \u00fcberhaupt wissen: ich kann beten zu Gott, Gott will f\u00fcr mich da sein!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Tat brauchen wir eine neue Achtsamkeit auf Kinder. Die Frage ist nur, wie wir sie bekommen. Das bisch\u00f6fliche Weihnachtswort beschr\u00e4nkt sich hier auf Appelle. Solche weihnachtlichen Appelle h\u00f6ren sich gut an, aber sie fruchten wenig. Wirkliche Achtsamkeit ist eine Frucht der Liebe. Wahre Liebe entsteht aber nur aus dem Glauben an Jesus Christus. Da\u00df wir im Jesuskind den Herrn der Welt, den Befreier aus der eigenen Schuldverstrickung, aus Sinnlosigkeit und Lebensangst entdecken k\u00f6nnen, das ist die Botschaft, die wir unserem Volk schuldig sind. Wo Gott durch den Glauben Liebe schenkt, dort sucht man das Beste f\u00fcr den anderen. Dann wird man es sich auch noch einmal \u00fcberlegen, ob die Betreuung in der Kinderkrippe oder nicht doch die pers\u00f6nliche Zuwendung f\u00fcr das Kind besser ist. Und da ist es dann auch keine Frage, da\u00df man den Kindern das Evangelium nahebringt, denn dann wei\u00df man: Der Heiland in der Krippe ist der Heiland f\u00fcr die Gro\u00dfen und die Kleinen, und sie alle brauchen ihn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>3.1.2007<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brauchen wir eine \u201eTheologie des Kindes\u201c, um Weihnachten zu verstehen? 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