{"id":13112,"date":"2016-01-15T11:08:23","date_gmt":"2016-01-15T10:08:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13112"},"modified":"2016-01-17T18:24:59","modified_gmt":"2016-01-17T17:24:59","slug":"dokumentation-brief-des-gnadauer-vorstands-an-den-rat-der-ekd-vom-dezember-1994","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13112","title":{"rendered":"Dokumentation: Brief des Gnadauer Vorstands an den Rat der EKD vom Dezember 1994"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><em>In einem Brief vom Dezember 1994 an den Rat der EKD warnte der damalige Vorstand des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes vor einer &#8222;Zerrei\u00dfprobe ungeahnten Ausma\u00dfes&#8220;, sollte es in den Evangelischen Landeskirchen zu Segnungen oder Trauungshandlungen f\u00fcr homophile Paare kommen. Wir dokumentieren nachfolgend diesen Brief. <\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An die Mitglieder des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland<br \/>\nAn die Leitenden Geistlichen der evangelischen Landeskirchen in Deutschland<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Diskussion und Entscheidungsprozesse um die Segnung homophiler Paare<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr geehrte Damen und Herren,<br \/>\nliebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">als Vorstand des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes wenden wir uns an Sie, weil wir angesichts der gegenw\u00e4rtigen Diskussionen, die in den einzelnen Landeskirchen in unterschiedlicher Heftigkeit gef\u00fchrt werden, tief beunruhigt sind. Wir haben die begr\u00fcndete Sorge, dass hierbei unsere Kirche in eine Zerrei\u00dfprobe ungeahnten Ausma\u00dfes gef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die inhaltliche Bewertung homophiler Praxis betrifft, so pflichten wir der theologischen Beurteilung bei, die vom M\u00fcnchener Professor Wolfhart Pannenberg auf den Punkt gebracht wird: \u201eIn der Gesamtheit des biblischen Zeugnisses wird \u2026 praktizierte Homosexualit\u00e4t ausnahmslos zu den Verhaltensweisen gerechnet, in denen die Abwendung des Menschen von Gott besonders eklatant zum Ausdruck kommt\u201c (idea-spektrum 48\/93, S. 13). Deshalb steht eine Kirche, die derartige Lebensgemeinschaften positiv w\u00fcrdigt und gar per Segnung oder Trauungshandlung de facto der Ehe gleichordnet, nicht mehr auf dem Boden der Bibel\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollte sich eine oder mehrere Landeskirchen zur Legitimierung von Segnungen und Trauungshandlungen f\u00fcr homophile Paare verstehen, wird das unseres Ermessens nachhaltige Folgen haben, die wir zu bedenken bitten:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li style=\"text-align: left;\">Es gibt in diesem Problemkreis nicht nur einen Riss zwischen Kirche und Gemeinschaftsbewegung bzw. Pietismus, sondern der Riss verl\u00e4uft durch die einzelnen Landeskirchen hindurch. Aus der vorhandenen inneren Spaltung kann sich unversehens eine \u00e4u\u00dfere Spaltung ergeben, wenn von kirchenleitenden Gremien derart gegen das Schriftzeugnis versto\u00dfen wird. Es kann zu erdrutschartigen Ver\u00e4nderungen der kirchlichen Landschaft f\u00fchren.<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Viele Mitglieder unserer Gemeinschaften, die oft vor Ort die treuesten Gottesdienstbesucher, Beter und Spender sind, werden ihre Kirche nicht mehr verstehen. Manche werden ihr entt\u00e4uscht den R\u00fccken kehren. Als Mitglieder des Gnadauer Vorstandes haben wir bisher eindeutig den innerkirchlichen Standort vertreten. Wir werden uns dann aber kaum noch in der Lage sehen, einer aufkommenden Austrittsbewegung wirksam entgegen zu steuern.<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Wir stellen auch die Frage, ob wir es uns in unserer Kirche angesichts der bedr\u00e4ngenden missionarischen und diakonischen Herausforderungen unserer Tage leisten k\u00f6nnen, eine solche Debatte mit einem derartigen Energieaufwand und dem sich abzeichnenden inneren und \u00e4u\u00dferen Flurschaden zu f\u00fchren. Stimmen unter uns die Relationen noch?<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Unbeschadet der seelsorgerischen Verantwortung, die wir f\u00fcr die betroffenen Menschen haben, stehen wir unter dem Eindruck, dass hierbei unsere Kirche von den betreffenden Interessengruppen instrumentalisiert wird. Bitte verstehen Sie uns recht. Wir sind au\u00dferordentlich besorgt \u00fcber den Weg, den unsere Kirche nimmt. Wir sind das auch deshalb, weil Identit\u00e4t und Arbeitsweise unserer Gemeinschaftsbewegung seit jeher unl\u00f6slich mit dem Erscheinungsbild und der Arbeitsweise der Kirche verkn\u00fcpft sind. Wir sehen die Lage als ernst und besorgniserregend an.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir bitten Sie herzlich und dringend, liebe Schwestern und Br\u00fcder, die Sie im Rat der EKD und in den einzelnen Landeskirchen Verantwortung tragen, in Ihrem Verantwortungsbereich f\u00fcr eine schriftgem\u00e4\u00dfe Verk\u00fcndigung und eine dem gem\u00e4\u00dfe ethische Praxis zu sorgen und eine kirchlich legitimierte Segenshandlung f\u00fcr homophile Paare zu verhindern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir w\u00fcnschen Ihnen eine weihnachtliche Zeit, in der Sie selber das Kommen Jesu erfahren und in der Sie die frohe Botschaft des Christfestes weitergeben d\u00fcrfen. Damit verbinden wir gute W\u00fcnsche f\u00fcr ein gnadenreiches Jahr 1995.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir gr\u00fc\u00dfen Sie herzlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Der Vorstand des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><strong>Christoph Morgner<\/strong>, Pr\u00e4ses<\/em><br \/>\n<em><strong> Hans-Joachim Martens<\/strong>, stellvertretender Vorsitzender<\/em><br \/>\n<em><strong> Georg Krause,<\/strong> Schatzmeister<\/em><br \/>\n<em><strong> Theo Schneider<\/strong>, Generalsekret\u00e4r<\/em><br \/>\n<em><strong> Lothar Albrecht<\/strong>, Vorsitzender des Landesverbandes landesk. Gemeinschaften Sachsens<\/em><br \/>\n<em><strong> Karl-Heinrich Bender<\/strong>, Inspektor des Westf\u00e4l. Gemeinschaftsverbandes<\/em><br \/>\n<em><strong> Dr. Joachim Drechsel<\/strong>, Direktor des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes<\/em><br \/>\n<em><strong> Alfred Gajan<\/strong>, Inspektor des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes<\/em><br \/>\n<em><strong> Michael Hobrack<\/strong>, Vorsitzender des Gemeinschaftsverbandes Sachsen-Anhalt<\/em><br \/>\n<em><strong> Nicolaus Jessen-Thiesen<\/strong>, Vorsitzender des Verbandes der Gemeinschaften in Schleswig-Holstein<\/em><br \/>\n<em><strong> Karl-Heinz Schabel<\/strong>, Inspektor des Altpietistischen Gemeinschaftsverbandes<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Gnadauer Gemeinschaftsblatt, gemeinsam unterwegs, Monatsschrift des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Februar 1995<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Brief vom Dezember 1994 an den Rat der EKD warnte der damalige Vorstand des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes vor einer &#8222;Zerrei\u00dfprobe ungeahnten Ausma\u00dfes&#8220;, sollte es in den Evangelischen Landeskirchen zu Segnungen oder Trauungshandlungen f\u00fcr homophile Paare kommen. 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