{"id":12997,"date":"2015-12-16T10:43:14","date_gmt":"2015-12-16T09:43:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12997"},"modified":"2015-12-16T11:13:26","modified_gmt":"2015-12-16T10:13:26","slug":"generationengerechtigkeit-kinder-und-rente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12997","title":{"rendered":"Generationengerechtigkeit, Kinder und Rente"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit von Weihnachten geh\u00f6rte lange Zeit das Kind. Aus der Geburt Jesu wurde das Christkind, aus dem Christkind der Weihnachtsmann. Die Selbstverst\u00e4ndlichkeit des Kindes schwindet und der Weihnachtsmann tritt heute in Form von Vater Staat auf, der vor allem die \u00e4lteren Generationen beschenkt.<!--more-->Ein Beispiel ist die Rente mit 63. \u00dcberhaupt: Die gesetzliche Rentenversicherung erlebt ein bemerkenswertes Comeback: \u00dcber viele Jahre war sie als renditeschwach verschrien. Wer clever sein wollte, setzte auf die \u201ePrivatvorsorge\u201c. Mit der Finanzkrise hat sich das Blatt gewendet: Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken l\u00e4sst die Renditen der privaten Rentensicherungen schmelzen. Die Garantiezinsen der klassischen Lebensversicherungen sind \u201emickrig\u201c geworden und damit droht die klassische Form der Privatvorsorge zum Auslaufmodell zu werden(1). Gleichzeitig d\u00fcrfen die 20 Millionen Rentner in Deutschland die h\u00f6chste Rentensteigerung seit langem erwarten: Sch\u00e4tzungen gehen von einem Plus von 4 bis 5 Prozent im kommenden Jahr aus. M\u00f6glich macht dieses Plus die Rekordbesch\u00e4ftigung in Deutschland, die Rekordsummen an Beitr\u00e4gen der Arbeitnehmer in die Sozialkassen sp\u00fclt (2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses System ist eine gewaltige Umverteilung von J\u00fcngeren zu \u00c4lteren, denn nicht nur von der Renten- und Pflegeversicherung, sondern auch von der Krankenversicherung profitieren \u00fcberwiegend \u00c4ltere (3). Wenn demn\u00e4chst die geburtenstarken Babyboomer in Rente gehen, werden diese Kosten nochmals drastisch steigen, w\u00e4hrend gleichzeitig die Zahl der j\u00fcngeren Beitragszahler rapide schrumpft (4). Dass die aktuelle Migrationswelle neue Zahlungskraft bringt, ist unwahrscheinlich, eher zu erwarten sind weitere Soziallasten (5). Der Lastesel ist die j\u00fcngere Erwerbsbev\u00f6lkerung, die immer mehr vom eigenen Einkommen abgeben soll, um die \u00c4lteren zu unterhalten. Legitimiert wird das mit der Solidarit\u00e4t zwischen den Generationen, die ein moralisches Grundaxiom der Hochkulturen ist. Zu denken ist besonders an das 4. Gebot, das fordert Vater und Mutter zu ehren, das hei\u00dft auch f\u00fcr sie zu sorgen. Aber es gibt einen grundlegenden Unterschied: Das vierte Gebot betrifft die eigenen Eltern, der sog. Generationenvertrag unseres Sozialsystems fordert eine anonyme Solidarit\u00e4t mit fremden Mitb\u00fcrgern. Zu denen geh\u00f6ren auch Kinderlose, die im Alter von den Beitr\u00e4gen j\u00fcngerer Menschen leben, die ihre kinderhabenden Altersgenossen aufgezogen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Tatsache wird verdr\u00e4ngt: Hartn\u00e4ckig h\u00e4lt sich der Irrglaube, dass man mit seinen Beitr\u00e4gen die eigene Rente erwirtschaftet, obwohl diese Zahlungen im Umlagesystem sofort f\u00fcr den Unterhalt der aktuellen Rentnergeneration verausgabt werden. F\u00fcr die eigene Rente m\u00fcssen J\u00fcngere aufkommen, weshalb die Statik des Umlagesystems immer auf zwei S\u00e4ulen ruht, der \u201eProduktion\u201c\/Beitragszahlung und der \u201eReproduktion\u201c\/Kindererziehung (6). Aber an der Reproduktion mangelt es, denn seit \u00fcber 40 Jahren sind die Geburtenraten so niedrig, dass jede Kindergeneration jeweils um ein Drittel geringer ist als die Elterngeneration: 1.000 Frauen der ersten Generation k\u00f6nnen demnach 700 Kinder und dann 490 Enkel erwarten (7). Immer weniger J\u00fcngere m\u00fcssen deshalb einen immer gr\u00f6\u00dferen Anteil von \u00c4lteren unterhalten. Diese Alterslast wird bald drastisch steigen, wenn die Babyboomer-Jahrg\u00e4nge in Rente gehen. Die Rente mit 63 l\u00e4dt sie ein, sich damit zu beeilen. Wenn dann wieder ein Abschwung der Wirtschaft erfolgt, wird es f\u00fcr die Jungen teuer, das ist absehbar. Und wenn dann gespart werden muss, stellt sich umso sch\u00e4rfer die Frage der Gerechtigkeit, nicht nur zwischen J\u00fcngeren und \u00c4lteren, sondern auch innerhalb der Generationen zwischen Eltern und Kinderlosen: Sollen Eltern, die mehrere Kinder gro\u00dfgezogen haben, genauso verzichten m\u00fcssen wie Kinderlose?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das w\u00fcrde besonders M\u00fctter verarmen lassen, die wegen der Erziehung ihrer Kinder weniger Rentenanspr\u00fcche durch Erwerbst\u00e4tigkeit erwirtschaften konnten. Gerechter w\u00e4re es, Rentenk\u00fcrzungen auf Kinderlose zu konzentrieren, die keine Kosten f\u00fcr Kinder haben und deshalb mehr in der Privatvorsorge ansparen k\u00f6nnen. So sieht es das Konzept einer \u201eKinderrente\u201c vor, das \u00d6konomen wie H. W. Sinn vertreten (8). Es w\u00fcrde eine neue \u201eWillkommenskultur\u201c f\u00fcr Familien und Kinder schaffen, die Deutschland dringend br\u00e4uchte, nicht nur zur Weihnachtszeit.<\/p>\n<p><em>Institut f\u00fcr Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V., IDAF_Nachricht_Zitat 20\/2015\u00a0(www.i-daf.org)<\/em><\/p>\n<p>(1)\u00a0\u00a0 Gerade erst hat der Branchenprimus Allianz den \u201eGarantiezins\u201c weiter auf mickrige 1,5 Prozent gesenkt: Kerstin Leitel: Allianz-Lebensversicherungen werfen weniger ab, Handelsblatt vom 9. Dezember 2015, <a href=\"https:\/\/newslettertool2.1und1.de\/subscriber-frontend\/link-tracking?target=http%3A%2F%2Fwww.handelsblatt.com%2Ffinanzen%2Fvorsorge%2Faltersvorsorge-sparen%2Fueberschussbeteiligung-sinkt-allianz-lebensversicherungen-werfen-weniger-ab%2F12698896.html%3Fnlayer%3DNews_1985586&amp;contactUuid=fe655fe9-021a-4aed-b00d-87c821f34ca1&amp;campaignUuid=0e7cdebf-28d9-4e4a-bbdb-ef553fbef849\">http:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/vorsorge\/altersvorsorge-sparen\/ueberschussbeteiligung-sinkt-allianz-lebensversicherungen-werfen-weniger-ab\/12698896.html?nlayer=News_1985586<\/a>.<\/p>\n<p>(2)\u00a0\u00a0 In dieser Lage kann die gesetzliche Rentenversicherung sogar f\u00fcr Selbst\u00e4ndige interessant werden: Barbara Brandstetter: Die gesetzliche Rentenversicherung ist f\u00fcr \u00c4ltere unschlagbar, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 8. November 2015, <a href=\"https:\/\/newslettertool2.1und1.de\/subscriber-frontend\/link-tracking?target=http%3A%2F%2Fwww.faz.net%2Faktuell%2Ffinanzen%2Fmeine-finanzen%2Fvermoegensfragen%2Fdie-gesetzliche-rentenversicherung-ist-fuer-aeltere-unschlagbar-13898047.html&amp;contactUuid=fe655fe9-021a-4aed-b00d-87c821f34ca1&amp;campaignUuid=0e7cdebf-28d9-4e4a-bbdb-ef553fbef849\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/meine-finanzen\/vermoegensfragen\/die-gesetzliche-rentenversicherung-ist-fuer-aeltere-unschlagbar-13898047.html<\/a>.<\/p>\n<p>(3)\u00a0\u00a0 Mehr als die H\u00e4lfte der Krankheitskosten entf\u00e4llt auf die Altersgruppe ab 65 Jahren. Zu den Krankheitskosten nach Alter: Statistisches Bundesamt: 47% der Krankheitskosten entstehen im Alter, Pressemitteilung Nr. 280 vom 5.8. 2008.<\/p>\n<p>(4)\u00a0\u00a0 Zum aktuellen Stand der Berechnungen: Statistisches Bundesamt, Bev\u00f6lkerung Deutschlands bis 2060. 13. koordinierte Bev\u00f6lkerungsvorausberechnung, Wiesbaden 2015. Es werden verschiedene Szenarien durchgerechnet, die sich erheblich unterscheiden, aber alle einen starken Anstieg der Alterslasten zeigen. Siehe hierzu auch die Abbildungen: Altersstruktur gegenw\u00e4rtig und 2060 sowie Entwicklung des Altenquotienten bis 2060.<\/p>\n<p>(5)\u00a0\u00a0 Eingehender hierzu: iDAF-Nachricht der Woche 2015\/17 vom 7. Oktober 2015, <a href=\"https:\/\/newslettertool2.1und1.de\/subscriber-frontend\/link-tracking?target=http%3A%2F%2Fwww.i-daf.org%2Faktuelles%2Faktuelles-einzelansicht%2Farchiv%2F2015%2F10%2F07%2Fartikel%2Fzuwanderung-das-wunschdenken-scheitert-an-der-wirklichkeit.html&amp;contactUuid=fe655fe9-021a-4aed-b00d-87c821f34ca1&amp;campaignUuid=0e7cdebf-28d9-4e4a-bbdb-ef553fbef849\">http:\/\/www.i-daf.org\/aktuelles\/aktuelles-einzelansicht\/archiv\/2015\/10\/07\/artikel\/zuwanderung-das-wunschdenken-scheitert-an-der-wirklichkeit.html<\/a>.<\/p>\n<p>(6)\u00a0\u00a0 Anschaulich hierzu: Martin Werding: Familien in der gesetzlichen Rentenversicherung. Das Umlageverfahren auf dem Pr\u00fcfstand, G\u00fctersloh 2014, S. 21 (Abbildung 3: \u00d6konomische Grundlagen der Rentenversicherung).<\/p>\n<p>(7)\u00a0\u00a0 Franz-Xaver Kaufmann: Gesellschaftliche Folgen des Geburtenr\u00fcckgangs, S. 81-99, in: Franz-Xaver Kaufmann\/Walter Kr\u00e4mer: Die demografische Zeitbombe: Fakten und Folgen des Geburtendefizits, Paderborn 2015, S. 82.<\/p>\n<p>(8)\u00a0\u00a0 Hans-Werner Sinn: F\u00fchrt die Kinderrente ein! Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 08.06.2005, abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/newslettertool2.1und1.de\/subscriber-frontend\/link-tracking?target=http%3A%2F%2Fwww.faz.net%2Faktuell%2Ffeuilleton%2Fdebatten%2Ffamilienfoerderung-fuehrt-die-kinderrente-ein-1212431.html&amp;contactUuid=fe655fe9-021a-4aed-b00d-87c821f34ca1&amp;campaignUuid=0e7cdebf-28d9-4e4a-bbdb-ef553fbef849\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/familienfoerderung-fuehrt-die-kinderrente-ein-1212431.html<\/a>. Ausf\u00fchrlich hierzu auf Basis aktueller Berechnungen: Martin Werding: Familien in der gesetzlichen Rentenversicherung, a. a. O., S. 53 ff.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-13000 size-full\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/csm_20a_-_Entwicklung_des_Altenquotienten_36ece4c129-e1450258869146.jpg\" alt=\"csm_20a_-_Entwicklung_des_Altenquotienten_36ece4c129\" width=\"528\" height=\"396\" \/><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-13001 \" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/csm_20b_-_Altersstruktur_gegenwaertig_und_2060_74adab6e3e-e1450259075888.jpg\" alt=\"csm_20b_-_Altersstruktur_gegenwaertig_und_2060_74adab6e3e\" width=\"528\" height=\"395\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit von Weihnachten geh\u00f6rte lange Zeit das Kind. 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