{"id":12962,"date":"2015-12-07T16:27:26","date_gmt":"2015-12-07T15:27:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12962"},"modified":"2015-12-07T16:27:26","modified_gmt":"2015-12-07T15:27:26","slug":"das-koranische-jesusbild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12962","title":{"rendered":"Das koranische Jesusbild"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die heilsgeschichtliche Mitte des christlichen Glaubens besteht in der Person Jesu Christi. So ist es h\u00f6chst interessant, welchen Stellenwert Jesus im Koran erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Muslime kennen Christus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bedingt durch Erw\u00e4hnungen in 93 Versen in 15 Koransuren ist Jesus Muslimen bekannt. Er spielt zwar keine zentrale Rolle, es l\u00e4sst sich aber aus den verstreut angelegten Aussagen durchaus eine koranische Christologie erstellen. Dabei f\u00e4llt auf, dass die unterschiedlichen Daten zum Teil ungew\u00f6hnliche Aussagen positiver Art \u00fcber die Person Jesu enthalten, die \u00fcber die Aussagen zu Muhammed hinausgehen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits werden so manche biblischen Zentralaussagen abgelehnt oder finden keine Erw\u00e4hnung. Die objektive Betrachtung der islamischen Christologie f\u00fchrt zu der ambivalenten Schlussfolgerung, dass der Koran gen\u00fcgend Material liefert, um Jesus eine besondere Bedeutung zuzugestehen. Zugleich wird Jesus auf sein Menschsein begrenzt und Muhammed untergeordnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Eigenname Jesu<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der vom Koran benutzte Eigenname Jesu lautet \u201e\u2018Iisa\u201c. Die Herkunft dieses Namens ist \u00e4u\u00dferst umstritten. Seine Bedeutung ist unbekannt. Im Gegensatz zum biblischen Namen Jesus (Gott rettet) enth\u00e4lt der koranische Namen keine heilsgeschichtliche Aussage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jesus, Sohn der Maryam<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der h\u00e4ufigste Zusatz zum Eigennamen Jesu, Sohn der Marjam (ibn Marjam), ist verbunden mit dem Hinweis auf die au\u00dfergew\u00f6hnliche Geburt durch Marjam. In zwei Textabschnitten (3:35ff. und 19:16-36) berichtet der Koran von der Ank\u00fcndigung und der wundersamen Empf\u00e4ngnis Jesu durch den sch\u00f6pferischen Atem Gottes. Die ungew\u00f6hnliche Bezeichnung Jesu als Sohn der Marjam, die im Koran die Schwester Aarons ist (19:28), kommt insgesamt sehr h\u00e4ufig vor (16x). Die Nennung nach seiner Mutter ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass kein menschlicher Vater bekannt ist. Josef findet im Gegensatz zum NT im Koran keine Erw\u00e4hnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Jesus in der Wiege den Beschuldigern Marjams verbal entgegen tritt und seine Mutter vor deren Anklage verteidigt (19:30), verstehen Muslime als sein prophetisches Beglaubigungswunder. Dar\u00fcber hinaus wird Jesu Geburt als ein Akt der Barmherzigkeit Gottes (rahma) und als ein Zeichen (aaja) f\u00fcr die Menschen weltweit verstanden (19:21, 21:91).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jesus, der Messias<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mehrfach wird Jesus mit dem Ehrennamen Messias bezeichnet. Allerdings hat dieser Name erst in medinensischer Zeit Eingang in den Koran gefunden (3:45; 4:171f.; 5:17.72.75), ohne dass biblische Inhalte mit diesem Namen verbunden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jesus, der Gesandte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Titel Gesandter (rasuul) kommt Jesus eine besondere Bedeutung zu (4:157; 10:47). Jedem Gesandten wird ein geistliches Volk zugeordnet. Jesus begr\u00fcndet das Glaubensvolk der Christen und bringt ihnen eine Schrift, n\u00e4mlich das Evangelium (indschiil). Dabei bleibt er aber ganz Mensch (2:87.253; 3:49). Das wird auch durch die Bezeichnung Diener (\u2018abd) zum Ausdruck gebracht (4:172).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jesus, der Prophet<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Prophet (nabi) wird Jesus trotz aller Sonderheiten und F\u00e4higkeiten eingereiht in das Prophetenschema (4:171) des Koran. Seine Menschlichkeit wird herausgestellt. Seine F\u00e4higkeiten sind ihm f\u00fcr nur durch die \u201eErlaubnis Gottes\u201c m\u00f6glich, nicht aber Hinweis auf seine G\u00f6ttlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Kindheit und Jugendzeit Jesu<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die Lebensgeschichte Jesu bis zu seinem \u00f6ffentlichen Auftreten wei\u00df der Koran wenig Bestimmtes zu berichten. Der Gehorsam seiner Mutter gegen\u00fcber (19:32), der Beginn der Unterweisung in der Schrift (3:48) und das Wunder der Tonv\u00f6gel (5:110) mag in diese Lebensphase einzuordnen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die \u00d6ffentliche Wirksamkeit Jesu<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der koranischen Darstellung des Lebens Jesu ist weder ein chronologischer noch ein geographischer Rahmen erkennbar. Wann genau seine \u00f6ffentliche Wirksamkeit begann, muss unklar bleiben. Im Blick auf seine Lebensf\u00fchrung betont der Koran die Reinheit Jesu von Anfang an (19:19) und die Liebe zu seiner Mutter (19:32). Mit anderen Gottgesandten wird er als Rechtschaffener bezeichnet (6:85). Im Gegensatz zu anderen Propheten wird im Blick auf Jesus niemals von seiner S\u00fcndhaftigkeit gesprochen. Obwohl das Jesusbild im Koran nicht durch S\u00fcndhaftigkeit entstellt ist, hat dies keine Konsequenzen im Blick auf die Heilsbedeutung Jesu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Prophet ist Jesu Lehrt\u00e4tigkeit seine Hauptaufgabe (3:46.48.49; 5:110). Er hat dazu das Evangelium (indschiil) von Gott empfangen (3:48; 5:46.110; 57:27). Zur Erf\u00fcllung seiner Sendung wurde er durch den Geist der Heiligkeit gest\u00e4rkt (2:87; 2:253). Muhammed scheint insgesamt nur geringe Kenntnisse bez\u00fcglich der Verk\u00fcndungsinhalte Jesu gehabt zu haben. Jesus hatte die Aufgabe, die Thora zu best\u00e4tigen (3:50) und sie zu einem Teil abzu\u00e4ndern (3:49-50). Vor allem aber ruft er zur Verehrung des einen Gottes auf (5:117) und sch\u00e4rft seinen Zuh\u00f6rern sittliche Gebote ein (61:6). Insgesamt bleibt die inhaltliche Beschreibung seiner Lehrt\u00e4tigkeit im Vergleich mit dem neutestamentlichen Befund eher farblos und gedankenarm. Der biblische Inhalt des Evangeliums als universale Begnadigungsbotschaft bleibt dem Koran fremd.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wundert\u00e4tigkeit Jesu wird im Koran im Wesentlichen summarisch dargestellt (3:49; 5:110). Die Blindenheilungen, Heilung von Auss\u00e4tzigen, Totenauferweckungen und das Wunder der Tonv\u00f6gel sind Zeichen der g\u00f6ttlichen Berufung Jesu und sollen seiner Sendung Autorit\u00e4t verleihen. Die Wunder werden ihm von Gott erlaubt, sind aber nicht Ausdruck seiner G\u00f6ttlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch im Koran sammelt Jesus eine J\u00fcngerschar um sich. Es sind aber weder Zahl noch Namen bekannt. Sie werden als mildherzige Menschen beschrieben und als Begr\u00fcnder des M\u00f6nchtums (57:27). Dar\u00fcber hinaus sind sie Helfer (ansaar) auf dem Weg zu Gott (61:14). Ihr Glaubensbekenntnis findet sich ebenso im Koran (5:111).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz aller Wunder und Worte Jesu gab es Menschen, zu denen Jesus gesandt war, die ungl\u00e4ubig blieben (3:52) und als Gegner verstanden werden. Die sich entwickelnde Feindschaft der Nichtglaubenden findet ihren H\u00f6hepunkt in dem Versuch, Jesus zu t\u00f6ten, der aber nach koranischem Verst\u00e4ndnis durch Gottes Eingreifen misslingt (3:54-55).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Ende Jesu<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Tod Jesu gibt es im Koran Aussagen, die sich schwer harmonisieren lassen (4:157-158; 5:117). W\u00e4hrend die Kreuzigung und Auferstehung das Zentrum des christlichen Glaubens darstellen und in den Evangelien ausf\u00fchrlich beschrieben werden, spielen diese Ereignisse im Koran eher eine untergeordnete Rolle. Nur einmal wird die Kreuzigung erw\u00e4hnt (4:157-158). Allgemeinhin wird diese Stelle von Muslimen so ausgelegt, dass die Juden zwar meinten, Jesus gekreuzigt zu haben, ihn aber in Wirklichkeit weder get\u00f6tet noch gekreuzigt haben. Gott hat Jesus aus der Hand der Juden gerettet und ihn zu sich erhoben. Eine andere Person, die Jesus \u00e4hnlich sah, wurde an seiner Stelle get\u00f6tet. F\u00fcr einen Muslim ist der Tod eines Propheten Gottes durch Kreuzigung eine unakzeptable Schmach. Damit unterscheidet sich die koranische Christologie entscheidend vom biblischen Verst\u00e4ndnis des Heils durch Christi Tod und Auferstehung. Im Blick auf die Erh\u00f6hung Jesu legt der Koran eine Entr\u00fcckung Jesu zu Gott ohne ein Todeserlebnis nahe (3:55; 4:159). Vor dem Weltgericht Gottes wird Jesus nach koranischer Lehre auf der Erde erscheinen und die Schriftbesitzer, Juden und Christen, zum Islam als dem wahren Glauben bekehren (4:157; 43:61). W\u00e4hrend Jesus im NT als Weltenrichter erscheinen wird, muss er sich nach dem Koran am Tage des Gerichts selber verantworten (5:109.116), da Gott keine Mitregenten duldet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Polemik gegen die Gottessohnschaft Jesu und die Trinit\u00e4tslehre<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen erstaunlich breiten Raum nimmt im Koran die Ablehnung der Gottessohnschaft Jesu ein (4:171-172; 5:72; 6:110-111; 9:30-33). In der Ablehnung eines physischen Zeugungsverst\u00e4ndnisses erkl\u00e4rt der Islam, dass Gott nicht zeugt noch gezeugt wurde (112:3). Alles, was irgendwie die Einzigkeit und Erhabenheit Gottes gef\u00e4hrden k\u00f6nnte, st\u00f6\u00dft bei Muhammed auf harten Widerstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Blick auf ein trinitarisches Gottesverst\u00e4ndnis werden alle, die sich Gott in drei Personen vorstellen, als ungl\u00e4ubig bezeichnet (5:73), weil diese Auffassung dem koranischen Gottesbegriff widerspricht (4:171-172; 5:73-75) und einen R\u00fcckfall in den Polytheismus bedeutet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz des allgemein positiven Jesusbildes ist zu sagen: Jesus durfte Sohn der Marjam, Knecht Gottes, Gesandter, Prophet, Diener und Messias sein, aber s\u00fcndloser Sohn Gottes, der durch seinen Tod und Auferstehung zum Retter der Menschheit wurde, das wird ihm vom Islam abgesprochen. Damit ist der entscheidende Unterschied markiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gerald Lauche<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: EMO-Aktuell &#8211; Zeitschrift der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten (Ausgabe 5\/2015)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die heilsgeschichtliche Mitte des christlichen Glaubens besteht in der Person Jesu Christi. So ist es h\u00f6chst interessant, welchen Stellenwert Jesus im Koran erf\u00e4hrt. Muslime kennen Christus Bedingt durch Erw\u00e4hnungen in 93 Versen in 15 Koransuren ist Jesus Muslimen bekannt. 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