{"id":12943,"date":"2015-12-01T08:52:51","date_gmt":"2015-12-01T07:52:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12943"},"modified":"2015-12-01T08:54:17","modified_gmt":"2015-12-01T07:54:17","slug":"licht-am-ende-des-tunnels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12943","title":{"rendered":"Licht am Ende des Tunnels"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine junge Frau aus Nordkorea berichtet<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas Erste, woran ich mich erinnern kann, ist Hunger. Ich bin eine von vielen Nordkoreanern, die ihr Land wegen der langen Hungersnot von 1994-1998 verlassen mussten \u2013 beispielsweise nach China.\u00a0Es war eine schwer Zeit, wir hatten weder Geld noch etwas zu essen. Oft sind wir in die Berge gelaufen, um nach Nahrung zu suchen, aber das meiste hatten andere schon \u201eabgeerntet\u201c. Wir fanden Hirse und Rhododendronbl\u00fcten. Das hat uns \u00fcberleben lassen. Viele Menschen erlitten Erfrierungen und verloren Gliedma\u00dfen wie Finger, Zehen oder sogar Ohren, weil sie im Schnee nach etwas Essbarem suchten. Auch ich habe keine Fingerabdr\u00fccke mehr, weil ich mehrmals Erfrierungen an den H\u00e4nden hatte.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal sind wir in die Berge gegangen, um Feuerholz zu sammeln. Das haben wir dann f\u00fcr einen Laib Brot verkauft. \u00a0Mitunter bin ich nicht nach Hause zur\u00fcckgekehrt, weil ich vor lauter Hunger das Brot selbst aufgegessen hatte und mich anschlie\u00dfend schuldig f\u00fchlte, meiner Familie nichts mehr mitbringen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Zu hungrig f\u00fcr die Schule<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sogar Bildung zu bekommen, war in dieser Zeit nicht einfach. Der Gro\u00dfteil der Kinder ging nicht in die Schule \u2013 und die, die doch gingen, wurden meistens damit beauftragt, Kaninchenfelle f\u00fcr die Armee zu sammeln. Das war harte Arbeit; und wenn sie dann am Abend nach Hause kamen, mussten sie sich obendrein noch auf die Suche nach etwas zu Essen f\u00fcr sich selbst machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erinnere mich noch an die Geburtstage von Kim Il Sung und Kim Jong Il. An diesen Tagen verschenkte die Regierung immer Lutscher an uns und wir waren ziemlich aufgeregt. Die Bilder der beiden hingen immer bei uns zu Hause an der Wand. Wenn wir uns aus Versehen auf eines ihrer Fotos in der Zeitung setzen, wurden wir sofort daf\u00fcr bestraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich drei Jahre alt war, starb mein Vater. Jeder, der w\u00e4hrend der Hungersnot zu Tode kam, wurde von der Regierung einfach abgeschrieben. Aus irgendeinem Grund tauchte auch mein Name auf dieser Liste auf. Also wurde nie nach mir gesucht. Das ist der Grund, warum ich mich ohne Gefahr \u00f6ffentlich fotografieren lassen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich zw\u00f6lf Jahre alt war, gingen ein Mann und ein paar Jungs an mir vor\u00fcber und fragten mich, ob ich nicht mit nach China kommen wolle. Man k\u00f6nne dort viel Geld verdienen. Also habe ich mit ihnen illegal den Fluss nach China \u00fcberquert. Anschlie\u00dfend wurden wir in einem Keller untergebracht. Doch eines Tages erfuhr ich von einer Frau, die auch dort lebte, dass wir verkauft werden sollten. Als der Mann uns tats\u00e4chlich zum Verkauf mitnahm, wurden wir an einem Checkpoint angehalten und verhaftet, weil wir kein Chinesisch konnten. Ich wurde in ein Waisenheim gesteckt, aus dem ich allerdings sehr bald fl\u00fcchtete. Ich bin dann wieder zu meiner Familie nach Nordkorea zur\u00fcckgekehrt, die sehr \u00fcberrascht war, mich nach 10 Tagen Abwesenheit wieder zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Flucht nach China<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch zu Hause herrschte wieder Hunger. Im Waisenheim hatte ich wenigstens dreimal am Tag eine Mahlzeit. Also erkl\u00e4rte ich meiner Mutter, dass ich wieder nach China gehen w\u00fcrde, um dort Geld zu verdienen. Als ich mich schlie\u00dflich der Grenze n\u00e4herte, jagte mich ein Wachposten wieder fort und warnte mich davor, wieder zu kommen. Weil ich schon sehr weit weg war von Zuhause, versteckte ich mich drei Tage lang. Schlie\u00dflich ergriff ich eine g\u00fcnstige Gelegenheit und floh nach China.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war mitten in der Nacht, als ich kurz entschlossen\u00a0an der T\u00fcr des ersten Hauses klopfte, in dem ich Licht brennen sah. Eine Frau \u00f6ffnete mir. Als sie realisierte, dass ich aus Nordkorea gekommen sein musste, zog sie mich schnell ins Haus. Sie war sehr freundlich und am n\u00e4chsten Morgen nahm mich einer ihrer Verwandten mit zu einem koreanisch-amerikanischen Professor. Der wiederum brachte mich zu einer chinesischen Familie. Diese Familie war sehr arm. Aber sie nahmen mich auf, als w\u00e4re ich eine von ihnen. Nach einiger Zeit wurde der Vater der Familie wie mein eigener \u2013 und ich nannte ihn meinen Stiefvater. Sein Bruder arbeitete f\u00fcr die Regierung und so konnte ich sogar einen chinesischen Pass bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Mein Stiefvater war ein Pastor<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlie\u00dflich wurde mir klar, dass mein Stiefvater ein Pastor war. Immer wieder kam die Polizei in unsere Gemeinde und verhaftete jeden. Nach und nach wurden wir dann alle verh\u00f6rt. Sie suchten nach Nordkoreanern unter uns. Die Verfolgung war manchmal wirklich hart und viele wurden verpr\u00fcgelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Verlauf der Zeit schienen die Beh\u00f6rden jedoch etwas entspannter zu werden und lie\u00dfen uns in Ruhe. Die Gemeindemitglieder blieben trotzdem sehr vorsichtig damit, das Evangelium an andere weiterzugeben. Sie k\u00fcmmerten sich insbesondere um nordkoreanische Frauen, die zur Prostitution gezwungen worden waren und fl\u00fcchten konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr lebte ich bei meinem Stiefvater. Dann wollte ich unabh\u00e4ngig werden und mir eine eigene Arbeit suchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines Tages kam ein Freund meiner Mutter zu uns in die Gemeinde. Er war aus Nordkorea gefl\u00fcchtet und brachte Neuigkeiten von meiner Familie mit: Meine Schwester war gestorben. Ich habe anschlie\u00dfend versucht, meine Mutter anzurufen. Aber auch sie war verschwunden und lebte nicht mehr in unserem Heimatdorf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Entscheidung f\u00fcr Christus<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem der christliche Glaube f\u00fcr mich an Bedeutung gewann. Ich zog nach S\u00fcdkorea, wo ich mich einer Gemeinde in der N\u00e4he anschloss. Gott erinnerte mich an Jesu Liebe f\u00fcr mich und ich fing an, regelm\u00e4\u00dfig zu beten. In der Zeit, in der ich noch bei meinem Stiefvater lebte, war der Glaube f\u00fcr mich nicht so wichtig \u2013 obwohl ich in dem Haus eines Pastors wohnte. Ich liebte die Lieder, die gesungen wurden, aber w\u00e4hrend der Predigten schlief ich meist\u00a0beinahe ein. Ich h\u00e4tte am liebsten immer ganz hinten gesessen. Doch jedes Mal musste ich mit gutem Beispiel vorangehen und vorne Platz nehmen. Erstaunlicherweise kann ich mich heute an viele der Predigten meines Stiefvaters erinnern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein junger Mann aus meiner Gemeinde bot mir an, bei christlichen Radiosendungen f\u00fcr Nordkorea mitzuarbeiten. Er zeigte mir die B\u00fcror\u00e4ume, stellte mir die Mitarbeiter\u00a0vor und ich wusste: Das ist der Platz, an dem Gott mich haben will. Ich bin sehr dankbar daf\u00fcr, dass ich nun mithelfen kann, die Menschen in Nordkorea mit dem Evangelium zu erreichen und sie zu ermutigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich auf mein Leben zur\u00fcckschaue, so ist mir klar, dass ich gelitten habe. Aber in Wirklichkeit habe ich nicht so viel erleiden m\u00fcssen wie viele andere, die ich inzwischen getroffen oder von denen ich geh\u00f6rt habe. Ich habe, verglichen mit Nordkorea, ein angenehmes Leben in China gef\u00fchrt. Wenn ich die Geschichten anderer Nordkoreaner h\u00f6re, dann kann ich es oft kaum glauben, was sie an Leid erlebt haben und wie furchtbar sie misshandelt worden sind. Das Leben, das ich jetzt f\u00fchren kann, ist wirklich ein gro\u00dfer Segen von Gott \u2013 und ich m\u00f6chte ihm f\u00fcr immer mit dankbarem Herzen dienen.\u201c<\/p>\n<p><em>Quelle: www.verfolgte-christen.de<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine junge Frau aus Nordkorea berichtet \u201eDas Erste, woran ich mich erinnern kann, ist Hunger. Ich bin eine von vielen Nordkoreanern, die ihr Land wegen der langen Hungersnot von 1994-1998 verlassen mussten \u2013 beispielsweise nach China.\u00a0Es war eine schwer Zeit, wir hatten weder Geld noch etwas zu essen. 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