{"id":1290,"date":"2005-12-09T11:46:25","date_gmt":"2005-12-09T09:46:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1290"},"modified":"2009-09-11T19:58:41","modified_gmt":"2009-09-11T17:58:41","slug":"interview-mit-pastor-dr-joachim-cochlovius-im-%e2%80%9eaufbruch%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1290","title":{"rendered":"Interview mit Pastor Dr. Joachim Cochlovius"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Interview mit Pastor Dr. Joachim Cochlovius im \u201eAufbruch\u201c<br \/>\n(Mitglieder- und Freundesbrief des \u201eEvangelischen Aufbruchs in Deutschland\u201c), Dezember 2005<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Herr Pfarrer Cochlovius, Sie haben vor einiger Zeit zusammen mit gleichgesinnten Freunden ein neues Netzwerk evangelischer Gemeinden ins Leben gerufen. K\u00f6nnen Sie kurz schildern, worum es dabei ging und geht?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Netzwerk hei\u00dft Gemeindenetzwerk und schafft eine neue Kommunikationsstruktur unter Pfarrern, Gemeindegliedern und ganzen Gemeinden innerhalb der 23 Gliedkirchen der EKD.<!--more-->\u00a0Im Herbst 2004 wurde es von Vertretern aus allen 23 Landeskirchen in Kassel gegr\u00fcndet. Der Anla\u00df war die skandal\u00f6se \u201eEmpfehlung\u201c, die im M\u00e4rz 2004 von der VELKD-Bischofskonferenz den VELKD-Gliedkirchen gegeben wurde, wonach unter bestimmten Umst\u00e4nden kirchliche Amtstr\u00e4ger, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben, ihren Partner bzw. ihre Partnerin mit ins Pfarrhaus nehmen d\u00fcrfen. Das Gemeindenetzwerk hat keine Mitglieder, sondern Teilnehmer. Sie sind namentlich auf der Internetseite www.gemeindenetzwerk.de erfa\u00dft. Die Basis ihrer Zusammenarbeit sind die gemeinsam verabschiedeten \u201eLeitlinien\u201c, die ebenfalls auf der Internetseite abrufbar sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wieviele Gemeinden haben Sie inzwischen in das Netzwerk aufnehmen k\u00f6nnen, und was waren bisher die wichtigsten Aktivit\u00e4ten?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Z. Zt. nehmen am Gemeindenetzwerk Vertreter aus mehr als 50 landeskirchlichen Gemeinden teil. Einige Gemeinden sind kraft Kirchenvorstandsbeschlu\u00df ebenfalls Teilnehmer. Unsere wichtigste Kommunikationsschiene ist die schon erw\u00e4hnte Internetseite. Dort haben wir mittlerweile weit \u00fcber 100 aktuelle Texte aus Kirche und Gesellschaft platziert. Die Zugriffsrate erh\u00f6ht sich laufend. Der GNW-Vertrauensrat hat im Fr\u00fchjahr mit Vertretern der VELKD_Bischofskonferenz diskutiert und dringend um R\u00fccknahme der o.g. \u201eEmpfehlung\u201c gebeten. Dieser Bitte wurde jedoch nicht entsprochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>F\u00fcr bekennende Christen wird die Lage nicht nur in unserem Land, sondern auch in der evangelischen Kirche immer schwieriger. Worauf m\u00fcssen sich Christen in der Zukunft einstellen \u2013 auch was die Gemeindeformen betrifft?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich mache als Vorsitzender des Gemeindehilfsbundes bei meinen Diensten in ganz Deutschland die Erfahrung, da\u00df die Schere zwischen unevangelischen, zeitangepa\u00dften und liberalen Entscheidungen der Kirchenleitungen und solchen Gemeinden, die einen bewu\u00dft biblisch-reformatorischen Weg gehen, sich immer weiter \u00f6ffnet. Wenn Pfarrer und Kirchenvorstand im genannten Sinn zusammenstehen, entstehen im Raum der Landeskirche geistliche Oasen. Wenn keine Einigkeit herrscht, stehen Pfarrer oft unter einem hohen Anpassungsdruck und geraten in Gefahr, ungeistliche Kompromisse einzugehen. Als Gemeindehilfsbund bem\u00fchen wir uns um die geistlichen Oasen genauso wie um angefochtene Pfarrer und Gemeindeglieder. Das Gemeindenetzwerk schafft neben seinen Internetinformationen ein eigenst\u00e4ndiges Kontaktforum, das f\u00fcr bekennende Christen wichtig und ermutigend sein kann. Neben der herk\u00f6mmlichen Parochialstruktur der Landeskirchlichen Gemeinden wird die Personalstruktur immer wichtiger. Die Mobilit\u00e4t der meisten Gemeindeglieder erm\u00f6glicht es, dorthin zu gehen, wo Brot statt Steine angeboten werden. Davon machen immer mehr m\u00fcndige Christen Gebrauch. Elektronische Verk\u00fcndigungsmedien wie Fernsehkan\u00e4le oder z.B. Radio Neue Hoffnung schaffen sich eigene H\u00f6rergemeinden. Auch innerlandeskirchliche Gemeindestrukturen \u00e4ndern sich, wenn Gemeinden \u00fcber F\u00f6rdervereine Verk\u00fcndiger und Seelsorger selber finanzieren. Es ist vieles im Flu\u00df. Wichtig bleibt bei allen Ver\u00e4nderungen immer, da\u00df Gemeinden sowohl im geschichtlichen Kontakt mit den reformatorischen Bewegungen als auch im aktuellen Kontakt mit anderen biblisch-reformatorisch ausgerichteten Gemeinden bleiben. Ein frommes Einzelg\u00e4ngertum schadet sowohl dem Einzelnen als auch ganzen Gemeinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wer kann und sollte mit dem Gemeindenetzwerk Kontakt aufnehmen?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sowohl einzelne Christen als auch Gruppen, Hauskreise oder Gemeinden k\u00f6nnen am Gemeindenetzwerk teilnehmen. Die Voraussetzung ist die Unterschrift unter die Leitlinien. Die Postanschrift des Gemeindenetzwerks ist Lerchenweg 3, 29664 Walsrode.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Einen anderen Themenbereich m\u00f6chten wir noch ansprechen: Pers\u00f6nlich arbeiten Sie viel auf dem Gebiet der Eheseelsorge, Sie setzen sich dabei f\u00fcr die unverbr\u00fcchliche G\u00fcltigkeit biblischer Ma\u00dfst\u00e4be auch in unserer Zeit ein. Was antworten Sie jenen, die heute meinen, man m\u00fcsse die biblischen Ma\u00dfst\u00e4be, etwa das Verbot der Wiederheirat Geschiedener, das im Neuen Testament eindeutig bezeugt ist, aus \u201eseelsorgerlichen\u201c Gr\u00fcnden revidieren oder doch relativieren?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meist ist es der Glaube, der fehlt. Man rechnet einfach nicht mehr mit dem Gott, der Wunder tut und das, was nicht ist, ruft, da\u00df es sei (R\u00f6m. 4,17). Deswegen nehmen im kirchlichen und evangelikalen Raum Ehescheidungen, Wiedertrauungen und das unverheiratete Zusammenleben zu. Viele Gemeinden, auch evangelikale, werden nicht mehr biblisch geschult. Der Event steht \u00fcber der biblischen Lehre. Da kann man es dem Einzelnen kaum noch ver\u00fcbeln, wenn er weltangepa\u00dft lebt. Hinzu kommt, da\u00df weithin eine gro\u00dfe Seelsorgenot herrscht. In vielen Ehegespr\u00e4chen, die wir f\u00fchren, stellt sich heraus, da\u00df die Menschen seit langer Zeit nicht mehr gebeichtet haben und demzufolge mit ihrer Schuld durchs Leben laufen. Dabei ist es das h\u00f6chste Vorrecht der Christen, ohne Vergangenheit leben zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Erleben Sie es auch, da\u00df gerade das Bezeugen der biblischen Ma\u00dfst\u00e4be die eigentliche seelsorgerliche Hilfe ist? Haben Sie ein anschauliches Beispiel aus Ihrer Praxis?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Biblische Lehre ist immer Seelsorge. Jesus war Lehrer. Aber nicht im akademischen Sinn, sondern so, da\u00df er drei Jahre seinen J\u00fcngern gezeigt hat, was es bedeutet, unter Gottes Herrschaft zu leben. Die Bergpredigt ist Lehre und Lebensprogramm zugleich. Es ist v\u00f6llig abwegig, Lehre und Seelsorge gegeneinander zu stellen. Wir merken es besonders bei unseren Eheseminaren, da\u00df die einfache, pers\u00f6nliche, beispielreiche und humorvolle Darbietung der biblischen Ehelehre immer wieder Menschenherzen erreicht und zur Erneuerung des Lebens und der Ehe f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>K\u00fcrzlich haben Sie in T\u00fcbingen auf einer Veranstaltung der Evangelischen Studentengemeinde als einziger Redner gegen f\u00fcnf andere Referenten, darunter zwei Theologieprofessoren, gegen die Homo-Segnungen Stellung genommen. Wie erkl\u00e4ren Sie sich das fast komplette Einknicken der Landeskirchen und der evangelischen Theologenschaft in dieser von der biblischen Grundlage her so eindeutigen Frage? Und was treibt die Vork\u00e4mpfer der \u201eSegnungen\u201c, die oft vor brachialen Methoden nicht zur\u00fcckscheuen, im Innersten an?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war dankbar, auf dem Studientag der Evang.-theol. Fakult\u00e4t T\u00fcbingen in dieser Frage die neutestamentliche Ethik, ihre Aktualit\u00e4t, ihren Ernst und ihre seelsorgerliche Dimension vor der Studentenschaft aufzeigen zu k\u00f6nnen. Ein Student schrieb mir anschlie\u00dfend, da\u00df ich zwar die absolute Minderheitenposition vertreten h\u00e4tte, da\u00df aber die Ewigkeit zeigen werde, wer aus dem biblischen Wort neue Impulse empfangen hat. Mit der schriftwidrigen Anerkennung homosexueller Praxis verlassen die EKD-Landeskirchen nicht nur das sola scriptura, sondern auch 2000 Jahre Kirchengeschichte und den ethischen Konsens mit den gro\u00dfen Weltkirchen. Dieser Weg kann nur in die komplette Selbstisolierung und ins geistliche Abseits f\u00fchren. Desto wichtiger ist es, da\u00df Christen, die in ihrem Gewissen an das apostolische Wort gebunden sind, unerschrocken f\u00fcr dessen zeitlose G\u00fcltigkeit eintreten. Dabei mu\u00df jedes Bekennen Hand in Hand gehen mit missionarischer und seelsorgerlicher Bem\u00fchung um Menschen mit homophiler Neigung. Das setzt Sachkenntnis und Liebe voraus. Hier stehen die bekennenden Christen vor gro\u00dfen Herausforderungen in der Zukunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Herr Pfr. Cochlovius, wir danken Ihnen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch und w\u00fcnschen Ihnen Gottes Segen f\u00fcr Ihre Arbeit!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Pastor Dr. Joachim Cochlovius im \u201eAufbruch\u201c (Mitglieder- und Freundesbrief des \u201eEvangelischen Aufbruchs in Deutschland\u201c), Dezember 2005 Herr Pfarrer Cochlovius, Sie haben vor einiger Zeit zusammen mit gleichgesinnten Freunden ein neues Netzwerk evangelischer Gemeinden ins Leben gerufen. 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