{"id":1286,"date":"2006-08-05T11:26:37","date_gmt":"2006-08-05T09:26:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1286"},"modified":"2009-09-05T18:45:50","modified_gmt":"2009-09-05T16:45:50","slug":"die-geistigen-und-kulturellen-ursachen-der-demographischen-katastrophe-und-unsere-antwort-als-christen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1286","title":{"rendered":"Die geistigen und kulturellen Ursachen der demographischen Katastrophe und unsere Antwort als Christen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die geistigen und kulturellen Ursachen der demographischen Katastrophe und unsere Antwort als Christen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinf\u00fchrung: Befinden wir uns wirklich in einer demographischen Katastrophe?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was eine Katastrophe ist, bleibt letztlich immer Auslegungssache. Aber darin sind sich alle einig, da\u00df es sich bei einer Katastrophe sowohl hinsichtlich der Gr\u00f6\u00dfenordnung und Folgenschwere als auch hinsichtlich des f\u00fcr viele \u00fcberraschenden Auftretens um ein besonders schweres Ungl\u00fcck handelt. Diese Kriterien treffen auf die derzeitige und die bis 2050 vorherrschende demographische Lage in Deutschland und Europa zu.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Geburtenrate eines Landes seit 30 Jahren f\u00f6rmlich abst\u00fcrzt wie in Deutschland und die Bev\u00f6lkerung \u00fcber diesen Sachverhalt nur unzureichend aufgekl\u00e4rt ist, wenn seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts das sog. \u201eErwerbspersonenpotential\u201c, also die Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren, jedes Jahr um mehrere Hunderttausend Personen abnimmt, wenn die Volksvertreter und die gesellschaftlich relevanten Gruppen nicht willens und nicht in der Lage sind, den Nachwuchs eines Volkes wirksam zu sch\u00fctzen, dann darf man diese Tatsachen nicht mit den Euphemismen \u201edemographischen Faktor\u201c oder \u201edemographischen Wandel\u201c bezeichnen, sondern dann liegt eine Katastrophe vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Demograph Prof. Herwig Birg stellt fest: \u201eEs ist drei\u00dfig Jahre nach Zw\u00f6lf, heute kann selbst ein Anstieg der Geburtenrate auf die ideale Zahl von zwei Kindern je Frau die Alterung f\u00fcr Jahrzehnte nicht mehr abwenden\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der katastrophale Charakter der demographischen Entwicklung ist zwar erst seit einigen Jahrzehnten offenbar, doch Kenner der Lage wu\u00dften es schon lange, da\u00df in Deutschland die Anzahl der Lebendgeborenen bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts best\u00e4ndig abnimmt. Bis etwa 1930 wurden noch so viele Kinder geboren, da\u00df die Bev\u00f6lkerungszahl insgesamt gehalten wurde. Aber seitdem sinkt die Geburtenrate langsam unter das Bestandserhaltungsniveau von 2,1 Lebendgeborenen pro Frau. Zwar gab es in den 60er Jahren f\u00fcr ein paar Jahre den sog. Nachkriegs-Babyboom, aber etwa seit 1970 pendelt sich die Geburtenrate bei einem mittleren Wert von etwa 1,35 ein, wobei dieser sich zusammensetzt aus dem Wert von 1,9 bei den Ausl\u00e4ndern und von 1,2-1,3 bei den Deutschen. Deutschland befindet sich heute zusammen mit Spanien, Italien, Lettland, der Ukraine, Tschechien, der Slowakei, Slowenien, Moldavien, Bulgarien und Wei\u00dfru\u00dfland unter den L\u00e4ndern mit der weltweit niedrigsten Geburtenrate (d.h. von 200 L\u00e4ndern). Die Bev\u00f6lkerungszahl in Deutschland profitiert noch bis etwa 2010 von der relativ hohen Geburtenrate bis 1930 und von den Ausl\u00e4ndern mit deutscher Staatsangeh\u00f6rigkeit. Doch in wenigen Jahren geht es unweigerlich bergab mit der Bev\u00f6lkerungszahl, von derzeit 82 Mio. bis auf ca. 36 Mio. im Jahre 2100, wenn es bei der derzeitigen extrem niedrigen Geburtenrate bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon heute sind die Anzeichen der demographischen Katastrophe mit H\u00e4nden zu greifen. Windelhersteller stellen ihre Produktion auf Seniorenwindeln um. Kinderschuhhersteller wie Salamander und Elefanten mu\u00dften 2004 Insolvenz anmelden, weil die Kunden ausblieben. Im Bundesland Brandenburg mu\u00dften wegen Sch\u00fclermangels bis Ende 2004 von 645 Grundschulen 172 geschlossen werden. Bis 2008 werden dort die Obersch\u00fclerzahlen gegen\u00fcber 1998 um 40 % sinken. Der s\u00e4chsische Ministerpr\u00e4sident Prof. Milbradt f\u00fchrte in einem Vortrag 2003 aus, da\u00df in Sachsen die Zahl der Abiturienten zwischen 1999 und 2010 von 2020 auf weniger als die H\u00e4lfte zur\u00fcckgehen wird. In Walsrode wird demn\u00e4chst das Freibad schlie\u00dfen. Die demographische Katastrophe hat uns mittlerweile alle erreicht. Ein Kindergarten im Umkreis von Walsrode wurde vor 10 Jahren f\u00fcr 25 Kinder eingerichtet und war in den ersten Jahren voll. Jetzt sind es 15 Kinder, und das sind alle Kindergartenkinder, die in dieser Ortschaft z. Zt. leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Die kulturellen Ursachen der demographische Katastrophe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Thema nennt zwar die geistigen Ursachen vor den kulturellen, aber in der Analyse ist es ratsam, mit den kulturellen zu beginnen. Nicht die Kultur pr\u00e4gt den geistigen Habitus eines Volkes, sondern umgekehrt die in einer Gesellschaft wirksamen geistigen Str\u00f6mungen und Haltungen pr\u00e4gen die Kultur. Wenn wir die kulturellen Ursachen in den Blick bekommen, dann wird es uns leichter fallen, die geistigen herauszufinden. Erst wenn wir diese gefunden haben, wird es m\u00f6glich sein, Strategien zur \u00dcberwindung der demographischen Katastrophe zu definieren und die spezifische Antwort der Christen zu formulieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der demographischen Lage eines Volkes spiegelt sich seine gesamte geistige und kulturelle Verfassung. Hier dr\u00fcckt sich seine innere Priorit\u00e4tenliste, seine Werteskala, seine Zukunftsverantwortung und seine F\u00e4higkeit zum Krisenmanagement am unmittelbarsten aus, vorausgesetzt, man versteht die Sprache der Zahlen, Kurven und Vergleiche. Das ist wie in der Chemie, Physik, Medizin oder Mathematik. Hier, denke ich, ist ein gewaltiges Lernfeld f\u00fcr uns Christen entstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir nach den kulturellen Ursachen der demographischen Katastrophe fragen, m\u00fcssen wir uns im klaren sein, da\u00df sich in der jeweiligen Kultur eines Volkes eine Vielzahl von Segmentkulturen niederschl\u00e4gt wie z.B. die Rechtsauffassungen, der medizinische Fortschritt, das Selbstverst\u00e4ndnis der Medien, die politischen Rituale, die Tabus und die Autorit\u00e4ten, um nur einige zu nennen. Wer nach der Kultur fragt, mu\u00df also immer das weite Spektrum kulturgestaltender Institutionen, Normen und Tabubr\u00fcche bedenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die demographische Entwicklung eines Volkes ist das Ergebnis vieler kultureller Einflu\u00dffaktoren. Ich liste im folgenden zehn solche Faktoren auf, die auf die demographische Entwicklung in Deutschland eingewirkt haben und einwirken. Es sind sowohl Faktoren, die in der demographischen Literatur immer wieder genannt werden, als auch solche, die ich selbst hinzuf\u00fcge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.1<\/strong><\/p>\n<p>Unser umlagefinanziertes Sozialversicherungssystem wird von den Demographen als eine der Hauptursachen f\u00fcr den Kindermangel genannt. Hans-Werner Sinn, der Direktor des M\u00fcnchner Ifo Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung, dr\u00fcckt das Problem folgenderma\u00dfen aus: \u201eDas wohl gro\u00dfz\u00fcgigste Rentensystem der gesamten Welt hat Deutschland zum Weltmeister beim Tourismus gemacht und eine atemberaubende Infrastruktur mit Seeb\u00e4dern und Vergn\u00fcgungsvierteln auf Mallorca, den Kanaren und vielen anderen Inseln der Welt geschaffen. Kaum irgendwo sonst wird den Aktiven so viel von ihrem Arbeitseinkommen weggenommen, wie es in Deutschland geschieht, um den Alten ein ausk\u00f6mmliches Transfereinkommen zu sichern. Wenn aber die Dink-Generation selber alt ist (\u201eDink\u201c = Double income no kids), dann wird sie vergebens darauf hoffen, das Rentner-Leben ihrer Eltern zu kopieren. Dann fehlen die Beitragszahler, die zur Finanzierung der Renten in der Lage w\u00e4ren\u201c. Unser Sozialversicherungssystem, zumindest was die Rentenversicherung betrifft, geht auf die gro\u00dfe Rentenreform unter Konrad Adenauer im Jahr 1957 zur\u00fcck. Der Kerngedanke war, da\u00df der jeweils im aktiven Arbeitsproze\u00df stehende Bev\u00f6lkerungsteil die Ruhest\u00e4ndler finanziert, und zwar unabh\u00e4ngig davon, ob diese Kinder hatten oder nicht. Die wenigen ungewollt Kinderlosen waren in die Segnungen dieses Rentensystems miteinbezogen. Da\u00df aber mittlerweile \u00fcber ein Drittel der geburtsf\u00e4higen Frauen keine Kinder hat und demzufolge immer mehr kinderlose Menschen ins Rentenalter eintreten, die von diesem System profitieren, ohne es durch Kinder unterst\u00fctzt zu haben, hat man sich damals nicht vorgestellt (Adenauer: \u201eKinder kriegen die Leute von alleine\u201c). 2001 hat das BVG diese mittlerweile eklatante Ungerechtigkeit angeprangert. Es liegt auf der Hand, da\u00df unser derzeitiges Sozialversicherungssystem die Kinderlosigkeit belohnt und dringend ver\u00e4ndert werden mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.2<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine politische Ursache daf\u00fcr, da\u00df Politiker sich mit langfristig wirkenden Entscheidungen schwertun, liegt in unserem Wahlrecht. Der Rhythmus von vier Jahren f\u00fchrt und verf\u00fchrt zu kurzfristig wirkenden Ma\u00dfnahmen. Demographische Entwicklungen lassen sich aber, wenn \u00fcberhaupt, nur langfristig beeinflussen. Insofern haben demographisch wirksame politische Ma\u00dfnahmen im Tagesgesch\u00e4ft unserer Politiker keine Lobby und schlechte Aussichten auf Verwirklichung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.3<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Realit\u00e4t unserer Kultur geh\u00f6rt auch, da\u00df die Bev\u00f6lkerungspolitik der Nationalsozialisten wie ein Damoklesschwert \u00fcber der demographischen Wissenschaft in Deutschland lag und liegt. Herwig Birg stellt fest: \u201eDeutschland betreibt seit dem Zweiten Weltkrieg keine Bev\u00f6lkerungspolitik mehr\u201c. Das bedeutet, da\u00df ein halbes Jahrhundert Politik und \u00d6ffentlichkeit an den Erfordernissen einer an der \u00dcberlebensf\u00e4higkeit Deutschlands orientierten Bev\u00f6lkerungspolitik vor\u00fcbergingen. Herwig Birg f\u00fcgt mit Recht hinzu: \u201eDie Definitionsmacht der Nazis \u00fcber den Inhalt des Begriffs Bev\u00f6lkerungspolitik ist mit ihnen untergegangen. Dieses Land mu\u00df die Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber seine Sprache wiedergewinnen, ohne die es keine geistige und auf Dauer auch keine politische Souver\u00e4nit\u00e4t geben kann\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.4<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ab 1965 in Deutschland die Antibabypille im gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00df eingenommen wurde, sackte die Geburtenrate, die sich damals nach dem Nachkriegsbabyboom ohnehin schon senkte, noch einmal um etwa 200 000 Kinder im Jahr ab, wie aus den entsprechenden Schaubildern ersichtlich ist. Von diesem \u201ePillenknick\u201c hat sich die deutsche Bev\u00f6lkerung bis heute nicht erholt. Was viele Jahre von vielen als Instrument der sexuellen Selbstbestimmung der Frau verstanden worden ist, erweist sich langfristig als Negativfaktor f\u00fcr die demographische Entwicklung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.5<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wesentliches kulturelles Segment nehmen in unserer Informationsgesellschaft die Medien ein. Die Wechselwirkung zwischen Gesellschaft und Medien schl\u00e4gt in Bezug auf das familiale und generative Verhalten voll zu Buche. In Serien wie \u201eGute Zeiten schlechte Zeiten\u201c kommt die normale Familie kaum vor. Statt dessen wird eine Scheinwelt selbstverantwortlicher Jugendlicher vorgef\u00fchrt, in der Sexualit\u00e4t als Lustfaktor eine gro\u00dfe Rolle spielt, Ehe und Eltern aber nur noch ganz am Rand ins Bild kommen. Eine Ermutigung zur Gr\u00fcndung von Ehe und Familie geht weder von solchen Serien noch von der Mehrzahl der Fernseh- und Kinofilme aus. Ganz im Gegensatz zur deutschen Medienkultur betonen \u00fcbrigens die nordamerikanischen Fernsehserien den Wert der Familie. In diesen Zusammenhang geh\u00f6rt auch die unertr\u00e4gliche jugendliche Scheinwelt in unserer Werbung, die erheblich zur Infantilisierung und Familienfeindlichkeit unserer Gesellschaft beitr\u00e4gt. Auf einem vom Bundespr\u00e4sidenten ins Leben gerufenen \u201eForum Demographischer Wandel\u201c wurde k\u00fcrzlich dieser Zusammenhang vom Oberb\u00fcrgermeister von Frankfurt\/Oder ausgef\u00fchrt. \u201eDie Infantilisierung des Erwachsenenlebens im Horizont von Pop, Fernsehen und Tourismus tr\u00e4gt das ihre dazu bei, da\u00df sich selbst F\u00fcnfunddrei\u00dfigj\u00e4hrige noch nicht vorstellen k\u00f6nnen, Familienvater zu sein. Jugendliche kriegen keine Kinder\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.6<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit dem 1.10.1995 ist die geltende Abtreibungsregelung in Kraft. Ein Schwangerschaftsabbruch ist danach zwar rechtswidrig, bleibt aber straffrei, wenn ein Beratungsgespr\u00e4ch nachgewiesen wird. Bernhard B\u00fcchner, der Vorsitzende der Juristen-Vereinigung Lebensrecht e.V., hat im Oktober 2005 in einem Res\u00fcmee festgestellt, da\u00df sich das sog. Beratungsgespr\u00e4ch mehr und mehr als \u201ekollektiver Selbstbetrug\u201c erweist. Nach Recherchen in 14 Bundesl\u00e4ndern sagt er, da\u00df es nur wenige F\u00e4lle sind, bei denen das Leben des ungeborenen Kindes gerettet wird. \u201eBeratene Abbr\u00fcche\u201c werden ihm zufolge im Alltag \u201ewie rechtm\u00e4\u00dfiges Geschehen\u201c behandelt. Die innere Fehlkonstruktion des \u00a7 218 hat also in unserem Volk in zehn Jahren zu einer deutlich erkennbaren Perversion des Rechtsbewu\u00dftseins gef\u00fchrt. B\u00fcchner betont, da\u00df nur etwa 60% der Schwangerschaftsabbr\u00fcche dem Statistischen Bundesamt gemeldet werden, so da\u00df mit erheblich mehr als 200 000 Abtreibungen pro Jahr gerechnet werden mu\u00df. Addiert man dazu die 200 000 durch die Antibabypille verhinderten Kinder, dann verdanken wir, sarkastisch gesprochen, dem medizinischen Fortschritt und dem deutschen Gesetzgeber einen j\u00e4hrlichen Verlust von etwa 400 000 Kindern. Die geltende Abtreibungsregelung &#8211; von Abtreibungsrecht getraut man sich gar nicht zu sprechen &#8211; produziert aber neben den Kindest\u00f6tungen noch einen weiteren Unrechtstatbestand. Indem sie in etwa 90% der Abtreibungsf\u00e4lle den Krankenkassen mit Landesmitteln, also mit allgemeinen Steuermitteln, die Kosten ersetzt &#8211; immerhin mit etwa 40 Mio. \u20ac im Jahr -, macht sie alle Steuerzahler zu indirekten Mitt\u00e4tern. Es ist erstaunlich, da\u00df der Bund der Steuerzahler auf diesen Umgang mit Steuermitteln noch nicht seinen Finger gelegt hat! Claudia Kaminski, die Vorsitzende der Aktion Lebensrecht f\u00fcr alle, stellte im Herbst 2004 fest, da\u00df die Bundesl\u00e4nder seit 1996 den Krankenkassen f\u00fcr die T\u00f6tung der Ungeborenen Kosten in H\u00f6he von mehr als 250 Mill. \u20ac erstattet haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.7<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die weiteren drei Ursachen sind juristischer Art. Zun\u00e4chst ist das deutsche Scheidungsrecht zu nennen. Auch hier scheut man sich schon fast, von \u201eRecht\u201c zu reden. Nach erfolgter Scheidung b\u00fcrdet das Scheidungsrecht dem mehrverdienenden Teil die Unterhaltszahlung des anderen Teils und, falls vorhanden, der minderj\u00e4hrigen Kinder auf. Im Regelfall sind es die M\u00e4nner und V\u00e4ter, die hier zur Kasse gebeten werden. Gleichzeitig verzichtet die Rechtssprechung auf Ursachenforschung f\u00fcr das Auseinandertriften einer Ehe. Der bewu\u00dft aus der Ehe strebende Teil kann also, wenn er der minderverdienende ist, nach der Scheidung auf Kosten des anderen an der Ehe festhaltenden Teils leben. Es liegt auf der Hand, da\u00df diese juristische Konstruktion besonders auf junge M\u00e4nner keine ehe- und familienstimulierende Wirkung aus\u00fcbt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.8<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat der Gesetzgeber zwei ehefeindliche gesellschaftliche Trends anerkannt. Zun\u00e4chst sind die nichtehelichen Partnerschaften zu nennen. Der Gesetzgeber hat diesen Verbindungen immer mehr rechtliche Zugest\u00e4ndnisse gemacht. Derzeit leben etwa 2 Mio. Paare in einer nichtehelichen Partnerschaft, mit zunehmender Tendenz. Ein zweiter Trend liegt in der Homosexuellen- und Lesbenbewegung vor, die es ebenfalls erreicht hat, im sog. Lebenspartnerschaftsgesetz aus dem Jahr 2000 eine staatlich anerkannte Rechtsform zu bekommen und damit auch eine neue Rechtsnorm zu begr\u00fcnden. In beiden F\u00e4llen hat der Gesetzgeber seine Verpflichtung nach dem Grundgesetz Art. VI, Ehe und Familie besonders zu sch\u00fctzen, vers\u00e4umt. Besonders das Lebenspartnerschaftsgesetz ist, demographisch gesehen, tief problematisch. Der Staat unterst\u00fctzt damit eine Verbindung, die unmittelbar darauf angelegt ist, ohne eigene Nachkommen zu bleiben. Er untergr\u00e4bt also willentlich und wissentlich seine eigene Zukunft. Die Auswirkungen dieses Gesetzes auf die \u00f6ffentliche Wertigkeit von Ehe und Familie insbesondere in ihrer Einsch\u00e4tzung durch junge Menschen d\u00fcrften ausgesprochen destruktiv sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.9<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlie\u00dflich m\u00f6chte ich auf eine Ursache f\u00fcr den Kindermangel in Deutschland hinweisen, die wenig gesehen wird. Ich meine die Pornographiefreigabe f\u00fcr Vollj\u00e4hrige, wie sie seit 1973 rechtlich verankert ist. Man findet mittlerweile im Internet unter dem Stichwort \u201ePornographie\u201c \u00fcber 3 Mill. Eintr\u00e4ge. Durch die Pornographie wurde und wird die W\u00fcrde der Frau zerst\u00f6rt. Die Frau wird zum Objekt sexueller Lust des Mannes entw\u00fcrdigt. Das in jeder Frau liegende Mutterbild wird \u00fcberlagert, sowohl f\u00fcr sie selber als auch f\u00fcr ihre Umgebung. Die Seele insbesondere des Mannes wird mit einer Bilderwelt belastet, die eine Eigendynamik entwickelt und in der Ehe ein von R\u00fccksichtnahme und Z\u00e4rtlichkeit bestimmtes Sexualleben behindert. Die durch die Pornographie entw\u00fcrdigte Frau verliert die Achtung vor dem Mann. Damit werden zwei wichtige Voraussetzungen f\u00fcr eine stabile Ehe und Familie zerst\u00f6rt: hingebungsf\u00e4hige Liebe seitens des Mannes und Achtung des Mannes durch die Frau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.10<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein nicht zu untersch\u00e4tzender kultureller Faktor sind auch Kollektivschlagworte, Kollektiv\u00e4ngste und Kollektivsehns\u00fcchte. Sie k\u00f6nnen das Verhalten einer Gesellschaft stark pr\u00e4gen. Die Werbung macht sich ja diese Effekte mit Wonne zu eigen. Das Thema Kinder ist von solchen kollektiven Verhaltensmustern nicht frei. Eine diffuse Zukunftsangst oder die Angst vor einer bef\u00fcrchteten \u201e\u00dcberbev\u00f6lkerung\u201c k\u00f6nnen durchaus das generative Verhalten beeinflussen. Auch Christen \u00fcbernehmen solche Schlagworte schnell. In einer weitverbreiteten Bibelausgabe wird z.B. zu Ps. 128,5f. \u201eDer Herr wird dich segnen aus Zion, da\u00df du siehst das Gl\u00fcck Jerusalems dein Leben lang und siehst Kinder deiner Kinder\u201c ausgef\u00fchrt: \u201eIn unseren Tagen der \u00dcberbev\u00f6lkerung empfinden viele in Kindern nicht mehr so stark Gottes Segen, eher eine Belastung\u201c. Liest man demgegen\u00fcber Fachdemographen, wird man in die Rede von einer angeblich drohenden \u00dcberbev\u00f6lkerung nicht mehr einstimmen. Laut den neuesten Bev\u00f6lkerungsprognosen der UNO, die die AIDS-Pandemie einkalkulieren, wird die Weltbev\u00f6lkerung von heute ca. 6,5 Milliarden bis zum Jahr 2050 auf eine Zahl von etwa 9,5 Milliarden (mittlere Prognosevariante) ansteigen. Die Zahl der Hungernden nimmt derzeit trotz wachsender Weltbev\u00f6lkerung nicht zu, sondern leicht ab. Nach Herwig Birg wird aufgrund eines weltweiten R\u00fcckgangs der Fertilit\u00e4t die Zunahme der Weltbev\u00f6lkerung um 2070 den Zenit \u00fcberschritten haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Die geistigen Ursachen der demographischen Katastrophe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem wir uns die kulturellen Ursachen des Kindermangels vergegenw\u00e4rtigt haben, gehen wir an die Aufgabe heran, die geistigen Ursachen, die zu der derzeit herrschenden kinderfeindlichen Kultur gef\u00fchrt haben, zu untersuchen. Chronologisch geordnet, sto\u00dfen wir im Blick auf die letzten 50 Jahre auf vier wichtige Weichenstellungen, die den aufgef\u00fchrten kulturellen Ursachen die intellektuellen Impulse geliefert haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.1<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die eben aufgef\u00fchrten juristischen Entscheidungen (die Gesetzgebung zur Abtreibung, zur Scheidung, zu nichtehelichen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und zur Pornographie) wurden alle im Namen eines bestimmten Menschenbildes gef\u00e4llt. Es ist das autonome Menschenbild, das Bild des Menschen, der sich von jeder sog. Fremdbestimmung l\u00f6st und sein Leben aus sich selbst heraus entwirft. Einen klassischen Ausdruck dieses Menschenbildes findet man in der Aussage des fr\u00fcheren Staatsministers f\u00fcr Kultur Nida-R\u00fcmelin: \u201eEs gibt keine externen Kriterien f\u00fcr die richtige Wahl der Lebensform\u201c. Dieses Menschenbild ist in seiner Konsequenz die vollst\u00e4ndige Verkehrung des christlichen Menschenbildes, wonach jeder Mensch als ein Beziehungswesen erschaffen ist und ein sinnerf\u00fcllendes Leben durch gelingende Beziehungen findet, und zwar in doppelter Weise, mit Gott und mit seinen N\u00e4chsten. Da\u00df sich, beginnend im 19. Jahrhundert, das autonome Menschenbild \u00fcber viele Mutationen hinweg bis in die genannten Gesetze hinein durchsetzen konnte, deckt den Bedeutungsverlust des Christentums in der Postmoderne schonungslos auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter dem Einflu\u00df des Neomarxismus kam es in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts in den westlichen Gesellschaften zu einer Neubewertung der Sexualit\u00e4t. Nach Herbert Marcuse strebt jeder Mensch danach, das in ihm angelegte Lustprinzip gegen das ihm von der Gesellschaft auferlegte Realit\u00e4tsprinzip auszuleben. Wenn ihm das verwehrt wird, entsteht ein sog. ungl\u00fcckliches Bewu\u00dftsein, das den Menschen pervertiert und zu einem gesellschaftsangepa\u00dften profillosen Menschen macht, den sog. \u201eeindimensionalen Menschen\u201c. F\u00fcr Marcuse ist jeder Mensch zu einer \u201epolymoph-perversen\u201c sexuellen Praxis angelegt, und er bezieht Gl\u00fccksempfinden, wenn er seine spezifische Form sexuellen Lustgewinns praktiziert. Diese Definition von Sexualit\u00e4t nimmt sie vollst\u00e4ndig aus dem gesch\u00f6pflichen Bezugsrahmen der Ehe und aus ihrer g\u00f6ttlichen Bestimmung der Fruchtbarkeit und ehelichen Kommunikation heraus. Da\u00df sie in Schule, Medien, Gesetzgebung und \u00f6ffentlicher Geltung einen nahezu totalen Einflu\u00df gewonnen hat, l\u00e4\u00dft wiederum einen tiefen Einblick in die heutige Randstellung des Christentums zu. In einer Frauenzeitschrift wird \u00fcber die Dauer des Intimverkehrs debattiert, ohne da\u00df das Stichwort Ehe \u00fcberhaupt noch f\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.3<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein dritter ma\u00dfgeblicher geistiger Faktor f\u00fcr das Klima der Kinderfeindlichkeit in unserer Gesellschaft ist das Schweigen der evangelischen Kirche. Anstatt den beiden genannten kulturrevolution\u00e4ren Angriffen auf das christliche Menschenbild und die christliche Sexualethik entschieden entgegenzutreten, ist die offizielle evangelische Kirche in das Fahrwasser der Postmoderne eingeschwenkt. Man kann nat\u00fcrlich fragen, inwiefern ein Schweigen als geistige Ursache f\u00fcr gesellschaftliche Prozesse angesehen werden kann. Die Antwort ergibt sich, wenn man bedenkt, da\u00df das abendl\u00e4ndische Ehe- und Familienethos seine Wurzeln in der j\u00fcdisch-christlichen Ethik hat. Wenn dieses Ethos nicht mehr als das ma\u00dfgebliche vertreten wird, entsteht unweigerlich ein geistiges Vakuum, das dann anders gef\u00fcllt wird. 1991 hat die Synode der Evang.-Luth. Kirche in Bayern in der sog. Rosenheimer Erkl\u00e4rung festgestellt, da\u00df niemand das Recht habe, einer schwangeren Frau im Konfliktfall die letzte Entscheidung \u00fcber Leben und Tod ihres ungeborenen Kindes abzunehmen. Diese Aussage ist nichts anderes als der Sieg des autonomen Menschenbildes in der evangelischen Kirche! Bis heute ist es bibelorientierten Gruppen innerhalb der bayerischen Landeskirche nicht gelungen, die Synode zu einer R\u00fccknahme dieser Feststellung zu bewegen. Weder von den \u00fcbrigen evangelischen Landeskirchen noch vom Rat der EKD ist eine \u00f6ffentliche Kritik an der Rosenheimer Erkl\u00e4rung bekannt geworden. Wenn eine ma\u00dfgebliche Institution, die noch etwa ein Drittel der deutschen Bev\u00f6lkerung vertritt, das christliche Menschenbild und die christliche Sexualethik nicht mehr zum Wohl des Kindes und im Interesse von Ehe und Familie durchzusetzen versucht, wer soll dann in unserem Volk einen Gesinnungswandel voranbringen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.4<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Verabschiedung des sog. Lebenspartnerschaftsgesetzes im Jahr 2000 ist weit mehr geschehen als in der \u00d6ffentlichkeit wahrgenommen und diskutiert wurde. Hier wurde erstmals in der deutschen Rechtsgeschichte eine Lebensform unter staatlichen Schutz gestellt, die der j\u00fcdisch-christlichen Sexual- und Eheauffassung vollst\u00e4ndig entgegensteht. Man kann sagen, da\u00df es hier mit politisch legalen Mitteln erstmalig in Deutschland zur Durchsetzung eines gegenchristlichen Menschenbildes kam. Hatte die 1995 beschlossene Neufassung des \u00a7 218 immerhin noch die Rechtswidrigkeit der Abtreibung wenigstens formell festgestellt und damit an der j\u00fcdisch-christliche Tradition festgehalten, so verabschiedet sich das Lebenspartnerschaftsgesetz aus dieser Tradition endg\u00fcltig. Eine neue bewu\u00dftseinsver\u00e4ndernde Norm entsteht. Eine Lebensform wird staatlich sanktioniert, die ausdr\u00fccklich die Sexualit\u00e4t aus ihrer Bestimmung der Fruchtbarkeit herausnimmt. Dieses Gesetz wird die Einstellung in unserem Volk zu Ehe, Familie, Sexualit\u00e4t und Kindern mehr ver\u00e4ndern als alle anderen aufgef\u00fchrten Gesetze zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Was k\u00f6nnen wir Christen tun?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts der demographischen Entwicklung in unserem Land stehen wir Christen vor enormen Herausforderungen. Als Menschen, die verpflichtet sind, \u201eder Stadt Bestes\u201c zu suchen (Jer. 29,7), d\u00fcrfen wir nicht abseits dieser dramatischen Vorg\u00e4nge stehen. Ich m\u00f6chte jetzt aber nicht auf die zahlreichen M\u00f6glichkeiten politischer Einflu\u00dfnahme n\u00e4her eingehen, die unsere Gesellschaftsform den Christen bietet und die jeder von uns wahrnehmen kann. Es w\u00e4ren da z.B. die Lebensrechtsorganisationen und die Einflu\u00dfm\u00f6glichkeiten auf die Medien zu nennen. Auch die neuerdings geforderte neue Wertsch\u00e4tzung des Alters wird bestimmt von Christen unterst\u00fctzt werden. Eine viel wirkungsvollere Einflu\u00dfnahme ist nach meiner \u00dcberzeugung m\u00f6glich, wenn wir uns den genannten geistigen Ursachen f\u00fcr die demographische Katastrophe zuwenden. Katastrophen beginnen im Kopf und im Herzen. Hier gilt es anzusetzen. Wir stehen vor der Aufgabe, diese lebensfeindlichen und hoffnungszerst\u00f6renden Leitbilder zu durchschauen und an deren Stelle lebens- und hoffnungsstiftende Ideen zu setzen. Es ist ein gro\u00dfer geistig-geistlicher Kampf, auf den wir uns einlassen m\u00fcssen. Ich m\u00f6chte ihn abschlie\u00dfend anhand der aufgez\u00e4hlten vier geistigen Ursachen beschreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.1<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das autonome Menschenbild der Postmoderne hat keine Zukunft. Es isoliert den Menschen und nimmt ihm Entfaltungsm\u00f6glichkeiten. Es betr\u00fcgt ihn um wesentliche seelische Grunderfahrungen, weil es ihm Geborgenheit, Heimat und Treue vorenth\u00e4lt. Unzerst\u00f6rbare Geborgenheit kann ich nur erfahren, wenn ich mich der Autorit\u00e4t Gottes anvertraue. Heimat kann ich in einer heimatlosen Welt nur erfahren, wenn ich sie als Vorahnung auf die B\u00fcrgerschaft im Himmel erlebe (Phil. 3,20). Treue im zwischenmenschlichen Bereich ist vor allem in der Ehe erfahrbar, wenn ich sie als auf Lebenszeit eingesetzte g\u00f6ttliche Stiftung ernstnehme. Wenn dem Menschen Autonomie eingeredet wird, dann wird er skeptisch gegen Vorbilder und Leitbilder. Genau diese braucht er aber, um die in ihm liegenden seelischen Potenzen zur Entfaltung zu bringen. Und schlie\u00dflich: Der Mensch ist ein Beziehungswesen. Sinnerf\u00fcllung kann er nur erleben, wenn seine Beziehungen funktionieren, und zwar die Beziehung zu Gott und zu seinen Mitmenschen. Das alles wissen wir Christen, aus dem Wort Gottes und aus Erfahrung. Trotzdem tun wir uns so schwer, unser Wissen in der Verwandtschaft, gegen\u00fcber den Lehrern unserer Kinder, im beruflichen Umfeld zu vertreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine auf Autonomie des Einzelnen aufgebaute Ehe hat keine Zukunft. Wir sehen vor unseren Augen Ehen in der Krise und kaputtgehen. Wir wissen, wie eine Ehe geheilt werden kann. Wenn der Mann bei Christus Hingabe lernt, wenn die Frau auf ihr Dominanzstreben verzichtet. Eine auf Autonomie gegr\u00fcndete Kindererziehung kann nicht gutgehen. Das Kind braucht die liebende Autorit\u00e4t der Eltern. Es braucht Training in Gehorsam. Das alles wissen wir. Wir m\u00fcssen es nur wieder anwenden und selbstbewu\u00dft vertreten. Das ist unser Beitrag zur \u00dcberwindung des autonomen Menschenbildes. Schlechtes mu\u00df durch Gutes \u00fcberwunden werden. Das ist die Maxime des Apostels Paulus (R\u00f6m. 12,21). Es gen\u00fcgt nicht, das Schlechte zu kritisieren. Wir m\u00fcssen etwas Besseres daf\u00fcr anbieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.2<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Isolierung der Sexualit\u00e4t aus ihrer Bestimmung zur Fruchtbarkeit und ihr ausschlie\u00dflicher Gebrauch zum pers\u00f6nlichen Lustgewinn m\u00fcssen auf Dauer scheitern. Niemand l\u00e4\u00dft sich auf Dauer sexuell ausbeuten. Wer im sexuellen Akt nur sich selbst sucht, sch\u00e4digt die Beziehung. Das gilt innerhalb und au\u00dferhalb der Ehe. Christen k\u00f6nnen weiter blicken. Sie verdanken es der Einsicht eines Nichtverheirateten, Paulus, da\u00df Sexualit\u00e4t ein kommunikatives Geschehen ist. \u201eIhr Ehem\u00e4nner, gebt die Verf\u00fcgung \u00fcber eure Sexualit\u00e4t ab an eure Frauen. Ihr Ehefrauen, gebt die Verf\u00fcgung \u00fcber eure Sexualit\u00e4t ab an eure M\u00e4nner\u201c (1. Kor. 7,3f.). So und nicht anders bleibt die eheliche Sexualit\u00e4t eine Quelle der Freude und festigt die Gemeinschaft. Das ist eine tiefe Wahrheit, die jede egozentrische Begr\u00fcndung der Sexualit\u00e4t meilenweit \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antibabypille erleichtert die o.g. Isolierung. Sie ist eben nicht nur ein medizinischer Eingriff, sondern sie produziert eine Haltung. Die M\u00f6glichkeit der Zeugung wird grunds\u00e4tzlich ausgeklammert. Das Kind als Gabe Gottes wird grunds\u00e4tzlich abgelehnt. Und dabei wird der Frau der Umgang und das Vertrautsein mit ihrem eigenen K\u00f6rper abtrainiert. Und sie wird verf\u00fcgbar gemacht und zum Sexualobjekt degradiert. Diejenige Form von Familienplanung, die dem christlichen Wissen von der Gesch\u00f6pflichkeit des menschlichen K\u00f6rpers und dem christlichen Freiheitsethos gem\u00e4\u00dfer ist, das ist und bleibt nach meiner \u00dcberzeugung die von Josef R\u00f6tzer und anderen entwickelte sympto-thermale Methode der Beobachtung der Prozesse des weiblichen K\u00f6rpers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Pornographieboom (260 Millionen pornographische Internetseiten!) deutet weniger einen moralischen Verfall der Menschheit an als vielmehr eine g\u00e4hnende Lust- und Freudlosigkeit des sexuellen Geschehens. Christen haben einen besseren, weil sch\u00f6pfungsgem\u00e4\u00dferen Zugang zur Sexualit\u00e4t. Ein gewaltiger Vorteil und Vorsprung\u201c!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.3<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das bedauernswerte Schweigen der evangelischen Kirche zur demographischen Entwicklung und zur postmodernen Kulturrevolution stellt die Christen vor die Aufgabe, stellvertretend das Wort zu ergreifen. Dazu haben sie nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht. Der Einflu\u00df des autonomen Menschenbildes und der neomarxistischen Auffassung der Sexualit\u00e4t ist so gro\u00df, da\u00df sowohl in der Gemeinde als auch in der Gesellschaft ein gro\u00dfer Aufkl\u00e4rungsbedarf besteht. Nur eine umfassende Aufkl\u00e4rung \u00fcber das christliche Menschenbild und den gottgewollten Sinn der Sexualit\u00e4t vermag mittel- und langfristig eine Bewu\u00dftseins\u00e4nderung in unserem Volk auszul\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei mu\u00df es um die Aktualisierung des biblischen Wortes gehen. Wir Christen m\u00fcssen die zeitlose Wahrheit der biblischen Offenbarung neu entdecken, gerade auch im Blick auf das Menschenbild, auf Ehe, Familie, Sexualit\u00e4t und Erziehung. Wir m\u00fcssen uns selber neu schulen. Ehe- und Ehevorbereitungsseminare m\u00fcssen zum selbstverst\u00e4ndlichen Angebot jeder Gemeinde geh\u00f6ren. Mitarbeiterschulungen sind n\u00f6tig, bei denen die F\u00e4higkeit zur geistigen Auseinandersetzung mit den genannten Zeitstr\u00f6mungen vermittelt wird. Und last but not least: unsere eigenen Ehen und Familien gilt es neu am Wort Gottes auszurichten. Nur wenn wir selber in \u00fcberzeugenden Ehen und Familien leben, k\u00f6nnen wir andere \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.4<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die staatliche Aufwertung der Homosexualit\u00e4t und die staatliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften stellt die Christen vor neue und ganz besondere Herausforderungen. Zum ersten Mal seit dem Dritten Reich entscheidet sich die Politik gegen elementare Grunds\u00e4tze der christlichen Ethik. Auch in dieser Problematik gilt es, den Grundsatz von R\u00f6m. 12,21 zu praktizieren. Es kann nicht darum gehen, Menschen moralisch zu kritisieren. Vielmehr mu\u00df Hilfe angeboten werden. Es geh\u00f6rt zu den gro\u00dfen Vers\u00e4umnissen der kirchlichen Diakonie, da\u00df sie bis heute kein Netz von Ansprechpartnern f\u00fcr ver\u00e4nderungswillige Menschen mit homophiler Neigung aufgebaut hat. Hier m\u00fcssen Christen aktiv werden. Im Blick auf 1. Kor. 6,9-11 gilt es, ihnen Mut und Hoffnung f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung ihrer Neigungen zu vermitteln. Jeder Mensch, der in homosexuellen bzw. lesbischen Beziehungen gelebt hat und durch den Glauben an Jesus Christus eine Ver\u00e4nderung seiner sexuellen Ausrichtung erlebt hat, ist ein Hoffnungszeichen f\u00fcr andere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig ist christliche Aufkl\u00e4rungsarbeit n\u00f6tig, die homosexuelle Praxis deutlich als widernat\u00fcrlich, sch\u00f6pfungswidrig und s\u00fcndhaft vor Gott benennt und zur Umkehr zu Jesus Christus auffordert. Die totale Infragestellung der christlichen Ethik durch das Lebenspartnerschaftsgesetz mu\u00df deutlich betont werden. Principiis obsta! Widerstehe den Anf\u00e4ngen! An dieser Stelle hat sich der demokratische Staat gegen das Christentum entschieden. 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