{"id":1284,"date":"2005-12-04T11:17:23","date_gmt":"2005-12-04T09:17:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1284"},"modified":"2009-09-07T16:25:20","modified_gmt":"2009-09-07T14:25:20","slug":"konsequenzen-aus-der-biblischen-bewertung-des-homosexuellen-verhaltens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1284","title":{"rendered":"Konsequenzen aus der biblischen Bewertung des homosexuellen Verhaltens"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Konsequenzen aus der biblischen Bewertung<br \/>\ndes homosexuellen Verhaltens<br \/>\nVortrag in der Evang.-theolog. Fakult\u00e4t T\u00fcbingen 1.12.2005<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Drei Schwerpunkte des biblischen Befundes<br \/>\n<\/strong><strong>1.1 Gott segnet die Ehe mit Fruchtbarkeit<br \/>\n(1. Mose 1,28; Matth. 19,1-12)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erste Segen Gottes f\u00fcr die Menschen ist leiblich-sexueller Art: Mann und Frau werden gew\u00fcrdigt, aber auch aufgefordert, fruchtbar zu sein und sich zu mehren (1. Mose 1,28). Jesus best\u00e4tigt in einem Streitgespr\u00e4ch mit den Pharis\u00e4ern die Erschaffung des Menschen als Mann und Frau \u201eam Anfang\u201c und die Zusammenf\u00fcgung beider in der Ehe (Matth. 19,4 und 5). Implizit bejaht er damit die Ehe als eine g\u00f6ttliche Stiftung und als Ort der Fruchtbarkeit.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bekenntnis Jesu zur Ehe bedeutet jedoch nicht, da\u00df er in der Ehe die einzige Lebensform sieht, die unter dem Segen Gottes steht. In gleicher Weise gibt es f\u00fcr ihn auch den bewu\u00dften Verzicht auf die Ehe wie auch angeborene oder anderswie bedingte Eheuntauglichkeit (Matth. 19,12). Eine \u00e4hnliche Gleichrangigkeit von Ehe und Eheverzicht findet man auch bei Paulus in 1. Kor. 7. Paulus selbst lebt den Eheverzicht, aber er sagt sehr n\u00fctzliche und empfehlende Worte \u00fcber die eheliche Sexualit\u00e4t (1. Kor. 7,3 und 4).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>1.2 Gott bestraft seine Entehrung durch die Menschen mit gegenseitiger sexueller Entehrung der Menschen untereinander (R\u00f6m. 1,22-27)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Paulus ist die Lage des Menschen bestimmt von einem von Gott verh\u00e4ngten umfassenden Preisgegebensein an sein s\u00fcndiges Ego. Dieses Dahingegebensein kann als ad\u00e4quate Vergeltung. Verstanden werden. Weil die Menschen mit ihren Gedanken sich dem Nichtigen zuwenden, gibt Gott sie an ihre nichtigen Gedanken dahin, so da\u00df sie sich gegenseitig zur Last und Gefahr werden (R\u00f6m. 1, 21 und 28-31). Weil die Menschen Gottes Herrlichkeit entehren und mit Bildern verg\u00e4nglicher Wesen vertauschen, gibt Gott sie an ihre unreinen Begierden und sch\u00e4ndlichen Leidenschaften dahin, so da\u00df sie sich durch fehlgeleitete Sexualit\u00e4t ihre Leiber entehren und den nat\u00fcrlichen mit dem widernat\u00fcrlichen Verkehr vertauschen (R\u00f6m. 1,22-27). Man kann dieses Dahingegebensein ein p\u00e4dagogisches Strafhandeln Gottes nennen, durch das er die Menschen die Folgen ihrer S\u00fcnde erleiden l\u00e4\u00dft, aber eben nicht um sie zu zerst\u00f6ren, sondern um sie zur Umkehr zu f\u00fchren. Vermutlich denkt Paulus in 1,24 an au\u00dferehelichen Verkehr zwischen M\u00e4nnern und Frauen, w\u00e4hrend in 1,26 und 27 eindeutig gleichgeschlechtlicher Verkehr zwischen Frauen und M\u00e4nnern untereinander gemeint ist. Beide Fehlformen der Sexualit\u00e4t entehren den Leib des Menschen und damit ihn selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.3 Gott vergibt unz\u00fcchtiges sexuelles Verhalten (1. Kor. 6,9-11)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der korinthischen Gemeinde lebten Leute, die fr\u00fcher Ehebrecher waren bzw. gleichgeschlechtlichen Verkehr ge\u00fcbt hatten. Paulus bezeichnet hier die homosexuell Praktizierenden mit zwei Begriffen, die auf den heidnischen Brauch der sog. Knabenliebe hinweisen (Luther: \u201eLustknaben\u201c und \u201eKnabensch\u00e4nder\u201c). Der Oberbegriff in V. 9 pornoi (\u201eUnz\u00fcchtige\u201c) umfa\u00dft sowohl alle Formen au\u00dferehelicher Sexualit\u00e4t als auch homosexuelle Praxis zwischen Erwachsenen des gleichen Geschlechts und homosexuellen Umgang zwischen Erwachsenen und Kindern. Paulus stellt im Blick auf die korinthische Gemeinde fest, da\u00df aufgrund der Annahme des Evangeliums durch Glaube und Taufe das unz\u00fcchtige Verhalten der Vergangenheit beseitigt worden ist. Der Begriff \u201ereingewaschen\u201c (griech. apelousaste) k\u00f6nnte ein Hinweis auf die Taufe sein, kann sich aber auch auf das \u201eWasserbad des Wortes\u201c beziehen (Eph. 5,26). Der Begriff \u201egeheiligt\u201c ( griech. h\u00e4giastete) meint das Beschlagnahmtsein durch Gott und \u201egerechtgemacht\u201c (griech. edikaiotete) meint die Vergebung. Der Text ist f\u00fcr die Sexualseelsorge wichtig: Ehebruch geh\u00f6rt in die Vergebung und sollte nicht gleich Anla\u00df zur Scheidung sein. Auch voreheliche sexuelle Beziehungen geh\u00f6ren in die Vergebung, weil sie sich als Ballast in der Ehe auswirken k\u00f6nnen. Ebenso homosexuelle Akte. Man sollte homosexuelle Praxis vor diesem Hintergrund weder bagatellisieren noch dramatisieren. Sie stellt im neutestamentlichen Kontext eine sexuelle Fehlform unter anderen dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Theologische Konsequenzen<br \/>\n<\/strong><strong>2.1 Gott will die Gemeinschaft mit Menschen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der biblische Befund zeigt einen Gott, der die menschliche Fruchtbarkeit will und segnet. Offensichtlich hat er Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Menschen. Es liegt im Wesen der Liebe, da\u00df sie nicht allein bleiben will. Weil Gottes Liebe zu den Menschen unendlich ist (Joh. 3,16), erh\u00e4lt er ihnen dauerhaft seinen Fruchtbarkeitssegen, denn auch auf der neuen Erde nach Christi Wiederkunft wird es V\u00f6lker geben (Apok. 21,24). Im 127. Psalm (ein Psalm Salomos) wird die Fruchtbarkeit gepriesen: \u201eSiehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn, und Leibesfrucht ist ein Geschenk\u201c (V. 3). Vielleicht kann man in diesem Zusammenhang auch an den Bericht von Jakobs Enkel Onan denken, der sich der Leviratsehe entzog, indem er seinen Samen verderben lie\u00df und sich dadurch Gottes Strafe zuzog (1. Mose 38,6-10). Das biblische Gottesbild zeigt jedenfalls durchweg einen Gott, der die Fruchtbarkeit der Menschen will. Angesichts der Tatsache, da\u00df etwa 20% der deutschen Ehepaare ungewollt kinderlos bleiben, ist das eine Feststellung, die nachdenklich macht. Was machen wir falsch? Welche Faktoren sind daf\u00fcr verantwortlich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2 Gott will die Ehe als Ort der Fruchtbarkeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott gibt die Gabe der Fruchtbarkeit ausschlie\u00dflich in die Institution der Ehe hinein. Das ist aus 1. Mose 1,26ff. zu erschlie\u00dfen, denn mit der Erschaffung des ersten Menschenpaares war die Ehe konstituiert. Eine f\u00fcr das heranwachsende Kind bessere Institution als die auf lebenslange Dauer geschlossene Ehe wurde noch nicht gefunden, bei allen Abstrichen, die man zweifellos angesichts vieler Ehen machen mu\u00df, denen es nicht mehr gelingt, ihren Kindern ein Minimum an Geborgenheit und Heimat zu vermitteln. Die Entwicklungspsychologie best\u00e4tigt den unersetzbaren Wert der Ehe, wenn sie feststellt, da\u00df der Junge zur seelischen Ausreifung ein festes \u201eMannsbild\u201c braucht und das M\u00e4dchen ein festes Mutter- bzw. Frauenbild. Weil f\u00fcr die Bibel die Fruchtbarkeit in die Ehe geh\u00f6rt, wird die Ehe durch massive Schutzw\u00e4lle umgeben, damit sie ein Ort der Geborgenheit f\u00fcr die Kinder sein kann. Jesus mahnt zum Festhalten an der Ehe: \u201eWas Gott zusammengef\u00fcgt hat, soll der Mensch nicht scheiden\u201c (Matth. 19,6). Paulus verbietet den Christen in 1. Kor. 7,10 und 11 die Ehescheidung. In der zweiten Tafel des Dekalogs wird der Ehebruch verboten. In Hebr. 13,4 wird den Unz\u00fcchtigen und Ehebrechern Gottes Gericht angedroht. Der hohe Stellenwert der Ehe in beiden Testamenten ist nicht zu \u00fcbersehen, gerade auch dort, wo im A.T. eheliche Fehlformen und ihre verh\u00e4ngnisvollen Auswirkungen beim Namen genannt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.3 Gott ist ein leibfreundlicher Gott<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gott der Bibel ist ein leibfreundlicher Gott. Das gilt es wieder zu entdecken. Christi leibhafte Auferstehung ist ein deutliches Bekenntnis Gottes zum Leib. Die lebendige Hoffnung der Christen, die Petrus in 1. Petr. 1,3ff. entfaltet, zielt auf einen neuen Leib in Gottes Herrlichkeit. Nichts anderes meint Paulus mit dem Begriff \u201eErbe\u201c. Alle Kinder Gottes erben Gottes Erbe (R\u00f6m. 8,17). Der menschliche Leib dient in 1. Kor. 12 als Urbild f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis Christi zu seiner Gemeinde. Die leibliche Z\u00e4rtlichkeit zwischen Mann und Frau wird im Hohen Lied (2,6; 8,3) und im Predigerbuch (3,5) hoch gesch\u00e4tzt. Paulus ruft den Ehemann auf, seine Frau zu verw\u00f6hnen so wie ein Kopf es mit seinem Leib tut (Eph. 5,28 und 29). Speziell zum ehelichen Intimleben gibt er in 1. Kor. 7,4 einen hervorragenden Rat: \u201eDie Frau verf\u00fcgt nicht \u00fcber ihren Leib (d.h. \u00fcber ihre Sexualit\u00e4t), sondern der Mann. Ebenso verf\u00fcgt nicht der Mann \u00fcber seinen Leib (seine Sexualit\u00e4t), sondern die Frau\u201c. Es ist bemerkenswert, da\u00df Paulus als unverheirateter Mann hier die von der Agape bestimmte eheliche Sexualit\u00e4t als Quelle der Freude und als stabilisierenden Ehefaktor sch\u00e4tzt. Allerdings sagt derselbe Paulus wenige Verse sp\u00e4ter, da\u00df die Verheirateten so leben sollen, als ob sie nicht verheiratet w\u00e4ren, d.h. da\u00df sie die Ehe und die Sexualit\u00e4t nicht \u00fcberh\u00f6hen d\u00fcrfen (1. Kor. 7,29). Die biblische Ablehnung homosexueller Praxis darf vor diesem Hintergrund nicht als Leib- und Lustfeindlichkeit interpretiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Anthropologische Konsequenzen<br \/>\n<\/strong><strong>3.1 Der Mensch mu\u00df vom Ziel her bestimmt werden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Berufung des Menschen zur Ebenbildlichkeit Gottes (1. Mose 1,26 und 27) konstituiert ein offenes, ein teleologisches, d.h. vom Ziel bestimmtes Menschenbild. Keiner darf auf seine Herkunft, seine Erziehung, seine Pr\u00e4gung, sein momentanes Verhalten festgelegt werden. Und niemand sollte sich selber in dieser Weise festlegen. Gott hat das Ziel und den Willen, den Menschen zur Agape hin zu ver\u00e4ndern (denn die Ebenbildlichkeit definiert sich immer von Gottes innerstem Liebeswesen her). Das gilt f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen, Erwachsene und Kinder, Christen und Nichtchristen. Das gilt auch f\u00fcr das Vater-, Mutter- und Ehebild, das der Mensch zuhause kennengelernt und verinnerlicht hat, und das gilt ebenso f\u00fcr seine sexuellen Erfahrungen, Pr\u00e4gungen und Phantasien. Es entspricht nicht dem biblischen Menschenbild, einen Menschen auf sein momentanes Sosein zu fixieren. Die Bezeichnungen \u201eHomosexuelle\u201c, \u201eSchwule\u201c und \u201eLesben\u201c sind insofern fragw\u00fcrdig. Gott ist ein sch\u00f6pferischer Gott (Ps. 33,9; R\u00f6m. 4,17), und er kann ver\u00e4ndern durch die Kraft seiner Liebe. Zu erinnern ist an 1. Kor. 6,9-11, wo Paulus von den Ver\u00e4nderungen in der korinthischen Gemeinde spricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.2 Der Mensch ist zur Kommunikation berufen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie Gott selbst sich nach dem biblischen Zeugnis und der kirchlichen Lehrtradition als Dreieinige bzw. dreipersonale Wesenheit offenbart und damit kommunikative Wesensz\u00fcge tr\u00e4gt, so tr\u00e4gt auch alles, was Gott erschafft, kommunikative Z\u00fcge. Die ganze Sch\u00f6pfung mu\u00df als eine unerme\u00dfliche Verschr\u00e4nkung von Bezugssystemen angesehen werden, und auch der Mensch mu\u00df als ein kommunikatives Wesen verstanden werden. Er ist erschaffen, um mit Gott, mit anderen Menschen und mit seiner Umwelt in Beziehung zu treten. Sein Leben gelingt in dem Ma\u00df, in dem seine Beziehungen gelingen. Die sog. Selbstverwirklichung als eines der bestimmenden Leitbilder der Postmoderne f\u00fchrt uns leider mehr in Isolierungen als da\u00df sie uns den Wert von Beziehungen aufschlie\u00dft und uns zum Aufbau fester Beziehungen ermutigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beziehungen leben vom Nehmen und Geben, und ihr Reiz liegt in der Gestaltung der menschlichen Unterschiede. Diese Tatsache kommt in der Ehe t\u00e4glich zur Geltung. Die mentalen, physiologischen und physischen Unterschiede von Mann und Frau deuten auf eine ebenso hohe Intelligenz wie auch Risikobereitschaft des Sch\u00f6pfers, der offensichtlich mit dem Modell Ehe eine gegenseitige Erg\u00e4nzung der Geschlechter beabsichtigt. Nat\u00fcrlich funktioniert dieses Modell nur, wenn beide Eheleute im Gespr\u00e4ch bleiben und sich im Nehmen und Geben \u00fcben. Die menschliche Sexualit\u00e4t ist so gesehen kein Instrumentarium zum eigenen Lustgewinn, auch wenn unsere Mediengesellschaft sie so darstellt. Vielmehr ist sie eine Kommunikationschance ersten Ranges, weil sie ein Ehepaar in die Lage versetzt, sich gegenseitig leiblich-seelisch Frieden zu vermitteln und den anderen zu \u201ebefriedigen\u201c in des Wortes eigentlicher Bedeutung. Genau das meint Paulus in 1. Kor. 7, 3 und 4. Sexualit\u00e4t begl\u00fcckt und l\u00e4\u00dft sich begl\u00fccken, aber nur, wenn sie nicht das Eigene sucht, sondern das, was dem andern guttut (Phil. 2,4). Diese gegenseitige sexuelle Begl\u00fcckung ist nach dem biblischen Menschenbild der intimen Begegnung von Mann und Frau in der Ehe vorbehalten, weil sie im Raum von Verbindlichkeit und Geborgenheit m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.3 Der Mensch ist zur Priorit\u00e4t des Geistes berufen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt in 1. Kor. 9,24-27 ein offenes Bekenntnis des Apostels \u00fcber seinen Umgang mit seinem Leib. Er ist nicht bereit, dem Leib die Priorit\u00e4t in seinem allt\u00e4glichen Lebensvollzug einzur\u00e4umen. Im Gegenteil: er bezwingt ihn und z\u00e4hmt ihn. Man kann diese Aussagen mi\u00dfverstehen als asketisch und leibfeindlich. Aber in Wirklichkeit weisen sie auf die Priorit\u00e4t des Geistes hin, die alle Christen anstreben sollten. Der Geist soll dem Leib sagen, wo es lang geht und nicht der Leib dem Geist. Nach R\u00f6m. 8,14 ist das Christsein dadurch gekennzeichnet, da\u00df der Christ sich vom Geist f\u00fchren l\u00e4\u00dft. Im Geist ist Christus gegenw\u00e4rtig, denn \u201eder Herr ist Geist\u201c (2. Kor. 3,18). Wer sich vom Geist f\u00fchren l\u00e4\u00dft, hat also Christus selbst als Kraftgeber f\u00fcr sich. Aber der Geist gibt nicht nur Kraft, sondern auch Liebe. Die Liebe sucht das Beste des anderen. Sie ist feinf\u00fchlig, gerade auch im geschlechtlichen Bereich. Sie g\u00f6nnt dem anderen auch sexuell das Beste. Vor der Ehe g\u00f6nnt sie dem anderen das Tiefenerlebnis des leiblich-seelischen Einswerdens im Schutzraum der Ehe. In der Ehe vergewaltigt sie nicht. Au\u00dferhalb der Ehe hat sie die Kraft zum sexuellen Verzicht, auch hinsichtlich homoerotischer Neigungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Seelsorgerliche Konsequenzen<br \/>\n<\/strong><strong>4.1 Christliche Seelsorge ist parakletische Seelsorge<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der in der neutestamentlichen Briefliteratur oft verwendete Begriff parakaleo hei\u00dft in der Grundbedeutung \u201eherbeirufen\u201c. Er wird im N.T. meistens verwendet im Sinn von \u201eermahnen\u201c bzw. \u201etr\u00f6sten\u201c. Wenn man bei der w\u00f6rtlichen Bedeutung \u201eherbeirufen\u201c bleibt und als das Ziel des Herbeirufens Christus einsetzt, dann gewinnt parakeleo eine programmatische Bedeutung f\u00fcr die christliche Seelsorge. Sie ruft zu Christus. Das bedeutet, da\u00df sie sich immer der eigenen Ohnmacht bewu\u00dft sein mu\u00df, denn kein Mensch ist in der Lage, einen anderen Menschen zu ver\u00e4ndern. Das bedeutet aber auch, da\u00df sie mit Gottes konkreter Hilfe rechnen darf. Dieser doppelte Blick ist besonders in der Sexualseelsorge n\u00f6tig. In wenigen Lebensbereichen erf\u00e4hrt sich der Mensch so authentisch, so ber\u00fchrt, so begl\u00fcckt aber auch so frustriert wie in der Sexualit\u00e4t. Gleichzeitig ist er in wenigen Lebensbereichen so wie in der Sexualit\u00e4t gef\u00e4hrdet, R\u00fccksichtnahme und Barmherzigkeit zu vergessen und sein Ego zu befriedigen. Angesichts der Urmacht Sexualit\u00e4t ist er dringend auf Gottes Hilfe angewiesen, um sie so zu steuern, da\u00df sie nicht verletzt, sondern begl\u00fcckt, und zwar sowohl den anderen als auch sich selbst. Das ist die besondere Chance christlicher Sexualseelsorge. Au\u00dferdem verf\u00fcgt sie gegen\u00fcber der rein psychologischen Beratung \u00fcber den gro\u00dfen Vorteil, da\u00df sie zur Bew\u00e4ltigung der Schulddimension im Beichtgespr\u00e4ch die Vergebung Gottes zusprechen und auf Gottes weitere Hilfe hinweisen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.2 Christliche Seelsorge ist geistorientierte Seelsorge<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christliche Seelsorge sollte sich an der Geistpriorit\u00e4t orientieren, zu der der Mensch nach dem neutestamentlichen Zeugnis berufen ist. In der seelsorgerlichen Praxis begegnet dem Seelsorger eine Vielzahl von Steuerungsmechanismen, die den Menschen bestimmen. Das k\u00f6nnen die rein leiblichen Bed\u00fcrfnisse bzw. Begierden oder auch die seelischen Kr\u00e4fte Wille, Verstand und Gef\u00fchl sein, wobei in der Realit\u00e4t des Alltags meistens Mischformen das Verhalten bestimmen. Immer darf christliche Seelsorge den Menschen ermutigen, dem Geist die oberste Steuer-Priorit\u00e4t einzur\u00e4umen. Dies trifft in besonderem Ma\u00df auf die Sexualseelsorge zu. Gerade diejenigen Menschen, die sich einen trieb- und lustorientierten Umgang mit der eigenen Sexualit\u00e4t angew\u00f6hnt haben, darf der Seelsorger ermutigen, das Sexualleben neu am Geist und d.h. an der Agape auszurichten. Das trifft f\u00fcr Verheiratete genauso wie f\u00fcr Nicht-Verheiratete zu. F\u00fcr die Verheirateten gilt dabei die spezielle Maxime von 1. Kor. 7,4, wonach jeder Ehepartner die Verf\u00fcgung \u00fcber seine Sexualit\u00e4t an den anderen abgeben soll. F\u00fcr die Nicht-Verheirateten gilt die allgemeine Maxime, da\u00df Unzucht in jeglicher Form, also jeglicher au\u00dferehelicher Intimverkehr, auch der homosexuelle, gemieden werden sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.3 Christliche Seelsorge ist mitleidende Seelsorge<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das sexuelle Verhalten pr\u00e4gt grunds\u00e4tzlich die Pers\u00f6nlichkeit eines Menschen mehr als andere Verhaltensmuster. Das h\u00e4ngt mit der geschlechtlichen Bestimmtheit des Menschen zusammen. Wir haben nicht nur ein Geschlecht, wir sind es. Sexuelle Verhaltensmuster wie z.B. Selbstbefriedigung, h\u00e4ufiger Partnerwechsel bei Heterosexuellen, pornographisch bestimmtes Sexualleben oder homosexueller Verkehr k\u00f6nnen so tiefe Pr\u00e4gungen verursachen, da\u00df der oder die Betreffende trotz eigenem Wunsch und intensiver seelsorgerlicher Bem\u00fchung bzw. psychologischer Beratung keine schnellen Ver\u00e4nderungen der Steuerungsmechanismen erlebt. Aber auch, wenn gar keine tiefeingepr\u00e4gte Sexualpraxis vorliegt, gibt es verfestigte sexuelle Fehl-Orientierungen, die auf beiden Seiten viel Geduld erfordern. Verschiedene Studien der vergangenen Jahre bei ver\u00e4nderungswilligen Personen mit homosexueller Orientierung zeigen, da\u00df etwa 30-60 Prozent von ihnen zu einer gelebten Heterosexualit\u00e4t kommen (z.B. Prof. Robert L. Spitzer, New York, New Study on Sexual Reorientation Therapies, 2001). Wo es nicht oder noch nicht zu Ver\u00e4nderungen in der sexuellen Orientierung kommt, ist der Seelsorger zu einem solidarischen Mitleiden aufgerufen, das demjenigen, der sich ver\u00e4ndern will, die Erfahrung gibt, da\u00df er bei allem Scheitern ein von Gott geliebter und vor allem ein vollwertiger Mensch bleibt. Der Seelsorger darf ihn dann auch ermutigen, im Vertrauen auf Gottes Hilfe enthaltsam zu leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Kirchliche Konsequenzen<br \/>\n5.1 Kirche Jesu Christi ist eine K\u00f6rperschaft sui generis<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kirche Jesu Christi ist eine Alternativgemeinschaft zur Welt, denn sie ist \u201ealternativ\u201c, d.h. anders geboren. Nach dem reformatorischen Grundbekenntnis, der Augsburger Konfession, Artikel VII, lebt sie aus dem Wort Gottes. Ihre Lebensziele und Lebensnormen entnimmt sie der apostolischen \u00dcberlieferung, wobei es ihr klar ist, da\u00df es sich dabei um Verhei\u00dfungsnormen handelt, die nur im gelebten Glauben und auch dann nur ann\u00e4hernd erreichbar sind. Weil sie in Christus Leben und volle Gen\u00fcge sucht und findet (Joh. 10,10), ist sie davon befreit, in dieser vergehenden Welt Lebenssinn und Zufriedenheit zu suchen (1. Kor. 7,29-31). Da sie aber in dieser Welt lebt, steht sie immer in der Gefahr, sich der Welt anzupassen. Sie ist jedoch durch den \u201eerneuerten Sinn\u201c in der Lage, den Willen Gottes zu verstehen (R\u00f6m. 12,2). Die Kraft der Kirche ist die Liebe Gottes, und diese Liebe ist ihr der Ansporn f\u00fcr ihre Lebensgestaltung. Alle ethischen Entscheidungen f\u00e4llt sie am Ma\u00dfstab der Agape. Wenn sie diesen Ma\u00dfstab verliert, dann ist sie nicht mehr authentische Kirche Jesu Christi. Diese grunds\u00e4tzlichen Aussagen gelten nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die kirchliche Sexualethik. In ihrer Predigt, Seelsorge und \u00d6ffentlichkeitsarbeit mu\u00df die Kirche die menschliche Sexualit\u00e4t als eine gute und von Gott gewollte, mit Fruchtbarkeit gesegnete und in der Ehe verwirklichte Gabe darstellen und alle ehegef\u00e4hrdenden Verhaltensmuster ihrer Umwelt ablehnen. Dazu geh\u00f6rt auch jede Form des egoistischen Mi\u00dfbrauchs der Sexualit\u00e4t f\u00fcr den pers\u00f6nlichen Lustgewinn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.2 Die \u00f6ffentliche sexualethische Verantwortung der Kirche<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In ihren Bem\u00fchungen um Menschen, die ihr nicht angeh\u00f6ren, sollte die Kirche gerade in unserer von Pornographie gepr\u00e4gten Zeit ein klares Bekenntnis zu Ehe und Familie und zur W\u00fcrde der Frau ablegen. Viele Menschen sehnen sich heute nach der Geborgenheit in Ehe und Familie und sind empf\u00e4nglich f\u00fcr eine solche Botschaft. Die Sexualit\u00e4t sollte die Kirche als von Gott ausschlie\u00dflich der Ehe verliehene Gabe kennzeichnen und sexuelle Verhaltensweisen au\u00dferhalb der Ehe als ehegef\u00e4hrdend darstellen. Ein lauter kirchlicher Protest gegen die Vermarktung der Sexualit\u00e4t durch die Pornographie w\u00e4re \u00fcberf\u00e4llig. Ebenso m\u00fc\u00dfte die Kirche ihren Einflu\u00df geltend machen, um die Verniedlichung des Ehebruchs in den \u00f6ffentlichen Medien einzud\u00e4mmen. F\u00fcr homosexuell orientierte Menschen, die ver\u00e4nderungswillig sind, m\u00fc\u00dfte die Kirche ein Netz von Beratungsstellen aufbauen. Der staatlichen Gesetzgebung mu\u00df die Kirche nicht in jedem Fall folgen (Ag. 5,29). Z.B. sollte die Kirche der staatlichen Sanktionierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften im sog. Lebenspartnerschaftsgesetz eine verst\u00e4rkte Ehearbeit und Ehevorbereitungsarbeit entgegensetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.3 Kirche Jesu Christi wird innen gefestigt<br \/>\ndurch Lehre und Diakonie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach 1. Tim. 3 sind die beiden Bereiche Gemeindeleitung und Gemeindediakonie konstitutiv f\u00fcr die Kirche vor Ort. Gemeindeleiter sollen nach 1. Tim. 3,2ff. untadelig in ihrer Lebensf\u00fchrung sein. Dazu geh\u00f6rt auch, da\u00df sie in ihrer Sexualethik die apostolischen Wegweisungen achten und vertreten m\u00fcssen. Sie sollen z.B. nach einer Ehescheidung nicht ein zweites Mal heiraten und, wenn sie Familie haben, sich vorbildlich um sie k\u00fcmmern. Ein Sexualleben au\u00dferhalb der Ehe, sei es durch Ehebruch, unverheiratetes Zusammenleben oder homosexuelle Praxis kommt nach diesen Vorgaben f\u00fcr sie nicht infrage. Das gleiche gilt nach 1. Tim. 3 auch f\u00fcr Diakone und Diakonissen. Kirchliche Segnungshandlungen f\u00fcr gleichgeschlechtliche Partnerschaften und ein kirchenamtlich genehmigtes Zusammenleben von Amtstr\u00e4gern mit gleichgeschlechtlichen Partnern stehen v\u00f6llig au\u00dferhalb der neutestamentlichen Ethik und sind dringend revisionsbed\u00fcrftig. Sie widersprechen dem Auftrag der Kirche, die Ehe als den von Gott gestifteten Ort menschlicher Sexualit\u00e4t und Fruchtbarkeit zu bezeugen. Sie gef\u00e4hrden auch den kirchlichen Auftrag, Menschen mit homosexueller Orientierung, die sich ver\u00e4ndern m\u00f6chten, zu helfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konsequenzen aus der biblischen Bewertung des homosexuellen Verhaltens Vortrag in der Evang.-theolog. Fakult\u00e4t T\u00fcbingen 1.12.2005 1. Drei Schwerpunkte des biblischen Befundes 1.1 Gott segnet die Ehe mit Fruchtbarkeit (1. Mose 1,28; Matth. 19,1-12) Der erste Segen Gottes f\u00fcr die Menschen ist leiblich-sexueller Art: Mann und Frau werden gew\u00fcrdigt, aber auch aufgefordert, fruchtbar zu sein und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":67,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1284"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/67"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1284"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1284\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3227,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1284\/revisions\/3227"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1284"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1284"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1284"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}