{"id":12728,"date":"2015-10-01T14:45:36","date_gmt":"2015-10-01T12:45:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12728"},"modified":"2015-10-01T14:47:09","modified_gmt":"2015-10-01T12:47:09","slug":"kinder-objekte-der-emanzipation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12728","title":{"rendered":"Kinder: Objekte der Emanzipation?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u201e<em>Kinder sind die Sehnsucht des Lebens nach sich selber&#8230;\u201c<\/em> (K. Gibran)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230;wunderbare Worte einer l\u00e4ngst vergangenen Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Erst seit einigen Jahrzehnten wird \u00fcber das Kinderkriegen diskutiert, obwohl es zur Natur des Menschen geh\u00f6rt, so wie Essen und Trinken. So antwortete ich auch meinem Sohn, als er mich vor seiner Eheschlie\u00dfung fragte, warum seine Mutter und ich denn Kinder haben wollten. Ich setzte noch hinzu, Kinder sind ein Geschenk, f\u00fcr uns Christen ein Geschenk Gottes. Diese Erkenntnis ger\u00e4t f\u00fcr manche Paare zunehmend in den Hintergrund. Das Thema \u201eKinder\u201c, verbunden mit dem \u201eNutzen\u201c von Kindern, ist in der Politik und in den Medien angekommen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eltern \u00e4ndern ihre Priorit\u00e4ten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist passiert? Das Urspr\u00fcngliche des Kinderkriegens wird in den letzten Jahren \u00fcberlagert durch gesellschaftliche Trends, Zw\u00e4nge und Entwicklungen. Es sind dies beispielsweise die derzeitigen gesellschaftspolitischen Diskurse \u00fcber die Rollen des \u201eVater-Seins\u201c und des \u201eMutter-Seins\u201c. Die zunehmende Selbstbestimmtheit und die daraus folgende Diskussion \u00fcber die Work-Life Debatte (Stichwort: Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie) schw\u00e4cht den Fokus der Eltern auf ihre Kinder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unbewusst bekommen Kinder die Gespr\u00e4che ihrer Eltern \u00fcber das allt\u00e4gliche Zeitmanagement in der Familie mit. Wehrlos, wie sie sind, werden sie zu w\u00fcrdelosen Objekten. Und ihre Sehnsucht nach Sicherheit nimmt zu, sind doch Eltern f\u00fcr sie so eine Art \u201eBiotop\u201c f\u00fcr ihr Sich-fallen-lassen. Dieses kleine Universum \u201eFamilie\u201c gibt den Kindern die seelische Sicherheit, sich in der Welt zu bewegen. Dies gilt vor allem f\u00fcr die ersten 2 bis 3 Jahre der Kindheit, in denen die Grundlagen, so die Ergebnisse der Bindungsforschung, f\u00fcr Vertrauen und Empathie gelegt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders geben Eltern Gef\u00fchlswerte weiter &#8211; vor dem Hintergrund ihrer eigens gewonnener Identit\u00e4ten. Dies geschieht gr\u00f6\u00dftenteils durch Vorleben. Dazu schreibt der Rabbiner Wayne Dosick: \u201e<em>Kinder beobachten uns und sammeln dabei Verhaltensmuster, Prinzipien und Ma\u00dfst\u00e4be. Selbst wenn es ihnen nicht bewusst ist, vermitteln Eltern also Werte und Ma\u00dfst\u00e4be durch ihr Verhalten und ihr Vorbild, ihre Haltung und durch die Antworten, die sie auf Kinderfragen geben. Kinder eignen sich Verhaltensweisen und F\u00e4higkeiten ihrer Mitmenschen an, indem sie \u00fcbernehmen, was ihnen vorgelebt wird.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der meist genannte Wunsch von Kindern an die Eltern ist \u201eZeit\u201c! Viele Eltern k\u00f6nnen diesen Wunsch in ihrem Zerrissensein zwischen Beruf und Familie h\u00e4ufig nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kinder: Objekt der Lebensentw\u00fcrfe Erwachsener<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im alten Koalitionsvertrag der Bundesregierung stand sinngem\u00e4\u00df zu lesen: Kinder d\u00fcrfen \u201e<em>keinen Nachteil f\u00fcr die Gleichstellung der Frau bedeuten\u201c. <\/em>Da trifft Ideologie auf den Wunsch der Frau nach Kindern. Gleichstellung zwischen Mann und Frau in der Familie ist eigentlich nur durch Arbeitsteilung m\u00f6glich, realiter durch Arbeits\u00fcbernahme einzelner T\u00e4tigkeiten der Mutter durch den Vater. Das tun die V\u00e4ter denn auch \u2013 nicht immer aus eigenem Antrieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und die Kinder? Kinder, pardon, als \u201eKollateralschaden\u201c einer emanzipatorischen Gesellschaft? Die Folgen neuer Arbeitsteilungen entwickeln sich allm\u00e4hlich zu einem Tabuthema und zu einer seltsamen Sch\u00f6nf\u00e4rberei: \u201e<em>Kinder sind gl\u00fccklich, wenn Mami eine Arbeitsstelle hat\u201c, <\/em>so hie\u00df es k\u00fcrzlich in einer \u00fcberregionalen Tageszeitung. Auf der anderen Seite haben heute junge V\u00e4ter mehr die Chance, f\u00fcr sich selber UND ihre Kindern, Familie zu gestalten und zu erleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenig beachtet wurde bisher die schwindende Wertepr\u00e4gung von Kindern durch ihre Gro\u00dfeltern. Gerade sie k\u00f6nnten die Zw\u00e4nge des elterlichen Zeitbudgets mit mehr Zeit f\u00fcr ihre Enkel ausgleichen. \u00dcber die H\u00e4lfte junger Erwachsener best\u00e4tigen in einer Umfrage den pr\u00e4genden Einfluss ihrer Gro\u00dfeltern auf ihr Wertebild. Die heutige notwendige Mobilit\u00e4t berufst\u00e4tiger Eltern mit gr\u00f6\u00dfer werdenden Entfernungen zwischen den jeweiligen Wohnorten erschwert indes das Zusammensein mit den Gro\u00dfeltern. Hinzu kommt noch der biologische Faktor, d.h. die \u00e4lter werdenden M\u00fctter haben auch \u00e4lter werdende Gro\u00dfeltern zur Folge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kinder als Probanden f\u00fcr p\u00e4dagogische Ideologien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neue Geschlechtertheorien beeinflussen derzeitig die P\u00e4dagogik. Die Rede ist von der \u201eemanzipatorischen Sexualkunde\u201c, die &#8211; beginnend mit der Grundschule &#8211; die klassische Rolle der \u201eMutter\u201c als diskriminierend und M\u00e4nnlichkeit als ein Ph\u00e4nomen von vorgestern ansieht. Ein j\u00fcngerer Schulpsychologe erz\u00e4hlte mir neulich: \u201e\u2026.. <em>die starren Bilder Mann \u2013 Frau sind out. Sie benachteiligen die Kinder, die diese starren Rollenbilder nicht erreichen k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen in der Schule eine ganze Bandbreite von Rollenbildern bis hin zu homosexuellen anbieten. So k\u00f6nnen sich Kinder selber entscheiden, welches Rollenbild sie annehmen<\/em>\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bitte? Wie sollen denn Grundschulkinder ihre geschlechtliche Identit\u00e4t \u2013 abweichend von ihrem \u201enormalen\u201c Umfeld von V\u00e4tern und M\u00fcttern &#8211; bestimmen k\u00f6nnen? Diese, in vielen Bundesl\u00e4ndern bereits praktizierte emanzipatorische Sexualp\u00e4dagogik, betrachtet bereits Kleinkinder als Individuen, die \u00fcber ihre eigene sexuelle Identit\u00e4t selber \u201eentscheiden\u201c k\u00f6nnen, nach dem Motto \u201eJunge, Du kannst auch schwul werden!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Begleitet wird diese Sexualp\u00e4dagogik durch den Unterrichtsstoff \u201eGendergerechte Sprache\u201c. So wird bereits heute in Schulb\u00fcchern die konsequente Mitnennung des weiblichen Geschlechts <em>(\u201eSch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen\u201c, oder \u201eSch\u00fclerInnen\u201c, oder im Satz: \u201eEine\/r ist Zuh\u00f6rer\/in, der\/die andere Vorleser\/in<\/em>) den Sch\u00fclern \u201eeingeimpft\u201c. Bisher hat sich nur der \u00f6sterreichische Elternverband gegen diese Sprachverhunzung gewehrt. Dieser Verband betont die zus\u00e4tzlichen Probleme dieser Kunstsprache beim Erlernen und Verstehen von Sprache, besonders auch bei Kindern von Migranten. Auch dieses Beispiel l\u00e4\u00dft den Blickwinkel auf das Kind vermissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kinder ein St\u00f6rfaktor?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4ufig hat man den Eindruck, dass Kinder, sei es von ihren Eltern, von Nachbarn oder von Hotelg\u00e4sten als \u201eSt\u00f6rfaktoren\u201c erlebt werden. Damit geraten Kinder in die gleiche Wertekategorie, pardon, wie Hunde. Was ist das f\u00fcr eine Gesellschaft, die beispielsweise in Zeitungsartikeln das Schicksal herrenloser Hunde mehr im Fokus hat als das Schicksal von Scheidungskindern oder Kleinstkindern in Krippen? Nat\u00fcrlich gibt es F\u00e4lle, die eine Krippenbetreuung erfordern, aber die propagandistische Forderung f\u00fcr alle Kinder \u201eBildung statt Bindung\u201c unterst\u00fctzt den gr\u00f6\u00dfer werdenden Trend zum Outsourcen ehemals famili\u00e4rer Aufgaben. Hinterher geschoben werden dann noch vom Familienministerium nicht nachpr\u00fcfbare Analysen, die das Menetekel \u201eWachsende Zahl von Kindern in bedrohter Armut\u201c als Argument f\u00fcr die Krippenbetreuung nutzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Stiefkinder der Scheidungsgesellschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lernen sich heute \u00e4ltere Kinder kennen, ist h\u00e4ufig einer der ersten Frage: <em>\u201eSind Deine Eltern noch zusammen?&#8220;<\/em> Die Zahl der neuen Scheidungskinder liegt derzeit bei fast 150 000 j\u00e4hrlich, das sind \u00fcber 500 Kinder jeden gerichtlichen Arbeitstag. Dazu kommt noch eine \u00e4hnlich hohe Zahl von Trennungskindern aus Lebenspartnerschaften. Unvorstellbar! Dieses Ph\u00e4nomen scheint in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu zu sein. Die Scheidungskinder leben gr\u00f6\u00dftenteils bei ihren M\u00fcttern, meist mit erschwertem oder verhindertem Zugang zu ihrem Vater. Allererste Analysen zeigen eine markant erh\u00f6hte Anf\u00e4lligkeit dieser Kinder f\u00fcr seelische Erkrankungen und wie sieht es aus mit den psycho-sozialen Sp\u00e4tfolgen dieser vaterlosen Kinder? So wird das \u201eKindeswohl\u201c in Scheidungsprozessen zu einer Farce, weil es f\u00fcr die betroffenen Kinder <em>immer<\/em> eine Trennung von einem Elternteil bedeutet. Nachweisbar ist die Trennung der Eltern ein Ereignis im Leben der betroffenen Eltern, was sie noch bis ins Erwachsenwerden verfolgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gehen getrennte Eltern eine neue Partnerschaft ein, werden Kinder in diese gleichsam hineingeworfen. Mit solchen Flickwerk- (Patchwork-) Familien m\u00fcssen Kinder doppelt Leid ertragen: Erst durch die Trennung ihrer eigentlichen Eltern und dann werden sie &#8211; nolens volens \u2013 von jetzt auf gleich zu \u201eStiefkindern\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kinder als Botschafter<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die UNICEF hat vor einiger Zeit sogenannte \u201eUNICEF Junior-Botschafter f\u00fcr Kinderrechte\u201c ernannt. Sie sollen f\u00fcr Kinderrechte im Grundgesetz eintreten. Offiziell vertreten werden diese Kinder in politischen Gremien von den Kinderschutzb\u00fcnden \u2013 nicht von den Eltern. In einem Land ohne Verfassung mag das Sinn machen. Aber in der Verfassung der meisten westlichen Nationen sind die Menschenrechte niedergelegt, das inkludiert auch die Rechte der Kinder, vertreten durch ihre Eltern. Wozu also dieser Popanz? Er soll schlicht die Entrechtung der Eltern vorantreiben und die \u201eLufthoheit\u201c des Staates auf die Familie sichern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen gibt es auch noch Kinder als Botschafter f\u00fcr den Klimaschutz oder f\u00fcr das Energiesparen. Das Infame bei diesem Botschafterunwesen ist: Kinder werden f\u00fcr die Interessen der Erwachsenen instrumentalisiert, nach dem Motto der \u201e<em>Kindermund spricht die Wahrheit<\/em>\u201c. Die Millionen anderer Kinder haben davon \u00fcberhaupt nichts. Kinder als Kontrollinstanz f\u00fcr die Erwachsenen? Welch absurdes Verst\u00e4ndnis von Kindern in der Erwachsenenwelt und im Miteinander der Generationen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aber: Kinder bringen uns zur Umkehr\u2026.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Entwicklung zu einer nicht gerade kinderfreundlichen Gesellschaft ist bei genauerem Hinschauen unfassbar. Dennoch: Ich bin hoffnungsfroh. Kinder zeigen uns immer wieder unsere verloren gegangene Urspr\u00fcnglichkeit. Das fr\u00f6hliche Strampeln der Babybeine beim Windelwechseln, das \u00fcberm\u00fctige Lachen meines Sohnes, was regelm\u00e4\u00dfig zu einem Schluckauf f\u00fchrte, das volle Zutrauen meiner Tochter beim Fallenlassen in die Arme des Vaters, das begeisterte Aufsp\u00fcren einer kleinen G\u00e4nseblume zwischen Pflastersteinen, die immer wiederkehrenden \u201eWarum\u201c Fragen, das Entdecken der Welt mit Kinderaugen, das fr\u00f6hliche Gewusel auf einem Kindergeburtstag. Das Alles schenkt uns Erwachsenen eine andere, eine kindliche Wahrnehmung der Welt. Es bereichert und lehrt uns Zeit zu finden und zu geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kinderherzen zeigen uns den Weg zu uns selber. \u201e<em>Ohne meine Tochter w\u00e4re mein Leben sinnlos\u201c, so der<\/em> Gegenwartsphilosoph Peter Sloterdijk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Eckhard Kuhla<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/agensev.de\/\">www.agensev.de<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u201eKinder sind die Sehnsucht des Lebens nach sich selber&#8230;\u201c (K. Gibran) &#8230;wunderbare Worte einer l\u00e4ngst vergangenen Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Erst seit einigen Jahrzehnten wird \u00fcber das Kinderkriegen diskutiert, obwohl es zur Natur des Menschen geh\u00f6rt, so wie Essen und Trinken. 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