{"id":1268,"date":"2009-07-15T10:49:58","date_gmt":"2009-07-15T08:49:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1268"},"modified":"2009-09-01T12:03:46","modified_gmt":"2009-09-01T10:03:46","slug":"luthers-deutung-des-abendmahls-jesu-christi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1268","title":{"rendered":"Luthers Deutung des Abendmahls Jesu Christi"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Luthers Deutung des Abendmahls Jesu Christi<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDu zeigst auf den Beutel und sagst: ,Das sind hundert Gulden!&#8216; Du zeigst auf das Fa\u00df und sagst: ,Das ist rheinischer Wein!&#8216; Was bringst du damit zum Ausdruck? Der Beutel ist also nicht mehr blo\u00dfes Leder oder nur ein Beutel, sondern in Wirklichkeit ist er ein Goldleder bzw. ein Geldbeutel. Das Fa\u00df ist nicht nur Holz oder Fa\u00df, sondern in Wirklichkeit ein Weinholz oder Weinfa\u00df.&#8220; Die Sprache verbindet die beiden Gegenst\u00e4nde &#8211; Beutel und Goldst\u00fccke bzw. Fa\u00df und Wein &#8211; zu einer neuen Einheit. \u201eDeshalb zeigst du auf den Beutel und sagst:,Das ist Gold!&#8216; und auf das Fa\u00df und sagst: Das ist Wein!&#8220;&#8218; Und jeder versteht, was gemeint ist. Alles Gewicht liegt also auf dem Wort.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bereits f\u00fcr die Umgangssprache gilt, trifft erst recht auf Gottes Umgang mit uns Menschen zu: Alles Gewicht liegt auf dem Wort und zwar: auf seinem Wort. Sein Wort ist wirkm\u00e4chtiges Wort, Tatwort. Wenn daher beim Abendmahl auf das Brot gezeigt wird mit den Worten \u201eDas ist mein Leib&#8220;, so handelt es sich dabei nicht mehr um \u201eblo\u00dfes Brot aus dem Backofen&#8220;, sondern um \u201eFleischsbrot&#8220; oder \u201eLeibsbrot&#8220;. Der Wein ist nicht mehr \u201enur Wein aus dem Keller&#8220; sondern vielmehr \u201eBlutswein&#8220;. Dabei verlieren die jeweiligen Elemente jedoch nicht ihre Eigenschaften. Brot aus dem Ofen und Leib Christi, Wein aus dem Keller und Blut Christi werden allein durch das g\u00f6ttliche Wort der Verhei\u00dfung zu einer neuen \u201esakramentalen&#8220; Einheit verbunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Abendmahl zeigt sich besonders deutlich, was f\u00fcr die reformatorische Entdeckung insgesamt grundlegend war: \u201eWenn er spricht, so geschieht&#8217;s; wenn er gebietet, so steht&#8217;s da.&#8220; (Psalm 33,9). Gott tut, was er verspricht. Gott schafft, was er ansagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir Menschen beschreiben mit unseren \u00c4u\u00dferungen in aller Regel das, was bereits vorhanden ist (\u201eDas Haus sieht folgenderma\u00dfen aus: &#8230;&#8220;) oder geschieht (\u201eGestern ereignete sich folgender Unfall &#8230;&#8220;; \u201eF\u00fcr Morgen haben wir gro\u00dfe Pl\u00e4ne!&#8220;). Wenn jedoch Gott redet, dann beschreibt er nicht nur, wie Menschen oder Dinge sind. Durch sein Wort wird vielmehr eine Wirklichkeit geschaffen, die bisher so noch gar nicht bestanden hatte. Hier wird nicht bereits Vorhandenes festgestellt, sondern hier wird etwas ganz und gar nicht Vorhandenes erst hergestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott geht mit uns in Verhei\u00dfungen um. Der grundlegende Unterschied zu unseren menschlichen Versprechungen besteht darin, da\u00df er treu ist und nicht t\u00e4uschen kann. Sein Wort ist \u201eWort der Wahrheit&#8220; (Jakobus 1,18); es ist g\u00fcltig und zuverl\u00e4ssig. Daher k\u00f6nnen wir unser Leben darauf gr\u00fcnden, indem wir ihm vertrauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn der Engel den Hirten in Lukas 2,11 zuruft: \u201eEuch ist heute der Heiland geboren!&#8220;, dann ist das keine Mitteilung einer allgemeinen Information. Vielmehr werden die Hirten durch dieses Wort zu Empf\u00e4ngern einer Gottesbotschaft. Aus Schafhirten werden pl\u00f6tzlich Botschafter des Evangeliums!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso ist es mit der Osterbotschaft: \u201eEr ist nicht hier, er ist auferstanden!&#8220; Diese Mitteilung macht aus verzweifelten Frauen Zeuginnen von Gottes neuer Sch\u00f6pfung. \u201eFriede sei mit euch!&#8220; Mit dieser Zusage verwandelt Jesus seine versch\u00fcchterte und resignierte J\u00fcngergruppe in Herolde seiner Rettung, seiner Vergebung, seines ewigen Lebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEgo te absolvo: Ich spreche dich los!&#8220; Als M\u00f6nch hatte Luther dieses Wort des Priesters nach der Beichte als beschreibendes Wort verstanden: Im reuigen S\u00fcnder wurden bereits Anzeichen der Gnade und Sinnes\u00e4nderung erkennbar, und daraufhin konnte der Priester nun auch best\u00e4tigend bekr\u00e4ftigen: \u201eDir ist vergeben.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch nun entdeckt Luther: Es ist ja gerade umgekehrt! Das Augenmerk hat nicht dem Menschen zu gelten und dem, was bei ihm vielleicht an Ver\u00e4nderung sichtbar wird. Sondern alle Aufmerksamkeit gilt dem, dessen Wort hier laut wird: dem Gott, dessen Wesen es ist, aus dem Nichts etwas Neues zu schaffen (R\u00f6mer 4,17). \u201eDir sind deine S\u00fcnden vergeben!&#8220;: Mit diesem Zuspruch wird aus einem Feind ein Freund Gottes; aus einem Randsiedler wird einer, der zur Familie Gottes dazu geh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genau das aber wird un\u00fcbersehbar klar beim Abendmahl: \u201eChristi Leib &#8211; f\u00fcr dich gegeben! Christi Blut &#8211; f\u00fcr dich vergossen!&#8220; Brot und Wein verweisen nicht auf eine von uns weit entfernte himmlische Wirklichkeit. Die Zeichen deuten nicht auf etwas Abwesendes, sondern zeigen einen wirklich Gegenw\u00e4rtigen an. Deshalb also Realpr\u00e4senz! Was Christus am Kreuz f\u00fcr uns getan hat, das gilt jedem Einzelnen ganz pers\u00f6nlich. Im Vertrauen auf ihn empfange ich, was er mir schenkt. Dieser Freispruch hat sowohl heute wie dann am J\u00fcngsten Tag unumst\u00f6\u00dfliche Geltung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur aus solcher Verhei\u00dfung heraus entsteht Glaubensgewi\u00dfheit. Diese Gewi\u00dfheit erw\u00e4chst nicht aus dem eigenen Glauben und wird nicht an der Qualit\u00e4t des eigenen geistlichen Lebens festgemacht; sie mu\u00df sich daher auch nicht andauernd den geistlichen Puls f\u00fchlen. Vielmehr hat sie ihren Grund und bleibenden Halt in Gott und seiner Verhei\u00dfung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luthers Deutung des Abendmahls erw\u00e4chst aus seinem Studium der Bibel. Alles Gewicht liegt auf Gottes Wort und seiner Wirkung. Wenn Jesus auf das Brot zeigt und sagt: \u201eDies ist mein Leib&#8220;, dann sollen wir ihm dies abnehmen, es ernst nehmen und uns gesagt sein lassen. Jesus sagt nichts von einer Verwandlung des Brotes in seinen Leib noch von einem blo\u00dfen Symbol f\u00fcr seinen Leib. Er sagt \u201edies ist&#8220; und daran soll und kann sich unser Glaube halten. Denn wenn er es sagt, dann ist dies auch so. Dies ist biblischer Realismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Unterschied dazu vollzieht sich nach r\u00f6misch-katholischem Verst\u00e4ndnis bei der Me\u00dffeier eine Wandlung: Aus Brot und Wein wird Leib und Blut Jesu Christi. Dies geschieht zwar nicht im Blick auf Aussehen und Geschmack &#8211; \u00e4u\u00dferlich betrachtet ver\u00e4ndern sich Oblate und Wein nicht. Doch in ihrem eigentlichen Wesen &#8211; so die r\u00f6misch-katholische Kirche &#8211; haben sie sich grundlegend ver\u00e4ndert: Sie sind nicht weniger als Leib und Blut Christi geworden (Transsubstantiationslehre). Damit dies geschehen kann, ist die Anwesenheit eines Priesters erforderlich, der seinerseits wiederum das Sakrament der Priesterweihe empfangen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus diesem Grund kann eine evangelische Abendmahlsfeier von der r\u00f6misch-katholischen Kirche nicht als Empfang von Leib und Blut Christi anerkannt werden: Da hier kein g\u00fcltig geweihter Amtstr\u00e4ger t\u00e4tig ist, findet auch keine g\u00fcltige Wandlung der Elemente statt. Somit handelt es sich in Wahrheit nicht um die eigentliche sakramentale Handlung, sondern allenfalls um ein Ged\u00e4chtnis- oder Gemeinschaftsmahl. Konkret bedeutet dies, da\u00df katholischen Christen die Teilnahme an einem evangelischen Abendmahlsgottesdienst nicht gestattet ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vorstellung einer Wandlung total entgegengesetzt ist die Deutung des Abendmahls als reines Symbol. Hier wird regelm\u00e4\u00dfig betont: Das Brot symbolisiert den Leib Christi; der Wein ist ein Bild f\u00fcr sein Blut. Wer an dieser Mahlfeier teilnimmt, nimmt nichts anderes zu sich als bei einem Essen zuhause. Der Unterschied zu gew\u00f6hnlichen Mahlzeiten liegt vielmehr in der Erinnerung an das, was Jesus am Kreuz f\u00fcr uns getan hat, und im Ausblick auf das gro\u00dfe Abendmahl in seinem himmlischen Reich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den ersten Blick wirkt es befremdlich, da\u00df seit der Zeit der ersten Christen gerade im Zusammenhang des Abendmahls massive Konflikte innerhalb der Gemeinde entstanden sind (1. Korinther 10). Diese k\u00f6nnen nun allerdings nicht einfach feierlich \u00fcberspielt werden, sondern m\u00fcssen ins Auge gefa\u00dft und ausgehalten werden. Hoffnung auf ihre \u00dcberwindung erw\u00e4chst aus der Erwartung, da\u00df im gemeinsamen H\u00f6ren auf Gottes Wort Fragen gekl\u00e4rt und Probleme beseitigt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abendmahl und Glaube<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Vertrauen darauf, da\u00df Christi Verhei\u00dfung (\u201edies ist mein Leib\/mein Blut&#8220;) zuverl\u00e4ssig und wahr ist, erhalten wir die Gabe des Abendmahls. Im Glauben gehorchen wir dabei seinem Auftrag (\u201edas tut&#8220;) und empfangen darin zugleich die St\u00e4rkung unseres Glaubens. Das Abendmahl gibt nicht mehr oder anderes als das verk\u00fcndigte Wort, sondern schenkt dasselbe in anderer Form. Es ist \u201esichtbares Wort&#8220;. Weil wir Menschen aus Fleisch und Blut sind, begegnet uns Gott auf einer Ebene, die wir begreifen k\u00f6nnen. Er best\u00e4rkt das H\u00f6ren durch das Sehen und Sp\u00fcren: \u201eSchmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist!&#8220; Nicht anders als in der Predigt und doch auf besondere Weise wird jedem pers\u00f6nlich zugerufen: \u201ef\u00fcr dich gegeben!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abendmahl und S\u00fcndenvergebung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vermutlich war in der fr\u00fchen Christenheit das Abendmahl Teil jedes Gottesdienstes. Die Christen wu\u00dften: Wir brauchen stets neu die Vergebung der S\u00fcnden. Im Abendmahl wird sichtbar, was christlicher Umgang mit Schuld ist. Schuld wird nicht dadurch bew\u00e4ltigt, da\u00df sie verharmlost und der Schuldige dadurch entschuldigt wird. Im Licht des Wortes Gottes erkennt der Glaubende, wo er ges\u00fcndigt hat &#8211; \u201ein Gedanken, Worten und Werken&#8220;. Zusammen mit anderen Christen im Rahmen des Gottesdienstes oder auch in der pers\u00f6nlichen Beichte bekennt er seine Schuld. Er bringt damit f\u00fcr sich pers\u00f6nlich zum Ausdruck, da\u00df der Gottessohn auch um seinetwillen sterben mu\u00dfte: \u201emeine Schuld, meine Schuld, meine gro\u00dfe Schuld!&#8220; In Wort und Mahl empf\u00e4ngt er den Zuspruch der Vergebung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie das Abendmahl den Glauben st\u00e4rkt, so mahnt es auch zu neuem Gehorsam: Wer die Vergebung seiner S\u00fcnden empf\u00e4ngt, hat von ihnen zu lassen. Zugleich ist er verpflichtet, die erhaltene Vergebung auszuteilen: an diejenigen, die ihm gegen\u00fcber schuldig geworden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abendmahl und Gemeinde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Abendmahl ist keine missionarische Veranstaltung, zu der jedermann eingeladen w\u00e4re. Vielmehr hat Jesus es im Kreis der J\u00fcnger eingesetzt. In der Urgemeinde wird es \u201eHerrenmahl&#8220; genannt, d.h. es ist das Mahl derer, die \u201edes Herrn&#8220; sind (R\u00f6mer 14,8), die durch Glaube und Taufe zu Gliedern am Leib Christi geworden sind. Die verschiedenen Gestaltungsformen sollen den Blick auf diesen Mittelpunkt des Abendmahls nicht verstellen, sondern ihn vielmehr erm\u00f6glichen: In seinem Wort und Mahl ist Jesus Christus selbst in seiner Gemeinde gegenw\u00e4rtig. Nicht wir vergegenw\u00e4rtigen ihn, sondern er ist in der Kraft des Heiligen Geistes als der Herr am Werk. Er selbst st\u00e4rkt den Glauben; er selbst reinigt von S\u00fcnde; er selbst schenkt sich uns in Wein und Brot. Weil er selbst gegenw\u00e4rtig ist, darum sind Wort und Mahl wirksame und nicht nur symbolische Mittel seines Handelns. Diesem Dienst Gottes an uns entspricht unser umfassender Dank: In Lob und Anbetung, im Zeugnis und im Dienst f\u00fcr ihn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Luthers Deutung des Abendmahls Jesu Christi \u201eDu zeigst auf den Beutel und sagst: ,Das sind hundert Gulden!&#8216; Du zeigst auf das Fa\u00df und sagst: ,Das ist rheinischer Wein!&#8216; Was bringst du damit zum Ausdruck? 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