{"id":12571,"date":"2015-08-22T14:48:04","date_gmt":"2015-08-22T12:48:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12571"},"modified":"2015-08-22T15:05:34","modified_gmt":"2015-08-22T13:05:34","slug":"pharisaeer-oder-zoellner-predigt-ueber-luk-189-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12571","title":{"rendered":"Pharis\u00e4er oder Z\u00f6llner? Predigt \u00fcber Luk 18,9-14"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>9 Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst verma\u00dfen, da\u00df sie fromm w\u00e4ren, und verachteten die anderen, dies Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharis\u00e4er, der andere ein Z\u00f6llner. 11 Der Pharis\u00e4er stand und betete bei sich selbst: Ich danke dir, Gott, da\u00df ich nicht bin wie die anderen Leute, R\u00e4uber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Z\u00f6llner. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. 13 Und der Z\u00f6llner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig! 14 Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erh\u00f6ht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erh\u00f6ht werden.<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zur Einf\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn heute evangelisiert wird, h\u00f6rt man oft den Satz: \u201eDu kannst eine Beziehung zu Gott haben.\u201c Man sagt dann: \u201eSchau doch, Gott ist da, er ist dir nah, er liebt dich und m\u00f6chte, da\u00df du dich auf ihn einl\u00e4\u00dft.\u201c Was immer das bedeuten mag \u2013 es ist ein Appell an den Menschen, etwas zu tun, um mit Gott in Beziehung zu treten. Im Wesentlichen l\u00e4uft es darauf hinaus, da\u00df der betreffende Mensch eine Art Bewu\u00dftsein entwickelt, da\u00df er eine Beziehung zu Gott hat, da\u00df er bewu\u00dft mit Gott leben will. Wenn er ein durchschnittlicher Kirchenchrist ist, dann wird er dem Bettler vor der Kirchent\u00fcr einen Euro in die Hand dr\u00fccken und sich f\u00fcr ein besseres gesellschaftliches Miteinander einsetzen, in der Hoffnung, in seinem Engagement seiner Beziehung zu Gott den rechten Ausdruck zu verleihen. Wenn er ein Pietist ist, dann nimmt er Jesus in sein Herz auf. Das ist in Wirklichkeit nur ein Akt des menschlichen Bewu\u00dftseins, eine menschliche Entscheidung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er \u00e4u\u00dfert sie in der Form, da\u00df er sie in einem Gebet zu Jesus ausspricht und dann glaubt, Jesus sei wirklich in ihm drin, in seinem Herzen. Freilich kann er nicht sagen, was das Herz ist und wie Jesus darin wohnt, aber er gibt sich einfach der Illusion hin, da\u00df Jesus irgendwie in ihm sei. Wenn der Mensch spirituell veranlagt ist, dann z\u00fcndet er vielleicht eine Kerze an und versenkt sich in dem Gedanken, da\u00df Gott ihm nahe sei; er versucht, die Gegenwart Gottes zu ersp\u00fcren. Wenn er ein Katholik ist, dann geht er zur Beichte und anschlie\u00dfend zur Messe und glaubt dann, seine Beziehung mit Gott sei wieder ganz in Ordnung. In allen F\u00e4llen aber ist es der Mensch, der seine vermeintliche Beziehung zu Gott ins Werk setzt. Doch wie verh\u00e4lt es sich wirklich? Kann man das einfach so? In diesem Gleichnis spricht Jesus von zwei Menschen, die beide eine Beziehung zu Gott haben wollten. Doch die Unterschiede zwischen beiden sind sehr gro\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und verbl\u00fcffend ist das Urteil, das Jesus \u00fcber sie f\u00e4llt. Wir f\u00fchren uns zun\u00e4chst vor Augen, was diese beiden im Blick auf ihre Beziehung zu Gott dachten. Danach spreche ich dar\u00fcber, wie Gott \u00fcber sie dachte und schlie\u00dflich nehme ich uns moderne Menschen ins Visier: Was denken wir \u00fcber Gott und die Beziehung zu ihm?<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong> Der Pharis\u00e4er<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pharis\u00e4er waren die Zielgruppe, an die Jesus sich richtete. Das waren Menschen, die sich der Illusion hingaben, gerecht zu sein. Sie gr\u00fcndeten ihre Ansicht auf zwei Dinge: Erstens bem\u00fchten sie sich ernsthaft, dem Gesetz Gottes zu entsprechen. Sie hatten die f\u00fcnf B\u00fccher Mose genau studiert und alle einzelnen Gesetze ausgemacht und in ihren theologischen Schulen diskutiert, wie diese Gesetze zu verstehen und zu halten seien. Und dann taten sie, was sie konnten, um den Geboten Gottes zu entsprechen. Wenn der Pharis\u00e4er nach den Worten Jesu betete: \u201eIch faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme\u201c, dann machte er deutlich, da\u00df er auch die Details im Gesetz ernstnahm. Wer wollte etwas dagegen sagen? Deshalb dachte der Pharis\u00e4er:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Gott etwas gebietet, dann hat der Mensch zu gehorchen. Und Gott mu\u00df doch, wenn er wirklich gerecht ist, dem, der sein Gesetz h\u00e4lt, sp\u00e4testens im Himmel wirklich den Lohn geben, der ihm zusteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweitens gr\u00fcndeten sie ihre Ansicht, sie seien gerecht, auf den Vergleich mit anderen Menschen. Sie legten die Ma\u00dfst\u00e4be des Gesetzes des Mose auch an die anderen und sahen dann ihr eigenes Leben an und meinten, da\u00df sie besser w\u00e4ren als andere, weil sie mehr taten als die breite Masse. Der Pharis\u00e4er in unserem Gleichnis brachte das mit den Worten zum Ausdruck: \u201eIch danke dir, Gott, da\u00df ich nicht bin wie die anderen Leute, R\u00e4uber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Z\u00f6llner.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die Fr\u00f6mmigkeit der Pharis\u00e4er war blo\u00df eine formale, eine \u00e4u\u00dferliche: Sie wollten den Anforderungen des mosaischen Gesetzes gen\u00fcgen, und an der erf\u00fcllten Form entz\u00fcndete sich der Applaus, der ihnen selbst galt. Dabei \u00fcbersahen sie, da\u00df sie das Gesetz Gottes in Wirklichkeit gar nicht erf\u00fcllen konnten. Das Gesetz gebot Liebe zu Gott von ganzem Herzen, Liebe zum N\u00e4chsten, die so stark war wie die Eigenliebe, und es verbot jegliches Begehren nach dem, was der N\u00e4chste hatte. Das aber konnte kein Pharis\u00e4er wirklich halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus kritisierte mit diesem Gleichnis nicht die Tatsache, da\u00df der Pharis\u00e4er ein anst\u00e4ndiges Leben f\u00fchrte und gute Werke tat. Er kritisierte vielmehr die Art, wie er dar\u00fcber bei sich selbst dachte, wie er seine Werke verstand und in welcher Absicht er sie tat: Er wollte mit seinen Werken bei Gott punkten, obwohl er an mehreren Stellen Gottes Gebote \u00fcbertrat. Er \u00fcbersah seine Schuld und mi\u00dfbrauchte seine Leistung, um sich vor Gott zu r\u00fchmen. Darin stand seine Vermessenheit. Die Gesinnung, die Jesus kritisierte, fand im Gebet des Pharis\u00e4ers ihren Ausdruck. Dieses Gebet war eine Aufz\u00e4hlung von guten Taten. Es offenbarte, da\u00df er, der Pharis\u00e4er, seinen tats\u00e4chlichen Zustand vor Gott, seine S\u00fcnde, vollkommen \u00fcbersah. Er war verblendet. Der Apostel Paulus brachte dies auf den Punkt mit den Worten: \u201eDenn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und suchen ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten und sind so der Gerechtigkeit Gottes nicht untertan\u201c (R\u00f6m 10,3).<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"2\">\n<li><strong> Der Z\u00f6llner<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz anders der Z\u00f6llner. Er war aufgrund seiner beruflichen Leistungen von vornherein als Feind des Volkes Gottes gebrandmarkt. Er arbeitete mit den Heiden, der r\u00f6mischen Besatzungsmacht, zusammen, um den Gliedern des Volkes Gottes das Geld aus der Tasche zu ziehen und nicht wenig davon f\u00fcr sich selbst abzuzweigen, mithin also zu stehlen. Das disqualifizierte ihn der herrschenden Meinung zufolge f\u00fcr das Reich Gottes. Er hatte also ein schlechtes Gewissen, und das, was die Juden \u00fcber ihn und seine Arbeitskollegen dachten und sagten, trug zu diesem schlechten Gewissen bei. Dieses schlechte Gewissen hatte er auch vor Gott. Er hatte auch keine Argumente, um sich vor Gott zu rechtfertigen, und er konnte die Ansichten im Volk nicht einfach absch\u00fctteln und seine Privat\u00fcberzeugung dagegen stellen. Israel war ja wirklich das Volk Gottes, und er selbst arbeitete mit den Heiden zusammen und bereicherte sich zudem noch unrechtm\u00e4\u00dfig am Eigentum seiner Br\u00fcder. Wom\u00f6glich kamen noch andere S\u00fcnden hinzu. Alles in allem, er hatte eine tiefe S\u00fcndenerkenntnis und sch\u00e4mte sich vor Gott. Er hatte nichts vorzuweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihm blieb nichts anderes als an Gottes Gnade zu appellieren. So ging auch er in den Tempel, blieb ganz hinten stehen, schlug betroffen auf seine Brust und betete: \u201eGott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig.\u201c Er suchte also seine Rechtfertigung bei Gott in der Begnadigung. Er bat Gott, ihm seine S\u00fcnden zu vergeben. Das aber entsprach ganz dem, was der alttestamentliche K\u00f6nig David erkannt hatte, der sagte: \u201eDie Opfer, die Gott gefallen, sind ein ge\u00e4ngsteter Geist, ein ge\u00e4ngstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten\u201c (Ps 51,19), oder: \u201eDer Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind und hilft denen, die ein zerschlagenes Gem\u00fct haben\u201c (Ps 34, 19).<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"3\">\n<li><strong> Gott<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit diesem Gleichnis macht Gott durch seinen Sohn Jesus Christus deutlich, wie ER denkt. Und wir sehen: Gott denkt anders als die Menschen. Das Urteil Jesu war frappieren: \u201eDieser\u201c, also der Z\u00f6llner, \u201eging hinab gerechtfertigt in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erh\u00f6ht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erh\u00f6ht werden.\u201c Jesus sagt damit, da\u00df der Z\u00f6llner fortan vor Gott als Gerechter dastand, trotz seiner fragw\u00fcrdigen Vergangenheit. Machen wir einen Ausflug in die Grammatik: \u201eGerechtfertigt\u201c ist ein Partizip Perfekt Passiv. Das besagt ein Zweifaches:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(1) Das Passiv l\u00e4\u00dft erkennen, da\u00df die Rechtfertigung ein Akt Gottes ist, den der Mensch erleidet oder empf\u00e4ngt. Gott selbst spricht gerecht. (2) Das Perfekt dr\u00fcckt aus, da\u00df es sich um einen abgeschlossenen Vorgang handelt. Der Z\u00f6llner ist fortan gerecht. Er konnte guten Gewissens den Tempelberg hinabsteigen, denn er hatte sein Heil in Gottes Gnade gestellt, und diese war ihm vor Gott zuteil geworden. Mit diesem Gleichnis lehrt Jesus in gro\u00dfer Klarheit die Rechtfertigung allein aus Gnaden. Sie ist der Anfang einer lebendigen Beziehung mit Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df Jesus damit dem Pharis\u00e4er die Rechtfertigung absprach, war eine Provokation und forderte die Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten zu massivem Widerspruch heraus. Liegt die Gerechtigkeit eines Menschen nicht in seinem Lebenswandel, seinem Wesen? Und wenn sie dort nicht Wirklichkeit ist, wo soll sie es dann sein? Ist Rechtfertigung dann nicht ein So-Tun-Als-Ob? Irrt Gott nicht, wenn er einen offensichtlichen S\u00fcnder f\u00fcr einen Gerechten h\u00e4lt? So w\u00fcrden auch wir argumentieren. Wir fragen durchaus mit Recht nach der Wirklichkeit: Wo und wie ist denn der Z\u00f6llner gerecht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antwort auf diese Frage hat Gott mit dem Opfer Jesu Christi gegeben. Jesus als der Stellvertreter der Menschen hat die Strafe f\u00fcr die S\u00fcnden der Welt getragen. Jesaja hatte ja geweissagt: \u201eF\u00fcrwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn f\u00fcr den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert w\u00e4re. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer S\u00fcnde willen zerschlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Strafe liegt auf ihm, auf da\u00df wir Frieden h\u00e4tten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller S\u00fcnde auf ihn\u201c (Jes 53, 4-6) Auf dieses S\u00fchnopfer sieht Gott, wenn er einen Menschen rechtfertigt, und in Jesus als dem Stellvertreter ist ein Mensch gerecht. Darum kann Paulus sagen: \u201eIn ihm haben wir die Erl\u00f6sung durch sein Blut, die Vergebung der S\u00fcnden nach dem Reichtum seiner Gnade\u201c (Eph 3, 7). Die Antwort auf die Frage, wieso ein s\u00fcndiger Mensch gerecht sein kann, ist also Jesus selbst. Wer mit Blick auf Jesus zu Gott kommt, wer glaubt, da\u00df Jesus f\u00fcr seine S\u00fcnden gestorben ist und Gott um Gnade bittet, der ist gerechtfertigt \u2013 voll und ganz. Kein Wunder also, da\u00df sich an Jesus die Geister schieden und scheiden.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"4\">\n<li><strong>Und wir?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind moderne Menschen, Kinder der Aufkl\u00e4rung. Die Frage, wie wir vor Gott gerecht sein k\u00f6nnen, treibt uns nicht mehr um. Wir haben ein optimistisches Menschenbild, glauben an das Gute im Menschen und k\u00f6nnen uns nicht vorstellen, da\u00df Gott einen Menschen zum ewigen Tod verdammen kann. Wenn \u00fcberhaupt, dann ist Gott f\u00fcr uns zu einer Chiffre f\u00fcr das Gute geworden. In Wirklichkeit aber haben wir ein ganz materialistisches Weltbild. Wir glauben nur, was wir sehen, und demzufolge kann es Gott \u00fcberhaupt nicht geben. Allein schon deshalb ist die Frage nach der Gerechtigkeit vor Gott gegenstandslos. So leben wir in den Tag hinein, und keiner kommt auf den Gedanken, Gott um Gnade zu bitten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollte doch jemand Gott ins Spiel bringen, dann sind wir sofort dabei, ihn f\u00fcr all das B\u00f6se in der Welt verantwortlich zu machen: f\u00fcr die Terrorakte, f\u00fcr Kriege, f\u00fcr das Unrecht, das Menschen einander antun, f\u00fcr Erdbeben und Tsunamis, f\u00fcr Leid und Elend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir argumentieren: Wenn es einen Gott gibt, dann kann er derlei Dinge nicht zulassen, aber die Tatsache, da\u00df all das B\u00f6se geschieht, beweist, da\u00df es keinen Gott gibt. Das B\u00f6se in der Welt \u2013 nun ja, es kommt dann wohl doch vom Menschen. Also regt sich der moderne Mensch auf \u00fcber den Umwelts\u00fcnder, die Atomkraftwerke, die Chemiefabriken, die Waffenschieber, die Amerikaner und vieles andere mehr. Und dann klopft er sich im Stillen auf die Schulter, wenn er Atomstrom verschm\u00e4ht, gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassenha\u00df Stellung bezieht, sanfte Medizin anwendet und zum Gedenken an die Opfer von Gewalttaten eine Kerze anz\u00fcndet. Die Gesellschaft akzeptiert solche Gutmenschen, sie sind \u201ein\u201c, und an einigen Stellen springen sogar steuerliche Vorteile f\u00fcr sie heraus. Kurz, f\u00fcr das t\u00e4gliche Leben ist nicht das Gebot Gottes die Ma\u00dfgabe, sondern das, was die Gesellschaft f\u00fcr richtig h\u00e4lt. Sie erlaubt dem Menschen, seinen Begierden zu folgen, solange er damit seinem N\u00e4chsten nicht schadet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als christliche Kirche indes m\u00fcssen wir gegen\u00fcber dieser modernen Form der Gottlosigkeit wieder von dem Gott sprechen, der sich in der heiligen Schrift und der von ihr berichteten Geschichte offenbart hat. Wir m\u00fcssen an dieser Stelle bedenken, da\u00df trotz anderslautender Theorien Gott als der Sch\u00f6pfer \u00fcber allem steht, der heilige und dreieinige Gott. Er hat auch Dich geschaffen. Er hat Dir Deinen Leib und Dein Leben gegeben. Er gibt Dir das t\u00e4gliche Brot, Gesundheit und Schaffenskraft. Du selbst bist der Beweis daf\u00fcr, da\u00df es Gott gibt. Du magst diesen Beweis verdr\u00e4ngen und sagen: Die Wissenschaft hat doch bewiesen, da\u00df sich die Welt ohne Gott entwickelt hat. Wir aber halten dagegen: Bewiesen hat sie es nicht; sie hat nur eine imposante Theorie aufgestellt, die von vielen geglaubt und den Massenmedien verbreitet wird. Aber im Grund Deines Herzens wei\u00dft Du, da\u00df es die Welt und Dich selbst ohne Gott nicht geben kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann aber steht Gott doch wieder als Sch\u00f6pfer im Raum. Die Konsequenz ist, da\u00df wir ihm dann Rechenschaft schuldig sind. Wie aber reagieren wir auf diese Einsicht? Die meisten von uns denken in gleicher Weise wie der Pharis\u00e4er. Wir tun Werke, von denen wir meinen, da\u00df Gott sie guthei\u00dfen w\u00fcrde. Falls \u00fcberhaupt, dann suchen wir die Gerechtigkeit, die vor Gott gelten soll, bei uns selbst. Dabei beanspruchen wir nicht mehr, Gottes Gesetz erf\u00fcllt zu haben, sondern verweisen auf unser Bem\u00fchen, unser Streben, unseren guten Willen, dem N\u00e4chsten nichts B\u00f6ses zu tun. In unserem Herzen vergleichen wir uns mit anderen, und finden immer noch Stellen, an denen wir uns positiv von ihnen abheben. Oder wir meinen, es w\u00e4re doch ganz in Ordnung, wenn wir uns bem\u00fchen, eine positive Beziehung zu Gott aufzubauen. Das sind ganz menschliche Reaktionsweisen. Sie entsprechen unserem nat\u00fcrlichen Denken, das von der S\u00fcnde und dem Unglauben gekennzeichnet ist. Und wir merken: In uns allen steckt der Pharis\u00e4er, oder sagen wir besser, die Denkweise des Pharis\u00e4ers. Die aber ist falsch, denn Gott ist anders, als wir denken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus lehrt uns mit unserem Gleichnis, da\u00df wir mit unseren guten Taten nicht vor Gott gerecht sind. Das ist so, wie wenn der Lehrer einem Sch\u00fcler, der mit viel M\u00fche und Witz einen Aufsatz geschrieben hat, bescheinigt: Thema verfehlt, ungen\u00fcgend. Es \u00e4rgert uns, weil Gott unser positives Bem\u00fchen, gut und christlich zu sein, f\u00fcr nichts achtet. Wenn wir im Grunde unseres Herzens der Meinung sind, erst unsere Fr\u00f6mmigkeit rette uns, erst unsere Entscheidung oder Bekehrung mache das Heil, erst unser christlicher Lebenswandel, unser tats\u00e4chliches Gutsein, unsere Heiligung sei die Grundlage eines positiven Urteils Gottes \u00fcber uns, dann irren wir. Unsere S\u00fcnde ist viel zu gro\u00df, als da\u00df sie mit menschlicher Leistung ausgeglichen werden k\u00f6nnte. Unsere Trennung von Gott ist so fundamental, da\u00df kein Versuch, eine Beziehung zu Gott aufzubauen, sie \u00fcberbr\u00fccken kann. Unsere Werke sind nutzlos, wenn es darum geht, vor Gott gerecht zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sollten wieder zu dieser ganz realistischen Sicht des Menschen zur\u00fcckkehren. Denn sie \u00f6ffnet uns f\u00fcr die Einsicht, da\u00df wir unser Heil woanders suchen m\u00fcssen. Schauen wir uns dazu das Gebet des Z\u00f6llners an. Es ist ein ganz kurzes Gebet, im Grunde nur ein Hilfeschrei: \u201eGott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig!\u201c Wir sehen hier keine Absage an den Teufel, keine Einladung an Jesus, kein \u00dcbergabegebet, noch nicht einmal eine detaillierte Beichte in Form eine Aufz\u00e4hlung der vielen kleinen und gro\u00dfen S\u00fcnden. Es war rechte Gottesfurcht, die dem Z\u00f6llner die Einsicht gab: Ich bin so durchtrieben und b\u00f6se, da\u00df ich bei Gott nichts verdienen kann. Wenn es einen Weg zum Heil gibt, dann nur, indem Gott bei mir Gnade walten l\u00e4\u00dft. Das aber hei\u00dft: Wir haben nur dann eine Beziehung zu Gott, wenn wir ihn in seinem Sohn Jesus Christus erkennen, und verstehen, da\u00df er uns um seinetwillen gn\u00e4dig ist und unsere S\u00fcnden vergibt. Nur wenn wir durch den Glauben die Gerechtigkeit Jesu Christi haben, haben wir eine rechtsg\u00fcltige Beziehung zu ihm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu aber lade ich Dich ein: Da\u00df Du Dich im Gebet an Gott wendest und ihn bittest, da\u00df er Dir um Christi willen gn\u00e4dig sei. Dieses Gebet ist in sich schon ein Ausdruck des Glaubens. Es ist nicht eine Leistung, eine Bedingung, die Du erf\u00fcllen m\u00fc\u00dftest. Vielmehr darfst Du der Zusage Gottes trauen: \u201eWer den Namen des Herrn anrufen wird, wird gerettet werden\u201c (Apg 2,21). Vielleicht denkst Du, das sei zu simpel, zu wenig, und Du m\u00fc\u00dftest noch mehr tun: Dich erst einmal richtig bekehren, Dein ganzes verkorkstes Leben in Ordnung bringen und noch einmal ganz neu anfangen. Ich will das nicht abwerten, aber das kannst Du nachher tun; das ist allenfalls eine Frucht des Glaubens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht siehst Du auch das ganze Ausma\u00df der S\u00fcnde in Deinem Leben noch nicht. Aber Du siehst, da\u00df Du verloren bist. Darum kehre doch um, rufe Gott an, und suche Deine Hilfe bei ihm. Und dann denke daran: gerade wenn Du keine Bonuspunkte bei Gott vorweisen kannst, dann bete mit dem Z\u00f6llner: \u201eGott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig\u201c und Du darfst vor Gott in der vollkommenen Gerechtigkeit Christi stehen. Um es kurz zu fassen: Entweder wir sind wie die Pharis\u00e4er selbstgerecht und brauchen einen Jesus, der S\u00fcnder gerechtmacht, nicht und sind ohne ihn verloren, oder wir erkennen wie der Z\u00f6llner unsere Verlorenheit, kommen zu Gott im Namen Jesu und haben in ihm die vollkommene Gerechtigkeit Jesu Christi, die Gott uns zurechnet, ohne da\u00df wir es verdienen \u2013 eben weil Gott gn\u00e4dig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<em>Quelle: http:\/\/www.bernhard-kaiser.homepage.t-online.de\/index.php<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9 Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst verma\u00dfen, da\u00df sie fromm w\u00e4ren, und verachteten die anderen, dies Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharis\u00e4er, der andere ein Z\u00f6llner. 11 Der Pharis\u00e4er stand und betete bei sich selbst: Ich danke dir, Gott, da\u00df ich nicht bin [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":76,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[12],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12571"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/76"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12571"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12571\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12575,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12571\/revisions\/12575"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12571"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12571"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12571"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}