{"id":12560,"date":"2015-08-13T10:50:11","date_gmt":"2015-08-13T08:50:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12560"},"modified":"2015-08-13T21:52:40","modified_gmt":"2015-08-13T19:52:40","slug":"antike-homosexualitaet-war-ganz-anders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12560","title":{"rendered":"Antike Homosexualit\u00e4t war ganz anders?"},"content":{"rendered":"<p>1.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem \u201eSymposion\u201c (einem Dialog der fr\u00fchen oder mittleren Periode) l\u00e4sst Platon den Kom\u00f6diendichter Aristophanes sagen: <em>\u201eWenn nun dabei einmal der liebende Teil, der<\/em> <em>Knabenliebhaber sowie alle andern, auf seine wirkliche andere H\u00e4lfte trifft, dann werden sie von wunderbarer Freundschaft, Vertraulichkeit und Liebe ergriffen und wollen, um es kurz zu sagen, auch keinen Augenblick voneinander lassen. Und diese, welche ihr ganzes Leben mit einander zubringen, sind es, welche doch auch nicht einmal zu sagen w\u00fcssten, was sie von einander wollen. Denn dies kann doch wohl nicht die Gemeinschaft des Liebesgenusses sein, um dessen Willen der eine mit dem andern so eifrig zusammen zu sein w\u00fcnscht: sondern nach etwas anderem trachtet offenbar die Seele von beiden, was sie nicht zu sagen vermag, sondern nur ahnend zu empfinden und in R\u00e4tseln anzudeuten.\u201c <sup>1<\/sup> <\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn also zwei \u201ezusammengeh\u00f6rige\u201c sich homosexuell Liebende einander gefunden haben, bleiben sie nach Aristophanes\u2019 Darstellung lebenslang zusammen. Der sexuelle Genuss allein aber erkl\u00e4rt diese Treue nicht, mit der sie so leidenschaftlich verbunden bleiben. Vielmehr deutet Aristophanes sie als innerste Sehnsucht nach eben der Ganzheit, aus der sie einst hervorgegangen seien. \u2013 Nun beschreibt dieser von Aristophanes vorgetragene Mythos vom einst zusammengeh\u00f6rigen und dann geteilten \u201eKugelmenschen\u201c zwar nicht die eigene Sicht Platons. Zweifellos aber muss Aristophanes\u2019 Beitrag zum gro\u00dfen Thema \u201eEros\u201c, um das es im ganzen \u201eSymposion\u201c geht, als Widerspiegelung vorhandener Sehns\u00fcchte und Praktiken seiner Zeit gesehen werden. Homosexuelle Lebensweise und Treue geh\u00f6rten f\u00fcr einige Paare offenbar zusammen.<sup>2 und 3<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und diese Sichtweise wird durch andere Beitr\u00e4ge im Symposion verst\u00e4rkt: <em>\u201eDie Reden von<\/em> <em>Phaedros, Pausanias und Aristophanes in Platons Symposion machen deutlich, dass im antiken Griechenland gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht auf die Aspekte der Domination oder der Unterscheidung von aktiver und passiver Rolle zu reduzieren sind. Hier wird von gegenseitiger, <\/em><em>dauerhafter Liebe gesprochen, die zwar am Anfang die Unterscheidung von Heranwachsendem und Erwachsenem einschlie\u00dft, diese aber notwendig im Laufe der Entwicklung hinter sich l\u00e4sst.\u201c <\/em><sup>4<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00f6glicherweise ist durch den ersten Redebeitrag, den Phaidros h\u00e4lt, ein direkter Zusammenhang zwischen Platons \u201eSymposion\u201c und der um 378 v. Chr. in Theben etablierten und bis 338 v. Chr. bestehenden \u201eHeiligen Schar\u201c gegeben. Dies war eine milit\u00e4rische Elitetruppe, die ausschlie\u00dflich aus m\u00e4nnlichen Liebespaaren bestand, konkret aus 150 Liebhabern und ihren 150 Geliebten.<sup>5<\/sup> Hier haben wir ein konkretes Beispiel f\u00fcr eine gro\u00dfe Zahl von \u2013 wenigstens f\u00fcr einige Zeit \u2013 stabilen homosexuellen Beziehungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eViele gleichgeschlechtliche Paare sind aus der Zeit des antiken Griechenlands \u00fcberliefert. Unter ihnen befinden sich Euripides und Agathon sowie Alexander der Gro\u00dfe und Hephaistion, was jedoch in der historischen Forschung vereinzelt bestritten wurde\u2026\u201c <\/em><sup>6<\/sup>Alle diese \u00dcberlieferungen setzen ebenfalls eine gewisse Best\u00e4ndigkeit der Beziehungen voraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders als in Athen waren in Makedonien auch Liebesbeziehungen zwischen erwachsenen freien M\u00e4nnern f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit gesch\u00e4tzt und akzeptiert. <em>\u201eMakedonien scheint sich in dieser Hinsicht<\/em> <em>nur dadurch vom \u00fcbrigen Griechenland unterschieden zu haben, dass solche Beziehungen l\u00e4nger andauern konnten, als man anderswo f\u00fcr schicklich hielt, und nicht notwendig mit einem Altersgef\u00e4lle zwischen den Partnern verbunden waren.\u201c <\/em><sup>7<\/sup> Mag sich die positive Beurteilung der Beziehung ohne Altersgef\u00e4lle auch dort sp\u00e4ter ge\u00e4ndert haben, darf man doch wohl mit langfristigen Erinnerungen daran und mit \u00dcberresten dieser Haltung rechnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man trifft also auf eine Vielfalt und Vielschichtigkeit der Sexualkonzepte und Sexualpraktiken in der Antike.<sup>8<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige Beispiele au\u00dferhalb des \u201eMainstreams\u201c m\u00f6gen das weiter belegen<em>: \u201eAuch<\/em> <em>mehrj\u00e4hrige erotische Beziehungen unter freien M\u00e4nnern gab es mitunter. Sueton berichtet \u00fcber die Hochzeit Kaiser Neros mit einem Mann namens Sporus (Suet. Nero 28).\u201c <sup>9<\/sup> \u201eSueton berichtet von Kaiser Nero, dass er beim passiven Geschlechtsakt mit dem Freigelassenen Doryphorus die Schreie und das Wimmern einer Jungfrau imitierte. Passiven M\u00e4nnern wurden oft vorgehalten, sich zu sehr um ihr \u00c4u\u00dferes zu k\u00fcmmern, um potentiellen aktiven Partnern zu gefallen. Diese M\u00e4nner werden meist in einem negativen Licht dargestellt. F\u00fcr sie wurde der Begriff kinaidos\/cinaedus angewandt, der aber auch Eunuchen bezeichnen konnte. Es gibt aber auch<\/em><em> andere Beispiele. Wiederum Sueton berichtet, dass sich Kaiser Galba eher zu starken und erfahrenen M\u00e4nnern hingezogen f\u00fchlte. Mehr als einmal wird berichtet, dass Soldaten von h\u00f6heren Offizieren bel\u00e4stigt wurden. [\u2026] Als Julius<\/em> <em>Caesar in Bithynien war, wurde ihm ein Verh\u00e4ltnis zum dortigen K\u00f6nig Nikomedes nachgesagt, was ihm einen schlechten Ruf einbrachte, aber offensichtlich keinerlei rechtliche Folgen hatte. Kaiser Hadrian hatte eine Beziehung zu dem j\u00fcngeren Antinoos, ohne dass dies weiter kritisiert wurde.\u201c <\/em><sup>10<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In welchem Umfang es eine \u201eEheschlie\u00dfung\u201c zwischen Homosexuellen gab (wie von Sueton \u00fcber Nero berichtet), m\u00fcsste n\u00e4her erforscht werden. Jedenfalls wird f\u00fcr das R\u00f6mische Reich auch diese Meinung vertreten: \u201e <em>Die zweite wesentliche Weiterentwicklung war die Ehe zwischen<\/em> <em>Homosexuellen. Eine Eheschlie\u00dfung war ja bedeutend weniger rechtsverbindlicher Vertrag als heute und diente eigentlich nur den Kindern als Nachweis rechtm\u00e4\u00dfiger Nachfahre und damit Erbe zu sein. Trotzdem waren sie in der Oberschicht prunkvolle Feste und dies galt gleicherma\u00dfen auch f\u00fcr die Hochzeit schwuler Partner. Es war aber ganz klar, wer von den beiden den anderen ins \u201ematrimonium ducit\u201c (ins Ehebett zieht) und wer nur \u201enubit\u201c (als Frau geheiratet wird).\u201c <sup>11<\/sup><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Buntheit und Vielschichtigkeit der Sexualkonzepte und Sexualpraktiken in der Antike verbietet eine klare Entgegensetzung zu heutigen Konzepten: \u201ehier ist etwa die Vorstellung zu nennen, nach der moderne homosexuelle Beziehungen <em>in der Regel<\/em> auf Dauer angelegte und auf vollst\u00e4ndiger Gegenseitigkeit beruhende Beziehungen zwischen zwei mehr oder weniger gleichaltrigen Partnern seien, wogegen in der Antike sexuelle Beziehungen praktisch ausschlie\u00dflich durch die Polarit\u00e4t von aktiver \/ dominanter und passiver \/ untergeordneter Rolle gekennzeichnet gewesen seien. Dagegen sprechen etwa solche biblischen Texte, die die Beziehung zwischen Liebenden in einer Art schildern, die sich nicht ins Schema der genannten Polarit\u00e4t einf\u00fcgen l\u00e4sst (z.B. Jakob und seine Frauen; Hoheslied). Diese Texte beziehen sich zwar auf heterosexuelle Beziehungen, aber das in ihnen dokumentierte Vorhandensein \u201emoderner\u201c Gef\u00fchlsaspekte legt die Annahme nahe, dass im Prinzip mit solchen Aspekten auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen in der Antike zu rechnen ist. Positive Hinweise in dieser Richtung finden sich auch in der Literatur des Umfelds Israels\u2026\u201c <sup>12<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage nach den speziellen Formen der (sp\u00e4ter so genannten) Homosexualit\u00e4t zur Zeit des Apostels Paulus liegt biblisch gesehen freilich au\u00dferhalb der aktuellen Kernfrage nach einer verantwortlichen ethisch-theologischen Entscheidungsbildung zur praktizierten Homosexualit\u00e4t. Vielmehr ist es eine ganz grunds\u00e4tzliche und sch\u00f6pfungstheologisch begr\u00fcndete Aussage, wenn Paulus schreibt: <em>Darum hat sie Gott auch dahingegeben in entehrende Leidenschaften. Denn ihre<\/em> <em>Frauen haben den nat\u00fcrlichen Gebrauch vertauscht mit dem widernat\u00fcrlichen; gleicherweise haben auch die M\u00e4nner den nat\u00fcrlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind gegeneinander entbrannt in ihrer Begierde und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den verdienten Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfangen. <\/em>(R\u00f6m 1,26f)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus d\u00fcrfte von der damaligen Pluralit\u00e4t der Sexualkonzepte allerhand gewusst und gesehen haben. Vor allem aber kannte er die heiligen Schriften. Und aus denen geht klar hervor: Praktizierte Homosexualit\u00e4t widerspricht dem biblischen Menschenbild, dem Sch\u00f6pfungsauftrag, dem Heiligkeitsdenkens Israels, der alttestamentlichen Weisheitslehre \u00fcber die Ehe. Und von den Schriften des Paulus her d\u00fcrfen wir von der \u201erein platonischen Liebe\u201c beschreibt nicht wirklich Platons Sichtweise. Vielmehr propagiert er den Aufstieg vom konkreten und verg\u00e4nglichen Sinnesobjekt (Sexualpartner) zum philosophischen Erkenntnisstreben. \u201eEs beinhaltet einen philosophischen Erkenntnisweg, einen Aufstieg, der vom Besonderen zum Allgemeinen, vom Vereinzelten zum Umfassenden f\u00fchrt. Der Liebende richtet den erotischen Drang im Lauf seines gestuften Erkenntnisprozesses auf immer umfassendere, allgemeinere, h\u00f6herrangige und daher lohnendere Objekte. Der Weg beginnt mit der spontanen Begierde nach einem einzelnen sch\u00f6nen K\u00f6rper und endet mit dem w\u00fcrdigsten Ziel, der Wahrnehmung des nur geistig erfassbaren \u201eSch\u00f6nen an sich\u201c. Mit dieser \u201eSchau\u201c des absolut Sch\u00f6nen erreicht die Sehnsucht des Erotikers ihre Erf\u00fcllung.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Anfang beim konkreten Sexualbegehren bleibt entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung f\u00fcr die urspr\u00fcngliche \u201ePlatonischen Liebe\u201c also \u2013 jedenfalls nach dem \u201eSymposion\u201c \u2013 durchaus bestehen. hinzuf\u00fcgen: sie widerspricht der neutestamentlichen Ethik und der Christusmystik der Ehe. Wenn Paulus nun in R\u00f6mer 1,26 von gleichgeschlechtlicher Sexualpraxis als \u201egegen die Natur\u201c (<em>para physin<\/em>) spricht, dann ist das eine generelle Absage an gelebte Homosexualit\u00e4t. Paulus denkt hier wie die Stoa, deren Lasterkataloge deshalb auch vom Neuen Testament genutzt werden konnten: in einem Naturrechtsparadigma von <em>secundum naturam<\/em> bzw. <em>contra naturam vivere<\/em> (gem\u00e4\u00df bzw. gegen die Natur leben). Im biblischen Verst\u00e4ndnis ist dabei \u201enat\u00fcrlich\u201c bzw. der Natur gem\u00e4\u00df <em>nicht einfach das, was tats\u00e4chlich in der Natur vorkommt, sondern das, was der Natur der gottgewollten Sch\u00f6pfung entspricht.\u201c <\/em><sup>13<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus begr\u00fcndet die Ablehnung der homosexuellen Praxis also nicht mit einer Verirrung innerhalb der homosexuellen Praxis &#8211; wie dem Gebrauch von Minderj\u00e4hrigen, Gewalt, Prostitution oder kultischen Handlungen -, sondern mit der homosexuellen Praxis selbst: sie ist gegen die Sch\u00f6pfungsordnung gerichtet.<sup>14<\/sup> P. Sanders stellt fest, Paulus verurteile in R\u00f6m 1,26f. <em>\u201em\u00e4nnliche wie weibliche Homosexualit\u00e4t rundheraus und<\/em> <em>unterschiedslos\u201c <\/em><sup>15<\/sup> Und wenn ein neuerer Vorschlag (J.E. Miller , R.B. Ward) die \u00bbNatur\u00ab der geschlechtlichen Vereinigung bei Paulus vor allem in der Zeugung neuen Lebens sieht und \u00bbgegen die Natur\u00ab entsprechend in dem grunds\u00e4tzlichen Fehl en dieser Aufgabe von Sexualit\u00e4t bei homosexuellen Praktiken, dann begr\u00fcndet diese Sicht die grundlegende Ablehnung der Homosexualit\u00e4t nur unter einem speziellen Aspekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wolfhart Pannenberg fasst die biblischen Aussagen so zusammen: <em>\u201eIn der Gesamtheit des biblischen Zeugnisses wird also praktizierte<\/em> <em>Homosexualit\u00e4t ausnahmslos zu den Verhaltensweisen gerechnet, in denen die Abwendung des Menschen von Gott besonders eklatant zum Ausdruck kommt. Dieser Befund setzt dem Urteil einer an die Autorit\u00e4t der Schrift gebundenen Kirche zum Thema der Homosexualit\u00e4t sehr enge Grenzen, zumal die biblischen Aussagen zu diesem Thema das negative Gegenst\u00fcck zu den positiven Anschauungen \u00fcber die sch\u00f6pfungsgem\u00e4\u00dfe Bestimmung des Menschen in seiner Sexualit\u00e4t bilden, sodass es sich also keineswegs um marginale Urteile handelt, die ohne Schaden f\u00fcr die christliche Botschaft im ganzen vernachl\u00e4ssigt werden k\u00f6nnten. Die biblischen Aussagen \u00fcber Homosexualit\u00e4t lassen sich auch nicht dadurch relativieren, dass man sie als Ausdruck einer f\u00fcr den modernen Menschen \u00fcberholten kulturgeschichtlichen Situation betrachtet. Es handelt sich hier ja gerade um ein Thema, bei dem die biblischen Zeugnisse schon urspr\u00fcnglich ganz bewusst den in ihrer kulturellen Umwelt herrschenden Auffassungen entgegentraten, und zwar um des Glaubens an den Gott Israels willen hinsichtlich der von ihm dem Menschen bei seiner Sch\u00f6pfung verliehenen Bestimmung.\u201c <sup>16<\/sup><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">10.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage nach den speziellen (und Paulus sicher nicht unbekannten) Formen der Homosexualit\u00e4t in der griechisch-r\u00f6mischen Antike ist zu einem (eigentlich unn\u00f6tigen- s.o.!) Nebenkampfplatz in der theologischen Kontroverse geworden. H\u00e4ufig wird genau damit argumentiert, dass die damaligen Formen mit der heutigen Praxis verbindlich gelebter Partnerschaften nichts gemein h\u00e4tten. Und folglich k\u00f6nne man R\u00f6m 1,26f eben gar nicht auf heutige Lebenspartnerschaften beziehen. &#8211; So verbreitet z.B. \u201eBrot f\u00fcr die Welt <em>\u201c: \u201edas was mit \u201aHomosexualit\u00e4t\u2018 in der Moderne begriffen wird \u2013 der Begriff begegnet erst in der 2. H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts im Gegen\u00fcber zum ebenfalls modernen Begriff der Heterosexualit\u00e4t \u2013, ist weder in den wenigen in Frage kommenden biblischen Passagen, noch in schriftlichen oder bildnerischen Zeugnissen der gesamten Antike gemeint. In antiken Texten geht es um homosexuelle P\u00e4derastie (Griechenland) oder um homosexuelle Vergewaltigung (Rom).\u201c <\/em><sup>17<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und hinsichtlich der Afrikanischen Kirchen, die einer solchen theologischen Neubewertung der Homosexualit\u00e4t nicht folgen wollen, erf\u00e4hrt man auch gleich noch, dass ihre Haltung nicht wirklich theologisch-hermeneutisch, sondern kolonialgeschichtlich begr\u00fcndet ist: <em>\u201eIn der Auseinandersetzung geht es in erster Linie nicht um<\/em> <em>bibelhermeneutische Fragen, sondern um interne (vgl. in Afrika auch evangelikale und pfingstliche Konkurrenz) und externe Aushandlungsprozesse vor dem Hintergrund eines rapiden Kulturwandels unter dem Sog der Moderne in Afrika einerseits und der kolonialgeschichtlich begr\u00fcndeten Abwehr missionarisch- paternalistischer Bevormundungsattit\u00fcden des Nordens andererseits.\u201c <\/em><sup>18<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wunsch und Wirklichkeit liegen hier deutlich auseinander. Die historischen Quellen lassen im antiken Griechenland und Rom keinesfalls nur die Knabenliebe und die Gewalt-und Prostitutionsform der Homosexualit\u00e4t erkennen. Das exegetisch-hermeneutische \u201eSchlupfloch\u201c von der damaligen ablehnenden Sicht der Homosexualit\u00e4t hin zu einer positiven Sicht aufgrund einer aktuell ganz anderen Homosexualit\u00e4t gibt es nicht. Und die Bibeltreue der meisten afrikanischen Kirchen ist sehr wohl das Hauptmotiv ihrer Resistenz gegen\u00fcber dem europ\u00e4ischen Liberalismus. <sup>19<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Paulus seine Meinung zur Homosexualit\u00e4t aufgrund der biblischen Schriften und aus der j\u00fcdischen Tradition und Perspektive gewonnen hat (und nat\u00fcrlich nicht aufgrund humanwissenschaftlicher oder soziologischer Theorien), ist unbestritten. Dass die afrikanischen Kirchen und die Ostkirchen ihre Ma\u00dfst\u00e4be daf\u00fcr heute ebenfalls noch den biblischen Schriften entnehmen, ist ebenso klar. &#8211; Warum sollte man auch nicht einen festen Ma\u00dfstab inmitten der wechselnden Theorien haben? Warum nicht seiner Zeit und ihrem \u201eGeist\u201c durch den Heiligen Geist um einiges voraus sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Chance besteht sogar in Deutschland!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bad Elster, 1.8.2015<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anmerkungen:\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Platon: S\u00e4mtliche Werke. Band 1, Berlin 1940, S. 6 83f 2.3 F\u00fcr Platon selbst geh\u00f6rten \u00fcbrigens Knabenliebe und Philosophie bleibend zusammen. Die sp\u00e4tere Vorstellung Der Anfang beim konkreten Sexualbegehren bleibt entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung f\u00fcr die urspr\u00fcngliche \u201ePlatonischen Liebe\u201c also \u2013 jedenfalls nach dem \u201eSymposion\u201c &#8211; durchaus bestehen.<\/li>\n<li>Von der \u201erein platonischen Liebe\u201c beschreibt nicht wirklich Platons Sichtweise. Vielmehr propagiert er den Aufstieg vom konkreten und verg\u00e4nglichen Sinnesobjekt (Sexualpartner) zum philosophischen Erkenntnisstreben. \u201eEs beinhaltet einen philosophischen Erkenntnisweg, einen Aufstieg, der vom Besonderen zum Allgemeinen, vom Vereinzelten zum Umfassenden f\u00fchrt. Der Liebende richtet den erotischen Drang im Lauf seines gestuften Erkenntnisprozesses auf immer umfassendere, allgemeinere, h\u00f6herrangige und daher lohnendere Objekte. Der Weg beginnt mit der spontanen Begierde nach einem einzelnen sch\u00f6nen K\u00f6rper und endet mit dem w\u00fcrdigsten Ziel, der Wahrnehmung des nur geistig erfassbaren \u201eSch\u00f6nen an sich\u201c. Mit dies er \u201eSchau\u201c des absolut Sch\u00f6nen erreicht die Sehnsucht des Erotikers ihre Erf\u00fcllung.\u201c <u>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Symposion_(Platon)<\/u><sup>\u00a0<\/sup><\/li>\n<li>siehe 2<\/li>\n<li>Markus Zehnder, Art. Homosexualit\u00e4t (AT), in: Wibil ex<\/li>\n<li>Nach Kenneth J. Dover: Homosexualit\u00e4t in der griec h. Antike, M\u00fcnchen 1983, S. 192. Sieh auch: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heilige_Schar_(Theben<\/li>\n<li>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Homosexualit%C3%A4t_im_antiken_Griechenland<sup>\u00a0<\/sup><\/li>\n<li>Hans-Ulrich Wiemer: Alexander der Gro\u00dfe. M\u00fcnchen 20 05, S. 75<\/li>\n<li>Siehe: Kenneth J. Dover: Greek Homosexuality, London 1978; dt.: Homosexualit\u00e4t in der griech. Antike, M\u00fcnchen 1983. Thomas K. Hubbard: Homosexuality in Greece and Rome. A Sourcebook on basic Documents in Translation, Los Angeles 2003. Harald Patzer: Die griechische Knabenliebe (Sitzungsberichte der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt a. M, Bd. 29, 1), Wiesbaden 1982. Andreas Karsten Siems (Hg.): Sexualit\u00e4t und Erotik in der Antike (Wege der Forschung, Bd. 605), 2. Auflage, Darmstadt 1994<\/li>\n<li>http:\/\/www.bibelwissenschaft.de\/wibilex\/das-bibellexikon\/lexikon\/sachwort\/anzeigen\/details\/homosexualitaet- nt\/ch\/9e7b23d1dddd86498fe7b59b4e673706\/<\/li>\n<li>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Homosexualit%C3%A4t_im_R%C3%B6mischen_Reich<\/li>\n<li>http:\/\/www.mysexuality.info\/F4b4b_pag1.html<\/li>\n<li>Markus Zehnder, Art. Homosexualit\u00e4t (AT), Wibilex<\/li>\n<li>TRE 31, S. 211, Zeile 231f.<\/li>\n<li>Als Sch\u00f6pfungstheologie stehen die Aussagen zudem im Kontext der Weisheit damaliger Zeit. Im Buch Weisheit 14,26 f hei\u00dft es \u00fcber die heidnische Welt: <em>\u201eEs herrscht Umkehrung der Werte, undankbare Vergesslichkeit, Befleckung der Seelen,<\/em> <em>widernat\u00fcrliche Unzucht, Zerr\u00fcttung der Ehen, Ehebruch und Z\u00fcgellosigkeit. Die Verehrung der namenlosen G\u00f6tzenbilder ist aller \u00dcbel Anfang, Ursache und H\u00f6hepunkt.\u201c <\/em>Die eigentliche S\u00fcnde ist der Abfall von Gott, der alle anderen \u00dcbel nach sich zieht, auch die Verkehrung des Verhaltens im sexuellen Bereich. Daran kann Paulus ankn\u00fcpfen.<\/li>\n<li>Ed P. Sanders: Paul, Oxford 1991; dt.: Paulus. Eine Einf., Stuttgart 1995, S.147.<\/li>\n<li>Pannenberg, Wolfhart: Ma\u00dfst\u00e4be zur kirchlichen Urteilsbildung \u00fcber Homosexualit\u00e4t, http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2198<\/li>\n<li><u>https:\/\/info.brot-fuer-die-welt.de\/sites\/default\/files\/blog-downloads\/Homosexualitaet_im_Widerstreit.pdf <\/u><\/li>\n<li>Ebenda.<\/li>\n<li>Freilich sind mir nur Ausschnitte aus der Debatte bekannt. Aufgrund meiner engen verwandtschaftlichen Beziehungen nach Tansania und Nigeria und aufgrund freundschaftlicher Beziehungen nach Kenia und S\u00fcdafrika ist mir aber kein einziges Mal eine andere und anders begr\u00fcndete Sicht begegnet als die: wir sind schockiert \u00fcber die unbiblische Haltung vieler europ\u00e4ischer Kirchen!<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. In seinem \u201eSymposion\u201c (einem Dialog der fr\u00fchen oder mittleren Periode) l\u00e4sst Platon den Kom\u00f6diendichter Aristophanes sagen: \u201eWenn nun dabei einmal der liebende Teil, der Knabenliebhaber sowie alle andern, auf seine wirkliche andere H\u00e4lfte trifft, dann werden sie von wunderbarer Freundschaft, Vertraulichkeit und Liebe ergriffen und wollen, um es kurz zu sagen, auch keinen Augenblick [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":339,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12560"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/339"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12560"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12560\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12562,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12560\/revisions\/12562"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12560"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12560"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12560"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}