{"id":12442,"date":"2015-07-10T15:37:03","date_gmt":"2015-07-10T13:37:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12442"},"modified":"2015-07-11T12:59:41","modified_gmt":"2015-07-11T10:59:41","slug":"der-evangelistische-auftrag-der-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12442","title":{"rendered":"Der evangelistische Auftrag der Kirche"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Es liegt ein Auftrag vor, ein Befehl, und zwar von allerh\u00f6chster Stelle. Der Allerh\u00f6chste, der Chef des Universums, hat von sich gesagt: \u201eMir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und macht zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe.\u201c (Mt 28,18-20). Das ist der sogenannte Missionsbefehl. Ein Befehl ist kein Diskussions-gegenstand. Die einzige angemessene Form einem Befehl gegen\u00fcber ist der Gehorsam.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Der Befehl<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stellen Sie sich einmal folgendes vor: Der oberste Befehlshaber irgendwelcher Streitkr\u00e4fte hat einen Befehl erlassen. Daraufhin tritt erst einmal der Generalstab zusammen und pr\u00fcft Inhalt, Unterschrift, Faxnummer und Absender. Da einige Gener\u00e4le der Meinung sind, dass der Befehl aus bestimmten Gr\u00fcnden nicht vom Generalstabschef erlassen worden sein kann, entspinnt sich nun eine Diskussion dar\u00fcber, wer oder welche Gruppe f\u00fcr diesen Befehl urs\u00e4chlich verantwortlich ist und mit welcher Absicht er formuliert wurde. Jedenfalls wird der Befehl nicht ausgef\u00fchrt und nicht weiter nach unten durchgestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4ter gelangen einige Exemplare davon auch auf die Stuben der Mannschaften; auch dort werden sie diskutiert. Auch hier kommt man zu dem Ergebnis, dass es nicht n\u00f6tig ist, den Befehl auszuf\u00fchren, weil<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>die Autorenschaft nicht gekl\u00e4rt ist,<\/li>\n<li>man als Fu\u00dfsoldat ohnehin schon genug zu tun hat und<\/li>\n<li>bei den sonnt\u00e4glichen Appellen von den Vorgesetzten nie \u00fcber das Thema gesprochen worden ist.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie verstehen, was ich mit diesem Gleichnis sagen will: Jesus, der Herr, hat einen Befehl erteilt. Der Generalstab, also die Theologen, haben sich zusammengesetzt und den Text untersucht. Dabei haben sie festgestellt, dass er in der vorliegenden Form jedenfalls nicht von Jesus stammen kann. Sie haben \u00fcber den Autor und seine Motive Erl\u00e4uterungen verfasst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christen an der Basis haben zwar von der Existenz dieses Befehls geh\u00f6rt, sind aber der Meinung, dass sie schlie\u00dflich genug anderes zu tun haben. Au\u00dferdem glauben sie, dass die Sache ohnehin deswegen nicht so wichtig ist, weil sie in der sonnt\u00e4glichen Verk\u00fcndigung noch nie etwas von diesem Befehl geh\u00f6rt haben. Oder haben Sie vielleicht in den letzten Gottesdiensten in Ihren Gemeinden, die Sie zu Hause besuchen, irgendwann in den letzten Jahren \u00fcberhaupt einmal eine Predigt \u00fcber den Missionsbefehl geh\u00f6rt oder gar selber gehalten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die Fortsetzung allerdings haben wir viele Predigten zu h\u00f6ren bekommen: \u201eSiehe, ich bin bei euch alle Tage\u201c (Mt 28,20). Dabei wird allerdings in den meisten F\u00e4llen \u00fcbersehen, dass dieses Wort nicht zu denen gesprochen worden ist, die ungehorsam zu Hause hocken geblieben sind, sondern dass diese Verhei\u00dfung denen gilt, die sich gehorsam aufgemacht und die Verlorenen nach Hause gerufen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem ich nun den vorgestellt und gesagt habe, dass Gehorsam die einzig angemessene Reaktion auf einen Befehl ist, habe ich das Thema eigentlich erf\u00fcllt und bin mit meinem Referat fertig. Dennoch werde ich noch einige Zusatzbemerkungen anschlie\u00dfen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Ein Blick in die Geschichte <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es haben sich schon enorm viele Versammlungen \u00fcber den Missionsbefehl Gedanken gemacht; wir hier sind eine davon. Deshalb w\u00e4re es naheliegend, einmal zu sammeln, was andere \u00fcber den Missionsbefehl gedacht, geschrieben oder gesagt haben. Aber wenn wir damit anfangen, finden wir kein Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist von vielen guten Leuten viel Gutes gesagt worden. Aus Dokumenten und B\u00e4nden von hochrangigen Konferenzen haben wir massenhaft zitierf\u00e4higes Material. Wir haben theologisch korrekte Aussagen, wir haben fantastische Erkenntnisse und herrliche Praxismodelle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber genau das ist das Problem: Statt zu zitieren sollen wir praktizieren. Wir begn\u00fcgen uns mit Zitaten statt mit Taten. Denn, ich wiederhole: Die einzig angemessene Reaktion auf einen Befehl ist der Gehorsam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gehorsam war die Kirche bis jetzt dem Missionsbefehl?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu hilft ein kleiner Blick in die Statistik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind auf dieser Erde etwas \u00fcber sieben Milliarden Menschen. Etwas mehr als zwei Milliarden sind Christen; das sind etwa 33,5 % der Weltbev\u00f6lkerung. Das h\u00e4lt sich immer so etwa gleich. Der Rest \u2013 das sind immerhin etwa f\u00fcnf Milliarden! \u2013 glaubt nicht an Jesus. 1,5 Milliarden Menschen haben den Namen Jesus \u00fcberhaupt noch nie geh\u00f6rt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist nach 2000 Jahren christlicher Kirchengeschichte ein ziemlich kl\u00e4gliches Ergebnis. Das ist eine Bilanz des Ungehorsams und des Versagens. Die fehlende Mission ist der Verrat der Christen an der Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst dort, wo in der Kirche besonders viel vom Heiligen Geist gesprochen wird, wird vergessen, dass der Heilige Geist eine zweckbestimmte Gabe Gottes ist, der in erster Linie f\u00fcr die \u00e4u\u00dfere Mission gegeben worden ist. In der Apostelgeschichte Kap. 1 hei\u00dft es: \u201eIhr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Jud\u00e4a und Samarien bis an das Ende der Erde (Apg. 1,8).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus will also vor allem zuerst die Judenmission.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Die Sache mit der Judenmission<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manfred Kock, ehemals Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat am Israel-Sonntag im Jahre 2000 gefragt: \u201eZu wem und zu was wollen wir Christen denn Juden bekehren?\u201c Darauf k\u00f6nnen wir nur antworten: \u201eZu Jesus, dem Sohn Gottes, Herr Bischof!\u201c An Jesus vorbei kommt niemand in das Reich Gottes. Der hat zu den Juden gesagt: \u201eWenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, werdet ihr sterben in euren S\u00fcnden!\u201c (Joh 8,24).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedem Bibelleser, der dem Wort der Bibel glaubt, muss die \u00c4u\u00dferung des Bischofs schwer auf den Magen schlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum schlage ich vor, dass wir uns nicht mehr l\u00e4nger mit den geistlosen \u00c4u\u00dferungen eines oberen Geistlichen der EKD befassen, sondern mit den \u00c4u\u00dferungen unseres Herrn, wo Er vom Heiligen Geist redet. Ich erinnere noch einmal an Apg 1,8.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus will also die Judenmission.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sa\u00df einmal mit einem Juden zusammen am Fr\u00fchst\u00fcckstisch. Wir unterhielten uns \u00fcber die Predigt, die ich am Abend vorher gehalten hatte. Anfangs war es noch recht friedlich, aber allm\u00e4hlich schlugen die Wellen immer h\u00f6her. Dann sagte er schlie\u00dflich: \u201eDas ist doch eine Frechheit und eine Beleidigung von euch, dass ihr uns bekehren wollt! Wir haben die Thora, wir haben den direkten Zugang zum Vater.\u201c Ich wies darauf hin, dass im Joh.-Evangelium steht: \u201eJesus sagt: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich\u201c (Kap. 14,6). Daraufhin belehrte er mich: \u201eDas ist zu den Heiden gesagt. Das gilt f\u00fcr euch, damit ihr auch am Heil teilnehmen k\u00f6nnt.\u201c Mein Einwand lautete: \u201eAllerdings hat das der Jude Jesus zu den Juden gesagt.\u201c Darauf antwortete mein Gespr\u00e4chspartner mit einem Hinweis auf die Unklarheit des Neuen Testaments. Man w\u00fcsste ja nicht, wer da alles mitgeschrieben h\u00e4tte. Eigentlich kann man in einem solchen Fall ohnehin nicht mehr weiterdiskutieren. Aber er berief sich noch auf das Bild vom \u00d6lbaum. Das sage aus, dass die Juden die Wurzel seien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber das stimmt nicht. Denn die Wurzel ist die Erw\u00e4hlung und die Verhei\u00dfung Gottes. Aus dieser Erw\u00e4hlung und der Verhei\u00dfung erw\u00e4chst ein Baum; der besteht aus Zweigen, die ausgebrochen und die eingepfropft worden sind. In Offb 22 sagt Jesus ganz deutlich: \u201eIch bin die Wurzel und das Geschlecht Davids\u201c (Offb 22,16).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schwierigkeiten, mit einem Juden \u00fcber Jesus zu diskutieren, sind riesengro\u00df. Es hat einige Leute, wie zum Beispiel Jesus selbst, das Leben gekostet und Paulus jede Menge Pr\u00fcgel eingebracht. Dar\u00fcber hinaus ist es rein taktisch sehr die Frage, ob es g\u00fcnstig ist, wenn Deutsche in Israel evangelisieren w\u00fcrden. Es gibt in den K\u00f6pfen vor allem der jungen Israelis eine Gleichung, die lautet: \u201eEin Deutscher ist ein Christ, und ein Christ ist ein Nazi.\u201c Das ist eben so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wenn es ein Volk gibt, das mehr als alle anderen zur Mission und zum Christuszeugnis verpflichtet ist, gerade auch den Juden gegen\u00fcber, dann ist es das deutsche Volk. Das gilt vor allem wegen der Leiden, die wir dem Volk der Juden zugef\u00fcgt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Judenmission zu sein, bedeutet ja nicht nur, in Israel als Prediger aufzutreten, sondern t\u00e4glich f\u00fcr die Errettung Israels zu beten. Das t\u00e4gliche Gebet f\u00fcr Israel geh\u00f6rt meines Erachtens zur t\u00e4glichen Praxis eines jeden Christen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im \u00dcbrigen finde ich es \u00e4u\u00dferst merkw\u00fcrdig, wer alles heutzutage in Deutschland gegen die Judenmission auftritt. In Deutschland ist man gegen etwas, das ohnehin niemand tut oder getan hat. Wer treibt denn in Deutschland Judenmission oder hat sie vorangebracht? Der Kampf mancher Leute, die sich so energisch gegen die Judenmission aussprechen, kommt mir ziemlich heuchlerisch vor. Das w\u00e4re etwa so, wenn ich, der ich von Fu\u00dfball nichts verstehe, noch nie bei einem Fu\u00dfballspiel gewesen bin und mir auch nie ein Fu\u00dfballspiel weder im Fernsehen noch im Original anschauen werde, daf\u00fcr pl\u00e4dieren w\u00fcrde, dass ein bestimmter deutscher Sender die Fu\u00dfballmeisterschaften nicht \u00fcbertragen darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Die Weltmission<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit die Christen in die Welt gehen, hat Jesus ihnen einen bestimmten Kraftstoff gegeben, und das ist der Heilige Geist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe bei manchen Christen den Eindruck, dass der Heilige Geist f\u00fcr sie nur dazu da ist, damit sie selber besser vorw\u00e4rts kommen: Um bessere Christen zu werden, um bessere Erkenntnisse oder Erfahrungen zu gewinnen. Das ist nicht alles verwerflich. Aber es stimmt etwas nicht, wenn der Heilige Geist f\u00fcr alles M\u00f6gliche in Anspruch genommen wird, blo\u00df nicht f\u00fcr das, wozu er in erster Linie gegeben worden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Heilige Geist ist eine zweckbestimmte Gabe Gottes. Es ist eine Veruntreuung von Gottes Gabe, wenn er, der vor allem zum Zweck der Mission gegeben worden ist, nur zum Aufbereiten des eigenen geistlichen Images gebraucht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus hat den Heiligen Geist nicht mit dem Stempel versehen, der in der DDR-Zeit auf jedes kirchliche Dokument gesetzt werden musste: \u201eNur f\u00fcr den innerkirchlichen Dienstgebrauch!\u201c Nein, sondern Er hat den Heiligen Geist extra mit dem Stempel versehen: \u201eF\u00fcr den au\u00dferkirchlichen Dienst, f\u00fcr den Au\u00dfendienst, f\u00fcr die Weltmission!\u201c \u201eIhr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und bis ans \u00e4u\u00dferste Ende der Erde gehen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um bis an das \u00e4u\u00dferste Ende der Erde zu gehen, ist mehr Kraft n\u00f6tig als ein bisschen Abenteuerlust. Die Abenteuerlust verdampft schnell, wenn man in ein Land kommt, dessen Sprache man nicht versteht und die man erst erforschen muss, oder wenn man erst sein Haus selber bauen muss, das nach ein paar Jahren die Ameisen wieder zerfressen, wenn man die ganze Zeit mit der Familie leben muss ohne Wasser aus der Wand, ohne Strom, ohne Komfort, ohne medizinische Betreuung, in extremer Hitze und K\u00e4lte, gequ\u00e4lt von wilden Tieren und Moskitos und dergleichen mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vielen Missionare und ihre Frauen, die buchst\u00e4blich bis an die Enden der Erde gefahren, bis zum letzten Winkel und ins finsterste Heidentum eingedrungen sind, sind f\u00fcr mich die wahren Charismatiker und die wahren Helden der deutschen Nation. Das waren M\u00e4nner und Frauen, die erf\u00fcllt waren von der Kraft des Heiligen Geistes. Sie hatten nur ein einziges Ziel, n\u00e4mlich dass der Name Jesu allen V\u00f6lkern bekannt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gestatten Sie mir, an dieser Stelle auch etwas Pers\u00f6nliches zu sagen. Zu diesen wahren Helden z\u00e4hle ich auch meine Eltern, die im Dienste der Mission in Indien gestanden haben. Dort hat meine Mutter einen Sohn verloren und eine Fehlgeburt gehabt, bis schlie\u00dflich wieder ein Kind geboren wurde. Sie verlor in dieser m\u00f6rderischen Hitze ihre Gesundheit. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt ja noch keine \u201eair condition\u201c oder Wasserflaschen, das, was f\u00fcr uns heute Gang und G\u00e4be ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst der J\u00fcngste Tag wird einmal offenbar machen, wie viel Leid, Tr\u00e4nen, Opfer, Angst und K\u00e4mpfe es alle diese Missionare und ihre Frauen gekostet hat, den Heiden das Evangelium zu predigen \u2013 von der Welt unbeachtet, von vielen verachtet, heute noch von vielen Leuten, die keine Ahnung von Mission haben, als Kolonialistenknechte verspottet und geschm\u00e4ht! Aber ich wiederhole es: Das waren die wahren Charismatiker und Helden der Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Zur Mission in Deutschland<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der internationalen Statistik haben die Norweger die meisten Missionare; danach folgen die Schweiz, Schweden und Amerika. Ziemlich am Ende der Statistik erscheint Deutschland, das Land der Reformation. Wir sind eine der reichsten Kirchen der Welt mit dem gr\u00f6\u00dften Mundwerk und der anspruchsvollsten Theologie, aber im Hinblick auf die Mission l\u00e4uft fast gar nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch vor f\u00fcnfzig Jahren gab es mehrere kirchliche Ausbildungsst\u00e4tten f\u00fcr Missionare. Die sind inzwischen fast alle verschwunden. Meines Wissens gibt es nur noch in der L\u00fcneburger Heide die Hermannsburger Mission. Ansonsten ist die Weltmission eine Dom\u00e4ne der Evangelikalen oder Pietisten geworden. Die haben sich in der Arbeitsgemeinschaft der Evangelikalen Missionen (AEM) zusammengeschlossen und verf\u00fcgen \u00fcber 2.400 Mitarbeiter. J\u00e4hrlich wird ein Katalog herausgegeben, dass noch mehr Mitarbeiter ben\u00f6tigt werden. \u00dcber 400 freie Stellen sind zu besetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meiner Heimat in Sachsen gab es einmal f\u00fcnf Evangelisten, die in der Kirche angestellt waren. Einer nach dem anderen ging in den Ruhestand oder verstarb. Ich machte mich eines Tages zum Bischof nach Dresden auf den Weg, um ihn zu fragen, wie es denn mit unserem Arbeitszweig weitergehen solle. Hat die s\u00e4chsische Kirche einen Plan oder eine Perspektive, was werden soll, oder stirbt die Evangelisation bei uns aus? Der Bischof wusste nichts zu sagen \u2013 und die Evangelisation ist ausgestorben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war dann der einzige Evangelist; und mein Nachfolger Lutz Scheufler ist inzwischen entlassen worden, weil er sich gegen den Bischof wegen des Zusammenlebens der homosexuellen Paare im Pfarrhaus ausgesprochen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist klar, dass man sich in Deutschland dar\u00fcber Gedanken gemacht hat, wie man diese Stellen besetzen kann. Wie kann man vor allem junge Leute dazu bewegen, sich bei Mission und Evangelisation zu beteiligen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor einigen Jahren gab es einen Kongress zu diesem Thema. Es sollte das Interesse der jungen Leute f\u00fcr Weltmission geweckt werden. Es wurde gefordert, dass man mehr auf die Bed\u00fcrfnisse der jungen Christen eingehen m\u00fcsse. Es ging allerdings nicht um die Bed\u00fcrfnisse der Verlorenen, sondern um die Bed\u00fcrfnisse derer, die sich als Retter zur Verf\u00fcgung stellen sollen und der Motivation bed\u00fcrfen. Ein Jugendlicher sagte sogar: \u201eNur \u00fcber die Erlebnisschiene ist es \u00fcberhaupt m\u00f6glich, Jugendliche f\u00fcr die Mission zu begeistern.\u201c Einer forderte, dass die missionarischen Werke auch f\u00fcr die Jugendlichen offen sein sollten, die noch nicht genau wissen, was sie glauben. Das hei\u00dft nichts anderes, als die B\u00f6cke zum G\u00e4rtner zu machen. Die Missionare wurden aufgefordert, auf die Jugendlichen zuzugehen. Sie m\u00fcssten sp\u00fcren, dass die Missionare von ihrer Arbeit begeistert sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber hier wird das Pferd von hinten aufgez\u00e4umt, und ich bezweifle, dass auf diese Art und Weise \u00fcberhaupt Mitarbeiter f\u00fcr die Mission und Evangelisation gewonnen werden k\u00f6nnen. Es ist zum Verzweifeln, wo wir mit unserer Praxis und unseren Argumenten gelandet sind! Da hilft nur noch ein Blick in die Praxis von Jesus selber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6. Jesus und Seine Missionspraxis<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings ist Seine Art der Mitarbeiterhilfe nach unseren heutigen Begriffen, h\u00f6flich ausgedr\u00fcckt, gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Wir lesen in Lk 10: \u201eDanach sonderte der Herr andere Siebzig aus, sandte sie je zwei und zwei vor sich her in die St\u00e4dte und Orte, wo er wollte hinkommen und sagte zu ihnen: Die Ernte ist gro\u00df, der Arbeiter aber sind wenige. Bittet den Herrn der Ernte, dass Er Arbeiter aussende in seine Ernte. Geht hin! Ich sende euch wie L\u00e4mmer unter die W\u00f6lfe!\u201c (Lk 10,2-3).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man diese Rede liest, merkt man bei jedem Satz: Jesus ist kein Manager. Er hat von Betriebspsychologie auch keine Ahnung. Von \u201eErlebnisschienen\u201c hat er auch noch nichts geh\u00f6rt. Statt die bevorstehende Arbeit ein bisschen schmackhaft zu machen, damit die Leute Lust bekommen, bei Ihm mitzumachen, redet er gleich von vorneherein von der erschreckenden Gr\u00f6\u00dfe des Auftrages. Statt zur Hebung der Arbeitsmoral mit ein paar positiven Beispielen aufzuwarten, weist er nur auf Misserfolge hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus ist auf dem Weg von Galil\u00e4a nach Jerusalem. In Galil\u00e4a hat er eine Wirksamkeit hinter sich, die gar nicht viel gebracht hat. Er hat \u00fcber die dortigen St\u00e4dte ein so hartes Urteil gef\u00e4llt. Er hat sie verglichen mit den gottlosesten St\u00e4dten, die im Alten Testament genannt werden, n\u00e4mlich Sodom und Gomorra. Und wenn er sich jetzt nach Jerusalem wendet, wei\u00df er, dass er dort gekreuzigt wird. Aber auch das hat er seinen J\u00fcngern vorausgesagt. Vor sich und hinter sich nichts anderes als Misserfolg \u2013 und genau daran erinnert er seine J\u00fcnger bei der Aussendung zu ihrem Dienst. Kein Wort von Erfolg, sondern nur Kampf und Leiden: \u201eIch schicke euch wie Schafe mitten unter die W\u00f6lfe\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jemand sagte einmal: \u201eNoch nie hat ein Eroberer in der Geschichte der Menschheit seine Soldaten zu einer so gewaltigen Aufgabe mit einer solchen Er\u00f6ffnungsrede ausgesandt.\u201c Hierbei ist aber zu beachten, dass Jesus nun nicht, nachdem er die Gr\u00f6\u00dfe und die Dringlichkeit des Auftrages geschildert hat, sagt: \u201eAlso los \u2013 nun werden die \u00c4rmel aufgekrempelt! Macht was!\u201c Stattdessen sagt er: \u201eBittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter sendet in seine Ernte!\u201c (Lk 10,2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr das Wort \u201eaussenden\u201c steht im griechischen Urtext <em>ekball\u00edzein<\/em>, das hei\u00dft <em>hinauswerfen<\/em>. Bei dieser so merkw\u00fcrdigen Ernte, bei der man so wenig Erfolg sieht und von der man nichts hat &#8211; man kann dabei ja in der Kirche finanziell nicht auf einen gr\u00fcnen Zweig kommen &#8211; str\u00f6men die Arbeiter nicht von selber. Mitarbeiter in der Ernte Gottes wird man nicht durch den Anreiz der Arbeit, sondern durch den Ansto\u00df des Heiligen Geistes, der einen gleichsam an die Arbeit \u201eschubst\u201c. Und bevor wir in die H\u00e4nde spucken und zupacken, sollen wir die H\u00e4nde falten und um Mitarbeiter beten, um Mitarbeiter, die frei sind von dem Zwang des Erfolgreichen, des Erfolgsdenkens, und die sich durch keinen Misserfolg irremachen lassen, weil sie fest an die Verhei\u00dfung glauben: \u201eDie Ernte ist gro\u00df!\u201c Denn nur, wer das glaubt, kann Evangelist und Missionar sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Missionarische Mitarbeiter kommen nicht auf der Erlebnisschiene \u201eangeschlittert\u201c, sondern sie werden vom Heiligen Geist zur Arbeit gedr\u00e4ngt. Nur vom Heiligen Geist Berufene k\u00f6nnen auch andere Menschen zu Jesus rufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun muss man sich nat\u00fcrlich etwas einfallen lassen, um den missionarischen Gedanken unter das Volk zu bringen, vor allem unter den jungen Menschen und an den Ausbildungsst\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>7. Die Mission und die Ausbildung der Theologen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann heute in Deutschland Theologie studieren und aufs Predigerseminar gehen, ohne jemals auch nur einen einzigen Satz \u00fcber Mission oder Evangelisation geh\u00f6rt zu haben. Ich habe jahrzehntelang einen vergeblichen Kampf gef\u00fchrt, um meinen Fu\u00df als Evangelist in die kirchlichen Ausbildungsst\u00e4tten hineinzubekommen. Au\u00dfer bei zweien ist es mir nicht gelungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Westen war die gleiche Situation anzutreffen. Nach der Wende luden mich einige Studenten ein, um \u00fcber evangelistische Predigt zu reden. Aber der Inhaber des Lehrstuhles f\u00fcr Praktische Theologie hat das verhindert. Das ging Ulrich Parzany \u00fcbrigens ein Jahr vorher genauso. Der wurde auch eingeladen und dann wieder ausgeladen. Man ist an der Universit\u00e4t nicht daran interessiert, einmal einem Praktiker eine Stunde lang zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die niederschmetterndste Erfahrung, die ich in dieser Hinsicht einmal gemacht habe, war w\u00e4hrend einer Evangelisation in einer der bekanntesten St\u00e4dte in Deutschland, n\u00e4mlich in Wittenberg. Hier bekehrten sich damals scharenweise Jugendliche. In dieser Stadt gibt es auch heute noch ein Predigerseminar. Die jungen angehenden Herren Amtsbr\u00fcder hatten \u201egn\u00e4digerweise\u201c beschlossen, Burgfrieden zu halten, wie sie das nannten. Das hie\u00df, dass sie uns in Ruhe lassen und nicht gegen uns k\u00e4mpfen wollten. Das war ja schon viel, dass sie die Br\u00fcder wenigstens in Ruhe arbeiten lie\u00dfen. Tats\u00e4chlich haben sie mit mir als Evangelist auch kein Gespr\u00e4ch gef\u00fchrt. Ich hatte keine Chance, einmal eine Stunde \u00fcber Evangelisation zu reden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber an den Abenden erschienen die jungen Br\u00fcder. Sie marschierten gru\u00dflos an mir vorbei zur Treppe, die zur Empore hinauff\u00fchrte, wo meistens die Konfirmanden sitzen. Dort nahmen sie Platz, und sie benahmen sich auch genauso wie Konfirmanden das zu tun pflegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die jungen Br\u00fcder hatten ein gro\u00dfes g\u00fcldenes langes Fernrohr mitgebracht. Das fuhren sie aus und beobachteten mich von der Empore dort unten am Altar und machten sich \u00fcber mich lustig, und das vor allen Leuten. Ich stand da unten mit meinem Kollegen Wolfgang Tost. Wir haben beide das Letzte gegeben, um junge Menschen, um Seelen zu retten, w\u00e4hrend sie sich einen Spa\u00df machten und uns f\u00fcr komische Objekte hielten, die so etwas wie Insekten oder eine andere Kuriosit\u00e4t darstellten: \u201eDer stellt sich hin und will Leute bekehren \u2013 das gibt\u2019s doch gar nicht!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klaus Engelhardt, der ehemalige Chef der EKD, fragte mich einmal, wie ich mich als Evangelist in der evangelischen Kirche so f\u00fchle. Daraufhin erz\u00e4hlte ich ihm dieses Beispiel und sagte zu ihm: \u201eIm Zentrum der Reformation wurden wir vor allen Leuten in einem \u00f6ffentlichen Gottesdienst verulkt, durch den Kakao gezogen, blo\u00dfgestellt vor den feixenden Jugendlichen und wie ein komisches Insekt, das eigentlich schon ausgestorben ist, betrachtet. So wird man als Vertreter einer vergangenen Zeit und einer wunderlichen Art be\u00e4ugt wie ein Fossil.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nebenbei bemerkt: In eben diesem Predigerkolleg ist jetzt ein Vikar, der mir einmal erz\u00e4hlte, wie es dort jetzt zugeht. Wir kamen ist Gespr\u00e4ch, und ich fragte ihn, ob er die Bekenntnisschriften kenne. Er hatte sie noch nie gelesen! Er wird in wenigen Wochen ordiniert. Ich erwiderte erstaunt: \u201eAber die m\u00fcssen Sie doch gelesen haben. Sie m\u00fcssen doch auch darauf Ihre Unterschrift geben. Sie werden doch als Lehrer verpflichtet auf die Bekenntnisschriften.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die jungen Vikare gefragt werden, ist nicht: \u201eGlauben Sie an Jesus? Glauben Sie an den Auferstandenen? War das Grab leer? Glauben Sie an die Auferstehung? Glauben Sie an den dreieinigen Gott?\u201c Diese Fragen werden nicht gestellt. Stattdessen werden sie als Kandidaten f\u00fcr das Pfarramt, f\u00fcr das Predigeramt im Einzelgespr\u00e4ch folgendes gefragt: \u201eWas halten Sie von der Frauenordination? Wie stehen Sie zur Homosexualit\u00e4t?\u201c Und die Beantwortung dieser Fragen entscheidet dann dar\u00fcber, ob sie zum Pfarramt zugelassen werden oder nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass einer der Dozenten mit einer Vikarin schl\u00e4ft. Dar\u00fcber hinaus sind zwei der Dozentinnen lesbisch. Dann kommen sie nat\u00fcrlich nicht auf biblisch relevante Themen und Fragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich gebe indes gerne zu, dass sich sicherlich in den Predigerkollegs manches ge\u00e4ndert hat, aber im Grunde genommen ist der gleiche Geist noch in den Ausbildungsst\u00e4tten vorhanden. Das aber bedeutet, dass die Vikare von Evangelisation und Mission nichts weiter zu erfahren brauchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>8. Die Synode 1999 \u2013 ein neuer Aufbruch?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Umso erfreulicher ist es, dass sich in Deutschland inzwischen vieles ge\u00e4ndert hat. Das wichtigste Ereignis war die Synode 1999 in Leipzig. Da komme ich ins Schw\u00e4rmen, weil das geradezu ein Wunder war. Wir haben in den Papieren der Synode eine Menge wundersch\u00f6ner zitierf\u00e4higer Worte erhalten. Noch sch\u00f6ner liest sich das Erkl\u00e4rungsbuch \u201eDas Evangelium unter die Leute bringen\u201c. Dort werden grandiose S\u00e4tze formuliert, wie zum Beispiel dieser: \u201eDie evangelische Kirche hat das Glaubensthema und den missionarischen Auftrag an die erste Stelle gesetzt.\u201c Daraus werden nun Folgerungen gezogen bis dahin, dass f\u00fcr die kirchlichen Ausbildungsst\u00e4tten die Vermittlung \u201eeiner missionarischen Kompetenz auf professionellem Niveau\u201c gefordert wird. Das sind fantastische \u00c4u\u00dferungen, die das Herz eines Evangelisten h\u00f6her schlagen lassen \u2013 ein zweiter Herzinfarkt ist zu bef\u00fcrchten&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann diese Schrift kaum lesen ohne mehrmals in Hallelujarufe auszubrechen \u2013 das ist wunderbar!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen hat Klaus Diehl eine R\u00fcckschau gehalten und festgestellt, dass 2\/3 der Landeskirchen auf diesen Aufruf der Synode \u00fcberhaupt nicht reagiert und keine Konsequenzen gezogen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie sieht denn die Praxis aus, obwohl wir eine solche Synode mit solchen herrlichen Erkenntnissen hatten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war in F\u00fcrstenwerder zu einer Evangelisation eingeladen. Das ist ein kleines Nest an der Grenze von Mecklenburg und Brandenburg, wo sich die F\u00fcchse gute Nacht sagen, also dort, wo es immer finsterer wird. Ich hatte dort eine gewaltige Mitarbeiterschaft: Das waren der Pfarrer, dessen Frau, ein etwas verr\u00fcckter Charismatiker und der B\u00e4ckermeister, der fr\u00fch um 4.00 Uhr aufstehen musste. Das waren meine Mitarbeiter. Diese vier Leute haben sich ein halbes Jahr lang jeden Morgen um 6.00 Uhr oder 7.00 Uhr getroffen, um f\u00fcr die Evangelisation zu beten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben dann die Evangelisation durchgef\u00fchrt, und tats\u00e4chlich haben sich Manche bekehrt. Der Pfarrer hatte beim Missionarischen Ausschuss der Brandenburgischen Kirche um eine finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr diese Evangelisation gebeten. Allerdings wurde seine Bitte abschl\u00e4gig beschieden, weil f\u00fcr diese Art der Evangelisation, bei der zur Bekehrung aufgerufen wird, kein Geld zur Verf\u00fcgung st\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend dieser Evangelisation sa\u00df der Bischof dieser Kirche Wolfgang Huber am Runden Tisch f\u00fcr Evangelisation und hat wunderbare Dinge von sich gegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber das Problem mit dem Geld hatte Jesus dann selber gekl\u00e4rt. Es rief n\u00e4mlich eine \u00e4ltere Dame aus der Gemeinde an und fragte den Pfarrer, ob noch irgendwelche Auslagen bestehen; sie w\u00fcrde alles begleichen, was die Evangelisation gekostet hatte, und damit war die Sache gekl\u00e4rt. Also brauchen wir wegen der finanziellen Mittel f\u00fcr solche Veranstaltungen keine \u201ePastorenb\u00fccher\u201c oder irgendetwas anderes &#8211; das regelt Jesus schon f\u00fcr uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die kleine Schrift \u201eDas Evangelium unter die Leute bringen\u201c ist als Text aus dieser Synode hervorgegangen. Dort stehen, wie schon gesagt, herrliche S\u00e4tze. Aber ich muss auch eine Menge Kritisches dazu sagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vorsitzende dieser Kommission, die dieses Heft zusammengestellt hat, wurde in einem Interview gefragt: \u201eWas ist denn an dem jetzigen Engagement der EKD neu?\u201c Darauf gab er zur Antwort: \u201eNeu ist die Erkenntnis, dass Evangelisation die Zentralaufgabe der ganzen Kirche ist.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu m\u00f6chte ich mir den schlichten Hinweis erlauben: Das ist nicht neu, sondern das ist neutestamentlich, also 2000 Jahre alt. Aber neu ist das vielleicht blo\u00df f\u00fcr die EKD, die in den vergangenen Jahrzehnten in dieser Hinsicht geschlafen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings ist die oben genannte Sicht von missionarisch gesinnten Christen schon immer so vertreten worden. Die Lausanner Welt-Evangelisations-Bewegung hat als Grundsatz: \u201eDie ganze Botschaft der ganzen Welt durch die ganze Gemeinde.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nat\u00fcrlich sch\u00f6n, dass in diesem Buch (\u201eDas Evangelium\u2026\u201c) darauf hingewiesen wird, es d\u00fcrfe nicht sein, dass nun die Gemeinden den Auftrag zur Mission ausschlie\u00dflich den Missionaren zuschieben, sondern stattdessen gilt jetzt: Mission und Evangelisation ist unsere gemeinsame Aufgabe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist sch\u00f6n und gut; aber dann hei\u00dft es weiter: \u201eEs geht um eine gro\u00dfe Verantwortungsgemeinschaft f\u00fcr die Zukunft des Glaubens in unserem Land.\u201c Meine Frage dazu lautet: \u201eWieso denn das!?\u201c Es geht in der Evangelisation doch nicht um die Zukunft des Glaubens und der Gl\u00e4ubigen in unserem Land. Es geht in der Evangelisation vielmehr um die Zukunft der Ungl\u00e4ubigen, weil sie in der H\u00f6lle landen, wenn ihnen das Evangelium nicht gebracht wird! Alle Begriffe wie Kirchenaustritte, Mitgliederschwund und finanzielles Ausbluten und dergleichen mehr haben in der missionarischen Diskussion \u00fcberhaupt nichts zu suchen. Leere Kassen und leere Kirchenb\u00e4nke sind keine Motivation und kein tragf\u00e4higes Motiv f\u00fcr Evangelisation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Altbischof Axel Noack sagte: \u201eHeute muss man von Mission reden, weil die normale Fortpflanzung von Kirche deutlich gest\u00f6rt ist.\u201c Aber eine Kirche, deren Missionsmotiv die Sicherung des eigenen \u00dcberlebens ist, ist auf dem sichersten Wege auszusterben. Die ist herzkrank. Sie ist auch nicht dadurch zu retten, dass man ohne gro\u00dfe Umst\u00e4nde und neuerdings bei einem Glas Bier wieder eintreten kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>9. Unser Motiv f\u00fcr Mission: Der Gehorsam gegen\u00fcber dem Befehl<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt f\u00fcr das missionarische Tun eine ganze Menge Motive. Dazu geh\u00f6rt auch, dass wir Mitglieder brauchen, damit Kirchensteuer hereinkommt \u2013 das ist klar. Auch das stimmt, dass wir aus Liebe zu den Verlorenen Retterliebe entwickeln m\u00fcssen. Alles das sind durchaus ehrenwerte Motive, aber sie sind nicht tragend. Bei Jesus finden wir sie \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bleiben wir n\u00fcchtern: Das einzige tragende Motiv f\u00fcr die Mission ist schlicht und einfach der Gehorsam. Paulus schreibt im 2. Korintherbrief: \u201eWeil wir wissen, dass der Herr zu f\u00fcrchten ist, suchen wir Menschen zu gewinnen\u201c (2 Kor 5,11). Es liegt ein Auftrag vor, ein Befehl, und dem gilt es zu gehorchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wann hat denn Jesus jemals gegen\u00fcber seinen J\u00fcngern so agitiert, dass er sie bei ihren Gef\u00fchlen gepackt hat und gesagt h\u00e4tte: \u201eAus Liebe zu den Verlorenen m\u00fcsst ihr losgehen\u2026?\u201c Die Begr\u00fcndung von Jesus f\u00fcr die Weltmission ist ganz anders. Sie lautet: \u201eMir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden\u201c (Mt 28,18) \u2013 das ist die Voraussetzung. Und weiter: \u201eDarum geht hin in alle Welt\u201c (Mt 28,19).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht also um die Ausf\u00fchrung eines Befehls, und das unabh\u00e4ngig davon, ob die Kirche am Wachsen oder Schwinden, verfolgt oder frei, finanzkr\u00e4ftig oder arm ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war einmal bei einer Zeltevangelisation einer kleinen Baptistengemeinde, also einer Gemeinde, die keine Kirchensteuer kennt und von Spenden lebt. Diese Gemeinde bestand aus 47 Personen, alte Damen und Kinder eingerechnet. Diese Gemeinde bestellte sich das gr\u00f6\u00dfte Zelt, das die Baptisten haben. Das kostete damals 10.000 DM und hatte 500 Pl\u00e4tze. Die Gemeinde hatte nicht einmal einen eigenen Pfarrer. Aber sie hatten einen kr\u00e4ftigen Missionswillen. Sie f\u00fchrten eine solche Evangelisation sogar jedes Jahr durch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie ist so etwas m\u00f6glich? Oder fragen wir umgekehrt: Warum ist das in einer landeskirchlichen Gemeinde nicht m\u00f6glich? Wenn es hier hei\u00dft: wir haben jetzt keinen Pfarrer, dann bedeutet das ja oft, dass gar nichts gemacht wird. Darum m\u00fcssen wir warten, bis einer eingesetzt wird und dann vielleicht mal\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie ist das \u00fcberhaupt m\u00f6glich, dass so eine kleine Gemeinde ein solches Projekt auf die Beine stellt und das in der Landeskirche nicht funktioniert? Oder allgemeiner gefragt: Warum wird eigentlich nicht mehr evangelisiert? Zurzeit ist die Tendenz in Deutschland eindeutig: Es werden weniger Evangelisationen durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe einmal an einer gro\u00dfen Konferenz von Lausanne teilgenommen. Einer der Redner war ein Baptist. Er wollte der Versammlung von etwa 4.000 Evangelisten erkl\u00e4ren, warum die Kirchen so wenig evangelisieren. In einer meisterhaften Rhetorik sagte er: \u201eWe have the people, we have the money, we have the tools, but we don\u2019t have the will!\u201c (wir haben die Leute, wir haben das Geld, wir haben die Mittel und Werkzeuge, aber wir haben den Willen nicht). Wir wollen nicht gehorchen. Ich bin \u00fcberzeugt, dass dieser Mann Recht hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es liegt ein Befehl vor. Und die angemessene Reaktion darauf ist der Gehorsam, weiter nichts. Aber zum Gehorsam bedarf es eben eines willentlichen Entschlusses. Das ist f\u00fcr mich der ganze Dreh- und Angelpunkt der gro\u00dfartigen Diskussion \u00fcber den missionarischen Auftrag der Kirche. Wie viele herrliche B\u00fccher gibt es dar\u00fcber. Jeder Professor f\u00fcr Missionswissenschaft schreibt ein neues Buch dar\u00fcber mit einer neuen Definition von Mission und missio dei und was alles noch kommen mag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber f\u00fcr mich dreht sich alles um diesen einen einzigen Punkt. Aber in der stattfindenden Diskussion um die Evangelisierung der Welt h\u00f6re ich von Gehorsam gar nichts und von der Rettung der Verlorenen auch nichts. Aber genau darum geht es doch in der Evangelisation \u2013 um Rettung aus der Verlorenheit! Und dazu geh\u00f6rt wiederum, dass wir den Mund auftun und uns gehorsam zu Jesus bekennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>10. Das Ziel aller Mission: Rettung der<\/strong> <strong>Verlorenen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber genau davon, von der Rettung der Verlorenen, wird gar nicht gesprochen. Soviel ich wei\u00df, kommt der Begriff der Verlorenheit in den Leipziger Dokumenten \u00fcberhaupt nicht vor. In dem Nachfolgeheft steht allerdings, dass \u201eEvangelisation Rettung des Menschen aus seiner Verlorenheit\u201c bedeutet. \u201eLeben ohne Gott, ohne Glauben an Jesus Christus ist Leben in der Verlorenheit.\u201c Das stimmt ja auch; aber es wird nicht dazu gesagt, dass es eine ewige Verlorenheit gibt. Es geht um das ewige Schicksal der Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo es indes um eine grunds\u00e4tzliche Definition des missionarischen Auftrages geht, fehlt der Begriff der Verlorenheit, demzufolge auch der Begriff der Rettung. Es wundert einen von daher auch nicht, dass der Begriff der Bekehrung fehlt. Das kommt in dem ganzen Heft nicht ein einziges Mal vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Umso erfreulicher ist es, dass Michael Herbst einmal gesagt hat: \u201eWer von Mission redet, muss von Bekehrung reden.\u201c Das ist eine deutliche Ansage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wort der Synode von Leipzig beginnt mit folgendem Grundsatz: \u201eAlle Bem\u00fchungen um den missionarischen Auftrag fangen damit an zu erkennen und zu beschreiben, wie sch\u00f6n, notwendig und wohltuend die christliche Botschaft ist.\u201c In diesem Stil geht es weiter: \u201eWir haben den Auftrag, den Menschen die Augen zu \u00f6ffnen f\u00fcr die Wahrheit und die Sch\u00f6nheit der christlichen Botschaft.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott erbarm\u2018 \u2013 was ist das blo\u00df f\u00fcr eine Wortwahl! Wo stehen diese Begriffe, wenn es um den missionarischen Auftrag geht?! Warum kann man denn nicht bei den Worten bleiben, die Jesus selber gesagt hat? Als Jesus den Paulus zum Heidenmissionar berufen hat, sagte er: \u201eIch will dich erretten von deinem Volk und von den Heiden, unter welche ich dich sende, aufzutun ihre Augen, dass sie sich bekehren von der Finsternis zu dem Licht und von der Gewalt Satans zu Gott, um zu empfangen die Vergebung der S\u00fcnden\u201c (Apg 26,17-18). So hat Jesus gesprochen, und so haben wir zu sprechen. Keine Rede von dem \u00d6ffnen der Augen f\u00fcr \u201edie Sch\u00f6nheit und N\u00fctzlichkeit des christlichen Glaubens\u201c. Hier geht es um ewige Finsternis, um S\u00fcnde und Verlorenheit, um S\u00fcndenvergebung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich leugne ja weder die Sch\u00f6nheit noch die N\u00fctzlichkeit des christlichen Glaubens. Im apologetischen Teil meiner Predigten kommt das oft vor. Wir haben ein Lied, das bei jeder Evangelisation gesungen wird: \u201eAls Christ bewusst zu leben, ist spannend, schwer und sch\u00f6n.\u201c Aber das ist ein Thema gleichsam nebenbei. Das ist nicht die Beschreibung des missionarischen Auftrages.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe einmal bei 30\u00b0C Hitze missioniert in einem \u00f6ffentlichen Freibad. Bevor es losging, musste ich eine gro\u00dfe Wiese \u00fcberqueren, um die Toilette aufzusuchen. Dort sa\u00df eine Gruppe von jungen M\u00e4nnern, die immer, wenn ich vor\u00fcber ging, \u201eJesus! Jesus!\u201c schrien. Aber eines Abends sa\u00dfen sie vor mir im Zelt, mit ihren Glatzen, nackten Oberk\u00f6rpern, t\u00e4towierten Armen und einer Bierflasche in der Hand. Dazu kam noch eine Gruppe entlassener Strafgefangener. Was sollen die denn mit dem Begriff der Sch\u00f6nheit des christlichen Glaubens anfangen? Was die brauchten, war Gesetz und Evangelium, S\u00fcndenerkenntnis, S\u00fcndenvergebung. Die brauchten einen Verteidiger, der sie aus ihrem verpfuschten Leben heraushaut und wieder zurechtbringt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So hat Paulus seine T\u00e4tigkeit beschrieben: \u201eIhr habt euch bekehrt von den G\u00f6tzen zu Gott, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, welchen er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns vor dem zuk\u00fcnftigen Zorn rettet\u201c (1 Thess 1,9-10).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus &#8211; das ist unser Thema! Um den geht es. Den haben wir zu predigen. Aber wenn Jesus nicht mehr der einzige Retter f\u00fcr alle ist, wenn man sich scheut, Begriffe wie S\u00fcnde, Gericht, Bekehrung, wahrer Gott, Himmel, Zorn Gottes \u00fcberhaupt auszusprechen, dann kommt es eben zu diesem b\u00fcrgerlichen Ges\u00e4usel von der Sch\u00f6nheit und N\u00fctzlichkeit des christlichen Glaubens; und erst danach hei\u00dft es gelegentlich, dass es (auch) um die Bindung an Jesus geht. Um nur ja niemand zu nahe zu treten, um nur ja keinen Synodalen und keinen Professor, der nicht mehr wei\u00df, was Fakt ist, und keinen Bischof zu verschnupfen, l\u00e4sst man das anst\u00f6\u00dfige Wort \u201eBekehrung\u201c und alle anderen biblischen Begriffe einfach weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es kommt mir doch nicht auf die Benutzung dieser bestimmten Begriffe an. Man kann ja alles umschreiben; und es geh\u00f6rt zur Aufgabe eines Evangelisten bis zur Besinnungslosigkeit, das Wort mit den alten Begriffen umzuschmelzen, damit es die Leute der Gegenwart verstehen k\u00f6nnen. Man kann alles umschreiben. Aber ich sehe \u00fcberhaupt nicht ein, warum wenigstens in theologischen Dokumenten biblische Zentralbegriffe wie Bekehrung \u00fcberhaupt nicht mehr verwendet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wittere dahinter keine missionarische Zartheit, sondern schlicht und einfach Glaubenslosigkeit. Wer glaubt, was die Bibel \u00fcber Gericht, \u00fcber Zorn Gottes, \u00fcber Verlorenheit und Verdammnis, \u00fcber H\u00f6lle und Himmel sagt, der spricht das auch aus. Wo das nicht mehr klar gesagt wird, entsteht eine Verschwommenheit, die am Ende dazu f\u00fchrt, dass unter dem Oberbegriff \u201eMissionierende Kirche\u201c alles untergebracht werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine solche Formulierung lautet zum Beispiel: \u201eAnsprechende Indirektheit\u201c. Das muss man erst einmal begreifen, was das ist oder worum es dabei geht. Da lesen wir: \u201eEine Kirche, die sich f\u00fcr den Schutz des Sonntags einsetzt, ist schon darin missionierende Kirche.\u201c Wenn das aber missionierende Kirche ist, dann ist jede Kaffeefahrt der Frauenhilfe auf der Mosel auch eine missionarische Veranstaltung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wohin diese Ausweitung f\u00fchrt, zeigt am deutlichsten der Fall einer Gemeinde in Saarbr\u00fccken, der auch durch die Presse ging. Sie hatten dort auf ihren Plakaten einen BH abgebildet und mit dem Wort \u201eErotik\u201c zum Gottesdienst eingeladen. Dort wurden dann Sexfilme und jugendgef\u00e4hrdende Filme wie \u201eCrash\u201c gezeigt. Dazu wurden sogenannte \u201eErotikpredigten\u201c gehalten. Denen wurde eine missionarische Qualit\u00e4t bescheinigt. Wenn alles missionarisch ist, dann ist am Ende nichts mehr missionarisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb bin ich f\u00fcr eine klare Definition \u00fcber den missionarischen Auftrag der Kirche, so wie es erfreulicherweise in dem besprochenen Dokument der Leipziger Synode auch vorkommt. Da hei\u00dft es n\u00e4mlich: \u201eDer Auftrag steht fest\u201c; und dann folgt Mt 28. Auch der n\u00e4chste Satz ist richtig: \u201eDer Auftrag ist unwandelbar, nur die Formen der Auftragserf\u00fcllung sind wandlungsf\u00e4hig.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn aber das Zeigen von Pornofilmen im Gottesdienst als Auftragserf\u00fcllung bezeichnet wird, dann wird alles schief. Denn der Hinweis, dass noch nie so viele M\u00e4nner in der Kirche gewesen sind wie zu diesen Predigten, ist doch kein Beweis f\u00fcr Mission im biblischen Sinne. Selbstverst\u00e4ndlich wird die H\u00fctte voll mit M\u00e4nnern, wenn in der Kirche Pornofilme gezeigt werden\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es geht nicht darum, m\u00f6glichst viele anzusprechen, sondern zu Jesus zu rufen. Mir fehlt auch jedes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Satz: \u201eEvangelisation und Gemeindeaufbau wollen den Menschen das Evangelium nahe bringen, ohne ihnen zu nahe zu treten.\u201c Wie das gehen soll, ist mir unerkl\u00e4rlich, vielleicht nach dem Motto: \u201eWasch mich, aber mach mich nicht nass. Taufe mich, aber mach mich nicht zum J\u00fcnger.\u201c Aber ich muss ja nicht alles verstehen, was Synoden beschlie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Umso mehr habe ich mich damals gefreut \u00fcber zwei Feststellungen der Synode. Zum einen wurde gesagt: \u201eVon dieser Tagung der Synode geht das Signal aus: Die Evangelische Kirche setzt das Glaubensthema und den missionarischen Auftrag an die erste Stelle.\u201c Das ist zu sch\u00f6n, um wahr zu sein\u2026 Und zum anderen: \u201e\u00dcberall in unseren Kirchen ist die Dringlichkeit der missionarischen Aufgabe neu erkannt und in den Vordergrund ger\u00fcckt worden. Wir brauchen daf\u00fcr alle Kompetenz und alle Kraft, die wir aufbieten k\u00f6nnen.\u201c Das sind wundersch\u00f6ne S\u00e4tze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>11. \u201eN\u00f6tige sie\u2026!\u201c \u2013 die Dringlichkeit der missionarischen Botschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will zum Schluss noch etwas zu dem Thema \u201eDringlichkeit\u201c sagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Lk 14 gibt es eine Szene, in der beschrieben wird, wie Jesus seine J\u00fcnger aussendet: \u201eGeht schnell hinaus auf die Stra\u00dfen und Gassen der Stadt und f\u00fchrt die Armen und Kr\u00fcppel und Blinden und Lahmen herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist alles geschehen, was du befohlen hast. Es ist aber immer noch Platz da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh aus auf die Landstra\u00dfen und an die Z\u00e4une und n\u00f6tige sie hereinzukommen.\u201c (Lk 14,21-23 ). Wohl gemerkt: \u201eN\u00f6tige sie!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun kann man ja alles auf zweierlei Art und Weise machen, n\u00e4mlich richtig oder falsch. Und dieses Wort ist in der Kirchengeschichte ziemlich falsch angewendet worden. Augustin hat das theologisch untermauert: \u201eZwingt sie hereinzukommen!\u201c Mit einer Art \u201eGartenschlauch-Taufe\u201c wurden die Leute zwangsgetauft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht um das N\u00f6tigen. Im Zeitalter der Toleranz kann niemand mehr etwas mit diesem Wort anfangen. Aber wie m\u00fcssen wir denn mit diesem Wort umgehen, das ja in der Bibel tats\u00e4chlich steht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe also nachgeschlagen: <em>anank\u00e1zo<\/em> \u2013 <em>zwingen<\/em> steht tats\u00e4chlich da: \u201eZwingt sie einzutreten.\u201c Das ist ein starkes Wort! Und es ist auch eine starke Herausforderung, die eine harte Reaktion provoziert. Um diese Provokation zu vermeiden, \u00fcbersetzt die \u201eHoffnung f\u00fcr alle\u201c, die ich sonst sehr sch\u00e4tze: \u201eJeder ist eingeladen.\u201c Das trifft aber nicht den gro\u00dfen Ernst dieses Wortes. Die \u201eGute Nachricht\u201c schreibt: \u201eDr\u00e4nge die Leute zu kommen!\u201c. Das ist sachgem\u00e4\u00df. Wir d\u00fcrfen aber \u201eZwingen\u201c nicht im Sinne von Gewaltanwendung verstehen, sondern sie durch \u00dcberreden n\u00f6tigen. Man kann allerdings auch mit unseri\u00f6sen Reden Gewalt anwenden, zum Beispiel durch unsachgem\u00e4\u00dfe Beispiele oder mit dem Drohen mit der H\u00f6lle. Das gibt es durchaus. Gewalt in jeder Form ist f\u00fcr uns verboten \u2013 das geht nicht. Unsere einzige Waffe, die wir haben, ist die \u00dcberzeugungsrede.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab einmal einen Film vom MDR \u00fcber meine T\u00e4tigkeit als Evangelist. Den habe ich zusammen mit meiner Familie im Fernsehen angeschaut. Zun\u00e4chst wurde ein Kirchenvorsteher interviewt: \u201eWas wollen Sie mit dieser Evangelisation erreichen?\u201c \u2013 Seine Antwort war: \u201eWir wollen nat\u00fcrlich niemanden \u00fcberzeugen.\u201c Das war die typische Stellung eines landeskirchlichen Kirchenvorstehers! Wir wollen niemandem zu nahe treten. Selbstverst\u00e4ndlich will ich Menschen \u00fcberzeugen \u2013 deswegen trete ich ja an! Ich bin Zeuge, und ich will \u00fcberzeugen. Es geht mir nicht um die Selbstdarstellung der Kirche, nach dem Motto: \u201eIch sage meine Botschaft, du sagst deine Botschaft\u201c oder so \u00e4hnlich, nach der Devise: \u201eLeben und leben lassen und alles tolerieren\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist doch die Frage, ob ich so tolerant bin, dass ich den anderen in seiner Verlorenheit \u00fcberlasse und dem ewigen Tod, der ihm bevorsteht. Es geht doch um Lebensrettung, und nur, wer das begriffen hat, der begreift, was \u201eN\u00f6tigen\u201c hei\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich besuchte einmal einen Freund, der an der Elbe wohnt. Dort muss man sein Auto stehen lassen und mit einer kleinen F\u00e4hre \u00fcbersetzen. Nach der R\u00fcckkehr ans andere Ufer stand dort an der Landungsbr\u00fccke eine Frau. Nun bin ich ein ziemlich sch\u00fcchterner Mensch und rede nie fremde Menschen an, und schon gar keine Frau. Aber in diesem Fall wurde ich wie von einer Schnur gezogen und bin auf die Frau zugegangen. Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass mich Jesus durch Seinen Heiligen Geist zu ihr hingezogen hat. Ich habe ihr in die Augen gesehen und ein Gespr\u00e4ch mit ihr angefangen. Dabei stellte sich heraus, dass sie sich ins Wasser st\u00fcrzen wollte. Sie stand auch schon ein paar Stunden da. Sie fragte mich gleich: \u201eBin ich gleich tot, wenn ich in die Schaufelr\u00e4der eines Dampfers hineingerate?\u201c Dazu muss man wissen, dass die Dresdener Dampfer riesengro\u00dfe Schaufelr\u00e4der an der Seite haben. Inzwischen waren alle Leute abgefahren, und ich stand mit dieser Selbstm\u00f6rderin allein dort am Ufer, nur einen halben Meter an der Kante, wo es in die Elbe hinabging. Was sollte ich tun? Ich konnte die Frau doch nicht einfach packen und irgendwo hinschieben. Ich hatte nur eine einzige M\u00f6glichkeit \u2013 und das war die \u00dcberzeugungsrede. Ich habe auf sie eingeredet und mir gleichzeitig ihre ganze Lebensgeschichte angeh\u00f6rt. Sie hatte Krach mit ihrer Familie, war zerstritten mit ihren Enkeln und alles M\u00f6gliche. Und w\u00e4hrend des Gespr\u00e4ches habe ich versucht, sie immer weiter vom Wasser wegzudr\u00e4ngen. Das dauerte bestimmt eine Stunde lang. Ich habe sie immer weiter geschoben, bis wir auf dem Parkplatz ankamen. Irgendwann sa\u00df sie dann auf dem Beifahrersitz meines Autos. Ich brachte sie dann zur Stadtmission, wo sie weiter versorgt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hei\u00dft Dringlichkeit. Wie oft haben wir einen Menschen vor uns, bei dem wir merken, dass er jetzt reif ist und eine Entscheidung treffen k\u00f6nnte? Manchmal m\u00f6chten wir doch einen Menschen am Schlafittchen packen und sagen: \u201eJetzt knie dich hin und sprich dein \u00dcbergabegebet, und dann bist du gerettet!\u201c So geht es aber nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manfred Siebald dichtete ein sch\u00f6nes Lied: \u201eIch m\u00f6chte schieben und ziehen, wie ein Freund mich bem\u00fchen\u201c. Aber den entscheidenden Schritt muss jeder allein tun. Dazu kann ich niemanden zwingen. Aber bis jemand diesen Schritt getan hat, ist die gr\u00f6\u00dfte Dringlichkeit gefordert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df nicht, ob Sie einmal den Film \u00fcber die Nicolai-Kirche in Leipzig gesehen haben. Ich habe ihn mir jetzt wieder angeschaut. Dabei fiel mir die Schlussszene auf. Als die Leute aus der Kirche herausstr\u00f6men, stehen bereits die gro\u00dfen Lastkraftwagen der Stasi bereit. Die Leute werden einfach wie Pakete auf die Laster geworfen. Es ist ein unheimliches Br\u00fcllen und ein Durcheinander auf dem Platz. Und mitten in diesem Get\u00f6se steht Pfarrer F\u00fchrer in der T\u00fcr seines Pfarrhauses. Er ist aber nicht herumgeschlichen und hat die Leute eingeladen: \u201eEntschuldigen Sie, ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber h\u00e4tten Sie nicht vielleicht Lust, sich die Sch\u00f6nheit der Bleiverglasung im Treppenhaus anzusehen und sie zu bewundern?\u201c Nein, er stand an der T\u00fcr und rief: \u201eKommen Sie hier herein! Hier sind Sie sicher!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ein Bild f\u00fcr Dringlichkeit \u2013 dass wir dastehen und rufen: \u201eKomm hinein ins Vaterhaus! Hier bist du sicher!\u201c Das gilt f\u00fcr alle Situationen, und nicht nur, wenn die Stasi auf die Leute eindrischt und ein unbeschreibliches Tohuwabohu herrscht. Diese Botschaft gilt f\u00fcr alle Menschen &#8211; auch f\u00fcr die, die sich auf der Bahnhofstoilette den \u201egoldenen Schuss\u201c setzen wollen, sodass sie sterben. Das gilt auch f\u00fcr die Spie\u00dfer, die an den Biertischen irgendwelches dumme Zeug reden. Das gilt f\u00fcr alle: Kommt herein! Im Vaterhaus seid ihr gerettet!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfarrer Dr. Theo Lehmann, 28.3.2015<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Seminarvortrag gehalten beim Kongress des Gemeindehilfsbundes \u201eGemeinde in der Zerrei\u00dfprobe zwischen Nachfolge und Verweltlichung\u201c in Bad Teinach-Zavelstein. Alle Referate, Seminarbeitr\u00e4ge und Predigten der Kongresse im Geistlichen R\u00fcstzentrum Krelingen (20.3.-22.3.2015) und in Bad Teinach-Zavelstein (27.3.-29.3.2015) erscheinen in K\u00fcrze in einer Dokumentation, die in der Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes f\u00fcr 5,00 Euro zzgl. Versandkosten vorbestellt werden kann. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es liegt ein Auftrag vor, ein Befehl, und zwar von allerh\u00f6chster Stelle. Der Allerh\u00f6chste, der Chef des Universums, hat von sich gesagt: \u201eMir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und macht zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker. 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