{"id":12372,"date":"2015-06-21T15:41:35","date_gmt":"2015-06-21T13:41:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12372"},"modified":"2015-06-21T15:41:35","modified_gmt":"2015-06-21T13:41:35","slug":"leo-bigger-und-die-icf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12372","title":{"rendered":"Leo Bigger und die ICF"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Leo Bigger leitet seit 1994 die von Heinz Strupler gegr\u00fcndete \u201eInternational Christian Fellowship\u201c-Gemeinde in Z\u00fcrich. Inzwischen ist ICF mit ihm als Chef-\u00c4ltesten die gr\u00f6\u00dfte Gemeinde der Schweiz. Wegen seines gro\u00dfen Erfolgs wurde er auch im Jahre 2002 auf die Deutsche Evangelisten-konferenz eingeladen. Sein Auftritt bewirkte einige Irritationen. Mit jugendlichem Schwung legte er los und verglich die anwesenden Evangelisten mit den Totengebeinen aus Hesekiel 37. Damit der Geist \u00fcber die, zumindest teilweise, verdorrten Verk\u00fcndiger k\u00e4me, blies er abschlie\u00dfend im Gebet dreimal ins Mikrophon. Das war nun doch des Guten zu viel und auch Sympathisanten der charismatischen Fr\u00f6mmigkeit zeigten sich \u00fcberrascht bis leicht schockiert. Leo Bigger wurde freundlich aber deutlich verabschiedet. <!--more-->Dies offenbart ein zutiefst magisches Denken. Es f\u00fcgt sich problemlos in unsere Zeit und erinnert an Gal. 3,1. Von daher schwingt in der ICF-Bewegung, neben allen positiven und auch aufr\u00fcttelnden Impulsen, doch gleichzeitig auch etwas anderes mit, die heute leider oft \u00fcbliche Vermischung (2. Kor. 6,15-16).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anl\u00e4sslich ihres 15-j\u00e4hrigen Gr\u00fcnderjubil\u00e4ums war als Starredner Reinhard Bonnke eingeladen. Dieser passt ziemlich nahtlos in diese neue Str\u00f6mung. Bei seinem Auftritt auf der Feuer-Konferenz 1987 in Frankfurt br\u00fcllte er gleich siebenmal hintereinander ins Mikrophon: <em>I release the fire of the Holy Ghost<\/em>, (Ich setze das Feuer des Heiligen Geistes frei). Dieses scheinbare Verf\u00fcgen \u00fcber den Geist Gottes erinnert an ein Zitat von Saturnin Wasserzug: \u201eDer Heilige Geist ist die herrlichste Gabe an die Gemeinde, wenn sie gehorcht und die gef\u00e4hrlichste, wenn sie versucht, Ihn zu manipulieren.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fcrzlich unterhielt ich mich mit einem Bibellehrer und wir kamen auch auf ICF zu sprechen. Leo Bigger war vor einiger Zeit, es d\u00fcrfte schon einige Jahre her sein, nach W\u00f6lmersen auf das Neues Leben Seminar eingeladen worden. Zun\u00e4chst konnte er viele Seminaristen mit seiner Art begeistern. Dann betonte er mehrfach, wie man Entscheidungen alleine treffen sollte. Wenn mehrere Verantwortliche Entscheidungen f\u00e4llen, sei das nicht hilfreich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als dann einige Bibelsch\u00fcler darauf hinwiesen, wie das in den Paulusbriefen doch anders dargelegt ist, spricht doch Paulus gew\u00f6hnlich im Zusammenhang mit der Leiterschaft von der Mehrzahl, nicht Einzahl bez\u00fcglich \u00c4lteste, war Biggers Antwort: \u201ePaulus kannte damals noch nicht die Prinzipien der heutigen modernen Management- und Marketingmethoden. H\u00e4tte er diese damals schon gekannt, h\u00e4tte er seine Briefe anders geschrieben.\u201c So oder so \u00e4hnlich hat er dies ausgedr\u00fcckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kennzeichen eines geistlichen Menschen ist gem\u00e4\u00df 1. Kor. 14,37, dass man erkennt, dass es des Herrn Gebot ist, was Paulus schreibt (1. Kor. 14,37). Gem\u00e4\u00df dieser Aussage war der Apostel scheinbar vom Heiligen Geist nicht richtig oder nicht vollst\u00e4ndig instruiert worden. Offenbar wusste der lebendige Gott vor 2000 Jahren noch nichts von den angeblichen Erkenntnissen, die wir in unsren Tagen meinen entdeckt zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ICF gebraucht statt \u00c4lteste die Bezeichnung CEO, also Chief Executive Officer, ein Ausdruck aus der amerikanischen Gesch\u00e4ftswelt, was soviel hei\u00dft wie Vorsitzender, Pr\u00e4sident der Gesch\u00e4ftsleitung, eine Art Generaldirektor also. Die Bezeichnung an sich w\u00e4re unverf\u00e4nglich, doch bei dieser neuen Bewegung herrscht ein starker Zentralismus, wie ja auch obiges Zitat nahe legt. Dieses autorit\u00e4re F\u00fchrungsprinzip wird nun auf die Gemeinde \u00fcbertragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim D\u00fcnenhof-Festival erkl\u00e4rte Leo Bigger als einer der Redner: \u201eGott versorgt uns durch seinen Geist mit Blitzgedanken, auf die wir h\u00f6ren und vertrauen lernen m\u00fcssen, sonst gehen wir an seiner Kraftausr\u00fcstung vorbei\u201c (ideaSpektrum 22\/2015). Solche \u201eGeistesblitze\u201c sind typisch f\u00fcr medial veranlagte Menschen. Es \u00e4hnelt dem auch immer popul\u00e4rer werdenden \u201eprophetischen oder h\u00f6renden Gebet\u201c. Es passt nahtlos in unsere Zeit der esoterischen Auf- und Dammbr\u00fcche. New Ager finden sich bei solchen Ph\u00e4nomenen auf vertrautem Gebiet. Luk. 11,35 ist vielleicht die zutreffendste Ermahnung zu dieser Art von \u201eErleuchtungen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf seiner website hei\u00dft es gleich als \u00dcberschrift: <em>Glaube an Gott, der an Dich glaubt!<\/em> Das ist die typische Verlagerung von theo- zu anthropozentrisch. Es stellt den biblischen Sachverhalt auf den Kopf und ist kennzeichnend f\u00fcr eine Generation, die Eigenliebe in Erf\u00fcllung von 2. Tim. 3,2 zu einer Tugend erhoben hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einem Auftritt von Leo Bigger im Rahmen eines \u00f6kumenisch-evangelistischen Kreises in Bremerv\u00f6rde, kommentierte ein reifer und erfahrener Bruder, seiner Frustration eher freien Lauf lassend, folgenderma\u00dfen diesen Vortrag: <em>Ich habe mir den Vortrag auf youtube angesehen, angeh\u00f6rt: Intellektuell auf unterstem Niveau, theologisch zu 90% irref\u00fchrend falsch und von der Darbietung auffallend anthropozentrisch. Die Zuh\u00f6rer, die meisten wohl Gl\u00e4ubige, haben (fast pausenlos) offensichtlich ihre eigene Unkenntnis der Bibel beklatscht \u2013 geistlich unterstes Niveau. <\/em>Angef\u00fcgt waren noch diese Zeilen: <em>Entschuldigung, ich kann manchmal nicht mehr anders, als ironisch zu reagieren, weil es keine vern\u00fcnftige Basis mehr f\u00fcr einen sachlichen Diskurs gibt&#8230;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selber habe ich einen Gottesdienst von ICF einmal in Z\u00fcrich besucht. Es war zwar nicht auf so einem beklagenswerten Niveau, wie es dieser Bruder schildert, doch manches \u00e4hnelte einem frommen Kindergarten auf theologisch ziemlich d\u00fcnner bis infantiler Ebene. Beleuchtet war nur die B\u00fchne im Vordergrund. Wer eine Bibel mithatte, sa\u00df buchst\u00e4blich im Dunkeln. Es erinnerte an die Charakterisierung des Paulus der Gl\u00e4ubigen zu Korinth, die er als geistliche S\u00e4uglinge bezeichnete (1. Kor. 3,1-3). Im zweiten Brief muss er derselben Gemeinde sogar vorwerfen, wie sie einen fremden Geist gerne akzeptieren (2. Kor. 11,4), Auf dieser Ebene einer ebenso naiven wie plumpen Vertraulichkeit liegt auch Biggers Zeugnis \u00fcber den Heiligen Geist. In seinem neuen Buch schreibt er abschlie\u00dfend: <em>Darum Danke, lieber Daddy im Himmel, dass du mir einen neuen Freund zur Seite gestellt hast, einen richtigen Goldjungen, deinen Heiligen Geist! Mamma mia. Bin ich gl\u00fccklich!<\/em> (Leo Bigger &#8211; <em>Geist Gottes<\/em>, fontis Brunnen Basel).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der andere gefeierte Redner auf dem D\u00fcnenhof war Johannes <strong>Hartl<\/strong>, ein Katholik und Vertreter der charismatischen Bewegung innerhalb der Kirche Roms. Sein Buch \u201eIn meinem Herzen Feuer\u201c zieht ziemliche Kreise. Nun, jeder der nur etwas Ahnung von der geistlichen Ausrichtung des D\u00fcnenhofes hat, sollte dar\u00fcber nicht allzu sehr \u00fcberrascht sein. Anh\u00e4nger der Mystik und des Schwarmgeistes sind dort gefragte Redner. In einem Vortrag zu dem Thema Manifestationen des Heiligen Geistes erkl\u00e4rt Johannes Hartl lange und breit, warum Menschen, wenn sie vom Heiligen Geist ber\u00fchrt werden oder er mit ihnen betet, zittern, umfallen, von Energien durchstr\u00f6mt werden usw.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Belegstellen werden aus der Bibel Argumente bem\u00fcht, wie sie besonders im Zusammenhang mit dem Toronto-Segen sattsam bekannt wurden. Obwohl von menschlich gewinnender Art, kann ich ihn von diesen Darlegungen her nur als Extrem-Charismatiker einstufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Johannes Hartl ist auch wegen seiner Eloquenz nicht nur in der katholisch-charismatischen Str\u00f6mung ein neuer Star geworden. Dank der Remystifizierung der Evangelikalen, die mit Richard Fosters Megabestseller \u201eNachfolge Feiern\u201c vor ca. 30 Jahren ihren Anfang nimmt, wird er auch in der evangelikalen Welt immer beliebter und einflussreicher werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den zunehmenden Einfluss kann man auch daran erkennen, dass Bigger und Hartl nicht nur am D\u00fcnenhof sprachen, sondern auch als besondere Referenten f\u00fcr den Willow Creek Leitungskongress Febr. 2016 in Hannover angek\u00fcndigt sind. Auch f\u00fcr die von Campus f\u00fcr Christus Schweiz am Ende des Jahres geplante Explo 2015 in Luzern sind sie als begehrte Redner aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fazit: Es erinnert diese Verk\u00fcndigung in ihrer Theologie und Lehre an ein auf die Erwartungen des Publikums angepasstes \u201eChristentum-light.\u201c Von Dr. Georg Huntemann gibt es den Ausspruch: \u201eDiese Generation kann einen n\u00fcchternen Glaubenswandel nicht mehr ertragen. Sie braucht eine religi\u00f6se Sinnlichkeit bzw. sinnliche Religiosit\u00e4t.\u201c Gestalten, die man noch vor gar nicht so langer Zeit in die Seelsorge gebracht h\u00e4tte, sind heute die Manager der \u201eErweckung\u201c und leuchtende Vorbilder f\u00fcr viele evangelikale Jugendliche geworden. Dahingegeben ist nicht nur gem\u00e4\u00df R\u00f6m. Kap. 1 unsere gegenw\u00e4rtige Generation, &#8211; die derzeitige Debatte um die Homo-Ehe sollte auch dem naivsten Evangelikalen und Schw\u00e4rmer zeigen, in welch einer Zeit wir tats\u00e4chlich leben &#8211; sondern leider auch ein erschreckend gro\u00dfer Teil der Christenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ersch\u00fctternd, mit welch rasantem Tempo sich das moralische Klima in nur kurzer Zeit ge\u00e4ndert hat. Das Deutschland bzw. Europa von heute ist nicht mehr vergleichbar mit dem vor nur zehn Jahren. \u00c4hnliches hat sich auch in der evangelikalen Christenheit \u2013 leider \u2013 abgespielt. Ethische Positionen, die bis vor kurzem noch unantastbar schienen, werden auf einmal preisgegeben. Inzwischen mahnen auch f\u00fchrende Evangelikale ein Umdenken z.B. in der Einstellung zur Homosexualit\u00e4t an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich ist dies auch in gewisser Hinsicht eine Erf\u00fcllung von Matth. 24, die Verse 11-12 in der Wiederkunftsrede unseres Herrn Jesus. Vers zw\u00f6lf spricht von der kommenden \u201e<em>anomia<\/em>\u201c, Gesetzlosigkeit. Vor unseren Augen werden die Gebote Gottes eingeebnet und mit der Gender-Ideologie erleben wir einen Frontalangriff gegen die g\u00f6ttliche Ordnung der Familie. In dieser Zeit also werden gem\u00e4\u00df Vers 11 die falschen Propheten auftreten. Der Erfolg ist garantiert, hei\u00dft es doch im selben Abschnitt, \u201esie werden viele verf\u00fchren\u201c. Bei einer neoevangelikalen Christenheit, deren Ma\u00dfstab immer mehr der Erfolg und immer weniger die Lehraussagen der Schrift geworden ist, hat der Verf\u00fchrer nat\u00fcrlich leichtes Spiel.<\/p>\n<p>Bekanntlich beginnt das Gericht Gottes am Hause Gottes (1. Petr. 4,17). Die ganze Entwicklung erinnert an A.W. Tozers ber\u00fchmtes Zitat: \u201eWenn wir mit der Theologie, die wir heute haben, eine Erweckung bekommen, bedeutet das f\u00fcr die Christenheit eine moralische Trag\u00f6die, von der sie sich in 100 Jahren noch nicht erholt hat.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leo Bigger leitet seit 1994 die von Heinz Strupler gegr\u00fcndete \u201eInternational Christian Fellowship\u201c-Gemeinde in Z\u00fcrich. Inzwischen ist ICF mit ihm als Chef-\u00c4ltesten die gr\u00f6\u00dfte Gemeinde der Schweiz. Wegen seines gro\u00dfen Erfolgs wurde er auch im Jahre 2002 auf die Deutsche Evangelisten-konferenz eingeladen. 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