{"id":12312,"date":"2015-06-08T14:14:01","date_gmt":"2015-06-08T12:14:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12312"},"modified":"2015-06-08T14:14:01","modified_gmt":"2015-06-08T12:14:01","slug":"sind-wir-jetzt-wirklich-klueger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12312","title":{"rendered":"Sind wir jetzt wirklich kl\u00fcger?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Es fehlt der Mut zu klaren Positionierungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">R\u00fcckblick auf einen Kirchentag in Stuttgart. Es liegt in der Natur der Sache, dass der bei jedem nat\u00fcrlich ganz anders ausf\u00e4llt. Und wie er ausf\u00e4llt, konnte man eigentlich schon vorher bestimmen. Denn man sucht sich nat\u00fcrlich den Kirchentag so zusammen, wie man ihn braucht, wie man ihn will, was man seinem Nervenkost\u00fcm zumuten m\u00f6chte. Das Kirchentagsmotto \u201edamit Ihr klug werdet\u201c war jedenfalls klug gew\u00e4hlt. Denn in einer Zeit der Bildungseuphorie kann man einen Wunsch nach mehr Klugheit weder beiseiteschieben noch \u00fcbersehen. Schade, dass man den Kontext dieses biblischen Wortes aus Psalm 90 weggelassen hat.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klar, er ist nicht besonders werbetr\u00e4chtig. Aber gerade angesichts des \u00f6ffentlichen Sterbens um uns her &#8211; Flugzeugabsturz, Erdbeben in Nepal, Ertrinken im Mittelmeer, der Tod von unz\u00e4hligen Christen, die von blindw\u00fctigen Terroristen hingemordet werden \u2013 ist der Kontext so bedeutend: \u201eHerr, lehre uns bedenken, dass wir sterben m\u00fcssen, damit wir klug werden.\u201c Nicht, dass es \u00fcberhaupt nicht vorgekommen w\u00e4re \u2013 aber beherrschend war der Ewigkeitshorizont leider nicht, den wir so dringend br\u00e4uchten. Denn wer sich der Ewigkeit gewiss ist, hat Zeit und Kraft, sich den Fragen der Zeit zu widmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was halte ich fest?<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Ich stimme gerne in das medial weit verbreitete Loblied ein: Es war ein friedlicher harmonischer Kirchentag. Und es war ein spiritueller Kirchentag. Von morgens fr\u00fch bis abends sp\u00e4t ert\u00f6nte wirklich Lobgesang, auch mit Instrumenten. Das ist was in einer Zeit, in der sonst meist Klagelieder erklingen und Demonstrationen um eigene Vorteile das Leben anderer erschweren.<\/li>\n<li>Es gibt substantielle Fortschritte: Die ChristusBewegung durfte ihren eigenen Christustag in eigener Verantwortung autonom gestalten und konnte dabei auch die Barriere unbeachtet lassen, die messianischen Juden ansonsten die aktive Mitwirkung in kaum zu \u00fcberbietender Intoleranz untersagt. Und dass bei einem Forum tats\u00e4chlich auch ein messianischer Jude auftreten und reden durfte: Immerhin ein Anfang &#8211; auch wenn man dem fremdsprachigen Gast einem deutschsprachigen Kreuzverh\u00f6r aussetzte. Augenh\u00f6he und Fairness sehen anders aus. Warum hat sich der Kirchentag nicht zugetraut, einen deutschsprachigen messianischen Juden gegen\u00fcber zu setzen und neben Kirche und Judentum auch einen evangelikalen Nichtjuden als Bef\u00fcrworter zu Wort kommen zu lassen? Der Kirchentagspr\u00e4sident hat \u00fcberdies in seinem Schlusswort eher den Eindruck verbreitet, dass man jetzt ja nochmal die Stellungnahme gegen Judenmission erkl\u00e4rt habe. Das h\u00f6rte sich nicht nach Beginn, sondern nach Ende der Debatte an &#8211; bevor sie wirklich begonnen hat.<\/li>\n<li>Es gab klare Aussagen, dass die Bibel als Wort Gottes zu achten ist und sie die Orientierung f\u00fcr die Lehre in der Kirche und das Leben der Christen bietet. Wer h\u00f6ren wollte, konnte es h\u00f6ren. Aber auch das pure Gegenteil. Es fehlt\u00a0 die Grund\u00fcbereinstimmung, was die Substanz christlichen Glaubens ist. Wenn es wenigstens einen Versuch g\u00e4be, das gemeinsam herauszuarbeiten? Ich habe ihn nicht entdeckt. Denn wenn das Glaubensbekenntnis nicht die bestimmende Norm ist, was soll es dann sein? Die Grundsatzdiskussion dar\u00fcber darf nach meiner \u00dcberzeugung nicht mehr l\u00e4nger hinausgeschoben werden. Oder man einigt sich darauf, was der fr\u00fchere Kirchentagspr\u00e4sident und Verfassungsrichter Simon schon einmal vom Kirchentag sagte, dass es eigentlich kein Kirchentag, sondern ein Gesellschaftstag sei.<\/li>\n<li>Es gab viele ernsthafte Diskussionen, auch in kleinen Kreisen. Ich habe etwa an einer solchen Diskussion im Blick auf das \u201eChristliche Zeugnis in einer multireligi\u00f6sen Welt\u201c zugeh\u00f6rt, die kompetent und offen nach Wegen suchten, wie der Glaube im Zeugnis und Dialog weiter gegeben werden kann.<\/li>\n<li>Man redet von Buntheit und Vielfalt und scheint nicht zu merken, dass daraus l\u00e4ngst eine Einseitigkeit geworden ist. In vielen Foren darf man sich \u00fcber alle m\u00f6glichen Sexualit\u00e4tsformen und Partnerschaftsformen ausbreiten. Auch eine Werkstatt gegen den Phantomgegner Homophobie hat seinen Platz. Aber den Mut, auch mit Homosexuellen zu diskutieren, die z\u00f6libat\u00e4r leben wollen, gibt es nicht; eine Auseinandersetzung auf Augenh\u00f6he in fairen Diskussionen zwischen Vertretern der LSBTTIQ-Community und solchen, die das nicht f\u00fcr zukunftstr\u00e4chtig halten: Fehlanzeige! Die Plattit\u00fcde des Kirchentagspr\u00e4sidenten in seinem Abschlussstatement, dass man gelernt habe, sich nicht gegen die Liebe stellen zu k\u00f6nnen, verschiebt die notwendige Sachdiskussion auf die emotionale Ebene. Fehlanzeige auch f\u00fcr das Thema der baden-w\u00fcrttembergischen Bildungs- und Akzeptanzpl\u00e4ne. Warum ist z.B. ein Lehrer, der eine Petition binnen kurzer Zeit zu fast 200.000 Unterschriften f\u00fchrt, kein gefragter Podiumsgast, z.B. im Gegen\u00fcber mit dem Kultusminister?<\/li>\n<li>Und auch wenn das nervt: Die schlimmste Menschenrechtskatastrophe, \u00fcber 100.000 Kinder, deren Leben schon im Mutterleib gewaltsam beendet wird, ist dem Kirchentag nach wie vor kein Podium wert. Dabei berichten die Lebensschutzgruppen \u00fcber gute Gespr\u00e4che und nicht mehr so viel Feindschaft wie in fr\u00fcheren Jahren. Das macht Mut. K\u00f6nnte es sein, dass die Diskussionen \u00fcber das Ende des Lebens auch wieder offener machen f\u00fcr den Lebensschutz am Anfang? Es w\u00e4re sehr sch\u00f6n.<\/li>\n<li>Die wahrscheinlich gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr die Gesellschaft, die demografische Katastrophe, in der wir schon stehen, ist leider kein Hauptthema beim gesellschaftlich gepr\u00e4gten Kirchentag.<\/li>\n<li>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr die Kirchen, n\u00e4mlich wie wir Menschen zum lebendigen Glauben an Jesus einladen k\u00f6nnen, war da und dort durchaus ein Thema. Aber warum Hauptherausforderungen nicht auch in Hauptpodien aufmerksam bearbeitet werden, kann ich nicht nachvollziehen.<\/li>\n<li>Die st\u00e4rkste \u00f6kumenische Herausforderung, das Leid der verfolgten Christen weltweit, hatte nicht ann\u00e4hernd den gleichen Stellenwert, wie Dialogprogramme mit anderen Religionen. Das bleibt mir unverst\u00e4ndlich!<\/li>\n<li>\u201eDamit wir klug werden\u201c \u2013 ich finde der Kirchentag hat noch ein gro\u00dfes Lernprogramm vor sich. Wenn ich das richtig beurteile, steht die evangelikale Gemeinschaft bereit, daran mitzuarbeiten. Aber daf\u00fcr &#8211; das hat der Vorsitzende der ChristusBewegung, Ralf Albrecht, bei einem Empfang richtig festgestellt &#8211; liegt der Ball jetzt beim Kirchentag.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hartmut Steeb<\/em>, <em>Generalsekret\u00e4r der Deutschen Evangelischen Allianz<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es fehlt der Mut zu klaren Positionierungen R\u00fcckblick auf einen Kirchentag in Stuttgart. Es liegt in der Natur der Sache, dass der bei jedem nat\u00fcrlich ganz anders ausf\u00e4llt. Und wie er ausf\u00e4llt, konnte man eigentlich schon vorher bestimmen. 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