{"id":12295,"date":"2015-06-02T21:24:29","date_gmt":"2015-06-02T19:24:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12295"},"modified":"2015-06-02T22:07:31","modified_gmt":"2015-06-02T20:07:31","slug":"offener-brief-an-den-badischen-landesbischof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12295","title":{"rendered":"Offener Brief an den badischen Landesbischof"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Offener Brief an Professor Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden und an den Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anfrage<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Lebensordnung der Evangelischen Landeskirche in Baden, Ehe und kirchliche Trauung II. S. 5 Punkt 26, hei\u00dft es:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ob der Bitte um eine kirchliche Segenshandlung f\u00fcr Menschen in ehe\u00e4hnlichen oder homosexuellen Lebensgemeinschaften entsprochen werden kann, ist umstritten. Die Seelsorge an Menschen in einem ehe\u00e4hnlichen oder homosexuellen Lebensverh\u00e4ltnis kann in einem pers\u00f6nlichen Segenszuspruch ihren Ausdruck finden. Damit ist keine Institutionalisierung von Lebensgemeinschaften neben der Ehe oder als Alternative zu ihr verbunden. Der Leitbildcharakter von Ehe und Familie darf nicht undeutlich gemacht werden. Auf der Homepage der Evangelischen Landeskirche in Baden hei\u00dft es: K\u00f6nnen homosexuelle Menschen kirchlich heiraten? Der Wunsch nach Segnung homosexueller Menschen oder ihrer Partnerschaft ist in den letzten Jahren ausgesprochen worden.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob der Bitte um eine kirchliche Segnung f\u00fcr Menschen in homosexuellen Lebensgemeinschaften entsprochen werden kann, ist allerdings umstritten. Es gibt innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland mehrere Landeskirchen, in denen Segnungsgottesdienste oder Andachten aus diesem Anlass m\u00f6glich sind; der Ausdruck &#8222;Heirat\/Trauung&#8220; wird dabei generell vermieden. Andere Landeskirchen, so auch die badische Landeskirche, sehen eine geistliche Begleitung f\u00fcr gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften ausschlie\u00dflich in der Seelsorge vor. Im Raum der Evangelischen Kirche in Baden sind bisher entsprechende \u00f6ffentliche kirchliche Segenshandlungen nicht vorgesehen. Soweit die Regel.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Pforzheim fand am Samstag, den 16.5.15 in der Christuskirche Folgendes statt: Zwei M\u00e4nner erhielten \u2013 so die \u00dcberschrift in der Pforzheimer Zeitung -\u2013 den kirchlichen Segen zum M\u00e4nner-Bund f\u00fcrs Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war eine vorher in dieser Zeitung (also \u00f6ffentlich) angek\u00fcndigte Veranstaltung, umrahmt von Glockengel\u00e4ut. Eine gro\u00dfe Menge von Menschen (\u00f6rtliche Prominenz, Freunde und Weggef\u00e4hrten) nahm teil. Die Veranstaltung fand in der Kirche statt, also in aller \u00d6ffentlichkeit, nicht in einem gesch\u00fctzten Raum, Pfarrerin Nakatenus hielt eine Predigt (in der sie betonte, wie wichtig dem Paar der kirchliche Segen sei; sie verwendete auch explizit die Begriffe \u201eEhe\u201c und \u201eheiraten\u201c), die beiden M\u00e4nner gaben sich \u00f6ffentlich das Eheversprechen, tauschten Ringe, wurden von der Pfarrerin gesegnet. Pfarrer im Probedienst Torsten Resack \u00fcberreichte eine Bibel, der Chor der Altstadtgemeinde und der Organist bereicherten die Feier, schlie\u00dflich wurde auch eine Kollekte eingesammelt. Soweit die Pforzheimer Zeitung am 18.5.2015. Diese Veranstaltung kann selbst bei weitherzigster Auslegung nicht als pers\u00f6nlicher Segenszuspruch im Rahmen der Seelsorge oder als geistliche Begleitung in der Seelsorge bezeichnet werden. Sie war keine Seelsorge, sondern f\u00fcr jeden erkennbar ein Traugottesdienst. Damit setzten sich die Veranstalter nicht nur \u00fcber die kirchlichen Regeln (s.o.) hinweg, sondern \u00fcberboten sogar noch die staatlichen Regelungen, nach denen gleichgeschlechtliche Partnerschaften noch nicht der Ehe gleichgestellt sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entgegen der oben angef\u00fchrten kirchlichen Regeln wurde also der Leitbildcharakter von Ehe und Familie in diesem Fall sicher nicht unabsichtlich undeutlich gemacht und versucht, Lebensgemeinschaften neben der Ehe als Ehe zu institutionalisieren. Es fand \u2013 im Gegensatz zur expliziten Regelung (s.o.) \u2013 eine \u00f6ffentliche kirchliche Segens- bzw. Trauhandlung statt (die Begriffe \u201eEhe\u201c und \u201eheiraten\u201c wurden nicht etwa vermieden, sondern explizit verwendet und noch hervorgehoben). Es gab also nicht wie vorgesehen eine geistliche Begleitung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ausschlie\u00dflich in der Seelsorge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Umso verwunderlicher ist f\u00fcr uns deshalb die Erkl\u00e4rung des Pressesprechers der Landeskirche Daniel Meier (PZ vom 20.5.2015), diese Veranstaltung habe den Vorgaben der evangelischen Landeskirche Baden entsprochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nimmt man die oben zitierten Texte ernst, dann war die Veranstaltung in Pforzheim ein Versto\u00df gegen die Regeln der Landeskirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nimmt man den Pressesprecher der Badischen Landeskirche (und damit \u2013 da bisher keinerlei Dementi erfolgte \u2013 die Kirchenleitung, f\u00fcr die er ja spricht) ernst, dann war sie regelkonform.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir als Betroffene, die immer wieder Trauungen durchf\u00fchren, wir fragen nun: Hat die Landeskirche ihre Regeln in der letzten Zeit ge\u00e4ndert, ohne es uns mitzuteilen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor allem aber fragen wir &#8211; und viele erheblich irritierte Pfarrer, Diakone, Pr\u00e4dikanten und Gemeindeglieder mit uns &#8211; was gilt denn nun heute in unserer Landeskirche? Gilt die Lebensordnung Ehe und kirchliche Trauung\/der Beschluss der Landessynode von 2003 oder gilt das ihr entgegenstehende Handeln einzelner und dessen Rechtfertigung durch Pressesprecher und damit der Kirchenleitung? Kann in dieser Kirche jeder einfach tun und lassen, was er will oder ist das gemeinsam Vereinbarte, sind die Regeln noch verbindlich &#8211; und zwar f\u00fcr alle?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und inhaltlich gefragt: Will die Kirchenleitung etwa auf diesem Wege den klugen, nach langen und theologisch tiefgehenden Beratungen mit gro\u00dfer Mehrheit gefassten Beschluss der Synode von 2003 (geistliche Begleitung ausschlie\u00dflich in der Seelsorge) aushebeln, will sie stillschweigend dem Zeitgeist &#8211; entgegen dem klaren und eindeutigen biblischen Zeugnis &#8211; folgen und gleichgeschlechtliche Paare \u00f6ffentlich kirchlich trauen und segnen, hat sie die Absicht, den Leitbildcharakter von Ehe und Familie undeutlich zu machen, ja will sie der erw\u00e4hnten Lebensordnung, die die Ehe durchgehend als eine zwischen einem Mann und einer Frau geschlossene Verbindung ansieht, widersprechen und damit letztlich auch dem Wort Gottes zuwiderhandeln?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen unserer Kirche weiterhin im Lichte des Evangeliums und in der Bindung an Schrift und Bekenntnis in Treue dienen. Wir wollen deshalb Hindernisse, die durch die erw\u00e4hnten Ereignisse und Handlungen entstanden sind, ausr\u00e4umen. Damit dies gelingt, brauchen wir das Gespr\u00e4ch miteinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil die Veranstalter des Gottesdienstes \u2013 sicher mit Bedacht \u2013 \u00f6ffentlich handelten, und weil auch die Kirchenleitung sich \u00f6ffentlich \u00e4u\u00dferte (und eben damit viel an Unruhe in die Gemeinden getragen hat), sehen wir uns gezwungen, ebenfalls \u00f6ffentlich unsere Irritation kundzutun und \u00f6ffentlich die Fragen zu stellen, die vielen anderen Christen auch auf den N\u00e4geln brennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Hoffnung auf Antworten\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit freundlichem Gru\u00df!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gertrud Diekmeyer, Pfarrerin, Stein<br \/>\nChristiane Klebon-Schulz, Pfarrerin, Bauschlott<br \/>\nKarl Heinz Schweizer, Pfarrer i.R., Bruchsal Oliver Els\u00e4sser, Pfarrer, K\u00f6nigsbach<br \/>\nTraugott Fr\u00e4nkle, Pfarrer, Wiesloch<br \/>\nKarl Heinz Ga\u00dfner, Pfarrer i.R., Wiesloch<br \/>\nJ\u00fcrgen Klein, Pr\u00e4dikant, Stein<br \/>\nG\u00fcnther Wacker, Pfarrer, Ellmendingen-Weiler-Dietenhausen<br \/>\nWerner Schlittenhardt, Pr\u00e4dikant, Ellmendingen<br \/>\nPaul-Ludwig B\u00f6cking, Pfarrer, Pforzheim-Eutingen<br \/>\nHenning Harde, Gemeindediakon, Pforzheim-Eutingen<br \/>\nMartin R\u00f6sch, Pfarrer und theologischer Leiter der Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr das messianische Zeugnis an Israel, Schopfheim<br \/>\nMartin Kugele, Pfarrer i.R., Bretten<br \/>\nDr. Dagny von der Goltz, Pfarrerin, Renchen<br \/>\nRenate Schmidt, Pfarrerin, Willst\u00e4dt-Hesselhurst<br \/>\nSieglinde Stark, Gemeindediakonin, Ispringen<br \/>\nVolker Fr\u00e4nkle, Pr\u00e4dikant, Eisingen<br \/>\nMartin Griesinger, Pfarrer, N\u00f6ttingen<br \/>\nDieter Fischer, Pfarrer i.R., Friesenheim<br \/>\nThomas B\u00f6lling, Pfarrer i.R., Heidelberg<br \/>\nThomas Hilsberg, Pfarrer, Radolfzell<br \/>\nDr. Hans-Gerd Krabbe, Pfarrer, Achern<br \/>\nRolf-Alexander Thieke, Pfarrer und Religionslehrer i.R., Uhldingen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Pforzheimer Zeitung. PZ-News.de 1.6.2015<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Offener Brief an Professor Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden und an den Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe Anfrage In der Lebensordnung der Evangelischen Landeskirche in Baden, Ehe und kirchliche Trauung II. 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