{"id":12218,"date":"2015-05-11T16:10:03","date_gmt":"2015-05-11T14:10:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12218"},"modified":"2015-05-11T16:13:10","modified_gmt":"2015-05-11T14:13:10","slug":"der-zeitgeist-und-die-evangelische-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12218","title":{"rendered":"Der Zeitgeist und die evangelische Kirche"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am 14. M\u00e4rz 2015 hielt der Jugend-Evangelist Andreas Malessa, in Altensteig (Baden-W\u00fcrttemberg) einen Vortrag zum Thema: <em>\u201eChristsein in der Postmoderne\u201c<\/em>. Dieser Vortrag wurde auf einem Flyer angek\u00fcndigt mit den Worten: <em>\u201eWiderstehet dem Zeitgeist!\u201c schallt es von Kanzeln und aus frommen Bl\u00e4ttern, doch wer die Fenster und T\u00fcren seines Gemeindehauses mit dem Isolierband der Rechtgl\u00e4ubigkeit abdichten will, stellt fest: Er ist schon drin, der \u201eGeist der Zeit\u201c. Im Denken und F\u00fchlen unserer Kinder z.B. in den Sachzw\u00e4ngen unserer Arbeitsstelle. In unseren Beziehungen, im Lebensstil und Freizeitverhalten, sogar in unserem Glauben sind wir \u201eKinder unserer Zeit\u201c.<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Was also tun? K\u00f6nnen wir unsere Kultur und Gesellschaft missionarisch \u2013 diakonisch &#8211; prophetisch beeinflussen oder gar pr\u00e4gen? Ja, indem wir nicht \u201evon\u201c, aber engagiert und barmherzig mitten \u201ein\u201c der Welt sind. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich werde das Thema \u201eZeitgeist und evangelische Kirche\u201c in f\u00fcnf Abschnitten behandeln:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><em> Wer oder was ist eigentlich der Zeitgeist?<\/em><\/li>\n<li><em> Wo liegt der Unterschied zwischen der Aktualit\u00e4t der Verk\u00fcndigung und der Bindung an den Zeitgeist?<\/em><\/li>\n<li><em> Wie zeigt sich der Zeitgeist in der Kirche? <\/em><\/li>\n<li><em> Woher kommt die auff\u00e4llige Hingabe der Evangelischen an den Zeitgeist?<\/em><\/li>\n<li><em> Wie \u00fcberwinden wir den Zeitgeist?<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.\u00a0 <em>Wer oder was ist eigentlich der Zeitgeist?<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er ist die geistige Kraft menschlichen Denkens, die einer bestimmten Epoche ihr Siegel aufdr\u00fcckt. (Vgl. hierzu: Karl Baur. Zeitgeist und Geschichte. M\u00fcnchen 1978, S. 13ff.) Der Zeitgeist ist die Denk- und F\u00fchlweise (Mentalit\u00e4t) eines Zeitalters. Der Begriff bezeichnet die Eigenart einer bestimmten Epoche beziehungsweise den Versuch, uns diese zu vergegenw\u00e4rtigen. Das deutsche Wort <em>Zeitgeist<\/em> ist \u00fcbrigens \u00fcber das Englische als Lehnwort in zahlreiche andere Sprachen \u00fcbernommen worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff selbst, also \u201eZeitgeist\u201c, ist eine Wortsch\u00f6pfung des Theologen und Dichters Johann Gottfried Herder f\u00fcr das allgemeine intellektuelle, geistige und kulturelle Klima einer Zeit bzw. einer Epoche. Goethe, der Freund Herders, umschreibt in seinem \u201eFaust\u201c (Faust I: 575-577) den \u201eGeist der Zeiten\u201c mit den Worten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWas ihr den Geist der Zeiten hei\u00dft, das ist im Grund der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Goethe veranschaulichte diesen Begriff, indem er formulierte: \u201e<em>Wenn eine Seite nun besonders hervortritt, sich der Menge bem\u00e4chtigt und in dem Grade triumphiert, dass die entgegengesetzte sich in die Ecke zur\u00fcckziehen und und f\u00fcr den Augenblick im stillen verbergen mu\u00df, so nennt man jenes \u00dcbergewicht den Zeitgeist, der dann auch eine Zeitlang sein Wesen treibt.\u201c <\/em>(Art. Zeitgeist. In: Schischkoff, Georgi (Hrsg.): Philosophisches W\u00f6rterbuch. 16. Aufl. Stuttgart 1961, S. 639)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Beobachtung Goethes ist inzwischen mit dem ganzen Instrumentarium demoskopischer Forschung analysiert worden. Elisabeth Noelle-Neumann, die fr\u00fchere Leiterin des Allensbacher Institutes f\u00fcr Demoskopie hat dieses Ph\u00e4nomen erforscht und die Ergebnisse in ihrem Buch \u201eDie Schweigespirale\u201c zusammengefa\u00dft. Sie schreibt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eSchweigespirale hei\u00dft: Menschen wollen sich nicht isolieren, beobachten pausenlos ihre Umwelt, k\u00f6nnen aufs feinste registrieren, was zu-, was abnimmt. Wer sieht, dass seine Meinung zunimmt, ist gest\u00e4rkt, redet \u00f6ffentlich, l\u00e4\u00dft die Vorsicht fallen. Wer sieht, dass seine Meinung an Boden verliert, verf\u00e4llt in Schweigen.\u201c <\/em>(Elisabeth Noelle-Neumann: Die Schweigespirale. \u00d6ffentliche Meinung \u2013 unsere soziale Haut. Frankfurt\/M., Wien, Berlin 1982, S. XIII)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Beobachtung ist aufschlu\u00dfreich auch im Blick auf die Kirche. Indem auch hier die einen laut reden und sich der Medien bem\u00e4chtigen, geben sie im wahrsten Sinn des Wortes den Ton an. Sie wirken st\u00e4rker als sie wirklich sind. Sie bestimmen die Themen, die in den Gremien zu behandeln sind. Sie behaupten die Dringlichkeit und Notwendigkeit dieser Themen so lange und so stark, bis am Ende sogar die Mitglieder des Kirchenvorstandes im letzten Dorf davon \u00fcberzeugt sind. Und wehe, sie w\u00e4ren es nicht! Sie w\u00fcrden sich hoffnungslos isolieren. Pfarrer oder einzelne Synodale k\u00f6nnen davon ein Lied singen, was es hei\u00dft, etwa in puncto Feministische Theologie oder Gender-Ideologie eine dem Zeitgeist entgegengesetzte Meinung zu \u00e4u\u00dfern. Noelle-Neumann beschreibt, was denen widerf\u00e4hrt, die eine auff\u00e4llige eigenst\u00e4ndige Meinung aus der Position einer verschwindend kleinen Minderheit heraus vertreten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWichtig ist zu beachten, dass \u00f6ffentliche Meinung immer eine irrationale wertgeladene Komponente hat, einen moralischen Wert. Wer anders denkt, ist nicht dumm, sondern schlecht. Aus dem moralischen Element zieht die \u00f6ffentliche Meinung ihre Kraft, ihre Isolationsandrohung.\u201c <\/em>(A.a.O., S. XI f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch manches kirchenleitende Handeln wird vor diesem Hintergrund plausibel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eSein Urteil \u00fcber \u00f6ffentliche Meinung, was moralisch gebilligt und nicht gebilligt wird, bildet sich der einzelne aus zwei Quellen: der unmittelbaren Umweltbeobachtung und ihren Signalen von Billigung und Mi\u00dfbilligung, das ist das eine; aus den Massenmedien,indem<\/em> <em>Signale, die sich gegenseitig best\u00e4tigen, in den Medien beobachtet werden, das ist das andere. Auf diesem Wege \u2026 kommt die Wirkung der Massenmedien auf den Zeitgeist (ein anderer Begriff f\u00fcr \u00f6ffentliche Meinung) zustande, und der Zeitgeist wiederum beeinflu\u00dft die Einstellung und das Verhalten des einzelnen.\u201c <\/em>(A.a.O., S. XII f.)<\/p>\n<p>Sicherlich gibt es Zeiten und Situationen, in denen der Zeitgeist dem Christentum g\u00fcnstig ist &#8211; und es gibt die entsprechen umgekehrte Situation.<\/p>\n<p><strong>2.\u00a0 <em>Wo liegt der Unterschied zwischen Aktualit\u00e4t der Verk\u00fcndigung und Bindung an den Zeitgeist?<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kirche stand zu allen Zeiten vor der Frage: Wie kann die einmalige und einzigartige Botschaft vom Heil in Jesus Christus so verk\u00fcndigt werden, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft und Pr\u00e4gung sich angesprochen f\u00fchlen, ohne dass die Botschaft aus Gr\u00fcnden falscher R\u00fccksichtnahme verk\u00fcrzt oder erg\u00e4nzt wird? Aktualisierung ist notwendig. Sie darf aber nicht in Anbiederung an den Zeitgeist erkauft werden. Das Entgegenkommen und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr andere kommt &#8211; christlich gesprochen &#8211; aus dem Geist des Evangeliums und hat zugleich die Verk\u00fcndigung dieses Evangeliums zum Ziel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ganze Neue Testament ist daf\u00fcr ein Beispiel, wie aus dem Verstehen des Judentums und des Griechentums das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Menschen erw\u00e4chst, die von dem einen oder anderen Geist gepr\u00e4gt sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Neue Testament kann sogar die vom damaligen philosophischen Zeitgeist gepr\u00e4gten Begriffe wie <em>Logos, Wahrheit<\/em> und <em>Gerechtigkeit<\/em> aufnehmen, indem es sie sozusagen \u201etauft\u201c und ihnen einen neuen Inhalt gibt: Jesus Christus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er ist der Logos, er ist die Wahrheit, er ist die Gerechtigkeit. In diesem Sinne konnte auch der Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth schreiben:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDen Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden &#8211; obwohl ich selber nicht unter dem Gesetz bin -, damit ich die, die unter dem Gesetz sind, gewinne \u2026 Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen.\u201c <\/em>(1. Korinther 9,20.22-23)<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass das alte Evangelium jeweils neu gesagt werden mu\u00df, darf nicht zu einem \u201eneuen Evangelium\u201c f\u00fchren. Dazu stellt der Apostel klipp und klar fest: \u201e<em>Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen w\u00fcrde, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht.\u201c <\/em>(Galater 1,8)<\/p>\n<p><strong><em>3.\u00a0 Wie zeigt sich der Zeitgeist in der Kirche?<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An drei Beispielen m\u00f6chte ich darstellen, wie der Zeitgeist weite Bereiche der Kirche gepr\u00e4gt hat und wie diese Pr\u00e4gung, die heute so deutlich ist, bereits vor Jahrzehnten eingesetzt hat \u2013 damals noch von vielen kaum bemerkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zeitgeist feministisch &#8211; Zeitgeist \u00f6kologisch &#8211; Zeitgeist synkretistisch<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe beobachtet, dass bei den Wahlen zu kirchenleitenden \u00c4mtern diejenigen kaum eine Chance hatten bzw. haben, die in den genannten Bereichen kein positives Engagement zeigten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zeitgeist feministisch<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der feministischen Bewegung geht es nach ihrer eigenen Selbstdarstellung um ein gerechteres Verh\u00e4ltnis von M\u00e4nnern und Frauen in der Gesellschaft und eben auch in der Kirche. Dieses Bem\u00fchen f\u00fchrte teilweise zu grotesken Umformungen der biblischen Botschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bremer Landesverband der Evangelischen Frauenhilfe wollte 1995 seiner 20 Jahre alten Satzung eine zeitgem\u00e4\u00dfe Sprache geben. Dazu pa\u00dfte nach Ansicht des Vorstandes nicht mehr die im Text vorgegebene Erf\u00fcllung der Aufgaben \u201ein der Liebe Gottes in Jesus Christus\u201c. Die schwer nachvollziehbare Begr\u00fcndung: \u201eChristus\u201c hei\u00dft \u00fcbersetzt der Gesalbte. Christus ist ein Herrschaftstitel. K\u00f6nige empfingen bei ihrem Amtsantritt die Salbung an der Stirn. Christus ist also ein Titel, mit dem Jesus Herrschaft zugesprochen wird. So hei\u00dft es ja auch in dem bekannten Choral:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Jesus Christus herrscht als K\u00f6nig,<br \/>\nalles wird ihm untert\u00e4nig,<br \/>\nalles legt ihm Gott zu Fu\u00df.<\/em> (EG 123)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus diesem Herrschaftstitel &#8211; so der Vorstand der Frauenhilfe &#8211; wurde und wird in der Kirche m\u00e4nnliches Herrschertum abgeleitet. Darum der Vorschlag der Frauen: Jesus ja, Christus nein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derartige \u201eKorrekturen\u201c wurden bereits Jahre zuvor in der evangelischen Presse und Publizistik angemahnt. So konnte man im Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt, dem fr\u00fcheren Flaggschiff der evangelischen Presse einen l\u00e4ngeren Beitrag lesen unter der \u00dcberschrift:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein verr\u00e4terischer Titel. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Abschaffung des Wortes \u201eHerr\u201c in der Bibel.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Beitrag beginnt mit den Worten: \u201e<em>Es ist h\u00f6chste Zeit, das Wort \u201cHerr\u201c aus dem christlichen Sprachgebrauch zu entfernen. Dieser Name f\u00fcr Gott widerspricht allem Eintreten f\u00fcr Demokratie und Menschenrecht. Er verf\u00e4lscht die biblische Botschaft. \u201eHerr\u201c stammt aus der Zeit, als \u201eHerrschaften\u201c aufkamen. Sie wurden m\u00f6glich mit dem Eigentumserwerb an Land, Vieh und Geld. Damit konnte einer andere auch daf\u00fcr belohnen oder bezahlen, dass sie f\u00fcr ihn Gewalt \u00fcbten. Unterdr\u00fcckung wurde organisiert. Ein Mann bekam die Macht \u00fcber viele. Abh\u00e4ngigkeit von gewaltt\u00e4tigen Herren verwandelte auch Gott in einen gewaltigen, allm\u00e4chtigen Herrn, in einen Herr-Gott. Wer seitdem seine Hoffnung auf \u201eauf den Herrn\u201c richtet, hofft letzten Endes auf dessen \u00dcbermacht, auf Gewalt, nicht auf Demokratie und Recht.\u201c <\/em>(Eberhard Fincke: Ein verr\u00e4terischer Titel. In: Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt. Nr. 35 v. 28.08.1992, S. 18)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Meinung mutete zun\u00e4chst wie eine bizarre Randerscheinung innerhalb der Evangelischen Kirche an. Aber das war sie durchaus nicht. Markantestes Beispiel daf\u00fcr ist die sog. \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c. (G\u00fctersloh 2006, 3. Aufl. 2007)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie wurde von 52 Theologen erarbeitet, zu denen auch kirchenleitende Pers\u00f6nlichkeiten geh\u00f6rten. Das Geleitwort schrieb Peter Steinacker, damals Kirchenpr\u00e4sident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser seltsamen Bibel wird die \u201egerechte Sprache\u201c in dieser Weise hergestellt, dass z.B. in den Psalmen Gott abwechselnd als \u201eder Ewige\u201c und \u201edie Ewige\u201c bezeichnet wird oder als \u201eder Lebendige\u201c und \u201edie Lebendige\u201c oder \u201eder Eine\u201c und \u201edie Eine\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Text der Bergpredigt beginnt nach dieser \u00dcbersetzung mit den Worten: \u201e<em>Jesus sah die Volksmenge an und stieg auf einen<\/em> <em>Berg. Als er sich hingesetzt hatte, kamen seine J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger zu ihm.\u201c (Matth\u00e4us 5,1)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben den J\u00fcngerinnen werden auch Apostelinnen, Prophetinnen und Lehrerinnen genannt. Im 1. Korintherbrief lesen wir: \u201e<em>Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer&#8230;\u201c <\/em>(1. Korinther 12,28)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das liest sich in der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c so: <em>Gott hat der Gemeinde unterschiedliche Aufgaben gestellt, da sind ersten Apostelinnen und Apostel, zweitens Prophetinnen und Propheten, drittens Lehrerinnen und Lehrer&#8230;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und das Vaterunser beginnt mit den Worten: \u201e<em>Du Gott, bist uns Vater und Mutter im Himmel.\u201c (Matth\u00e4us 6,9) <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der damalige EKD-Vorsitzende Bischof Wolfgang Huber stellte fest: \u201e<em>Dass eine \u00dcbersetzung immer auch Interpretation enth\u00e4lt, wird hier umgedreht: Die Interpretation wird als \u00dcbersetzung ausgegeben. Das ist ein Versto\u00df gegen das reformatorische Schriftprinzip. Gerechtigkeit ist ein zentrales Thema der Bibel. Aber man kann doch nicht unter dem Gesichtspunkt der Gerechtigkeit einen Bibeltext so verdrehen, dass etwa dort, wo eindeutig zw\u00f6lf M\u00e4nner gemeint sind, \u201eApostelinnen und Apostel\u201c geschrieben wird und der Leser den Eindruck erh\u00e4lt, als h\u00e4tte es in diesem Kreis auch Frauen gegeben.\u201c <\/em>(Zit. nach: DerTagesspiegel. Berlin v. 11. Februar 2007)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zeitgeist \u00f6kologisch<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sich f\u00fcr die \u201eBewahrung der Sch\u00f6pfung\u201c einzusetzen, steht jedem Christen gut an. Die politische Bewegung der \u201eGr\u00fcnen\u201c hat in dieser Hinsicht wichtige Anst\u00f6\u00dfe gegeben. Auff\u00e4llig ist jedoch, dass es dieser Bewegung &#8211; von wenigen Ausnahmen abgesehen &#8211; zwar um den Respekt gegen\u00fcber der Sch\u00f6pfung geht, aber nicht gegen\u00fcber dem Sch\u00f6pfer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In manchen Gemeinden versuchte man seit Ende der achtziger Jahre beides miteinander zu verbinden. Es fanden sog. \u00d6ko-Andachten und sogar Tiergottesdienste statt. Zu Spezialisten auf diesem Gebiet entwickelte sich ein Pfarrerehepaar in Glauberg (Wetterau-Kreis). Am Pfingstmontag 1989 fand in den Mauern des ehemaligen Klosters Schiffenberg bei Gie\u00dfen der erste \u00d6kumenische Gottesdienst f\u00fcr Menschen und Tiere statt. Mehr als tausend Besucher waren gekommen. Das Besondere: sie hatten ihre tierischen Lieblinge mitgebracht. An dem zweieinhalbst\u00fcndigen Gottesdienst nahmen etwa 250 Tiere teil: vor allem Hunde und Katzen, aber auch Pferde, Rinder, Esel, Kaninchen, Wellensittiche, Meerschweinchen und Schildkr\u00f6ten. Die Initiative zu diesem \u201eZoo-Gottesdienst\u201c ging von der damals gegr\u00fcndeten \u201eAktion Kirche und Tiere &#8211; AKUT\u201c aus. (epd-Wochenspiegel. Frankfurt\/M. Nr. 20 v. 18.05.1989, S. 7; idea-Spektrum. Wetzlar. Nr. 20 v. 18.05.1989, S. 2)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch einen Schritt weiter ging ein Pfarrer in Greiz bei Plauen. Er taufte in einem Altenpflegeheim im Rahmen einer kleinen Feier die beiden K\u00e4tzchen Nico und Susi. Die Bewohner des Heimes hatten es angeblich so gew\u00fcnscht. (idea. Nr. 81\/82 v. 20.09.1990, S. 11f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits 1984 erschien ein \u201eManifest zur Vers\u00f6hnung mit der Natur\u201c. W\u00f6rtlich hei\u00dft es dort:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<em>Die Christen k\u00f6nnen bei ihrem Eintreten f\u00fcr die Bewahrung der Sch\u00f6pfung nicht \u00fcbersehen, dass sie selber schuldig geworden sind. Sie haben diese Schuld zu bekennen&#8230;\u201c <\/em>(G\u00fcnter Altner, Gerhard Liedke, Klaus M. Meyer-Abich, A.M. Klaus M\u00fcller und Udo E. Simonis: Manifest zur Vers\u00f6hnung mit der Natur. Die Pflicht der Kirchen in der Umweltkrise. Neukirchen-Vluyn 1984, 3. Aufl. 1985, S. 24).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die hier gebrauchte Begrifflichkeit zieht sich wie ein Dreitakt durch viele \u00e4hnliche Erkl\u00e4rungen aus Kirche und Theologie zum Thema \u00d6kologie: Zerst\u00f6rung der Sch\u00f6pfung &#8211; S\u00fcnde \u2013 Schuldbekenntnis. Damit scheint ein ganz umfassendes, alles Leben umgreifendes Sch\u00f6pfungsverst\u00e4ndnis ausgedr\u00fcckt zu sein. Aber es scheint nur so. Denn dieser leidenschaftliche Kampf f\u00fcr das Leben, dieser Einsatz f\u00fcr Kr\u00f6ten, Uhus, Froschlaich und vom Aussterben bedrohte Tierarten steht in einem geradezu gespenstischen Kontrast zur Praxis der j\u00e4hrlich \u00fcber hunderttausendfachen T\u00f6tung ungeborenen Lebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00fcrden die gleichen \u00d6ko-Aktivisten auch hinsichtlich der T\u00f6tung des ungeborenen Menschenlebens in diesem Dreitakt reden: Abtreibung ist Zerst\u00f6rung der Sch\u00f6pfung, ist S\u00fcnde und fordert daher ein Schuldbekenntnis, dann w\u00e4ren sie glaubw\u00fcrdig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um nicht falsch verstanden zu werden. Es gibt Grenzsituationen, in denen eine Abtreibung verst\u00e4ndlich ist. Aber es mu\u00df doch zutiefst betroffen machen, wenn in Deutschland, einem der reichsten L\u00e4nder der Welt, nach wie vor \u00fcber 90 Prozent der Abtreibungen aus Gr\u00fcnden der sog. sozialen Indikation erfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zeitgeist synkretistisch<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist Synkretismus? Synkretismus besteht auf der Voraussetzung, dass alle Religionen Spiegelungen einer allgemeinen Urreligion seien und hinsichtlich ihres Wahrheitsgehaltes nur graduelle Unterschiede aufweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das liest sich dann bei einem Bremer evangelischen Theologen so: \u201e<em>Es f\u00e4llt mir schwer, anzunehmen,<\/em> <em>es g\u00e4be eine allgemeinverbindliche Wahrheit. Von der Vorstellung, Christus sei der Heiland aller Menschen, w\u00fcrde ich mich gern verabschieden.Ich freue mich dar\u00fcber, wenn andere ihren eigenen Heiland, ihre eigene Erl\u00f6sung gefunden haben. Ich kann darum nicht glauben, dass die Bibel mit ihren verschiedenen, ja gegens\u00e4tzlichen \u00dcberzeugungen mir den Auftrag gibt, meine Wahrheit \u00fcber die anderen zu stellen.\u201c <\/em>(Gemeindebrief: St. Remberti-Nachrichten. Nr. 6, Dezember &#8217;92 &#8211; Januar &#8217;93)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer eine derartige \u00dcberzeugung vertritt, der kann auch mit den Gl\u00e4ubigen anderer Religionen gemeinsame Andachten und Gottesdienste feiern. Die Tendenz zu synkretistischer Einm\u00fctigkeit zeichnete sich bereits Mitte der achtziger Jahre ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um nur ein besonders markantes Beispiel zu nennen: Am Sonntag, dem 26. Oktober 1986, fand in Stuttgart ein \u201e\u00d6kumenisches Gebetstreffen\u201c in St. Eberhard statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Liturgie enthielt folgende Abschnitte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gebet der Israelitischen Religionsgemeinschaft<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Muslimisches Gebet (aus dem Koran)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hindumeditation (aus der Bhagavadgita)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Buddhistisches Gebet (Karaniya-Metta-Sutta) <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Liturgische Er\u00f6ffnung<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wort des Katholischen Bischofs von Rottenburg-Stuttgart<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gebet, dreimal unterbrochen durch den gesungenen Gebetsruf der Gemeinde: <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Herr, erbarme dich.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Christus, erbarme dich.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Herr, erbarme dich.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gesang aus der Griechisch.-Orthodoxen Liturgie (aus der Gro\u00dfen Doxologie)<br \/>\nEvangelium (Matth\u00e4us 5,1-10)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wort des Evangelischen Landesbischofs<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Stille<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gro\u00dfe Litanei (Friedensektenie der Russisch-Orthodoxen Liturgie)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gro\u00dfe F\u00fcrbitten (Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens&#8230;)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gemeinde singt nach den einzelnen F\u00fcrbitten: <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Kyrie, Kyrie eleison.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Christe, Christe eleison<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gemeinde: Lied (Sonne, der Gerechtigkeit)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vater unser (in allen Sprachen gleichzeitig)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Segen<\/em><\/p>\n<p><em>Gemeinde: Lied (als Kanon: Lobet und preiset, ihr V\u00f6lker, den Herrn&#8230;)<\/em><\/p>\n<p><strong><em>4.\u00a0 Woher kommt die auff\u00e4llige Hingabe der Evangelischen an den Zeitgeist?<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im kirchlichen Bereich will man sich besonders aufgeschlossen zeigen gegen\u00fcber modernen Zeitstr\u00f6mungen. Man m\u00f6chte zeigen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kirche ist nicht von vorgestern.<br \/>\nKirche ist modern.<br \/>\nKirche geht mit der Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser Hinsicht zeigt sich die Evangelische Kirche gegen\u00fcber der Katholischen Kirche aufgeschlossener, progressiver &#8211; aber um den Preis, dass sie damit auch anf\u00e4lliger f\u00fcr bestimmte ungute Wirkungen des Zeitgeist ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Woher kommt diese unterschiedlichen Haltung gegen\u00fcber dem Zeitgeist bei Evangelischen und Katholiken?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerhard Schmidtchen, bis 1990 Professor f\u00fcr Sozialpsychologie und Soziologie an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich, schreibt: \u201e<em>Katholiken wachsen im Vergleich zu Protestanten religi\u00f6s wesentlich beh\u00fcteter auf in einer dichten religi\u00f6sen Atmosph\u00e4re. 22 Prozent der Protestanten, aber 49 Prozent der Katholiken berichten, sie h\u00e4tten ein sehr religi\u00f6ses Elternhaus gehabt. Katholiken haben eine deutlichere konfessionelle Identit\u00e4t, sind \u00fcberzeugtere Katholiken, als die Protestanten \u00fcberzeugte Protestanten sind.\u201c <\/em>(Gerhard Schmidtchen: Protestanten und Katholiken. Zusammenh\u00e4nge zwischen Konfession, Sozialverhalten und gesellschaftlicher Entwicklung.In: Konfession \u2013 eine Nebensache? Hrsg. Von der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Baden-W\u00fcrttemberg. Redaktion: Hans-Georg Wehling. Stuttgart, Berlin, K\u00f6ln, Mainz 1984, S. 14)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Transzendenzverlust f\u00fchrt nach Schmidtchen dazu, dass \u201e<em>Protestanten auf der Suche nach Au\u00dfenhalten\u201c <\/em>sind:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDie unbehausten Protestanten suchen Geborgenheit in neuen Konsensstrukturen.\u201c <\/em>(Schmidtchen, a.a.O., S. 15)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das macht sie empf\u00e4nglicher f\u00fcr die Verbr\u00fcderung &#8211; pardon: f\u00fcr die Verschwisterung &#8211; mit dem Zeitgeist: \u201e<em>Die deutschen Protestanten sind immer gute Erzeuger und Abnehmer verwegener politischer Entw\u00fcrfe und politischer Heilsideen gewesen.\u201c <\/em>(Schmidtchen, a.a.O., S. 17)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ein Zeichen schwindender oder gar mangelnder Vollmacht, wenn die Kirche dem Zeitgeist zu entsprechen versucht, wenn sie die Synthese mit ihm sucht, anstatt die Antithese, die mit ihrem Auftrag gegeben ist, durchzuhalten.<\/p>\n<p>Wie aber soll die Antithese, dass Christen in der Welt, aber nicht von der Welt sind, durchgehalten werden, wenn in weiten Teilen der evangelischen Kirche der Zeitgeist mit dem Heiligen Geist verwechselt wird?<\/p>\n<p><strong><em>5.\u00a0 Wie \u00fcberwinden wir den Zeitgeist?<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr das geistliche Leben der Kirche sollte grunds\u00e4tzlich gelten, dass sie in ihrem Bereich gegen\u00fcber dem Zeitgeist auf deutliche Distanz bleibt. In diesem Sinne mahnt der Apostel Paulus im R\u00f6merbrief: \u201e<em>Stellt euch nicht der Welt gleich.\u201c (R\u00f6mer 12,2) <\/em>Den griechischen Urtext k\u00f6nnte man an dieser Stelle auch so \u00fcbersetzen: <em>Fallt nicht in dasselbe Schema wie die Zeit. <\/em>Die lateinische Bibel\u00fcbersetzung, die sog. Vulgata, \u00fcbersetzt diese Stelle so: <em>Nolite conformari huic saeculo. <\/em>In dieser \u00dcbersetzung wird das Nein zum \u201eKonformismus\u201c besonders sinnf\u00e4llig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Distanz ist allerdings nur dann m\u00f6glich, wenn wenn in der Kirche die Gabe der Geistesunterscheidung wirksam ist. Es gibt sicherlich gen\u00fcgend Christen in der Volkskirche, die diese Gabe haben. Aber das Problem besteht darin, dass die Mehrzahl dieser Christen den Kurs der Kirche nicht mitbestimmen kann, wenn es darum geht, auf sie zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, (Berlin) hat erfreulicherweise selbstkritisch beklagt, dass sich die Kirche in den vergangenen Jahren zu sehr an die Welt angepa\u00dft habe. W\u00f6rtlich sagte er in einem Interview mit der FAZ:<\/p>\n<p><em>\u201eEs stimmt, dass wir Jahrzehnte hinter uns haben, in denen die evangelische Zeitgenossenschaft gro\u00df geschrieben wurde. Ich war daran selbst beteiligt und sage mit der n\u00f6tigen Selbstkritik: Das war verbunden mit einer Selbsts\u00e4kularisierung der evangelischen Kirche\u201c<\/em> &#8211; also mit einer Selbstverweltlichung der evangelischen Kirche. Denn das Wort S\u00e4kularisierung &#8211; abgeleitet vom lateinischen <em>saeculum <\/em>(Zeit, Zeitalter) &#8211; bedeutet ganz allgemein Verweltlichung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut Huber haben die gesellschaftlich engagierten Kirchenmitglieder die Notwendigkeit zur Erneuerung des Glaubenslebens zu gering eingesch\u00e4tzt. Sie seien nicht deutlich genug der Aufl\u00f6sung von Glaubensinhalten, Glaubenswissen, und Fr\u00f6mmigkeitsformen entgegentreten. (Arbeitskreis Christlicher Publizisten, ACP-Information 2\/2011, S 4)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was uns hilft gegen\u00fcber dem Zeitgeist ist ganz einfach das Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes? \u201e<em>Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen k\u00f6nnen, was uns von Gott geschenkt ist.\u201c (1. Korinther 2,12)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Heilige Geist \u00f6ffnet uns nicht nur das Verst\u00e4ndnis der Bibel. Er gibt uns auch die notwendige Orientierung in allen Lebens- und Zeitfragen. Jesus sagt: \u201e<em>Der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren.\u201c (Johannes 14) <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Heilige Geist l\u00e4sst uns nicht nur Jesus als den Christus erkennen: \u201e<em>Niemand kann Jesus den Herrn nennen au\u00dfer durch den Heiligen Geist.\u201c (1. Korinther 12,3) <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Heilige Geist gibt uns Kraft und Ermutigung: \u201e<em>Der Geist hilft unserer Schwachheit auf.\u201c (R\u00f6mer 8,26)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Heilige Geist gibt uns die wunderbare Freiheit, dass wir auch vor unseren Gegnern aufrecht stehen k\u00f6nnen: \u201e<em>Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.\u201c (2. Korinther 3,17)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser herrlichen Gewi\u00dfheit k\u00f6nnen wir getrost dem Zeitgeist begegnen und ihm die Stirn bieten. Das Wirken des Heiligen Geistes wird erfahren, wo Gemeinden auf dem Grund der biblischen Wahrheit eben um diesen Geist bitten und den Verhei\u00dfungen Gottes vertrauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit Jahrhunderten wird der Heilige Geist der Kirche zwar im sonnt\u00e4glichen Gottesdienst bekannt. Aber das Vertrauen auf seine Orientierung gebende und lebensspendende Wirksamkeit hatte sich verfl\u00fcchtigt und damit auch die Hoffnung, dass Gottes Geist auch kaputte Gemeinden, dass er ein Totenfeld zu neuem Leben erwecken kann. wie es im Buch des Propheten Hesekiel (Kap. 37) zu lesen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass wir diese Hoffnung haben d\u00fcrfen, daf\u00fcr sollten wir dankbar sein. Das sollte Ansporn sein, uns weiterhin in den Gemeinden, in denen wir zu Hause sind, zu engagieren. Wenn es stimmt, dass es Gemeinden und Bereiche in der evangelischen Kirche gibt, die durch den Zeitgeist verw\u00fcstet sind, dann stimmt es allerdings auch, dass es in dieser \u201eW\u00fcste\u201c Oasen gibt. Unsere Aufgabe ist es, die Wege zu und zwischen diesen Oasen gangbar zu halten, indem wir uns gegenseitig besuchen, informieren, f\u00fcreinander in der \u00d6ffentlichkeit eintreten. So versteht sich auch der Gemeindehilfsbund &#8211; als Hilfe und Unterst\u00fctzung f\u00fcr angefochtene Gemeindeglieder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, wir sollten dankbar sein, dass es trotz aller zeitgeistigen Entartungen innerhalb der Kirche noch lebendige Kirche gibt, lebendige Gemeinden und gl\u00e4ubige Christen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Was bedeutet es schon, dass die Kirche wackelt? Wirklich: Je mehr sie wackelt, ohne umzukippen, desto deutlicher erweist sich, dass es der Heilige Geist ist, der sie vor dem Umkippen bewahrt. <\/em>(Bruce Marshall &#8211; der 1987 verstorbene schottische Schriftsteller)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><br \/>\nPastor Jens Motschmann, Bremen<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vortrag bei den Kongressen des Gemeindehilfsbundes &#8222;Die Gemeinde in der Zerrei\u00dfprobe zwischen Nachfolge und Verweltlichung&#8220; in Krelingen, 21. M\u00e4rz 2015 und in Bad Teinach, 28. M\u00e4rz 2015<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Alle Vortr\u00e4ge und Seminare der Kongresse in Krelingen vom 20.-22.3. und in Zavelstein vom 27.-29.3. werden in einer Dokumentation ver\u00f6ffentlicht. Diese kostet 5,00 \u20ac zzgl. Versand und kann in der Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes vorbestellt werden (<a href=\"mailto:info@gemeindehilfsbund.de\">info@gemeindehilfsbund.de<\/a>).<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14. M\u00e4rz 2015 hielt der Jugend-Evangelist Andreas Malessa, in Altensteig (Baden-W\u00fcrttemberg) einen Vortrag zum Thema: \u201eChristsein in der Postmoderne\u201c. Dieser Vortrag wurde auf einem Flyer angek\u00fcndigt mit den Worten: \u201eWiderstehet dem Zeitgeist!\u201c schallt es von Kanzeln und aus frommen Bl\u00e4ttern, doch wer die Fenster und T\u00fcren seines Gemeindehauses mit dem Isolierband der Rechtgl\u00e4ubigkeit abdichten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":234,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,13,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12218"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/234"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12218"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12218\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12225,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12218\/revisions\/12225"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12218"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12218"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12218"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}