{"id":12184,"date":"2015-04-30T18:59:53","date_gmt":"2015-04-30T16:59:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12184"},"modified":"2015-05-01T11:10:38","modified_gmt":"2015-05-01T09:10:38","slug":"offener-brief-an-die-orientalischen-kirchen-und-christen-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12184","title":{"rendered":"Offener Brief an die Orientalischen Kirchen und Christen in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Absender: Bischof Efraim Tendero, Generalsekret\u00e4r der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Bisch\u00f6fe, liebe Mitglieder der Kirchenleitungen, liebe Mitchristen und Mitchristinnen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">am 24.4.2015 gedenkt die Weltchristenheit des Tages vor 100 Jahren, als mit der Massenverhaftung armenischer Intellektueller der V\u00f6lkermord am armenischen Volk in seiner Heimat begann. Zur Weltchristenheit geh\u00f6ren auch die 600 Millionen Protestanten, die in der Weltweiten Evangelische Allianz zusammen geschlossen sind. Im gleichen Atemzug sind neben den 1,5 Millionen Armeniern, die starben, auch die anderen Todesopfer der parallelen ethnischen S\u00e4uberungen stark christlich besiedelter Teile des einstigen Osmanischen Reiches zu nennen, n\u00e4mlich 300.000 Pontos-Griechen, 300.000 aram\u00e4ischsprachige Christen (Aram\u00e4er, Assyrer, Chaldo-Assyrer, christliche Syrer), wobei sich diese Genozide fast zehn Jahre hinzogen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir begr\u00fc\u00dfen, dass die internationale Genozidforschung den V\u00f6lkermord an den Armeniern aufgearbeitet hat. Wir fordern aber die T\u00fcrkei auf, die Archive aus der Zeit des Ersten Weltkrieges und der t\u00fcrkischen Prozesse gegen die Hauptverursacher des Genozids f\u00fcr Historiker aus aller Welt zu \u00f6ffnen. Wir bedauern au\u00dferordentlich, dass die Genozidforschung in Bezug auf die Syro-Aram\u00e4er und die Pontos-Griechen noch in den Anf\u00e4ngen steckt. Weder wurde ihr Schicksal in den letzten 50 Jahren gut erforscht, noch wird in diesem Jahr weltweit zur Gen\u00fcge daran erinnert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deswegen wenden wir uns heute auch an die Millionen orientalischer Christen, die heute in der westlichen Welt leben, weil sie wegen der Verfolgungen in ihrer Heimat in gro\u00dfer Zahl in diese L\u00e4nder kamen und gut integriert zum Wohl ihrer L\u00e4nder arbeiten, und die in den letzten zehn Jahren fortlaufend als Folge der Verfolgung im Irak und in Syrien flohen oder ausgewandert sind und derzeit fliehen oder auswandern. Wir wissen, dass Ihr gerade wegen Eurer Friedlichkeit und demokratischen Gesinnung in den westlichen L\u00e4ndern gegen\u00fcber im Vergleich zu anderen Migrantengruppen aus dem Blick geraten seid. Ihr sollt wissen: Wir stehen an Eurer Seite, sowohl im Gedenken und Erinnern als auch in der gegenw\u00e4rtigen Lage, in der viele mit Schrecken auf Nachrichten ihrer Verwandten im Nahen Osten warten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn wir wissen, dass im Irak, in Syrien und zunehmend auch in den Nachbarl\u00e4ndern auch nichtchristliche Minderheiten diskriminiert und verfolgt werden und im Schatten der B\u00fcrgerkriege viele schreckliche Gr\u00e4uel geschehen, leiden wir doch ganz besonders mit den Angeh\u00f6rigen der orientalischen Kirchen im ganzen Nahen Osten, dass sie gegenw\u00e4rtig vor einer Neuauflage des Genozids stehen, vor allem die Syro-Aram\u00e4er. Ideologisch zieht sich ein roter Faden von den V\u00f6lkermorden vor 100 Jahren zu den Gr\u00e4ueln im Nahen Osten, die sich vor unseren Augen vollziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Weltweite Evangelische Allianz setzen wir uns weltweit f\u00fcr Religionsfreiheit und gegen Christenverfolgung ein. Ein besonderer Schwerpunkt ist der Einsatz f\u00fcr alle orientalischen Kirchen, die unter Diskriminierung und Verfolgung leiden. Durch Gebet, durch Ver\u00f6ffentlichungen und durch Einflussnahme auf Kirchenleiter, Medien und Politiker versuchen wir, ihr Leiden bekannt zu machen und ein Handeln zu ihren Gunsten zu bewirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem \u00e4hnlichen Brief der Deutschen Evangelischen Allianz an die Orientalischen Christen in Deutschland finden sich folgende zus\u00e4tzlichen oder auf Deutschland bezogenen Abschnitte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind insbesondere als Christen in Deutschland besch\u00e4mt, dass Deutschland als Kriegspartner der T\u00fcrkei um die Vorg\u00e4nge wusste, aber seine Stimme nicht erhob und seinen Einfluss nicht geltend machte. Wir halten alle Menschen, darunter Pfarrer und Missionare, in Ehren, die schonungslos ehrlich \u00fcber den sich vollziehenden V\u00f6lkermord nach Hause berichteten oder vor Ort versuchten, Opfern zu helfen, besonders der wachsenden Zahl von Waisenkindern. Stellvertretend sei der Theologe Johannes Lepsius genannt, dessen Gedenken das wichtige Archiv im Lepsiushaus in Potsdam garantiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deswegen wenden wir uns heute an die Hunderttausenden orientalischer Christen in Deutschland, die wegen der Verfolgungen in ihrer Heimat in gro\u00dfer Zahl in unser Land kamen und gut integriert zum Wohl unserer Landes arbeiten und die in den letzten zehn Jahren fortlaufend als Folge der Verfolgung im Irak und in Syrien nach Deutschland gekommen sind und weiterhin kommen. Wir wissen, dass Ihr gerade wegen Eurer Friedlichkeit und demokratischen Gesinnung der deutschen Gesellschaft gegen\u00fcber im Vergleich zu anderen Migrantengruppen aus dem Blick geraten seid. Ihr sollt wissen: Wir stehen an Eurer Seite, sowohl im Gedenken und Erinnern als auch in der gegenw\u00e4rtigen Lage, in der viele mit Schrecken auf Nachrichten ihrer Verwandten im Nahen Osten warten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">New York 23.4.2015<\/p>\n<p><em>Quelle: BQ 354 &#8211; Nr. 18\/2015<br \/>\nwww.bucer.de<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Absender: Bischof Efraim Tendero, Generalsekret\u00e4r der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) Liebe Bisch\u00f6fe, liebe Mitglieder der Kirchenleitungen, liebe Mitchristen und Mitchristinnen, am 24.4.2015 gedenkt die Weltchristenheit des Tages vor 100 Jahren, als mit der Massenverhaftung armenischer Intellektueller der V\u00f6lkermord am armenischen Volk in seiner Heimat begann. 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