{"id":12180,"date":"2015-04-26T23:20:41","date_gmt":"2015-04-26T21:20:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12180"},"modified":"2015-04-26T23:20:41","modified_gmt":"2015-04-26T21:20:41","slug":"osterpredigt-vom-5-april-2015-im-dom-zu-riga","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12180","title":{"rendered":"Osterpredigt vom 5. April 2015 im Dom zu Riga"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8222;Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende \u00d6le, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche sehr fr\u00fch, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer w\u00e4lzt uns den Stein von des Grabes T\u00fcr? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggew\u00e4lzt war, ,,denn er war sehr gro\u00df&#8220; (Markus 16, 1-7).<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Landsleute, liebe Gemeinde, was soll ich Euch Neues an diesem Osterfest sagen? Jahr f\u00fcr Jahr feiern wir die Auferstehung unseres Herren Christus und Jahr f\u00fcr Jahr erwarten wir, dass wir etwas Neues erfahren und weitersagen k\u00f6nnen. Doch haben wir das Alte wirklich erfasst? Ist das in unserem Leben wirklich tief verwurzelt, hat es Fr\u00fcchte getragen und bei uns etwas ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Noch mehr &#8211; Er hat es unseretwegen getan! Gott erweckte Seinen Sohn vom Tode, in den er sich selbst gegeben hatte. um unsere Seelen davon zu erretten. Gott wollte dieses Geschehen in das Leben eines jeden von uns einpflanzen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Betrachten wir doch unser Leben. Wo in ihm k\u00f6nnen wir die Auferstehung Christi wirklich wahrnehmen? Wie macht sich die Auferstehung Christi dort bemerkbar und was hat sie bei uns ver\u00e4ndert? Ein Leben mit der Auferstehung des Herren unterscheidet sich von einem Leben ohne sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Werfen wir einen Blick auf die Frauen. Maria Magdalena, Maria die Mutter des Jakobus und Salome, die kostbare Spezereien gekauft hatten und sich sehr fr\u00fch gleich nach dem Aufgang der Sonne zum Grabe Jesu auf den Weg machten. Dabei sind ihr Kummer und ihre Not gro\u00df. Sie trauern um ihren verstorbenen geliebten Herrn und Meister. Sie machen sich Sorgen darum, wie sie zu seinen sterblichen \u00dcberresten gelangen k\u00f6nnten, weil das Grab mit einem riesig gro\u00dfem Stein verschlossen ist, den fortzuw\u00e4lzen sie nicht die Kraft hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem gab es noch etwas, was sie nicht wussten: das Grab wurde von besonders dazu eingeteilten Wachen bewacht. Wenn sie das gewusst h\u00e4tten, dann w\u00e4ren sie aus Furcht nicht dorthin gegangen, denn mit solchen Wachen war nicht zu spa\u00dfen. Sie machten sich auch \u00fcber die kostbaren Spezereien Sorgen, die sie ein Verm\u00f6gen gekostet haben. K\u00f6nnt Ihr Euch vorstellen, wie das ist, wenn man sich auf den Weg macht in Sorge, Kummer \u00a0und Angst ohne einen einzigen Cent im Geldbeutel?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach wenn sie das alles bereits vorher gewusst h\u00e4tten, dass ihr Gang am fr\u00fchen Morgen ganz anders werden w\u00fcrde! Sie w\u00e4ren sehr schnell dort hingelaufen, um zu sehen, was dort geschehen war, was der lebendige Gott vollbracht hatte und ihre Gespr\u00e4che w\u00e4ren v\u00f6llig anders\u00a0 verlaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gro\u00df ist doch der Unterschied &#8211; sich auf den Weg zu machen mit der Gewissheit der Auferstehung Christi und ohne sie! Das Leben wird pl\u00f6tzlich v\u00f6llig anders, wenn man wei\u00df, dass du mit ihm oder ohne ihn lebst. Fragen wir doch unser eigenes Leben, wie es verl\u00e4uft &#8211; welchen Weg es nimmt? Mit oder ohne ihn?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im \u00f6ffentlichen Leben benutzt man h\u00e4ufig den Begriff von der h\u00f6heren Gewalt. Darunter versteht man Katastrophen, Gefahren, Seuchen, Revolutionen oder Kriege. Diese melden sich vorher nicht an, sondern stellen sich einfach ein, ver\u00e4ndern alles und bringen alle unsere Pl\u00e4ne und Vorhaben durcheinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da k\u00f6nnen wir nur beten und hoffen, wie es Luther in seiner Litanei tut: &#8222;Vor des Teufels Trug und List, vor b\u00f6sem, schnellem Tod. vor Krieg und Blutvergie\u00dfen, vor Gewalt und Feindschaft, vor Feuers- und Wassersnot, vor dem ewigen Tod beh\u00fct uns, lieber Herre Gott.&#8220; Beh\u00fct uns vor aller h\u00f6heren Gewalt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch es gibt darunter auch etwas, was wir\u00a0 sorgf\u00e4ltig und mit viel Liebe selbst vorbereiten und das auch mit Geld bezahlen. Das ist der Grabstein \u00a0Wir stellen ihn neben das Grab eines lieben Menschen, nachdem wir dort liebe Worte und Symbole haben einmei\u00dfeln lassen, um ihn sch\u00f6n aussehen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch trotz allen guten Gelingens dieses gro\u00dfen und liebevollen Einsatzes, symbolisiert der Grabstein eine un\u00fcberwindliche Macht. Wenn wir an den sch\u00f6nen Grabstein herangetreten sind, dann steht der Verstorbene auf der einen und wir w\u00e4hrend unseres ganzen Lebens auf der anderen Seite. Daran kann nichts ge\u00e4ndert werden. Der Grabstein \u00e4ndert alles in unserem Leben unmissverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb ist es auch kein Wunder, dass die Frauen gerade dort sagen: &#8222;Wer w\u00e4lzt uns den Stein von des Grabes T\u00fcr?&#8220; Wenn Christus jenseits des Steines bleibt und niemand diesen fortbewegen kann, wer wird dann bei uns sein? Und mit allen Entschlafenen? Dann m\u00fcssen wir ewig im Gef\u00e4ngnis des Todes verbleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ich bisher in der Bildersprache zu sagen versucht habe, dr\u00fcckt der Apostel Paulus viel deutlicher aus. &#8222;Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist euer Glaube auch vergeblich.&#8220; (1. Kor, 15, 14) So eng ist unser Leben und unser Schicksal mit der Auferstehung unseres Herren verbunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um das wieder in der Bildersprache fortzusetzen, befand sich hinter dem Grabstein unseres Heilands unser eigener Grabstein. Sein Grabstein war gr\u00f6\u00dfer und m\u00e4chtiger als jeder andere Grabstein und zermalmte jeden anderen Grabstein. Ein Grabstein tat das, was er am besten vermochte: die Lebenden von den Toten zu scheiden. Doch dieses Mal hatte er seine Kr\u00e4fte \u00fcbersch\u00e4tzt. Er vermochte es nicht, den aufzuhalten, der selbst das Leben ist, und wurde zur Seite gesto\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ostermorgen wurde der S\u00fcnde, dem Tod und dem Teufel die Macht genommen durch Jesus in seiner Un\u00fcberwindlichkeit, der an das Grab nicht anklopft und fragt, ob er eintreten darf, sondern als der Auferstandene alle ihre Pl\u00e4ne vernichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Blicken wir stolz auf unseren auferstandenen siegreichen Herren. Das hat er alles f\u00fcr uns getan. Wir sind seine Leute, die er nicht als seine Diener betrachtet, sondern als seine Freunde. Auch uns kann der Grabstein nicht daran hindern, wenn wir an ihn glauben und getauft sind, was Paulus mit den folgenden\u00a0 Worten ausdr\u00fcckt: &#8222;Doch sind wir mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln&#8220;. (R\u00f6m. 6,7) und &#8222;Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.&#8220; (R\u00f6m. 8,12)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch &#8222;das Wandeln in einem neuen Leben&#8220; h\u00f6rt sich so an, als w\u00e4re es nicht nur \u00fcber die Auferstehung vom Tode zum ewigen Leben bei Gott gesagt. Das h\u00f6rt sich an, als sei es\u00a0 \u00fcber das Leben diesseits des Grabsteines gesagt, wo der Sieg am Ostermorgen auch seinen Platz hat. Hier haben wir gesehen, wie gro\u00df der Unterschied zwischen dem Wandeln mit und ohne Gott ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei diesen heiligen Frauen sahen wir den Unterschied zwischen dem Wandeln ohne und mit ihm. Das sehen wir auch bei den J\u00fcngern Jesu, die\u00a0 ohne seine Auferstehung zu \u00a0einem \u00a0H\u00e4uflein von Fl\u00fcchtlingen geworden waren, das sich an einer verborgenen Stelle eingeschlossen hatte, um der Welt zu entfliehen, und die sich damit vor der Welt verschlossen hatten und damit vor dem Leben, und die sich dadurch auf einem \u00a0Irrweg \u00a0befunden, ohne es zu erkennen. wie sie dort hinaus kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch seit der Auferstehung Christi wurden sie mutige Zeugen, denen Tausende nachfolgten. Sie versteckten sich nicht mehr vor der Welt und bekannten mutig die Rettung, die Christus<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">f\u00fcr sie erk\u00e4mpft hatte. Die gro\u00dfe Ver\u00e4nderung geschah bei ihnen, als die Auferstehung Christi f\u00fcr sie lebendige Wirklichkeit geworden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das geschah nicht in einem Augenblick. Davor mussten sie in die Tiefe der Angst und Hoffnungs-losigkeit\u00a0 hinabsteigen. Sie mussten es mit ihren eigenen Augen sehen, dass alles, an das sie sich geklammert hatten, und weshalb sie ihre Boote, Netze, ihre Familien und ihre H\u00e4user verlassen hatten, alles, worauf sie ihre Zukunftshoffnung gesetzt hatten, innerhalb eines Tages zerschmettert und zerst\u00f6rt wurde. Am Abend des Gr\u00fcndonnerstages hatte der Herr Jesus mit ihnen das Mahl des Passalammes gefeiert und am Nachmittag des Karfreitags lag er bereits hinter dem vorgew\u00e4lzten Stein im Grabe. Wie pl\u00f6tzlich und grausam kam das alles!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00e4re gut, wenn wir die Karwoche dazu nutzen k\u00f6nnten, uns in die Rolle der J\u00fcnger und der Frauen hinein zu versetzen: Christus ist gestorben, es gibt ihn nicht mehr, es gibt keine Vergebung, uns erwartet das Gericht, es ist sinnlos, zum Gottesdienst zu gehen, denn es gibt niemanden, den man loben k\u00f6nnte und die Sakramente sind v\u00f6llig sinnlos und die Kirche und die christlichen Wertvorstellungen gibt es auch nicht, sondern nur den Konkurrenzkampf, eine fremde Welt, eine fremde Zivilisation, ein fremdes eigenes Herz. Entsetzlich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es lohnt sich wirklich, sich in die Vorstellung vom Grabe Chrisi hinter dem Stein zu vertiefen, um das zu empfinden, was die Frauen und die J\u00fcnger damals empfunden hatten: wie es ist, wenn das Leben auf eine Wand von Beton st\u00f6\u00dft. Entsetzlich! Nur dann k\u00f6nnen wir es uns wirklich vorstellen, was ihnen die Auferstehung bedeutet hat. Ihnen wurde eine Pforte ge\u00f6ffnet. Vor ihnen gab es einen neuen Weg zusammen mit dem Auferstandenen, mit dem Sieger. So kann nur der Auferstandene das Leben ver\u00e4ndern. Das ist der wirkliche Ausweg vom Irrweg, den nur Gott \u00f6ffnen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur bei den Frauen oder den J\u00fcngern, sondern auch in unserem Leben kann der Augenblick kommen, dass eine un\u00fcberwindliche Macht uns den Weg versperrt, die pl\u00f6tzlich da ist oder was wir selbst verursacht haben, als wir den rechten Weg nicht erkannten. Was bedeutet uns in einem solchen Augenblick die Auferstehung Christi? Wo gibt es den entscheidenden Ausweg vom Irrweg? Was bedeutet es mir, dass Christus mein Retter lebendig\u00a0 ist? Bedeutet mir \u00fcberhaupt das &#8222;wirkliche Leben&#8220; in meiner Situation etwas? Wo ist unser Ausweg aus unseren Irrwegen? Was bedeutet es uns, dass Christus unser Retter lebt? Ist das \u00fcberhaupt von Bedeutung f\u00fcr unser &#8222;wirkliches Leben&#8220; in unserer wirklichen Situation? Bedeutet es etwas f\u00fcr die koptischen Christen, die mit verbundenen Augen kniend unter den Schwertern der Islamisten aufgereiht zu sehen sind einen Augenblick vor ihrem Tod durch diese Schwerter. K\u00f6nnen wir es erfassen, was f\u00fcr sie in diesem Augenblick das Wichtigste ist? &#8222;Ich wei\u00df, dass mein Erl\u00f6ser lebt.&#8220; Kann unser Irrweg so falsch sein, dass \u00a0wir uns nicht an den Auferstandenen klammern?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch der eindeutige Ausweg \u00f6ffnet sich uns nicht dadurch allein, dass wir den Bericht von der Auferstehung geh\u00f6rt und in der Erinnerung behalten\u00a0 oder mit dem Neuen Testament in das B\u00fccherregal gepackt haben. Trotz allem waren die J\u00fcnger Jesus nachgefolgt und hatten ihn geliebt. Am \u00a0Karsamstag oder am Tag der Grablegung hatte sie eine neue Wirklichkeit zu begreifen gelehrt, dass Christus ihr Schatz war, an dem ihr Herz hing. Deshalb waren sie so verzweifelt, dass sie diesen Schatz anscheinend f\u00fcr alle Zeiten verloren hatten, und mit ihm auch ihr Herz. Und deshalb verwandelte die Auferstehung Christi sie v\u00f6llig, weil ihr Herz mit dem Sieger auch auferstanden war. Und das machte sie durch die Erfahrung der Auferstehung st\u00e4rker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb sollten wir, wenn wir an die un\u00fcberwindlichen Gewalten geraten, auf die wir in unserem Leben sto\u00dfen k\u00f6nnen, den folgenden Text, der vielen als sehr weltfremd erscheint, f\u00fcr uns als bedeutend und aktuell erachten: &#8222;Herr Jesus, barmherziger Retter, Freund und Bruder, verleih mir, dass ich dich deutlicher erkennen, vollkommener lieben und inniger nachfolgen kann.&#8220; Dass wir nicht nur durch unser Wissen und unseren Verstand, sondern mit unserem ganzen Herzen bei ihm bleiben. Dann wird die Auferstehung zum deutlichen Ausweg , zur Quelle des Mutes, der Kraft und des Friedens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man pflegt zu sagen, dass man, wenn man das Ziel erkannt hat, \u00a0dem entgegengehen sollte. Wenn du nicht gehen kannst, dann krieche dorthin, und wenn du nicht kriechen kannst, dann lege dich wenigstens in die Richtung auf das Ziel hin! Schauen wir noch einmal auf die Frauen am Ostermorgen in der Fr\u00fche! Wir k\u00f6nnen ihren Mut, etwas zu unternehmen und sich auf den Weg zu machen, nur bewundern. Sie waren sich nicht einmal sicher, ob sie an den Leib des verstorbenen Jesus herankommen k\u00f6nnen w\u00fcrden, aber das hinderte sie nicht, sich auf den Weg zu machen. Was ist das f\u00fcr ein Glaube und f\u00fcr ein Mut! H\u00e4tten wir das vermocht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erkenne in ihrem Mut eine wichtige \u00e4u\u00dfere Voraussetzung, ohne die sie vielleicht zu Hause verwirrt und verzweifelt sitzen geblieben w\u00e4ren, wie es in Augenblicken eines gro\u00dfen Verlustes zu sein pflegt. Aber das konnten sie sich nicht leisten. Die Tradition verlangte von ihnen, dass der Leib des Verstorbenen f\u00fcr die Grabesruhe vorbereitet und mit wohlriechenden Salben und Fl\u00fcssigkeiten ge\u00f6lt werden sollte. Wenn es schon nicht anders ging, dann wollten sie wenigstens der Tradition gerecht werden und dorthin gehen. Wenn sie auch gar nicht begreifen konnten, was sie jetzt tun\u00a0 und wie sie weiter leben sollten, dann hat ihnen wenigstens die Tradition eine Anweisung gegeben, was in der Fr\u00fche dieses Morgens getan werden m\u00fcsste. Es gibt Augenblicke, in denen das sogar sehr viel ist. Und sie gingen hin und taten es. Die Beerdigungstraditionen der Juden f\u00fchrten sie zur gro\u00dfen Offenbarung des Lebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch uns kann es passieren, dass wir, im Bilde ausgedr\u00fcckt, weder zu gehen, noch zu kriechen verm\u00f6gen. Wir sind nicht f\u00e4hig zu irgendwelchen Heldentaten der Glaubensv\u00e4ter und anderen geistlichen Leistungen. Doch auch wir haben unsere Tradition &#8211; unser Gotteshaus und unseren Gottesdienst, den wir jederzeit besuchen und mitfeiern k\u00f6nnen. Dort wird das Wort Gottes gepredigt, die Sakramente gereicht, dort werden die F\u00fcrbitten Gott vorgebracht und neben uns sind die Br\u00fcder und Schwestern im Glauben, die uns und die wir tr\u00f6sten k\u00f6nnen. Auch wenn wir uns ohne gro\u00dfe Begeisterung und in einer bedr\u00fcckten Stimmung auf den Weg zu unserem Gotteshaus, zu unserem Gottesdienst machen, dann kann das ein Weg zum Erfahren des Auferstehung sein. Es ist immer ein guter Weg, um etwas davon zu begreifen, der uns dorthin laufen l\u00e4sst und sogar Fl\u00fcgel schenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Christus Geliebte, lasst uns nie Gottes alte gute Ostergabe vergessen. Ohne dass wir es verdient h\u00e4tten, ohne dass wir dieser gro\u00dfen Liebe w\u00fcrdig w\u00e4ren, ist der Sieg \u00fcber den Tod erk\u00e4mpft und uns geschenkt &#8211; nicht nur der Menschheit, sondern ganz konkret einem jeden von Euch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das singen wir im gro\u00dfen Lobgesang in der Feier der Osternacht: &#8222;Dies ist die Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als \u00a0Sieger emporstieg. O unfassbare Liebe des Vaters. Um den Knecht zu erl\u00f6sen, gabst du den Sohn dahin. O gl\u00fcckliche Schuld, welch gro\u00dfen Erl\u00f6ser hast du gefunden. O wahrhaft selige Nacht, dir allein war es verg\u00f6nnt, die Stunde zu kennen., in der Christus erstand von den Toten, Der Glanz dieser Nacht nimmt den Frevel hinweg, reinigt von Schuld, gibt den S\u00fcndern die Unschuld, den Trauernden Freude. O wahrhaft selige Nacht, die Himmel und Erde vers\u00f6hnt, die Gott und Menschen verbindet. &#8222;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur das Eine ist notwendig: diesen Glauben anzunehmen. Diese Jahr f\u00fcr Jahr gesungenen Worte in sein Leben als Samen hineinzustreuen. Lasst uns ihn annehmen, denn\u00a0 er ist von gro\u00dfer alles ver\u00e4ndernder Bedeutung sowohl im Leben als auch im Tode.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Haben wir Gottes Ostergabe angenommen, dann merken wir, wie viel uns gegeben und vergeben ist, ohne dass wir es verdient h\u00e4tte, ohne dass wir dessen w\u00fcrdig w\u00e4ren. Einfach deshalb, weil Gott uns lieb hat. Dann k\u00f6nnen wir auch die Welt und die Menschen als solche betrachten, die ohne\u00a0 dass sie es verdient h\u00e4tten, viel empfangen haben und denen viel vergeben wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das befreit uns von der Notwendigkeit, den Kampf um das &#8222;Geben und Nehmen&#8220; zu f\u00fchren und von den Herzschmerzen, wenn wir uns durch irgend etwas ungerecht behandelt f\u00fchlen. Das wird uns frei machen, zu geben und zu vergeben und unser Leben zu bessern und frisch zu machen wie am Ostermorgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nehmen wir dieses Geschenk auch in der Stunde unseres Todes an, denn wir wissen: &#8222;Wenn du mit deinem Munde Jesus als deinen Herren\u00a0 bekennst und von Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, da wist auch du errettet.&#8220; Der\u00a0 Glaube an den Sieg verbindet sich bei den\u00a0 Menschen oft mit dem Begreifen, mit Erfahrungen und mit dem Verstand. Hier spricht der Apostel Paulus vom Glauben mit dem Herzen. Von der Christus\u00a0 Nachfolge, um ihn besser zu erkennen, noch aufrichtiger zu lieben \u00a0und mit ihm zusammen zum ewigen Leben berufen zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lasst uns das Ewige Leben erfassen. zu dem wir berufen sind. Lasst uns im Glauben wachsen und Christus sowohl mit dem Herzen , dem Munde und dem Leben auch vor anderen und ganz besonders vor denen, die uns nahe stehen, bekennen, damit wir errettet werden, dass wir, wenn wir\u00a0 vor einem sch\u00f6n angefertigten Grabstein stehen, wissen k\u00f6nnen, dass dieser nicht eine un\u00fcberwindliche Macht symbolisiert, sondern ein Wegzeichen sein m\u00f6chte zum Hause unseres himmlischen Vaters, wo wir uns alle einst versammeln werden, die wir an den auferstandenen Sohn Gottes geglaubt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich w\u00fcnsche Euch ein frohes Osterfest! Christus ist auferstanden. Der Stein steht nicht mehr im Wege. Lasst uns als solche leben, die wissen, dass sie zum ewigen Leben berufen sind. Amen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ausz\u00fcge aus Sv\u0113tdienas R\u012bts, Zeitschrift der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920. <\/em><em>Ausgabe Nr. 4 f\u00fcr den Monat April\u00a0 2015.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><em>Ostern 2015. Osterpredigt von Erzbischof J\u0101nis Vanags am 5. April im Dom zu Riga. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><em>\u00dcbersetzung Johannes Baumann <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende \u00d6le, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche sehr fr\u00fch, als die Sonne aufging. 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