{"id":12151,"date":"2015-04-16T10:43:35","date_gmt":"2015-04-16T08:43:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12151"},"modified":"2015-04-16T17:13:08","modified_gmt":"2015-04-16T15:13:08","slug":"was-kann-die-gemeinde-heute-von-dietrich-bonhoeffer-und-der-bekennenden-kirche-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=12151","title":{"rendered":"Was kann die Gemeinde heute von Dietrich Bonhoeffer und der Bekennenden Kirche lernen?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWenn nicht alles t\u00e4uscht, so stehen wir heute in einem Glaubenskampf, einem Kirchenkampf, gegen\u00fcber dem der Kirchenkampf im \u201aDritten Reich\u2018 nur ein Vorhutgefecht war. Das Unheimliche dabei ist, da\u00df dieser heutige Kirchenkampf vielfach kaum erkannt, ja allermeist verharmlost wird und unter Tarnworten wie \u201aPluralismus\u2018 voranschreitet.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Bischof Hermann Dietzfelbinger (1908-1984) als EKD-Ratsvorsitzender am 19. Februar 1971 vor der EKD-Synode in Berlin-Spandau &#8211; <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. \u00a0Erkennen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Worte des fr\u00fcheren Bayrischen Landesbischofs sind heute nicht weniger aktuell und treffend als zu seiner Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gef\u00e4hrliche, das Unheimliche, das der Bischof benennt, ist die schleichende, verdeckte Entwicklung. Deshalb wird sie vielfach verharmlost, nicht erkannt oder gar abgestritten. Man gew\u00f6hnt sich langsam, Stufe f\u00fcr Stufe an die ver\u00e4nderte Situation, man reagiert nicht, bis schlie\u00dflich Quantit\u00e4t in eine neue Qualit\u00e4t umschl\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gutes Beispiel daf\u00fcr ist ja die Geschichte vom Frosch und dem hei\u00dfen Wasser: Wirft man einen Frosch in hei\u00dfes Wasser, dann h\u00fcpft er, so schnell er kann, wieder heraus. \u2013 Setzt man ihn jedoch in einen Topf mit normal temperiertem Wasser und erhitzt dann das Wasser langsam immer ein wenig mehr, bleibt er sitzen, bis er zuletzt im kochenden Wasser verendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht also darum, Entwicklungen rechtzeitig wahrzunehmen und rechtzeitig angemessen zu reagieren. Es gibt ein \u201ezu sp\u00e4t\u201c!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Geschichte kann man lernen, aber Geschichte wiederholt sich nicht exakt gleich, allenfalls \u00e4hnlich. Aus der Geschichte des Kampfes der Bekennenden Kirche (BK) und des Weges von Dietrich Bonhoeffer k\u00f6nnen wir viel lernen, doch es gibt auch Unterschiede, die zu beachten sind. Auf diese Unterschiede spielt Bischof Dietzfelbinger an, wenn er feststellt, dass die Entwicklungen heute viel verdeckter verlaufen als zur Zeit des \u201eDritten Reiches\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hauptunterschied besteht n\u00e4mlich darin, dass der Angriff auf die Kirche damals <em>von<\/em> <em>au\u00dfen<\/em>, vom Staat her geschah. Deshalb kam es dann auch recht bald zur gro\u00dfen Scheidung innerhalb der Kirche, indem die einen sich der staatlichen Ideologie anpassten und mitliefen, die anderen aber am Wort Gottes festhielten und in den Widerstand gingen. Der Angriff von au\u00dfen war damals un\u00fcbersehbar. \u2013 Heute kommt der Angriff auf die verfasste Kirche nicht vom Staat her. Im Gegenteil: Auf der oberen Ebene von Kirchenleitungen, Di\u00f6zesen, EKD und katholischer Bischofskonferenz herrscht derzeit weitgehendstes Einvernehmen mit staatlichen Institutionen. Bei repr\u00e4sentativen Veranstaltungen sind Kirchenvertreter eingeladen und oft in der ersten Reihe pr\u00e4sent. Ein Warnzeichen sind zwar die vermehrten Kirchenaustritte, die sich aber bisher auf die Steuereinnahmen nicht ausgewirkt haben. Im Gegenteil stiegen in den vergangenen Jahre die Kirchensteuereinnahmen noch. Die Verluste durch Austritte werden sich erst in Zukunft gravierend zeigen. Und so d\u00fcmpelt das Kirchenschiff im Strom der gesellschaftlichen Entwicklungen gem\u00fctlich dahin. \u2013 F\u00fcr das gute Verh\u00e4ltnis zwischen Staat und Kirche in der Bundesrepublik seit dem Zweiten Weltkrieg k\u00f6nnen wir dankbar sein! Aber das darf nicht blind machen f\u00fcr <em>innere krisenhafte Entwicklungen in der Kirche<\/em> und neuerdings auch im politischen Bereich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf kirchliche Defizite wollte schon zu seiner Zeit Bischof Dietzfelbinger aufmerksam machen. In seinen \u201eErinnerungen\u201c schreibt er: \u201eWas mich w\u00e4hrend meiner Amtszeit als Ratsvorsitzender [1967-1973] innerlich besonders stark bedr\u00e4ngte, war die Einsicht in das Missverh\u00e4ltnis von Gestalt und Gehalt im Bereich der EKD&#8230; Es war das Missverh\u00e4ltnis zwischen dem Verfassungsanspruch und der Lebenswirklichkeit in der EKD, unter dem ich litt.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> \u2013 Das ist eine Feststellung, die heute in gleicher Weise Wort f\u00fcr Wort zutrifft. Es ist das Missverh\u00e4ltnis zwischen der wachsenden \u00e4u\u00dferen Einheit der EKD \u2013 neuerdings weiter fortgeschritten durch das gemeinsame EKD-Pfarrdienstgesetz, das am 1. Januar 2011 in Kraft trat \u2013 und der zunehmenden inneren theologischen Verwirrung, ja Verwahrlosung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Differenz war schon zu Hermann Dietzfelbingers Amtszeit als Landesbischof (1955-1975) erkennbar: Im Januar 1966 war die Bekenntnisbewegung gegr\u00fcndet worden. Zu ihrer ersten gro\u00dfen Kundgebung am 6. M\u00e4rz 1966 in der Dortmunder Westfalenhalle waren 24.000 Besucher gekommen. Dabei ist \u00fcbrigens bemerkenswert, dass s\u00e4mtliche Gr\u00fcnderpers\u00f6nlichkeiten der Bekenntnisbewegung w\u00e4hrend der Zeit des \u201eDritten Reiches\u201c zur BK geh\u00f6rt hatten! Diejenigen also, die zur NS-Zeit den Angriffen von au\u00dfen am mutigsten widerstanden hatten, waren nun im Blick auf die innere Krise der Kirche ebenfalls die Mutigsten und Weitblickendsten. Sie waren der \u00dcberzeugung, dass das Wort Gottes die Kirche reinigen werde und dass vom inneren Leben der Kirche her das \u00c4u\u00dfere Kraft und Gestalt gewinnen werde, nicht aber umgekehrt von der Kirchenorganisation her. Denn die Kirche Jesu Christi lebt von innen nach au\u00dfen, nicht von au\u00dfen nach innen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz zusammengefasst: Die Gef\u00e4hrdung der Kirche geschah zur NS-Zeit in erster Linie durch den Angriff von au\u00dfen; heutzutage geschieht sie in erster Linie durch den Verfall von innen, der sich schlie\u00dflich \u2013 damals wie heute in gleicher Weise \u2013 als <strong>Anpassung an staatliche und<\/strong> <strong>gesellschaftliche Entwicklungen<\/strong> auswirkt. Kirche will auf der H\u00f6he der Zeit bleiben, im sogenannten \u201eMainstream\u201c mitschwimmen und dadurch ihre Zukunft sichern.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Das also ist bei allen \u00e4u\u00dferen Unterschieden die Parallele zwischen der BK und der heutigen kirchlichen Situation: Die Kirche ist durch ihre teils bewusste, teils unbewusste Anpassung an gesellschaftliche Entwicklungen, damals von au\u00dfen, heute von innen her gef\u00e4hrdet. Immer weniger ist sie \u201eSalz der Erde\u201c und \u201eLicht der Welt\u201c (Matth. 5, 13 f.), wie sie es doch ihrem Auftrag entsprechend sein sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gilt, in diesem Zusammenhang stets neu auf das Leitwort hinzuweisen, mit dem der Apostel Paulus seine ausf\u00fchrliche Par\u00e4nese (Ermahnung) an die Gemeinde in Rom beginnt: <em>\u201e&#8230;Und richtet euch nicht nach dieser Welt, sondern ver\u00e4ndert euch durch Erneuerung eures Sinnes\/Verstandes, damit ihr pr\u00fcfen k\u00f6nnt, was der Wille Gottes ist, n\u00e4mlich das Gute und Wohlgef\u00e4llige und Vollkommene\u201c<\/em> (R\u00f6mer 12,2). <em>Zuerst<\/em> also der Glaube, dann die Ethik. An erster Stelle steht die bis ins Leibliche reichende Existenzhingabe und die Umwandlung durch den Heiligen Geist. <em>Danach<\/em> kann der auf diese Weise erleuchtete Verstand pr\u00fcfen, was dem Willen Gottes entspricht und beurteilen, was gut und vollkommen und zielgerichtet ist. Erst danach!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewiss gibt es immer wieder gegenseitige Beeinflussungen von Kirche und Welt. Doch nach biblischer Aussage muss die Hauptrichtung die Pr\u00e4gung der Gesellschaft durch den Glauben sein und nicht umgekehrt! Es sind die sich stets wiederholenden S\u00fcndenf\u00e4lle der Kirchengeschichte, dass die Kirche sich zum Anh\u00e4ngsel gesellschaftlicher Entwicklungen und staatlicher Gesetze macht. Die Verk\u00fcndigung der Kirche ger\u00e4t dann zur religi\u00f6sen Interpretation der Wirklichkeit, zum Zuckerguss \u00fcber die bestehenden Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Volkskirche ist in dieser Richtung mehr gef\u00e4hrdet als eine Freikirche oder gar eine Untergrundkirche in totalit\u00e4ren Staaten. Bereits lange vor dem Kirchenkampf hatte der junge Dietrich Bonhoeffer 1927 in seiner Dissertation bei einem grunds\u00e4tzlichen \u201eJa\u201c zur Volkskirche geschrieben:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eEs gibt nun f\u00fcr die Kirche einen Zeitpunkt, in dem sie nicht mehr Volkskirche sein darf, und dieser Zeitpunkt ist dann gekommen, wenn die Kirche in ihrer volkskirchlichen Art nicht mehr das Mittel sehen kann, zur Freiwilligkeitskirche \u00a0 durchzudringen.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><strong>[4]<\/strong><\/a> <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entsprechend lautet es in dem Verwerfungssatz der Ersten These der Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung von 1934 gegen das Mitschwimmen in den Trends der Zeit:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWir verwerfen die falsche Lehre, als k\u00f6nne und m\u00fcsse die Kirche als Quelle ihrer Verk\u00fcndigung au\u00dfer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und M\u00e4chte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung \u00a0\u00a0 anerkennen.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><strong>[5]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist nichts anderes als ein Ruf an die Volkskirche, zu ihrem Zentrum in Jesus Christus zur\u00fcckzukehren und von daher \u2013 von nichts anderem geleitet \u2013 in ihrer Zeit und Welt zu\u00a0 wirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie steht es heute damit? L\u00e4sst sich die Kirche zum Anh\u00e4ngsel gesellschaftlicher Entwicklungen machen, oder bildet sie, wie es doch sein sollte, ein Widerlager gegen fragw\u00fcrdige Entwicklungen und Verfallserscheinungen in Staat und Gesellschaft? \u2013 Dass heute leider ersteres der Fall ist, dass sich die Volkskirche n\u00e4mlich selbst zum Anh\u00e4ngsel \u00f6ffentlicher Entwicklungen macht, ist un\u00fcbersehbar. Sie hechelt mit heraush\u00e4ngender Zunge gesellschaftlichen Tendenzen hinterher und ist bem\u00fcht, sich anzugleichen, um \u201emodern\u201c zu sein. Das l\u00e4sst sich Zug um Zug nachweisen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 16. Februar 2001 wurde das \u201eGesetz zum Ende der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Gemeinschaften: Lebenspartnerschaften\u201c verabschiedet. Was machen einige Landeskirchen? Sie f\u00fchren eine der kirchlichen Trauung nachgeahmte \u00f6ffentliche Segnung f\u00fcr staatlich eingetragene Lebenspartnerschaften ein.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiter: Vom 14. August 2006 stammt das \u201eAllgemeine Gleichbehandlungsgesetz\u201c (auch \u201eAntidiskriminierungsgesetz\u201c genannt). Was macht die EKD? Sie \u00f6ffnet mit \u00a7 39 im bereits erw\u00e4hnten Pfarrdienstgesetz von 2011 die Pfarrh\u00e4user f\u00fcr homosexuelle Lebenspartnerschaften. \u00a0Die Landessynode der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche hat am 28. Februar 2014 homosexuelle Partnerschaften im Pfarrdienstrecht bereits vollends der Ehe gleichgestellt! \u2013 Und das geschieht, obwohl der liberale Staat der Kirche als sogenanntem Tendenzbetrieb durchaus einen anderen Weg gestattet. Die Anpassung verl\u00e4uft also genau in die ungeistliche Richtung von der Welt zur Kirche gegen die Weisung von R\u00f6mer 12!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der F\u00fclle halber sei ohne Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit auf weitere kurzschl\u00fcssige kirchliche Anpassungen an gesellschaftliche Trends kurz hingewiesen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mai 2000 wurde durch die damalige Bundesregierung die gemeinsame Gesch\u00e4ftsordnung aller deutschen Bundesministerien novelliert und \u201eGender-Mainstreaming\u201c als \u201edurchg\u00e4ngiges Leitprinzip\u201c f\u00fcr alle ministeriellen Ma\u00dfnahmen verbindlich gemacht. 2006 wurde, von zahlreichen kirchlichen Pers\u00f6nlichkeiten und Institutionen gef\u00f6rdert, eine sogenannte \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c herausgebracht; 2013 folgte die ebenfalls von der Gender-Ideologie durchdrungene Orientierungshilfe des Rates der EKD \u201eZwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verl\u00e4ssliche Gemeinschaft st\u00e4rken\u201c (sogenanntes \u201eFamilienpapier\u201c). Am 7. April 2014 wurde schlie\u00dflich in Hannover ein \u201eGender-Studienzentrum\u201c der EKD er\u00f6ffnet. \u2013 Wieder: Kritiklose Anpassung an die Trends.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres wichtiges Ph\u00e4nomen stellt <em>die Besetzung und Umdeutung von Begriffen<\/em> dar. An erster Stelle ist hier der <em>Liebesbegriff<\/em> zu nennen. In der Gesellschaft wird im Rahmen der Sexualisierung jeglicher sexuelle Kontakt zwischen zwei Personen als \u201eLiebe\u201c bezeichnet. Ausgenommen wird allenfalls Gewaltgebrauch. \u2013 Im kirchlichen Sprachgebrauch wurde dem entsprechend die Differenzierung zwischen Sexus, Eros, Philia und Agape ebenfalls v\u00f6llig verwischt. Es wird durchweg von \u201ehomosexueller Liebe\u201c gesprochen, obwohl nach statistischen Untersuchungen 95 Prozent der Partnerschaften unter M\u00e4nnern nicht treu leben und die f\u00fcnf Prozent der Getreuen im Durchschnitt nicht l\u00e4nger als f\u00fcnf Jahre beisammen bleiben.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Dieser Sachverhalt wird von den entsprechenden Interessengruppen damit verschleiert, dass zwischen sexueller und sozialer Treue unterschieden wird. Im kirchlichen Bereich wird diese Problematik ignoriert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gravierend wirkt sich auch der verallgemeinernde Gebrauch des <em>Religionsbegriffs<\/em> aus. Was im Rahmen der Dialektischen Theologie und in der Bekennenden Kirche von Barth bis Bonhoeffer dazu erarbeitet wurde, scheint v\u00f6llig vergessen zu sein.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> In der Gesellschaft wird der Religionsbegriff seit der Epoche der Aufkl\u00e4rung, als man die Vielfalt der Weltreligionen entdeckte, als Sammelbegriff f\u00fcr alle m\u00f6glichen Erscheinungen und Richtungen gebraucht, die mit Letzt\u00fcberzeugungen zu tun haben, welche die vorfindliche Erfahrungswirklichkeit \u00fcbersteigen. Die Sammelbezeichnung \u201eReligion\u201c ist in der Tat insbesondere dann sinnvoll und hilfreich, wenn es um Gewissens- und \u00dcberzeugungsfreiheit geht. Theologisch stellt der verallgemeinerte Religionsbegriff aber eine Denkfalle dar. (\u00dcbrigens hat bisher nicht einmal die Religionswissenschaft \u201eReligion\u201c eindeutig und allgemeing\u00fcltig definieren k\u00f6nnen!) Die Denkfalle besteht darin, dass alle Religionen im Grunde als etwas Gleiches betrachtet werden. Tats\u00e4chlich aber sind sie h\u00f6chst unterschiedlich! Atheisten bedienen sich mit gro\u00dfer Freude solch kurzschl\u00fcssiger Gleichsetzung. Ist z.B. eine Religion strukturell gewaltt\u00e4tig, wird diese Beobachtung generalisiert und samt anderen eventuell da und dort entdeckten negativen Erscheinungen auf \u201edie Religion\u201c schlechthin ausgedehnt. So verf\u00e4hrt z.B. der Atheist Richard Dawkins in seinem Weltbestseller \u201eDer Gotteswahn\u201c.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Er verurteilt die Religionen, insbesondere die monotheistischen \u201eabrahamitischer Art\u201c, Judentum, Christentum und Islam pauschal und undifferenziert als gewalttr\u00e4chtig. Und er hat darin viele Nachfolger gefunden. Anlass war der Angriff auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufgrund des missbrauchten und missverstandenen allgemeinen Religionsbegriffes gibt es innerhalb der EKD einen weitgehenden Schulterschluss mit dem Islam. Man subsummiert den eigenen Glauben unter \u201eReligion\u201c und setzt sich deshalb z.B. f\u00fcr islamischen Religionsunterricht an \u00f6ffentlichen Schulen bis hin zu islamischen Lehrst\u00fchlen an Universit\u00e4ten ein, nicht zuletzt, um damit den eigenen Bestand zu sichern.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Die R\u00fcckwirkung besteht darin, dass Gewalt, die im Namen des Islam geschieht, in den Medien als \u201ereligi\u00f6se Gewalt\u201c verallgemeinert wird mit der Folge, dass auch bekennende Christen als \u201eFundamentalisten\u201c bezeichnet und mit islamischen Terrorattent\u00e4tern gleichgesetzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Typisch daf\u00fcr ist ein Leserbrief aus der j\u00fcngsten Zeit, dessen erste S\u00e4tze im Blick auf die Pariser Anschl\u00e4ge auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo lauten: \u201eDie Kerninhalte der Religionen der Welt m\u00fcssen unbedingt auf den Pr\u00fcfstand. Die Vorgaben in der Bibel und im Koran sind \u00e4hnlicher Art.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Der erste Satz ist richtig, der zweite v\u00f6llig falsch! Der Leserbriefschreiber kennt offensichtlich weder den Inhalt des Koran noch den der Bibel. Manchmal hat man den Eindruck, dies sei auch bei einigen evangelischen und katholischen Bisch\u00f6fen der Fall.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Aber statt billiger Anpassung an den Islam mit vorauslaufendem Dhimmi-Gehorsam br\u00e4uchten wir eine christliche Willkommenskultur, in deren Rahmen wir den Muslimen ihren Propheten \u201eIsa\u201c so nahe bringen, dass sie in ihm Jesus Christus als ihren Herrn und Heiland erkennen und zu bekennen lernen. Dann br\u00e4uchten wir keine Angst vor Islamisierung zu haben, sondern der Islam h\u00e4tte seinerseits Respekt, ja Furcht vor der Kraft des Heiligen Geistes, durch die viele Muslime zum Glauben an Jesus Christus gef\u00fchrt werden. Nicht \u00e4ngstlich abgrenzen, sondern von der Bibel her die Weite der Herrschaft Christi aufzuzeigen \u2013 so herum m\u00fcsste der Einfluss gehen!<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und damit sind wir beim Zentralpunkt: In der Kirche wurde die <em>Bibel<\/em> als Norm f\u00fcr Leben und Lehre unsicher. Im Grundlagentext des Rates der EKD \u201eRechtfertigung und Freiheit. 500 Jahre Reformation 2017\u201c lesen wir: \u201eSeit dem 17. Jahrhundert werden die biblischen Texte historisch-kritisch erforscht. Deshalb k\u00f6nnen sie nicht mehr wie zur Reformationszeit als \u201aWort Gottes\u2018 verstanden werden. Die Reformatoren waren ja grunds\u00e4tzlich davon ausgegangen, dass die biblischen Texte wirklich von Gott selbst gegeben waren.\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> In Entsprechung dazu hat der Bischof einer Lutherischen Landeskirche am 20. Mai 2014 auf der Delegiertenversammlung der \u201eArbeitsgemeinschaft f\u00fcr Missionarische Dienste im Diakonischen Werk der EKD\u201c (AMD) ein Referat mit dem Thema \u201eDie Bibel als Grundlage von Glauben und Theologie\u201c gehalten. Neben manchen zweifellos richtigen Bemerkungen, z.B. dass man sich mit seinem Leben pers\u00f6nlich auf die Bibel einlassen sollte, sagte er, \u201edass die Bibel ein ganz normales St\u00fcck Literatur ist\u201c und fuhr fort: \u201eBei so mancher Predigt, die ich h\u00f6re, bekomme ich den Eindruck, dass das, was jetzt gesagt wird, relevant ist, weil es in der Bibel steht.\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Und er begr\u00fcndet seine Ablehnung mit den Worten: \u201eDie Bibel ist nicht einfach Autorit\u00e4t, weil es konventionell so ist oder weil sie einfach Gottes Wort \u201aenth\u00e4lt\u2018. Hier haben die modernen S\u00e4kularisierungsprozesse zu einer grunds\u00e4tzlichen Infragestellung nicht nur der biblischen Autorit\u00e4t gef\u00fchrt. Autorit\u00e4t muss heute notwendiger Weise eine sich legitimierende Autorit\u00e4t sein. In diesem Sinne kann die Bibel nur noch dann als Autorit\u00e4t anerkannt werden, wenn sie in der individuellen Lebensf\u00fchrung als hilfreich, sinn- und lebenserschlie\u00dfend <em>erfahren <\/em>wird.\u201c<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies also sagt ein lutherischer Bischof ganz im Sinne kirchlicher Selbsts\u00e4kularisierung. H\u00f6ren wir dagegen Luther original z.B. in seiner Schrift \u201eDe servo arbitrio\u201c, die er \u00fcbrigens neben seinen Katechismen als seine wichtigste bezeichnet hat:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDenn das ist nicht die Art eines christlichen Herzens, keine Freude an Bekenntnissen zu haben, im Gegenteil, ein Christ muss Freude an Bekenntnissen haben, oder er wird kein Christ sein&#8230; Nichts ist bei den Christen bekannter und gebr\u00e4uchlicher als die verbindliche theologische Aussage (assertio). Hebe die verbindlichen theologischen \u00a0 Aussagen auf, und du hast das Christentum aufgehoben.\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\"><strong>[18]<\/strong><\/a> &#8230; \u201eDer heilige Geist ist kein Skeptiker, nicht Zweifel oder subjektive Ansichten hat er in unsere Herzen geschrieben, sondern verbindliche Aussagen, die gewisser und unersch\u00fctterlicher sind \u00a0\u00a0 als das Leben selbst und alle Erfahrung.\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><strong>[19]<\/strong><\/a> <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wiederum best\u00e4tigt sich die im Eingangszitat von Bischof Dietzfelbinger angesprochene Verschleierung und Verdrehung der Verh\u00e4ltnisse. Mit geradezu pietistischem Vokabular wird in den Ausf\u00fchrungen des Bischofs gesagt, dass es im Glauben auf den pers\u00f6nlichen Bezug zur Bibel ankommt. Diese richtige Feststellung wird aber dazu benutzt, die Autorit\u00e4t der Bibel aufzuheben und sie dem Subjektivismus preiszugeben; w\u00e4hrend es zwar auch Luther um den pers\u00f6nlichen Glauben geht, aber um einen vom Heiligen Geist bewirkten Glauben, der sich in dankbarer Freude und Gewissheit am geoffenbarten Wort Gottes festmacht. \u2013 Am \u201eextra nos\u201c h\u00e4ngt die Heilsgewissheit!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So hei\u00dft es auch in der EKD-Schrift \u201eRechtfertigung und Freiheit\u201c: \u201eF\u00fcr viele evangelische Christen ist die regelm\u00e4\u00dfige Bibellekt\u00fcre, sei es f\u00fcr sich allein zu Hause, sei es mit anderen, ein wichtiges Element ihres Glaubens. Offenbar ist dies deshalb der Fall, weil Menschen immer wieder bemerken, dass sie durch diese Texte in besonderer Weise angesprochen werden. In ihnen haben sich menschliche Erfahrungen mit Gott so verdichtet, dass andere Menschen sich und ihre Erfahrungen mit Gott darin wiederentdecken k\u00f6nnen.\u201c<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> \u2013 Das h\u00f6rt sich gut an, ist aber falsch, denn der biblische Ausgangspunkt sind nicht subjektive menschliche Erfahrungen mit Gott, sondern Gottes geschichtsm\u00e4chtiges Handeln, aufgrund dessen Menschen damals wie heute Erfahrungen mit Gott machen! Die Vertauschung von Subjektivem und Objektivem macht alles verkehrt. Schon Bonhoeffer hatte konstatiert: \u201eDer Individualismus hat den Protestantismus der Reformation zerst\u00f6rt.\u201c<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Ausgerechnet zum Reformationsjubil\u00e4um feiern nun Individualismus und Subjektivismus fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man k\u00f6nnte weitere Hinweise auf Verdrehungen und Verf\u00e4lschungen hinzuf\u00fcgen. Dazu geh\u00f6rt z.B. der verbreitete Missbrauch von Begriffen wie Toleranz (alles wird f\u00fcr gleich-g\u00fcltig erkl\u00e4rt), Freiheit (missverstanden als v\u00f6llige Bindungslosigkeit) und Gerechtigkeit (als blo\u00dfe Nivellierung von Unterschiedlichem); doch belassen wir es bei den genannten Beispielen und bilanzieren die heutige Situation: Der evangelischen Kirche ging ihre Grundlage, die Bibel, weitgehend verloren. Daraus resultieren die weiteren Sch\u00e4den. Selbst ranghohe Kirchenvertreter k\u00f6nnen nicht zwischen historischer Bibelauslegung und historischer Kritik unterscheiden.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> Wer an der Autorit\u00e4t der Hl. Schrift festh\u00e4lt, wird vielfach als \u201eFundamentalist\u201c diffamiert. Luther w\u00e4re demnach jedenfalls ein Fundamentalist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Biblische Hermeneutik ist zweifellos n\u00f6tig. Doch die Hermeneutik der \u201emodernen\u201c kirchlichen S\u00e4kularisten und Skeptiker beschr\u00e4nkt sich darauf, es mit den biblischen Texten nicht so genau zu nehmen, indem sie s\u00e4mtliche biblischen Aussagen unter den Vorbehalt eines verwaschenen Liebesbegriffs stellen und von daher alle konkreten Aussagen der Bibel \u2013wie es am Beispiel der Diskussion \u00fcber homosexuelle Praxis immer wieder geschieht \u2013 willk\u00fcrlichem Subjektivismus unterwerfen, sie f\u00fcr \u201ezeitbedingt\u201c und damit f\u00fcr ung\u00fcltig zu erkl\u00e4ren.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Nicht einmal die simpelsten Regeln, auch nicht historisch-kritischer Forschung, werden dabei beachtet. Wenn sie wirklich historisch-kritisch arbeiten w\u00fcrden, statt sich blo\u00df darauf zu berufen, dann k\u00f6nnte man jedenfalls mit ihnen diskutieren! So aber bleibt nichts als das missverstandene Wort von Augustin: \u201eLiebe, und tue dann, was du willst.\u201c<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> \u00c4hnlich wurde ja schon in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der Situationsethik verfahren.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> Obwohl sie vielfach widerlegt wurde, wirkt sie untergr\u00fcndig fort. Die kirchliche Situation hat sich seither keineswegs gebessert, sondern die negativen Entwicklungen sind weiter vorangeschritten.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All diese Tatsachen und Entwicklungen gilt es zu erkennen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. \u00a0Bekennen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil die Kirche Jesu Christi, wie schon gesagt wurde, nicht von au\u00dfen nach innen, sondern von innen nach au\u00dfen lebt, kann vom Erkennen, was die Stunde geschlagen hat, nicht unmittelbar zur Aktion \u00fcbergegangen werden. Vielmehr gilt es, zuerst auf das Wort Gottes zu h\u00f6ren und dann in der gegebenen Situation zu gehorchen. Als glaubende Christen sind wir n\u00e4mlich Beauftragte, Boten. Wir reden nicht vom Eigenen, sondern geben die Botschaft weiter, die wir selbst vernommen haben. Deshalb muss der erste Schritt nach dem Erkennen das Bekennen sein, nur als zweites folgt das Handeln. Denn das Bekenntnis ist eine Lebens\u00e4u\u00dferung des Glaubens; und der Glaube kommt aus dem H\u00f6ren (fides ex auditu).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr unser deutsches Wort \u201ebekennen\u201c steht in den Bibelsprachen das hebr\u00e4ische j\u0101d\u0101h und das griechische Verb homolog\u00e9\u014d. Beide W\u00f6rter bedeuten sowohl (a) \u201eloben\u201c und \u201epreisen\u201c als auch (b) \u201ebekennen\u201c (n\u00e4mlich von S\u00fcnden). Damit unterscheidet sich das christliche Bekenntnis ganz wesentlich vom Gebrauch des Wortes \u201ebekennen\u201c in der heutigen Umgangssprache. Da \u201ebekennt\u201c man sich zu dieser oder jener Ansicht, zu der einen oder anderen politischen Partei und schlie\u00dflich gar zu dieser oder jener Veranlagung (\u201ecoming out\u201c). Dieser verw\u00fcstete Sprachgebrauch ist vielfach in die christlichen Gemeinden eingedrungen und gef\u00e4hrdet das Glaubensbekenntnis. \u2013 Ein sogenanntes \u201eBekenntnis\u201c z.B. f\u00fcr oder gegen Atomkraftwerke ist eine Meinungs\u00e4u\u00dferung, aber kein christliches Glaubensbekenntnis! Und wenn dennoch in vergleichbarer Weise zu einem Gegenwartsproblem Stellung genommen wird, ist zu zeigen, inwiefern diese Stellungnahme mit dem Glauben, also dem Lob Gottes und dem S\u00fcndenbekenntnis zusammengeh\u00f6rt und aus ihm folgt. Inhaltlich ist das christliche Bekenntnis zentral ein Christusbekenntnis gem\u00e4\u00df R\u00f6mer 10,9: \u201eWenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Folgendes k\u00f6nnen wir gerade heutzutage von der Bekennenden Kirche lernen: Wie schon ihre Selbstbezeichnung \u201eBekennende Kirche\u201c sagt, setzte sie dem Angriff des NS-Staates das christliche Bekenntnis entgegen. Bezeichnenderweise beginnt die erste These der Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung von 1934 mit dem Christusbekenntnis. Unter Hinweis auf Johannes 14,6 und Johannes 10,1.9 lautet es: \u201eJesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu h\u00f6ren, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.\u201c Dabei ist bemerkenswert, dass zugleich mit dem Christusbekenntnis auf die Heilige Schrift verwiesen wird \u2013 gem\u00e4\u00df den vier reformatorischen Zentralpunkten, die einander erg\u00e4nzen und auslegen: In die Mitte geh\u00f6rt das \u201esolus Christus\u201c; darum herum ordnen sich das \u201esola scriptura\u201c, das sola fide\u201c und das \u201esola gratia\u201c. \u2013 Mit dieser ersten These der Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung ist der Grund gelegt f\u00fcr die weiteren f\u00fcnf Thesen, die als Entfaltung der ersten verstanden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bekenntnisse entstehen in verschiedenen Situationen. Sie k\u00f6nnen der Katechesierung (Glaubensunterrichtung) dienen wie die Taufbekenntnisse; oder der \u00d6kumene (Betonung der Einheit) wie die Konkordien; oder der Verk\u00fcndigung (Predigt) mit Information der H\u00f6rer. Sie k\u00f6nnen schlie\u00dflich auch zur Abwehr von Irrlehren dienen, die die Kirche von au\u00dfen angreifen und\/oder von innen zersetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Barmer Theologische Erkl\u00e4rung war ein Bekenntnis zur Abwehr von staatlichen Eingriffen in die Kirche in Verbindung mit Einspruch gegen h\u00e4retische Erscheinungen in der Kirche selbst, insbesondere bei der sogenannten \u201eGlaubensbewegung Deutsche Christen\u201c (DC), die der staatlichen Ideologie folgte und diese f\u00fcr den kirchlichen Bereich als verbindlich \u00fcbernehmen wollte.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> Unmittelbarer Anlass f\u00fcr den Widerstand der BK war die damals so genannte \u201eJudenfrage\u201c. Am 7. April 1933 hatte der NS-Staat das \u201eGesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums\u201c beschlossen. J\u00fcdischst\u00e4mmige Beamte wurden aus dem Beamtenverh\u00e4ltnis entlassen. Am 5. September f\u00fchrte, dem folgend, die Generalsynode der Kirche der Altpreu\u00dfischen Union (APU) den Arierparagraphen f\u00fcr ihren kirchlichen Bereich ein. Somit wurden auch Kirchenbeamte j\u00fcdischer Abstammung entlassen. Betroffen waren insbesondere evangelische Pfarrer j\u00fcdischer Abstammung. (Vielfach wird heute \u00fcbersehen, dass es beim Antisemitismus des NS-Staates nicht um die Glaubens-, sondern um die Rassenzugeh\u00f6rigkeit ging.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die DC argumentierten u.a., es k\u00f6nne sich ja eine eigene judenchristliche Kirche bilden. Das Glaubensbekenntnis sei also nicht ber\u00fchrt, es handle sich um einen blo\u00dfen Verwaltungsakt im ethischen Ermessensspielraum (\u201eAdiaphoron\u201c). \u2013 Anders Bonhoeffer. Er sah mit dem kirchlichen Arierparagraphen den \u201ecasus confessionis\u201c gegeben, d.h. er sah das Bekenntnis des Glaubens an Jesus Christus verletzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 15. April 1933 hatte Bonhoeffer bereits das Manuskript zu seinem Aufsatz \u201eDie Kirche vor der Judenfrage\u201c fertiggestellt.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> Darin hatte er einen kirchlichen Arierparagraphen als H\u00e4resie (Irrlehre) bezeichnet und zwar mit folgender Argumentation: In Galater 2 schreibt der Apostel Paulus, dass diejenigen, die eine Beschneidung zur Bedingung f\u00fcr den Glauben an Jesus Christus machen, in gesetzlicher Weise vom Evangelium abgefallen sind, denn damit wird das \u201eallein aus Gnade\u201c geleugnet. \u2013 Mit dem kirchlichen Arierparagraphen wird nun ebenfalls in gesetzlicher Weise eine menschliche Voraussetzung zur Bedingung f\u00fcr die Kirchengemeinschaft erhoben, n\u00e4mlich die arische Rassenzugeh\u00f6rigkeit. Indem die DC so handeln und Menschen j\u00fcdischer Abstammung aus der Kirche ausschlie\u00dfen, trifft sie das Verdikt des Paulus aus Galater 3,1-3:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eO ihr unverst\u00e4ndigen Galater [hier: unverst\u00e4ndigen DC], wer hat euch behext, denen doch Jesus Christus als Gekreuzigter vor Augen gemalt worden ist? Das eine \u00a0\u00a0 will ich von euch wissen: Habt ihr den Geist aus Werken des Gesetzes [hier: durch die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Rasse] empfangen oder aus der Glaubensverk\u00fcndigung? So unverst\u00e4ndig seid ihr? Nachdem ihr im Geist angefangen habt, wollt ihr jetzt im Fleisch vollenden?\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht um die Alternative, ob eine menschliche Voraussetzung als Heilsweg angesehen wird oder vielmehr allein und ausschlie\u00dflich der Glaube an Jesus Christus. Nur der Glaube rettet. Eine ethische Frage wird im Raum der Kirche immer dann zugleich zur Heilsfrage, wenn der Glaube an Jesus Christus verdunkelt wird und irgendwelche anderen Voraussetzungen als der Glaube an Jesus zur Bedingung der Rettung und des vollen Heils gemacht werden. Wenn aber\u00a0 Glaubensgemeinschaft besteht, dann besteht auch Kirchengemeinschaft. Und umgekehrt: Ohne Glaubensgemeinschaft kann es keine Kirchengemeinschaft geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir erkennen, dass die Barmer Theologische Erkl\u00e4rung insbesondere in These 1, ohne den Arierparagraphen zu nennen, der Sache nach Bonhoeffers Argumentation entspricht, wenn es \u2013 kurz zusammengefasst \u2013 \u00a0hei\u00dft: \u201eJesus Christus&#8230;ist das eine Wort Gottes,&#8230;dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als k\u00f6nne und m\u00fcsse die Kirche&#8230;auch noch andere Ereignisse, M\u00e4chte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ist es der Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung ja seltsam ergangen. Es entstand ein Streit dar\u00fcber, ob sie im Vollsinne als Bekenntnis anzusehen sei. \u201eDie einen betonen die in Barmen \u201abezeugte Gemeinschaft\u2018 (VELKD), die anderen bezeichnen die Th.E. als \u201af\u00fcr die versuchte und angefochtene Kirche wegweisendes Glaubenszeugnis\u2018 (EKU), und der Reformierte Bund schlie\u00dflich sieht in ihr ein Bekenntnis, auf einer Ebene stehend wie \u201adie Bekenntnisse der Reformation, insbesondere des Heidelberger Katechismus\u2018.\u201c<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a>\u2013 Unbeschadet dieser unterschiedlichen Einstufung geh\u00f6rt die Barmer Theologische Erkl\u00e4rung f\u00fcr viele Gliedkirchen der EKD zur Ordinationsverpflichtung der Pfarrer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An diesen Differenzen (von \u201eBekenntnis\u201c bis \u201eErkl\u00e4rung zur Situation\u201c) wird die unterschiedliche Auffassung der innerevangelischen Konfessionen deutlich, welche Bedingungen f\u00fcr ein im vollen dogmatischen Sinne anzuerkennendes Lehrbekenntnis zu gelten haben.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> Dietrich Bonhoeffer jedenfalls hat die Barmer Theologische Erkl\u00e4rung im Vollsinne als g\u00fcltiges Lehrbekenntnis angesehen, als Grundbekenntnis der BK, die er ihrerseits als eine eigene Kirche verstand, nicht nur als Bewegung innerhalb der Kirche, auch nicht als Freikirche, sondern als die einzig wahre evangelische Kirche in Deutschland im Sinne des biblischen Zeugnisses und der Bekenntnisse der Reformation. F\u00fcr ihn galt schlicht und klar: \u201eDie Bekennende Kirche ist die einzig wahre Kirche Jesu Christi in Deutschland&#8230; Die Reichskirchenregierung ist h\u00e4retisch.\u201c<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> Bonhoeffer bestand auf klarer Scheidung, wenn es um die Wahrheit des Evangeliums ging. Faule Kompromisse aufgrund falsch verstandener \u201eLiebe\u201c lehnte er stets entschieden ab. Ja, im Zusammenhang der Frage, ob man sich nachtr\u00e4glich von der BK trennen und den Reichskirchenaussch\u00fcssen unterstellen d\u00fcrfe, pr\u00e4gte er den viel umstrittenen Satz:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWer sich wissentlich von der Bekennenden Kirche in Deutschland trennt, trennt sich vom Heil.\u201c<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\"><strong>[32]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Bonhoeffers Sicht \u2013 und diese w\u00e4re auf die heutig Situation zu \u00fcbertragen \u2013 ist das Bekenntnis \u201e&#8230;nicht Darstellung des Lehrganzen, sondern aufgrund des Lehrganzen getroffene Entscheidung der Kirche, an einem bestimmten Ort den Kampf aufzunehmen.\u201c \u201eEs ist die aufgrund der Theologie von der Kirche vollzogene Entscheidung \u00fcber ihre Grenzen.\u201c<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit sind wir heute gefragt, ob wir angesichts der erkannten Irrt\u00fcmer und Verwirrungen in der Kirche unserer Tage nicht ebenfalls ein Bekenntnis wagen m\u00fcssen, das Auskunft gibt \u00fcber die Grenzen der Kirche, das klar und deutlich h\u00e4retische Entwicklungen aufzeigt indem, vom Lehrganzen her begr\u00fcndet, Irrlehren abgelehnt und ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. \u00a0Handeln<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dietrich Bonhoeffer schrieb am 28. April 1934 aus London an seinen Schweizer Freund Erwin Sutz: \u201eNachfolge Christi \u2013 was das ist, m\u00f6chte ich wissen \u2013 es ist nicht ersch\u00f6pft in unserem Begriff des Glaubens.\u201c<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a> Das Bekenntnis hat Folgen. Dem Glauben folgt die Tat. Die BK begn\u00fcgte sich nicht mit Barmen. H\u00e4tte sie das getan, w\u00e4re die Barmer Theologische Erkl\u00e4rung wohl weitgehend wirkungslos geblieben. Auf der Zweiten Bekenntnissynode in Berlin-Dahlem (19.-20. Oktober 1934) wurden alle DC-Kirchenleitungen f\u00fcr illegitim erkl\u00e4rt, ein kirchliches Notrecht errichtet und ein \u201eReichsbruderrat\u201c gew\u00e4hlt, der am 20.\/21. November 1934 die erste vorl\u00e4ufige Kirchenleitung (VL) unter dem Vorsitz des Hannoverschen Bischof Marahrens bildete. Leider kam es auf der letzten Bekenntnissynode (17.-22. Februar 1936) in Bad Oeynhausen zur Spaltung der BK aufgrund der Frage, ob man mit den staatlichen Kirchenaussch\u00fcssen, die nun unter Generalsuperintendent Zoellner standen, zusammenarbeiten k\u00f6nne. Insbesondere die \u201eintakten\u201c Lutherischen Landeskirchen Bayern, W\u00fcrttemberg und Hannover bejahten dies sowie einige Landesbruderr\u00e4te. Die \u00fcbrigen Bruderr\u00e4te w\u00e4hlten am 12. M\u00e4rz 1936 eine \u201eZweite Vorl\u00e4ufige Kirchenleitung\u201c (2. VKL). Die drei Lutherischen Landeskirchen sowie einige Landesbruderr\u00e4te bildeten daraufhin am 18. M\u00e4rz 1936 ihrerseits eine Kirchenleitung, die sich als \u201eRat der Evang.-Lutherischen Kirche Deutschlands\u201c bezeichnete. Die erste Richtung der BK nannte man die \u201eradikalen\u201c, die zweite die \u201egem\u00e4\u00dfigten\u201c Barmer, w\u00e4hrend drittens die \u201ezerst\u00f6rten\u201c Kirchen mit Herrschaft der DC in den Kirchenleitungen bestehen blieben, wie es z.B. in Th\u00fcringen der Fall war. Dietrich Bonhoeffer hielt sich bewusst und entschieden zur radikalen Richtung von Barmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abgesehen von diesen geschichtlichen Entwicklungen ist es wichtig festzustellen, dass schon in der Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung selbst vom Bekennen zum Handeln geschritten wird. Denn in der Verwerfungsformel von These 3 lautet es: \u201eWir verwerfen die falsche Lehre, als d\u00fcrfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen \u00dcberzeugungen \u00fcberlassen.\u201c \u2013 Die \u00e4u\u00dferen Ordnungen der Kirche \u2013 heute also u.a. das Pfarrdienstgesetz \u2013 \u00a0sind also nicht beliebig. Es ist zu widerstehen, wenn kirchliche Ordnungsvorgaben politisch-weltanschauliche \u00dcberzeugungen verbindlich machen, die nicht mit der Nachfolge Christi zu vereinbaren sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie aktuell diese Entscheidung der Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung ist, zeigt sich daran, dass die Bischofskonferenz der VELKD Anfang November 2011 den \u00a7 39 des neuen EKD-Pfarrdienstgesetzes uneingeschr\u00e4nkt \u00fcbernommen hat mit der Begr\u00fcndung, bei dem Zusammenleben homosexueller Verbindungen im Pfarrhaus handele es sich nicht um eine Glaubens- und Bekenntnisfrage, sondern lediglich um eine Ordnungsfrage, mithin um ein Adiaphoron. Dem steht eindeutig These 3 von Barmen entgegen. Sie wendet sich klar nicht nur gegen falsche Lehre, sondern auch dagegen, dass die Kirche sich in ihren Ordnungen nach den herrschenden weltanschaulichen und politischen \u00dcberzeugungen richtet! Kein Geringerer als Eberhard Bethge hat festgestellt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eUnd wahrscheinlich ist Barmen III \u00fcberhaupt der Knackpunkt in der ganzen Geschichte, weil die Fragen der Gestalt der Kirche pl\u00f6tzlich ganz dicht an das Bekenntnis heranr\u00fccken.\u201c<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\"><strong>[35]<\/strong><\/a> <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entsprechend hei\u00dft es in Bonhoeffers Gutachten vom 24. Juli 1936 f\u00fcr den Pommerschen Bruderrat der BK:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDa\u00df aber die Ordnungen [der Kirche] bekenntnisgebunden sein m\u00fcssen, da\u00df in statu confessionis in der Frage der Ordnungen keinen Schritt gewichen werden darf, das ist lutherischer und reformierter Lehre gemeinsam, darum geht es heute.\u201c<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\"><strong>[36]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und darum geht es auch heute im Jahr 2015!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Bekennen und entsprechendes Handeln aufgrund des Bekenntnisses zusammengeh\u00f6ren, zeigte sich auch bei der Entstehung der BK: Nachdem die APU-Generalsynode (\u201eBraune Synode\u201c) am 5. September 1933 den Arierparagraphen f\u00fcr den kirchlichen Bereich eingef\u00fchrt hatte, rief Martin Niem\u00f6ller in einem Rundschreiben vom 21. September 1933 seine Pfarramtsbr\u00fcder auf, einen \u201ePfarrernotbund\u201c zu bilden und ihm per Unterschrift auf dem Wege der Selbstverpflichtung beizutreten. Wer beitrat, unterschrieb folgende Erkl\u00e4rung:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><em> Ich verpflichte mich, mein Amt als Diener des Wortes auszurichten und allein in der Bindung an die Heilige Schrift und an die Bekenntnisse der Reformation als die rechte Auslegung der Heiligen Schrift.<\/em><\/li>\n<li><em> Ich verpflichte mich, gegen alle Verletzung solchen Bekenntnisses mit r\u00fcckhaltlosem Einsatz zu protestieren.<\/em><\/li>\n<li><em> Ich wei\u00df mich nach bestem Verm\u00f6gen mit verantwortlich f\u00fcr die, die um solchen Bekenntnisses willen verfolgt werden.<\/em><\/li>\n<li><em> In solcher Verpflichtung bezeuge ich, dass eine Verletzung des Bekenntnisstandes mit der Anwendung des Arierparagraphen im Raum der Kirche Christi geschaffen ist.\u201c<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\"><strong>[37]<\/strong><\/a> <\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hiermit ging es also nicht nur leichthin um Worte, sondern um eine verbindliche Verpflichtung, wozu ja insbesondere der dritte Punkt geh\u00f6rte, den vom Ariergesetz und von sonstiger Gewalt Betroffenen finanziell beizustehen. \u2013 Am 15. Januar 1934 z\u00e4hlte der Pfarrernotbund bereits 7036 Mitglieder!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was gilt f\u00fcr heute? \u2013 Zun\u00e4chst ist der Weg zu einem neuen Bekenntnis einzuschlagen. Vorl\u00e4ufer gibt es. An erster Stelle ist der \u201eInitiativkreis Evangelisches Kirchenprofil\u201c zu nennen, der bereits im Jahr 2011 unter dem Titel \u201eF\u00fcr die Freiheit des Glaubens und die Einheit der Kirche\u201c ein Bekenntnis formuliert und verbreitet hat, das die aktuellen Irrlehren klar benennt und verwirft.<a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\">[38]<\/a> In Sachsen ist eine Bekenntnisinitiative entstanden<a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\">[39]<\/a> und beim Christustag 2014 in Stuttgart wurden in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Allianz von 12 Personen aus der Evangelischen Kirche in Deutschland unter dem Titel \u201eZeit um Aufstehen\u201c sieben bekenntnisartige Thesen aufgestellt, bei denen allerdings die klare Bezeichnung der Irrlehren fehlt.<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\">[40]<\/a> Die Verfasser der Thesen w\u00fcnschen, dass sich eine Basisbewegung bilden m\u00f6ge, die die evangelische Kirche vor dem Reformationsjubil\u00e4um 2017 zur Mitte des Glaubens zur\u00fcckruft, so dass sie sich von ihrer reformatorischen Mitte her erneuert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu diesen Bekenntnissen, Erkl\u00e4rungen und Entw\u00fcrfen sind viele Tausende zustimmende Unterschriften gesammelt und dokumentiert worden. Aber vieles ist auch bereits im Sande verlaufen. Allein eine Erkl\u00e4rung zu unterschreiben, reicht nicht. Es gilt, mit ganzer Existenz alles in die Waagschale der pers\u00f6nlichen Nachfolge Jesu Christi zu werfen, wie es Dietrich Bonhoeffer getan hat. So entspricht es auch den Nachfolgeworten Jesu im Neuen Testament (vgl. Matth. 10,38 par.; 16,24 parr.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sollen die H\u00e4nde zwar nicht in den Scho\u00df legen, allerdings zugleich auch wissen, dass eine Erneuerung der Kirche nur aus dem Gebet geboren wird. Es bedarf eines neuen Wunders, wie Barmen ein Wunder war. Vielleicht entsteht eine \u201eecclesiola in ecclesia\u201c (ein Kirchlein in der Kirche), wie Philipp Jakob Spener (1635-1705) den Kreis entschiedener Christen innerhalb der Landeskirchen nannte. Eine unfehlbar reine Gemeinde wird es jedoch nicht geben, denn die Gemeinde bleibt immer ein \u201ecorpus permixtum\u201c, ein wanderndes Gottesvolk, stets unterwegs bis zur Vollendung, die Christus, der wiederkommende Herr, selbst bringen wird. Dies zu bedenken, macht dem\u00fctig und bewahrt vor ehrgeiziger Rechthaberei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcbrigens ist \u2013 bei aller Hochachtung vor den damaligen Zeugen \u2013 \u00a0auch die BK kein Ideal, das wir blind kopieren m\u00fcssten. In seinen Briefen aus dem Tegeler Gef\u00e4ngnis \u00e4u\u00dfert sich Bonhoeffer r\u00fcckblickend wiederholt kritisch \u00fcber den Weg der BK. Sein Haupteinwand lautet: \u201eEintreten f\u00fcr die \u201aSache\u2018 der Kirche, aber wenig pers\u00f6nlicher Christusglaube.\u201c<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\">[41]<\/a> Das sollte uns zu denken geben. Es geht nicht um die \u201eSache der Kirche\u201c, noch weniger um unsere eigene Sache, sondern um Jesus Christus und den Glauben, der sich in gehorsamer Nachfolge allein an ihm ausrichtet und festmacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abschlie\u00dfend sollten wir aber auch ein Mut machendes Wort aus der Zeit der BK h\u00f6ren und zu Herzen nehmen. Es wurde damals an Viele verschickt, die dem Pfarrernotbund beitraten, und lautet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWir haben nicht zu fragen, wieviel wir uns zutrauen; sondern wir werden gefragt, ob wir Gottes Wort zutrauen, da\u00df es Gottes Wort ist und tut, was es sagt.\u201c<a href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\"><strong>[42]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solches Vertrauen wird auch uns heute ganz gewiss nicht entt\u00e4uschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Stuttgart, im M\u00e4rz 2015\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Prof. Dr. Dr. habil. Rainer Mayer<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vortrag bei den Kongressen des Gemeindehilfsbundes am 21. und 28. M\u00e4rz 2015 in Krelingen und Zavelstein. Alle Vortr\u00e4ge und Seminare der Kongresse in Krelingen vom 20.-22.3. und in Zavelstein vom 27.-29.3. werden in einer Dokumentation ver\u00f6ffentlicht. Diese kostet 5,00 \u20ac zzgl. Versand und kann in der Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes vorbestellt werden (<a href=\"mailto:info@gemeindehilfsbund.de\">info@gemeindehilfsbund.de<\/a>).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Dietrich Bonhoeffer:<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Die Bedeutung des Bekenntnisses f\u00fcr die Kirche<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dietrich Bonhoeffer, Die Bekennende Kirche und die \u00d6kumene, August 1935,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Werke Band 14, S. 378 \u2013 399; hier: S. 382 f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bekennende Kirche bedeutet f\u00fcr die \u00d6kumene insofern eine echte Frage, als sie diese in ihrer Gesamtheit vor die Frage der Konfession stellt. Die Bekennende Kirche ist die Kirche, die in ihrer Ganzheit ausschlie\u00dflich durch das Bekenntnis bestimmte Kirche sein will. Es ist grunds\u00e4tzlich nicht m\u00f6glich, an irgend einem Punkt mit dieser Kirche ins Gespr\u00e4ch zu kommen, ohne sofort die Bekenntnisfrage zu stellen. Weil die Bekennende Kirche im Kirchenkampf gelernt hat, da\u00df\u00a0 von der Verk\u00fcndigung des Evangeliums bis zu den Kirchensteuern das Bekenntnis und dieses allein die Kirche bestimmen mu\u00df, weil es in ihr keinen bekenntnisfreien, neutralen Raum gibt, stellt sie jeden Gespr\u00e4chspartner sofort vor die Bekenntnisfrage. Es gibt keinen anderen Zugang zur Bekennenden Kirche als die Bekenntnisfrage. Es gibt keine M\u00f6glichkeit eines taktisch gemeinsamen Handelns jenseits der Bekenntnisfrage. Damit schlie\u00dft sich die Bekennende Kirche gegen jeden politischen,\u00a0 sozialen, humanit\u00e4ren Einbruch hermetisch ab. Das Bekenntnis erf\u00fcllt ihren ganzen Raum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu diesem Bekenntnis, wie es in den Barmer und Dahlemer Synodalbeschl\u00fcssen <em>bindend<\/em> ausgelegt ist, gibt es nur ein Ja oder ein Nein. Also auch hier ist eine Neutralit\u00e4t unm\u00f6glich, auch hier bleibt eine Zustimmung an diesem oder jenem Punkt jenseits der Bekenntnisfrage ausgeschlossen. Vielmehr mu\u00df die Bekennende Kirche darauf bestehen, da\u00df sie in jeder verantwortlichen kirchlichen Auseinandersetzung soweit ernst genommen wird, da\u00df dieser ihr Anspruch erkannt und ihr zuerkannt wird. Sie mu\u00df ferner darauf bestehen, da\u00df sich in jedem Gespr\u00e4ch mit ihr die kirchliche Solidarit\u00e4t darin bekundet, da\u00df der Gespr\u00e4chspartner nicht zugleich mit ihr und mit den von ihr verworfenen Kirchen der Irrlehre das Gespr\u00e4ch aufnimmt, ja da\u00df auch f\u00fcr den \u00f6kumenischen Gespr\u00e4chspartner dort das Gespr\u00e4ch endg\u00fcltig abgebrochen ist, wo sie es in kirchlicher Verantwortung f\u00fcr abgebrochen erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ein unerh\u00f6rter Anspruch. Aber nur so kann die Bekennende Kirche in das \u00f6kumenische Gespr\u00e4ch eintreten. Und das mu\u00df man wissen, um sie zu verstehen und um ihre Sprache recht zu interpretieren. Lie\u00dfe die Bekennende Kirche von diesem Anspruch, so w\u00e4re der Kirchenkampf in Deutschland schon <em>gegen <\/em>sie entschieden und damit auch der Kampf um das Christentum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zitiert nach: Hermann Dietzfelbinger, Ver\u00e4nderung und Best\u00e4ndigkeit. Erinnerungen, M\u00fcnchen (Claudius V.) 1984, S. 304. \u2013 Die derzeit in der EKD weit verbreitete gegenteilige Auffassung spiegelt sich in der Aussage des Kieler Kirchenhistorikers Johannes Schilling. Auf die Frage, ob heutzutage eine neue Bekenntnisschrift erforderlich sei, antwortete er: \u201eGl\u00fccklicherweise nein! Bekenntnisschriften werden aus Krisensituationen heraus geboren \u2013 und eine solche haben wir im Moment nicht.\u201c (Interview anl\u00e4sslich der Neuausgabe der Bekenntnisschriften der Evang.-Luth. Kirche, in: ideaSpektrum\u00a0 2015, Nr. 8, S. 23).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> A.a.O., S. 303.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Zur aktuellen Situation vgl.: Reinhard Slenczka, Der lebendige Gott und die politische Religion. Was die Kirche mit der politischen Gemeinschaft verbinden soll, zerst\u00f6rt die Kirchengemeinschaft. Mit einer Anleitung zur Pr\u00fcfung und Scheidung der Geister f\u00fcr die Gemeinde, Informationsbrief der Bekenntnisbewegung \u201eKein anderes Evangelium\u201c, Nr. 286, Juli 2014.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Dietrich Bonhoeffer, Sanctorum Communio (Werke Band 1, M\u00fcnchen 1986), S. 150.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Barmer Theologische Erkl\u00e4rung (Hg. A. Burgsm\u00fcller, R. Weth), Neukirchen 1983, S. 34.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Die Orientierungshilfe des Rates der EKD \u201eMit Spannungen leben\u201c von 1996, die zwar Kompromisse suchte, aber \u00a0jedenfalls noch festgehalten hatte, \u201e&#8230;dass es keine biblischen Aussagen gibt, die Homosexualit\u00e4t in eine positive Beziehung zum Willen Gottes setzen\u201c (S. 21), wurde ignoriert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ignoriert wurden erst recht gutachtliche Stellungnahmen von wissenschaftlich-theologischer Seite wie z.B. die gutachtliche Stellungnahme von Wolfhart Pannenberg, in der es u.a. hei\u00dft: \u201eEine Kirche, die sich als begr\u00fcndet auf dem Boden der Heiligen Schrift versteht, kann angesichts der einhelligen Ablehnung homosexueller Praxis durch die biblischen Zeugnisse homosexuelle Lebensgemeinschaften nicht gottesdienstlich segnen. Geschieht das dennoch, so bedeutet das <em>ipso facto<\/em>, dass eine solche Kirche nicht mehr auf dem Boden der Schriftautorit\u00e4t steht und folglich auch aufgeh\u00f6rt hat, evangelische Kirche in der Nachfolge der Reformation zu sein.\u201c (Vgl. W. Pannenberg, Angst um die Kirche. Zwischen Wahrheit und Pluralismus, in:\u00a0 Evangelische Kommentare 1993, S. 709-713; Ders.: Beitr\u00e4ge zur Ethik, G\u00f6ttingen 2004, S. 99ff.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Zur Kritik der Gender-Ideologie vgl. Rainer Mayer, Biblische Anthropologie und das Gender-Mainstreaming-Programm, Sonderdruck des Informationsbriefes der Bekenntnisbewegung, 2011; Zur Geschichte und Soziologie der Gender-Thesen vgl. insbesondere: Gabriele Kuby, Die globale sexuelle Revolution. Zerst\u00f6rung der Freiheit im Namen der Freiheit, Ki\u00dflegg 212.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Quelle: www.erziehungstrends.net\/node\/164; Download vom 27.01.2015. &#8211; Vgl. das \u201eInsidermagazin\u201c:\u00a0 DU &amp; ICH, Heft 3,\u00a0 31. Jg. 1999, S. 16 -17: Vierzehn Beziehungstips. \u2013 Auf S. 16 wird festgestellt: \u201e94 Prozent alle M\u00e4nner-Ehen dauern nicht l\u00e4nger als ein halbes Jahr.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Wegen des irref\u00fchrenden Gebrauchs des allgemeinen Religionsbegriffs wurde auch Bonhoeffers Forderung in den Gef\u00e4ngnisbriefen nach einer \u201enichtreligi\u00f6sen Interpretation biblischer Begriffe\u201c und einem \u201ereligionslosen Christentums\u201c bis hin zu einer \u201eGott-ist-tot-Theologie\u201c im s\u00e4kularistischen Sinne missverstanden. In Wahrheit geht es Bonhoeffer darum, den christlichen Glauben von blo\u00dfer Religiosit\u00e4t zu unterscheiden. Vgl. Rainer Mayer, Hat sich Dietrich Bonhoeffer geirrt? Seine These von der religionslosen Zukunft und das Wiedererwachen der Religion in der Gegenwart, in: Rainer Mayer \/ Peter Zimmerling (HG.), Dietrich Bonhoeffer aktuell. Biographie-Theologie-Spiritualit\u00e4t, Gie\u00dfen\/Basel 2. Aufl. 2013, S.174-196.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Richard Dawkins, Der Gotteswahn, Berlin 2007; Englisches Original: The God Delusion, London 2006.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Das Paradox besteht darin, dass nach Artikel 7 Abs. 3 des Grundgesetzes der Religionsunterricht an \u00f6ffentlichen Schulen (RU) in ein ordentliches (staatliches) Lehrfach ist, das aber inhaltlich in \u00dcbereinstimmung mit den Religionsgemeinschaften erteilt wird. Es setzt also die Unterscheidung von Staat und Religion voraus. Da der Islam eine solche Unterscheidung jedoch nicht kennt und nicht praktiziert, kann nach der Logik des Grundgesetzes gar kein islamischer RU an \u00f6ffentlichen Schulen eingef\u00fchrt werden. Da es trotzdem geschieht, hat man f\u00fcr islamische Lehrst\u00fchle an Universit\u00e4ten, die islamische Religionslehrer ausbilden sollen, \u201eBeir\u00e4te\u201c haupts\u00e4chlich konservativer islamischer Verb\u00e4nde als staatliche Ansprechpartner gebildet. Sie sollen eine Art \u201eKirchenersatz\u201c darstellen. Das aber ist ein Widerspruch in sich selbst. \u2013 Somit wurde das Grundgesetz missachtet und ausgeh\u00f6hlt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> In: Wochenzeitung \u201eSonntag aktuell\u201c, vom 18. 01. 2015, \u201eDebatte\u201c, S. 6.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> \u201eDie Kardin\u00e4le Marx und W\u00f6lki haben offensichtlich niemals den Koran gelesen&#8230; Auf ihre Verlautbarungen trifft die \u00c4u\u00dferung des franz\u00f6sischen Journalisten Quirico zu, der 2013 monatelang in Syrien gefangen war: \u201aEs ist der Westen, der nicht verstehen will, dass es keinen moderaten Islam gibt.\u2018 Das Evangelium, die frohe Botschaft Jesu Christi, des Sohnes Gottes&#8230;fordert nirgends Anpassung an den Zeitgeist, enth\u00e4lt aber die Warnung: \u201aDie Zeichen der Zeit habt ihr nicht erkannt.\u2018\u201c (Informationen aus Kirche und Welt. Mitteilungen des Forums Deutscher Katholiken, Hg.: Aktionsgemeinschaft IK-Augsburg, 19. Jg., Nr. 2, Februar 2015, S. 4).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Vgl. das Wort Dietrich Bonhoeffers: \u201eJe ausschlie\u00dflicher, desto freier&#8230; Je ausschlie\u00dflicher wir Christus als unseren Herrn erkennen und bekennen, desto mehr enth\u00fcllt sich uns die Weite seines Herrschaftsbereiches.\u201c (Ethik, Werke Band 6, M\u00fcnchen 1992, S. 346 f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> G\u00fctersloh \/Hannover 2014, S. 84.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Manuskript, ver\u00f6ffentlicht bei AMD, Mai 2014, S. 9.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> A.a.O., S. 8 (Hervorhebung im Original).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Martin Luther, Da\u00df der freie Wille nichts sei. Antwort D. Martin Luthers an Erasmus von Rotterdam, (Hg. H.H. Borcherdt und Gg. Merz) (M\u00fcnchner Lutherausgabe), 3. Aufl. 1962, S. 11.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> A.a.O. S. 14.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Rechtfertigung und Freiheit, S. 85.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Vorlesung \u201eGeschichte der Systematischen Theologie des\u00a0 20. Jahrhunderts\u201c (Werke Band 11, G\u00fctersloh 1994), S. 145.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Vgl. dazu: Rainer Mayer, Recht und Grenze historisch-kritischer Arbeit an der Bibel, in: Gottes Wort- zeitbedingte Vorstellung oder bleibende Wahrheit? Der Kampf um die Bibel heute, idea-Dokumentation Nr. 4, 2012, S. 59-64.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Joachim Hesse, in: Rundbrief Gemeindehilfsbund, Nr. 131, Nov. 2014, S. 2, konstatiert mit Recht: \u201eHier wird das allgemeine Liebesgebot missbraucht, um das spezielle Gebot auszuhebeln. Das Gegenteil ist richtig: Das allgemeine Doppelgebot der Liebe konkretisiert sich in den speziellen Geboten und Verboten, hebt sie nicht auf, sondern best\u00e4tigt sie. Die Kirche handelt dem Doppelgebot der Liebe entsprechend, wenn sie die S\u00fcnde aufdeckt (Gesetz) und in Jesus Christus Umkehr, Vergebung und Erneuerung anbietet (Evangelium).\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Augustinus, In epistulam Joannis VIII, 8: \u201edilige et quod vis fac.\u201c Gerade Augustinus differenziert den Liebesbegriff, insbesondere caritas und amor; \u201edilige\u201c hat die Grundbedeutung von \u201ehoch sch\u00e4tzen\u201c. Im Zusammenhang geht es Augustinus darum zu zeigen, dass man nicht von einer bestimmten \u00e4u\u00dferen Verhaltensweise eindeutig auf das Motiv zur\u00fcckschlie\u00dfen kann, dass man z.B. aus Liebe strafen und aus Bosheit schmeicheln kann. Keineswegs geht es Augustinus darum, die Verbindlichkeit der biblischen Gebote aufzul\u00f6sen. Zur Gesamtproblematik ethischer Hermeneutik vgl. Rainer Mayer, Moral und christliche Ethik, Stuttgart 1976.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Vgl. die situationsethischen Entw\u00fcrfe aus den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von John A.T. Robinson, Christliche Moral heute, M\u00fcnchen 1964 und Joseph Fletcher, Moral ohne Normen?, G\u00fctersloh 1967.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Der Journalist Markus G\u00fcnther, Artikel \u201eDiaspora\u201c, in: Frankfurter Allgemeine\u00a0 Sonntagszeitung, 28. 12. 2014 stellt fest: \u201ePolitische Programme m\u00fcssen zeitgem\u00e4\u00df sein, Unterhaltungsangebote auch; eine Religion muss absolute Wahrheiten f\u00fcr sich in Anspruch nehmen k\u00f6nnen \u2013 oder es ist keine Religion.\u201c\u00a0 Als wichtigsten Grund f\u00fcr die Krise des Christentums nennt er die Glaubenskrise in der Kirche: \u201eAus Jesus als \u201aSohn Gottes\u2018 wurde Jesus, ein vorbildlicher Mensch wie Buddha und Gandhi auch. Aus der Auferstehung Christi wurde eine Legende, die man nicht w\u00f6rtlich nehmen soll&#8230; Frieden in der Welt, mehr Gerechtigkeit f\u00fcr alle&#8230;Gott braucht\u2019s daf\u00fcr nicht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Die DC sind nicht zu verwechseln mit anderen \u201edeutschgl\u00e4ubigen Bewegungen\u201c, die auf germanisches Volkstum zur\u00fcckgreifen wollten. 1933 gr\u00fcndeten der T\u00fcbinger Religionswissenschaftler Jakob Wilhelm Hauer und Graf Ernst zu Reventlow die \u201eArbeitsgemeinschaft der Deutschen Glaubensbewegung\u201c (ab 1934 \u201eDeutsche Glaubensbewegung\u201c) zwecks Zusammenf\u00fchrung verschiedener \u201edeutschgl\u00e4ubiger\u201c B\u00fcnde. Als Vorsitzender der \u201eArbeitsgemeinschaft der Deutschen Glaubensbewegung\u201c richtete Hauer im August 1933 eine Denkschrift an Reichsinnenminister Frick und Reichskirchenkommissar J\u00e4ger mit dem Antrag, seinen Verband als \u201e\u00f6ffentliche K\u00f6rperschaft\u201c staatlich anzuerkennen. Ausdr\u00fccklich betonte Hauer in der Denkschrift, dass man nicht das Christentum, sondern einen \u201edeutschen Glauben\u201c vertrete (Quelle: Denkschrift, S. 3). \u2013 Im Unterschied dazu nannten sich die DC, gesch\u00fctzt durch die neue Verfassung der \u201eDeutschen Evangelischen Kirche\u201c vom 14. Juli 1933 ausdr\u00fccklich \u201eDeutsche <em>Christen<\/em>\u201c. \u2013 Hauer kam mit seinem Vorsto\u00df zu sp\u00e4t, denn am 20. Juli 1933 war ebenfalls bereits das Konkordat zwischen Hitler und der R\u00f6m.-Kath. Kirche geschlossen worden. \u2013 Diese Ereignisse zeigen, welche Verwirrung damals bestand und was alles im Namen von \u201eReligion\u201c m\u00f6glich ist!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Werke Band 12, G\u00fctersloh 1997, S. 349-358.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Gerhard Ruhbach, Artikel: Barmer Theologische Erkl\u00e4rung, in: Evangelisches Lexikon f\u00fcr Theologie und Gemeinde (EThLG), Bd. 1,\u00a0 Wuppertal und Z\u00fcrich 1992, S. 179.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Zu dieser Problematik vgl.: Rainer Mayer, Kirchenspaltung? Bonhoeffer, Barmen, Politik und Bekenntnis heute, Stuttgart 1987.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Aufsatz \u201eZur Frage nach der Kirchengemeinschaft\u201c (1936), Werke Band 14, G\u00fctersloh 1996, S. 668.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> A.a.O., S. 676. Die so genannte Frage der \u201eLegalisierung\u201c betraf vor allem Vikare, die ihre Examina vor den Pr\u00fcfungsaussch\u00fcssen der BK abgelegt hatten und nun als \u201eillegal\u201c galten. Sie wurden nicht ins kirchliche Beamtenverh\u00e4ltnis \u00fcbernommen und lebten von den freiwilligen Gaben der Gemeinden. Ihnen wurde angeboten, sich \u201elegalisieren\u201c zu lassen. Sie hatten sich nur den Reichskirchenaussch\u00fcssen zu unterstellen. Ihre Examina sollten dann r\u00fcckwirkend anerkannt werden. \u2013 Das war\u00a0 ein verlockendes Angebot und eine gro\u00dfe Versuchung, zumal damit k\u00fcnftige finanzielle Sicherheit verbunden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> A.a.O., S. 664.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Werke Band 13, G\u00fctersloh 1994, S. 129.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> Interview mit Eberhard Bethge, in: Der evangelische Erzieher, Nr. 4, 42. Jg., (1990), S. 460.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> Werke Band 14, S. 713.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> Lexikon Drittes Reich, www.lexikon-drittes-reich.de\/Pfarrernotbund. Download vom 22.01.2015. Vgl. die Zusammenfassung dieser vier Verpflichtungen bei Eberhard Bethge, Dietrich Bonhoeffer, Theologe. Christ. Zeitgenosse, Eine Biographie, M\u00fcnchen 1967, S. 364.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref38\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a> F\u00fcr die Freiheit des Glaubens und die Einheit der Kirche. Aktuelle Grundaussagen des christlichen Glaubens, abgedruckt u.a. in: hoffen und handeln. Zeitschrift f\u00fcr engagierte Christen, 2011, Nr. 10, S. 4-5. (Auch im Internet abrufbar).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref39\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a> N\u00e4heres unter: www.bekenntnisinitiative.de.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref40\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a> Michael Diener\/Steffen Kern (Hg.), Zeit zum Aufstehen. Ein Impuls f\u00fcr die Zukunft der Kirche, Holzgerlingen 2014.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref41\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a> \u201eEntwurf einer Arbeit\u201c vom 3. August 1944, in: Widerstand und Ergebung, Werke Band 8, G\u00fctersloh 1998, S. 557 f. \u2013 Auch in der BK war n\u00e4mlich die Bibelfrage nicht gel\u00f6st worden. Die BK wurde haupts\u00e4chlich durch den Protest <em>gegen<\/em> die staatliche Gleichschaltung und den Einsatz <em>f\u00fcr <\/em>die \u201eSache der Kirche\u201c zusammengehalten. Die Spannweite zur Bibelfrage innerhalb der BK hingegen reichte \u2013 um zwei Exponenten zu nennen \u2013 von Walter K\u00fcnneth bis Rudolf Bultmann. Das wurde nach dem Krieg in den sp\u00e4ten 50er und den 60er Jahren im \u201eKampf um die Bibel\u201c besonders wirksam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref42\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a> Quelle: Hannes Karnick\/Wolfgang Richter, Niem\u00f6ller. Eine Reise durch ein protestantisches Leben, K\u00f6ln, 2. Aufl. 1988, S. 70.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWenn nicht alles t\u00e4uscht, so stehen wir heute in einem Glaubenskampf, einem Kirchenkampf, gegen\u00fcber dem der Kirchenkampf im \u201aDritten Reich\u2018 nur ein Vorhutgefecht war. Das Unheimliche dabei ist, da\u00df dieser heutige Kirchenkampf vielfach kaum erkannt, ja allermeist verharmlost wird und unter Tarnworten wie \u201aPluralismus\u2018 voranschreitet.\u201c &#8211; Bischof Hermann Dietzfelbinger (1908-1984) als EKD-Ratsvorsitzender am 19. 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