{"id":1199,"date":"2005-02-28T15:19:26","date_gmt":"2005-02-28T13:19:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1199"},"modified":"2009-09-07T17:06:44","modified_gmt":"2009-09-07T15:06:44","slug":"thron-und-altar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1199","title":{"rendered":"Thron und Altar"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Thron und Altar<br \/>\nDie Instrumentalisierung von Kirche<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entlarvend ist die Untersuchung einer Arbeitsgruppe \u201eGleichgeschlechtliche Lebensweisen in Schleswig-Holstein 2004\u201c. Sie hat unter Leitung des Kieler P\u00e4dagogen Sielert im Auftrag der Landesregierung gearbeitet und kommt zu dem Ergebnis, das Lebenspartnerschaftsgesetz sei von kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzender Bedeutung, denn es habe \u201edas Monopol der Ehe als einziger durch den Staat mit einem positiven Rechtsrahmen versehener Lebensgemeinschaft gebrochen\u201c, diese staatliche Anerkennung wirke auf das \u00f6ffentliche Bewu\u00dftsein und leiste einen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration von Lesben und Schwulen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Un\u00fcbersehbar wird hier herausgestellt, da\u00df es bei dem Gesetz nicht zuerst um Hilfen f\u00fcr lesbische und schwule Verantwortungsgemeinschaften ging, wie von interessierten Kreisen in Kirche und Gesellschaft immer wieder vorgegeben wird, sondern um die \u00dcberwindung von Diskriminierung. Es hatte also Normen setzende und Bewu\u00dftsein pr\u00e4gende symbolische Bedeutung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den strategischen Schl\u00fcsselprojekten in Schleswig-Holstein geh\u00f6rte \u2013 so Sielerts Arbeitsgruppe in beeindruckender Offenheit \u2013 \u201edie intensive Kooperation mit der Evangelischen Kirche\u2026In Schleswig-Holstein konnte so unter anderem parallel zur staatlichen Anerkennung eine kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften erreicht werden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schwule und Lesben in Schl\u00fcsselpositionen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sielert zollt der Kirche hohes Lob. Er listet auf, was in sieben Jahren erreicht wurde: \u201eIn der Nordelbischen Kirche (NEK) ist ein aktiver Abbau von Diskriminierung auch im Vergleich zu anderen Bereichen in Schleswig-Holstein (Landesregierung, Bildungswesen) gegen\u00fcber der Situation von 1997 weit vorangeschritten.\u201c Die Kirche sei vorangegangen und inzwischen weiter als Landesverwaltung und Schule. Das zeige in der Au\u00dfenwahrnehmung, da\u00df Schwule und Lesben in der nordelbischen Kirche hervorragend in Schl\u00fcsselstellungen vertreten sind und eine starke Lobby haben. Sielerts Ausschu\u00df:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAuf Grundsatzbeschl\u00fcsse aufbauend fand in kurzer Zeit eine institutionelle Verankerung statt (Kirchenleitung und -verwaltung). Es wurden kirchenrechtliche Rahmenbedingungen und wichtige Grundsatzfragen fortentwickelt (Gottesdienst-Liturgie, Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare im Pfarrhaus) und kontinuierlich inhaltliche Impulse zum Abbau von Diskriminierung gegeben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hei\u00dft: Kirchenleitende Organe haben sich das sexualit\u00e4tspolitische Verst\u00e4ndnis der Schwulen- und Lesbenbewegung angeeignet und es in die gottesdienstliche Praxis und das Gewohnheitsrecht von Pfarrern umgesetzt. Im vorliegenden Arbeitsgruppenbericht wird die umfassend vernetzte Strategie der politischen Schwulenbewegung in Kirche und Gesellschaft sehr klar sichtbar: \u201eVergleichbar der Landesregierung gegen\u00fcber dem Bund zielte diese Politik auch auf eine positive Meinungsbildung in der EKD. Die Anliegen von Lesben und Schwulen haben auf der offiziellen Ebene in der Nordelbischen Kirche somit eine f\u00fcr Deutschland beispielhafte Anerkennung erreicht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schl\u00fcssel zur Legitimierung sexueller Libertinage<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bemerkenswert ist allerdings auch die Kritik der Arbeitsgruppe am NEK-Proze\u00df:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAus einer anderen Perspektive werden die in der NEK erreichten Fortschritte aber auch als \u201erepressive Toleranz\u201c bewertet: in der engen Verkn\u00fcpfung von Akzeptanz mit der Einf\u00fchrung eines verbindlichen Rechtsrahmens f\u00fcr gleichgeschlechtliche Partnerschaften wird eher eine Adaption heterosexueller Ordnungsmuster durch Lesben und Schwule denn eine \u00d6ffnung von Kirche gegen\u00fcber der Vielfalt von Lebensgemeinschaften gesehen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier zeigt sich wie blind und sachfremd die kirchenleitenden Gremien und ihre Vordenker der Schwulenideologie ins Netz gegangen sind. Sie h\u00e4tten schon 1994 \u2013 w\u00e4ren sie gr\u00fcndlich an das Problem herangegangen \u2013 in einem Gemeindeprojekt der Arbeitsgruppe \u201eHomosexuelle und Kirche\u201c (HuK) lesen k\u00f6nnen, was sich immer wieder zeigt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer in kirchlichen Kreisen h\u00e4ufig anzutreffende Gedanke &#8211; da\u00df man homosexuelle Liebe wenn \u00fcberhaupt, so nur in monogamen Paarbeziehungen tolerieren d\u00fcrfe &#8211; wird gegenw\u00e4rtig noch dadurch verst\u00e4rkt, da\u00df in manchen Kirchen (z.B. in der Rheinischen Landeskirche und der Bayerischen Landeskirche) zur Zeit \u00fcber Partnerschaftssegnungen f\u00fcr lesbische und schwule Paare halblaut nachgedacht wird. Da auch auf der politischen Ebene zur Zeit \u00fcber die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften diskutiert wird, scheint es, als ob momentan homosexuelle Frauen und M\u00e4nner nur als ehe\u00e4hnliche Paare salonf\u00e4hig werden k\u00f6nnen. Diese Einschr\u00e4nkung geht jedoch an der homosexuellen wie an der heterosexuellen Wirklichkeit vorbei. Lesbische und schwule Sexualit\u00e4t ist genauso wie heterosexuelle Sexualit\u00e4t mehr und vielgestaltiger als die auf Dauer angelegte Partnerschaft, in welcher Sexualit\u00e4t nur mit einem einzigen Partner gelebt wird.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die kirchliche Forderung, \u201eauf Dauer\u201c und \u201everantwortlich\u201c monogam zusammen zu leben, ist in schwuler Realit\u00e4t anders als in heterosexuellen Beziehungen eine nahezu \u00fcberall irreale Forderung. Die Sielert-Studie nennt diese \u201e(vermeintliche) Regulierung der Homo-Sexualit\u00e4t\u201c oberfl\u00e4chliche Toleranz. Sie wird als Schl\u00fcssel akzeptiert, der die T\u00fcr zur Anerkennung der von der Schwulenbewegung vertretenen beliebigen Vielfalt lustvoll gelebter Sexualit\u00e4ten \u00f6ffnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Realit\u00e4t in Gemeinden \u2013 so die Studie &#8211; hinke gegen\u00fcber dem von der Synode formulierten Anspruch und der Politik der Kirchenleitung sicherlich im Einzelfall noch hinterher. Erforderlich w\u00e4re also zum einen die noch deutlichere Formulierung und Vertretung eines Leitbildes, welches eine positive Perspektive auf Vielfalt beschreibt, sowie eine Fortf\u00fchrung der bisherigen Ma\u00dfnahmen mit dem Ziel, auch in der Breite die durch Synode und Kirchenleitung formulierten Grunds\u00e4tze mit Leben zu f\u00fcllen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Implantierung: Die Bearbeitung der Gemeinden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese im Auftrag der Landesregierung gefertigte Studie ist vor allem auch deshalb aufschlu\u00dfreich, weil sie das unter dem Begriff \u201eAntidiskriminierung\u201c drohende Indoktrinationsprogramm aufdeckt, das der ehemalige Oberkirchenrat Dr. H\u00f6cker schon einmal in der Mitarbeiterzeitschrift \u201eNordelbische Stimmen\u201c unter der \u00dcberschrift \u201eDie seelsorgerliche Umsetzung der Erkenntnisse im jeweiligen Kontext\u201c vorgetragen hatte. Er schrieb:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Kirchenleitung hat mit Beschlu\u00df vom 7\/8. Juni 1999 Pastor Prof. Josef Kirsch und Frau Jutta Just als zwei Kontaktpersonen f\u00fcr den runden Tisch zwischen Nordelbischer Kirche und Landesregierung Schleswig-Holstein berufen. Dieser runde Tisch f\u00f6rdert in einem wechselseitigen Konsultationsproze\u00df die Meinungsbildung in beiden Institutionen und bem\u00fcht sich, im Kontakt mit dem Konvent norddeutscher schwuler und lesbischer Theologen und Theologinnen e. V. (KONSULT) und anderen Organisationen, die Diskriminierungen von Schwulen und Lesben in Staat und Kirche abzubauen. Viele Verantwortungstr\u00e4ger\/innen auf Leitungsebene und in Gemeinden und Kirchenkreisen der NEK beteiligen sich an diesen Bem\u00fchungen aktiv. Dabei kann zwischen theologischen Einsichten und deren Umsetzung in den Gemeinden unterschieden werden. Hier k\u00f6nnen Handreichungen und Informationsabende mit Betroffenen mehr als jede akademische Diskussion die Meinungsbildung voranbringen\u2026 Die Debatte zeigt, da\u00df das eigentliche Thema die Sexualit\u00e4t selbst ist und nicht deren theologische Wertung. Hier k\u00f6nnte eine Diskussion in der Gesamtkirche ein bislang in der Kirche eher tabuisiertes Thema, das auf Ehe reduziert wird, aufgreifen und die Debatte \u00f6ffnen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hei\u00dft im Klartext: Die nordelbischen Christen sollen unter dem Stichwort \u201eAntidiskriminierung\u201c f\u00fcr das Menschenbild und die Glaubens\u00fcberzeugungen der Schwulen- und Lesbenbewegung ge\u00f6ffnet werden. Die nordelbische Kirchenreform, die Schulung und Impulse setzende theologisch-praktische Arbeit zentralistisch den geplanten Regionalzentren zuweist, wird den Protagonisten der Schwulendogmatik Tor und T\u00fcr zur Basis \u00f6ffnen. Die hier sichtbare unheilige Allianz unter der Fahne sexueller Libertinage hat l\u00e4ngst begonnen, das christliche Wertebewu\u00dftsein sturmreif zu schie\u00dfen. Die Zukunft der evangelischen Kirche wird davon abh\u00e4ngen, ob die Christen an der Basis Einsicht und Kraft zum Widerstand haben. Die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und schwullesbische Partnerschaften in Pastoraten spalten die lutherische Kirche und besch\u00e4digen die Weltweite \u00d6kumene. Darin sind sich Theologen von dem Gewicht Wolfhart Pannenbergs und des katholischen \u00d6kumenikers Heinz Sch\u00fctte einig. Sch\u00fctte warnte vor kurzem: \u201eDie Anerkennung von Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen w\u00fcrde den Konsens in der Bewertung menschlicher Sexualit\u00e4t aufheben und ein neues trennendes Hindernis zur katholischen und orthodoxen Kirche errichten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kirchliche Sammlung<br \/>\n<em>Herausgeber: Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche e.V.<br \/>\n27. Jahrgang \/ Nr. 1\/2005\/ Februar 2005<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thron und Altar Die Instrumentalisierung von Kirche Entlarvend ist die Untersuchung einer Arbeitsgruppe \u201eGleichgeschlechtliche Lebensweisen in Schleswig-Holstein 2004\u201c. 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