{"id":11960,"date":"2015-02-26T15:36:33","date_gmt":"2015-02-26T14:36:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11960"},"modified":"2015-02-26T15:44:44","modified_gmt":"2015-02-26T14:44:44","slug":"11960","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11960","title":{"rendered":"Was wird der Herr des Weinbergs tun?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Predigt am Sonntag Reminiscere \u00fcber Markus 12,1-12<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geht es Ihnen \u00e4hnlich wie mir? Das Gleichnis Jesu von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern ist eine mich ungemein bedr\u00e4ngende Geschichte! Furchtbar, was die P\u00e4chter da treiben! Wie sie das Recht mit F\u00fc\u00dfen treten, wie sie aus eiskalter Berechnung heraus handeln und nicht einmal davor zur\u00fcckschrecken, einen Leichnam zu sch\u00e4nden \u2026 Kennen wir solche Nachrichten aus unseren Tagen? Mir w\u00e4re es lieber, wir h\u00e4tten einen ganz anderen Predigttext vor uns: einen, wo uns auf Anhieb das Evangelium begegnet: Gottes gute, frohmachende, begl\u00fcckende Botschaft! Stattdessen: dieser Text voller Dramatik, voller Bosheit und Brutalit\u00e4t, voller Gewalt, ohne jede Aussicht auf ein happy-end \u2026<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<em>\u00bbUnd er fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: \u203aEin Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weing\u00e4rtner und ging au\u00dfer Landes. Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weing\u00e4rtnern, damit er von den Weing\u00e4rtnern seinen Anteil an den Fr\u00fcchten des Weinbergs hole. Sie nahmen ihn aber, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren H\u00e4nden fort. Abermals sandte er zu ihnen einen andern Knecht; dem schlugen sie auf den Kopf und a schm\u00e4hten ihn. Und er sandte noch einen andern, den t\u00f6teten sie; und viele andere: die einen schlugen sie, die anderen t\u00f6teten sie. Da hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn; den sandte er als letzten auch zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Sie aber, die Weing\u00e4rtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn t\u00f6ten, so wird das Erbe unser sein! Und sie nahmen ihn und t\u00f6teten ihn und a warfen ihn hinaus vor den Weinberg. Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weing\u00e4rtner umbringen und den Weinberg andern geben. Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort gelesen (Psalm 118,22-23): \u00bbDer Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen\u00ab? Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und f\u00fcrchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie lie\u00dfen ihn und gingen davon.\u00ab (Markus 12,1-12)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Liebe Gemeinde!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist das nur f\u00fcr ein Weinbergbesitzer! Er h\u00e4tte doch ganz anders handeln m\u00fcssen! Zuletzt schickt er auch noch seinen einzigen Sohn: ist er vollkommen von Sinnen? Wusste er denn nicht, in welche Gefahr er seinen Sohn brachte? War denn nicht schon genug Schlimmes passiert? \u2013 \u203aEin schlechter Menschenkenner, dieser Weinbergbesitzer! H\u00e4tte sich seine P\u00e4chter vorher genau aussuchen m\u00fcssen! H\u00e4tte mit Polizeigewalt einschreiten, vielleicht sogar mit Soldaten einmarschieren m\u00fcssen! Das ganze R\u00e4ubernest, diese Terroristen h\u00e4tte man ausr\u00e4uchern sollen \u2013 statt noch den eigenen Sohn in \u203adie H\u00f6hle des L\u00f6wen\u2039 zu schicken!\u2039<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie merken, dass \u203ader big boss\u2039 nichts unternimmt, wurden sie dreister und dreister. Den zweiten Boten richteten sie noch \u00fcbler zu und verh\u00f6hnten ihn obendrein. Den dritten Boten mordeten sie hemmungslos, nichts scheint sie aufzuhalten. Skrupellos, habs\u00fcchtig und raffgierig gehen sie vor: Warum nur schreitet der Weinbergbesitzer denn nicht ein? Ist er zu schwach, v\u00f6llig hilflos, ohnm\u00e4chtig gar?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist es Gottes Schw\u00e4che, wenn ER geschehen l\u00e4sst, wie sich manche Leute aufspielen, als seien sie die Herren der Welt, als k\u00f6nnten sie tun und lassen, was ihnen gef\u00e4llt? Als k\u00f6nnten sie \u00fcber andere Menschen und \u00fcber andere Staaten herfallen? \u2013 Ist es Gottes Schw\u00e4che, wenn ER duldet, dass Menschen IHN verh\u00f6hnen, verlachen, verspotten? Wenn Menschen sich aufblasen und aufspielen und selber sein wollen wie Gott? \u2013 Ist es Gottes Schw\u00e4che, wenn ER nicht mit der Faust auf den Tisch haut, wo Menschen IHM die Ehre rauben und die Pacht? Wo Menschen meinen, Gott auf der Nase herumtanzen zu k\u00f6nnen? \u2013 Ja, vielleicht ist es Gottes Schw\u00e4che: Gottes Schw\u00e4che f\u00fcr uns Menschen voller S\u00fcnde! Gottes Liebe und Geduld, die schon so lange und immer noch auf uns wartet! Die darauf wartet, dass wir aufwachen, nachdenken, zur Besinnung kommen und zu IHM hin umkehren! Noch ist Zeit \u2013 doch wird sie endlos sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotzdem bleiben bohrende Fragen \u2026, Fragen nach GOTT und nach Seiner Gerechtigkeit \u2026 Wie denn nur kann GOTT Gewalttaten und himmelschreiendes Unrecht zulassen, und dies auf Kosten Unschuldiger? Wieso schweigt ER zur geballten Bosheit in Seinem Weinberg, auf Seiner Erde, zur Arroganz der M\u00e4chtigen? L\u00e4sst IHN all das teuflische Treiben v\u00f6llig kalt? Wann endlich rei\u00dft dem HERRN der Welt der Geduldsfaden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wohl auch an uns Christen nagt der Eindruck, dass R\u00fccksichtslosigkeit, dass Gewalt und Brutalit\u00e4t, dass Lug und Betrug \u00fcber Gottes Liebe siegen \u2013 der Eindruck, dass unsere christlichen Ideale und Wertvorstellungen \u203avon gestern\u2039 sind \u2013 dass unser M\u00fchen, es immer wieder neu im Guten zu versuchen, ja doch ins Leere l\u00e4uft \u2013 und dass auch wir unsere Ellenbogen gebrauchen m\u00fcssen, wenn wir nicht an die Wand gedr\u00fcckt werden wollen \u2026 Wer von uns kennt denn nicht die Erfahrung, dass der Ehrliche der Dumme ist, der Gutm\u00fctige zum Trottel wird, der Christenmensch als Spinner abgetan wird? Wer sieht es denn immer noch nicht, dass die Bosheit w\u00e4chst, die Geldgier, der Neid \u2013 dass das Faustrecht in seiner ach so feinen Art gilt \u2013 und dass Hauen und Stechen l\u00e4ngst salonf\u00e4hig geworden sind?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liegt es daran (wie es im Gleichnis hei\u00dft), dass \u00bbder Herr ins Ausland zog\u00ab? Ist es so, dass GOTT sich l\u00e4ngst zur\u00fcckgezogen hat und von Seinem Weinberg nichts mehr wissen will? Dass ER die Menschen sich selbst und ihrem zerst\u00f6rerischen Tun und Treiben \u00fcberl\u00e4sst, und sei es \u203adie H\u00f6lle auf Erden\u2039? Ist es so, dass GOTT genug hat?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer nur versteht das Verhalten des Weinbergbesitzers \u2026 Pharis\u00e4er und Hochpriester, sie verstanden auf Anhieb, hier steht doch: \u00bbSie hatten erkannt, dass Jesus dieses Gleichnis auf sie gem\u00fcnzt hatte \u2026\u00ab Sie f\u00fchlten sich angegriffen, bis aufs Messer gereizt und wollten Ihn festnehmen. Noch ist es nicht so weit: noch ziehen sie davon, doch einig sind sie sich l\u00e4ngst: \u203aSo darf es nicht weitergehen. Diesem Nazarener muss man das Handwerk legen!\u2039<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieso die Pharis\u00e4er und Hochpriester so aufgebracht reagieren? Sie sp\u00fcrten es genau: \u203aWir sind gemeint, wir sind die P\u00e4chter, wir sind die T\u00e4ter, wir sind die R\u00e4uber!\u2039 Sie begriffen es sofort: \u203aDer Herr des Weinbergs, das ist GOTT selbst!\u2039 ER setzt Arbeiter als Seine Stellvertreter ein, vertraut ihnen Seinen geliebten Weinberg an und schickt von Zeit zu Zeit Boten, um nach den Fr\u00fcchten des Weinbergs zu sehen. Problem nur: Die Weing\u00e4rtner wollen nicht die P\u00e4chter sein, nein, sie wollen selber die Herren und Meister auf diesem Weinberg sein! Deshalb bringen sie schlie\u00dflich auch den Sohn des Weinbergbesitzers um: \u00bbKommt, lasst uns ihn t\u00f6ten, so wird das Erbgut unser sein!\u00ab Schlie\u00dflich geschieht das Ungeheuerliche: der Sohn des Weinbergbesitzers wird umgebracht und hinausgeworfen \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas wird der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weing\u00e4rtner umbringen und den Weinberg anderen geben.\u00ab Das hei\u00dft: GOTT kommt. GOTT mischt sich ein. GOTT zieht Konsequenzen. GOTT l\u00e4sst Unrecht und Gewalt letztlich nicht ungeschoren passieren, auch wenn wir so oft den Eindruck gewinnen, als ob GOTT alles laufen l\u00e4sst, als ob GOTT l\u00e4ngst kapituliert habe. Nur wer zu viel \u203aRosinen im Kopf\u2039 hat, kann meinen, GOTT sei ohnm\u00e4chtig und hilflos und: IHN lasse alles kalt \u2026 Nein, GOTT f\u00fchlt mit, GOTT leidet mit, GOTT weint wohl viel zu oft!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur \u2013 wir Menschen k\u00f6nnen nicht auf GOTT abw\u00e4lzen, was wir selber getan, verschuldet, verbrochen haben. Wir sollten uns h\u00fcten, die Frage: \u00bbWie kann GOTT das zulassen?\u00ab \u2013 zum Alibi zu machen, um uns vor unserer Verantwortung zu dr\u00fccken. F\u00fcr die Schrecken des Weltgeschehens, daf\u00fcr, dass Kriege gef\u00fchrt werden und entsetzliches Leid \u00fcber unschuldige Menschen bringen: daf\u00fcr ist weder GOTT verantwortlich noch gar der Urheber! Die Zust\u00e4nde im Weinberg sind Werk der P\u00e4chter \u2013 wie es auf unserer Erde zugeht, das h\u00e4ngt entscheidend von uns Menschen ab! Wir sind gefragt, wir sind GOTT Rechenschaft schuldig \u00fcber unser Tun und Lassen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wird GOTT tun? \u00bbWas wird der Herr des Weinbergs tun? ER wird kommen und die Weing\u00e4rtner umbringen \u2026\u00ab \u2013 Bis jetzt ist ER noch nicht gekommen. Noch leben wir weiter in Seinem Weinberg. Eigentlich k\u00f6nnten wir uns nur dar\u00fcber wundern, dass GOTT uns den Weinberg noch nicht weggenommen hat: nach allem, was Menschen bis heute in Seinem Weinberg angerichtet haben und anrichten! Wenn G\u00e4ste sich in deinem oder in meinem Haus auch nur \u00e4hnlich aufgespielt h\u00e4tten: wir h\u00e4tten solche \u203aG\u00e4ste\u2039 wohl l\u00e4ngst hinausgeworfen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders GOTT: Noch hat ER Geduld mit uns. Noch l\u00e4sst ER uns leben in Seinem Weinberg. Doch es f\u00e4llt IHM wohl nicht leicht, noch und noch Geduld mit uns zu haben. Boten um Boten hat ER geschickt, weil ER uns nicht verlieren will, weil ER uns zur\u00fcckrufen will! Doch Seine Worte \u2026: wie oft wurden sie in den Wind geschlagen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gottes Geduld kostet IHM das Leben Seiner Boten und das Leben Seines Sohnes Jesus von Nazareth: Wie viele Propheten hat er gesandt! Jesus Christus ist der Letzte, den GOTT geschickt hat, um uns zur Umkehr zu bewegen. ER ist \u00bbder Eckstein\u00ab, an dessen \u203aEcke\u2039 sich alles entscheidet: mein Leben, mein Sterben, meine Zukunft!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch schenkt GOTT uns Zeit. Noch stehen Seine Fragen an uns im Raum, Fragen wie diese: \u203aWie kann dein Leben Frucht bringen?\u2039 Oder: \u203aHast du es wirklich n\u00f6tig, anderen Saures zu geben?\u2039 \u203aIst es nicht deine Aufgabe, anderen das Leben zu vers\u00fc\u00dfen?\u2039<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, liebe Leute, dies m\u00f6ge im Weinberg Gottes gelingen: unseren Mitmenschen das Leben zu vers\u00fc\u00dfen, unseren Mitmenschen etwas weiterzugeben von der S\u00fc\u00dfe des Lebens, von der S\u00fc\u00dfe des Gl\u00fccks! Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfr. Dr. Hans-Gerd Krabbe, Predigt am Sonntag Reminiscere, Achern, 1. M\u00e4rz 2015<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Literaturhinweis: <\/em><\/p>\n<p><em>Im Verlag \u00bbVandenhoeck &amp; Ruprecht\u00ab in G\u00f6ttingen sind drei B\u00e4nde mit \u00bbLesepredigten\u00ab von Hans-Gerd Krabbe ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt am Sonntag Reminiscere \u00fcber Markus 12,1-12 Geht es Ihnen \u00e4hnlich wie mir? Das Gleichnis Jesu von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern ist eine mich ungemein bedr\u00e4ngende Geschichte! Furchtbar, was die P\u00e4chter da treiben! 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