{"id":11931,"date":"2015-02-18T09:54:48","date_gmt":"2015-02-18T08:54:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11931"},"modified":"2015-02-18T09:54:48","modified_gmt":"2015-02-18T08:54:48","slug":"gibt-es-einen-gerechten-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11931","title":{"rendered":"Gibt es einen \u201egerechten Krieg\u201c?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Chaosm\u00e4chte und die Lehre vom \u201egerechten Krieg\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>1. \u00a0Zur Situation<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Ende des Ost-West-Gegensatzes mit der gegenseitigen atomaren Bedrohung im \u201ekalten Krieg\u201c erwachte international die Hoffnung auf eine friedlichere Zeit. Nun aber m\u00fcssen wir erkennen, dass die Welt keineswegs friedlicher wurde. Das Gegenteil trat ein. Staaten zerfielen. Es entstanden neu regionale \u201ehei\u00dfe\u201c Kriege. Diese wirken sich jedoch nicht nur begrenzt aus. Weltweite Verwerfungen entstehen. In Europa zeigte sich dies zun\u00e4chst im Kosovo-Konflikt. Im Nahen Osten hat sich die Situation \u00e4u\u00dferst zugespitzt. Es begann im Irak mit dem Sturz von Saddam Hussein durch das Eingreifen der USA. Seither verf\u00e4llt das Land mehr und mehr ins Chaos. Vollends seit Beginn des \u201earabischen Fr\u00fchlings\u201c, vielfach vom Westen begr\u00fc\u00dft, nehmen in diesen L\u00e4ndern die milit\u00e4rischen Konflikte zu. In Libyen toben Stammesk\u00e4mpfe. In Syrien erheben sich verschiedene Gruppen gegen die Assad-Regierung. Sie bek\u00e4mpfen sich aber auch gegenseitig, meist im Namen des Islam.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun taucht die IS auf, der sogenannte \u201eIslamische Staat\u201c. Diese Gruppe eroberte bereits Gebiete, die von der Mitte Syriens bis weit in den Irak reichen. Neben anderen Minderheiten sind insbesondere die Christen zwischen die M\u00fchlsteine der konkurrierenden islamischen Gruppen geraten. Sie werden blutig verfolgt. Die Kurden fordern ein eigenes autonomes Gebiet, m\u00f6glichst einen eigenen Staat. Israel, die einzige Demokratie im Nahen Osten, liegt im Konflikt mit der die Pal\u00e4stinensergebiete beherrschenden Hamas, die ihre eigene Bev\u00f6lkerung in Geiselhaft nimmt und als lebende Schutzschilde missbraucht. Auch in Europa entstand in der Ost-Ukraine ein neuer Krisenherd.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts dieser Weltlage ist nun in Politik und Kirchen ein Streit \u00fcber Waffenlieferungen in Krisengebiete und die Anwendung von Waffengewalt entbrannt. Die eine Seite lehnt beides ab, die andere ist \u00fcberzeugt, dass es christliche Pflicht ist, Schutzverantwortung wahrzunehmen und auch Waffen zu liefern, wenn schwerste Menschenrechtsverletzungen geschehen und ganze Volksgruppen in ihrer Existenz bedroht sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gibt die Lehre vom \u201egerechten Krieg\u201c dazu eine Orientierungshilfe?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a02. \u00a0Die Lehre vom \u201egerechten Krieg\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gedanke eines gerechten Krieges geht auf r\u00f6mische Tradition (Cicero \/ Livius) zur\u00fcck. In Anlehnung an diese entwickelte die mittelalterlich Theologie, vermittelt \u00fcber die Kirchenv\u00e4ter Ambrosius (ca. 339-397) und Augustinus (354-430), folgende Merkmale f\u00fcr einen \u201egerechten Krieg\u201c:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">a.) Gerecht ist nur ein Verteidigungskrieg, d.h. schweres moralisches Unrecht muss auf der Gegenseite vorliegen. Friedliche Verst\u00e4ndigungsversuche haben den K\u00e4mpfen vorauszugehen. Der Krieg muss durch eine dazu autorisierte Macht (\u201eObrigkeit\u201c) erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0b.) Ziel darf nicht Rache oder dergleichen sein, sondern allein die Absicht, einen gerechten Frieden zu stiften. Denn Gerechtigkeit und Frieden geh\u00f6ren zusammen gem\u00e4\u00df Psalm 85,11: \u201e&#8230;dass G\u00fcte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich k\u00fcssen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0c.) In der Art der Kriegsf\u00fchrung ist eine Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der Mittel zu beachten. Eine Verletzung unbeteiligter Dritter ist m\u00f6glichst zu vermeiden; und vor allem darf das Ma\u00df der Strafe das der Schuld nicht \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0d.) Schlie\u00dflich w\u00e4re zu beachten, dass das nach dem Krieg zu erwartende Wohl das den Krieg veranlassende \u00dcbel \u00fcbersteigen muss (G\u00fcterabw\u00e4gung).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ziel dieser Lehre ist klar. Es geht darum, den Krieg einzugrenzen und aggressive Willk\u00fcr zu vermeiden. Somit ist ein Angriffskrieg, insbesondere ein Expansionskrieg, ebenso wenig ethisch verantwortbar wie die Blutrache innerhalb von Sippschaften und Stammesverb\u00e4nden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese klassischen Grunds\u00e4tze f\u00fcr einen \u201egerechten Krieg\u201c wurden neuzeitlich erg\u00e4nzt und konkretisiert durch die Bestimmungen der Genfer Konvention vor allem \u00fcber die Behandlung von Verwundeten und Kriegsgefangenen (seit 1929) und \u00fcber den Schutz der Zivilbev\u00f6lkerung (Seit 1949). Krieg ist demnach stets eine Notl\u00f6sung angesichts von rechtswidriger Gewalt, die in ein Gemeinwesen einbricht. Dass es das B\u00f6se in Form aggressiver Gewalt gibt, wird dabei realistisch vorausgesetzt. Ein Wort aus Schillers Schauspiel \u201eWilhelm Tell\u201c lautet: \u201eEs kann der Fr\u00f6mmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem b\u00f6sen Nachbarn nicht gef\u00e4llt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zugleich wird deutlich, dass es viele Voraussetzungen f\u00fcr einen \u201egerechten Krieg\u201c gibt. Die wichtigste ist die eines intakten Staates bzw. einer legitimierten Ordnungsmacht. Eine klare Rechtsordnung wird vorausgesetzt, nach der Recht und Unrecht erkannt und benannt werden. Beim Recht sollen sowohl die Belange der Einzelnen als auch die der Gemeinschaft zur Geltung kommen. Es geht um die M\u00f6glichkeit, dort, wo Recht und Ordnung gewaltsam angegriffen werden, Gegengewalt zu ihrem Schutz einsetzen zu k\u00f6nnen. Das ist Aufgabe zun\u00e4chst der Polizei, im Notfall des Milit\u00e4rs. Im Augsburger Bekenntnis von 1530 (CA XVI) hei\u00dft es, dass zum \u201eweltlichen Regiment\u201c u.a. geh\u00f6rt, \u201eiure bellare\u201c (= \u201erechtm\u00e4\u00dfigerweise Krieg zu f\u00fchren\u201c). Das Gewaltmonopol geh\u00f6rt jedenfalls der \u00f6ffentlichen Hand. Es darf nicht privatisiert werden (vgl. R\u00f6mer 13).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. \u00a0Chaosm\u00e4chte und Gewalt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wegen dieser Voraussetzungen gibt die Lehre vom \u201egerechten Krieg\u201c keine Patentl\u00f6sung an die Hand, die bei allen gewalttr\u00e4chtigen Konflikten anwendbar ist. Die Absicht der Lehre ist, die Kriegsfurie einzugrenzen, sie so weit als m\u00f6glich zu \u201edomestizieren\u201c. Denn Krieg, in dem ja T\u00f6tungsgewalt entfesselt wird, setzt Chaosm\u00e4chte frei. Unfassbare Verbrechen wie die der Shoah oder auch \u201enur\u201c Fl\u00e4chenbombardierung von Zivilbev\u00f6lkerung sind allein im Krieg denkbar. In Hinsicht der Eingrenzung von T\u00f6tungsgewalt und Unrecht gibt die Lehre vom \u201egerechten Krieg\u201c zwar beachtliche Hinweise, sie ist allerdings, um es noch einmal zu betonen, nicht situationsunabh\u00e4ngig brauchbar. So wurde schon in der Zeit des Ost-West-Gegensatzes mit gegenseitiger atomarer Bedrohung darauf hingewiesen, dass die Bedingungen f\u00fcr einen \u201egerechten Krieg\u201c nicht mehr ausreichen. Denn das vierte der genannten Kriterien, dass ein nach dem Krieg zu erwartendes Wohl gr\u00f6\u00dfer sein muss als das \u00dcbel, das den Krieg ausl\u00f6ste, ist nicht mehr anwendbar. Angesichts eines Atomschlages mit Massenvernichtung der Bev\u00f6lkerung und Unbewohnbarkeit ganzer Landstriche durch radioaktive Verseuchung w\u00e4re n\u00e4mlich das Inferno, also das \u00dcbel, das dadurch angerichtet wird, viel gr\u00f6\u00dfer als das \u00dcbel, das urspr\u00fcnglich beseitigt werden sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb wurde von kirchlicher Seite versucht, die Lehre vom \u201egerechten Krieg\u201c durch die vom \u201egerechten Frieden\u201c zu ersetzen. Auf dieser Linie liegt der Aufruf der 6. Vollversammlung des \u00d6kumenischen Rates der Kirchen von 1983 in Vancouver, wo es u.a. hei\u00dft, es solle gepr\u00fcft werden, \u201eob die Zeit reif ist f\u00fcr ein allgemeines christliches Friedenskonzil\u201c. In Fortsetzung dieses Impulses ist durch Carl Friedrich von Weizs\u00e4cker beim 21. Deutschen Evangelischen Kirchentrag 1985 in D\u00fcsseldorf ein Aufruf an die Kirchen der Welt ergangen, ein Konzil des Friedens einzuberufen. Darin hei\u00dft es: \u201eDer Friede ist heute Bedingung des \u00dcberlebens der Menschheit. Er ist nicht gesichert. Auf einem \u00f6kumenischen Konzil, das um des Friedens willen berufen wird, m\u00fcssen die christlichen Kirchen in gemeinsamer Verantwortung ein Wort sagen, das die Menschheit nicht \u00fcberh\u00f6ren kann.\u201c \u2013 Wegen der interkonfessionellen Problematik des Konzilsbegriffs sprach man dann seit 1986 von einem \u201ekonziliaren Prozess\u201c mit dem Ziel einer \u201eWeltversammlung f\u00fcr Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Sch\u00f6pfung\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei all diesen gut gemeinten Impulsen und Aktionen muss jedoch nach den weltanschaulichen und theologischen Grundlagen gefragt werden. Seit der Epoche der Aufkl\u00e4rung hat sich im Abendland eine optimistische Weltsicht eingeb\u00fcrgert, die das B\u00f6se in der Welt und die bis in den Kosmos reichenden Chaosm\u00e4chte untersch\u00e4tzt. Das B\u00f6se ist nach jener Ansicht nur ein Mangel an Gutem. Die Menschen gelten von Natur aus als gut. Sie geraten angeblich blo\u00df durch falsche Erziehung, die Gesellschaft und ungerechte Verh\u00e4ltnisse in Konflikte bis hin zum Krieg. Der ewige Friede gilt als von Menschen guten Willens machbar. So schrieb etwa der Journalist Franz Alt in seinem B\u00fcchlein \u201eFrieden ist m\u00f6glich. Die Politik der Bergpredigt\u201c (1983): \u201eAlles h\u00e4ngt von uns ab\u201c. Es gibt demnach einen herstellbaren universalen Weltfrieden, wenn sich alle Gutmenschen zusammenschlie\u00dfen und entsprechend handeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Weltanschauung, die auch in die Kirchen eingedrungen ist, ist jedoch utopisch und wegen ihres illusorischen Charakters sogar gef\u00e4hrlich, weil Menschen, die unter Kriegen, Gewalt und Verfolgung leiden, durch derartige \u201eFriedfertigkeit\u201c ihrem Schicksal hilflos ausgeliefert werden k\u00f6nnen. Juristisch hei\u00dft das: \u201eunterlassene Hilfeleistung\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die biblische Weltsicht unterscheidet sich davon grunds\u00e4tzlich. In der Sch\u00f6pfungsgeschichte erfahren wir gleich zu Beginn, dass der Urzustand des Kosmos chaotisch ist (\u201etohu wa bohu\u201c). Aber der Sch\u00f6pfer greift ein. Durch sein Allmachtswort schafft er die R\u00e4ume Himmel und Erde, Tag und Nacht, Meer und Land (1Mose 1, 4-10), die er jeweils spezifisch ausstattet (1Mose 1, 11-19), belebt (1Mose 1, 20-28) und ordnet (1Mose 1, 28b-30; dazu Vers 17). Bei der Sintflut brachen die Chaosm\u00e4chte der Urflut dann noch einmal in die Welt ein. Doch im Noahbund garantiert Gott fortan den Bestand der Naturordnungen (1Mose 8, 22; 9, 8-17). Der Mensch selbst bleibt jedoch seit dem S\u00fcndenfall der Versuchung durch die zerst\u00f6renden Chaosm\u00e4chte ausgesetzt. Weil dem so ist, sind Macht und Gewalt nicht stets an sich etwas B\u00f6ses, sondern es gibt zerst\u00f6rende und bewahrende M\u00e4chte, es gibt Chaosgewalt und das Chaos abwehrende Gewalt wie z.B. das Gewaltmonopol des Rechtsstaates. In dieser Weise zu sch\u00fctzen und zu bewahren ist erste Aufgabe des Staates, nicht der Kirche. Darin ist die Obrigkeit \u201eGottes Dienerin\u201c (R\u00f6mer 13, 4). In der Kirche regiert Gott durch Wort und Sakrament, im Staat durch Gesetz und \u201eSchwert\u201c (vgl. Luthers Zwei-Regimenten-Lehre). Als weiser Sch\u00f6pfer gebraucht Gott die Amtsgewalt, um gegen das Chaos auch im politisch-\u00f6ffentlichen Bereich ein gewisses Ma\u00df an Ordnung zu schaffen \u2013 selbst wenn ihn eine gegebene Amtsgewalt nicht anerkennt und selbst, wenn sie viele Fehler macht. Die Alternative ist das anarchistische Chaos, wie wir es gegenw\u00e4rtig in vielen L\u00e4ndern, insbesondere des Nahen Ostens, erleben. Die Leidtragenden sind dabei stets die Armen und Schwachen, die ausgebeutet, verfolgt, ja ermordet werden. Deshalb ist eine auch nur relativ gerechte Ordnung immer noch besser als das blo\u00dfe Chaos, denn \u201eGott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens\u201c (1Kor 14,33).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. \u00a0Biblische Weisung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel bietet keine \u201eLehre\u201c vom Krieg, auch nicht vom \u201egerechten Krieg\u201c. Nach dem Jakobusbrief sind die Gel\u00fcste und Leidenschaften der Menschen die tiefere Ursache der K\u00e4mpfe und Kriege (Jak 4, 1ff.). Vor allem unterscheidet sich die Bibel im Blick auf Krieg und Frieden darin von der s\u00e4kularisierten, im Grunde naiven neuzeitlichen Sicht, dass sie nicht meint, durch einige Aktionen guten Willens und gelungenes Krisenmanagement sei der Weltfriede machbar. Die menschliche Schuldverstrickung und die Zwiesp\u00e4ltigkeit der Welt sind zu gro\u00df, als dass sich immer klare L\u00f6sungen ergeben k\u00f6nnten. Die Forderung Carl Friedrich von Weizs\u00e4ckers nach \u201eAbschaffung des Krieges als politischer Institution\u201c setzt intakte Staaten mit handlungsf\u00e4higen Regierungen voraus. Die Zeichen unserer Zeit weisen jedoch in Richtung Chaotisierung, Zerfall von Staaten bei mehr und mehr b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden einerseits und gleichzeitig diktatorischen Tendenzen andererseits. In diesen F\u00e4llen k\u00f6nnen staatliche Institutionen ihre ordnende Aufgabe nicht mehr wahrnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach biblisch orientierter Theologie gibt es also keinen &#8222;gerechten Krieg&#8220;, aber ebenso wenig einen &#8222;gerechten Pazifismus&#8220;. Die Naivit\u00e4t eines prinzipiellen Pazifismus ist dem lebendigen Glauben ebenso fremd wie die andere Naivit\u00e4t, Frieden und Gerechtigkeit auf Erden durch Kriegshandlungen herstellen zu k\u00f6nnen. Bez\u00fcglich der Weltgeschichte wei\u00df das Neue Testament nichts von einer fortschreitenden Entwicklung zum Guten. Vielmehr kennzeichnen Kriege und Kriegsgeschrei die \u201eWehen\u201c der Endzeit (Mk 13, 7ff.; Offenb 6, 1 ff.), bis Gott durch Jesus Christus sein endzeitliches Friedensreich aufrichtet. Darum werden die Meinungen von Christen zu der ein oder anderen Kriegshandlung unterschiedlich bleiben. Vor allem sollten sich kirchliche Amtsinhaber bei politischen Stellungnahmen zur\u00fcckhalten und nicht das Amt der Verk\u00fcndigung mit dem Amt des Staates verwechseln. Zwei Haltungen sollten unter Christen auf jeden Fall ausgeschlossen sein: Einerseits das fatalistische Hinnehmen des Krieges als eines endzeitlichen Verh\u00e4ngnisses und andererseits die Glorifizierung des Krieges als eines Befreiungsvorganges zur Heranf\u00fchrung eines Weltfriedensreiches. Ein Christ muss seine Teilnahme an einem Waffengang in jedem Fall vor seinem Gewissen pr\u00fcfen und vor Gott verantworten. Kirchlicherseits kann Waffendienst nur mit dem Ziel der Erhaltung oder Wiederherstellung der lebensnotwendigen Rechtsordnung vertreten werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tiefendimension erschlie\u00dft sich allerdings nur in geistlicher Sicht. In Konfliktsituationen k\u00f6nnen verantwortlich Handelnde schuldig werden, wie auch immer sie sich entscheiden. Christen wissen daher, dass sie auf Vergebung angewiesen sind. Zuletzt bleiben das \u201eBeten und Tun des Gerechten unter den Menschen\u201c, wie Dietrich Bonhoeffer gesagt hat. \u201eDenn unser Kampf geht nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die M\u00e4chte, gegen die Beherrscher dieser Welt der Finsternis&#8230;\u201c (Eph 6, 12). Dieser Kampf hat mit dem Kommen Jesu Christi einen Gipfelpunkt erreicht und spielt sich auf geistlicher Ebene ab (vgl. Mk 3, 24-27; Lk 11, 18). Den bewaffneten Widerstand gegen die r\u00f6mische Besatzungsmacht hat Jesus abgelehnt, aber wie Jesus die widerg\u00f6ttlichen Geistesm\u00e4chte bek\u00e4mpft und besiegt hat (Lk 10, 18; Kol 2, 15; Eph 1, 20-23), so stehen auch die Christen in solchem Kampf. Der ewige Friede ist jedoch menschlich nicht herstellbar. Er ist eine endzeitliche Gabe Gottes. \u201eDie M\u00e4chte der D\u00e4monen werden nicht durch Organisationen gebrochen, sondern durch Gebet und Fasten\u201c, sagte Bonhoeffer in seiner ber\u00fchmten Friedensrede 1934 auf der Insel Fan\u00d8 angesichts des kommenden Weltkrieges. Bei allem zeitlichen Kampf ist daher denen, die sich zu Jesus Christus halten, der endzeitliche gerechte Friede verhei\u00dfen (R\u00f6mer 8,37 ff.) \u2013 als Geschenk, nicht als durch eigene Kraft errungener Sieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Rainer Mayer, Stuttgart, im Oktober 2014 <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Informationsbrief der Bekenntnisbewegung &#8222;Kein anderes Evangelium&#8220;, Dezember 2014, Nr. 289. \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chaosm\u00e4chte und die Lehre vom \u201egerechten Krieg\u201c 1. \u00a0Zur Situation Nach dem Ende des Ost-West-Gegensatzes mit der gegenseitigen atomaren Bedrohung im \u201ekalten Krieg\u201c erwachte international die Hoffnung auf eine friedlichere Zeit. Nun aber m\u00fcssen wir erkennen, dass die Welt keineswegs friedlicher wurde. Das Gegenteil trat ein. Staaten zerfielen. Es entstanden neu regionale \u201ehei\u00dfe\u201c Kriege. Diese [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11931"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11931"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11931\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11934,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11931\/revisions\/11934"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11931"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11931"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11931"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}