{"id":11918,"date":"2015-02-13T11:18:44","date_gmt":"2015-02-13T10:18:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11918"},"modified":"2015-02-13T11:20:09","modified_gmt":"2015-02-13T10:20:09","slug":"wo-ist-die-hoelle-geblieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11918","title":{"rendered":"Wo ist die H\u00f6lle geblieben?"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eDie H\u00f6lle ist weg. Keiner hat es bemerkt\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Philosoph Bertrand Russell meinte in <em>Why I Am Not a Christian<\/em> (Warum ich kein Christ bin, 1927) selbstsicher, Jesus habe einen \u201eschweren Charakterfehler\u201c gehabt. Russell glaubte, dass niemand, \u201eder zutiefst menschenfreundlich ist, an eine ewigw\u00e4hrende Strafe [in der H\u00f6lle] glauben kann.\u201c Und Christus \u201eglaubte ganz gewiss an eine ewige Strafe\u201c. \u201eRachs\u00fcchtige Wut\u201c finde sich in den Evangelien, aber nicht bei Sokrates. Die ganze Lehre von der H\u00f6lle sei eine \u201egrausame Lehre\u201c, ja sie habe sogar \u201edie Grausamkeit in die Welt gebracht\u201c.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Psychiater Franz Buggle, ein weiterer Atheist, schrieb in <em>Denn sie wissen nicht, was sie glauben<\/em> (1992) zur H\u00f6lle, diese sei \u201eeine Strafandrohung, deren unheilvolle, psychisch verheerende Wirkung in der Geschichte des Christentums auf unz\u00e4hlbare Menschen gar nicht \u00fcbertrieben werden kann\u2026 Kann ein ethischer und religi\u00f6ser Lehrer\u2026, kann ein solcher Mann heute noch als Verk\u00f6rperung des absolut Guten, der absoluten Liebe, als Gott verk\u00fcndet werden?\u201c \u201eEwig dauernde Qualen\u201c sind f\u00fcr ihn neben der Kreuzeslehre der eigentlich \u201eunheilbare Skandal\u201c des Neuen Testaments.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kritik der s\u00e4kularen Kultur ist also \u00e4u\u00dferst massiv. So massiv, dass f\u00fchrende Kirchenvertreter im Westen sich nicht mehr zur H\u00f6lle bekennen wollen. Im Jahr 2013 interviewte der deutsche \u201eSpiegel\u201c (30\/2013) die bekannteste evangelische Pastorin des Landes, die ehemalige Hannoversche Bisch\u00f6fin und EKD-Ratsvorsitzende (2009\u20132010) Margot K\u00e4\u00dfmann: \u201eGlauben Sie eigentlich noch an Himmel und H\u00f6lle?\u201c Sie glaube an die Auferstehung, aber \u201eob es eine ewige Verdammnis der S\u00fcnde und eine H\u00f6lle gibt, diese Frage \u00fcberlasse ich lieber Gott.\u201c Die lutherische Theologin kritisiert diejenigen, die den \u201estrafenden Donnergott\u201c zur\u00fcckhaben wollen. \u201eEs gibt die H\u00f6lle auf Erden\u2026\u201c \u201eAber als Jenseitsort?\u201c fragt \u201eDer Spiegel\u201c bohrend zur\u00fcck. Antwort: \u201eIch glaube, dass der Mensch f\u00fcr seine Taten nach dem Tod Rechenschaft ablegen muss. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott Menschen Jahrhunderte in irgendeinem Feuer brennen l\u00e4sst. Das sind f\u00fcr mich eher die Vorstellungen von Leuten, die ihren Feinden das Schlimmste w\u00fcnschen.\u201c \u201eDie Idee der ewigen Verdammnis hat auch etwas Tr\u00f6stliches\u201c, wenden die Journalisten ein. So w\u00fcrde schlimmen Verbrechern Gerechtigkeit widerfahren. K\u00e4\u00dfmann sieht hinter so einem Denken allerdings nur \u201eRachebilder\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der gleichen Linie argumentiert der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. In <em>Wer\u2019s glaubt, wird selig<\/em> (Gespr\u00e4che mit seinem Sohn) schreibt der Bischof der Ev.-luth. Kirche Bayerns zu den Bildern der H\u00f6lle im NT: \u201eOb wirklich passiert, wovon da gesprochen wird, d\u00fcrfen wir getrost offen lassen.\u201c Es sei \u201ev\u00f6llig unbiblisch\u201c und \u201efundamentalistisch\u201c, \u201edie ewige Verdammnis anderer Menschen an die Wand zu malen\u201c. Er will jedoch an einem Gericht und den Bildern als \u201eWarnschildern\u201c festhalten. \u00c4hnlich wie K\u00e4\u00dfmann bekr\u00e4ftigt Bedford-Strohm eine Art von Gericht nach dem Tod; dies f\u00fchre vor allem zu \u201eScham \u00fcber B\u00f6ses\u201c, und \u201ediese Scham wird sein wie die H\u00f6lle\u201c. Er ist sogar recht zuversichtlich: \u201eMenschen, die Unrecht getan haben, m\u00fcssen nicht in der Verdammnis bleiben\u201c. Denn \u201eda, wo diese Scham und damit die Anerkenntnis der Wahrheit deutlich wird, da \u00f6ffnet sich die T\u00fcr ins Reich Gottes\u2026\u201c Dies ist vermutlich bewusst undeutlich formuliert: die Allvers\u00f6hnung wird nicht klar gelehrt, aber auf diese Weise bleibt nach dem Tod schlimmstenfalls eine Art reinigendes Fegefeuer \u00fcbrig, und nach einer Zeit der \u2018Besinnung\u2019 gehen alle in Gottes Ewigkeit ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWas ist in der H\u00f6lle los?\u201c fragte Eduard Kopp 2007 in \u201eChrismon\u201c. \u201eIn den gro\u00dfen christlichen Kirchen von heute gibt es keine ausgefeilte Lehre \u00fcber die H\u00f6lle, sie ist auch kein zentrales christliches Thema.\u201c Letzterer Satz stimmt nat\u00fcrlich. Nur manche der protestantischen Bekenntnisschriften enthalten Artikel zum Gericht und Schicksal der Verdammten wie das Augsburger (XVII) oder das Westminster-Bekenntnis (XXXIII,2). In einigen wird eine ewige Strafe nur kurz ber\u00fchrt (wie im Heidelberger Katechismus, 52). Calvin widmet dem Los der Verworfenen nur eine einzige Seite in seiner riesigen <em>Institutio<\/em> (III,25,12), Louis Berkhof in seiner <em>Systematic Theology<\/em> zwei Seiten \u2013 von rund eintausend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber \u201ekeine ausgefeilte Lehre \u00fcber die H\u00f6lle\u201c? Von Ausfeilen kann allein schon deshalb keine Rede sein, da es eine eigentliche Lehre ja wohl schon Jahrzehnte \u00fcberhaupt nicht mehr gibt. Selbst im kurzen Artikel zur H\u00f6lle im \u201e<a href=\"http:\/\/www.ekd.de\/glauben\/abc\/hoelle.html\">Glaubens-ABC<\/a>\u201c auf den Seiten der EKD hei\u00dft es: \u201eIn der Verk\u00fcndigung der Kirchen spielt die H\u00f6lle so gut wie keine Rolle mehr.\u201c (Selbstkritisch wird hinzugef\u00fcgt: \u201eDamit ist freilich auch der biblische Gedanke in den Hintergrund getreten, dass sich Menschen f\u00fcr ihr Tun und Lassen vor Gott verantworten m\u00fcssen.\u201c \u2013 Wohl wahr.) R. Albert Mohler von den S\u00fcdlichen Baptisten in den USA hat gewiss recht: Die H\u00f6lle ist ein inzwischen ein \u201e<em>odium theologium \u2013 <\/em>eine Lehre, die von der breiteren Kultur als absto\u00dfend angesehen wird\u201c. In \u201e<a href=\"http:\/\/www.albertmohler.com\/2010\/01\/26\/air-conditioning-hell-how-liberalism-happens\/\">On Air Conditioning Hell<\/a>\u201c zitiert er den englischen Autoren David Lodge: \u201eZu einem Zeitpunkt in den 60er Jahren ist die H\u00f6lle verschwunden. Keiner kann genau sagen, wann dies passiert ist. Erst war sie da, und nun ist sie weg.\u201c Und auch den Historiker Martin Marty, viele Jahre an der \u201eUniversity of Chicago\u201c: \u201eDie H\u00f6lle ist weg. Keiner hat es bemerkt\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kopp kn\u00fcpft schlie\u00dflich an Karl Barth an, der betonte, \u201ewie wichtig es sei, gerade die g\u00fctigen Seiten Gottes in den Blick zu nehmen, seine Gnade wichtiger zu nehmen als die christliche Botschaft vom Gericht. Er riet den Christen, sich die H\u00f6lle nicht interessanter werden zu lassen als den Himmel. Das ist ein Ratschlag, der auch heute seine Bedeutung hat.\u201c Wenn nun aber das Verschwinden der H\u00f6lle unsere Situation kennzeichnet, warum dann noch diese Warnung? Wo stehen heute Christen und Theologen in der Versuchung, \u201esich die H\u00f6lle nicht interessanter werden zu lassen als den Himmel\u201c?? W\u00e4re es nicht im Gegenteil ratsamer, sich einmal wieder ernsthaft mit der Verdammnis zu befassen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eUmfassende Hoffnung f\u00fcr alle\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss keine gro\u00dfen theologischen Kenntnisse mitbringen, um zu bemerken: in der Bibel ist die H\u00f6lle ein Nach-dem-Tod-Ph\u00e4nomen. Zur H\u00f6lle hei\u00dft es jedoch abschlie\u00dfend in den \u201e<a href=\"http:\/\/www.ekd.de\/glauben\/e-wie-evangelisch\/e_hoelle.html\">Multimedia-Clips<\/a>\u201c auf den EKD-Seiten: \u201eWo Gott nicht ist, wo Menschen leiden und hoffnungslos sind \u2013 das ist die H\u00f6lle\u201c. Ulrike Murmann erl\u00e4utert dort, dass die H\u00f6lle ein Bild f\u00fcr Gottesferne, absolute Verzweiflung, existentielle \u00c4ngste sei \u2013 ein Bild f\u00fcr \u201emenschliches Erleben\u201c <em>hier und heute<\/em>. Die Bilder vom hei\u00dfen H\u00f6llenfeuer werden verworfen. Kommentar aus dem Off: \u201eSo hat die Kirche den Menschen Jahrhunderte gedroht. Das ist zum Gl\u00fcck vorbei.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Murmann, Pr\u00f6pstin in Hamburg, zitiert das Apostolische Bekenntnis: \u201ehinabgestiegen in das Reich des Todes\u201c. Jesus habe dort \u201edie Toten auferweckt, d.h. mit Christus glauben wir daran, dass das, was Tod, Verzweiflung, Angst bedeutet, eigentlich \u00fcberwunden werden kann.\u201c Man beachte jedoch, dass es \u2013 entsprechend der Umdeutung der H\u00f6lle \u2013 nicht um eine tats\u00e4chliche H\u00f6llenfahrt geht: Jesus habe die \u2018H\u00f6lle\u2019 bezwungen, indem er den Tod auf sich nahm und so als Gott den Menschen auch in ihren tiefsten N\u00f6ten und Todes\u00e4ngsten nahe war. Die H\u00f6lle ist kein irgendwie lokalisierbarer Ort mehr, so dass die H\u00f6llenfahrt eben auch nur ein Bild daf\u00fcr ist, dass der tote Christus Solidarit\u00e4t mit den Toten zeigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Murmann kn\u00fcpft hier wohl an Hans Urs von Balthasar an. Der katholische Theologe betrachtete die \u2018Gegenwart\u2019 Christi im Totenreich als heilsrelevant. Von Balthasar entmythologisierte die H\u00f6llenfahrt und glaubte, dass die Solidarit\u00e4t des toten Christus mit den Toten deren Lage von Grund auf ver\u00e4ndert h\u00e4tte. In dieser Deutung ist recht deutlich ein Heilsuniversalismus angelegt, eine \u201eumfassende Hoffnung f\u00fcr alle\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bleibt, ist ein recht diffuses Bild. Klare Aussagen sind Mangelware; man fl\u00fcchtet sich meist in einen dem\u00fctig klingenden Agnostizismus: wir wissen kaum etwas \u00fcber das ewige Schicksal der Ungl\u00e4ubigen; man \u00fcberl\u00e4sst dies gerne Gott; oder man formuliert diplomatisch wie der Katholik Claude Geffr\u00e9 \u201eIch glaube, dass die H\u00f6lle als Ort der Qualen wahrscheinlich nicht existiert\u201c. Einig ist man sich, dass Gott niemanden aktiv bestraft und sicher nicht in die H\u00f6lle wirft; allein die Menschen selbst entscheiden sich f\u00fcr die Gottesferne (Geffr\u00e9: \u201eWenn die H\u00f6lle eine Bedeutung haben sollte, dann als Strafe, die wir uns selbst zuf\u00fcgen\u201c). Gewiss steckt darin Wahrheit. C.S. Lewis: \u201eAlle, die in der H\u00f6lle sind, erw\u00e4hlen sie\u201c (<em>Die gro\u00dfe Scheidung<\/em>). Keiner ist in der H\u00f6lle gegen den eignen Willen; die T\u00fcren der H\u00f6lle werden zuerst <em>von innen<\/em> verschlossen, so Lewis. Aber es ist eben auch niemand gegen Gottes Willen in der H\u00f6lle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies zeigte schon J\u00fcrgen Moltmann vor 50 Jahren in <em>Theologie der Hoffnung<\/em>: \u201eDie Logik der H\u00f6lle scheint mir nicht nur inhuman, sondern extrem atheistisch zu sein: hier der Mensch in seiner freien Entscheidung f\u00fcr H\u00f6lle oder Himmel \u2013 dort Gott als der Ausf\u00fchrende, der diesen Willen vollstreckt. Gott wird zum Diener des Menschen degradiert. Wenn ich mich f\u00fcr die H\u00f6lle entscheide, muss Gott mich dort hinstecken, obwohl es nicht sein Wille ist. Dr\u00fcckt sich so die Liebe Gottes aus? Und wo bleibt die Allmacht Gottes? Menschen w\u00fcrden selbst ihrem Schicksal \u00fcberlassen, sie brauchen Gott eigentlich nicht, denn nur der Mensch bestimmt, was passiert.\u201c Moltmann geht wie selbstverst\u00e4ndlich davon aus, dass ein liebender Gott niemanden in der H\u00f6lle haben will. Er lehrte daher konsequenterweise einen Heilsuniversalismus: Am Ende werden alle gerettet, eine ewige Verdammnis gibt es nicht, denn Gottes Liebeswillen setzt sich gewiss durch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da Gottes Heilswillen universal ist und alle Menschen umfasst, mag es vielleicht eine H\u00f6lle geben, aber sie wird effektiv leer bleiben. Viele bedeutende Theologen des 20. Jahrhunderts tendierten zu dieser universalistischen Richtung (Paul Tillich, Karl Rahner, Karl Barth, John A.T. Robinson und eben J\u00fcrgen Moltmann). Und auch Evangelikale wie Clark Pinnock, John Sanders, Brian McLaren zeigen hier eindeutige Sympathien. Meist ist dieser Ansatz verbunden mit einem universalen S\u00fchneopfer Christi: Jesus ist in jeder Hinsicht tats\u00e4chlich f\u00fcr alle gestorben, der Hl. Geist wohnt daher in allen (s. auch W.P. Youngs <em>Die H\u00fctte<\/em> und C. Baxter Krugers <em>Revisiting the Shack<\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eBeinahe nichts\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bekanntlich spricht Jesus selbst in der Bibel am h\u00e4ufigsten in der H\u00f6lle (wie ja auch Russell und Buggle bemerkt haben, s.o.). Paulus gebraucht das gr. Wort <em>gehenna <\/em>f\u00fcr H\u00f6lle nicht. Aber auch bei ihm findet sich die grundlegende Unterscheidung von ewigen Heil und Verdammnis. Der Apostel betont, dass es f\u00fcr alle Menschen ein letztes Gerichtsurteil geben wird; alle m\u00fcssen \u201evor dem Richterstuhl Christi erscheinen\u201c (2 Kor 5,10, s. auch R\u00f6m 2,2\u20133.5.16; 3,6; 5,16; 14,10; 1 Kor 5,13; 1 Thes 4,6; 2 Thes 1,5; 1 Tim 5,24; 2 Tim 4,1). Diejenigen, die die Verdammung erwartet, werden \u201ezugrunde gehen\u201c (gr. <em>apollymi<\/em>; R\u00f6m 2,12; 1 Kor 1,18; 15,18; 2 Thes 2,10) und gehen auf die \u201eVernichtung\u201c (<em>apooleia<\/em>) zu (R\u00f6m 9,22; Phil 1,28; 1 Thes 5,3; 2 Thes 1,9). In 2 Thes 1,9 beschreibt Paulus explizit, was auf dieses Gericht folgt: S\u00fcnder sind f\u00fcr die \u201eewige Vernichtung\u201c bestimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie kann man sich diese Vernichtung vorstellen? C.S. Lewis widmete der H\u00f6lle ein Kapitel in <em>\u00dcber den Schmerz<\/em>. \u201eEs gibt keine Lehre, die ich lieber aus dem Christentum tilgen m\u00f6chte als diese \u2013 wenn es nur in meiner Macht l\u00e4ge. Aber sie wird sehr eindeutig durch die Heilige Schrift gest\u00fctzt und vor allem durch die Worte unseres Herrn selbst; sie ist von der Christenheit niemals aufgegeben worden; und auch die Vernunft stimmt ihr zu.\u201c Lewis betont, durchaus im Einklang mit dem biblischen Zeugnis: \u201eIn den Himmel kommen hei\u00dft, menschlicher werden, als es einem je auf Erden gelang; in die H\u00f6lle kommen hei\u00dft, vom Menschsein ausgeschlossen werden, Was in die H\u00f6lle geworfen wird (oder sich selbst hineinst\u00fcrzt), ist nicht ein Mensch, sondern dessen \u2018\u00dcberbleibsel\u2019.\u201c In der H\u00f6lle befinden sich damit nicht Menschen in vollem Sinne \u2013 eben nur \u00dcberreste, weshalb er fragt: \u201eWenn die Seele zerst\u00f6rt werden kann, mu\u00df es da nicht auch den Zustand \u2018eine-menschliche-Seele-<em>gewesen-sein<\/em>\u2019 geben?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dieser Linie nennt Lewis auch in <em>Die gro\u00dfe Scheidung<\/em> die Verdammten Schattenwesen, \u201emenschgestaltete Flecken\u201c (\u201ewas von einst Lebenden \u00fcbrig blieb\u201c), die mehr und mehr vergehen; \u201eeine verdammt Seele ist fast nichts. Sie ist geschrumpft, in sich verschlossen\u201c. Lewis will die H\u00f6lle sicher nicht zur Fiktion erkl\u00e4ren, aber ihr Status als Wirklichkeit ist ein begrenzter: sie ist \u201ebeinahe nichts\u201c oder an anderer Stelle: \u201eDie ganze H\u00f6lle ist kleiner als ein Kieselstein eurer irdischen Welt.\u201c Im Gegensatz zu den fast schon unwirklichen Verdammten haben die Erretteten in der Erz\u00e4hlung feste K\u00f6rper. Sie sind wirklich im vollen Sinne und leben in der wahren Wirklichkeit: \u201eHimmel ist Wirklichkeit selbst. Alles, was ganz wirklich ist, ist himmlisch.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lewis hat in dem B\u00fcchlein fiktive Dialoge aufgezeichnet, die nat\u00fcrlich in ihrer Interpretation des Jenseits \u00fcber den biblischen Text hinausgehen; insofern sollte man sie nicht als Theologie im eigentlichen Sinne lesen. Ihm ist aber gegl\u00fcckt, eine popul\u00e4re Vorstellung zu hinterfragen: alles Derbe und Materielle der H\u00f6lle zuzuordnen und den Himmel gleichsam in einen luftigen Raum der Geistigkeit zu verwandeln. Zurecht k\u00f6nnen wir ja sagen, dass der Himmel, das Neue Jerusalem, nicht weniger leiblich, fassbar, konkret oder eben wirklich ist als der Ort der Verdammnis, ja dass das Pr\u00e4dikat Wirklichkeit in erster Linie diesem zukommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In <em>Die gro\u00dfe Scheidung<\/em> gibt es keinerlei augenscheinliche Qual oder gar Folter. In Apr 14,9\u201311 ist jedoch eindeutig von Qualen die Rede (gr. Verb <em>basanidzo<\/em>). Dort geht es um die Anh\u00e4nger des Antichristen. An anderen Stellen wie Lk 16,24, Mk 9,44\u201348 oder Apr 20,15 sind sicher alle Nichtgl\u00e4ubigen gemeint, und auch hier tauchen die gleichen Bilder von Feuer auf \u2013 dies h\u00f6llische Feuer ist ewig, unausl\u00f6schlich und bedeutet eine ewige Strafe (Mt 3,12; 5,22; 18,8; 25,46). Andere Stellen sprechen von Dunkelheit (Mt 25,30; 2 Pt 2,17), was eine allzu w\u00f6rtliche Deutung der Feuer-Stellen nicht zul\u00e4sst und deutlich macht, dass es sicher hier um Straf-<em>Bilder<\/em> handelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt f\u00e4llt die knappe Schilderung der Bibel auf; unsere Neugier wird in keiner Weise befriedigt. Qualen, die den ganzen Menschen (oder eben das, was von ihm \u00fcbrig bliebt) betreffen; Trennung von Gott, geistige Schmerzen (gewiss die Scham, von der Bedford-Strom, s.o., spricht); Einsamkeit und Entfremdung von anderen (Lewis geniale Eingangsszene in <em>Die gro\u00dfe Scheidung<\/em>: die Verdammten befinden sich in ewigem Streit) \u2013 all das, aber wohl noch mehr. Da jedoch die Frage ein St\u00fcck weit offen bleibt, was f\u00fcr ein Bewusstsein genau die \u201eReste\u201c (mit Lewis gesprochen) von Menschen noch haben, sollte man sich mit Ausmalungen dieser Qual zur\u00fcckhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Koran dagegen hat hier jede Zur\u00fcckhaltung fallengelassen und ein \u00e4u\u00dferst deutliches Bild der Qualen der Verdammten (ich folge hier C. Schirrmachers <em>Islam<\/em>). Sie bekommen \u201ehei\u00dfes Wasser zu trinken. Sie haben eine schmerzhafte Strafe zu erwarten\u201c (6,70), ihnen bleiben Speisen \u201eim Hals stecken\u201c (73,12), und \u201edie H\u00f6llenhitze\u2026 versengt ihnen die Haut\u201c (74,27.29). Besondere Schmerzen verursacht das Essen des Saqqum-Baumes; er ist \u201ewie geschmolzenes Metall\u201c und kocht in ihren B\u00e4uchen wie hei\u00dfes Wasser\u201c (44,43\u201346; 37,62\u201368). Die Ungl\u00e4ubigen tragen \u201eKleider aus Feuer\u201c; ihnen wird \u201ehei\u00dfes Wasser \u00fcber den Kopf gegossen\u201c (22,19). Sie werden auf dem Gesicht zur H\u00f6lle geschleift (25,34) und mit St\u00fccken bedroht, im Feuer zu verbleiben (22,21\u201322).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel kennt, wie wir sahen, durchaus auch das Bild des Feuers. Doch es wird mit Gott selbst direkt verbunden. Gottes Herrlichkeit erscheint als Feuer (Ex 24,17); Gott selbst ist ein \u201everzehrendes Feuer\u201c (Hbr 12,29; s. auch Off 19,12). In Mal 3,19 wird am Tag des Gerichts ein vernichtendes Feuer erscheinen, gleich im n\u00e4chsten Vers hei\u00dft es aber: \u201eF\u00fcr euch aber, die ihr mir treu gewesen seid, wird an diesem Tag die Sonne aufgehen. Sie wird euer Recht an den Tag bringen und alle Wunden heilen\u201c. F\u00fcr die Glaubenden ist Gott die lichtbringende (Off 21,23), ja heilende Sonne; f\u00fcr die anderen ist <em>dieselbe Sonne<\/em> ein vernichtendes Feuer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott ist in der H\u00f6lle auf der einen Seite abwesend, was durch das Bild der Dunkelheit ausgedr\u00fcckt wird (Mt 8,12); die Verdammten sind fern von Gott, die Seligen genie\u00dfen seine Gemeinschaft. Auf der anderen Seite ist es <em>Gottes<\/em> Strafe, dem in gewisser Weise selbst in der ewigen Verdammnis nicht zu entkommen ist, was durch das Bild des Feuers, <em>seines <\/em>Feuer, deutlich gemacht wird. Damit ergibt sich ein Paradoxon der H\u00f6lle, ein echtes biblisches Paradoxon: Gottes Abwesenheit <em>und <\/em>Gottes strafendes Handeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manche evangelikalen Theologen lehnen jedoch die Vorstellung von ewiger Strafe und Qual ab. John Wenham nimmt kein Blatt vor den Mund: \u201eUnendliche Qualen zeugen f\u00fcr mich \u00a0von Sadismus, nicht von Gerechtigkeit\u201d (<em>Facing Hell: An Autobiography<\/em>). Auch Clark Pinnock (1937\u20132010) war \u00fcberzeugt, dass diese Lehre ge\u00e4ndert werden muss; ein so strafender Gott \u00e4hnele mehr Satan als Gott, der zu einem \u201eblutr\u00fcnstigen Monster\u201c gemacht wird, der ein \u201eewiges Auschwitz f\u00fcr seine Opfer unterh\u00e4lt, denen er nicht erlaubt, zu sterben\u201c. Bei Pinnock fallen strenge Begriffe zur Lehre von der H\u00f6lle (<em>bad<\/em>, <em>outrageous<\/em>); auch der bekannte anglikanische Evangelist Michael Green nennt ewige H\u00f6llenqualen \u201ebarbarisch\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">John Stott dr\u00fcckte sich vorsichtiger aus und fragte sich, wie man mit so einer Lehre leben kann. 1988 erschein <em>Essentials: A Liberal-Evangelical Dialogue <\/em>(mit D.L. Edwards). Darin \u00e4u\u00dferste sich der bedeutende evangelikale Theologe erstmals eindeutig zu diesen Fragen. Stott findet die Vorstellung annehmbar, dass die Unbu\u00dffertigen einst vernichtet und nicht zu ewiger bewusster Strafe verdammt werden. Er glaubt, \u201edass es am naheliegendsten ist, die Wirklichkeit, die hinter diesen Bildern [wie Feuer] steht, so zu verstehen, dass am Ende alle Feindschaft und aller Widerstand gegen\u00fcber Gott zerst\u00f6rt werden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht h\u00f6ren die Verdammten irgendwann auf zu existieren? So fragen die Anh\u00e4nger der Position des sog. \u201eAnnihiliationismus\u201c (von lat. <em>annihilare<\/em> \u2013 vernichten) \u2013 Wenhams, Stotts und Greens Standpunkt. Sie. betonen, dass das ewige Leben eine Gabe Gottes f\u00fcr die ist, die an ihn glauben; nicht etwas, was von Natur aus zum Menschen geh\u00f6rt. Nur Gott ist \u2018an sich\u2019 unsterblich (R\u00f6m 1,23; 1 Tim 6,15\u201317); Unsterblichkeit wird also vom Menschen erworben bzw. ihm geschenkt (R\u00f6m 6,3; 2 Tim 1,10) \u2013 und den Verdammten eben nicht. Diese Lehre der \u201ebedingten Unsterblichkeit\u201c ist meist mit dem Annihiliationismus verbunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stott und andere Annihiliationisten sehen sich im Rahmen der Basis der Evangelischen Allianz von 1970 (s.u. mehr dazu). Dort ist von der ewigen Folgen der S\u00fcnde die Rede, und dies muss nicht unbedingt hei\u00dfen: ewige bewusste Strafe. Ihnen zufolge meinen die biblischen Texte, die von ewiger Verdammnis reden, die <em>Unumkehrbarkeit<\/em> des Gerichts (seine Folgen lassen sich in Ewigkeit nicht mehr korrigieren), nicht jedoch die Fortf\u00fchrung einer bewusst erlebten Strafe. (Auch Lewis denkt wohl in diese Richtung in \u00dcber den Schmerz: \u201eAber ich stelle fest, dass der Herr, w\u00e4hrend Er mit schonungsloser Strenge von den Schrecken der H\u00f6lle spricht, in der Regel nicht ihre Dauer betont, sondern ihre Endg\u00fcltigkeit.\u201c)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit etwa den 30er Jahren des 20. Jahrhundert\u00a0 wird die Ansicht vertreten, dass die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele griechisch-platonistischen Ursprung sei und die Bibel selbst vielmehr \u2013 dem hebr\u00e4ischen Denken folgend \u2013 den sog. Ganztod lehre, d.h. die Seele stirbt mit dem Leib. Tats\u00e4chlich hat nur Gott Leben und Unsterblichkeit in sich selbst, und auch die griechische Abwertung der Leiblichkeit ist abzulehnen. Aber aus gewissen \u00c4hnlichkeiten zum griechischen Denken ist noch keine Ablehnung der weitergehenden Existenz von Geist bzw. Seele gegeben. Die allermeisten evangelikalen Theologen betonen, dass der Mensch von Gott als dessen Ebenbild auf die Ewigkeit ausgerichtet oder angelegt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Annihilationismus hatte den einen oder anderen Vorl\u00e4ufer in der Theologiegeschichte, doch die Ablehnung \u00fcberwiegt deutlich. Schon Tertullian wandte sich gegen den Annihilationismus. Der bedeutendste Vertreter der Ansicht, dass man in der H\u00f6lle ewige Qualen leiden muss, war unter den Kirchenv\u00e4tern Augustinus (<em>Der Gottesstaat<\/em>, XXI). Auch Thomas von Aquin verwarf den \u201eIrrtum derjenigen, die behaupten, dass die Strafen der Gottlosen irgendwann beedet sein werden\u201c (<em>Summe gegen die Heiden<\/em>, III,144). Die Reformatoren folgten dieser Linie, wobei sie die ewige Entfremdung der Ungl\u00e4ubigen vom ihrem Sch\u00f6pfer in den Mittelpunkt r\u00fcckten. Das Zweite Helvetische Bekenntnis formuliert eindeutig: \u201eDie Ungl\u00e4ubigen aber und die Gottlosen werden mit den Teufeln zur H\u00f6lle fahren, wo sie ewig brennen und nie mehr aus ihrer Qual erl\u00f6st werden k\u00f6nnen\u201c. Verworfen werden die, die lehren, dass die Gottlosen \u201eeinst noch gerettet werden, und ihre Strafe werde ein Ende haben.\u201c (XI,13\u201314)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">D.A. Carson widmete ein Kapitel in <em>The Gagging of God<\/em> den Fragen des ewigen Heils (\u201eOn Banishing the Lake of Fire\u201c). Er betont gegen die Annihilationisten, dass \u201eTod\u201c in der Bibel an keiner Stelle mit Ganzvernichtung gleichgesetzt wird. Das <em>bleibende <\/em>Entferntsein von Gott wird so beschrieben (Mt 8,22; 1 Tim 5,6; Jak 2,26). Feuer f\u00fchrt nat\u00fcrlich, so Carson, zu einer Zerst\u00f6rung, aber damit wird nicht unbedingt eine v\u00f6llige Ausl\u00f6schung der Existenz gelehrt; das Feuer in Mt 18,8 ist ja ausdr\u00fccklich ein ewiges. Er greift drei Abschnitte heraus, die die Annihilationisten nur \u00e4u\u00dferst schwierig deuten k\u00f6nnen: neben Mt 25,46 aus der Offenbarung 14,10\u201311 und 20,10\u201315, wo es ausdr\u00fccklich hei\u00dft, dass die Strafe \u201evon Ewigkeit zu Ewigkeit\u201c (14,11) w\u00e4hrt. Carson warnt deutlich vor allzu scharfen Ausdr\u00fccken wie gerade bei Pinnock, denn wenn die Annihilationisten <em>nicht<\/em> recht haben (Stott z.B. will ja die M\u00f6glichkeit einer ewigen bewussten Strafe keineswegs ausschlie\u00dfen; er h\u00e4lt den Annihilationismus nur f\u00fcr m\u00f6glich), dann stimmen sie in den Chor von Russell, Buggle und Dawkins ein, die <em>Gott<\/em> des Sadismus <em>anklagen<\/em>. Denn es ist ja nicht nur eine <em>Lehre <\/em>von der ewigen H\u00f6llenqual, die von ihnen abgelehnt wird. Es geht immer auch um das Gottesbild und damit Gott selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eEternal condemnation to the lost\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die H\u00f6lle kam in den vergangenen eineinhalb Jahrhunderten unter Beschuss. Was sagen die Bekenntnisse der evangelikalen Bewegung aus diesem Zeitraum zu dem umstrittenen Lehrpunkt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Evangelische Allianz lehnte in ihrer ersten Glaubensgrundlage von 1846 den Universalismus eindeutig ab. Der achte Artikel behandelt dort die Eschatologie, also die Zukunft. Gelehrt wird \u201edie Unsterblichkeit der Seele\u201c, die zuk\u00fcnftige Auferstehung, Jesu Weltgericht, die ewige Seligkeit der Gerechten und \u201edie ewige Strafe der Verdammten [oder B\u00f6sen]\u201c (<em>eternal punishment of the wicked<\/em>). Der Inhalt dieses Punktes fand sich noch nicht in einem Entwurf, den eine Kommission 1845 verfasst hatte. Er wurde vor allem auf Dr\u00e4ngen der Amerikaner im Jahr 1846 hinzugef\u00fcgt, um sich von den Unitariern abzugrenzen. Diese Antitrinitarier breiteten sich damals stark in den USA aus; sie lehrten, d.h. alle Menschen schlie\u00dflich gerettet werden, weshalb sie nat\u00fcrlich auch H\u00f6llenstrafen ablehnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Britische Allianz unternahm ab 1967 eine deutliche Redaktion der \u201eBasis of Faith\u201c. Federf\u00fchrend wirkte hier auch John Stott mit. Der neue Text mit acht Artikeln wurde 1970 offiziell angenommen. Der alte, rechte lange achte Artikel zur Eschatologie wurde verk\u00fcrzt zum Bekenntnis der Erwartung \u201eder pers\u00f6nlichen, sichtbaren Wiederkunft des Herrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit\u201c (<em>The expectation of the personal, visible return of the Lord Jesus Christ, in power and glory<\/em>). Eine Aussage zum Schicksal der Nichtglaubenden fehlt also ganz (in anderen Artikeln ist von Gottes Zorn und den ewigen Folgen der S\u00fcnde die Rede). Man muss wohl davon ausgehen, dass sich in dieser Formulierung schon damals Stotts vorsichtiger Annihilationismus ausdr\u00fcckte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1951 wurde erstmals ein organisatorischer Dachverband der weltweiten Allianzen ins Leben gerufen (die Gr\u00fcndung der EA 1846 war noch bewusst keine Organisation im eigentlichen Sinne geschaffen worden): die \u201eWorld Evangelical Fellowship\u201c, die sich 2001 umbenannte in \u201eWorld Evangelical Alliance\u201c (WEA). Bei der Gr\u00fcndung 1951 wurde eine <a href=\"http:\/\/www.worldea.org\/whoweare\/statementoffaith\">Glaubensgrundlage<\/a> (\u201eStatement of Faith\u201c) angenommen, die sieben Artikel umfasst und an einigen Stellen eigene Akzente setzt. So ist am Ende ausdr\u00fccklich von einer \u201eAuferstehung zur Verdammnis\u201c die Rede (<em>The<\/em><em>\u00a0<\/em><em>Resurrection<\/em><em>\u00a0<\/em><em>of both the saved and the lost; they that are saved unto the resurrection of life, they that are lost unto the resurrection of damnation<\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die deutsche Allianz \u00fcbernahm bald im Wesentlichen die britische Redaktion, f\u00fcgte aber zum letzten Artikel dies hinzu: Wir bekennen uns \u201ezum Fortleben der von Gott gegebenen Personalit\u00e4t des Menschen; zur Auferstehung des Leibes zum Gericht und zum ewigen Leben der Erl\u00f6sten in Herrlichkeit.\u201c (Auf der <a href=\"http:\/\/www.ead.de\/die-allianz\/basis-des-glaubens.html\">Internetseite der Allianz<\/a> hei\u00dft es \u00fcbrigens, dass die Glaubensbasis von 1972 gegen\u00fcber der von 1846 nur \u201esprachlich \u00fcberarbeitet\u201c sei, was sicher nicht ganz korrekt ist, da es auch inhaltliche Ver\u00e4nderungen gab.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der internationale Verband der evangelikalen Studentenbewegung,<a href=\"http:\/\/ifesworld.org\/en\/our-beliefs\"> IFES<\/a>, orientiert sich in der Glaubensgrundlage am britischen Vorbild (<em>The expectation of the personal return of the Lord Jesus Christ<\/em>). Denselben Wortlaut hatte auch die Grundlage der Bewegung in den USA, InterVarsity. Seit einer <a href=\"http:\/\/www.intervarsity.org\/about\/our\/our-doctrinal-basis\">\u00dcberarbeitung im Jahr 2000<\/a> wird deutlich breiter formuliert: Man bekennt sich zur \u201esiegreichen Herrschaft und zuk\u00fcnftigen pers\u00f6nlichen Wiederkunft Jesu Christi, der alle Menschen mit Gerechtigkeit und Barmherzigkeit richten, die Unbu\u00dffertigen der ewigen Verdammnis \u00fcbergeben und die Erl\u00f6sten in das ewige Leben aufnehmen wird.\u201c (<em>The victorious reign and future personal return of Jesus Christ, who will judge all people with justice and mercy,\u00a0giving over the unrepentant to eternal condemnation\u00a0but receiving the redeemed into eternal life<\/em>). \u00c4hnlich seit ein paar Jahren auch die britische IFES-Bewegung <a href=\"http:\/\/www.uccf.org.uk\/about\/doctrinal-basis.htm\">UCCF<\/a> (<em>The Lord Jesus Christ will return in person, to judge everyone, to execute God\u2019s just condemnation on those who have not repented and to receive the redeemed to eternal glory<\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die britische Allianz, immerhin ja die \u2018Ur-Allianz\u2019 (die bis heute einfach nur <em>Evangelical Alliance<\/em> hei\u00dft), hat sich vor etwa zehn Jahren ebenfalls wieder an eine komplette \u00dcberarbeitung gemacht. Seit 2005 gilt in der dortigen Allianz eine <a href=\"http:\/\/www.eauk.org\/connect\/about-us\/basis-of-faith.cfm\">Glaubensgrundlage mit elf Artikeln<\/a>\u00a0(eine \u00c4nderung, die, so scheint mit, in Deutschland weitgehend unbeachtet blieb). Die Lehre vom Menschen wurde erweitert: nun wird auch die Menschenw\u00fcrde genannt (<em>t<\/em><em>he dignity of all people<\/em>); die Kirche wird pr\u00e4ziser beschrieben (<em>local and universal<\/em>); der Person Christi wird nun ein eigener Artikel gewidmet (<em>The incarnation of God\u2019s eternal Son, the Lord Jesus Christ born of the virgin Mary, truly divine and truly human, yet without sin<\/em>). Am Schluss wird die Wiederkunft Christi deutlich erweitert: die Auferstehung aller zum Gericht, ein neuer Himmel und eine neue Erde sind hinzugekommen; und recht eindeutig: Gott wird den Erl\u00f6sten \u201edas ewige Leben\u201c und den Verlorenen \u201edie ewige Verdammnis\u201c bringen. (<em>The personal and visible return of Jesus Christ to fulfil the purposes of God, who will raise all people to judgement, bring eternal life to the redeemed and eternal condemnation to the lost, and establish a new heaven and new earth<\/em>.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die britische Allianz hat hier eine heute notwendige Klarstellung vorgenommen, die sich erfreulicherweise nicht vor klaren Kanten f\u00fcrchtet: der Mensch schlie\u00dft sich nicht einfach nur selbst vom Heil aus; Gott ist im letzten Satz der Aktive, der Heil und Verdammnis <em>bringt<\/em>. Ganz anders als in vielen kirchlichen Stellungnahmen kommt der gro\u00dfe Dualismus, die gro\u00dfe Scheidung oder \u2013 noch einmal Lewis \u2013 das gro\u00dfe \u201eEntweder\u2013Oder\u201c gut zur Sprache. Die Verwischung dieser Scheidung h\u00e4lt Lewis \u201ef\u00fcr einen verh\u00e4ngnisvollen Irrtum\u201c. Die ewige Verdammnis muss nicht in mittelalterlichen Bildern \u2018realistisch\u2019 vor Augen gemalt werden; wir sehen schlie\u00dflich, so Lewis, nur wie durch ein \u201eumgekehrtes Fernrohr\u201c. Aber die Weggabelung muss gut sichtbar vor Augen gestellt werden. Und der eine Weg f\u00fchrt eben leider nicht in ein diffuses Nirwana, sondern in die H\u00f6lle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Holger Lahayne, 29.11.2014, <a href=\"http:\/\/www.lahayne.lt\">www.lahayne.lt<\/a><\/em><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie H\u00f6lle ist weg. Keiner hat es bemerkt\u201c Der Philosoph Bertrand Russell meinte in Why I Am Not a Christian (Warum ich kein Christ bin, 1927) selbstsicher, Jesus habe einen \u201eschweren Charakterfehler\u201c gehabt. Russell glaubte, dass niemand, \u201eder zutiefst menschenfreundlich ist, an eine ewigw\u00e4hrende Strafe [in der H\u00f6lle] glauben kann.\u201c Und Christus \u201eglaubte ganz gewiss [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":434,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,13,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11918"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/434"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11918"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11918\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11921,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11918\/revisions\/11921"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11918"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11918"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11918"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}