{"id":11897,"date":"2015-02-04T14:41:07","date_gmt":"2015-02-04T13:41:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11897"},"modified":"2015-02-04T14:41:07","modified_gmt":"2015-02-04T13:41:07","slug":"samenzellen-vom-netten-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11897","title":{"rendered":"Samenzellen vom netten Mann"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wie haben wir eigentlich jemals Familien gegr\u00fcndet, ohne staatliche Grundausbildung in der Schule? Und seit wann ist es egal, \u201ewer mit wem wie genau verwandt ist\u201c? Es muss wohl sexueller Notstand ausgebrochen sein in unserem Land, anders ist es nicht zu erkl\u00e4ren, warum gerade ein Bundesland nach dem anderen sich aufmacht, den Sexualkundeunterricht zu revolutionieren. Baden-W\u00fcrttemberg ist immer noch mit seinem sexuell vielf\u00e4ltigen Lehrplan besch\u00e4ftigt. Niedersachsen macht gerade N\u00e4gel mit K\u00f6pfen. Jetzt kommt Schleswig-Holstein mit dazu. Wie haben wir uns blo\u00df all die Jahre fortgepflanzt, ohne staatliche Grundausbildung und mit nur einer peripheren Unterst\u00fctzung von Dr. Sommer, der \u201eBravo\u201c und abgegriffenen Pornoheftchen?<!--more-->Wir hatten keinen f\u00e4cher\u00fcbergreifenden Unterricht, um \u00fcber die Ausstattung eines Puffs zu diskutieren oder \u00fcber die beste Auswahl von Sexspielzeug und noch nicht mal das Internet. Deswegen laufen da drau\u00dfen vermutlich auf den Stra\u00dfen haufenweise Menschen herum, die immer noch glauben, Fortpflanzung sei was zwischen M\u00e4nnern und Frauen. Familie irgendwas mit Vater und Mutter und Verwandtschaft etwas Nat\u00fcrliches. Gut, dass man in Schleswig-Holstein nun also durchgreift, und schon Grundsch\u00fcler demn\u00e4chst ordentlich vorbereitet werden auf Leihmutterschaft, Samenspende, Polygamie und Regenbogenfamilien. Denn die scheinen der neue Normalfall zu sein in Deutschland, wenn man sich die ersten Entw\u00fcrfe durchliest, die f\u00fcr den Unterricht zur sexuellen Vielfalt in Schleswig-Holstein erstellt wurden: \u201eAb und zu gibt es auch Mama und Papa.\u201c Ja ab und zu, genau \u2013 n\u00e4mlich bei fast allen in Deutschland. Drei Viertel aller Kinder leben sogar bei Mama und Papa und fast der komplette Rest hat in der Regel Mama und Papa, auch wenn die vielleicht nicht mehr verheiratet sind. Oh ja, es gibt Mama und Papa \u201ehin und wieder\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Soll mein kleiner Kerl \u00fcberlegen, ob er wohl schwul ist?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMethodenschatz f\u00fcr Grundschulen zu Lebens- und Liebesweisen\u201c hei\u00dft das Papier f\u00fcr den Grundschulunterricht, und es sind tats\u00e4chlich echte Sch\u00e4tzchen darin enthalten. Im Diktat f\u00fcr die 3. und 4. Klasse, also f\u00fcr Kinder zwischen 8 und 10 Jahren, hei\u00dft es: \u201eMarian erkl\u00e4rt: Meine Mama Loris kommt aus D\u00e4nemark und hat dort Samenzellen von einem netten Mann bekommen. Dann bin ich in ihrem Bauch gewachsen. In Deutschland hat mich dann meine Mama Dani adoptiert.\u201c Das ist ja sch\u00f6n liebe Marian, wir wollen hoffen, dass der nette Mann gut bezahlt wurde f\u00fcr seine Samenzellen und die Leihmama Loris auch, daf\u00fcr dass du in ihrem Bauch wachsen durftest. Das ist in Deutschland zwar strafrechtlich verboten, aber mit dieser Information wollen wir Grundsch\u00fcler nicht belasten. Weiter hei\u00dft es im Diktat: \u201eDilan berichtet: Zus\u00e4tzlich zu meinen Eltern gibt es in meiner Familie noch Robin und Noa. Robin ist die Liebste meines Papas und Noa ist die beste Freundin meiner Mama.\u201c Das ist wirklich sehr modern, dass auch Grundsch\u00fclern das Konzept einer offenen Ehe erkl\u00e4rt wird und endlich werden die Geliebte von Papa und die Gespielin von Mama nicht mehr aus dem Familienalbum ausgegrenzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da f\u00e4llt mir spontan eine Geschichte aus dem Hause Kelle ein. Unser damals Vierj\u00e4hriger hatte im Kindergarten zwei Lieblingsspielkameraden: Lisa und Yannick. Eines Tages machte Lisa ihm im Wohnzimmer dann einen Heiratsantrag. Der arme Kerl wusste nicht genau, wie er aus der Nummer wieder raus kommt und sagte: \u201eFrag doch mal Yannick.\u201c Dieser hatte dann die rettende Idee: \u201eWir k\u00f6nnen ja zu dritt heiraten.\u201c Ich habe damals den Fehler begangen, Yannick zu sagen, dass das nicht geht, aber sie waren ja damals auch erst vier. Bis sie erwachsen sind, ist das sicher Unterrichtsstoff, zumindest in Schleswig-Holstein. Das Ganze gibt es anschlie\u00dfend auch noch als L\u00fcckentext, wo man dann noch mal \u00fcbend zuordnen kann, zu wem die Familie mit den drei Mamas, zwei Papas und dem Opa geh\u00f6rt und wie das hei\u00dft, wenn Papa jetzt eine Mama ist, wie bei Kay aus dem Diktat. Im Konzentrationsspiel wiederum sollen verschiedene M\u00f6glichkeiten er\u00f6rtert werden, wie man eine richtige Regenbogenfamilie wird. Also zum Beispiel so: \u201eJoy lebt bei ihrem Papa. Dieser war fr\u00fcher eine Frau, wurde zu dieser Zeit schwanger und hat das Kind bekommen.\u201c Oder auch die Geschichte von Helge, der mit Mami und Mama zusammenlebt: \u201eMami hat sowohl weibliche also auch m\u00e4nnliche Geschlechtsmerkmale und so konnte sie mit Mama ein Kind zeugen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mal davon abgesehen, dass ein Kind in der Grundschule keine Ahnung hat, was der Unterschied zwischen Geschlechtsmerkmalen und Geschlechtsorganen ist, und selbst f\u00fcr Erwachsene die Begriffe transsexuell und intersexuell nicht immer gel\u00e4ufig sind, stellt sich die Frage, wof\u00fcr genau Kinder in diesem Alter sich ohne Anlass mit diesen Themen besch\u00e4ftigen sollen? Unser drittes Kind ist gerade genau in dem Alter. Ich erlaube mir also einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, was Kinder in diesem Alter geistig verarbeiten k\u00f6nnen. Und was genau sollen solche \u00dcbungen bringen? Soll mein kleiner Kerl \u00fcberlegen, ob er wohl schwul ist, weil er seinen besten Freund echt gern hat und sie sogar im gleichen Bett am Wochenende \u00fcbernachten? Oder vielleicht der Frage nachgehen, ob Mama fr\u00fcher vielleicht ein Mann war?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wo die kleinen Kinder herkommen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem Diktat steht auch der Satz: \u201eEigentlich ist es egal, wer mit wem wie genau verwandt ist.\u201c Gerne w\u00fcrde ich diese Behauptung einmal ausdiskutieren lassen zwischen den Machern dieses Papiers und den beiden jungen M\u00e4dchen aus dem Raum Hannover, die gerade vor Gericht das Recht erstritten haben, den Namen des Samenspenders zu erfahren, der ihr Vater ist. Sie wollen n\u00e4mlich wissen, von wem sie abstammen. Eine Frage, die auch Adoptivkinder in der Regel sp\u00e4testens in der Pubert\u00e4t sehr besch\u00e4ftigt. Es ist eben nicht egal, es ist offenbar ein tiefes menschliches Bed\u00fcrfnis, zu wissen, woher und von wem man kommt. Auch dann, wenn man Adoptiveltern hat, die man sehr liebt. Denn der nette Mann mit den Samenzellen ist der eigene Vater.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Kinder Fragen stellen in diesem Alter, dann wollen sie eine Antwort und dann sollen sie eine kriegen. Wenn es ein Regenbogenkind in der Klasse gibt, dann ist es gut, wenn die Klasse mal dar\u00fcber redet. Daf\u00fcr braucht es aber keinen neuen Lehrplan, das schaffen Lehrerinnen auch so, ganz im Rahmen ihrer aktuellen Bildungspl\u00e4ne. Obwohl wir vier Kinder auf drei Schulen mit unz\u00e4hligen Sportvereinen und mit gro\u00dfem Freundeskreis haben, ist meinen Kindern so eine Familie bislang noch nicht begegnet. Deswegen kam das Thema noch nicht auf. Sie kamen noch nicht in die Verlegenheit, jemanden zu diskriminieren, weil sie so jemanden noch nicht kennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser 9-J\u00e4hriger liest gerade ganz angestrengt in dem Buch \u201eWo die kleinen Kinder herkommen\u201c. Er will aber trotz beil\u00e4ufiger Nachfrage dar\u00fcber nicht sprechen, er denkt noch dr\u00fcber nach. Aber vor zwei Jahren, also mit sieben, wollte er wissen, was \u201eschwul\u201c ist. Er hatte das Wort aufgeschnappt und hat einfach nachgefragt. Zu Hause. Ich habe es ihm erkl\u00e4rt, mit Worten, von denen ich als Mutter denke, dass er sie versteht. Weil ich ihn kenne. Dass es M\u00e4nner gibt, die nicht nur andere M\u00e4nner lieben \u2013 das tut er auch, er hat einen Vater und Br\u00fcder und Freunde \u2013, sondern so sehr lieben, dass sie den anderen Mann auch heiraten wollen. Da hat er den Unterschied verstanden. Es lie\u00df ihn staunend mit offenem Mund zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mehr wollte er auch nicht wissen. Weder \u00fcber Sexualit\u00e4t noch \u00fcber rechtliche M\u00f6glichkeiten zur Adoption von Kindern in homosexuellen Partnerschaften. Er war n\u00e4mlich erst sieben und er musste erst mal dar\u00fcber nachdenken, wie er das findet.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.theeuropean.de\/\">www.theeuropean.de<br \/>\n<\/a>30.1.15<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie haben wir eigentlich jemals Familien gegr\u00fcndet, ohne staatliche Grundausbildung in der Schule? Und seit wann ist es egal, \u201ewer mit wem wie genau verwandt ist\u201c? Es muss wohl sexueller Notstand ausgebrochen sein in unserem Land, anders ist es nicht zu erkl\u00e4ren, warum gerade ein Bundesland nach dem anderen sich aufmacht, den Sexualkundeunterricht zu revolutionieren. 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