{"id":11738,"date":"2014-12-18T09:29:53","date_gmt":"2014-12-18T08:29:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11738"},"modified":"2014-12-18T09:29:53","modified_gmt":"2014-12-18T08:29:53","slug":"entmythologisierung-fuer-evangelikale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11738","title":{"rendered":"Entmythologisierung f\u00fcr Evangelikale"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Haben Adam und Eva wirklich nicht gelebt? &#8211; Anmerkungen zu einem Text von Siegfried Zimmer<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>von Reinhard Junker<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ersten Kapitel der Bibel wollen nicht \u00fcber die zeitlichen Anf\u00e4nge der Menschheit berichten, sondern den tiefsten Grund des menschlichen Daseins erkl\u00e4ren. Adam und Eva seien entsprechend nicht als bestimmte Personen zu verstehen. Der Theologieprofessor Siegfried Zimmer (ehemals PH Ludwigsburg) begr\u00fcndet diese Auffassung damit, dass es in der Antike kaum ein historisches Interesse gegeben habe, weiterhin dass die biblischen Begriffe f\u00fcr \u201eAnfang\u201c nicht zeitlich, sondern im Sinne von \u201egrunds\u00e4tzlich\u201c gemeint seien, und schlie\u00dflich mit verschiedenen Beobachtungen an den Texten von Genesis 1-5. Au\u00dferdem w\u00fcrde ein historisches Verst\u00e4ndnis von Genesis 2 und 3 zahlreiche Unstimmigkeiten beinhalten und sei daher auszuschlie\u00dfen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Demgegen\u00fcber wird in diesem Artikel zun\u00e4chst darauf hingewiesen, dass es in der Antike sehr wohl ein Interesse an der Historie gab, erst recht bei den Verfassern der alttestamentlichen B\u00fccher. Im Weiteren wird anhand zahlreicher Beispiele gezeigt, dass in den Texten, in denen es um den \u201eAnfang\u201c geht, der zeitliche Aspekt wichtig ist und dass die f\u00fcr einen \u201eAnfang\u201c verwendeten Begriffe in den biblischen Sprachen ausdr\u00fccklich und in erster Linie den zeitlichen Aspekt beinhalten. Das Wort \u201eAdam\u201c wird im Alten Testament zwar mehrheitlich im Sinne von \u201eMenschheit\u201c gebraucht, kann aber in 1. Mose 1-5 an mehreren Stellen nur im individuellen Sinne verstanden werden, und in diesem Sinne wird \u201eAdam\u201c auch an prominenten Stellen des Neuen Testaments als erster Mensch verstanden. Schlie\u00dflich wird gezeigt, dass der Verlust der biblischen Aussagen \u00fcber einen zeitlichen Beginn und \u00fcber historische Ver\u00e4nderungen zu einem Verlust des Verst\u00e4ndnisses des Menschen als Gesch\u00f6pf und erl\u00f6sungsbed\u00fcrftigen S\u00fcnder f\u00fchren. Es geht also nicht darum, die biblischen Texte \u00fcber die Anf\u00e4nge auf historische Aspekte einzuschr\u00e4nken. Vielmehr werden viele wichtige Aspekte der Gegenwart und des Soseins des Menschen erst von der Geschichte her verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage nach der Historizit\u00e4t des ersten Menschenpaares ist f\u00fcr den christlichen Glauben von au\u00dferordentlicher Wichtigkeit. Zu dieser Frage gibt es ein entsprechend umfangreiches Schrifttum.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Der pensionierte Theologieprofessor (PH Ludwigsburg) Siegfried Zimmer hat sich in Vortr\u00e4gen und Internetbeitr\u00e4gen in j\u00fcngerer Zeit dazu ge\u00e4u\u00dfert. Von ihm stammt auch das Buch \u201eSchadet die Bibelwissenschaft dem Glauben?\u201c Darin argumentiert er, dass Jesus Christus \u00fcber der Heiligen Schrift stehe und dass auf der Basis der Aussagen Jesu Teile der Bibel kritisiert werden m\u00fcssten.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zimmers Gedanken zu Fragen der biblischen Urgeschichte haben den Tenor: Die ersten Kapitel der Bibel beanspruchen nicht, \u00fcber tats\u00e4chliche Geschehnisse zu berichten. In seinem Internetbeitrag \u201eGott hat den Menschen sterblich erschaffen\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> werden dazu Argumente genannt, die zu einem gro\u00dfen Teil in meinem Artikel \u201eTheistische Evolution nach Denis Alexander und nach BioLogos\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> behandelt werden, auch wenn es darin nicht um Zimmer Artikel geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier soll Zimmers Internetartikel \u201eHaben Adam und Eva wirklich gelebt?\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> analysiert werden. Zimmer stellt darin \u201edie wichtigsten Gr\u00fcnde vor, die in der wissenschaftlichen Exegese seit langem dazu gef\u00fchrt haben, Adam und Eva <em>nicht <\/em>als geschichtliche Personen zu verstehen\u201c (1). Er erhebt also nicht den Anspruch, hier Origin\u00e4res zu schreiben, sondern er rezipiert und wiederholt Positionen des gegenw\u00e4rtigen universit\u00e4r-theologischen Mainstreams.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine wichtige Weichenstellung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zimmer macht zun\u00e4chst einen Exkurs \u00fcber das Geschichtsverst\u00e4ndnis in fr\u00fcheren Jahrhunderten. Dies sei ein \u201ewichtiger Gesichtspunkt\u201c, schreibt er dazu; die weiteren Ausf\u00fchrungen h\u00e4ngen tats\u00e4chlich wesentlich vom Ergebnis dieses Exkurses ab. Er behauptet: Erst im 18. und 19. Jahrhundert sei in Europa das \u201ehistorische Denken\u201c entstanden, da erst zu dieser Zeit deutlich wurde, \u201ewie umfassend das Leben und Denken des Menschen einem <em>geschichtlichen Wandel <\/em>unterliegt\u201c (2). Erst durch die in dieser Zeit erfolgte Beschleunigung der gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen sei ein geschichtlicher Wandel \u00fcberhaupt in den Blick gekommen. Vorher erschien die Welt weitgehend statisch und unver\u00e4nderlich. Neben dem Ausma\u00df der Ver\u00e4nderungen wurde auch die Unumkehrbarkeit der Geschichte erkannt; \u201edas Rad der Geschichte lie\u00df sich nicht mehr zur\u00fcckdrehen\u201c (3). \u201eDas f\u00fchrte dazu, dass zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart ein historischer Abstand (\u201aGraben\u2018) entstand, den es bisher so nicht gegeben hatte\u201c (3). Ein Geschichtsverst\u00e4ndnis dieser Art sei in der Antike unbekannt gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es habe fr\u00fcher keine <em>\u201ewissenschaftliche\u201c <\/em>R\u00fcckfrage nach der Entstehung gegeben, vielmehr h\u00e4tten Mythen, \u00c4tiologien, M\u00e4rchen, Sagen, Legenden und Fabeln im Vordergrund des Erz\u00e4hlens gestanden, die \u201eerz\u00e4hlen, als ob die Welt immer die gleiche bleibt\u201c (3). Daher habe es auch keine historische Forschung wie z. B. Arch\u00e4ologie gegeben. Das moderne Verst\u00e4ndnis der \u201eWirkungsgeschichte\u201c historischer Ereignisse bewerte solche Ereignisse <em>von der Zukunft her<\/em>. \u201eEin Geschichtsverst\u00e4ndnis dieser Art war in der Antike unbekannt\u201c (3). In der antiken Welt habe man anders nach dem Anfang gefragt als man es heute tue; Anfang bedeute mehr als den zeitlichen Beginn einer Sache, vielmehr gehe es um den \u201etiefsten Grund\u201c (4). Den Anfang im zeitlichen Sinne habe es nur in Fragen des Alltags gegeben. Was Zimmer genau vertritt, bleibt allerdings unklar, denn er schreibt, \u201eAnfang\u201c bedeute \u201e<em>mehr<\/em> als den zeitlichen Beginn\u201c; dann aber bedeutet es logischerweise, dass es <em>auch<\/em> den zeitlichen Beginn meint. Damit aber widerspricht er seiner eigenen These.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Kritik<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst f\u00e4llt auf, dass Zimmer keinerlei Belege f\u00fcr diese doch sehr weitreichenden Thesen gibt. Woher Zimmer das alles \u201ewei\u00df\u201c, erf\u00e4hrt der Leser nicht. Tats\u00e4chlich sind seine Thesen sehr fragw\u00fcrdig, teilweise unhaltbar:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Bereits Otto von Freising (um 1112-1158), einer der bedeutendsten Geschichtsschreiber des Mittelalters, hat die \u201emutatio\u201c, die dauernde Ver\u00e4nderlichkeit in der Geschichte, zum zentralen Begriff seiner Weltgeschichte gemacht.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/li>\n<li>Der starke geschichtliche Wandel aller Dinge war zu allen Zeiten bewusst und dementsprechend oft Thema zahlloser Klagen und Schriften. Dass dies erst mit dem 18. und 19. Jahrhundert durch die als stark empfundenen Ver\u00e4nderungen geschehen sein soll, trifft nicht zu. Schon in der Zeit der Renaissance empfanden die Menschen ihre Zeit als im epochalen Wandel begriffen, kaum weniger als<br \/>\nim 18. und 19. Jahrhundert.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/li>\n<li>Das Geschichtsdenken der Griechen war zwar eher zyklisch und nicht linear, aber das gilt ganz sicher nicht f\u00fcr das Zeitverst\u00e4ndnis Israels. Wenn Zimmer also von \u201eAntike\u201c spricht, wirft er sehr verschiedene Kulturen und Sichtweisen stark vereinfachend in einen Topf. Mit Heraklit (\u201ealles flie\u00dft\u201c) und Parmenides (nur das konstante Sein) gab es in der Antike entgegengesetzte Geschichts- metaphysiken.<br \/>\n\u2022 Die Kategorie der \u201eUnumkehrbarkeit\u201c, die Zimmer einf\u00fchrt, ist ebenfalls fragw\u00fcrdig. Inzwischen wissen wir von einer ganzen Reihe von Erfindungen in der Antike, die wieder in Vergessenheit geraten sind.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/li>\n<li>Die Behauptung Zimmers, die Antike habe ein Geschichtsverst\u00e4ndnis nicht gekannt, wonach Ereignisse <em>von der Zukunft her<\/em><a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> bewertet w\u00fcrden, ist falsch. Dagegen sprechen bereits viele biblische Texte (z. B. vom Turmbau zu Babel), aber auch andere antike Texte hatten bereits ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr \u201ehistorische Ereignisse\u201c: Thukydides, Ptolemaios, Josephus oder Tacitus waren sich durchaus der epochemachenden Qualit\u00e4t der Ereignisse ihrer Zeit bewusst. Auch die christlichen Historiker der Antike bewerteten die Ereignisse von der Zukunft her.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/li>\n<li>Bereits Herodot bem\u00fchte sich um Unterscheidung von Legenden und historisch Tats\u00e4chlichem. Sp\u00e4testens jedoch mit der christlichen Geschichtsschreibung im 3.\/4. Jh. wird nirgends mehr erz\u00e4hlt \u201eals ob die Welt immer die gleiche bleibt\u201c.<\/li>\n<li>Gegen Zimmers Behauptung spricht auch, dass schon Kirchenlehrer wie Origenes dar\u00fcber diskutiert haben, ob die Geschehnisse historisch oder anders zu verstehen seien. Vermutlich hat sich seit Augustinus ein \u201emodernes\u201c Geschichtsverst\u00e4ndnis etabliert.<\/li>\n<li>Dass es in der Antike keine Arch\u00e4ologie gab, stimmt auch nicht ganz. Gemeinhin gilt Helena, die Mutter Konstantins, als Gr\u00fcnderin der christlichen Arch\u00e4ologie, da sie nach der Hinrichtungsst\u00e4tte und dem Grab Jesu suchen lie\u00df, freilich nicht mit dem rein wissenschaftlichen Interesse heutiger Arch\u00e4ologie. Aber immerhin gilt ein Forscher der Renaissance, Cyriacus von Ancona (um 1420) als einer der Gr\u00fcndungsv\u00e4ter der modernen klassischen Arch\u00e4ologie.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst wenn Zimmer Recht damit h\u00e4tte, dass die Antike Geschichte als unbedeutend ansah, w\u00fcrden die Verfasser der Texte des Alten und Neuen Testaments gerade dieser Sicht klar und ausdr\u00fccklich widersprechen. Denn die biblischen Autoren betonen gerade das Gegenteil dessen, was Zimmer behauptet, n\u00e4mlich dass es gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen mit nachhaltiger Wirkung gab und diese zum Verst\u00e4ndnis der Gegenwart wesentlich sind.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Man denke z.B. an 2. Petr. 3,4-6: Sp\u00f6tter behaupten; \u201eSeit die V\u00e4ter entschlafen sind, ist alles geblieben, wie es seit Anfang der Sch\u00f6pfung war.\u201c Petrus entgegnet: \u201eWer das behauptet, \u00fcbersieht, dass es einst einen Himmel gab und eine Erde, die durch das Wort Gottes aus Wasser entstand und durch das Wasser Bestand hatte. Durch beides ging die damalige Welt zugrunde, als sie vom Wasser \u00fcberflutet wurde.\u201c Und es wird auch in der Zukunft einen gewaltigen Umbruch geben (V. 7). Jesus verweist in der sogenannten Endzeitrede auf Verh\u00e4ltnisse zu der Zeit vor der Sintflut und vergleicht sie mit der Zeit seiner Wiederkunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus schreibt in R\u00f6m 8,20, dass die Sch\u00f6pfung der Nichtigkeit <em>unterworfen wurde<\/em>. Die in diesem Vers verwendete Zeitform des Aorist dr\u00fcckt genau das aus, was Zimmer verneint: Ein besonderes Ereignis in der Vergangenheit. Der Aorist setzt einen diesem Ereignis vorausgehenden Zustand voraus, in welchem die Sch\u00f6pfung nicht unter diesem Verh\u00e4ngnis stand.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> In R\u00f6m 5,12ff. f\u00fchrt Paulus aus: \u201eDurch einen einzigen Menschen kam die S\u00fcnde in die Welt und durch die S\u00fcnde der Tod und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle s\u00fcndigten.\u201c Die Geschichte erkl\u00e4rt, warum der Menschheit so ist, wie er ist: eines Retters aus S\u00fcnde und Tod bed\u00fcrftig. Auch das Wort Jesu in Mt 19,8 kann hier genannt werden: Auch er konstatiert einen ausdr\u00fccklichen Unterschied zwischen dem Anfang und einer sp\u00e4teren Zeit.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Petrus schlie\u00dflich vergleicht im 2. Petrusbrief Mythen mit tats\u00e4chlichen, beobachtbaren Ereignissen (2. Petr. 1,16).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nach der falsch gestellten Weiche geht es in die falsche Richtung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zimmers Sicht von der antiken Denkweise und vom antiken Geschichtsverst\u00e4ndnis wird im Folgenden zum (falschen) Verst\u00e4ndnisschl\u00fcssel f\u00fcr die Lekt\u00fcre biblischer Texte und f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis biblischer Begriffe. Zimmer meint, der im Neuen Testament f\u00fcr \u201eAnfang\u201c gebrauchte griechische Begriff <em>arch\u00e9<\/em> sei nicht zeitlich gemeint, ebensowenig der hebr\u00e4ische Begriff <em>reschit<\/em>, der in Gen 1,1 verwendet wird: \u201eAm Anfang \u2013 <em>bereschit<\/em> \u2013 schuf Gott Himmel und Erde.\u201c Dieser Begriff ist von <em>rosch<\/em> (Haupt) abgeleitet und <em>bereschit<\/em> meine daher \u201egrunds\u00e4tzlich\u201c und nicht einen zeitlichen Beginn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders klar seien die Begrifflichkeiten in der lateinischen Sprache, in der f\u00fcr den zeitlichen Beginn einer Sache das Wort <em>initium<\/em> und f\u00fcr den tiefsten sachlichen Grund <em>principium<\/em> verwendet werde. Es sei aufschlussreich, dass in der lateinischen \u00dcbersetzung des ersten Satzes der Bibel <em>principium<\/em> verwendet werde. \u00dcber den Anfang im zeitlichen Sinne mache daher die Bibel gar keine Aussage, diesen k\u00f6nne man nicht datieren; vielmehr gehe es um \u201equalitative und existentielle Fragen wie \u201eWorauf ist alles Leben <em>gegr\u00fcndet<\/em>? Von welchen <em>Grundlagen<\/em> leben wir? Welche Kr\u00e4fte pr\u00e4gen das Leben <em>von Grund auf <\/em>und darum zu jeder Zeit?\u201c (4).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch auch hier liegt Zimmer falsch \u2013 aus mehreren Gr\u00fcnden:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong> Der griechische Begriff <em>arch\u00e9<\/em> meint \u2013 entgegen Zimmer \u2013 vor allem einen zeitlichen Anfang.<\/strong> So stellt das Theologische W\u00f6rterbuch zum Neuen Testament fest: In der Septuaginta bezeichnet <em>arch\u00e9<\/em> \u201ein der Mehrzahl der F\u00e4lle\u201c den \u201e(zeitlichen) <em>Anfang<\/em> (auch in den im NT gel\u00e4ufigen pr\u00e4positionalen Ausdr\u00fccken), stereotyp gelegentlich die Urzeit; ziemlich selten wird es r\u00e4umlich gebraucht\u201c. Im NT kommt der Begriff am h\u00e4ufigsten in den Formeln <em>ap<\/em> und <em>ex arch\u00e9s<\/em> vor und gibt den <em>ersten Zeitpunkt<\/em>an, \u201esei es den der Sch\u00f6pfung (\u2026) oder des ersten Auftretens Jesu (\u2026) oder den Anfang des Christseins und -werdens (\u2026) usw.\u201c Es ist also v\u00f6llig klar, dass <em>arch\u00e9<\/em> einen zeitlichen Beginn meint. In vielen F\u00e4llen macht eine andere \u00dcbersetzung auch gar keinen Sinn.<\/li>\n<\/ol>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"2\">\n<li><strong> In Matth\u00e4us 19,4 wird in der lateinischen \u00dcbersetzung das Wort <em>initium<\/em> gebraucht:<\/strong> \u201eHabt ihr nicht gelesen, dass der Sch\u00f6pfer die Menschen <em>von Anfang an<\/em> [ab initio] als Mann und Frau geschaffen hat \u2026?\u201c Damit wird nach Zimmers eigenen Ausf\u00fchrungen ausdr\u00fccklich ein Anfang im zeitlichen Sinne best\u00e4tigt. Aber auch das Wort <em>principium<\/em> wird h\u00e4ufig im zeitlichen Sinne oder im Sinne eines Beginns (etwa einer Strecke verwendet); die Verwendung dieses Wortes bedeutet f\u00fcr sich alleine nicht, dass kein zeitlicher Aspekt gemeint sei.<strong><br \/>\n<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"3\">\n<li><strong> Es ist eine absolute Minderheitenposition, dass <em>bereschit<\/em> in Gen 1,1 keine zeitliche Bedeutung habe. <\/strong>Die Exegeten diskutieren zwar, ob es sich um einen absoluten Anfang handelt oder nicht. Aber auch die Gegner eines absoluten Anfangs gehen i.d.R. von einer zeitlichen Bedeutung aus. Als Beispiel sei der Kommentar von H. Seebass zitiert: \u201eDamit bezeichnet \u201aam Anfang\u2018 den Beginn, hinter den wir nicht zur\u00fcck k\u00f6nnen, w\u00e4hrend die Frage nach philosophisch absolutem oder relativem Beginn kaum alttestamentlichen Vorstellungen entspricht &#8230;\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> In den hebr\u00e4ischen W\u00f6rterb\u00fcchern ist in der Regel die erste Bedeutung \u201eAnfang, Beginn\u201c (so im neuen Gesenius-Donner, 18. Aufl.). Weitere Bedeutungen sind: \u201eerstes Erzeugnis, Erstling, Erstertrag\u201c. Die Behauptung, <em>reschit<\/em> bzw. <em>bereschit<\/em> beinhalte keine Aussage \u00fcber den zeitlichen Beginn, ist nicht aufrechtzuerhalten.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist zwar richtig, dass das griechische <em>arch\u00e9<\/em> und das hebr\u00e4ische <em>reschit<\/em> auch im nicht-zeitlichen Sinne verwendet werden, sondern im Sinne von \u201eGrundlage\u201c; Zimmer erw\u00e4hnt als Beispiel Spr\u00fcche 1,7 (\u201eDie Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit\u201c) und \u00e4hnliche Stellen, oder Jer 49,35 (\u201eAnfang der Macht\u201c), Micha 1,13 (\u201eAnfang der S\u00fcnde\u201c) und Hiob 40,19 (das Behemot als \u201eAnfang der Werke Gottes\u201c). Hier ist aber durch den Kontext klar, dass es nicht um den zeitlichen Aspekt geht, w\u00e4hrend in anderen F\u00e4llen der Kontext die zeitliche Bedeutung nahe legt. Es ist immer zuerst der Kontext zu befragen, welcher Bedeutungsinhalt eines Begriffes unter mehreren zutreffend ist. Spr 1,7 ist ein Lehrtext und als solcher nicht vergleichbar mit einem Text \u00fcber Historie. Die Erw\u00e4hnung dieser Stellen als Belege daf\u00fcr, dass <em>reschit<\/em> nicht zeitlich gemeint sei, ist irref\u00fchrend und sie entkr\u00e4ftet zudem nicht die oben unter 1.-3. genannten Argumente.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zimmers Meinung, die biblische Rede vom Anfang der Welt und der Menschen meine keinen zeitlichen Anfang im historischen Sinn (7), steht dar\u00fcber hinaus im Widerspruch zu anderen biblischen Aussagen \u00fcber die Anf\u00e4nge, \u00fcber die er sich nicht \u00e4u\u00dfert: \u201eDenn in 6 Tagen hat Gott Himmel und Erde gemacht &#8230;\u201c (2. Mose 20,11; zeitliche Aussage). \u201eSo wurden Himmel und Erde vollendet und ihr ganzes Gef\u00fcge\u201c (1. Mose 2,1; anf\u00e4ngliche Sch\u00f6pfung ist abgeschlossen). \u201e\u2026 waren die Werke seit der Erschaffung der Welt vollendet\u201c (Hebr. 4,3; anf\u00e4ngliche Sch\u00f6pfung ist abgeschlossen). \u201eEr hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen \u2026\u201c (Apg 17,26; was einen Anfang einschlie\u00dft).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Schlussfolgerung<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zimmer liest sein Verst\u00e4ndnis \u00fcber das angeblich mangelnde Interesse an geschichtlichen Ver\u00e4nderungen in der Antike in die biblischen Texte und Begriffe hinein. Die Texte und Begriffe weisen jedoch deutlich in eine andere Richtung. Die Fahrt auf dem falschen Gleis f\u00fchrt an einen falschen Ort. Zimmers Mahnung \u201eWir d\u00fcrfen nicht einfach unsere heutigen Sprach- und Denkgewohnheiten in die biblischen Texte hineinprojizieren\u201c (7) betrifft ihn selber; er liest sein unhaltbares Verst\u00e4ndnis \u00fcber das Interesse der Antike an Geschichte in die biblischen Texte und Begriffe hinein, entgegen den jeweiligen Kontexten. Gerade die zeitlichen Anf\u00e4nge legen den tieferen Grund f\u00fcr sp\u00e4tere Entwicklungen. Wenn Zimmer behauptet, die antiken Texte erz\u00e4hlen \u201evom tiefsten Grund der Welt und des menschlichen Lebens\u201c, dann ist das ohne einen zeitlichen Anfang gar nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zur Bedeutung von \u201eAdam\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im weiteren Text befasst sich Zimmer mit der Frage, ob \u201eAdam\u201c in den ersten Kapiteln der Bibel als bestimmte Person verstanden wird und verneint dies. Adam stehe f\u00fcr \u201eMenschheit\u201c schlechthin. Diese Sicht passt nat\u00fcrlich zu Zimmers Auffassung, die biblischen Autoren wollten keine nachhaltig wirksamen Geschehnisse der Fr\u00fchzeit schildern, sondern Dinge zum Ausdruck bringen, die immer in der Welt gelten, also so \u201eals ob die Welt immer die gleiche bleibt\u201c (3).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Auffassung, Adam meine nie eine bestimmte Person, also niemals den ersten Menschen, begr\u00fcndet Zimmer vor allem damit, dass Adam im Alten Testament fast immer mit Artikel stehe, womit ausgeschlossen sei, dass ein Eigenname gemeint ist. \u201eDer Ausdruck \u201aha adam\u2018 bezieht sich nicht auf das Besondere und Unverwechselbare eines Individuums, sondern auf das typisch Menschliche, das allen Menschen \u2026 gemeinsam ist\u201c (8). Nur wenn <em>kein<\/em> Artikel bei einem Namen stehe, k\u00f6nne ein Eigenname und mithin eine bestimmte Person gemeint sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wort \u201eadam\u201c komme au\u00dferdem in der gro\u00dfen Mehrzahl au\u00dferhalb der ersten drei Kapitel der Bibel vor; ein <em>spezielles <\/em>Wort \u201eadam\u201c, das als <em>Name <\/em>f\u00fcr einen bestimmten Menschen reserviert ist, gebe es im Hebr\u00e4ischen nicht. Und auch wenn \u201eadam\u201c ohne Artikel gebraucht werde, gehe aus dem Zusammenhang hervor, dass die Menschheit als Ganze gemeint sei, so im Sch\u00f6pfungsbericht, wo es hei\u00dft, dass <em>sie<\/em> (Plural) herrschen sollen, und dass <em>sie<\/em> m\u00e4nnlich und weiblich geschaffen seien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Stellungnahme<\/em><\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Es ist richtig, dass \u201eha\u2019adam\u201c in der Regel mit \u201eMenschheit\u201c \u00fcbersetzt werden muss. Das ergibt sich aus den jeweiligen Kontexten, die \u2013 wie erw\u00e4hnt \u2013 als erstes zu beachten sind, wenn gekl\u00e4rt werden muss, welcher von den m\u00f6glichen Bedeutungsinhalten zutrifft. Ebenso klar ist aber, dass der Kontext in 1. Mose 4,1 f\u00fcr \u201eha\u2019adam\u201c (also mit Artikel; in der Parallelstelle 4,25 steht kein Artikel) nur die Bedeutung von Adam als einzelne Person zul\u00e4sst: \u201eUnd Adam erkannte seine Frau und sie wurde schwanger.\u201c Die H\u00e4ufigkeit einer bestimmten Bedeutung ist kein zwingendes Argument f\u00fcr die Bedeutung im Einzelfall. Die Verwendung des Artikels verbietet das Verst\u00e4ndnis, dass es sich um eine Einzelperson handelt, angesichts 1. Mose 4,1 offenbar nicht grunds\u00e4tzlich. Hier k\u00f6nnen \u201eAdam\u201c und \u201eseine Frau\u201c (4,1) nur individuell verstanden werden. Aus dem Kontext geht auch hervor, dass in 1. Mose 2,20ff. Adam und Eva als Personen gemeint sein m\u00fcssen.<\/li>\n<li>Im Sch\u00f6pfungsbericht wird auch gesagt, dass die Menschen sich <em>vermehren<\/em> sollen, was mindestens auf einen kleinen Anfang hinweist und eine Dynamik beinhaltet. Zweifellos geht in 1. Mose 1 der Blick \u00fcber die ersten Menschen hinaus, da vom Vermehrungs- und Sch\u00f6pfungsauftrag die Rede ist.<\/li>\n<li>Bei den Geschlechtsregistern (1. Mose 5,1ff.; 1. Chron 1,1ff.) kann \u201eAdam\u201c nur als Einzelperson gemeint sein, denn nur eine einzelne Person kann Nachkommen zeugen und dabei ein bestimmtes Alter haben (1. Mose 5,3) und insgesamt ein bestimmtes Alter erreichen (1. Mose 5,5). Eine andere Bedeutung w\u00fcrde zu einer unsinnigen Aussage f\u00fchren. Ebenso w\u00e4re die Aussage in 1. Mose 3,20, dass Eva die Mutter aller Lebenden ist, unsinnig, wenn \u201eEva\u201c die Menschheit allgemein meinen w\u00fcrde. (Siehe dazu auch den folgenden Abschnitt \u201eDie Generationen nach Adam\u201c.)<\/li>\n<li>Dass Begriffe mit verschiedenen Bedeutungen gebraucht werden (Polysemie), ist in der Bibel nicht ungew\u00f6hnlich und kommt h\u00e4ufig vor<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a>; aber nicht nur in der Bibel, sondern auch bei uns heute, wo z.B. viele Nachnamen zugleich St\u00e4dtenamen sind. Wie immer ist zuerst der Kontext zu befragen, was in den meisten F\u00e4llen eine Kl\u00e4rung erm\u00f6glicht.<\/li>\n<li>Zimmer \u00fcbergeht, dass in Gen 2,20; 3,17.21 Adam mit dem Dativzeichen ebenfalls ohne Artikel steht (\u201ele\u2019adam\u201c). Die Dativform gibt es auch mit Artikel (\u201ela\u2019adam\u201c; z. B. Ex 4,11; Spr 27,19; Hi 28,28; Pred 1,3; 2,18.22; 6,12-13; 8,15; Jer 10,23; Zef 1,17).<\/li>\n<li>Besonders bedeutsam ist aber vor allem, dass Adam im Neuen Testament eindeutig als Person verstanden wird, dazu noch mit zentraler Bedeutung. Paulus stellt in R\u00f6m 5,12ff. den ersten Menschen Adam Jesus Christus gegen\u00fcber (ebenso in 1. Kor 15,20ff.); es ist klar, dass dies nur Sinn macht, wenn Adam wie Jesus eine bestimmte Person ist. Andernfalls bliebe v\u00f6llig unklar, wie es dazu kam, dass der Mensch S\u00fcnder ist und Jesus Christus als Retter braucht. Aus Zimmers Sichtweise folgt, dass der Mensch schon immer S\u00fcnder gewesen w\u00e4re \u2013 also schon von der Sch\u00f6pfung her? Auf diese zentral wichtige Frage, die auch das Verst\u00e4ndnis der Person Jesu Christi ganz grundlegend betrifft, geht Zimmer nicht ein, genauso wenig wie zuvor auf die Frage, woher die Sch\u00f6pfung \u00fcberhaupt kommt, wenn die Bibel nichts zu ihrem Anfang sagt. <em>In Zimmers Konzeption bleiben also Grundfragen des Menschseins unbeantwortet. <\/em>Genau das aber wollen die biblischen Autoren in ihren Schilderungen \u00fcber die Anf\u00e4nge erkl\u00e4ren; und entsprechend wird im NT Bezug darauf genommen.<\/li>\n<li>Auch Jesus best\u00e4tigt die Erschaffung eines ersten Menschenpaares (Mt 19,3ff.); es w\u00fcrde erneut zu einer unsinnigen Aussage f\u00fchren, wenn dort von \u201eMenschheit\u201c allgemein die Rede w\u00e4re. Ebenso best\u00e4tigt Paulus in seiner Areopagrede (Apg 17,26) ausdr\u00fccklich die Erschaffung des ersten Menschen und die Herkunft aller Menschen aus ihm.<\/li>\n<li>Au\u00dferdem wird Adam als erster Mensch auch in Luk 3,38 und 1. Tim 2,13f. erw\u00e4hnt. An beiden Stellen ist ein kollektives Verst\u00e4ndnis unm\u00f6glich.<\/li>\n<li>Sp\u00e4ter (S. 19) schreibt Zimmer: \u201eDann w\u00e4ren alle \u201asp\u00e4teren\u2018 Menschen nicht mehr in der gleichen (direkten) Weise von Gott aus Erde erschaffen, sondern (im Unterschied zu Adam) von irdischen Eltern gezeugt und geboren. Diesen Unterschied zwischen \u201aAdam\u2018 und den anderen Menschen macht das AT aber an keiner Stelle.\u201c Das Neue Testament macht diesen Unterschied jedoch ausdr\u00fccklich: Adam stammt von Gott (Luk 3,38); Paulus erkl\u00e4rt den Athenern, dass die gesamte Menschheit von einem einzigen Menschen abstammt (Apg 17, 26) und stellt in R\u00f6m 5,13 fest, dass die Menschen nach Adam nicht mit gleicher S\u00fcnde wie Adam ges\u00fcndigt haben.<\/li>\n<li>Zimmer r\u00e4umt ein, dass in 1. Mose 2 die ersten Menschen als handelnde Personen beschrieben werden (S. 11), wundert sich aber, warum der Erz\u00e4hler \u201ekeinen <em>eindeutigeren <\/em>Begriff f\u00fcr eine Einzelperson\u201c verwendet. Das ist aber leicht zu beantworten: Weil es im Kontext v\u00f6llig klar ist, wie es gemeint ist. Zimmer meint dagegen, es sei im Orient \u00fcblich gewesen, so zu erz\u00e4hlen wie in 1. Mose 2, obwohl keine bestimmten Personen gemeint seien. Au\u00dferdem w\u00fcrden unsinnige und unl\u00f6sbare Probleme entstehen, wenn man in 1. Mose 2 Adam und Eva als Einzelpersonen verstehen w\u00fcrde (s. u.; doch das trifft gar nicht zu, wie noch gezeigt werden soll). Hier verwendet Zimmer einen sachfremden Auslegungsschl\u00fcssel.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Argumente sollen nicht im Einzelnen besprochen werden. Es zeigt sich in vielen F\u00e4llen, dass die Beachtung des Kontextes ausreichend Kl\u00e4rung bringt, ob \u201eAdam\u201c im Sinne von \u201eMenschheit\u201c oder als Einzelperson gemeint ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Generationen nach Adam<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zimmer stellt fest, dass in den Genealogien in 1. Mose 5 \u201eadam\u201c vier Mal ohne Artikel vorkommt und dabei zwei Mal als Eigenname verwendet wird.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Damit best\u00e4tigt er selber, dass \u201eAdam\u201c eine bestimmte Person meinen kann. (Korrekt ist allerdings, dass \u201eadam\u201c in 1. Mose 5,1-5 sechs Mal vorkommt, immer ohne Artikel, und viermal davon nur im Sinne eines Eigennamens gemeint sein kann.) Genealogien h\u00e4tten wichtige theologische Funktionen, so Zimmer, sie machten deutlich, dass der Mensch \u201ein hohem Ma\u00df bestimmt [werde] durch seine Vorfahren, durch Vergangenheit und Tradition\u201c (12). Das scheint im Widerspruch zu seiner eigenen eingangs entfalteten These zu stehen, dass einer Auswirkung historischer Ereignisse f\u00fcr die Gegenwart in der Antike wenig Bedeutung zugemessen worden sei (vgl. \u201eerz\u00e4hlen, als ob die Welt immer die gleiche bleibt\u201c ).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn also Genealogien zwar eine wichtige Funktion h\u00e4tten, sei eine historische Auswertung der Genealogien in 1. Mose 5 dennoch unm\u00f6glich, weil die Alter der Patriarchen enorm hoch (und dazu unterschiedlich \u00fcberliefert) seien, weiter weil h\u00e4ufig markante Zahlen wie 7, 10 oder 365 vork\u00e4men (was kein Zufall sein k\u00f6nne und auf eine symbolische Bedeutung hinweise) und weil Noah mit einem Zeugungsalter von 500 Jahren aus dem Rahmen falle (was ebenfalls daf\u00fcr spreche, dass diese Zahl eine symbolische Bedeutung habe). Doch selbst wenn in diesen Texten die angegebenen Zahlen teilweise symbolische Bedeutungen haben sollten<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a>, folgt daraus nicht, dass die Genealogien <em>an sich<\/em> insgesamt nicht historisch zu lesen seien; man k\u00f6nnte nur schlie\u00dfen, dass eine zahlengenaue Chronologie nicht abgeleitet werden kann. Die Genealogien in 1. Mose 5 werden auch am Anfang des 1. Chronikbuches und im Matth\u00e4us- und Lukasevangelium aufgegriffen und dort immer im historischen Sinne verstanden. Es gibt also keinen Grund, die offenen Fragen bez\u00fcglich der zeitlichen Genauigkeit der Genealogien als Argument gegen einen historischen Adam zu verwenden, wie Zimmer es nahelegt (S. 13).<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Das gilt erst recht, wenn man Zimmers eigene Aussage bedenkt, dass die Genealogien zum Ausdruck br\u00e4chten, dass der Mensch \u201ein hohem Ma\u00df \u2026 durch seine Vorfahren, durch Vergangenheit und Tradition\u201c bestimmt wird (s. o.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan stellt mit Bezug auf exegetische Fachliteratur fest:<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> \u201eDas <em>historisch-genealogische <\/em>Element der Geschlechtsregister [ist] das exegetische <em>Prim\u00e4r<\/em>element.\u201c Und: \u201eGrunds\u00e4tzlich ist zu sagen, dass es im Sinn des antiken Autors von Genesis 5 (und 11) kein Widerspruch war, die Genealogie einerseits als historisch zu verstehende Generationenfolge mit <em>wirklichen <\/em>Altersangaben, andererseits aber den Text <em>teilweise <\/em>mit Hilfe der diesen Altersangaben nahekommenden Zahlenordnung <em>kunstvoll <\/em>auszuformulieren.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zusammenhang widerspricht Zimmer erneut seiner eigenen Grundthese: \u201eWahrscheinlich bewegte ihn [den Autor von 1. Mose 5] ein theologisch berechtigtes Motiv. Er m\u00f6chte eine Verbindung schaffen zwischen dem \u201aAnfangsgeschehen\u2018 und der <em>geschichtlichen <\/em>Existenz des Menschen. Es geh\u00f6rt zu den Besonderheiten des israelitischen Gottes- und Weltverst\u00e4ndnisses, dass Israel seine Erz\u00e4hlungen vom \u201aAnfang\u2018 der Welt und des Menschen in einen Zusammenhang bringt mit der Geschichte (vgl. Gen 12ff)\u201c (14). Selbst unter seinen eigenen Voraussetzungen kommt Zimmer offenbar nicht um die Feststellung herum, dass die Geschichte der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Gegenwart und des Soseins des Menschen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die \u201eGegenprobe\u201c <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um sein Verst\u00e4ndnis zu untermauern, Adam sei nicht der erste Mensch, f\u00fchrt Zimmer eine \u201eGegenprobe\u201c durch: \u201eH\u00e4lt die Behauptung, Adam und Eva seien geschichtliche Personen, einer \u00dcberpr\u00fcfung am Bibeltext stand?\u201c (14) \u201eErgibt die Erz\u00e4hlung in diesem Fall \u00fcberhaupt einen in sich stimmigen, plausiblen Sinn?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um den Text nicht zu umfangreich werden zu lassen soll nur auf einige Punkte aus Zimmers Gegenprobe eingegangen werden. Zimmer vermisst in 1. Mose 2 Zeitangaben<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> und n\u00e4here Angaben dar\u00fcber, wie der Tagesablauf von Adam und Eva waren, u. v. m. Die Angaben seien auffallend mager. Man kann hinzuf\u00fcgen, dass ungenaue, vage Angaben auch in geografischer Hinsicht in den Texten von 1. Mose 1-11 anzutreffen sind.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Die Knappheit der Schilderungen ist offenkundig, wir w\u00fcrden oft sehr viel mehr wissen wollen; die biblischen Autoren konzentrieren sich auf das Wesentliche. Ein \u201eplausibler, stimmiger Sinn\u201c (Zimmer) wird dadurch jedoch nicht verhindert. Und Zimmer erkl\u00e4rt auch gar nicht schl\u00fcssig, <em>warum<\/em> bestimmte Dinge h\u00e4tten gesagt werden m\u00fcssen. Sp\u00e4ter stellt er selber in Bezug auf den Sch\u00f6pfungsvorgang fest, dass vieles f\u00fcr uns ein Geheimnis bleibt: \u201eTrotz der anschaulichen Sprache wahrt der Text das Geheimnis des Sch\u00f6pferwirkens\u201c (17). Das kann genauso f\u00fcr das Leben von Adam und Eva im Garten Eden gelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zimmer meint dann aber, dass die Zur\u00fcckhaltung des biblischen Erz\u00e4hlers verloren gehe, wenn man die Erschaffung des Menschen nach 1. Mose 2,7 w\u00f6rtlich-konkret versteht, \u201eals einen einmaligen \u201ahandfesten\u2018 Erschaffungsvorgang im historischen Sinn\u201c. \u2013 Doch das stimmt nicht: Dass die Erschaffung ein <em>besonderer einmaliger<\/em> Akt war, wird nicht dadurch in Frage gestellt, dass die Details ein Geheimnis bleiben und daher nur bildhaft dargestellt werden k\u00f6nnen. Es ist nichts Ungew\u00f6hnliches, dass <em>bildhafte Elemente<\/em> in einer Erz\u00e4hlung \u00fcber ein besonderes Ereignis verwendet werden<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a>; wir machen das heute nicht anders. Zimmer sch\u00fcttet hier das Kind mit dem Bade aus, wenn er aus der Verwendung bildhafter Elemente schlie\u00dft, dass es sich bei 1. Mose 2,7 gar nicht um einen besonderen, einmaligen Sch\u00f6pfungsvorgang handle. Schlie\u00dflich macht er dieses Verst\u00e4ndnis mit polemischen Frage auch noch l\u00e4cherlich: \u201eWog die Erde, die Gott nahm, achthundert Gramm oder drei\u00dfig Kilogramm?\u201c (18). \u201eSollen wir Forschungsexpeditionen ausr\u00fcsten, die nach diesem Garten suchen?\u201c (20). Wenn Zimmer also schlie\u00dft: \u201eMan darf Gen 2,7 <em>auf keinen Fall <\/em>w\u00f6rtlich verstehen!\u201c dann ist darauf zu entgegnen: <em>Nein, man darf die bildhaften Elemente nicht anschaulich ausmalen<\/em>, sondern sollte das Geheimnis der Erschaffung des Menschen wahren.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> Daraus kann aber nicht gefolgert werden, dass es sich nicht um ein besonderes Ereignis gehandelt hat, so wie es auch die neutestamentlichen Autoren sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zimmer weist weiterhin auf die \u201eNoch-nicht\u201c-S\u00e4tze<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> zu Beginn der Paradieseserz\u00e4hlung hin und meint, dem Leser solle damit gesagt werden: \u201eStell dir einmal vor, das alles habe es noch nicht gegeben!\u201c Den damaligen Lesern sollte die Freude daran vermittelt werden, <em>dass <\/em>es diese Dinge gibt, dankbar daf\u00fcr zu werden und die eigene Lebenswelt bewussteren wahrzunehmen. \u2013 Offensichtlich steht <em>das<\/em> aber nicht im Text; was Zimmer hineinlegt ist blo\u00dfe Mutma\u00dfung, mit der er sich weit vom Text entfernt.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Verlustbilanz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts des Gesagten ist es nicht \u00fcberraschend, dass Zimmers Ertrag recht d\u00fcrftig ist: \u201eDie Erz\u00e4hlungen Gen 1 und Gen 2-3 wollen vielmehr die grundlegenden und bleibenden Wesensmerkmale der Sch\u00f6pfung und des Menschen zum Ausdruck bringen. <em>Das <\/em>ist ihnen wichtig. Was \u201aim Anfang\u2018 war, das gilt immer und f\u00fcr alle\u201c (7). F\u00fcr diese Erkenntnis br\u00e4uchten wir die biblischen Texte aber wohl kaum. Ein solches Fazit ist fast trivial und ziemlich belanglos. V\u00f6llig unbeantwortet bliebe die Frage, <em>wie es dazu kam,<\/em> dass die Welt und der Mensch so sind wie sie sind. Es bliebe unbeantwortet, wie die Welt ins Dasein kam und was Gott mit ihrem zeitlichen Ursprung zu tun hat (eine anf\u00e4ngliche Sch\u00f6pfung ist nach Zimmer ja nicht das, was die ersten Kapitel der Bibel zum Ausdruck bringen wollen). Obwohl viele biblische Autoren Gott als Sch\u00f6pfer in vielf\u00e4ltiger Weise und in verschiedensten Zusammenh\u00e4ngen bezeugen, bliebe die Frage nach dem zeitlichen Beginn erstaunlicherweise ohne Antwort. Unbeantwortet bliebe auch die Frage, weshalb der Mensch S\u00fcnder ist, weshalb es Leid und Tod in der Welt gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn aber die ersten Schritte der Menschheit nicht so verliefen, wie sie die historische Lesart der Genesis beinhalten (die Jesus und die Apostel aufgegriffen haben), wie verlief sie dann? In jedem Fall hat die tats\u00e4chliche Geschichte Folgen f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Menschen. Viele wichtige Aspekte der Gegenwart werden von der Geschichte her verst\u00e4ndlich. Wenn die biblische Historie preisgegeben wird, tritt folgerichtig eine andere Geschichte an ihre Stelle, heutzutage ist das eine evolution\u00e4re Geschichte \u2013 mit schwerwiegenden Folgen f\u00fcr das Menschen- und Gottesbild.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beispielhaft wird diese Problematik anhand einer Frage deutlich, die Zimmer aufwirft, um die Historizit\u00e4t von Adam und Eva in Frage zu stellen: \u201eWarum sagt Gott ausgerechnet zu Adam und Eva: \u201aDeshalb wird der Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau h\u00e4ngen\u2018?\u201c Die Antwort muss wohl lauten: Weil hier f\u00fcr ihn <em>und seine Nachkommen<\/em> etwas Allgemeing\u00fcltiges gesagt wird, <em>was aus der erstmaligen Erschaffung folgt<\/em>. Das was allgemein f\u00fcr den Menschen gilt, gilt vor dem Hintergrund seiner Erschaffung, aber auch vor dem Hintergrund seines Falles. Ohne diesen Hintergrund verlieren wir die Begr\u00fcndung f\u00fcr das Sosein des Menschen (wie sie Jesus nach Mt 19,3ff. beispielhaft verwendet hat) und \u2013 noch schlimmer \u2013 es tritt eine falsche Weltsicht an seine Stelle<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a> mit u. U. fatalen Konsequenzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dagegen meint Zimmer offenbar, Theologie und Geschichte voneinander vollst\u00e4ndig trennen zu k\u00f6nnen (oder zu m\u00fcssen). \u201eDie Erz\u00e4hlung von Adam und Eva hat es nicht verdient, dass man sie in eine weit entfernte Vergangenheit abschiebt und sie damit ihrer stets aktuellen Bedeutung beraubt. Es geht dabei nicht um weniger Wirklichkeit und weniger biblische Substanz. Es geht um <em>mehr <\/em>Wirklichkeit und <em>mehr <\/em>biblische Substanz\u201c (23). Hier wird zum einen ein falscher Gegensatz aufgebaut: Abschieben in ferne Vergangenheit <em>oder<\/em> stets aktuelle Bedeutung. Es ist gerade anders: <em>Weil<\/em> etwas Bestimmtes geschehen ist, folgt eine aktuelle Bedeutung (so argumentiert auch Jesus in Mt 19,3ff.). Zum anderen geht ohne den historischen Hintergrund in Wirklichkeit die aktuelle Bedeutung verloren und wir haben nicht <em>mehr<\/em>, sondern <em>weniger<\/em> biblische Substanz und der Verlust wird durch eine andere Geschichte ersetzt. Denn \u2013 um es in den Worten des Alttestamentlers C. John Collins zu sagen: \u201eDie Theologie kann nicht von der Geschichte getrennt werden, was wir an der Tatsache erkennen k\u00f6nnen, dass eine dieser \u201atheologischen Wahrheiten\u2018 darin besteht, dass derjenige, der die Welt erschaffen hat, der gute Gott ist, der sich selber Israel offenbart hat, und nicht die launischen G\u00f6tter anderer V\u00f6lker \u2013 eine historische Behauptung!\u201c<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> Und: Die Aussage, dass Menschen S\u00fcnder sind, ist keine zeitlose Wahrheit f\u00fcr sich allein, denn fr\u00fcher oder sp\u00e4ter will man wissen, ob Gott den Menschen mit einer Tendenz zur S\u00fcnde geschaffen hat.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> Die existentiellen Bedeutungen resultieren aus den geschichtlichen Ereignissen. Erst der historische Bezug sichert sowohl Realit\u00e4tsbezug als auch die gegenw\u00e4rtige Bedeutung. Zimmers Hinweis auf die existentielle Relevanz ist sicher berechtigt, aber der Verlust der Historie f\u00fchrt gerade zum Verlust der damit zusammenh\u00e4ngenden existentiellen Bedeutungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Reinhard Junker, Studiengemeinschaft Wort und Wissen, Baiersbronn (<a href=\"http:\/\/www.wort-und-wissen.de\/artikel.html\">www.wort-und-wissen.de<\/a>)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Mit freundlicher Genehmigung des Autors<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>________________________________<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Die kritischen Anmerkungen im Abschnitt \u201eEine wichtige Weichenstellung\u201c verdanke ich Dr. Axel Schwaiger. Hinweise zum Gebrauch der hebr\u00e4ischen Begriffe habe ich von Dr. Walter Hilbrands erhalten. F\u00fcr die kritische Durchsicht des Textes und Verbesserungsvorschl\u00e4ge danke ich Prof. Dr. Peter Imming, Ron Kubsch, Dr. Peter van der Veen und Dr. Markus Widenmeyer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. z. B. die in Reinhard Junker (1994<sup>2<\/sup>) Leben durch Sterben? Sch\u00f6pfung, Heilsgeschichte und Evolution. Holzgerlingen, verarbeitete Literatur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Diese Position erscheint in sich nicht schl\u00fcssig. Denn auch wenn Jesus tats\u00e4chlich gr\u00f6\u00dfer ist als die Heilige Schrift, so wissen wir von ihm doch nur durch die Heilige Schrift. Man kann Jesus als Person und die Bibel daher nicht gegeneinander ausspielen, ohne in Widerspr\u00fcche zu geraten. Ausf\u00fchrlich behandelt wird dies in meiner Rezension des Buches unter http:\/\/www.wort-und-wissen.de\/info\/rezens\/b35.html<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Fr\u00fcher unter: http:\/\/www.bibel-erlebt.de\/images\/content\/Dateien\/manuskripte\/Gott_hat_den_Menschen_sterblich_erschaffen.pdf. Der Artikel scheint (Stand: 18. 11. 2014) nicht mehr im Internet verf\u00fcgbar zu sein. Zu diesem Thema gibt es bei worthaus.org auch einen Vortrag von S. Zimmer: http:\/\/worthaus.org\/mediathek\/ist-der-mensch-unsterblich-erschaffen-worden-3-4-2\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> http:\/\/www.wort-und-wissen.de\/artikel\/a12\/a12.html<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Siegfried Zimmer: Haben Adam und Eva wirklich gelebt? Warum es sich lohnt, von der wissenschaftlichen Theologie zu lernen. http:\/\/www.schuldekan-ditzingen.de\/fileadmin\/mediapool\/einrichtungen\/E_schuldekan_ditzingen\/Haben_Adam_und_<br \/>\nEva_wirklich_gelebt._Zur_Interpretation_der_Erzaehlung_von_Adam_und_Eva__Gen_2-3_.pdf; Vortrag zum Thema: http:\/\/worthaus.org\/mediathek\/kann-die-erzahlung-von-adam-und-eva-historisch-gemeint-sein-3-5-2\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Chronik oder die Geschichte der zwei Staaten, \u00dcbers. Von Adolf Schmidt, hrsg. Von Walther Lammers, Darmstadt 1990<sup>5<\/sup> (= Ausgew\u00e4hlte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters \u2013 Freiherr von Stein-Ged\u00e4chtnisausgabe Bd. 16.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. Herfried M\u00fcnkler, Machiavelli \u2013 Die Begr\u00fcndung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der Republik Florenz, FfM 2007<sup>2<\/sup>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. Lucio Russo, Die vergessene Revolution oder die Wiedergeburt des antiken Wissens, Berlin 2005.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> gemeint ist wohl bez\u00fcglich der zuk\u00fcnftigen Auswirkungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. Gerhard Podskalsky, Byzantinische Reichsschatologie, M\u00fcnchen 1972.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> C. John Collins schreibt in \u201eGenesis 1-4. A linguistic, literary, and theological commentary\u201c (P&amp;R Publishing, Phillipsburg, New Jersey, 2006), S. 15: \u201eIf we say that the \u2018happenedness\u2019 of the events in a story does not matter, we are making an ideological prejudgment about what kind of message the Bible gives us. \u2026 The ancients were capable of telling the difference between stories whose function lie in their happenedness and those whose function lies in the \u2018story-ness,\u2019 at least as early as the fifth-century B.C. Greeks\u201c und zitiert (S. 13) Edmund Fryde (The study of history. Encyclopedia Britannica 20, 621-685): \u201eThe Jews were the only people of antiquity who had the supreme religious duty of remembering the past because their traditional histories commemorated the working out of God\u2019s plan for his chosen people.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> H.-K. Chang: Die Knechtschaft und Befreiung der Sch\u00f6pfung, BWM 7, Wuppertal 2000.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> \u201eEr antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so\u201c (Mt 19,8).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> \u201eWenn dich morgen dein Sohn fragt: Warum achtet ihr auf die Satzungen, die Gesetze und Rechtsvorschriften, auf die der Herr, unser Gott, euch verpflichtet hat?, dann sollst du deinem Sohn antworten: Wir waren Sklaven des Pharao in \u00c4gypten und der Herr hat uns mit starker Hand aus \u00c4gypten gef\u00fchrt. Der Herr hat vor unseren Augen gewaltige, unheilvolle Zeichen und Wunder an \u00c4gypten, am Pharao und an seinem ganzen Haus getan, uns aber hat er dort herausgef\u00fchrt, um uns in das Land, das er unseren V\u00e4tern mit einem Schwur versprochen hatte, hineinzuf\u00fchren und es uns zu geben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Seebass, H.: Genesis I. Urgeschichte (1,1-11,26). Neukirchen-Vluyn 1996, S. 65.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Z. B.: \u201ehebel\u201c = 1. Hauch, 2. Abel; \u201eBaal\u201c = 1. Besitzer, 2. Gottesname; \u201eDebora\u201c = 1. Biene, 2. Eigenname, \u201eJona\u201c = 1. Taube, 2. Eigenname.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Man kann hier sehen, dass mindestens aus dem Fehlen des Artikels nicht geschlossen werden kann, ob Adam als Eigenname oder als Gattungsbegriff gebraucht wird. In 1. Mose 5 erschlie\u00dft sich das jeweils aus dem Kontext.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> was hier nicht diskutiert werden soll; vgl. dazu M. Stephan: Entgegnung auf einige Aspekte der Kritik an der biblisch-urgeschichtlichen Geologie. http:\/\/www.wort-und-wissen.de\/artikel\/a01\/a01.pdf, S. 7-10.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Er schreibt hier auch intern widerspr\u00fcchlich: Einerseits schreibt er (S. 12), \u201eAdam\u201c sei zum Eigennamen \u201egeworden\u201c; sp\u00e4ter aber, dass aus der Verwendung von \u201eAdam\u201c in 1. Mose 5 kein \u00fcberzeugendes Argument f\u00fcr einen historischen Adam resultiere (S. 14).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> a. a. O. (Anm. 19)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Was insofern seltsam ist, da er die Zeitangaben in 1- Mose 1 f\u00fcr nicht relevant h\u00e4lt. Wenn er also Zeitangaben vermisst, m\u00fcssen die Zeitangaben in 1. Mose 1 also doch wichtig sein<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Vgl. M. Stephan: Entgegnung auf einige Aspekte der Kritik an der biblisch-urgeschichtlichen Geologie. http:\/\/www.wort-und-wissen.de\/artikel\/a01\/a01.pdf<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Vgl. C. John Collins (2011) Did Adam and Eve really exist? Who they were and why you should care. Wheaton, Illinois.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Im \u00dcbrigen sind Zimmers Ausf\u00fchrungen an dieser Stelle etwas verwirrend: Einerseits behauptet er, die Schilderungen in 1. Mose 2 und 3 m\u00fcssten viel konkreter und detaillierter sein, um historisch glaubw\u00fcrdig zu sein (s. o.), und meint, die Geschehnisse m\u00fcssten anschaulich ausgemalt sein; andererseits aber unterstellt er denjenigen, die ein historisches Verst\u00e4ndnis haben, sie w\u00fcrden die Geschehnisse im \u201ehandfesten\u201c, ausgemalten Sinne missverstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> \u201eZur Zeit, als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte, gab es auf der Erde noch keine Feldstr\u00e4ucher und wuchsen noch keine Feldpflanzen, \u2026\u201c (1. Mose 2,4f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Weitere Beispiele nicht zwingender Schlussfolgerungen, hier zum Garten Eden: \u201eEs steht in der Bibel auch kein Wort davon, dass die Sintflut den Garten Eden zerst\u00f6rt oder den Lauf der Fl\u00fcsse in jener Region ver\u00e4ndert hat\u201c (20). Die Erz\u00e4hlungen sind \u2013 wie bereits festgestellt \u2013 sehr knapp. Daraus sind keine Argumente gegen die Existenz eines Gartens Edens zu gewinnen. \u2013 \u201eEs f\u00e4llt auf, dass der Erz\u00e4hler keinen dieser beiden B\u00e4ume seinen Lesern erkl\u00e4ren muss. Er kann sie offenbar als bekannt voraussetzen. D.h. beide B\u00e4ume waren der Leserschaft als <em>Erz\u00e4hlmotiv <\/em>bekannt\u201c (20). Was f\u00fcr ein Erkl\u00e4rungsbedarf gibt es hier \u00fcberhaupt? Zimmers Schlussfolgerung ergibt sich auch hier nicht aus dem Text.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Das soll hier nicht weiter thematisiert werden; vgl. dazu z. B.: R. Junker, Leben durch Sterben? Sch\u00f6pfung, Heilsgeschichte und Evolution. Neuhausen 1994<sup>2<\/sup>; R. Junker, Evolution \u2013 passend f\u00fcr Evangelikale<sup>1<\/sup>? http:\/\/www.wort-und-wissen.de\/artikel\/a13\/a13.pdf<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Die evolution\u00e4re Erz\u00e4hlung, die unsere Kultur in mehr und mehr Lebensbereichen pr\u00e4gen will, geht auch zentral davon aus, dass wir nur im Werden das Sein richtig verstehen k\u00f6nnen. Das gilt angefangen von ganz grundlegenden Fragen zur menschlichen Natur bis beispielsweise zu Fragen der Ern\u00e4hrung und Medizin, in denen wir davon lernen sollen, wie der Mensch sich entwickelt hat, damit er richtig und gesund lebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> C. John Collins (2011) Did Adam and Eve really exist? Who they were and why you should care. Wheaton, Illinois, S. 36. Original: \u201eThe theology is not separable from story, as we can see from the fact that one of those \u2018theological truths\u2019 is that the one who created the world is the good God who revealed himself to Israel, and not the capricious gods of the other peoples \u2013 an historical assertion!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> a. a. O., S. 37<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben Adam und Eva wirklich nicht gelebt? &#8211; Anmerkungen zu einem Text von Siegfried Zimmer von Reinhard Junker[1] Die ersten Kapitel der Bibel wollen nicht \u00fcber die zeitlichen Anf\u00e4nge der Menschheit berichten, sondern den tiefsten Grund des menschlichen Daseins erkl\u00e4ren. Adam und Eva seien entsprechend nicht als bestimmte Personen zu verstehen. 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