{"id":11698,"date":"2014-12-06T06:18:07","date_gmt":"2014-12-06T05:18:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11698"},"modified":"2014-12-19T13:32:33","modified_gmt":"2014-12-19T12:32:33","slug":"predigt-ich-glaube-apostelgeschichte-2414","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11698","title":{"rendered":"Predigt &#8222;Ich glaube&#8220; (Apostelgeschichte 24,14)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Freunde,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus hat den Leuten nie Honig ums Maul geschmiert. Der hat sie nie harmonisiert. Der hat sie provoziert und dadurch polarisiert. Und wenn Jesus gepredigt hat, da haben sich meistens zwei Gruppen gebildet. Die einen wollten ihn zum K\u00f6nig machen, und die anderen wollten ihn zur Schnecke machen. Die einen hoben die Arme vor Begeisterung, und die anderen haben sich nach Steinen geb\u00fcckt um ihn zu steinigen. Es hat ja mal eine Zeit gegeben in seinem Leben, da war er bei den Massen beliebt. Das war als er mal 5000 Leuten zu Essen gegeben hat. Da waren sie nat\u00fcrlich alle von ihm begeistert. Da war er der Held des Tages. Da wollten sie ihn zum K\u00f6nig machen, und dann merkten die aber, der hat von uns auch was verlangt. Der gibt uns nicht nur was, sondern der will auch was von uns, n\u00e4mlich dass wir an ihn glauben.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Johannesevangelium Kapitel 6 wird das beschrieben. In Vers 40 hei\u00dft es: \u201eMein Vater will, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, das Ewige Leben hat, und ich werde ihn auferwecken am j\u00fcngsten Tage.\u201c Und nach diesem Satz beginnt der Protest. Da hei\u00dft es hier: \u201eDa entr\u00fcsteten sich die Zuh\u00f6rer \u00fcber ihn und sagten: \u201eIst das nicht der Jesus, der Sohn des Josef? Seine Eltern kennen wir doch?\u201c Solange der ihnen kostenlos zu essen gab und sie sich bei ihm durchschlauchen konnten, da war denen v\u00f6llig egal, aus welcher Familie der stammte. Aber jetzt, als er Glauben verlangt, da hei\u00dft es pl\u00f6tzlich: \u201eNa, den kennen wir doch. Das ist doch der Sohn vom Zimmermann Josef. In dessen Werkstatt haben wir doch immer f\u00fcr unsere Meerschweinchen das Futter geholt. Und seine Frau, die Marie, das ist doch diejenige, die bei Aldi immer aushilft. Und mit seinen Schwestern, da sind wir doch in der Tanzstunde gewesen. Mit dem haben wir doch, als wir junge M\u00e4nner waren, auf dem Dorfplatz Fu\u00dfball gespielt. Wie kommt der dazu, jetzt zu behaupten, er k\u00e4me vom Himmel, und wir sollten an ihn glauben?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr seht, es ist schon immer schwierig gewesen, an Jesus zu glauben. Das war damals nicht anders als heute. Heute, im Zeitalter des Wassermanns, wo alles verw\u00e4ssert wird, da steht Jesus wie so ein Pfeiler im Strom der Zeit, an dem sich die Fluten teilen, und Gischt und Geifer der emp\u00f6rten Widerst\u00e4nde emporspritzt. Was gew\u00fcnscht wird, das ist so ein Br\u00f6tchengeber, ein Semmel-Jesus, aber kein Sterbender, der selbst sich verleugnet und Selbstverleugnung verlangt. Als die Massen das merkten, der gibt uns nicht nur Brot, sondern der will, das wir an ihn glauben, da hei\u00dft es in Vers 60: Viele seiner J\u00fcnger, die h\u00f6rten was der sagte und redeten, das geht zu weit. Also, so etwas kann man doch nicht mit anh\u00f6ren!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und jetzt ist mal interessant, wie Jesus auf diesen Protest reagiert hat. Er h\u00e4tte ja sagen k\u00f6nnen: \u201eO, das tut mir aber leid! Also, ich wollte keinem von euch zu nahe treten. Nat\u00fcrlich braucht ihr das alles nicht so f\u00fcr bare M\u00fcnze zu nehmen, was ich so sage, und wenn ihr von Opfer und Gehorsam und Leiden und Gericht und so nichts h\u00f6ren wollt, dann werde ich in Zukunft ein bisschen sanfter predigen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So macht es ja die Kirche bei uns an vielen Punkten. Aus lauter Angst, irgend jemanden zu nahe zu treten, tritt sie leise. Aus lauter Angst, irgend jemanden zu verlieren, verliert sie kein Wort mehr m\u00f6glichst \u00fcber solche Themen wie S\u00fcnde und H\u00f6lle und Gericht und Verdammnis und so weiter. Aus lauter Angst, jemanden vor den Kopf zu sto\u00dfen, da entfernt sie alles Anst\u00f6\u00dfige aus ihrer Botschaft und verh\u00f6kert ihre Dienste zu herabgesetzten Preisen. Neuerdings wird sogar das, was die Bibel als Gr\u00e4uel vor Gott bezeichnet, als Teil seiner guten Sch\u00f6pfung verkauft. Der Ausverkauf der Kirche ist in vollem Gange. Jesus jedenfalls hat sich niemals so billig verkauft. Und der ist nie auch nur einen Millimeter von dem Satz abgewichen, den er hier in Vers 47 sagt: \u201eWer an mich glaubt, hat das Ewige Leben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und als die anr\u00fccken und sagen, das geht zu weit, man kann das ja gar nicht mit anh\u00f6ren, was du hier erz\u00e4hlst, da sagt er nicht, nun gut, dann korrigier ich mich eben. Ich sage nicht mehr, \u201eWer an mich glaubt\u2026\u201c, sondern \u201eWer ein bisschen an mich glaubt\u2026\u201c oder \u201eWer gar nicht an mich glaubt\u2026 aber wer von sich glaubt, ein guter Mensch zu sein, der hat auch das Ewige Leben.\u201c \u2013 Nein, das sagt Jesus nicht. Im Gegenteil. Da steht hier: \u201eAls Jesus merkte, dass sie sich entr\u00fcsteten, da sagt er zu ihnen: Was, das \u00e4rgert euch wohl?\u201c Das hei\u00dft, statt sie zu bes\u00e4nftigen, gie\u00dft er noch \u00d6l ins Feuer. Der predigt absichtlich immer sch\u00e4rfer, weil er wei\u00df: Nur eine kompromisslose Verk\u00fcndigung f\u00fchrt auch zu einer radikalen Bekehrung und Umkehr. Und er will ja nicht irgendwelche Verehrer z\u00fcchten. Er will Menschen als Nachfolger haben, die ohne R\u00fccksicht auf Verluste und auf andere Menschen und andere M\u00e4chte ihm allein gehorchen, egal was andere Leute dann dar\u00fcber denken, und auch wenn es schwer wird und wenn die Nachfolge Nachteile bringt. Und als das die Massen kapierten, da standen sie auf einmal nicht mehr auf Jesus. Als das Kreuz die ersten Schatten vorauswarf, da warfen die Meisten schon das Handtuch. Da begann die gro\u00dfe Abwanderung. Vers 66: \u201eVon da aus wandten sich viele seiner J\u00fcnger ab und gingen nicht mehr mit ihm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn einem Parteichef die Gefolgschaft verweigert wird, da wird er versuchen, sie irgendwie festzuhalten \u2013 Kurs \u00e4ndern, k\u00fcrzer treten, Kompromisse machen. Diesen Versuch hat Jesus nie gemacht. Der ist ja kein Parteichef, der um die Gunst seiner Genossen feilschen muss, sondern der ist der Sohn Gottes. Der ist die Wahrheit in Person. Der hat ja nicht gesagt, wie heute so viele Theologen sagen w\u00fcrden, \u201eich wei\u00df um die Wahrheit\u201c, oder etwa \u201eich habe die Wahrheit\u201c, sondern er hat gesagt \u201eIch bin die Wahrheit\u201c. Und die Wahrheit ist nicht heute so und morgen so, sondern die ist heute so und die ist morgen so und die ist immer in alle Ewigkeit die Gleiche. Und wenn Jesus einmal gesagt hat: \u201eIch will euch ganz, mit Leib und Seele\u201c, da kann man nicht mit einem Mal sagen: \u201eNa ja gut, ich bin ja zufrieden, wenn ihr mal so ein bisschen fromm seid und immer mal mich besucht, und mal ein kleiner Seitensprung und eine Notl\u00fcge, da bin ich nicht so kleinlich, und meine Worte, die braucht ihr auch nicht so genau nehmen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So hat Jesus nie ges\u00fclzt. Der hat oft scharfe Worte gesagt. Der hat aber nie auch nur ein einziges seiner scharfen Worte zur\u00fcckgenommen. Und er hat nicht eine einzige seiner radikalen Forderungen zur\u00fcckgenommen. Und lieber hat er die Massen abwandern lassen, die zur\u00fcckschraken vor seinen Forderungen. Und wenn einer so radikal ist, da ist es nat\u00fcrlich kein Wunder, wenn er eines Tages pl\u00f6tzlich alleine dasteht. Und das ist Jesus passiert. Pl\u00f6tzlich stand er ganz alleine da mit seinen 12 J\u00fcngern. Und da hat er nicht pussiert und gebettelt: \u201eMeine Freunde, bleibt doch wenigstens ihr noch bei mir.\u201c Nein, in dem Augenblick, als die alle abgehauen sind, da hat er sich zu seinen J\u00fcngern umgedreht, die ihm nachfolgten, und hat ihnen ins Gesicht gesehen und gesagt: \u201eUnd ihr, was habt ihr vor? Wollt ihr auch weggehen?\u201c Er hat es den Zw\u00f6lfen freigestellt, ihn zu verlassen. Und er stellt es auch uns frei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus ist wirklich ein K\u00f6nig. Das ist ein Herr. Der rennt uns nicht so nach wie ein Bettler, ob wir vielleicht so lieb sein wollen ihm ein bisschen zu folgen. Wer nicht an Jesus glauben will, kann sein Leben selbst gestalten. Da wird ihm Jesus keine Vorschriften mehr machen. Es kann jeder gehen, der nicht will. \u201eUnd ihr\u201c, sagt er zu seinen eigenen J\u00fcngern, zu den Zw\u00f6lfen, \u201ewollt ihr auch weggehen?\u201c Hier an diesem Tiefpunkt seiner Biographie, da gibt der Petrus seine Antwort und da geht die Sonne auf, und der Petrus sagt: \u201eHerr, wohin sollen wir denn gehen? Du hast Worte des Ewigen Lebens, und wir haben erkannt und geglaubt, dass du der Heilige Gottes bist.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ja eigenartig. Die J\u00fcnger, die von Jesus weggehen, begr\u00fcnden das mit dem Argument: \u201eWas der sagt ist unertr\u00e4glich. Seine Worte kann man nicht h\u00f6ren.\u201c Und die J\u00fcnger, die bei Jesus bleiben, begr\u00fcnden das mit dem Argument: \u201eDu hast Worte des Ewigen Lebens.\u201c Also so verschieden wird das gleiche Wort geh\u00f6rt, je nachdem, ob einer zum Gehorsam bereit ist oder nicht. Denn nur wer Jesus gehorcht, der erf\u00e4hrt, dass er die Wahrheit sagt. Und deshalb sagt er damals zu seinen J\u00fcngern und zu uns heute: \u201eWenn ihr nicht wollt, wollt ihr auch weggehen?\u201c Die 12 J\u00fcnger, die wollen nicht und die k\u00f6nnen auch nicht. Wer einmal erkannt hat, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der kommt nicht wieder von ihm los. Petrus erkennt ganz klar: Ein Leben ohne Jesus w\u00e4re total sinnlos: \u201eHerr, wohin sollen wir denn ohne dich gehen?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und jetzt ist die Frage f\u00fcr uns, ob wir diesen Worten, die das Neue Testament \u00fcberliefert, genauso glauben k\u00f6nnen und genauso das sagen k\u00f6nnen, was der Apostel Paulus von den Worten des Alten Testamentes gesagt hat. In der Apostelgeschichte 24 wird beschrieben, wie er bei dem Felix zum Verh\u00f6r ist und ausgefragt wird. Und in der Rede, die er da h\u00e4lt, da f\u00e4llt der Satz (Vers 14): \u201eIch bekenne, dass ich allem glaube, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten.\u201c Und diesen Satz, den k\u00f6nnen heute viele nicht mehr nachsprechen. Es glauben keineswegs alle alles, was in der Bibel steht. Selbst unser Landesbischof hat in einer \u00fcberf\u00fcllten Kirche hier in dieser Stadt laut gerufen: \u201eEs steht auch Falsches in der Bibel!\u201c Und als nachgefragt wurde, was er damit meint, hat er sich auf 3. Mose berufen, wo der Hase als Wiederk\u00e4uer bezeichnet wird. Das ist nach der Meinung des Bischofs falsch. Aber wenn er \u201eBrehms Tierleben\u201c nicht nur die ersten beiden B\u00e4nde gelesen h\u00e4tte, sondern bis Band 12 sich durchgeackert h\u00e4tte, da h\u00e4tte er auf Seite 421 lesen k\u00f6nnen, dass schon im Jahre 1882 die Biologie festgestellt hat, dass der Hase ein Wiederk\u00e4uer ist. Die Bibel ist fehlerfrei! Auch in diesen Dingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Na gut, solange unsere bibelkritischen Br\u00fcder &#8211; also ich bin f\u00fcr den Bischof kein Bruder mehr, mich redet er weder mit \u201eBruder\u201c, noch mit meiner Berufsbezeichnung \u201ePfarrer\u201c oder mit meinem Titel an, sondern schlicht mit \u201eHerr Lehmann\u201c &#8211; also, solange unsere bibelkritischen Br\u00fcder ihre Argumente aus der Mottenkiste freidenkerischer Gottloser aus dem 19. Jahrhundert beziehen, da k\u00f6nnen und d\u00fcrfen wir das gar nicht weiter ernst nehmen. Da k\u00f6nnen wir nur noch den Bleistift nehmen und die Namen dieser Br\u00fcder auf die Gebetsf\u00fcrbittenliste schreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber so ist das eben: vom Konfirmanden bis zum Bischof, vom Pfarrer bis zum Theologieprofessor, vom Kirchenvorstand bis zum Weltkirchenrat hat jeder irgendwo irgendwelche Bedenken gegen irgendwas, was in der Bibel steht, weil es seiner Erfahrung, seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen, seiner Vernunft oder was wei\u00df ich widerspricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus war einer der gr\u00f6\u00dften Geister der Menschheit, dem das ganze Heer der modernen Meckerer und Meckerinnen nicht das Wasser reichen kann. Dieser Geistesriese war sich nicht zu schade, vor seinen weltlichen und geistlichen Richtern den geradezu kindlichen Satz zu sagen: \u201eIch glaube allem, was im Gesetz und in den Propheten geschrieben steht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ist mir gleich Karl Barth eingefallen, obwohl ich kein Barthianer bin, aber als der seine Abschiedsvorlesung gehalten hat in Chicago, da waren sie alle gespannt: Was ist die Quintessenz im Leben dieses gro\u00dfen Theologen? Da hat Karl Barth mit einem Vers aus der Christenlehre geantwortet und hat gesagt: \u201eMeine Theologie kann zusammengefasst werden in dem Vers \u201eJesus loves me, that I know, for the Bible tells me so\u2026\u201c Das hei\u00dft, Jesus liebt mich ganz gewiss. Meine Bibel sagt mir dies.\u201c Das ist genau in diesem naiven kindlichen Geist ausgesprochen von zwei gro\u00dfen M\u00e4nnern, die am Ende ihrer T\u00e4tigkeit gesagt haben: \u201eIch glaube allem, was in der Bibel steht.\u201c Und zu diesem Satz m\u00f6chte ich mich auch bekennen. Und ich weigere mich, mich an dem modernen Schwindel zu beteiligen, der eine Aussage nach der anderen aus der Bibel streicht, von der Jungfrauengeburt bis zur Auferstehung. Gerade auf die Auferstehung hat der Paulus den allergr\u00f6\u00dften Wert gelegt. Und deshalb hat er n\u00e4mlich auch, nachdem er sich zu Autorit\u00e4t der Bibel bekannt hat, im n\u00e4chsten Vers gesagt: \u201eIch habe die Hoffnung, dass es auch eine Auferstehung der Gerechten und der Ungerechten geben wird.\u201c Das ist seine Botschaft. Das ist das, was die Juden nicht h\u00f6ren wollten. Und das ist der wahre Grund f\u00fcr seine Verhaftung. Offiziell kam das Wort \u201eAuferstehung\u201c in der Anklageschrift \u00fcberhaupt nicht vor. Aber der Paulus behauptet in seinem Schlusswort in der Verteidigungsrede, dass genau das der springende Punkt ist: \u201eUm der Auferstehung der Toten willen werde ich von euch heute angeklagt.\u201c Damit ist die Verhandlung zu Ende. Felix verschiebt den Prozess. Paulus wird wieder in die Zelle abgeschoben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nun steht hier in Vers 22, Felix wusste sehr genau \u00fcber diese Lehre Bescheid. Der hatte nicht zum ersten Mal von der Auferstehung geh\u00f6rt. Aber er war vielleicht zum ersten Mal einem Menschen begegnet, der voll an die Auferstehung glaubte. Und jeden Abend, wenn Felix vor seinem Kaminfeuer sa\u00df und seine Salzstangen knabberte, da knabberte er an einer schwierigen Frage. Und die Frage lautete: Wenn das wahr ist, was dieser H\u00e4ftling Paulus erz\u00e4hlt, was mache ich dann? Denn das ist ihm klar: Wenn das mit der Auferstehung stimmt, dann stimmt ja mein ganzes Leben nicht mehr. Dann kann ich nicht mehr so leben wie bisher. Dann muss ich ja alles \u00e4ndern. Und nach ein paar Tagen h\u00e4lt er es einfach nicht mehr aus. Er muss mehr wissen \u00fcber den Glauben an Jesus. Und da l\u00e4sst er sich den Paulus noch mal kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anwesend bei dem Treffen ist noch seine Lebensabschnittsgef\u00e4hrtin, seine derzeitige st\u00e4ndige Begleiterin, die Frau Drusilla. Die beiden, Felix und Drusilla, waren ein ganz besonderes P\u00e4rchen. Felix hei\u00dft auf Deutsch \u201eder Gl\u00fcckliche\u201c. Ob der wirklich gl\u00fccklich war, das wei\u00df ich nicht. Ich wei\u00df nur, dass er Schwein gehabt hat. Von Geburt war er n\u00e4mlich ein Sklave. Er wurde dann sp\u00e4ter freigelassen und stieg als G\u00fcnstling des Kaisers immer h\u00f6her. Aber Felix war ein skrupelloser Mensch, Empork\u00f6mmling, geizig, ungerecht, unbeliebt, der seine Regierungszeit dazu benutzte, sich selbst zu bereichern. Der r\u00f6mische Geschichtsschreiber Tacitus hat \u00fcber ihn geschrieben: \u201eDie Macht eines K\u00f6nigs hat er mit der Gesinnung eines Sklaven ausgelebt.\u201c \u00dcbrigens fiel er sp\u00e4ter in Ungnade und starb in der Verbannung. Aber hier ist er noch dicke da mit seiner dritten Frau Drusilla, die gar nicht seine Ehefrau war. Die Drusilla war von Geburt an eine Prinzessin, Tochter des K\u00f6nigs Agrippa, und die war schon als Kind mit einem Prinzen verlobt. Die Ehe kam aber nicht zustande. Und als Felix sich in die Drusilla verknallte, da war sie gerade mit dem K\u00f6nig von Odessa verheiratet. Von einem Magier lie\u00df sie sich dazu \u00fcberreden, ihren Mann zu verlassen und zu ihm zu ziehen. Die beiden waren alle beide mal verheiratet, hatten sich von ihren Ehepartnern getrennt und sich nun wieder zusammengeschmissen. Wie gesagt, ein sauberes P\u00e4rchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden lassen sich jetzt den Paulus kommen und wollen ihn h\u00f6ren \u00fcber den Glauben an Jesus Christus. Unaustilgbar fest sitzen die Frage nach Gott und die Sehnsucht nach Frieden mit Gott auch im Herzen eines brutalen Machthabers und einer ausgekochten Ehebrecherin. Da sitzen sie nun da, der Herr Gl\u00fccklich und die Frau Drusilla, geschminkt, gepudert und geliftet, aber niedergedr\u00fcckt vom schlechten Gewissen. Beh\u00e4ngt mit Gold und Diamanten, aber beladen mit Schuld. Ausgestattet mit Vollmacht \u00fcber Leben und Tod, aber angekettet an die Macht der S\u00fcnde. Vollgestopft mit Leckerbissen, aber mit einem leeren, unbefriedigten Herzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da wird der H\u00e4ftling Paulus hereingef\u00fchrt und man sagt ihm, er soll \u00fcber den Glauben an Jesus sprechen. Jeder andere h\u00e4tte in dieser Situation gesagt: \u201eDas ist die von Gott gegebene Chance, dass ich vielleicht frei komme. Dieser Mann hat meine Zukunft in der Hand, und wenn ich den f\u00fcr mich gewinne, dann l\u00e4sst er mich vielleicht laufen. Also heute sch\u00f6n diplomatisch leise treten, damit ich morgen wieder das Evangelium frei verk\u00fcndigen kann. Meine Ankl\u00e4ger, die sind ja nicht hier. Nur dieses Weibsbild in der gestylten Wespentaille, die darf ich auf keinen Fall verschnupfen, sonst ist es gleich Essig. Aber wenn ich der eine Nettigkeit sage, legt die vielleicht ein gutes Wort f\u00fcr mich ein bei Felix. Auf alle F\u00e4lle hat ja Gott an ihren Herzen schon gearbeitet. Die wollen von Jesus h\u00f6ren! Die d\u00fcrfen auf keinen Fall abgesto\u00dfen werden, also, da darf ich die jetzt nicht hart anpredigen. Da muss ich alle anst\u00f6\u00dfigen Themen vermeiden. Am besten ich predige \u00fcber N\u00e4chstenliebe, und dann noch so ein paar Bemerkungen \u00fcber das soziale Handeln der Kirche. Das h\u00f6ren die von der Regierung immer gerne.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ungef\u00e4hr h\u00e4tte jeder andere gedacht. Und was hat mein Paule gemacht? Der predigt von der Gerechtigkeit, von der Enthaltsamkeit und vom j\u00fcngsten Gericht. Ausgerechnet! In mehr Fettn\u00e4pfchen konnte man ja gar nicht treten. Bei dieser Themenwahl ist jede Chance, dass er diese H\u00f6rer f\u00fcr sich gewinnen k\u00f6nnte, vorbei. Aber Paulus will die ja nicht f\u00fcr sich gewinnen, sondern er will sie f\u00fcr Jesus gewinnen. Der will nicht seine Haut retten, sondern er will dass diese Menschen gerettet werden. Selbstverst\u00e4ndlich wei\u00df er ganz genau, was das f\u00fcr Typen sind. Aber der l\u00e4sst sich weder durch ihr gro\u00dfkotziges Auftreten noch durch ihr gro\u00dfartiges Aussehen irgendwie beeindrucken. Der riecht f\u00f6rmlich durch die Wolke Chanel No. 5, die die umgibt, dass das nach S\u00fcnde stinkt. Das sind zwei s\u00fcndige Menschen, die sich parf\u00fcmiert haben, aber die in Ewigkeit verloren gehen, wenn sie Jesus nicht annehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wollen vom Glauben h\u00f6ren? Gut. Dann sollen sie auch vom Glauben h\u00f6ren. Aber dann m\u00fcssen sie auch h\u00f6ren, dass sie sich \u00e4ndern m\u00fcssen. Paulus h\u00e4lt keine Evangelisationspredigt, wie sie heute \u00fcblich ist: \u201eDu bist wertvoll. Du bist wertvoll. Du bist wertvoll. Jesus liebt dich wie du bist. Du kannst zu Jesus kommen, wie du bist. Du bist wertvoll\u2026\u201c Da muss doch noch mal dazu gesagt werden, nicht nur, \u201edu kannst zu Jesus kommen wie du bist\u201c, sondern \u201edu kannst nicht so bleiben wie du bist\u201c. Das ist doch das eigentliche Thema der Bibel. Du sollst ver\u00e4ndert werden. Es soll ja eine neue Sch\u00f6pfung passieren. Der hat nicht vorher sich ein lateinisches Konzept gemacht. Der hat gleich Deutsch gesprochen. Und er spricht als erstes von der Gerechtigkeit. Das ist ja ein Reizwort bis heute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel erw\u00e4hnt gar nicht, was er im Einzelnen gesagt hat, obwohl ich das gerne w\u00fcsste. Aber es steht nicht da. Sie erw\u00e4hnt nur die Reaktion des Felix, und zwar, dass er einen gro\u00dfen Schreck bekommen hat. Das kam ja schlie\u00dflich nicht alle Tage vor, dass diesem Staatsbeamten, der sich auf Kosten seiner Bev\u00f6lkerung einen Fetten machte, ein Untersuchungsh\u00e4ftling eine Predigt \u00fcber Gerechtigkeit h\u00e4lt. Der Felix wei\u00df vor Schreck gar nicht, wo er hinschauen soll und was er sagen soll, und ehe ihm etwas einf\u00e4llt, kommt Madame Drusilla an die Reihe. Paulus behandelt einen neuen Punkt: Enthaltsamkeit. Und das vor den Ohren einer Ehebrecherin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stellt euch einmal vor, irgendeiner unserer Bisch\u00f6fe w\u00e4re mal vom Bundeskanzler Schr\u00f6der eingeladen worden, um vor ihm und seiner Doris \u00fcber Enthaltsamkeit zu reden, \u00fcber Ehebruch und Ehescheidung. Was denkt ihr h\u00e4tte der denen erz\u00e4hlt? Gar nichts wahrscheinlich. Ich sehne mich nach Christen, nach Pfarrern, nach Bisch\u00f6fen, die unerschrocken und kompromisslos zur biblischen Wahrheit stehen, und die zum Beispiel den gottlosen Genderwahnsinn genauso beim Namen nennen wie den tausendfachen Mord an ungeborenen Kindern, und die bereit sind, mit den h\u00f6chsten Vertretern unseres Staates nicht nur bei Empf\u00e4ngen Sekt zu schl\u00fcrfen, sondern denen reinen Wein einzuschenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Madame Doris \u2013 nein, Verzeihung, f\u00fcr Madame Drusilla war das wahrscheinlich starker Tobak, aber eigentlich nichts Neues. Die war J\u00fcdin. Die kannte die Zehn Gebote, auch das sechste. Neu war der nur, dass es Menschen wie diesen Paulus gab, die die Gebote ernst nahmen. Und die Drusilla besitzt nicht die Frechheit, den Paulus als verkalkt abzuqualifizieren, als ob er nicht auf der H\u00f6he der Zeit w\u00e4re, weil er die Gebote der Bibel ernster nimmt als die Zoten der Bravo und das Geschreibsel von Pfarrer Fliege. Die h\u00e4lt die Klappe und schl\u00e4gt die Augen nieder, weil sie sich von dem Anspruch Gottes auf ein reines Geschlechtsleben getroffen f\u00fchlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber Paulus ist noch nicht fertig. Jetzt kommt er zum dritten Punkt seiner Rede, zum zuk\u00fcnftigen Gericht. Es wagen sich ja viele Pfarrer nicht einmal mehr, vor der eigenen Gemeinde dar\u00fcber zu reden. Der Bonhoeffer hat gesagt, die Frage des Gerichts ist die wichtigste Frage des Lebens. Der Luther hat das auch gemeint. Der hat es nur anders formuliert. Der hat gesagt: \u201eWie bekomme ich einen gn\u00e4digen Gott?\u201c Das hei\u00dft, wie bekomme ich denn mein s\u00fcndiges Leben so hin, dass ich mal vor Gott bestehen kann, vor dem Reinen, Heiligen. Es kommt doch das letzte Gericht f\u00fcr jeden, auch f\u00fcr jeden Regierenden. Auch alle, die auf irgendwelchen hohen Posten sitzen, m\u00fcssen sich am Schluss vor Gott verantworten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Felix diese Gerichtsbotschaft h\u00f6rt, da erschrickt er noch einmal. Ihn hat das Wort Gottes getroffen. Und er hat genau begriffen, es ist Zeit, ich m\u00fcsste mich eigentlich entscheiden. Ich m\u00fcsste eine Glaubensentscheidung treffen. Aber dann schiebt er alles von sich weg. \u201eF\u00fcr dieses Mal\u201c, sagt er zu Paulus, \u201ebist du entlassen. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann will ich dich mal wieder rufen lassen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und was ist, wenn sich diese Gelegenheit nicht mehr ergibt? Wenn es einmal zu sp\u00e4t ist? Der Felix, der liebt das Verschieben. Das Verschieben des Prozesses von Paulus, auch im Prozess seines Lebens im Verh\u00e4ltnis zu Gott. Verschiebetaktik &#8211; Das war das Ungl\u00fcck des Herrn Gl\u00fccklich. Der sagt kein klares Nein. Der sagt kein klares Ja. Der l\u00e4sst alles in der Schwebe. Und so gehen Menschen verloren. Und ich bef\u00fcrchte, dass auch diese Menschen verloren gehen, die sagen, ich glaube zwar an die Bibel, aber ich glaube nicht alles. Da halte ich es mit Luther, der gesagt hat: \u201eDie Schrift ist Gottes Wort, nicht Menschenwort, welches l\u00fcgt. Kein Jota ist umsonst. Darum hei\u00dft es rund und rein alles ganz geglaubt oder gar nichts geglaubt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir als Leute der Bekenntnisinitiative an den K\u00e4\u00dfmann-Spielen 2017 teilnehmen wollen, dann hat das nur Sinn, wenn wir konsequent bei dem \u201eSola scriptura \u2013 die Schrift allein\u201c bleiben und mit Paulus sagen k\u00f6nnen: \u201eIch glaube allem, was geschrieben steht!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Predigt auf dem SBI-Tag der S\u00e4chsischen Bekenntnis-Initiative am 4.10.2014<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Freunde, Jesus hat den Leuten nie Honig ums Maul geschmiert. Der hat sie nie harmonisiert. Der hat sie provoziert und dadurch polarisiert. Und wenn Jesus gepredigt hat, da haben sich meistens zwei Gruppen gebildet. Die einen wollten ihn zum K\u00f6nig machen, und die anderen wollten ihn zur Schnecke machen. 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