{"id":11606,"date":"2014-11-21T14:33:53","date_gmt":"2014-11-21T13:33:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11606"},"modified":"2014-11-21T22:14:41","modified_gmt":"2014-11-21T21:14:41","slug":"erziehung-zur-liebe-sexualpaedagogik-ist-mehr-als-aufklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11606","title":{"rendered":"Aufruf &#8222;Erziehung zur Liebe. Sexualp\u00e4dagogik ist mehr als Aufkl\u00e4rung.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. Grunds\u00e4tzliches<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Streben nach Gl\u00fcck ist das Grundbed\u00fcrfnis eines jeden Menschen. Gerade die Sexualit\u00e4t kann Quelle gro\u00dfen Gl\u00fccks &#8211; nicht selten aber auch gro\u00dfen Ungl\u00fccks &#8211; sein. Daher ist die Erziehung zu einem selbstbestimmten, reifen und verantwortlichen Umgang mit eigener und fremder Sexualit\u00e4t unerl\u00e4sslich. F\u00fcr die gro\u00dfe Mehrheit junger Menschen geh\u00f6ren eine dauerhafte Beziehung zwischen Mann und Frau sowie eigene Kinder wesentlich zu ihrer Vorstellung gl\u00fccklichen Lebens. <!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser Sehnsucht sollen sie best\u00e4rkt werden \u2013 auch wenn ihre jetzige famili\u00e4re Lebensrealit\u00e4t gegebenenfalls anders aussieht (Patchworkfamilie, Scheidungssituation, Alleinerzie\u00adhende etc.). Sie sollen f\u00e4hig werden, zu einem sinnerf\u00fcllten Leben als Mann oder als Frau zu finden und eigene Entscheidungen f\u00fcr ihre Zukunft zu treffen. Dabei gilt es zu ber\u00fccksichtigen, dass der Mensch mit seiner Sexualit\u00e4t in bestimmte Ordnungen des Daseins eingebunden ist. Es gibt Lebensgesetze und Erfahrungen, die allen Menschen gemein sind und sich vern\u00fcnftig erkennen und mitteilen lassen. Sie sind offensichtlich nicht einfach willk\u00fcrlich abzu\u00e4ndern, sondern kultur- und religions\u00fcbergreifend objektivierbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sexualit\u00e4t betrifft den ganzen Menschen. Sie hat eine physische, emotionale, kognitive, soziale, kulturelle und spirituelle Dimension. Sexuelle Entwicklung ist Teil der Identit\u00e4tsentwicklung der einzelnen Person und wesentlich f\u00fcr die Herausbildung von Beziehungsf\u00e4higkeit. Im Gegensatz zum Tier l\u00e4sst sich menschliche Sexualit\u00e4t nicht auf eine Folge von Triebregung und -befriedigung reduzieren. Als vitale pers\u00f6nlich\u00adkeitspr\u00e4gende Lebenskraft des Menschen ist sie zugleich Gabe und Aufgabe, insofern der Umgang mit ihr und die Folgen sexuellen Handelns auch verantwortet sein wollen. In seiner Sexualit\u00e4t dr\u00fcckt sich der ganze Mensch aus. Als (nonverbale) Kommunika\u00adtion ist sie gleichzeitig auch st\u00f6ranf\u00e4llig und kann missverstanden werden. Um zu einem gl\u00fccklichen Leben beizutragen, muss Sexualit\u00e4t als K\u00f6rpersprache der Liebe erlernt, m\u00fcssen ihre Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist wichtig, Kindern und Jugendlichen zuerst eine positive und ganzheitliche Sicht von Sexualit\u00e4t zu vermitteln, damit sie eine m\u00f6glichst nat\u00fcrliche und angstfreie Haltung zur Sexualit\u00e4t entwickeln k\u00f6nnen. Sie soll als elementare Lebenskraft verstanden werden, die zu kultivieren ist. Ebenso m\u00fcssen Kindern und Jugendlichen aber auch Gefahren im Bereich der Sexualit\u00e4t aufgezeigt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine wesentliche Entwicklungsaufgabe der Heranwachsenden besteht in der Integration der Sexualit\u00e4t in ihre Gesamtpers\u00f6nlichkeit, in Auseinandersetzung mit dem sozialen und kulturellen Umfeld. Ist dies gelungen, bildet das eine wichtige Grundlage f\u00fcr den achtsamen Umgang mit sich selbst und anderen. Daher brauchen Kinder und Jugendliche eine Erziehung und F\u00f6rderung, die sie in ihrer pers\u00f6nlichen Gesamt\u00adentwicklung ber\u00fccksichtigt. Eine Reduzierung auf eine rein technische bzw. biologische Aufkl\u00e4rung greift zu kurz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die sexuelle Entwicklung der (positiven) Formung bedarf, ist Sexualerziehung das prim\u00e4re Recht und die Pflicht der Eltern. Familie ist der wichtigste Lernort f\u00fcr eine gesunde sexuelle Entwicklung. Die Schule hat die Aufgabe, die Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Ziele der Sexualp\u00e4dagogik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine ganzheitliche Sexualp\u00e4dagogik strebt folgende Ziele an:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Sie begleitet junge Menschen bei der Aufgabe, die eigene sexuelle Entwicklung in die gesamte Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung zu integrieren und sich selbst anzunehmen.<\/li>\n<li>Sie hilft jungen Menschen, zur eigenen pers\u00f6nlichen Identit\u00e4t als Mann oder als Frau zu finden und sich der eigenen W\u00fcrde bewusst zu werden. Dazu geh\u00f6rt, eine positive Einstellung zum anderen Geschlecht zu finden und dessen erg\u00e4nzende Aspekte kennen und sch\u00e4tzen zu lernen.<\/li>\n<li>Sie vermittelt Wissen \u00fcber die sexuelle Entwicklung und das Gestalten von Beziehungen, damit junge Menschen zu verantworteten Entscheidungen im sexuellen Bereich kommen k\u00f6nnen. Dadurch hilft sie auch, das Zerbrechen von Beziehungen und Scheidungen zu vermeiden.<\/li>\n<li>Sie bef\u00e4higt, sich \u00fcber Geschlechtlichkeit, Gef\u00fchle und Beziehungen zu verst\u00e4ndigen und entwickelt eine daf\u00fcr notwendige, ebenso sachgem\u00e4\u00dfe wie achtsame Sprache.<\/li>\n<li>Sie gibt jungen Menschen eine ganzheitliche Orientierung f\u00fcr Freundschaft, Liebe, Fruchtbarkeit und hilft ihnen, die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten von Liebe und Sexualit\u00e4t zu erkennen (Polarit\u00e4t der Geschlechter, Unbedingtheit der Liebe, treue und dauerhafte Beziehung als Schutzraum f\u00fcr gegenseitige Hingabe, Wunsch nach Kindern).<\/li>\n<li>Sie hilft, eine nat\u00fcrliche, lebensfrohe und verantwortungsbewusste Einstellung zu Sexualit\u00e4t zu entwickeln; dazu geh\u00f6rt auch die F\u00e4higkeit, Lust zu empfinden und durch Selbstbeherrschung Lust zu sublimieren.<\/li>\n<li>Sie hilft, Teenagerschwangerschaften und Abtreibungen zu vermeiden und f\u00fchrt zur Wertsch\u00e4tzung jedes Menschen von der Zeugung bis zum nat\u00fcrlichen Tod.<\/li>\n<li>Sie hilft, Geschlechtskrankheiten zu vermeiden.<\/li>\n<li>Sie sensibilisiert f\u00fcr Grenzverletzungen und wirkt sexualisierter Gewalt und Pornografie entgegen.<\/li>\n<li>Sie f\u00f6rdert die Auseinandersetzung mit verschiedenen Wertorientierungen in einer Zeit, in der gerade junge Menschen zunehmend unter einen Orientierungs- und Verhaltensdruck im Bereich der Sexualit\u00e4t gebracht werden. So bef\u00e4higt sie auch zur Toleranz Menschen gegen\u00fcber, die eine andere sexuelle Orientierung haben.<\/li>\n<li>In der Verwirklichung dieser Ziele hilft sie den jungen Menschen, Sexualit\u00e4t in ihren vielerlei Kontexten zu verstehen. Das erm\u00f6glicht ihnen, in diesem Bereich so zu handeln, dass es f\u00fcr ihre Gesamtpers\u00f6nlichkeit f\u00f6rderlich ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine solche ganzheitliche Sexualp\u00e4dagogik ist von hohem gesellschaftlichem Interesse. Denn neben der positiven Pers\u00f6nlichkeitsf\u00f6rderung der Einzelnen hilft sie nicht nur bei der Heranbildung einer jungen Generation, die den Generationenvertrag einl\u00f6sen kann, sondern f\u00f6rdert allgemein ein gesundheitliches Verhalten und die Familien- und Kinderfreundlichkeit der Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Qualit\u00e4tsstandards der Sexualp\u00e4dagogik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>P\u00e4dagogische Standards<\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Sexualerziehung soll dem Alter, der Reife und dem pers\u00f6nlichen Entwicklungsstand der jungen Menschen entsprechen. Daher ist Sexualunterricht f\u00fcr jeden jungen Menschen an der individuellen entwicklungspsychologischen Phase zu orientieren. Der jeweilige Erfahrungshorizont dieser Phase darf nicht \u00fcberschritten werden.<\/li>\n<li>Sexualerziehung nimmt Kinder und Jugendliche als einzigartige Pers\u00f6nlichkeiten ernst und gibt ihnen Raum, um Fragen, \u00c4ngste und Erwartungen anzusprechen. Emotionen m\u00fcssen ausgedr\u00fcckt, Werte aktiv erarbeitet und hinterfragt werden d\u00fcrfen.<\/li>\n<li>Gute Sexualerziehung arbeitet ganzheitlich. Sie thematisiert neben den k\u00f6rper\u00adlichen und psychischen Ver\u00e4nderungen auch die Gef\u00fchle, die Aufgabe des Verstandes und die Bedeutung von Entscheidungen, die Gestaltung von Freund-schaften und den Einfluss des soziokulturellen Umfelds. Insbesondere geht es um die Bef\u00e4higung, Verantwortung f\u00fcr sich und andere zu \u00fcbernehmen.<\/li>\n<li>Das nat\u00fcrliche Empfinden von Scham soll respektiert und bei der Auswahl der Unterrichtsinhalte und -materialien ber\u00fccksichtigt werden. Sexuelle Selbsterfahrung hat thematisch keinen Platz im Sexualkundeunterricht.<\/li>\n<li>W\u00e4hrend der Pubert\u00e4t soll die M\u00f6glichkeit geboten werden, M\u00e4dchen und Jungen in ihrer geschlechtlichen Identit\u00e4t und in ihrem Selbstwert zu festigen. Deshalb ist bei geschlechtsspezifischen Themen eine reflexive Koedukation, eine Trennung von Jungen und M\u00e4dchen, sinnvoll. Erst danach ist koedukativer Unterricht zielf\u00fchrend, weil durch das Verstehen des eigenen Geschlechts eine neue Sichtweise f\u00fcr das andere Geschlecht m\u00f6glich wird.<\/li>\n<li>Bei geschlechtsspezifischen Themen sollten \u2013 jedenfalls \u00fcberwiegend &#8211; Jungen von M\u00e4nnern und M\u00e4dchen von Frauen unterrichtet bzw. begleitet werden.<\/li>\n<li>Jugendliche brauchen ausreichend Zeit, d. h. ein ihrem Alter entsprechendes kontinuierliches Angebot, um sich entwicklungsgem\u00e4\u00df mit den vielf\u00e4ltigen Themen rund um Sexualit\u00e4t auseinanderzusetzen und sich eine begr\u00fcndete Meinung zu bilden.<\/li>\n<li>Die Inhalte sollen interaktiv erarbeitet werden. Selbst erworbene Ansichten und durchdachte Entscheidungen haben gro\u00dfen Einfluss auf die individuelle Weiterentwicklung und das pers\u00f6nliche Wachstum.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ausbildungsstandards<\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Sexualp\u00e4dagogen brauchen eine interdisziplin\u00e4re Ausbildung, die biologische, psychologische, ethische, p\u00e4dagogisch-didaktische und spirituelle Inhalte vermittelt.<\/li>\n<li>Die Ausbildung beinhaltet auch biografische Arbeit \u00fcber die eigene sexuelle Entwicklung. Sexualp\u00e4dagogen m\u00fcssen reife Pers\u00f6nlichkeiten sein, die die Erfordernisse von N\u00e4he und Distanz richtig einsch\u00e4tzen und beachten sowie einen wertsch\u00e4tzenden und meinungsbildenden Umgang mit den Lernenden pflegen.<\/li>\n<li>Mentoring, Supervision und regelm\u00e4\u00dfige Weiterbildung sichern die Qualit\u00e4t der Arbeit.<\/li>\n<li>Sexualp\u00e4dagogische Konzepte sollen in Zusammenarbeit von Frauen und M\u00e4nnern erarbeitet werden und auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand sein. Dazu muss im Bereich Sexualentwicklung und -p\u00e4dagogik auch Forschung betrieben werden.<\/li>\n<li>Sexualp\u00e4dagogische Ausbildungen und Konzepte m\u00fcssen regelm\u00e4\u00dfig evaluiert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Inhalte der Sexualp\u00e4dagogik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Vordergrund der Sexualerziehung steht die St\u00e4rkung der eigenen Identit\u00e4t, der Erwerb von Kompetenzen in Sprache und Kommunikation, Sachlichkeit, soziale und ethische Normen, Medien, interkulturelle und interreligi\u00f6se Kenntnisse sowie das Lernen durch Beziehung. Dabei wird Sexualit\u00e4t als etwas grunds\u00e4tzlich Lebensdienliches und Aufbauendes dargestellt: als Identit\u00e4t stiftende Grundlage der Person, als Ausdruck von Liebe und Zeichen der Bindung, als Quelle des Lebens und des Gl\u00fccks.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inhaltliche Schwerpunkte der Sexualp\u00e4dagogik sind:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Sexualerziehung hilft den sich entwickelnden Kindern und Jugendlichen zu verstehen, was in ihrem K\u00f6rper geschieht. Dies betrifft nicht nur die Entwicklung der Sexualorgane und die Ver\u00e4nderungen im Hormonhaushalt, sondern auch den Auf- und Umbau des Gehirns sowie die ver\u00e4nderte Wahrnehmung der Umwelt. Begleitendes Pers\u00f6nlichkeitstraining kann gegen Verunsicherung und \u00c4ngste st\u00e4rken und hilft, Sexualit\u00e4t als eine Ressource f\u00fcr Entwicklung und Entfaltung zu entdecken.<\/li>\n<li>\u00dcber den nat\u00fcrlichen Ablauf des weiblichen Zyklus wird informiert. Die M\u00e4dchen lernen dabei ihre Weiblichkeit und ihre Fruchtbarkeit sch\u00e4tzen. Liebe und Fortpflan-zung werden in ihren nat\u00fcrlichen und kulturellen Zusammenh\u00e4ngen erarbeitet und die Verantwortung von Mann und Frau f\u00fcr die Entstehung und die Entwicklung einer neuen Familie betont. Auch die Jungen lernen ihre erwachende Fruchtbarkeit und ihre M\u00e4nnlichkeit sch\u00e4tzen. Unterschiedliche sexuelle Reaktionen beider Geschlechter werden vermittelt. M\u00e4dchen und Jungen machen sich Gedanken \u00fcber einen verantwortlichen Umgang damit.<\/li>\n<li>Das Bewusstsein der eigenen Fruchtbarkeit hat eine Schl\u00fcsselfunktion: Durch das Verstehen, Vater oder Mutter werden zu k\u00f6nnen, wird die Tragweite sexueller Aktivit\u00e4t erkannt und in die Verantwortung einbezogen.<\/li>\n<li>Die Wahrnehmung eigener Gef\u00fchle, ihre Artikulation und ein achtsamer Umgang damit werden einge\u00fcbt. Dies betrifft grunds\u00e4tzlich alle Gef\u00fchle, insbesondere aber sexuelle, die im Jugendalter entdeckt werden.<\/li>\n<li>Lebensvisionen zu erarbeiten und zu besprechen tr\u00e4gt zu einem zielgerichteten Verhalten bei. Die Bedeutung von Liebe und Hingabe wird grundlegend erarbeitet.<\/li>\n<li>Sexualit\u00e4t betrifft immer die Beziehung zu sich selbst und zu anderen. Daher ist ein wesentlicher Teil guter Sexualp\u00e4dagogik die F\u00f6rderung der Beziehungs- und der Sprachf\u00e4higkeit. Zun\u00e4chst wird die Gestaltung von Freundschaften in angemessener Weise thematisiert. Um Verletzungen durch das Zerbrechen von Beziehungen vorzubeugen, wird auch der Wert einer verl\u00e4sslichen, treuen und liebevollen Partnerschaft erarbeitet. Die Ehe zwischen Mann und Frau als der beste Schutzraum f\u00fcr gelebte Sexualit\u00e4t und f\u00fcr das Aufwachsen von Kindern kommt dabei zur Sprache.<\/li>\n<li>Der junge Mensch lernt verstehen, dass Sexualit\u00e4t lebensphasenspezifischen psychischen Motivationen unterliegt und sich im Lauf des Lebens ver\u00e4ndert.<\/li>\n<li>Sexualp\u00e4dagogik erl\u00e4utert das biologische und kulturelle Mann-Frau-Verh\u00e4ltnis und vermittelt ein lebenswertes Bild beider Geschlechter. Vaterschaft und Mutterschaft werden als sinnvolle und gleicherma\u00dfen verantwortungsvolle Aufgaben vorgestellt. Die Kernfamilie (Vater, Mutter, Kind\/er) wird dabei als Regel betrachtet, weil sie sowohl der Herkunft als auch der Sehnsucht der Heranwachsenden entspricht.<\/li>\n<li>Sexualp\u00e4dagogik stellt verschiedene sexuelle Orientierungen altersgem\u00e4\u00df vor, entsprechend ihrer realen Verteilung in der Bev\u00f6lkerung. Minderheiten werden weder diskriminiert noch idealisiert, Mehrheiten weder unterschlagen noch abgewertet. Vermittelt wird die Achtung vor der jeweiligen Person.<\/li>\n<li>Mit dem Leid von Kindern und Jugendlichen, die aufgrund famili\u00e4rer Br\u00fcche unter seelischen Verletzungen leiden, wird behutsam umgegangen. Es wird in geeigneter Weise angesprochen und nicht relativistisch bagatellisiert.<\/li>\n<li>Zu Themen wie Teenagerschwangerschaften und sexuell \u00fcbertragbare Infektionen wird informiert, ohne sie zum Schwerpunkt des Unterrichts zu machen.<\/li>\n<li>Sowohl die k\u00f6rperlichen und seelischen Risiken verfr\u00fchter sexueller Aktivit\u00e4t und promisken Verhaltens als auch die Bedeutung von Warten bzw. Verzichten (Trieb-sublimation) werden thematisiert.<\/li>\n<li>Die Entwicklung des ungeborenen Kindes ab der Zeugung wird in Wort und Bild dargestellt. Dabei werden auch die k\u00f6rperlichen und seelischen Folgen einer Abtreibung altersgem\u00e4\u00df aufgezeigt.<\/li>\n<li>Eine sachliche Darstellung aller Familienplanungsmethoden und ihrer Auswirkungen auf Frau und Mann und die Partnerschaft erfolgt entwicklungsgem\u00e4\u00df. Wirkungen und Nebenwirkungen von Verh\u00fctungsmitteln werden altersgerecht beschrieben.<\/li>\n<li>Rechtliche und pers\u00f6nliche Grenzen werden thematisiert, um Orientierung zu geben und sexualisierter Gewalt vorzubeugen. Die eigenen Grenzen zu benennen und Nein zu sagen wird einge\u00fcbt (Selbstbehauptungstraining).<\/li>\n<li>Sexualerziehung behandelt sowohl die Hygiene des K\u00f6rpers als auch die der Seele, z. B. die Meidung von Pornografie, Telefonsex, Sex als Ware etc.<\/li>\n<li>Sexualp\u00e4dagogik st\u00e4rkt die Medienkompetenz. Realit\u00e4t und Fiktion werden gegen\u00fcbergestellt. Jugendliche erhalten Hilfe, um ihr Mediennutzungsverhalten im Hinblick auf ihre eigene Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und ihre Lebensziele kritisch zu hinterfragen, insbesondere vor dem Hintergrund der beziehungsfeindlichen Wirkungen von Pornografiekonsum. Auf Suchtpr\u00e4vention wird geachtet.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Rahmenbedingungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sexualerziehung ist prim\u00e4r Recht der Eltern oder der Erziehungsberechtigten. Insofern sind Eltern und Erziehungsberechtigte von Seiten der Bildungstr\u00e4ger immer zu informieren und einzubeziehen, wenn Sexualerziehung angeboten wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manche Eltern sind allerdings zeitlich und inhaltlich, auch aufgrund ihrer Biografie, \u00fcberfordert, ihre Kinder im Bereich der Sexualit\u00e4t zu begleiten. Sie brauchen oft selbst Unterst\u00fctzung und Schulung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig ist der im Jugendalter entwicklungsbedingt n\u00f6tige Abl\u00f6sungsprozess von den Eltern zu beachten. Daher sind au\u00dferfamili\u00e4re Angebote eine wichtige Unter\u00adst\u00fctzung f\u00fcr die elterliche Erziehungsaufgabe. Insofern hat schulische wie au\u00dfer\u00adschulische Sexualerziehung eine unterst\u00fctzende und erg\u00e4nzende Funktion. Dabei muss das Recht, freiwillig am Sexualkundeunterricht teilzunehmen bzw. seine Kinder oder als Jugendlicher sich selbst davon abzumelden, gew\u00e4hrleistet sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.prinzipien-sexualpaedagogik.org\/\">www.prinzipien-sexualpaedagogik.org<br \/>\n<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Unterzeichner:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. med. Arnd Barocka<\/strong>, Neurologe,\u00a0Psychiater und Klinikleiter, Oberursel, Deutschland<\/p>\n<p><strong>Consuelo von Ballestrem<\/strong>, Dipl.-Psychologin, Dipl.-Heilp\u00e4dagogin, systemische Therapeutin, Eichst\u00e4tt, Deutschland<\/p>\n<p><strong>Dr. Dominik Batthy\u00e1ny<\/strong>, Psychotherapeut, Institut f\u00fcr Verhaltenss\u00fcchte, Siemund Freud Privatuniversit\u00e4t, Wien, \u00d6sterreich<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Raphael Bonelli<\/strong>, Psychiater, Siegmund Freud Privatuniversit\u00e4t, Wien, \u00d6sterreich<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Martin L. Fontanari<\/strong>, Stiftung f\u00fcr Familienwerte, Trier, Deutschland<\/p>\n<p><strong>Dr. Hermann Geissler<\/strong>, Kongregation f\u00fcr die Glaubenslehre, Rom, Vatikan<\/p>\n<p><strong>Prof. em. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz<\/strong>, Universit\u00e4tsprofessorin f\u00fcr Religionsphilosophie, TU Dresden, Erlangen, Deutschland<\/p>\n<p><strong>Dipl. Theol. Michaela F. Heereman<\/strong>, Publizistin und Autorin, Vorstandsmitglied des schulpolitischen Elternvereins Nordrhein Westfalen, Meerbusch\/D\u00fcsseldorf, Deutschland<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Stephan Kampowski<\/strong>, Universit\u00e4tsprofessor f\u00fcr Philosophie, Lateranuniversit\u00e4t &#8211; Johannes Paul II. Institut, Rom, Italien<\/p>\n<p><strong>Dr. Michael Matzner<\/strong>, Lehrer f\u00fcr P\u00e4dagogik, Soziologie und Didaktik\/Methodik an der Katholischen Fachschule f\u00fcr Sozialwesen, Stuttgart, Deutschland<\/p>\n<p><strong>Mons. Prof. Dr. Livio Melina,<\/strong> Pr\u00e4sident des Johannes Paul II. Institut, Lateranuniversit\u00e4t, Rom, Italien<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Mar\u00f3th Mikl\u00f3s<\/strong>, Universit\u00e4tsprofessor f\u00fcr Philosophie, Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Budapest, Ungarn<\/p>\n<p><strong>PhDr. Ing. Marie Oujezdsk\u00e1,<\/strong> Nationales Zentrum f\u00fcr Familie, Brno, Tschechische Republik<\/p>\n<p><strong>Prof. (US) Dr. phil. Jakob Past\u00f6tter M.A.<\/strong>, Sexualwissenschaftler, Kulturanthropologe, Professor an der American Academy of Clinical Sexologists, Orlando, Pr\u00e4sident der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Sozialwissenschaftliche Sexualforschung, D\u00fcsseldorf, Deutschland<\/p>\n<p><strong>Dr. Horst Schetelig,<\/strong> Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Norderney, Deutschland<\/p>\n<p><b>Prof. MUDr. ThLic. Kv\u011btoslav \u0160ipr\u00a0<\/b>Prof. f\u00fcr Bioethik in Olomouc (Olm\u00fctz), erster Vertreter der Tschechischen Republik im Rat European Academy of General Practice Teachers (8 Jahre Vorstandsmitglied).<\/p>\n<p><strong>Prim. Mag.phil. Dr.med. Christian Spaemann<\/strong>, Facharzt f\u00fcr Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Schalchen, \u00d6sterreich<\/p>\n<p><strong>Prof. PhDr. Jaroslav \u0160turma,<\/strong> Professor f\u00fcr Psychologie, Karlsuniversit\u00e4t, Prag, Tschechien<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Albert Wunsch,<\/strong> Professor f\u00fcr <span class=\"Apple-style-span\" style=\"border-collapse: separate; border-spacing: 0px;\">\u00d6konomie<\/span> und Management, Essen\/Neuss, Deutschland<\/p>\n<p><strong>Prof. em. Dr. Hans-Bernhard Wuermeling<\/strong>, Universit\u00e4tsprofessor f\u00fcr Rechtsmedizin, Erlangen, Deutschland<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Grunds\u00e4tzliches Das Streben nach Gl\u00fcck ist das Grundbed\u00fcrfnis eines jeden Menschen. Gerade die Sexualit\u00e4t kann Quelle gro\u00dfen Gl\u00fccks &#8211; nicht selten aber auch gro\u00dfen Ungl\u00fccks &#8211; sein. 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