{"id":1158,"date":"2008-01-18T09:11:47","date_gmt":"2008-01-18T07:11:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1158"},"modified":"2009-07-28T22:02:27","modified_gmt":"2009-07-28T20:02:27","slug":"erklarung-des-vereins-wustenstrom-e-v-zur-kampagne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1158","title":{"rendered":"Erkl\u00e4rung des Vereins W\u00fcstenstrom"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Markus Hoffmann,<br \/>\n<\/strong><strong>Vorsitzender W\u00fcstenstrom e.V.<br \/>\nErkl\u00e4rung des Vereins W\u00fcstenstrom\u00a0zur Kampagne gegen das Christival<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00fcstenstrom e.V. ist ein Beratungsdienst, der solche Menschen begleitet, die ihre Sexualit\u00e4t konflikthaft empfinden. Dazu geh\u00f6ren Menschen mit Problemen im Bereich der Heterosexu\u00adalit\u00e4t genauso wie Menschen, die Fragen hinsichtlich ihrer homoerotischen Empfindungen haben. Die Gruppe der Ratsuchenden, die homosexuell empfindend sind, liegt derzeit bei rund 25%.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00fcstenstrom e.V. f\u00fchrt die Beratungen auf der Grundlage genau ausgewiesener ethischer Grundlagen durch. (1) Diese umfassen die Entscheidungsoffenheit der Beratung genauso wie die Klarstellung, dass wir jede Form der \u201cUmpolung\u201c wie auch der Konversionstherapie ablehnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dagegen haben wir uns, wie in der modernen Sexualwissenschaft \u00fcblich, einem plastischen Sexualbegriff verpflichtet. (2) Er basiert darauf, dass sexuelle Orientierungen komplexe und nicht zuletzt psycho-sozial wie auch kulturell bedingte Ph\u00e4nomene sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch haben wir genau und f\u00fcr jeden Fachmann nachvollziehbar definiert, wann Sexualit\u00e4t als konflikthaft bezeichnet werden kann. Ein Leitkriterium daf\u00fcr ist die Beobachtung, dass Menschen ihre Sexualit\u00e4t als Absicherung f\u00fcr unsichere, emotionale Zusammenh\u00e4nge ihrer Pers\u00f6nlichkeit benutzen k\u00f6nnen. (3)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Begleitung von Menschen, die ihre Sexualit\u00e4t konflikthaft erleben, steht daher auch nicht die Sexualit\u00e4t im Mittelpunkt der Beratung, sondern die emotionalen Zusammenh\u00e4nge, die ein Mensch als Motiv hinter seinem sexuellen Handeln erkennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir folgen dem Grundsatz, dass wir mit Menschen nur an den emotionalen Zusammenh\u00e4ngen arbeiten k\u00f6nnen, die sie jeweils f\u00fcr sich im Rahmen eines Beratungsprozesses formulieren k\u00f6nnen. Nicht behandelt werden k\u00f6nnen eingeredete oder angelesene Probleme. Daher helfen wir Menschen, sich im Prozess von Beratung zu entdecken, unbewusste Gef\u00fchle zu erkennen und die innere Motivation f\u00fcr ihr Handeln zu explizieren. Wir treten f\u00fcr das Recht ein, dass jeder Mensch die motivationalen Grundlagen seines Handelns selbst verstehen kann und dass er weder durch Umpolungstheorien noch durch einseitiges Aufzwingen von affirmativen Therapien in der Freiheit seines Personseins eingeschr\u00e4nkt werden darf. Vielmehr muss die Beratung ein Raum sein, wo der Mensch zu seiner eigenen Entscheidung findet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daher gilt: Hat ein homosexuell empfindender Mensch den Wunsch nach Ver\u00e4nderung, so muss dieser Wunsch eindeutig intrinsisch motiviert sein. Es geh\u00f6rt zur ethischen Aufgabe unserer Berater, dass wir Ratsuchenden helfen, ihre Motivation zu \u00fcberpr\u00fcfen. Genauso wird mit jedem Ratsuchenden aus dem Bereich Homosexualit\u00e4t die Motivation seines Ver\u00e4nderungswunsches genau er\u00f6rtert. Moralische Fixierungen, Zw\u00e4nge des sozialen Umfeldes oder Drohungen von Eltern- und Partner-Seite d\u00fcrfen niemals die Motivation f\u00fcr eine Beratung sein, da sonst die Gesundheit und psychische Stabilit\u00e4t des Ratsuchenden gef\u00e4hrdet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Anfang der Beratung und im Verlauf einer Begleitung wird immer wieder auch die Frage reflektiert, was geschieht, wenn zwar eine psychische Entlastung eintritt, aber keine Ver\u00e4nde\u00adrung der sexuellen Orientierung. Wir sehen es schon immer als unsere Aufgabe, Menschen zu beglei\u00adten, einerlei ob sie die Ver\u00e4nderung ihrer sexuellen Orientierung anstreben oder nicht. Dabei ist uns wichtig, dass der Ratsuchende selbst \u00fcber das Ziel der Beratung bestimmen darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir protestieren gegen die Bezeichnung \u201eFundamentalistische Gruppe\u201c oder den Vorwurf der \u201eScharlatanerie\u201c. Unser Anliegen ist eben nicht, Menschen umzupolen. Vielmehr wollen wir ihnen das Recht geben, in einer ganzheitlichen Weise \u00fcber ihre Sexualit\u00e4t und sexuelle Orien\u00adtierung nachzudenken, um am Ende dann eine begr\u00fcndete Entscheidung f\u00fcr oder gegen einen Lebensstil treffen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir halten aber auch an der Erfahrung fest, dass Menschen mit gleichgeschlechtlicher Neigung durch eine Bearbeitung ihrer intrapsychischen Motivation, die sie im Erleben ihrer Sexualit\u00e4t inszenieren, eine Ver\u00e4nderung ihrer sexuellen Orientierung erleben. Solche Ver\u00e4nderungen sind wissenschaftlich immer wieder belegt worden, fr\u00fcher und in j\u00fcngster Zeit. (4)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>18.1.2008<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1 steht unter dem Stichwort Ethik unter www.wuestenstrom.de zum Download bereit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2 Gindorf Rolf; Sexualit\u00e4t als sozialer Tatbestand: Emile Durkheims Spuren in der Sexualwissenschaft heute; erschienen in: Gindorf Rolf, Haeberle Erwin J.; Sexualit\u00e4t als sozialer Tatbestand; Berlin, New York; 1985; (Schriftenreihe sozialwissenschaftliche Sexualforschung; 1)<br \/>\nGindorf Rolf; Homosexualit\u00e4ten in der Geschichte der Sexualforschung; erschienen in Gindorf Rolf, Haeberle Erwin D. (Hrsg.); Sexualit\u00e4ten in unserer Gesellschaft; Berlin, New York 1989 (Schriftenreihe Sozialwissenschaftliche Sexualforschung; 2)<br \/>\nSchmidt, Gunter, Motivationale Grundlagen sexuellen Verhaltens. In: Thomas, H. (Hg.), Psychologie der Motivation, Bd. 2, G\u00f6ttingen 1983<br \/>\nSchmidt Gunter; Kurze Entgegnung auf Volkmar Siguschs \u201eLob des Triebes\u201c; erschienen in: Danecker M., Schmidt G., Schorsch E. und Sigusch V. (Hrsg.); Sexualtheorie und Sexualpolitik; Ergebnisse einer Tagung; Stuttgart 1984 (Beitr\u00e4ge zur Sexualforschung; 59)<br \/>\nDannecker Martin; Das Drama der Sexualit\u00e4t; Hamburg 1992<br \/>\nGagnon John H.; Stein Greenblat Cathy, Kimmel Michael; Bisexualit\u00e4t aus soziologischer Sicht; In: Haeberle Erwin J.; Gindorf R. (Hrsg.); Bisexualit\u00e4ten; Ideologie und Praxis des Sexualkontaktes mit beiden Geschlechtern; Stuttgart, Jena, New York 1994; S. 69 \u2013 92<br \/>\nGoo\u00df Ulrich; Sexualwissenschaftliche Konzepte der Bisexualit\u00e4t von M\u00e4nnern; Beitr\u00e4ge zur Sexualforschung 72; Stuttgart 1995<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3 Morgenthaler, Fritz; Sexualit\u00e4t und Psychonalayse. In: Beitr\u00e4ge der Sexualforschung 59: 20, 1984<br \/>\nMorgenthaler Fritz; Sexualit\u00e4t und Psychoanalyse; erschienen in: Danecker M., Schmidt G., Schorsch E. und Sigusch V. (Hrsg.); Sexualtheorie und Sexualpolitik; Ergebnisse einer Tagung; Stuttgart 1984 (Beitr\u00e4ge zur Sexualforschung; 59)<br \/>\nMentzos, Stavros; Neurotische Konfliktverarbeitung; Frankfurt am Main 1984<br \/>\nPf\u00e4fflin Friedemann; Transsexualit\u00e4t: Beitr\u00e4ge zur Psychopathologie, Psychodynamik und zum Verlauf; Stuttgart 1993<br \/>\nSchorsch Eberhard, Pf\u00e4fflin Friedemann; aus: Handbuch forensischer Psychiatrie S. 323 \u2013 365 Die sexuellen Deviationen und sexuell motivierte Straftaten.<br \/>\nStoller, Robert, Perversion, Die erotische Form von Ha\u00df, Gie\u00dfen 2004<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4 Aus den Jahren 1966 bis 1974 gibt es mehr als 1.000 Artikel \u00fcber die Therapie von Homosexualit\u00e4t in der Datenbank Medline. Die Durchsicht eines repr\u00e4sentativen Querschnitts verschiedener Therapiearten und ihrer Ergebnisse in diesen 1.000 Artikeln ergibt eine durchschnittliche Erfolgsquote von 52 Prozent.<br \/>\nSpitzer, Robert, Can Some Gay Men and Lesbians Change Their Sexual Orientation? 200 Participants Reporting a Change from Homosexual to Heterosexual Orientation, Arch Sex Behavior, 32, 5, 2003, S. 403-41<br \/>\nK. K. Kinnish et al., Geschlechtsspezifische Differenzen der Flexibilit\u00e4t der sexuellen Orientierung \u2013 Eine mehrdimensionale retrospektive Studie, In: Zeitschrift f\u00fcr Sexualforschung, Heft 1\/ 2004<br \/>\nStanton L. Jones, Mark A. Yarhouse; Ex-Gays?: A Longitudinal Study of Religiously Mediated Change in Sexual Orientation, IVP Academie 2007<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Markus Hoffmann, Vorsitzender W\u00fcstenstrom e.V. 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