{"id":11571,"date":"2014-11-10T17:05:03","date_gmt":"2014-11-10T16:05:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11571"},"modified":"2014-11-10T17:21:55","modified_gmt":"2014-11-10T16:21:55","slug":"aerzteverbaende-gegen-zulassung-von-aerztlich-assistiertem-suizid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11571","title":{"rendered":"\u00c4rzteverb\u00e4nde gegen Zulassung von \u00e4rztlich assistiertem Suizid"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\" style=\"text-align: justify;\"><strong>IMABE-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin kritisiert: Suizidgesetz sch\u00fctzt \u00c4rzte, nicht aber Patienten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Lehrstuhlinhaber f\u00fcr Palliativmedizin in Deutschland haben sich geschlossen gegen den \u00e4rztlich assistierten Suizid ausgesprochen. In einer Stellungnahme bekr\u00e4ftigten sie, dass eine solche Beihilfe keine \u00e4rztliche Aufgabe sei, berichtet das <a href=\"http:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/60399\"><i>Deutsche \u00c4rzteblatt<\/i><\/a>. Eine Gesetzes\u00e4nderung zur Erm\u00f6glichung eines \u00e4rztlich assistierten Suizids sei keine ad\u00e4quate Antwort auf Leiden. Die <i>Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Palliativmedizin<\/i> unterst\u00fctzt den Appell. Damit stellen sich die Palliativmediziner u. a. offen gegen ihren in Lausanne und fr\u00fcher in M\u00fcnchen t\u00e4tigen Kollegen, Gian Domenico Borasio. <!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser hatte einen Gesetzesentwurf vorgelegt, wonach es \u00c4rzten erlaubt sein sollte, Suizidwilligen bei der Selbstt\u00f6tung Beihilfe zu leisten. Auch die <i>\u00d6sterreichische Palliativgesellschaft <\/i>hat gemeinsam mit dem <i>Dachverband Hospiz<\/i>, der <i>Caritas<\/i>, dem <i>Roten Kreuz<\/i> und der <i>Vinzenzgruppe <\/i>in einer an die Enquete \u201eSterben in W\u00fcrde\u201c gerichteten Stellungnahme gefordert, dass Palliativbetreuung fl\u00e4chendeckend ausgebaut werden m\u00fcsse. T\u00f6tung auf Verlangen oder Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung lehnen sie entschieden ab (vgl. <i>Tiroler Tageszeitung<\/i>, <a href=\"http:\/\/www.tt.com\/lebensart\/9096471-91\/hilfsorganisationen-formulieren-forderungen-f%C3%BCr-sterbehilfe.csp\" target=\"_blank\">online, 9. 10. 2014<\/a>).<\/p>\n<p class=\"bodytext\" style=\"text-align: justify;\">\u201ePositiv ist, dass man sich nun \u00f6ffentlich mit tabuisierten Themen wie Krankheit, Sterben, Tod auseinandersetzt. Es wird auch ein Bedarf an Weiterbildung f\u00fcr \u00c4rzte und Pfleger in der Begleitung und Behandlung Schwerkranker deutlich\u201c, sagt Ethikerin Susanne Kummer. \u201eDie Antwort auf einen therapeutischen \u00dcbereifer, der nicht Leben, sondern Sterben verl\u00e4ngert, kann aber nicht darin bestehen, die T\u00f6tung oder Hilfe zur Selbstt\u00f6tung der Leidenden als individuelles Recht einzufordern\u201c, betont die IMABE-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin. Es w\u00e4re fatal, wenn Selbstmord zu einem logischen Akt der Selbstbestimmung umdefiniert w\u00fcrde. \u201eEine menschliche Medizin zeige sich in der \u201eprofessionellen Kompetenz, Therapien zur\u00fcckzufahren, wo keine Aussicht auf Heilung besteht\u201c, \u201eTherapieziele zum Wohle des Patienten \u00e4ndern zu k\u00f6nnen\u201c, die \u201eSchmerzlinderung zu verbessern, dem Sterbenden als Mitmenschen beizustehen und ihn nicht alleine zu lassen\u201c, so Kummer.<\/p>\n<p class=\"bodytext\" style=\"text-align: justify;\">Ein Blick auf den US-Bundesstaat Oregon, wo es \u00c4rzten seit 1997 erlaubt ist, Beihilfe zum Suizid zu leisten, beunruhige zutiefst, erkl\u00e4rt Kummer. So habe sich die Zahl der Patienten, die sich seit 1998 mit \u00e4rztlicher Unterst\u00fctzung das Leben nahmen, laut aktuellem <a href=\"http:\/\/public.health.oregon.gov\/ProviderPartnerResources\/EvaluationResearch\/DeathwithDignityAct\/Documents\/year16.pdf\" target=\"_blank\"><i>Death with Dignity Act-Report<\/i><\/a> bis 2013 verf\u00fcnffacht (16 auf 75), 2 von 1.000 Todesf\u00e4llen gingen im 3,9 Millionen Einwohner z\u00e4hlenden Oregon bereits auf \u00e4rztlich-assistierten Suizid zur\u00fcck. Als Hauptgrund geben die Betroffenen nicht, wie man meinen w\u00fcrde, unertr\u00e4gliche Schmerzen an. F\u00fcr 93 Prozent lag der Wunsch nach Suizid in der Angst vor einem \u201eVerlust von Autonomie\u201c und damit die Sorge, eine Last f\u00fcr andere zu werden; 89 Prozent sagten, sie seien \u201eweniger in der Lage, an Aktivit\u00e4ten teilzuhaben, die dem Leben Freude geben\u201c; 73 Prozent f\u00fcrchteten einen \u201eVerlust an W\u00fcrde\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext\" style=\"text-align: justify;\">Auch die Haltung der \u00c4rzte ver\u00e4nderte sich: Von zwei Krebspatienten, die nur \u00fcber die staatliche Armen-Krankenversicherung Medicaid verf\u00fcgten, wird berichtet, dass ihnen per amtlichem Schreiben die zu teure Chemotherapie verweigert, gleichzeitig aber angeboten wurde, einen assistierten Suizid als Alternative zu bezahlen. Beide wollten aber leben und behandelt werden. Erst als der Fall von Randy Stroup an die \u00d6ffentlichkeit kam, wurde ihm eine Chemotherapie zugestanden (vgl. <i>Daily Telegraph<\/i>, <a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/comment\/personal-view\/4736927\/Right-to-die-can-become-a-duty-to-die.html\" target=\"_blank\">online, 20. 2. 2009<\/a>). In rund 17 Prozent der F\u00e4lle stellten die \u00c4rzte entgegen der gesetzlichen Kriterien auch bei chronischen Erkrankungen ohne infauste Prognose Bewilligungen f\u00fcr eine Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung aus.<\/p>\n<p class=\"bodytext\" style=\"text-align: justify;\">\u201eEntgegen aller Beteuerungen der Suizid-Bef\u00fcrworter zeigt das Beispiel Orgeon klar: Eine Legalisierung der medizinisch assistierten Selbstt\u00f6tung untergr\u00e4bt das Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen \u00c4rzten und Patienten. Das Gesetz sch\u00fctzt vielleicht die \u00c4rzte, sicher aber nicht die vulnerable Gruppe der Patienten und seelisch Verzweifelten. Und es schafft neue Graubereiche statt Transparenz\u201c, betont Ethikerin Kummer.<\/p>\n<p class=\"bodytext\" style=\"text-align: justify;\">Auch in der Schweiz ist die Zahl der Menschen, die \u00fcber Organisationen wie Exit oder Dignitas Beihilfe zum Suizid in Anspruch nehmen, in den letzten 10 Jahren kontinuierlich angestiegen (vgl.<a href=\"http:\/\/www.imabe.org\/index.php?id=2033\" target=\"_blank\"> Imabe 2014: <i>Schweiz: Exit will assistierten Suizid auch lebensm\u00fcden Gesunden anbieten<\/i><\/a>): im Jahr 2012 waren es 508 Schweizer und 172 Ausl\u00e4nder. Auch in den Niederlanden ist die Hilfe zur Selbstt\u00f6tung erlaubt, sie wird meist von Haus\u00e4rzten ausgef\u00fchrt. Die Zahl der assistieren Suizide und der F\u00e4lle von \u201eT\u00f6tung auf Verlangen\u201c ist laut dem aktuellen Jahresbericht der Regionalen Pr\u00fcfungskommissionen <i>Regionale Toetsingcommissies Euthanasie<\/i> um 15 Prozent gegen\u00fcber 2012 gestiegen und betrug knapp 5.000 F\u00e4lle (vgl. <i>NiederlandeNet<\/i>, <a href=\"http:\/\/www.uni-muenster.de\/NiederlandeNet\/aktuelles\/archiv\/2014\/september\/0930sterbehilfe.html\" target=\"_blank\">online, 30. 9. 2014<\/a>). Das sind 13 Todesf\u00e4lle pro Tag. Laut einer im Fachjournal <i>Lancet<\/i> publizierten <a href=\"http:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lancet\/article\/PIIS0140-6736%2812%2961034-4\/abstract\">Studie<\/a> werden 23 Prozent aller Euthanasie-Todesf\u00e4lle aber erst gar nicht gemeldet \u2013 obwohl das niederl\u00e4ndische Gesetz dies vorschreibt. In Belgien starben 2012 1.816 Personen durch Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung oder Euthanasie (vgl. <a href=\"http:\/\/www.imabe.org\/index.php?id=2073\" target=\"_blank\">Imabe Juni 2014: <i>\u00d6sterreich: B\u00fcrgerinitiative gegen Euthanasie gestartet<\/i><\/a>). Gro\u00dfes Aufsehen erregte zuletzt der Fall eines 52-j\u00e4hrigen Sexualstraft\u00e4ters. Ihm wurde Beihilfe zum Suizid wegen \u201eunertr\u00e4glicher psychischer Qualen\u201c gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p class=\"bodytext\" style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.imabe.org\">www.imabe.org\u00a0<\/a> (Oktober 2014)<\/em><\/p>\n<p class=\"bodytext\" style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>IMABE-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin kritisiert: Suizidgesetz sch\u00fctzt \u00c4rzte, nicht aber Patienten Die Lehrstuhlinhaber f\u00fcr Palliativmedizin in Deutschland haben sich geschlossen gegen den \u00e4rztlich assistierten Suizid ausgesprochen. 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