{"id":11518,"date":"2014-10-27T19:30:56","date_gmt":"2014-10-27T18:30:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11518"},"modified":"2015-09-08T09:26:06","modified_gmt":"2015-09-08T07:26:06","slug":"pastor-uwe-holmer-im-gespraech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11518","title":{"rendered":"Pastor Uwe Holmer im Gespr\u00e4ch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Uwe Holmer, Jahrgang 1929, war Landpfarrer in Mecklenburg, Direktor der Bibelschule Falkenberg sowie Leiter und B\u00fcrgermeister der Hoffnungstaler Anstalten Lobetal. Vom 30. Januar bis 3. April 1990 beherbergte er zusammen mit seiner Frau das Ehepaar Erich und Margot Honecker. Er lebt jetzt in Serrahn\/ Mecklenburg. Er ist Vater von 15 Kindern; zehn stammen aus der Ehe mit seiner verstorbenen Frau und f\u00fcnf brachte seine zweite Frau aus der Ehe mit ihrem fr\u00fch verstorbenen ersten Mann mit in die Familie ein. <\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH: Der Name Uwe Holmer ist vielen ein Begriff geworden durch das Buch \u201eDer Mann, bei dem Honecker wohnte\u201c. Welches war die betr\u00fcblichste und welches die erfreulichste Reaktion auf das Buch?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Uwe Holmer<\/strong>: Viele Leser schrieben mir, dass sie mein Buch mit Gewinn gelesen und manche Ermutigungen f\u00fcr ihr eigenes Glaubensleben daraus entnommen haben. Lediglich ein Mann empfand darin einen Mangel, ja sogar eine gewisse \u201eT\u00e4uschung\u201d, dass ich relativ wenig \u00fcber Honecker, daf\u00fcr aber viel von mir geschrieben habe. Ich habe erwidert: Genau das besagt der Titel: \u201eDer Mann, bei dem Honecker wohnte\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH: Theo Lehmann zeichnet in seinem Geleitwort u.a. folgendes theologisches Charakterbild: \u201e\u2026kein theologischer Windhund, der sich vom Zeitgeist in die Sackgasse eines schw\u00e4chelnden Liberalismus treiben l\u00e4\u00dft\u201c. Ist das korrekt beschrieben? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Uwe Holmer<\/strong>: Dieses Lob meines Freundes Theo Lehmann wage ich nicht, mir uneingeschr\u00e4nkt zu eigen zu machen. Wahr ist jedoch, dass ich bei meiner Ordination durch meinen Bischof schriftlich verpflichtet worden bin, meinen Dienst als Pastor gem\u00e4\u00df der Heiligen Schrift und den lutherischen Bekenntnisschriften auszu\u00fcben. Wie k\u00f6nnte ich da \u201eliberal\u201d sein! Liberal waren Adam und Eva, als sie dem Gebot Gottes zuwider handelten. Ich habe mich freiwillig zum Gehorsam verpflichtet und habe dabei die Kraft des Wortes Gottes erfahren. Es war verl\u00e4sslich zur Zeit der Apostel, zur Zeit Luthers, zur Zeit des sog. Dritten Reichs und des Sozialismus. Wieso sollte das heute nicht mehr gelten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH: Wie war das Leben der Christen in der Ex-DDR und in der \u201eKirche im Sozialismus\u201c? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Uwe Holmer<\/strong>: Das beurteilen Menschen ganz unterschiedlich. Einige sagen, sie h\u00e4tten 40 Jahre ihres Lebens verloren. Andere fanden Nischen im System, in denen sie relativ unangefochten leben konnten. Als 1953 die Kirche, besonders die Junge Gemeinde, bek\u00e4mpft, verfolgt und als amerikanische Spionage- Organisation verd\u00e4chtigt wurde, f\u00fcrchtete ich, dass es bei uns kommen k\u00f6nnte wie in den schrecklichen Zeiten der Sowjetunion. Als dann aber die Regierung den sog. \u201eNeuen Kurs\u201c ausrief und den Druck erleichterte, habe ich immer wieder Gott gedankt. Zwar blieben Gegenwind, Anfeindungen, Einschr\u00e4nkungen, Verd\u00e4chtigungen (Stasi), z.T. auch Bedrohung. Aber im Blick auf andere Ostblockstaaten hatten wir es dennoch ganz gut. Ich habe manchmal geschimpft, wenn der Staat wieder neue unterdr\u00fcckende Anordnungen erlie\u00df. Immer wieder aber freute ich mich auch, gleichsam wie ein Partisan Gottes seine Botschaft mitten in einem atheistischen Staat verk\u00fcndigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH: Was k\u00f6nnen die Christen im Westen aus den Erfahrungen der Christen in der Ex-DDR lernen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Uwe Holmer<\/strong>: Dass es \u201enormal\u201c ist, wenn ein bekennender Christ von seinen ungl\u00e4ubigen Mitmenschen Widerspruch und Unverst\u00e4ndnis erf\u00e4hrt. Ein Blick in die Apostelgeschichte und die Briefe der Apostel zeigt, dass gl\u00e4ubige Christen zu allen Zeiten Gegenwind hatten. Von der Welt gelobt zu werden oder sich ihr anzupassen, ist f\u00fcr J\u00fcnger Jesu gef\u00e4hrlich. Zu allen Zeiten gilt: <em>F\u00fchrt ein rechtschaffenes Leben unter den Heiden, damit die, die euch verleumden als \u00dcbelt\u00e4ter, eure guten Werke sehen und Gott preisen am Tag der Heimsuchung (1Pt. 2,12). <\/em>Das gilt im Westen wie im Osten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH: In der alten Bundesrepublik Deutschland konnten sich die bibel- und bekenntnisgebundenen landeskirchlichen Christen in Gemeinschaften und Vereinen frei zusammenschlie\u00dfen. War das auch in der Ex-DDR m\u00f6glich? Wie haben die Pietisten dort die 40 Jahre sozialistische Diktatur \u00fcberlebt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Uwe Holmer<\/strong>: Christliche Vereine gab es auch in der DDR. Sie wurden aber argw\u00f6hnisch beobachtet und kontrolliert. Doch hatte jeder Christ die M\u00f6glichkeit, sich einer Kirchengemeinde, einer Landeskirchlichen Gemeinschaft oder einer Freikirche anzuschlie\u00dfen. Wohlt\u00e4tigkeitsvereine konnten sich meist dem Diakonischen Werk der Landeskirche anschlie\u00dfen und damit Schutz und Beratung gewinnen, so auch die \u201eEv. Arbeitsgemeinschaft zur Abwehr der Suchtgefahren\u201c (AGAS, heute wieder Blaues Kreuz).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH: Wie hat sich die evangelische Kirche seit der Wiedervereinigung Deutschlands entwickelt? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Uwe Holmer<\/strong>: Die evangelische Kirche gibt es nicht, denn sie ist im S\u00fcden ganz anders als im Norden und zwar sowohl in den alten wie in den neuen Bundesl\u00e4ndern. F\u00fcr die fr\u00fchere DDR gilt: Sachsen hat ein relativ reges Gemeindeleben, der Norden (Mecklenburg und Vorpommern) aber hat sich mit Erfolg gegen Erweckungen gewehrt und eine deutlich geringere Anzahl an praktizierenden Christen. Allgemein gilt: Die wachsende Anzahl moderner Theologen l\u00e4sst auch die Kirchen-Austrittszahlen anwachsen. Daran hat die Wiedervereinigung nichts ge\u00e4ndert. Ein bekannter Theologe sagte: \u201eNichts ist in der Evangelischen Kirche so unbekannt wie das Evangelium\u201c! Wer fragt, wie S\u00fcnder selig werden, erh\u00e4lt selten eine klare Antwort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH: 1991 hat die Synode der Evang.-Luth. Kirche in Bayern die Abtreibung in die Verf\u00fcgung der schwangeren Frau gestellt. Bis heute h\u00e4lt diese Synode an der \u201eRosenheimer Erkl\u00e4rung\u201c fest, trotz wiederholter Proteste seitens des Arbeitskreises Bekennender Christen in Bayern. Und die EKD h\u00e4lt unbeirrt an der staatlichen Beratungsschein- Regelung fest. Wie sollten sich Christen in der Lebensrechtsfrage engagieren? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Uwe Holmer<\/strong>: Gott hat uns die 10 Gebote gegeben. Sie sind zwar kein Weg zur Seligkeit, aber Leitlinien f\u00fcr das Leben. Und da hei\u00dft es nun mal: <em>Du sollst nicht t\u00f6ten! <\/em>Es gibt kein \u201eRecht\u201c der Eltern, das ihnen anvertraute Leben zu t\u00f6ten. Auch die Kirche hat nicht das Recht, betroffenen Frauen dies (Un-)Recht zuzusprechen. So haben wir als Seelsorger zu mahnen: Nimm an, was Gott Dir schenkt. Er will Dir Gutes tun, Dich segnen und stark machen, auch wenn Du es momentan ganz anders empfindest. Zugleich muss der Seelsorger nach Wegen suchen, wie die durch die Schwangerschaft entstehenden Probleme gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Die Gemeinden sollten glaubhafte Signale aussenden, dass jede Frau bei ihnen verst\u00e4ndnisvolle Hilfen findet. Wir haben es mehrfach erlebt: Dabei k\u00f6nnen Menschen ihren Gott erfahren. Und hinterher wird gro\u00dfe Freude daraus. Allerdings: Ich habe wohl nie \u00fcber diesen Kampf f\u00fcr das Leben gesprochen, ohne hinzuzuf\u00fcgen: Wer aber sein Kind abgetrieben hat und nun ein gequ\u00e4ltes Gewissen hat, auch f\u00fcr den gibt es eine frohe Botschaft: <em>\u201eWenn wir unsere S\u00fcnden bekennen, so ist Gott treu und gerecht, dass er uns die S\u00fcnden vergibt und reinigt uns von aller Untugend\u201c (1 Joh 1,9). <\/em>Ich habe nach Beichte und Absolution wunderbare Gewissenserleichterungen erlebt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH: 1996 hat die EKD in ihrer sogenannten Orientierungshilfe \u201eMit Spannungen leben\u201c von einer ethisch verantwortbaren Gestaltung der Homosexuali\u00e4t gesprochen. 2004 hat die VELKD-Bischofskonferenz den Dienst homosexueller Amtstr\u00e4ger und das Zusammenleben mit ihren Partnern im Pfarrhaus f\u00fcr m\u00f6glich erkl\u00e4rt. 2010 hat die EKD in ihrem neuen Pfarrdienstgesetz diese Empfehlung \u00fcbernommen und kirchengesetzlich verankert. Die EKD erkl\u00e4rt, da\u00df es sich hierbei nur um Ordnungsfragen handelt. Kritiker sagen, da\u00df mit diesem Gesetz der status confessionis gegeben ist. Was ist richtig? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Uwe Holmer<\/strong>: Nat\u00fcrlich ist hier der \u201estatus confessionis\u201c gegeben, also ein Grenzpunkt \u00fcberschritten, den Gott durch sein Wort gesetzt hat. Gottes Wort sagt eindeutig, dass homosexuelle Praxis eine heidnische Lebensweise ist und mit der Nachfolge Jesu nicht vereinbart werden kann (R\u00f6m 1; 1 Kor 6; 1 Tim 1). Das haben alle V\u00e4ter der Christenheit bis hin zu Karl Barth und anderen bezeugt. Auch der Rat der EKD hat noch 2002 erkl\u00e4rt: \u201e<em>Es gibt keine biblischen Aussagen, die Homosexualit\u00e4t in eine positive Beziehung zum Willen Gottes setzen &#8211; im Gegenteil.\u201c <\/em>Wer Gott mehr gehorchen will als den Menschen, muss den Mut haben, diese biblische Wahrheit zu bekennen. Und zwar nicht in den luftleeren Raum hinein, sondern im Widerspruch gegen die Kirchenleitungen, die mit dem \u00a7 39 des Pfarrdienstgesetzes das erste Kirchengesetz schufen, das erlaubt, was die Heilige Schrift verbietet. Das darf keine Kirchenleitung und kein Bischof. Dazu ist zu erg\u00e4nzen: Wer das sagt, muss bereit sein, die Not Betroffener mitzutragen. Paulus hat Ver\u00e4nderungen durch Gottes Geist an Betroffenen erlebt (1 Kor 6,11). Wo das nicht gelingt, k\u00f6nnen wir nur raten, z\u00f6libat\u00e4r zu leben, wie es ja auch etliche Frauen und M\u00e4nner in evangelischen Orden tun. Ein Pfarramt muss praktizierenden Homosexuellen wegen der Vorbildwirkung verwehrt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH: Theo Lehmann und Lutz Scheufler haben zur Vorbereitung einer Bekenntnissynode aufgerufen. Ist das der richtige Weg?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Uwe Holmer<\/strong>: Wer den \u201estatus confessionis\u201d feststellt, tritt heraus aus der Beliebigkeit. Gespr\u00e4che sind gef\u00fchrt worden und haben keine Einigung gebracht. Da kann man nur noch bekennen, ja man muss bekennen und Partner suchen, wie es die Bekennenden Christen nach 1934 taten. Deshalb ist die Vorbereitung einer Bekenntnissynode der gebotene Weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH: Zum Schluss noch eine seelsorgerliche Frage: Wie kann man ein fr\u00f6hlicher Christenmensch bleiben angesichts des Glaubens- und Sittenverfalls in unserem Land?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Uwe Holmer<\/strong>: Jesus hat im Blick auf die Zeit vor seiner Wiederkunft Kriege und Kriegsgeschrei, Erdbeben, Verfolgung und Verf\u00fchrung vorausgesagt, und dann gemahnt: <em>Wenn dies anf\u00e4ngt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure H\u00e4upter, weil sich eure Erl\u00f6sung naht. <\/em>Das macht zuversichtlich und mutig mitten in den N\u00f6ten dieser Endzeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Fragen stellte Pastor Dr. Joachim Cochlovius <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hinweis auf das erw\u00e4hnte Buch: Uwe Holmer, Der Mann, bei dem Erich Honecker wohnte. SCM H\u00e4nssler, 8. Aufl. 2014, 220 Seiten, 14,95 \u20ac (ISBN 978-3775145824)<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: Aufbruch &#8211; Informationen des Gemeindehilfsbundes, II\/2014<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Aufbruch erscheint 2-3 x j\u00e4hrlich und kann \u00fcber die Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes (05161\/911330; <a href=\"mailto:info@gemeindehilfsbund.de\">info@gemeindehilfsbund.de<\/a>) kostenlos bezogen werden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Uwe Holmer, Jahrgang 1929, war Landpfarrer in Mecklenburg, Direktor der Bibelschule Falkenberg sowie Leiter und B\u00fcrgermeister der Hoffnungstaler Anstalten Lobetal. Vom 30. Januar bis 3. April 1990 beherbergte er zusammen mit seiner Frau das Ehepaar Erich und Margot Honecker. Er lebt jetzt in Serrahn\/ Mecklenburg. 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