{"id":11489,"date":"2014-10-21T10:40:19","date_gmt":"2014-10-21T08:40:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11489"},"modified":"2014-10-21T10:57:27","modified_gmt":"2014-10-21T08:57:27","slug":"den-lebenden-zur-mahnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11489","title":{"rendered":"Den Lebenden zur Mahnung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00bbWas ist Krieg? Ein perverser Mangel an Vorstellungskraft \u2013 an Erinnerung.\u00ab (<\/em><em>Eli Wiesel)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch 2014 \u2013 im Gedenkjahr des 1. Weltkriegs \u2013 werden weiterhin weltweit blutigste Schlachten ausgetragen. Gaza, Syrien, Ukraine, Mali, Irak \u2013 es rei\u00dft nicht ab. Kriege und Kriegsgeschrei \u2013 das apokalyptische \u201erote Pferd\u201c reitet unaufhaltsam weiter. Trotz Weltkriegs-Gedenkprojekten, Konflikt-Forschungsinstituten und UN-Friedensmissionen. Wenn es einen \u201eroten Faden\u201c durch die Menschheitsgeschichte gibt \u2013 dann doch diesen: eine Blutspur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Herr weist in seiner Endzeitrede darauf hin: \u201eIhr werdet von Kriegen und Kriegsger\u00fcchten h\u00f6ren. Gebt Acht, erschreckt nicht; denn dies muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende\u201c (Mt 24,6). Gewalt und Bedrohung werden ein Grundmerkmal der Menschheit bleiben, bis ER \u2013 der Friedensbringer \u2013 wiederkommt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anl\u00e4sslich des wiederum schockierenden V\u00f6lkermordens auch in unserer Zeit nahm ich mir ein vergilbtes Buch hervor: \u201eKriegsbriefe gefallener Studenten von 1928\u201c. Es enth\u00e4lt eine Sammlung von Feldpostbriefen aus dem Ersten Weltkrieg. Herausgeber: Philipp Witkop, Professor f\u00fcr Germanistik an der Universit\u00e4t Freiburg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaum etwas kann tiefer ersch\u00fcttern. Diese Briefe verschaffen auch heute noch unmittelbare Betroffenheit. Intelligente, aussichtsreiche Jungendliche schreiben in unverhohlener Verzweiflung nach Hause \u2013 im ersten Weltkrieg noch ohne Zensur. Hitler lie\u00df 20 Jahre sp\u00e4ter diese Korrespondenzen stutzen \u2013 um alles Kriegskritische gek\u00fcrzt. Diese Kriegsbriefe gefallener Studenten sind ein Verm\u00e4chtnis an uns. Sie helfen unserer blassen Vorstellungskraft auf und lassen lebhaft vor uns auferstehen, was in Kriegsgr\u00e4bern verscharrt liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier eine kleine Auswahl aus den bewegenden Zeitzeugnissen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nDeutliche Todesahnung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch habe wieder einmal einen Tag tr\u00fcber Ahnungen. Immer wieder kommt dieser Zustand. Ist das blo\u00df der Selbsterhaltungstrieb? Eigentlich ist ja Angst weiter nichts als die Voraussicht nahenden Unheils, dem man durch Vorsicht kaum zu entgehen hofft. Ich sehe meine gesunden Glieder, h\u00f6re das Krachen der Schrapnells, das Surren der Sprengst\u00fccke und komme unwillk\u00fcrlich zu der Vorstellung, dass auch mich so ein Ding zerrei\u00dfen kann. Ich habe die Verwundungen gesehen, die solche Geschosse beibringen k\u00f6nnen. Eisen gegen Menschenfleisch. S\u00fc\u00df-gruseliges Todesahnen. Ich will doch noch leben! Wenn\u2018s nicht allzu vermessen klingt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Adolf Witte, Philosophiestudent aus Berlin, mit 25 zwei Tage sp\u00e4ter gefallen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nVersp\u00e4tete Wertsch\u00e4tzung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e125 Mann unseres Bataillons sind bereits dahin! Oh, \u00fcber alles geliebte Eltern! In der letzten Nacht, als ich w\u00e4hrend des heftigen Gefechts keinen Schlaf finden konnte, da eilten meine Gedanken zu Euch in die Heimat. Wer wei\u00df, es kann sein, dass ich euch alle nicht wiedersehe. Da will ich Euch doch noch aus tiefstem Herzen danken f\u00fcr alle eure Liebe und Treue, die Ihr w\u00e4hrend meines Lebens an mich gewendet habt. Es kommt mir immer mehr zu Bewusstsein, welche herrliche Jugend ich in meinem Elternhaus verleben durfte, dass ich so liebe Eltern habe wie sonst keiner mehr.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ulrich Timm, Theologiestudent aus Rostock, mit 18 in Galizien gefallen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nIndustrielle Schlachtung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas ist \u00fcberhaupt das Scheu\u00dfliche an diesem Krieg: alles wird maschinenm\u00e4\u00dfig. Man k\u00f6nnte den Krieg eine Industrie gewerbsm\u00e4\u00dfigen Menschenschlachtens nennen. Die k\u00fcrzlich eingef\u00fchrten Minenwerfer sind das Abscheulichste. Sie werden lautlos abgeworfen und schlagen oft drei\u00dfig Mann zugleich kaputt. Man steht im Graben \u2013 und jede Sekunde kann so ein Ding krepieren.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hans Martens, Technikstudent aus Charlottenburg, mit 23 gefallen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nEntsetzliche L\u00e4uterung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWas erlebt man nicht in diesen Feuertaufen! Man reift um Jahre. Der Tod saust. Jeden Augenblick glaubt man getroffen zu werden. Man ist dessen sicher. Vollkommen klar funktioniert das Ged\u00e4chtnis. Man gedenkt der Eltern. Ein Notschrei ist im Menschen. Gedanken mit Trotz und schlie\u00dflichem Ingrimm. Weg mit dem Krieg, der scheu\u00dflichsten Missgeburt der Menschenlaster! Menschen schlachten sich in Massen ab, ohne sich zu kennen, zu hassen, zu lieben. Fluch den wenigen, die ihn heraufbeschw\u00f6ren. Vernichtung ihnen allen! Denn es sind Bestien, Raubtiere. Krieg dem Krieg! Mit allen Mitteln gegen ihn ank\u00e4mpfen. Das wird meine eifrigste Aufgabe sein, falls der g\u00fctige Weltenlenker mir ein frohes, gesundes Wiederkehren verg\u00f6nnt. Man wird ein anderer Mensch. Meinen Eltern werde ich als Neugeborener geschenkt, gereifter, einsichtiger; und insofern m\u00f6gen diese Schrecknisse ihre Berechtigung haben: eine abgrundtiefe, verwerfliche Ausgeburt der H\u00f6lle, aber ein entsetzlicher, gr\u00fcndlicher Erzieher der Menschenseele. Gro\u00dfer Gott! Wie kost man mit der Sonne nach so einer Schlachtennacht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Knut Peterson, Philosophiestudent aus Berlin, mit 21 in Polen gefallen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nNibelungentreue Pflichterf\u00fcllung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWas das Ganze hier ist? Unverstand dieses Morden und Pflichttreue. Das haben wir Deutschen, glaube ich, allen anderen voraus: das strenge Pflichtbewusstsein. Das bew\u00e4hrt sich in diesem grauenhaften Krieg. Dieses Pflichtbewusstsein miterzogen und gest\u00e4rkt zu haben, gibt dem Militarismus seine Existenzberechtigung. Nat\u00fcrlich gibt es auch Dr\u00fcckeberger. Aber die Pflichttreue fragt nicht: Ist es gef\u00e4hrlich? Nein, man schie\u00dft, man wacht, man buddelt bis 12 oder 1 Uhr, weil es die verdammte Pflicht und Schuldigkeit ist. Und das wird dann getan als etwas Selbstverst\u00e4ndliches \u2013 nicht gern, nicht ungern \u2013 nat\u00fcrlich. Wie aus einem inneren, notwendigen Zwang.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An seinem Sterbetag:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMeine lieben, guten Eltern. Hier ist Krieg, Krieg in seiner allerschrecklichsten Form \u2013 und Gottesn\u00e4he in h\u00f6chster Spannung. Es wird nun Ernst. Aber innerlich bin ich frei und froh. Ich liege auf dem Schlachtfeld mit Bauchschuss. Ich glaube, ich muss sterben. Bin froh noch einige Zeit zu haben, mich auf meine himmlische Heimkehr vorzubereiten. Dank Euch, Ihr lieben Eltern! Gott befohlen. Hans\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Johannes Haas, Theologiestudent aus Leipzig, mit 24 vor Verdun verblutet.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nGrauenhafte Aufopferung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEine w\u00fctendere Schlacht kann es nicht geben. Soldat gegen Soldat, hass- und wutenbrannte Gegner. Tagelang wird um ein und denselben Quadratmeter Landes erbittert gerungen, bis das ganze Gel\u00e4nde buchst\u00e4blich ein Blut- und Leichenacker ist. Ein gro\u00dfes Morden mit Patronen, \u00c4xten, Handgranaten. Auf einer Strecke von 200 Metern 909 Mann Verluste, der Feind Tausende. Das blaue franz\u00f6sische Tuch mischte sich am Boden mit dem grauen deutschen. Die Toten lagen stellenweise so hoch, dass man hinter ihnen Deckung vor Artillerie nehmen konnte. Ein Donnern, Krachen, Br\u00fcllen, Schreien, als ob die Welt untergehen sollte. Befehle mussten von Ohr zu Ohr weitergebr\u00fcllt werden. Und wenn einmal in dem Schlachtenl\u00e4rm und St\u00f6hnen der Verwundeten eine kleine Pause eintrat, h\u00f6rte man hoch in der blauen Luft die V\u00f6gel jubeln und zwitschern. Der Gesang der Fr\u00fchlingsv\u00f6gel! Man h\u00e4tte sich das Herz aus dem Leib rei\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fragt mich nicht nach dem Schicksal der Verwundeten. Wer nicht auf eigenen Beinen zum Arzt laufen kann, muss elendig sterben. Manche haben Stunden, manche Tage, manche eine Woche lang gelitten, bis sie starben. Und die K\u00e4mpfenden st\u00fcrmten in einem fort achtlos \u00fcber sie hinweg. \u00bbKann dir die Hand nicht geben \u2013 bleib du im ewigen Leben \u2013 mein guter Kamerad!\u00ab Wie gl\u00fccklich ist dagegen jeder Hund zu preisen, der in heimatlicher H\u00fctte verreckt. Es gibt Augenblicke, in denen es der tapferste Soldat zum Heulen satt hat. Als ich vorhin das Jubeln der V\u00f6gel h\u00f6rte \u2013 ich h\u00e4tte die Welt vor Widersinn und Wut zermalmen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Richard Schmieder, Philosophiestudent aus Leipzig, mit 28 gefallen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nAllertragischste \u00dcberwindung\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eHeute ist Sonntag \u00bbJubilate\u00ab. Wer kann aber in diesem Krieg diese Mahnung beherzigen? Gestern Abend ist Ewald auf Patrouille gefallen. Er war erst 18, der einzige Sohn seiner Eltern. Ich kann nicht in Worte fassen, wie mich sein Tod bewegt. In diesen Tagen noch sollte er auf Urlaub fahren, auf den er sich seit Wochen freute. Danach sollte er zum Leutnant bef\u00f6rdert werden. Seine Leiche fiel in Feindeshand. Ihr wisst, wie innig wir beide in den letzten Wochen verwachsen waren, in unvergesslichen Stunden, im Gespr\u00e4ch \u00fcber manch ernster Frage. Wie oft fanden wir uns im gegenseitigen Verst\u00e4ndnis und in der gleichen Begeisterung f\u00fcr ideale Ziele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Tragik, die \u00fcber allem Menschenleben liegt, die einem so oft die Zuversicht rauben m\u00f6chte! Man kann ihr nur durch die christliche Religion entkommen, deren trostreichen Inhalt ich jetzt erleben darf. In diesem Glauben allein k\u00f6nnen wir, wenn auch nicht die L\u00f6sung all der schweren Schicksalsfragen, so doch ihre innere \u00dcberwindung erleben. Ich habe mit Ewald oft \u00fcber diese Dinge gesprochen. Wir haben oft nachts zusammen zum Sternenhimmel emporgeschaut. Es ist so schwer, urpl\u00f6tzlich einen Freund zu verlieren. Ihn, diesen lebensfrischen, \u00fcbersch\u00e4umenden jungen Mann mit seinen leuchtenden gro\u00dfen Augen. Ich werde seinen Blick nie vergessen k\u00f6nnen. R.i.p.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Karl Thomas, Theologiestudent aus Dresden, mit 24 an der Somme gefallen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\n\u2026 wie ein Kind weinen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWie h\u00e4sslich ist die Welt, wie absto\u00dfend, wie schmutzig. W\u00e4hrend meines Milit\u00e4rjahres habe ich es mit H\u00e4nden greifen k\u00f6nnen. Das Milit\u00e4r ist eine Quelle, aus der F\u00e4ulnis aufsteigt, um die St\u00e4dte zu \u00fcberschwemmen. Wer vermag sich aus dieser Flut von Schmutz zu retten, wenn Gott ihm nicht hilft? \u2026 Nichts ist durch den Frieden verloren, aber alles durch den Krieg \u2026 Oft konnte ich mich nur noch auf die Knie werfen und wie ein Kind weinen \u2026 Ich werde das Schreien eines \u00d6sterreichers, dessen Brust durch Bajonettstiche zerrissen worden war, niemals vergessen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Angelo Roncalli, Sanit\u00e4ter und Seelsorger in Italien, der sp\u00e4tere Papst Johannes XXIII.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nSpreu oder Korn?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Sturmgep\u00e4ck trugen viele der Ersten Weltkrieger handliche Reclam-Ausgaben von H\u00f6lderlin, Schiller und Goethe bei sich. In den Briefen der Studenten an die Heimat verbucht jedoch die Bibel mit Abstand die meisten Bezugnahmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eintragungen im Einband eines kleinen Taschen-Testamentes:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e16. Juni 1915. Lorettoh\u00f6he. Starker Angriff. Viele Verluste. Ich bin getrost. Dieses Testament ist hier im Felde mein bester Freund. Ich lese oft darin und bin froh, dass ich es habe. Lieber Vater, ich habe fr\u00fcher oft \u00fcber deine Fr\u00f6mmigkeit gelacht und habe \u00fcber das Spr\u00fcchelernen geseufzt. Jetzt bete ich diese Verse oft. Sie passen so gut zu meiner Situation. \u00bbIch vermag alles durch den, der mich m\u00e4chtig macht, Christus.\u00ab\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An seinem Geburtstag:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eHeute schreibe ich weiter. Ich will es offen bekennen: Hier zwischen Gr\u00e4ben und Gr\u00e4bern habe ich meinen Gott und Heiland gefunden. Mein Vater, wie wirst du dich freuen, wenn ich dir das erz\u00e4hle! In drei Tagen geht es in die Heimat. Vierzehn Tage Urlaub!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gottfried W., einziger Sohn seines Vaters<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel mit diesen Eintragungen wurde dem Elternhaus zugeschickt. Der Vater hatte sie seinem Sohn zur Konfirmation geschenkt. Ein kleiner Brief lag dabei: \u201eGefallen am 8.7.1915. Wir haben ihn alle sehr lieb gehabt. Er war wie ein Heiliger. Diese Augen \u2013 diese Ruhe. Ich gebe dieses Buch in die H\u00e4nde seines Vaters zur\u00fcck.\u201c\u00a0(Unteroffizier Werner)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nDazu auch ein Erlebnis aus der Zeit des 2. Weltkriegs:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Joel K\u00f6nig \u2013 ein junger, untergetauchter Jude \u2013 versteckte sich bis 1944 mitten in Berlin. Immer lebte er in Furcht vor Entdeckung und vor dem Abtransport ins KZ. \u2028In seinem Gro\u00dfstadt-Versteck, einer abgetrennten Schlafkammer, stand ein riesiges B\u00fccherregal. Nacheinander holte sich Joel in seiner endlosen Langeweile alle Klassiker hervor. Er las und las um sich abzulenken und Trost zu finden. In seiner Biographie schreibt er: \u201eIch kostete hier, nippte dort, klappte zu und suchte weiter. Schiller, Heine, Nietzsche, Goethe \u2026 Waren diese B\u00fccher stumm, oder war ich taub? Oder hatten mir alle Not und Sorgen den Blick verstellt? Die deutschen Klassiker halfen mir nicht aus meiner stummen Wehrlosigkeit. Die Suche nach Lesestoff f\u00fchrte mich zur Besch\u00e4ftigung mit der Heiligen Schrift.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Joel K\u00f6nig verschlang das Wort Gottes voller Hei\u00dfhunger: \u201eDie Reden der Propheten vernahm ich dabei mit so einer Unmittelbarkeit, als h\u00e4tte ich vor zweieinhalb Jahrtausenden in Jerusalem gestanden. Einmal klingelte ein Unbekannter an der T\u00fcr. Ich zuckte zusammen und schlug sofort die Bibel zu. Ich dachte, die stimmgewaltige Rede von Amos k\u00f6nnte mich verraten. Dabei hatte ich nur mit den Augen gelesen.\u201c (Den Netzen entronnen; Die Aufzeichnungen des Joel K\u00f6nig. S 259.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wann wird die Botschaft dieser trostgewaltigen Stimmen der Propheten endlich zur Wirklichkeit? Wann wird ER richten zwischen den Nationen und Recht sprechen vielen V\u00f6lkern?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnd sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden und ihre Speere zu Winzermessern; nicht wird Nation gegen Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen.\u201c (Jes 2,4)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eER wird richten zwischen vielen V\u00f6lkern und Recht sprechen m\u00e4chtigen Nationen bis in die Ferne. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden und ihre Speere zu Winzermessern; nicht wird Nation gegen Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen.\u201c (Micha 4,3)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Autor: Andreas Fett<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: fest und treu, 03\/2014<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbWas ist Krieg? Ein perverser Mangel an Vorstellungskraft \u2013 an Erinnerung.\u00ab (Eli Wiesel) Auch 2014 \u2013 im Gedenkjahr des 1. Weltkriegs \u2013 werden weiterhin weltweit blutigste Schlachten ausgetragen. Gaza, Syrien, Ukraine, Mali, Irak \u2013 es rei\u00dft nicht ab. Kriege und Kriegsgeschrei \u2013 das apokalyptische \u201erote Pferd\u201c reitet unaufhaltsam weiter. Trotz Weltkriegs-Gedenkprojekten, Konflikt-Forschungsinstituten und UN-Friedensmissionen. 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