{"id":11398,"date":"2014-10-02T16:26:07","date_gmt":"2014-10-02T14:26:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11398"},"modified":"2014-10-02T16:26:07","modified_gmt":"2014-10-02T14:26:07","slug":"auch-der-ethikrat-strickt-mit-legenden-ueber-familienstrukturen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11398","title":{"rendered":"Auch der Ethikrat strickt mit: Legenden \u00fcber Familienstrukturen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wer \u00f6ffentlich von einer \u201eOrdnung der Familie\u201c spricht, sie gar rechtspolitisch verteidigen will, dem ist Ablehnung, ja H\u00e4me sicher. Vorbei sind jene Zeiten, in denen liberale Vordenker die Kernfamilie als \u201eGrundeinrichtung der menschlichen Gesellschaft\u201c ansahen, \u201egenauso alt wie die menschlich-gesellschaftliche Gesittung selbst\u201c (Ren\u00e9 K\u00f6nig) (1). Heute ist es \u201eMainstream\u201c das Loblied der \u201eBuntheit und Vielfalt\u201c der Lebens- und Familienformen zu singen; je exotischer die Konstellationen sind, desto sicherer sind ihnen Medienaufmerksamkeit und \u00f6ffentliche \u201eAnerkennung\u201c. Ein einschl\u00e4giges Beispiel sind die sog. \u201eRegenbogenfamilien\u201c: Ihre empirische Bedeutung ist verschwindend gering, sie liegt statistisch nachweisbar im Promillebereich: Nur etwa 7.000 Minderj\u00e4hrige leben in Deutschland bei gleichgeschlechtlichen Paaren; etwa eine Million Kinder lebt in heterosexuellen nichtehelichen Lebensgemeinschaften, bei Alleinerziehenden sind es 2,2 Millionen und bei Ehepaaren etwa 10 Millionen Kinder (2).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statistisch betrachtet gibt es eine unbestreitbare soziale Normalit\u00e4t \u2013 70% der Kinder leben bei ihren verheirateten Eltern (3). Diese Tatsache ignorieren jene Zeitgeistmedien, die best\u00e4ndig insinuieren, dass die Normalfamilie \u201eout\u201c sei. Auch in Regierungsberichten hei\u00dft es, dass die Familie \u201eim Gefolge der gesellschaftlichen Ausdifferenzierungsprozesse\u201c ihre \u201etypische Kontur verloren\u201c habe. Die \u201etradierte Kleinfamilie\u201c werde deshalb \u201ezuk\u00fcnftig immer weniger eine allgemein vorherrschende Norm sein\u201c (4). Es ist dagegen die Rede\u00a0 von \u201evielf\u00e4ltigen Formen des Zusammenlebens\u201c. Kernfamilien, Alleinerziehende, Patchwork-Familien und homosexuelle Paare werden dabei in einen Topf geworfen, obwohl die Bedeutung dieser Lebensformen schon rein statistisch-quantitativ v\u00f6llig verschieden ist (5). Die Realit\u00e4t wird bewusst ignoriert, um ungest\u00f6rt von Fakten das neue Dogma des Beziehungsrelativismus zu verk\u00fcnden: Die Struktur der Familie sei f\u00fcr das Kindeswohl unerheblich, worauf es ank\u00e4me w\u00e4re allein die \u201eliebevolle Sorge\u201c der \u201esozialen Eltern\u201c f\u00fcr das Kind (6). Es versteht sich von selbst, dass die Elternliebe f\u00fcr das Wohlergehen des Kindes elementar ist. Und unbestreitbar ist ebenfalls, dass auch Kernfamilien in ihrer F\u00fcrsorgeaufgabe versagen k\u00f6nnen. Gerade die F\u00e4lle im Elternhaus gef\u00e4hrdeter Kinder zeigen, n\u00e4her betrachtet, aber, welche tragischen Folgen der Zerfall von \u201etraditionellen\u201c Familienstrukturen hat: Im Vergleich zu Kernfamilien erhalten Alleinerziehende und Patchworkeltern wesentlich h\u00e4ufiger amtliche Erziehungshilfen. Das betrifft vor allem die besonders aufwendigen, \u201efamilienersetzenden Ma\u00dfnahmen\u201c: Mehr als zwei Drittel der Kinder, die in Heime eingewiesen werden, haben Eltern, die sich getrennt haben (7). An die Stelle zerbrochener Kernfamilien tritt dann \u201eVater Staat\u201c, der zwar mit Steuermitteln f\u00fcr Unterkunft und Unterhalt sorgen, aber die Elternliebe nicht ersetzen kann. Und diese Liebe braucht ein Ordnungsgef\u00fcge, das eben nicht beliebig ist. Anders lassen sich die h\u00e4ufigen Erziehungsprobleme von Alleinerziehenden und Patchworkeltern nicht verstehen. Denn diese lieben ihre Kinder sicher nicht weniger als Kernfamilieneltern; das Problem liegt also in den Rahmenbedingungen. Es hat auch etwas mit Geldmangel zu tun, besonders im Fall der Alleinerziehenden: Zwei H\u00e4nde k\u00f6nnen eben nicht dasselbe erwirtschaften wie vier H\u00e4nde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch wichtiger als die materielle Lage sind aber die Beziehungen: Das Verh\u00e4ltnis der Kinder zu ihren V\u00e4tern ist, nicht in jedem Einzelfall, aber im Allgemeinen besser, wenn die Kinder mit beiden leiblichen Eltern in einer Kernfamilie aufwachsen (8). Die Kernfamilie ist also nicht nur statistisch-quantitativ betrachtet die Regel, sondern auch das \u201eNormale\u201c im Sinne des Guten f\u00fcr die Kinder und die Gesellschaft. An dieser Normalit\u00e4t muss sich das Recht orientieren, das ja per definitionem \u201eabstrakt-generelle\u201c Regelungen zu treffen hat. Aus gutem Grund stehen Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der Verfassung (Art. 6 GG). Wer, wie der nationale Ethikrat in seinem Inzest-Gutachten, (tragische) Einzelf\u00e4lle zum Ma\u00dfstab erhebt, setzt die Beliebigkeit des \u201eanything goes\u201c an die Stelle des Rechts als Ordnung des Gemeinwohls (9).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Institut f\u00fcr Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V., Nachricht 17\/2014<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.i-daf.org\">www.i-daf.org<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(1)\u00a0\u00a0 Zitiert nach: Bundesminister f\u00fcr Familie und Jugend: Bericht \u00fcber die Lage der Familien in der Bundesrepublik Deutschland \u2013 (\u201e1. Familienbericht\u201c), Bundestagsdrucksache V\/2532, Bonn 1968, S. 7.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2)\u00a0\u00a0 Vgl. Statistisches Bundesamt: Wie leben Kinder in Deutschland? Begleitmaterial zur Pressekonferenz am 3. August 2011 in Berlin, Wiesbaden 2011, S. 9.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3)\u00a0\u00a0 Statistisches Bundesamt: Alleinerziehende in Deutschland. Ergebnisse des Mikrozensus 2009, Begleitmaterial zur Pressekonferenz am 29. Juli 2010 in Berlin, Wiesbaden 2010, S. 7.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(4)\u00a0\u00a0 Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Bericht \u00fcber die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland (Elfter Kinder- und Jugendbericht), Berlin 2002, S. 124.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(5)\u00a0\u00a0 Vgl. ebd., S. 122-123. Der abstrakt-wissenschaftliche Duktus solcher Aussagen t\u00e4uscht eine wert- und vorurteilsfrei Beschreibung vor;\u00a0 tats\u00e4chlich geht es aber darum, die neue Norm einer \u201eInstitutionenkindheit\u201c, eines durch staatliche Betreuungsangebote durchstrukturierten, Familienlebens zu postulieren. Eingehender hierzu: Stefan Fuchs: Vater Staat statt Elternhaus. Bindungsverluste f\u00fchren zu neuem Etatismus, S. 130-142, in: DIE NEUE ORDNUNG, Heft 2\/2014, S. 135 ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(6)\u00a0\u00a0 Ein aktuelles Beispiel daf\u00fcr sind folgende Aussagen aus j\u00fcngsten Gutachten des \u201eNationalen Ethikrats\u201c: \u201eZudem ist zu bedenken, dass sich das Verst\u00e4ndnis von Familie als tragende gesellschaftliche Institution und Ort identit\u00e4tsbildender Sozialisation in den letzten Jahren erheblich gewandelt hat. [\u2026] Was sich in den Zeiten solchen Wandels als zentral f\u00fcr die Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und Sozialisation von Kindern herausgestellt hat, sind nicht in erster Linie auf herk\u00f6mmlichen Vorstellungen von Familie beruhende Konstellationen des Zusammenlebens, sondern vielmehr die liebevolle Sorge und Anerkennung des Kindes sowie ein harmonisches Beziehungsgef\u00fcge innerhalb des tats\u00e4chlich gelebten Familienverbundes, der im \u00dcbrigen auch ohne blutsverwandtschaftliche Basis bestehen kann.\u201c Deutscher Ethikrat: Inzestverbot. Stellungnahme, Berlin 2014, S. 41.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(7)\u00a0\u00a0 Siehe hierzu: Heimerziehung in Deutschland \u2013 bei mehr als zwei von drei F\u00e4llen geht die Trennung der Eltern voraus (Abbildung), Nachricht der Woche, 2014 \/ 6, 16.03.2014 Kinderarmut: Hauptgrund ist die Trennung der Eltern, <a href=\"http:\/\/www.i-daf.org\/aktuelles\/aktuelles-einzelansicht\/archiv\/2014\/03\/16\/artikel\/kinderarmut-hauptgrund-ist-die-trennung-der-eltern.html\">http:\/\/www.i-daf.org\/aktuelles\/aktuelles-einzelansicht\/archiv\/2014\/03\/16\/artikel\/kinderarmut-hauptgrund-ist-die-trennung-der-eltern.html<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(8)\u00a0\u00a0 Eingehender hierzu: J\u00fcrgen Liminski: Familiengl\u00fcck klassisch, DIE WELT vom 22.08.2009, <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/welt_print\/debatte\/article4374530\/Familienglueck-klassisch.html\">http:\/\/www.welt.de\/welt_print\/debatte\/article4374530\/Familienglueck-klassisch.html<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(9)\u00a0\u00a0 In dieser Hinsicht ist das Gutachten des \u201eNationalen Ethikrats\u201c exemplarisch, das tragische Einzelschicksale zum Anlasse nimmt, um die Revision der bisher fast unumstrittenen Strafnorm gegen den Inzest zwischen Geschwistern zu fordern. Vgl.: Deutscher Ethikrat: Inzestverbot, S. 10 ff. (\u201eBerichte von Betroffenen\u201c) sowie S. 72 (\u201eSchlussfolgerungen und Empfehlungen\u201c). Bemerkenswert ist, dass in dem gesamten Gutachten ein zentrales Argument gegen den Inzest unerw\u00e4hnt bleibt: Nach Augustinus hat die Ehe als Institution den historischen Zweck die Menschheit nach und nach zu einer Familie zu verbinden. Dieser Zweck wird umso besser erf\u00fcllt, je weiter die Eheleute verwandtschaftlich voneinander entfernt sind. Es w\u00e4re aufschlussreich, den Einfluss dieser Lehre auf die europ\u00e4ische Geschichte zu untersuchen, in der die Kirche jahrhundertelang gegen die verbreitete Heirat unter Verwandten (besonders im Adel) gek\u00e4mpft hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer \u00f6ffentlich von einer \u201eOrdnung der Familie\u201c spricht, sie gar rechtspolitisch verteidigen will, dem ist Ablehnung, ja H\u00e4me sicher. 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