{"id":11357,"date":"2014-09-22T13:33:34","date_gmt":"2014-09-22T11:33:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11357"},"modified":"2014-09-22T13:33:34","modified_gmt":"2014-09-22T11:33:34","slug":"evangelisch-lutherisches-missionsbistum-in-finnland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11357","title":{"rendered":"Evangelisch-lutherisches Missionsbistum in Finnland"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das Bistum wurde am 16.3.2013 gegr\u00fcndet. Es hat allerdings eine Vorgeschichte von \u00fcber 14 Jahren. 1999 wurde die Lutherstiftung Finnland gegr\u00fcndet mit dem Ziel, in m\u00f6glichst vielen Orten einen Gottesdienst nach lutherischem Bekenntnis zu begr\u00fcnden, damit den Christen, die in ihren bisherigen Gemeinden heimatlos geworden sind, ein geistliches Zuhause zur Verf\u00fcgung steht.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die evangelisch-lutherische Volkskirche war noch vor einer Generation die Kirche von 97% der Finnen, ziemlich beliebt, aber trotzdem wenig in Anspruch genommen. Seit 1922 ist sie zwar keine Staatskirche mehr, hat aber als die gro\u00dfe Mehrheitskirche enge Verbindungen zum Staat. Der Pietismus hat tief in die Kirche hineingewirkt, besonders seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Die verschiedenen Erweckungsbewegungen \u2013 meistens eben pietistischer Natur \u2013 konnten zwar in der Volkskirche bleiben, ihre Mitglieder fanden aber das eigentliche geistliche Leben nicht in der Kirche, sondern in ihren eigenen Kreisen, \u201eStunden\u201c genannt. Die Sakramente \u201eholte\u201c man sich noch aus der Kirche. Es entwickelte sich eine bestimmte Auffassung vom geistlichen Leben ohne Gottesdienst, das mit der offiziellen Kirche, mit Pfarramt, Liturgie und Sakramenten kaum noch etwas zu tun hatte. Wo aber erweckte Pfarrer in den Gemeinden wirkten, nahmen die Pietisten deren Dienst dankbar an und fanden ihre Heimat dann doch z. T. auch in der Amtskirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit den 60-er Jahren ist der geistliche Zustand der Kirche rapide verk\u00fcmmert, und einige Jahrzehnte sp\u00e4ter sank auch die Mitgliederzahl, wobei heute immer noch \u00fcber 70% der Finnen formal der Kirche angeh\u00f6ren und Kirchensteuer zahlen. Der Gottesdienstbesuch ist extrem niedrig: Nur 1% der Kirchenglieder sind sonntags im Gottesdienst zu finden. Die liberale Theologie hat nat\u00fcrlich schon lange gewirkt, aber ein neues Tief in der Theologie kam in den 60er- und 70er-Jahren. Die Theologen lernten Gottes Wort zu verachten, der Zeitgeist gab den Ton an. 1986 wurde die Frauenordination beschlossen und zwei Jahre sp\u00e4ter auch realisiert. Allm\u00e4hlich wurde den Pfarrern, die die Frauenordination ablehnen, trotz ausdr\u00fccklicher Beteuerungen und Beschl\u00fcsse, das Leben schwer und z. T. unm\u00f6glich gemacht. Schlie\u00dflich hat die Volkskirche auch Schritte Richtung Homoehe gemacht, obwohl dies noch hinter dem frommen Schleier der formalen F\u00fcrbitte f\u00fcr \u201eregistrierte Partnerschaften\u201c getarnt ist. Zunehmend wurden solche Christen, die noch in der Kirche blieben, in ihren eigenen Gemeinden heimatlos. Viele wanderten mangels Alternativen in die Freikirchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige Vertreter der Kirchenleitung verstanden diese Not. Der Bischof von Oulu (Nord-Finnland, Lappland) ordinierte einen jungen Theologen, den Pfarrer Juhana Pohjola mit dem Auftrag, Gottesdienstgemeinschaften zu gr\u00fcnden, die Gottes Wort und das lutherische Bekenntnis ernst nehmen. 1999 wurde die erste solche Gemeinschaft in Helsinki gegr\u00fcndet. Am Anfang beteiligten sich ca. 20 Gottesdienstteilnehmer. Heute gibt es 31 solche Gemeinden und dazu einige Predigtstellen \u00fcberall in Finnland. Es sind in ihnen 20 hauptamtliche und 15 nebenamtliche Pfarrer im Dienst, dazu noch ca. 15 befreundete Pfarrer, die je nach Bedarf dienen. Die Bistumsordnung (Verfassung) verpflichtet die Pfarrer auf Gottes Wort und auf die lutherischen Bekenntnisschriften, so wie es auch noch formal in der Volkskirche geschieht. Auch die Gottesdienstliturgie entspricht der finnischen lutherischen Ordnung. Die wichtigste Einsicht und \u00dcberzeugung in der Arbeit des Bistums ist, dass die Gnadenmittel nicht nur hilfreich sind, sondern unverzichtbar. Gott wirkt nicht unmittelbar, sondern durch die Predigt des Wortes und die Sakramente.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gemeinden finanzieren sich ausschlie\u00dflich aus freiwilligen Spenden der Gemeindeglieder. Kirchensteuergelder oder Gelder aus dem Ausland stehen nicht zur Verf\u00fcgung, ebenso keine Gemeinder\u00e4ume (Kirchen und andere) der Volkskirche, obwohl die gro\u00dfe Mehrheit unserer Gemeindeglieder und auch Pfarrer noch Glieder und damit Steuerzahler der Volkskirche sind. Unsere Gemeinden mieten die Gottesdienstr\u00e4ume derzeit z. B. bei den Adventisten und den Orthodoxen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gr\u00fcndung einer Gemeinde fordert eine gewisse Anzahl von interessierten Christen, die den Kontakt zur Bistumsleitung aufnehmen. Zuerst werden Bibelstunden und Unterricht gehalten mit dem Inhalt \u201edie Kennzeichen der Kirche\u201c. Was ist eine Gemeinde, was sind die Gnadenmittel, wie sind sie im Gottes Wort begr\u00fcndet usw. Dann f\u00e4ngt man an, Gottesdienste mit Abendmahl zu halten \u2013 meistens noch nicht jeden Sonntag. Zuerst muss ein Pastor einer m\u00f6glichst nahen Gemeinde der neuen Gemeinde dienen. Das Ziel ist es, f\u00fcr sie einen eigenen Pastor zu bekommen. Die Gemeinden haben das Missionsbistum am 16. M\u00e4rz 2013 gegr\u00fcndet. Das Bistum hat eine ganz lockere Struktur, denn das eigentliche geistliche Leben findet in den Gemeinden statt. Ein Bischof wurde bei der Gr\u00fcndung gew\u00e4hlt und am 4.5.2013 in sein Amt eingesetzt. Als Vorbild und \u201eModell\u201c f\u00fcr sein Amt hat der neue Bischof den bisherigen Bischof Dr. Matti V\u00e4is\u00e4nen, der im Rahmen der Missionsprovinzen von Schweden und Finnland wirkte. Er hat auch den neuen Bischof, Propst Risto Soramies in sein Amt eingesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige unserer Pfarrer sind noch von der Amtskirche ordiniert. Da aber dort schon recht lange ein Ordinationsstopp f\u00fcr bekenntnistreue Kandidaten in Kraft ist, hat man zun\u00e4chst im Rahmen der Missionsprovinzen in Schweden und Finnland je nach Bedarf ordiniert. Jetzt kann das Missionsbistum dies selber tun. Die Amtskirche hat mittlerweile einigen der von ihr ordinierten Pfarrer die Pfarrrechte entzogen. Eine Hoffnung, dass die Amtskirche das Missionsbistum anerkennen k\u00f6nnte, besteht praktisch nicht. Man hat zwar keine bestimmten Pl\u00e4ne f\u00fcr die Gr\u00fcndung einer eigenen Kirche, aber diese steht wohl dennoch irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Risto Soramies, Bischof des Evangelisch-lutherischen Missionsbistums in Finnland August 2014 <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Aufbruch \u2013 Mitteilungen des Gemeindehilfsbundes, II\/2014 <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Aufbruch kann in der Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes bestellt werden (info@gemeindehilfsbund.de). Der Bezug ist kostenlos. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Bischof Soramies wird auf dem Gemeindehilfsbund-Kongress in Zavelstein (27.\u201329. M\u00e4rz 2015) sprechen. Das Thema des Kongresses lautet: \u201eDie Gemeinde in der Zerrei\u00dfprobe zwischen Nachfolge und Verweltlichung\u201c.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bistum wurde am 16.3.2013 gegr\u00fcndet. 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