{"id":11268,"date":"2014-09-04T10:51:31","date_gmt":"2014-09-04T08:51:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11268"},"modified":"2014-09-04T10:52:39","modified_gmt":"2014-09-04T08:52:39","slug":"die-apokalypse-des-irakischen-christentums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11268","title":{"rendered":"Die Apokalypse des irakischen Christentums"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Christen und andere \u201eUngl\u00e4ubige\u201c zu vernichten ist das erkl\u00e4rte Ziel islamistischer Extremisten im Irak. Eine der \u00e4ltesten christlichen Kulturen der Welt steht vor dem Aus. Eine Analyse von Johannes Gerloff<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bilder sind grauenhaft. Reihen aneinander geketteter Frauen werden als Sex-Sklaven feilgeboten. M\u00e4nner m\u00fcssen sich in Massengr\u00e4ber legen, wo sie durch Kopfschuss get\u00f6tet werden. Kreuze, an denen blut\u00fcberstr\u00f6mte menschliche K\u00f6rper h\u00e4ngen. Nicht nur Soldaten, sondern auch Kleinkinder werden enthauptet, die abgeschnittenen K\u00f6pfe auf Pf\u00e4hlen zur Schau gestellt \u2013 was die T\u00e4ter dann fotografieren und stolz im Internet ver\u00f6ffentlichen. Begleitet werden die Bilder von Schreckensgeschichten, die kaum unabh\u00e4ngig \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nnen. Aber sie haben Wirkung: Tausende orientalischer Christen sind auf der Flucht. In der Mitte des zweiten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert steht eine der \u00e4ltesten christlichen Kulturen weltweit vor dem Aus.<!--more-->Dabei standen die Zeichen unmissverst\u00e4ndlich an der Wand. Was heute grauenhaft Wirklichkeit wird, wurde durch Graffiti an den Hausw\u00e4nden der irakischen Gro\u00dfst\u00e4dte Bagdad und Mossul seit Jahren angek\u00fcndigt. Und der dort angespr\u00fchte anti-christliche Hass war keineswegs pr\u00e4zedenzlos. Bereits vor eineinhalb Jahrzehnten drohten islamistische Wandschmierereien in \u00c4gypten: \u201eZuerst die Samstag-Leute! Dann die Sonntag-Leute!\u201c<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Ausl\u00f6schung mit System<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich ist die Massenvertreibung der christlichen Bev\u00f6lkerung des arabisch-islamischen Orients eine konsequente Fortsetzung der erkl\u00e4rten, planm\u00e4\u00dfigen und erfolgreichen ethnischen S\u00e4uberung der arabischen Juden, der \u201eSamstag-Leute\u201c. Waren Mitte 20. Jahrhunderts noch mehr als eine Million Juden in der arabischen Welt beheimatet, so ist diese heute praktisch \u201ejudenrein\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt sind Zentren, Organisationen und Institutionen der \u201eSonntag-Leute\u201c \u201elegitime Ziele\u201c extremistischer Muslime. Sie wollen erkl\u00e4rterma\u00dfen \u201ealle Ungl\u00e4ubigen t\u00f6ten, wo immer sie ihrer habhaft werden k\u00f6nnen\u201c. Mit \u201eUngl\u00e4ubigen\u201c sind aus Sicht der Muslime alle Andersgl\u00e4ubigen gemeint, nicht nur Christen, sondern auch Jesiden und Muslime der jeweils anderen Glaubensrichtungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus Perspektive der Christen erw\u00e4chst die Bedrohung aber nicht nur von Seiten sunnitischer Islamisten, etwa der Muslimbruderschaft, der Al-Qaida und ihrer \u201eT\u00f6chter\u201c, der Nusra-Front oder des so genannten \u201eIslamischen Staates\u201c, sondern auch von schiitischen Gruppierungen. So ordnete im Jahr 2012 der Gro\u00dfajatollah Sajid Ahmad al-Hassani al-Baghdadi in einem Interview mit dem \u00e4gyptischen Fernsehsender \u201eAl-Baghdadiah\u201c die uneingeschr\u00e4nkte Unterwerfung oder Ermordung aller Christen im Irak an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Systematisch haben radikale Muslime im Irak \u00fcber Jahre hinweg ein Klima des Schreckens, der Einsch\u00fcchterung und Bedrohung geschaffen. Bemerkenswert ist dabei, wie schweigsam die Machthaber \u201evon Amerikas Gnaden\u201c diese Entwicklung hingenommen haben. Christen wurden als \u201ePolytheisten\u201c oder \u201eZionistenfreunde\u201c beschimpft. Jetzt stellt der sunnitische \u201eIslamische Staat\u201c (IS) \u2013 fr\u00fcher nannte sich die Bewegung \u201eIslamischer Staat im Irak und S\u00fcdsyrien\u201c (ISIS) \u2013 die Christen in Syrien und dem Irak vor die Alternative: \u201eBekehrung zum\u00a0Islam\u00a0oder Tod\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konkret gab der IS am 17. Juli 2014 den Christen im nordirakischen Mossul drei Tage, das Gebiet ihres \u201eKalifats\u201c zu verlassen. Dabei wurde betont, dass \u201eKalif\u201c Abu Bakr al-Baghdadi mit dieser Frist gro\u00dfz\u00fcgig sei, weil ihn nichts dazu verpflichte. Diese Aufforderung l\u00f6ste eine Massenflucht der Christen von Mossul in das nahe gelegene autonome Kurdistan aus. Viele alte oder behinderte Christen, die keine M\u00f6glichkeit sahen, sich dem Exodus anzuschlie\u00dfen, konvertierten zum Islam\u00a0.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Christenfreie Zone<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schockiert erz\u00e4hlen Fl\u00fcchtlinge, wie sie kurz nach Verlassen ihrer Heimatstadt an Stra\u00dfensperren angehalten und ihrer letzten Habe beraubt wurden: \u201eDie nahmen alles, unsere Autos, Geld, Personalausweise, P\u00e4sse, selbst Windeln von S\u00e4uglingen und die Medikamente eines chronisch kranken M\u00e4dchens.\u201c Einem sechs Monate alten M\u00e4dchen wurden die eigentlich wertlosen Ohrringe abgerissen. \u201eViele von uns wurden verpr\u00fcgelt\u201c, ist zu h\u00f6ren. Und dann drohten die Islamisten: \u201eKehrt niemals wieder in dieses Land zur\u00fcck. Dies ist unser Land. Wenn ihr zur\u00fcckkommt, werden wir euch mit dem Schwert t\u00f6ten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der chald\u00e4ische Patriarch Louis Sako sch\u00e4tzt, dass momentan etwa 100.000 Christen auf der Flucht sind. Ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt er, dass etwa 1.500 alte Manuskripte von den islamistischen Fanatikern verbrannt wurden, was in der islamischen Welt sehr au\u00dfergew\u00f6hnlich ist. Muslime haben gemeinhin auch vor christlichen B\u00fcchern eine gro\u00dfe Hochachtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor der \u201eBefreiung\u201c durch die Amerikaner 2003 wohnten in Mossul noch 60.000 von 1,5 Millionen irakischen Christen. Am 23. Juli 2014 erkl\u00e4rte der syrisch-orthodoxe Erzbischof der Stadt, Nikodimus Daud, im Exil in Irbil gegen\u00fcber dem russischen Fernsehsender \u201eRussia Today TV\u201c: \u201eEs gibt keine Christen mehr in Mossul!\u201c Er erz\u00e4hlte weiter, wie die Islamisten des IS die Kreuze von den Kirchen gerissen h\u00e4tten, \u201ezuerst von meiner Mar Afram Kathedrale\u201c. Dann h\u00e4tten sie alles in der Kirche verbrannt, Lautsprecher aufgestellt und das christliche Gotteshaus durch ihre Gebete zur Moschee umfunktioniert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andere Kirchen in Syrien und im Irak wurden von den K\u00e4mpfern des IS gesprengt, wie \u00fcbrigens auch manche Moscheen, die von diesen fanatischen Muslimen als Bedrohung f\u00fcr den strikten Ein-Gott-Glauben verstanden wurden, wenn sie etwa als Wallfahrtsorte dienten. Das altehrw\u00fcrdige Mar Behnam-Kloster in der Gegend Al-Chadhir s\u00fcd\u00f6stlich von Mossul, das aus dem vierten Jahrhundert stammt, wurde eingenommen, seine M\u00f6nche vertrieben.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Unterwerfung oder Flucht<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Offensichtlich hatte der \u201eKalif\u201c des IS den Einwohnern des frisch eroberten Mossul bereits angeboten, die \u201eDschissja\u201c, eine Schutzsteuer, zu bezahlen. Im Februar 2014 hatten die christlichen Einwohner der am Euphrat gelegenen syrischen Stadt Al-Rakka ein so genanntes \u201eDhimma-Abkommen\u201c mit den Eroberern unterzeichnet. Darin verpflichteten sich die Muslime nach alter islamischer Tradition, Leben, Besitz und religi\u00f6se St\u00e4tten der Christen zu sch\u00fctzen. Deshalb wird dieser so genannte \u201eDhimmi-Status\u201c auch als \u201eStatus der Schutzbefohlenen\u201c beschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Christen ihrerseits verpflichten sich, die \u201eDschissja\u201c zu bezahlen, die je nach Einkommensverh\u00e4ltnissen zwischen 178 und 715 US-Dollar pro Jahr liegt. Weiter d\u00fcrfen sie weder neue Kirchen bauen, noch alte oder besch\u00e4digte Gottesh\u00e4user renovieren. Christen im \u201eDhimmi-Status\u201c ist untersagt, Kirchenglocken zu l\u00e4uten, religi\u00f6se Symbole \u2013 etwa ein Kreuz oder einen religi\u00f6sen Text \u2013 \u00f6ffentlich auszustellen. In Gegenwart von Muslimen d\u00fcrfen sie keine religi\u00f6sen Texte laut vorlesen oder rezitieren. \u201eDhimmi\u201c m\u00fcssen jede \u00f6ffentliche Anbetungshaltung vermeiden und d\u00fcrfen keine Waffen tragen. Zudem verpflichten sie sich, Mitglieder ihrer eigenen Glaubensgemeinschaft nicht am \u00dcbertritt zum\u00a0Islam\u00a0zu hindern, den\u00a0Islamund die Muslime zu ehren und sie in keiner Weise zu beleidigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Grundlage f\u00fcr diese Ma\u00dfnahmen beruft sich der IS auf den Koran,\u00a0Sure\u00a09, die den Namen \u201eDie Reue\u201c tr\u00e4gt, Vers 29. Dort wird \u00fcber Christen und Juden gesagt: \u201eK\u00e4mpfet wider jene von denen, welchen die Schrift gegeben ward, die nicht glauben an\u00a0Allah\u00a0und an den J\u00fcngsten Tag \u2026, bis sie den Tribut aus der Hand gedem\u00fctigt entrichten\u201c. Scheich Hussein Bin Mahmud, ein prominenter Autor in dschihadistischen Internetforen, meint dazu: \u201eDies ist ein klarer g\u00f6ttlicher Text. Das sieht jeder, der den Koran liest.\u201c Die mit dem Dhimmi-Status verbundene Erniedrigung schreibt Bin Mahmud dem Unglauben der Christen zu und erkl\u00e4rt: \u201eAls Ungl\u00e4ubige sind sie unw\u00fcrdig und verachtenswert und m\u00fcssen so auch behandelt werden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Verletzung dieser Verpflichtungen bedeutet laut Vertrag, dass sie als \u201eFeinde\u201c behandelt werden. Die Alternative zu einer Unterzeichnung des Dhimma-Vertrags ist \u201edas Schwert\u201c. Anfang August hatten IS-Milizion\u00e4re in Tel Afar, einer Stadt westlich von Mossul, etwa hundert Christen und Jesiden kurzerhand festgenommen, die M\u00e4nner umgebracht und ihre Frauen und T\u00f6chter als Sklaven verkauft. Ganz offiziell wurde von islamischen Geistlichen in solchen F\u00e4llen bestimmt: Christliche Frauen und M\u00e4dchen werden \u201erechtm\u00e4\u00dfig als Frauen der Muslime betrachtet\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da sich die Christen von Mossul nicht dem Dhimma-Vertrag unterwerfen wollten, blieb ihnen nur die Flucht. Ihr Hab und Gut wurde beschlagnahmt. Wie systematisch und gut organisiert der IS dabei vorgeht, zeigte sich daran, dass im vergangenen Monat christliche Immobilien mit dem arabischen Buchstaben \u201eN\u201c f\u00fcr \u201eNasara\u201c (\u201eChrist\u201c) und der Aufschrift \u201eEigentum des Islamischen Staates\u201c gekennzeichnet wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders schockiert zeigten sich Christen aus Mossul, die dieses Vorgehen miterlebt hatten, dass sich ihre muslimischen Nachbarn, mit denen sie seit Generationen zusammengelebt hatten, bereitwillig am Vorgehen der IS-K\u00e4mpfer beteiligten. Pl\u00f6tzlich behaupten die, mit denen man Jahrzehnte lang T\u00fcr an T\u00fcr zusammengelebt hat: \u201eDieses Land geh\u00f6rt dem\u00a0Islam\u00a0! Christen sollten hier nicht leben.\u201c Ein christlicher Fl\u00fcchtling aus Mossul erz\u00e4hlt: \u201eAls die IS-Leute in unserer Stadt eingezogen sind, haben die Menschen ihnen zugejubelt \u2013 und die Christen vertrieben.\u201c<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">\u201eDas Leiden erwartet auch Christen im Westen\u201c<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am zweiten Augustwochenende 2014 erkl\u00e4rte der chald\u00e4isch-katholische Erzbischof von Mossul, Amel Nona, im Exil in Irbil einem italienischen Journalisten: \u201eUnsere gegenw\u00e4rtigen Leiden sind ein Vorspiel f\u00fcr das, was europ\u00e4ische und westliche Christen in naher Zukunft zu erwarten haben.\u201c Und weiter: \u201eIhr m\u00fcsst die Realit\u00e4ten hier im Nahen Osten wahrnehmen, weil die Anzahl der Muslime, die ihr in euren L\u00e4ndern aufnehmt, immer gr\u00f6\u00dfer wird. Eure liberalen und demokratischen Prinzipien z\u00e4hlen hier nichts.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Blick auf die Millionen Muslime in Europa riet der 47-J\u00e4hrige: \u201eIhr werdet starke und mutige Entscheidungen treffen m\u00fcssen, auch wenn das auf Kosten eurer eigenen Prinzipien geht.\u201c Lorenzo Cremonesi beschreibt ihn in der italienischen Tageszeitung \u201eCorriere della Sera\u201c als \u201everletzten und vom Schmerz gezeichneten Mann\u201c, der aber \u201enicht kapituliert\u201c habe. Erzbischof Nona sieht nach seinen Erfahrungen nur noch eine \u201eM\u00f6glichkeit, den christlichen Exodus aus Orten zu beenden, in denen das Christentum Wurzeln weit vor der islamischen Zeit hat\u201c: \u201eGewalt mit Gegengewalt zu bek\u00e4mpfen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Johannes Gerloff<\/em><br \/>\n<em>Israelnachrichten 22.8.14<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christen und andere \u201eUngl\u00e4ubige\u201c zu vernichten ist das erkl\u00e4rte Ziel islamistischer Extremisten im Irak. Eine der \u00e4ltesten christlichen Kulturen der Welt steht vor dem Aus. Eine Analyse von Johannes Gerloff Die Bilder sind grauenhaft. Reihen aneinander geketteter Frauen werden als Sex-Sklaven feilgeboten. M\u00e4nner m\u00fcssen sich in Massengr\u00e4ber legen, wo sie durch Kopfschuss get\u00f6tet werden. 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