{"id":11233,"date":"2014-08-25T21:45:38","date_gmt":"2014-08-25T19:45:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11233"},"modified":"2014-08-26T10:45:13","modified_gmt":"2014-08-26T08:45:13","slug":"das-auge-fehlkonstruktion-oder-schoepferische-meisterleistung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11233","title":{"rendered":"Das Auge:  Fehlkonstruktion oder sch\u00f6pferische Meisterleistung?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht reiben sie sich verwundert ihre Augen, nach dem sie diese \u00dcberschrift gelesen haben. Ist denn nicht schon allein die Tatsache, dass wir sehen und deshalb auch diesen Artikel lesen k\u00f6nnen, durch eine F\u00fclle atemberaubender Konstruktions- und Funktionsdetails unserer Augen oder des Gehirns \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich? Vieles, was durch die Forschung aufgedeckt wurde, spricht doch eine ganz eindeutige Sprache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein kurzer Steckbrief des menschlichen Auges, welches zu den Linsenaugen geh\u00f6rt, soll dies unterstreichen:<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Auf der Netzhaut mit einer Gr\u00f6\u00dfe \u00a0ca. 2 cm<sup>2 <\/sup>finden ca. 130 Millionen Lichtsinneszellen (Rezeptoren) Platz. Unsere modernen digitalen Kameras sind von dieser Bildpunktdichte (Pixel) noch weit entfernt. &#8211; Von den angesprochenen Sinneszellen sind ca. 60-125 Millionen sogenannte St\u00e4bchenzellen. Sie sind f\u00fcr die Hell-Dunkel Wahrnehmung verantwortlich. Die \u00fcbrigen 3-6 Millionen Zapfenzellen erm\u00f6glichen das Farbsehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Die unterschiedliche Farbwahrnehmung sowie die Unterscheidung von Hell und dunkel basiert auf Eigenschaften spezieller Eiweise (Opsine) in den Sinneszellen, welche spezifisch auf bestimmte Wellenl\u00e4ngenbereiche des Lichtes (Farben) reagieren. Ihr Zusammenspiel erlaubt es\u00a0 dem Menschen, ca. 7&#215;10<sup>6<\/sup> Farbt\u00f6ne zu unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Die Sinneszellen k\u00f6nnen einen Nervenimpuls aus einem einzigen eingefangenen Photon (oder Lichquant) generieren. \u00a0Die H\u00f6he der dabei ausgel\u00f6sten Spannung in einer Sinneszelle bei Lichteinfall betr\u00e4gt 30 mV. Das entspricht einer enormen Verst\u00e4rkungsleistung von ca. 10<sup>5<\/sup>-10<sup>6<\/sup>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Der daraufhin nur im Millisekundenbereich flie\u00dfende Strom gen\u00fcgt, um als codierter Rohdatensatz dem Gehirn die notwendigen Informationen f\u00fcr die Bilderzeugung zu \u00fcbermitteln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Die Sinneszellen sind vielf\u00e4ltig \u00fcber andere Nervenzellen und ihre Verbindungen miteinander verschaltet. 1000 einzelne Sinneszellen k\u00f6nnen ihr Signal zusammenf\u00fchren, es gegenseitig verst\u00e4rken, abschw\u00e4chen oder hochkomplex interagieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Das menschliche Auge kann etwa 1012 unterschiedliche Leuchtdichtenstufen wahrnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Die Pupille steuert den Lichteinfall in das Auge und vermag\u00a0 diesen um das sechzehnfache zu verst\u00e4rken bzw. abschw\u00e4chen. \u00c4hnlich arbeitet auch die Blende in einem Fotoapparat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Die Linse unseres Auges ist im Gegensatz zu den Linsen im Fotoapparat verformbar, kleine Muskeln sorgen daf\u00fcr, dass die erforderliche Brechung der Lichtstrahlen im Zusammenspiel mit der davor gelegenen Hornhaut erfolgen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Die Brechungskraft (Akkomodationsbreite) des Auges reicht von 58 bis 68 Dioptrien, das bedeutet die geringste Entfernung in der noch scharf gesehen werden kann (Nahpunkt) betr\u00e4gt 10 cm, die gr\u00f6\u00dfte Entfernung in der scharf gesehen werden kann (Fernpunkt) liegt -physikalisch gesprochen- in der Unendlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Der kleinster Winkel, bei dem das Auge zwei nebeneinander liegende Punkte im Abstand von \u00fcber 10 cm noch getrennt wahrnimmt, betr\u00e4gt 0,0166 Grad. (Ein Kreis misst bekanntlich 360 Grad.) Das entspricht in etwa dem Abstand von zwei Nervenzellen auf unserer Netzhaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; u.v.a.m.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vergleicht man unser Auge mit dem Sehorgan anderer Tiergruppen, kommt man auch hier aus dem Staunen nicht mehr heraus. Faszinierend ist, wie stark die aufgef\u00fchrten Einzelmerkmale variieren k\u00f6nnen und dabei auffallend f\u00fcr jedes Lebewesen exakt auf dessen Lebensumwelt abgestimmt sind. So kann der Adler aus der Luft die kleinste Maus scharf erkennen (ca. 10-fach gr\u00f6\u00dfere Seesch\u00e4rfe als beim Menschen), der Tiefseefischfisch auch Licht im ultravioletten Bereich optimal nutzen oder ein nachtaktives Tier sich im Dunkeln hervorragend orientieren. Manche Insekten oder Krebse k\u00f6nnen mit ihren Komplexaugen, die aus vielen zylinderf\u00f6rmige Einzelaugen zusammengesetzt sind, neben dem f\u00fcr uns sichtbaren Licht auch im infraroten oder ultravioletten Bereich sehen und sogar die Polarisation des Sonnenlichtes durch die Lufth\u00fclle der Erde zur Orientierung ausnutzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kommen wir zu unserer Ausgangsfrage zur\u00fcck. Warum gilt f\u00fcr viele das Auge des Menschen als eine Fehlkonstruktion? Was sind die Gr\u00fcnde daf\u00fcr?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ansicht, dass das Auge in mancher Hinsicht eine Fehlkonstruktion sei, wird seit mehr als 100 Jahren immer wieder von Wissenschaftlern behauptet aber ebenso deutlich widersprochen. Der ber\u00fchmte Naturforscher Herman von Helmholtz stellte schon1868 eine Reihe von \u201eFehlern\u201c des menschlichen Auges zusammen, die man der \u201ebildenden Naturkraft\u201c aber einem Optiker, der uns ein optischen Ger\u00e4t mit diesem Fehlern anbieten w\u00fcrde, niemals verzeihen k\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ansatzpunkte, das eine oder das andere zu vertreten, sind recht vielschichtig. Nachteile bez\u00fcglich unserer optischen F\u00e4higkeiten im Vergleich mit anderen Tieren, unverstandene Konstruktionsmerkmale des Auges und der Verweis auf seine evolution\u00e4re bzw. stammesgeschichtliche Herkunft werden als Begr\u00fcndungen daf\u00fcr am h\u00e4ufigsten aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und das gilt bis heute. Zwei Beispiele. In einem von der \u00d6ffentlichkeit sehr beachteten Artikel konnten die Leser der \u201eZeit\u201c am 11.8.2005 folgende Einsch\u00e4tzung des Genetikers Steve Jones lesen: <em>\u201eGott pfuscht auch &#8230; <\/em><em>Kein grandioser Ingenieur hat Augen und alles andere in der Welt des Lebens geschaffen. Es war ein Kesselflicker. Ob es einen gro\u00dfen Designer da drau\u00dfen gibt, ist nicht Gegenstand der Wissenschaft. Wenn es ihn geben sollte, beweist die Evolution vor allem eins: Er erledigt seinen Job miserabel.\u201d\u00a0 <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und 2011 \u00e4u\u00dfern sich die Autoren Neukamm und Beyer in einem Internetbeitrag zu diesem Thema gleichlautend: <em>\u201eObjektiv betrachtet besteht nach wie vor kein Zweifel daran, dass die Struktur des Wirbeltierauges nicht den Eindruck einer sauberen, langfristigen Planung erzeugen kann (etwa, indem es von Anfang an auf optische Optimalit\u00e4t angelegt worden w\u00e4re), sondern den eines strukturellen, mit konstruktiven M\u00e4ngeln \u00fcbers\u00e4ten Flickenteppichs, &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Charles Darwin, der mit seinem Hauptwerk \u201e\u00dcber die Entstehung der Arten\u201c 1859 den Durchbruch der Abstammungslehre einleitete, war begeistert vom Bauplan des Auges. \u201e<em>Die Annahme, da\u00df das Auge mit all seinen unnachahmlichen Einrichtungen \u2013 die Linse den verschiedenen Entfernungen anzupassen, wechselnde Lichtmengen zuzulassen und sph\u00e4rische wie chromatische Abweichungen zu verbessern \u2013 durch nat\u00fcrliche Zuchtwahl entstanden sei, erscheint, wie ich offen bekenne, im h\u00f6chsten Grade als absurd.\u201c <\/em>Im gleichem Atemzug traute er es aber seiner Theorie zu, das sie befriedigende Antworten geben wird, wie das Auge auf nat\u00fcrliche Art und Weise ohne Eingreifen eines Sch\u00f6pfers entstanden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">150 Jahre nach Charles Darwin mu\u00df man n\u00fcchtern festhalten, die Erkl\u00e4rungen f\u00fcr eine nat\u00fcrliche Entstehung der Augen fehlen immer noch. Das gilt \u00fcbrigens f\u00fcr alle Augentypen. Und je mehr man \u00fcber die hochkomplexen Zusammenh\u00e4nge der Augen in Erfahrung bringt, um so mehr scheint man sich, von diesem hochgesteckten Ziel Darwins zu entfernen. Es ist unbekannt, wann und auf welche Art und Weise die unterschiedlichen spezialisierten Augen der Wirbeltiere, der Insekten oder Quallen entstanden sind oder wie sie ihre Funktion im Zusammenspiel mit dem Gehirn und anderen Sinnesorganen erhielten. Betrachtet man die versteinerten \u00dcberreste ausgestorbener Lebensformen (Fossilien), dokumentieren diese immer eins: Vielfalt und Perfektion von Anfang an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl unter den Fachleuten \u00fcber diesen Tatbestand Einigkeit, ist man \u00fcberzeugt, Spuren der evolution\u00e4ren Vergangenheit sind heute noch sichtbar und begr\u00fcnden so manchen \u201eMangel\u201c bzw. Fehler des menschlichen Auges. Sehr h\u00e4ufig wird\u00a0 auf den Feinbau der Netzhaut als Paradebeispiel f\u00fcr eine Fehlkonstruktion verwiesen. Die Sinneszellen, welche das ankommende Licht in elektrische Signale umwandeln, werden von mehreren Schichten anderer Nervenzellen \u00fcberlagert. Das Licht mu\u00df also erst diese Schichten passieren und erreicht dadurch offenbar nur abgeschw\u00e4cht die Zielzellen. Es gibt andere Lebewesen, zum Beispiel beim Tintenfisch, wo die Sinneszellen nicht als unterste sondern als oberste, also der Licht zugewandten Seite auf der Netzhaut, angeordnet sind. Auf den ersten Blick scheint hier eine energetisch bessere Konstruktion verwirklicht zu sein als beim Menschen. Man meinte darin einen schweren Konstruktionsfehler sehen zu k\u00f6nnen, den, wenn es einen Sch\u00f6pfer g\u00e4be, dieser vielleicht \u00fcbersehen hat. Offensichtlich ist der Sch\u00f6pfer gar nicht so intelligent, wie die Christen behaupten. Wenn man aber die Evolution als Sch\u00f6pfer einsetzt, dann w\u00e4re es normal, wenn bestimmte Unzul\u00e4nglicheliten auf dem Milliarden Jahre w\u00e4hrenden Entwicklungsweg mitgeschleppt und vererbt w\u00fcrden. Das Argument des Konstruktionsfehlers dient also auch dazu, den Glauben an einen direkt eingreifenden und handelnden Sch\u00f6pfergott im Namen der Wissenschaft unm\u00f6glich und l\u00e4cherlich zu machen. Aber gerade die Wissenschaft ist es, die diesem und manch anderen \u00e4hnlich gelagerten Argumenten den Wind aus den Segeln nimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wissen heute durch eindrucksvoll best\u00e4tigte Erkenntnisse, dass die Netzhaut durchsetzt ist\u00a0 mit einer Art Lichtleitkabelsystem. Dieses hocheffektive System wird bereitgestellt\u00a0 durch zarte Nervenforts\u00e4tze anderer Nervenzellen (M\u00fcller Zellen), die das Licht von der Oberfl\u00e4che der Netzhaut bis zu den tiefer gelegenen Sinneszellen \u00a0leiten. Verlustfrei wird so das ankommende Licht durch die Schichtpakete bis zu den Sinneszellen gebracht. Und das geschieht auch noch perfektioniert und abgestimmt in Bezug auf eine st\u00f6rungsfreie Farbwahrnehmung. Die Forscher, denen diese Entdeckung gelungen ist, beurteilen den Aufbau der Netzhaut deshalb so: \u00abWir haben mit der Netzhaut einen Hightech-Apparat vor uns, in jeder Hinsicht.\u00bb Selbst wenn die \u201everkehrte\u201c Lage der Netzhhaut beim Menschen unverstanden w\u00e4re (was sie offenkundig schon lange nicht mehr ist), w\u00e4re es forschungshemmend, vorschnell die Evolution f\u00fcr vermeintliche Konstruktionsfehler verantwortlich zu machen. \u201eDie Suche nach Funktionen ist ein sinnvolles Forschungsprogramm, das unsere unzul\u00e4nglichen Funktionskenntnisse vorantreiben und die vielfachen Hinweise auf sogenannte funktionslose Organe eliminieren wird\u201c, schrieben vor \u00fcber 30 Jahren Gutmann &amp; Peters (1973) deshalb den Biologen ins Stammbuch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der durch wissenschaftliche Erkenntnisl\u00fccken bisher am Leben erhaltene Mythos vom \u201eKonstruktionsfehler\u201c des Wirbeltierauges ist nicht mehr n\u00f6tig, um die Funktion und den Aufbau der Netzhaut zu charakterisieren. Die bekannten Fakten entziehen einer solchen Argumentation die Grundlage. Auch da, wo man meint noch andere Fehler &#8211; nicht nur beim Auge \u2013 gegen einen Sch\u00f6pfer ins Feld f\u00fchren zu k\u00f6nnen, gilt dies m.E. in gleicher Weise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Evolutionsbiologie wird so ein weiteres Mal durch den Erkenntnisfortschritt herausgefordert, plausible Erkl\u00e4rungen ihrer Grundthese zu geben, dass biologische Strukturen wie die Netzhaut zwar \u201edesignt\u201c erscheinen, aber dennoch nicht \u201edesignt\u201c sind. Die Inanspruchnahme von Nichtwissen erweist sich dabei wohl als das schlechteste aller m\u00f6glichen Argumente.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ber\u00fccksichtigung von Wissen f\u00fchrt uns dagegen zum Staunen und zur Anbetung eines genialen Sch\u00f6pfers. Voraussetzung daf\u00fcr ist nat\u00fcrlich, dass wir IHN im Glauben sehen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. med. Henrik Ullrich<\/em><br \/>\n<em>1. Vorsitzender der <em>Studiengemeinschaft Wort und Wissen e.V.<\/em><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/wort-und-wissen_logo.gif\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-11239\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/wort-und-wissen_logo.gif\" alt=\"wort-und-wissen_logo\" width=\"170\" height=\"105\" \/><\/a>Gesch\u00e4ftsstelle: Rosenbergweg 29, 72270 Baiersbronn<\/em><br \/>\n<em>Tel.: 07442\/81006; Fax: o7442\/81008<\/em><br \/>\n<em>E-Mail: SG@wort-und-wissen.de<\/em><br \/>\n<em>Internet: www.wort-und-wissen.de<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielleicht reiben sie sich verwundert ihre Augen, nach dem sie diese \u00dcberschrift gelesen haben. 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