{"id":1118,"date":"2007-06-14T16:30:40","date_gmt":"2007-06-14T14:30:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1118"},"modified":"2009-09-04T16:38:17","modified_gmt":"2009-09-04T14:38:17","slug":"haargenau-%e2%80%93-als-mann-und-frau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1118","title":{"rendered":"Haargenau \u2013 als Mann und Frau"},"content":{"rendered":"<p style=\"TEXT-ALIGN: left\"><strong>Haargenau \u2013 als Mann und Frau<br \/>\nWie die \u201eGender-Perspektive\u201c versucht, die Geschlechterpolarit\u00e4t umzub\u00fcrsten<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Es war einer dieser wunderbaren Sp\u00e4t\u00adsommertage. In aller Fr\u00fche machten wir uns auf, erkundeten mit zwei V\u00e4tern und zwei S\u00f6hnen die Natur des wilden und sch\u00f6nen Odenwaldes. Die Jungs wollten ein Abenteuer erleben: Acht Stunden im Wald, rund 20 Kilometer Wegs \u00fcber Stock und Stein, Felsenmeer und Baumbr\u00fccken, trotz Proviantreserven fast nur vom Wald ern\u00e4hrt, mit gl\u00fccklichen Brombeer- und Steinpilz-Funden. Nach sechs Stunden Fu\u00dfmarsch, beim letzten Aufstieg, versuchte ich die Jungs noch mal zu motivieren: \u201eJetzt st\u00fcrmen wir oben die Burg!&#8220; Mit ersten Anzeichen von Ersch\u00f6pfung aber konterte Salomon (8): \u201ePapa, wir nix mehr st\u00fcrmen Burg, wir nur noch st\u00fcrmen Prinzessin.&#8220; Ich war platt &#8211; und dachte sp\u00e4ter: Trotz auffallender Sprachdynamik des Knaben &#8211; die Grobausrichtung seines Eroberungswillens scheint durchaus einem vern\u00fcnftigen Ziel entgegenzulaufen &#8230;<!--more--><\/p>\n<p><strong>Verwirrte Wirklichkeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Aber der abenteuerliche Moment f\u00fcr uns Gro\u00dfe kam erst eineinhalb Stunden sp\u00e4ter. Nach W\u00fcrstchen- und Steinpilzschnitzel-Grillen waren wir gerade im Aufbruch, ein wenig Glut war noch \u00fcbrig, als sich zwei Frauen n\u00e4herten, die sich als P\u00e4rchen gleichen Geschlechts entpuppten. Wir \u00e4u\u00dferten noch Bedenken, ob die abnehmende Glut ihre \u00fcppigen Steaks durchbraten w\u00fcrde, als eine der Frauen beil\u00e4ufig auf die Freundin zeigte und meinte: \u201eAch, ER isst sein Fleisch sowieso am liebsten medium.&#8220; Ups! Kaum zuhause, wollte ich meiner Frau die Geschichte erz\u00e4hlen, als sie mir zuvorkam. \u201eGleich neben uns am See l\u00e4sst sich ein M\u00e4n\u00adnerp\u00e4rchen nieder. W\u00e4hrend einer der beiden beim Schwimmen ist, klingelt das Handy. Der andere nimmt ab &#8230; Nein, sie k\u00e4men etwas sp\u00e4ter zum Kaffee, SIE sei n\u00e4mlich noch im Wasser &#8230;<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Eine seltsame Doppelung. Zufall? Diese ir\u00adritierenden Erfahrungen weisen auf ein gr\u00f6\u00ad\u00dferes Szenario, eine neue Realit\u00e4t hin. Was hier auf allt\u00e4glicher Ebene stattfand, hat einen Hintergrund mit weit reichenden Folgen. Wir k\u00f6nnten es eine Verwirrung der Geschlechter nennen, einen schleichenden Realit\u00e4tsverlust, einen Angriff auf die Sch\u00f6pfungsordnung Gottes, oder einfach die gesellschaftlichen Folgen der so genannten \u201eGender-Perspektive&#8220;.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Parlamente verpflichten sich dem \u201eGender-Mainstreaming&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Um der Lebensgrundlage unserer Kinder willen, lohnt es sich, die Hintergr\u00fcnde und die Denkfigur einer Ideologie kennen zu lernen, die inzwischen kirchlich, gesellschaftlich und politisch tief in unsere Kultur eingedrungen ist, die die Verwischung der Geschlechter\u00adgrenzen und letztlich deren Aufl\u00f6sung zum Ziel hat: des Gender-Mainstreaming. Dessen politischen Forderungen liegt die Behauptung zugrunde, dass Geschlechterrollen nur erlernt seien. Weiblichkeit und M\u00e4nnlichkeit seien keine unver\u00e4nderlichen biologischen Grundanlagen, sondern nur Folge psychischer und kultureller Aneignung: \u201eMan kommt nicht als Frau auf die Welt, man wird dazu ge\u00admacht.&#8220;<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Absurd, mag man sagen. Aber es lohnt sich, aufmerksam zur Kenntnis zu nehmen, dass sowohl die Europ\u00e4ische Union als auch das Parlament der Bundesrepublik Deutsch\u00adand sich in den vergangenen Monaten dem Gender-Mainstreaming verpflichtet haben und diese Sicht in allen politischen Prozessen ber\u00fccksichtigen wollen. So sickert dieses Denken lautlos, aber wirksam vom Parlament bis in die Kinderg\u00e4rten.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Lange Zeit unterschied man in der Ge\u00adschlechterdeutung zwischen nat\u00fcrlichem bio\u00adlogischem Geschlecht (sex) und der kulturell angeeigneten Geschlechterrolle (gender). Die Vertreter der Gender-Perspektive gehen nun soweit, das biologische Geschlecht f\u00fcr nachrangig zu erkl\u00e4ren. Das sei eine soziale Fiktion &#8211; als w\u00e4re Gottes Sch\u00f6pfungsgabe eine Zeitungsente! Stattdessen sei heute alleine gender ausschlaggebend: die Art und Weise, wie jeder einzelne sich selbst und seine Beziehung zu anderen Subjekten psychisch konstruiere. Ge\u00adschlecht findet nur noch im Kopf statt.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Vielleicht wird in dieser Bewegung nur radikal zu Ende gedacht, was der Zeitgeist l\u00e4ngst in sich tr\u00e4gt: Wenn die freie, individuelle und subjektive Wahl h\u00f6chstes Gut ist, wer will dann das Recht eines anderen einschr\u00e4nken, sich selbst und die eigene Geschlechtlichkeit t\u00e4glich neu zu erfinden?<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Auch aus geistlicher Perspektive scheint die Richtung dieser Bewegung nur stringent: Im 20. Jahrhundert haben die Gott-ist-tot-\u00adKr\u00e4fte das autonome Individuum erfolgreich zum Zentrum des Denkens gemacht. Das einzige, was in dieser Welt noch offensichtlich auf Gott hinweist, ist sein Ebenbild &#8211; verk\u00f6rpert in der Polarit\u00e4t von Mann und Frau. Diese Ebenbildlichkeit jetzt durch die Aufl\u00f6sung der Zweigeschlechtlichkeit abzuschaffen, scheint nur der n\u00e4chste folgerichtige Schritt.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Mann-Frau-Spannungsverh\u00e4ltnis<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Ihre Wurzeln haben die Gender-Theorien im Kampf f\u00fcr die Rechte der Frau. Hier war tat\u00ads\u00e4chlich Nachholbedarf! Und selbstverst\u00e4ndlich ist mit dem Herstellen von weitgehender Rechtsgleichheit noch lange keine befriedi\u00adgende soziale Gleichheit verwirklicht. Aber angenommen, es w\u00e4re eines Tages soweit: Sicher bliebe ein Spannungsverh\u00e4ltnis im Miteinander von M\u00e4nnern und Frauen bestehen &#8211; in Ehe und Familie, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft &#8211; eben weil sie wesenhaft un\u00adterschiedlich sind. Aus diesem gesch\u00f6pflichen Spannungsverh\u00e4ltnis ist nicht einfach auszusteigen. Im Gegenteil, es ist eine Bedingung f\u00fcr Lebendigkeit und immer wieder neu auszuloten. Das kostet auch seelische Kraft und braucht einen Generationen umspannenden Horizont. Diesen Horizont und die Hoff\u00adnung, das Mann-Frau-Spannungsverh\u00e4ltnis konstruktiv gestalten zu k\u00f6nnen, haben die ideologischen Architekten der Gender-Per\u00adspektive verloren. Ihr Weg: Um diesem Span\u00adnungsverh\u00e4ltnis zu entgehen, l\u00f6st man es eben auf. Der Machtkampf zwischen den Ge\u00adschlechtern und die offensichtliche Vorherr\u00adschaft der M\u00e4nner soll damit beendet werden. Die politische Forderung nach Gender\u00adMainstreaming bereitet den Weg, um die Ge\u00adschlechtergrenzen gesellschaftlich aufzuwei\u00adchen und schlussendlich aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Wer allerdings genauer hinsieht, erkennt in der Gender-Perspektive weniger einen be\u00adherzten Kampf f\u00fcr die Rechte der Frau als vielmehr eine tiefe Ablehnung des Weiblichen und alles M\u00fctterlich-Empfangenden. Hier darf nicht geb\u00e4ren, wer stark und unabh\u00e4ngig sein will &#8211; \u201eMutter&#8220; wird zum Unwort.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Was sich hier noch etwas theoretisch an\u00adh\u00f6rt, findet bereits seinen Weg in die gesell\u00adschaftlichen Institutionen. So werden bei\u00adspielsweise im US-Bundesstaat Oklahoma in ersten Grundschulen gemeinsame Toiletten f\u00fcr Jungen und M\u00e4dchen eingef\u00fchrt. An der Universit\u00e4t Hamburg gab es seit 1999 Ring\u00advorlesungen zu \u201equeer-studies&#8220;. Ihr erkl\u00e4rtes Ziel: \u201eeine Destabilisierung der Zwei-Ge\u00adschlechter-Ordnung&#8220;. In Berlin und Br\u00fcssel fordern Vertreter der Gender-Perspektive die Parlamentarier mit Nachdruck auf, die bisher erforderlichen Voraussetzungen f\u00fcr eine\u00a0\u00c4nderung des juristischen Geschlechts entfallen zu lassen. Und das Antidiskriminierungsgesetz (inzwischen \u201eGleichstellungsgesetz&#8220;) in Deutschland ist ein Schritt, der andere \u201eIden\u00adtit\u00e4ten&#8220; (homosexuelle, transsexuelle etc.) rechtlich anerkennt und ihnen Rechte einr\u00e4umt. Dadurch wird das polare Geschlechterspektrum aufgeweicht und beliebig erweitert.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Landkarten im Kopf<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Was ist zu tun, damit diese schleichende Re\u00advolution die &#8222;Landkarten in unseren K\u00f6pfen&#8220; nicht einfach umschreiben kann? Es gilt, das Verwirrspiel der Gender-Aktivisten zu durch\u00adschauen. Wo wir der Forderung des Gender\u00adMainstreaming begegnen &#8211; in Schulen, Kir\u00adchen, im gesellschaftlichen oder politischen Kontext &#8211; gilt es wach zu sein, nachzufragen und ggf. eine klare Position zu beziehen. Es kann vern\u00fcnftig und angemessen sein, den politischen Vertretern unserer Wahlkreise ein deutliches Signal zu einem wachsamen Um\u00adgang zu geben.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Der n\u00e4chste, oft schwerste, Schritt: eine Alltagskultur der gegenseitigen Achtsamkeit entwickeln. Sich als M\u00e4nner und Frauen er\u00adg\u00e4nzen und korrigieren lassen, vergeben, vertrauen und lieben, die Stimme des anderen h\u00f6ren und ernst nehmen. Wir sind eingeladen, die Liebe Gottes immer neu im eigenen Leben durchscheinen zu lassen und die gemeinsame Freude an den wechselseitigen Gaben und der Unvollkommenheit der Geschlechter humorvoll zu gestalten. So arbeiten wir konkret am Friedensschluss zwischen den Geschlechtern mit und machen unserem Sch\u00f6pfer Ehre.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><em>Dieser Artikel ist eine gek\u00fcrzte und bearbeitete Version aus: \u201eSalzkorn 5\/06 Anstiftung zum gemeinsamen Christenleben&#8220;, Rundbrief der OJC. Mit freundlicher Genehmigung. Weite\u00adre Exemplare k\u00f6nnen kostenfrei per eMail bestellt werden: versand@ojc.de. Interessierte k\u00f6nnen hier demn\u00e4chst auch ein umfassendes Bulletin zum Thema anfordern.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haargenau \u2013 als Mann und Frau Wie die \u201eGender-Perspektive\u201c versucht, die Geschlechterpolarit\u00e4t umzub\u00fcrsten Es war einer dieser wunderbaren Sp\u00e4t\u00adsommertage. In aller Fr\u00fche machten wir uns auf, erkundeten mit zwei V\u00e4tern und zwei S\u00f6hnen die Natur des wilden und sch\u00f6nen Odenwaldes. 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