{"id":11099,"date":"2014-07-16T08:11:50","date_gmt":"2014-07-16T06:11:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11099"},"modified":"2014-07-16T08:13:55","modified_gmt":"2014-07-16T06:13:55","slug":"wer-ist-gott-und-wie-koennen-wir-von-ihm-reden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11099","title":{"rendered":"Wer ist Gott und wie k\u00f6nnen wir von ihm reden?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Fragestellung, wie wir richtig oder sogar besser als es etwa in der Kirche heute geschieht, von Gott reden k\u00f6nnen hat mich an die Katechisierungsszene im Faust erinnert. Faust beantwortet die Frage Gretchens: &#8222;Wie h\u00e4ltst du&#8217;s mit der Religion?&#8220; mit einer Kette von Gegenfragen: &#8222;Wer darf ihn nennen und wer bekennen: Ich glaub&#8216; ihn? Wer empfinden und unterwinden zu sagen: Ich glaub&#8216; ihn nicht? &#8230; Nenn&#8216; es dann, wie du willst, nenn&#8217;s Gl\u00fcck! Herz! Liebe! Gott! Ich habe keinen Namen daf\u00fcr. Gef\u00fchl ist alles; Name ist Schall und Rauch, umnebelnd Himmelsglut.&#8220; (Faust I, Z. 3432 &#8211; 3458) Wenn auch Fausts Antworten fragw\u00fcrdig bleiben, seine Fragen m\u00fcssen wir ernst nehmen und sie bewegen uns unver\u00e4ndert bis heute.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Gottesfrage oder das Gottesproblem oder die Gottesnot, kurz und allgemein gesagt: &#8222;Die Sache mit Gott&#8220; (H. Zahrnt) halte ich nicht nur f\u00fcr eine Frage der \u00dcbersetzung, bzw. der richtigen, besseren moderneren Gottesbilder oder Gottesvorstellungen, also ein Sprachproblem, vielmehr handelt es sich dabei um ein, nein um das theologische Sachproblem schlechthin, mit dem alle Zeiten und alle Theologien zu k\u00e4mpfen und sich daran abzuarbeiten hatten und haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Handelte es sich nur um eine \u00dcbersetzungsfrage, so w\u00e4re die Antwort relativ einfach, denn das w\u00fcrde ja hei\u00dfen: Wir &#8211; oder wenigstens einige wegweisende Theologen oder die Bibel oder die Systematische Theologie &#8211; wissen, wer Gott ist, kennen ihn gewisserma\u00dfen gut und verm\u00f6gen richtige, zutreffende Aussagen \u00fcber ihn, sein Wesen und Walten in der Welt zu machen. Nur werden diese leider in der Gegenwart nicht mehr verstanden, weil sie eine veraltete Sprache sprechen oder alte, unbrauchbar und unverst\u00e4ndlich gewordene Bilder verwenden. Sie m\u00fc\u00dften also nur f\u00fcr den an sich Bekannten neue, bessere, ad\u00e4quatere Bilder finden oder erfinden und verwenden, damit man ihn den heutigen Menschen wieder besser vermitteln und nahe bringen k\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber so einfach liegen die Dinge leider nicht, und das h\u00e4ngt nicht nur etwa an unserer Unzul\u00e4nglichkeit als Theologen oder Christen, sondern es liegt an Gott selbst. Es mag Zeiten gegeben haben, da schien er den Menschen ganz nahe zu sein und h\u00f6rbar zu ihnen zu sprechen und sich zu offenbaren. Aber heute sieht es anders aus: Da haben wir den Eindruck, da\u00df Gott sich entzieht, verbirgt und schweigt. Wir leben offenbar in einer Zeit der &#8222;Gottesfinsternis&#8220; (M. Buber). Gott scheint uns ganz fern zu sein. Er hat uns verlassen (oder haben wir ihn verlassen?); jedenfalls finden wir keinen Zugang mehr zu ihm. Der nur methodische Atheismus der Naturwissenschaften droht sich auszuweiten zu einem weltanschaulichen Atheismus. Wir erleben und erleiden den &#8222;Tod Gottes&#8220; (F. Nietzsche). Der &#8222;tolle Mensch&#8220; behauptet sogar, wir h\u00e4tten ihn get\u00f6tet. Damit sind wir jedoch dem Nihilismus ausgeliefert, in dem alle Orientierung und Werte zusammenbrechen, aller Sinn des Lebens verloren geht, die Sonne gleichsam erlischt und wir in der Finsternis und K\u00e4lte, die sich ausbreiten, erstarren und umkommen. Denn wir brauchen Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber selbst, wenn es nicht zum Atheismus kommt, verh\u00e4lt sich die Sache mit Gott nicht so einfach, wie manche Christen meinen, die so leichthin ihn als &#8222;guten Gott&#8220; anreden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wei\u00df und sagt die Heilige Schrift selbst: Gott ist f\u00fcr uns unsichtbar. Um ihn herrscht schrecklicher Glanz, der uns blendet. Kein Mensch wird leben, der ihn sieht. Er wohnt in einem Licht, da niemand zukommen kann, den kein Mensch je gesehen hat noch sehen kann. Das bezeugt auch das Johannesevangelium: &#8222;Niemand hat Gott je gesehehn&#8220; (Joh 1,18).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch das &#8222;Nicht-sehen&#8220; gilt in einem umfassenden Sinn: Es hei\u00dft auch: Wir k\u00f6nnen ihn nicht fassen, nicht begreifen, nicht verstehen, uns nicht auf eine Ebene stellen mit ihm. Er bleibt f\u00fcr uns der wesenhaft Verborgene, ein abgr\u00fcndiges Geheimnis und unl\u00f6sbares R\u00e4tsel. Wir sind von ihm getrennt und geschieden wie Himmel und Erde, wie Sch\u00f6pfer und Gesch\u00f6pf, oder eben wie Gott und Mensch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr diese Verborgenheit Gottes, sein unsichtbares Wesen, dem die Bildlosigkeit im Kultus entspricht, hatte Israel ein besonders feines Gesp\u00fcr und wahrte es gerade auch im Gottesdienst des Tempels. Dies Wissen um die Jenseitigkeit und Transzendenz Gottes ist im Laufe der Geschichte des alten Gottesvolkes sogar noch gewachsen. Das dr\u00fcckte sich etwa auch darin aus, da\u00df die Nicht-Darstellbarkeit Gottes ausgeweitet wurde zur Unnennbarkeit und sogar der Name Gottes, Jahwe, tabuisiert wurde bis zum heutigen Tag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein besonders konsequentes Beispiel daf\u00fcr scheint mir der Text von Hermann Broch zu sein (siehe Beilage!). Hier geschieht allerdings das, was ich als grunds\u00e4tzliche Gefahr einer einseitigen Betonung der Transzendenz Gottes ansehe: Gott verschwindet gleichsam in der Verborgenheit einer f\u00fcr uns nicht mehr zug\u00e4nglichen Transzendenz und macht dabei letztlich seine Offenbarung r\u00fcckg\u00e4ngig. Er wird so sehr zum fernen, unnahbaren Gott, da\u00df mit ihm \u00fcberhaupt keine Gemeinschaft mehr m\u00f6glich ist. Etwas in dieser Richtung kann man ja auch bei dem Allah des Islam beobachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei dem Versuch, Gott zu finden, bedroht uns aber auch die entgegengesetzte Gefahr: Da\u00df wir meinen, ihn in der Immanenz der Welt zu finden und dort erkennen zu k\u00f6nnen. Wir schie\u00dfen dabei leicht \u00fcber das Ziel hinaus. Es gen\u00fcgt uns oft nicht mehr zu sagen: Gott ist wie die Sonne, sondern wir behaupten dann (wie etwa Echnaton) Gott ist die Sonne; wir setzen also Gott mit einem Teil der Welt &#8211; oder auch mit der ganzen Welt &#8211; gleich. Das l\u00e4uft auf den sog. Pantheismus hinaus, auf den Satz von Spinoza: Deus sive natura (Gott oder die Natur). Das w\u00fcrde hei\u00dfen: Alles Irdische, Weltliche ist g\u00f6ttlich. Dann aber w\u00e4re Gott von der Welt nicht mehr zu unterscheiden, er w\u00fcrde gleichsam in der Welt versinken und verschwinden. Doch was w\u00e4re das f\u00fcr ein Gott? Liefe das nicht auch auf einen nur schlecht getarnten Atheismus hinaus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So oder so gesehen gilt von unserem Verh\u00e4ltnis zu Gott das, was der Erdgeist zu Faust sagt: &#8222;Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir!&#8220; Gott ist der &#8222;ganz Andere&#8220;. Darum k\u00f6nnen wir im Grunde \u00fcberhaupt nicht mehr von ihm reden. Von daher ist es sehr verst\u00e4ndlich, wenn K. Barth von sich erz\u00e4hlt, da\u00df er als Pfarrer von Safenwil darunter gelitten hat, da\u00df er jeden Sonntag von Gott predigen sollte und sich selbst die Frage stellen mu\u00dfte: &#8222;Was tust du da? Wie kannst du es wagen, als Mensch, mit menschlichen Worten von Gott zu reden und ihn zu verk\u00fcnden?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber nun hat sich doch Gott offenbart in der Geschichte mit Israel und mit Jesus Christus und uns befohlen, von ihm zu reden. Damit hat sich auch K. Barth getr\u00f6stet und es trotz allem weiter versucht, und ist dar\u00fcber zu einem der bedeutendsten Theologen des 20.Jahrhunderts geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei dieser Rede von Gott verwendet die Bibel immer wieder Bilder, Vergleiche und Gleichnisse, und auf diese Weise sollen\/d\u00fcrfen wir es auch versuchen, in Bildern von Gott zu reden. Nur sind wir damit keineswegs alle Probleme los! Die Bilder bleiben problematisch. Manche sind v\u00f6llig ungeeignet und werden deshalb verwehrt und verboten, weil sie etwas Falsches \u00fcber Gott aussagen (z.B. das Stierbild!). Au\u00dferdem gibt es im Alten Testament das Bilderverbot, das ausdr\u00fccklich die Anfertigung von Gottesbildern untersagt, weil in ihnen Gott verdinglicht und verweltlicht w\u00fcrde. Bei der Bilderrede von Gott stellt sich zudem ein grunds\u00e4tzliches Problem ein: Alle Bilder f\u00fcr Gott sind ja aus dieser unserer irdischen Welt genommen. Sie verm\u00f6gen es deshalb nicht, Gott wirklich angemessen zur Sprache zu bringen oder wiederzugeben. Sie passen vielleicht in einer Hinsicht (beim Gleichnis nennen wir das den springenden Punkt, das tertium comparationis), und erfassen trotzdem Gott in vieler Hinsicht nicht. Man darf die Bilder darum nicht pressen, sonst wird alles falsch. Wir stehen hier vor einem letztlich unl\u00f6sbaren Dilemma. Ich habe versucht, es in den folgenden dialektischen Doppelsatz zu fassen:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><em>Mit <\/em>Bildern k\u00f6nnen wir nicht von<em> Gott <\/em>reden.<\/li>\n<\/ol>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"2\">\n<li><em>Ohne <\/em>Bilder k\u00f6nnen wir nicht von Gott<em> reden<\/em>.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hei\u00dft: Wenn wir in Bildern von ihm reden, geraten wir immer wieder in die Gefahr, Gott durch unsere Bilder zu verfehlen, zu verf\u00e4lschen und zu verdunkeln. Wir landen dann bei den falschen G\u00f6ttern. Deshalb ist die Kritik an allen Gottesbildern um Gottes willen notwendig und berechtigt. Wenn wir aber die Bildrede wegen dieser Gefahr verbieten und vermeiden wollen, dann bleibt uns nur noch das mystische Schweigen \u00fcbrig. Wir haben dann nichts mehr zu sagen, es fehlen uns die Worte. Deshalb l\u00e4\u00dft sich auch der paradoxe Gegensatz von Bildrede und Bilderverbot\/Bildersturm in der Religions- und Kirchengeschichte nicht l\u00f6sen oder \u00fcberwinden. Ich halte ihn f\u00fcr eine geradezu notwendige, jedenfalls unumg\u00e4ngliche Aporie. Die bleibt nat\u00fcrlich auch bestehen, wenn wir andere, neue Bilder f\u00fcr unser Reden von Gott suchen und verwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es scheint mir mit dieser unl\u00f6sbaren Frage von Bildrede und Bildlosigkeit genauso zu gehen wie mit dem Gegensatz von Theismus und Atheismus: Angesichts der Ungerechtigkeiten der Welt l\u00e4\u00dft sich der Glaube an einen gerechten und guten Gott nicht halten. Daran scheitert jeder direkte Theismus. Angesichts der Aufl\u00f6sung unseres Wesens und der Welt durch den Atheismus ist der Gottesglaube aber unentbehrlich f\u00fcr uns. Deshalb kann der Atheismus nicht das letzte Wort haben, denn er ist f\u00fcr uns unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich dr\u00e4ngt sich angesichts dieses logisch unl\u00f6sbaren Dilemmas der Blick auf die Gottesoffenbarung in Jesus Christus auf. Er bietet mir die notwendige Antwort, so, wie es Joh 1,19 in der Fortsetzung hei\u00dft: &#8220; &#8230; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Scho\u00df ist, der hat ihn uns verk\u00fcndigt.&#8220; Er hat Gott v\u00f6llig vertraut, ihn geliebt, ihm gehorcht, und ihn uns als seinen &#8222;himmlischen Vater&#8220; nahegebracht. Durch ihn und um seinetwillen d\u00fcrfen wir ebenfalls Gott vertrauen und ihn lieben. Ich halte es mit H. Zahrnt, der das auf die treffende Formel gebracht hat: &#8222;Ich glaube Jesus seinen Gott.&#8220; Ich wei\u00df selber keine bessere Antwort auf die Frage nach Gott, dem verborgenen Gott: Ich glaube, so wie Jesus, so ist Gott, trotz allem!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus Christus ist also schlechterdings unentbehrlich f\u00fcr unsere menschliche, d.h. christliche Gotteserkenntnis. Denn ohne Jesus w\u00fcrde Gott f\u00fcr uns in der unerreichbaren, unzug\u00e4nglichen Transzendenz verschwinden (vgl. H. Broch!), oder in der Immanenz dieser Welt versinken (wobei dann Gott und Welt gleichgesetzt werden: Pantheismus). In beiden F\u00e4llen w\u00fcrden wir Gott letztlich verlieren und blieben mit uns und dieser Welt allein. Die ist jedoch selber zwiesp\u00e4ltig und r\u00e4tselhaft, bietet uns keine letzte Heimat (J. Monod: Wir sind Zigeuner am Rande des Weltalls). Die christliche Gotteserkenntnis vermeidet beide Gefahren, weil wir in Christus der &#8222;immanenten Transzendenz&#8220; oder der &#8222;transzendenten Immanenz&#8220; begegnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir erkennen also Gott nur &#8222;im Angesichte Jesu Christi&#8220;. Eine unvermittelte, direkte Gotteserkenntnis, die f\u00fcr uns verst\u00e4ndlich und heilsam w\u00e4re, vermag ich nirgends zu erkennen. Und das Gleiche gilt f\u00fcr die Frage nach dem Gottesbild: Jesus Christus ist das &#8222;Ebenbild des unsichtbaren Gottes&#8220;. In ihm hat er sich gezeigt und abgebildet. Darum ist Jesus das einzige legitime, weil wirklich stimmige, aussagekr\u00e4ftige Gottesbild. Alle anderen Bilder und Vergleiche m\u00fcssen sich daran messen und korrigieren lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das gilt es bei allen unseren Versuchen, zeitgem\u00e4\u00dfe &#8211; was immer das hei\u00dfen soll\u00a0 \u2013 Gottesbilder zu finden, zu beachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfarrer und Studiendirektor i. R. Hanns Leiner,\u00a0Augsburg, 10.3.2010<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ver\u00f6ffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verfassers.<\/em><\/p>\n<p>______________________________________________________<\/p>\n<p><strong>ANLAGE:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Aus Hermann Broch, Die Schuldlosen<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gen\u00fcgt nicht, da\u00df du dir kein Bild von Mir mei\u00dfelst;\u00a0 du denkst trotzdem in Bildern, auch wenn du Meiner gedenkst. Es gen\u00fcgt nicht, da\u00df du dich scheust Meinen Namen zu nennen: dein Denken ist Sprache, ein Nennen deine schweigende Scheu. Es gen\u00fcgt nicht, da\u00df du an keine G\u00f6tter neben Mir glaubst: dein Glauben vermag blo\u00df G\u00f6tzen zu formen, stellt Mich in eine Reihe mit ihnen, wird dir blo\u00df von ihnen anbefohlen, nimmer von Mir.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin, und Ich bin nicht, da Ich bin. Deinem Glauben bin Ich entr\u00fcckt; Mein Antlitz ist Nicht-Antlitz, Meine Sprache Nicht-Sprache. und dies wu\u00dften Meine Propheten: Anma\u00dfung ist jegliche Aussage \u00fcber Mein Sein oder Nicht-Sein, und die Frechheit des Leugners wie die Unterwerfung des Gl\u00e4ubigen sind gleicherweis angema\u00dftes Wissen; jener flieht die Prophetenrede, und dieser mi\u00dfversteht sie, jener lehnt sich gegen Mich auf, dieser wird sich mir anbiedern mit bequemer Verehrung, und darum verwerfe Ich jenen, w\u00e4hrend dieser Mein Z\u00fcrnen entfacht \u2013 eifervoll bin Ich gegen die Zutraulichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin der Ich nicht bin. Ein brennender Dornbusch und bin es nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber denen, welche fragen Wen sollen wir verehren? Wer ist an unserer Spitze? denen haben Meine Propheten geantwortet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verehret! Verehret das Unbekannte, das au\u00dferhalb ist, au\u00dferhalb eures Lagers; dort steht Mein leerer Thron unerreichbar im leeren Nicht-Raum, in leerer Nicht-Stummheit, grenzenlos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sch\u00fctze deine Erkenntnis!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Versuche nicht dich zu n\u00e4hern. Willst du den Abstand verkleinern, so vergr\u00f6\u00dfere ihn freiwillig, und freiwillig verkrieche dich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Zerknirschung, in die Ann\u00e4herungslosigkeit deines Selbst; dort allein bist du ebenbildhaft. So haben es, als die Zeit reif war, Meine Propheten gelehrt, und widerspenstig, lediglich um ihrer Auserw\u00e4hltheit willen und dennoch auserw\u00e4hlt, haben einige aus dem Volke es verstanden und sich daran gehalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lausche ins Unbekannte, lausche den Zeichen der neuen Reife, da\u00df du da seist, wenn sie anbricht f\u00fcr dein Erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dahin richte deine Fr\u00f6mmigkeit, dein Beten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir jedoch gelte kein Gebet: Ich h\u00f6re es nicht: sei fromm um Meinetwillen, selbst ohne Zugang zu Mir; das sei dein Anstand, die stolze Demut, die dich zum Menschen macht. Und siehe, das gen\u00fcgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Fragestellung, wie wir richtig oder sogar besser als es etwa in der Kirche heute geschieht, von Gott reden k\u00f6nnen hat mich an die Katechisierungsszene im Faust erinnert. 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