{"id":11047,"date":"2014-06-30T09:22:55","date_gmt":"2014-06-30T07:22:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11047"},"modified":"2014-06-30T09:22:55","modified_gmt":"2014-06-30T07:22:55","slug":"das-volk-israel-stoerenfried-oder-segenstraeger-fuer-die-voelker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11047","title":{"rendered":"Das Volk Israel \u2013 St\u00f6renfried oder Segenstr\u00e4ger f\u00fcr die V\u00f6lker?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vorbemerkung <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin nur einmal in Israel gewesen und meistens um Israel herum in den arabischen Nachbarl\u00e4ndern gereist. Zwei der arabisch-israelischen Kriege habe ich in \u00c4gypten erlebt: den Sechstagekrieg 1967 und den Jom-Kippur-Krieg 1973. Angesichts der antiisraelischen Propaganda war es nicht leicht, eine biblische Sicht zu bewahren und dazu zu stehen. Ich wurde manchmal von Muslimen gefragt, was ich \u00fcber Israel denke. Das waren kritische Situationen. Auch im Gespr\u00e4ch mit arabischen Christen war es nicht einfach. Die meisten vertraten eine \u201eEnterbungstheologie\u201c: Die Kirche ist das neue Israel, das alte Israel hat kein Existenzrecht mehr. Ich m\u00f6chte deshalb das Thema ganz aus biblischer Sicht behandeln und von dorther auch die aktuellen politischen Fragen bewerten.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewiss war und ist Israel Segenstr\u00e4ger f\u00fcr die V\u00f6lker. Sonst k\u00f6nnten wir Menschen aus den V\u00f6lkern nicht an Gott glauben. Wir verdanken Israel die hebr\u00e4ische Bibel mit ihren wunderbaren Berichten, Geboten, Gebeten und Verhei\u00dfungen. Aus Israel kommt unser Herr Jesus Christus, der Heiland der V\u00f6lker, und durch ihn sind wir in die g\u00f6ttliche Heilsgeschichte hineingenommen. Das wollen wir nie vergessen, wenn wir Kritisches zu Israel zu sagen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht zu leugnen, dass Israel auch \u201eSt\u00f6renfried\u201c in der V\u00f6lkerwelt war und ist. Die Frage ist nur, ob es das <em>um Gottes willen<\/em> sein musste oder um <em>seiner selbst<\/em> willen war. Dem will ich im Licht der Heiligen Schrift nachgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jakob, der Stammvater Israels, hat eine Segensverhei\u00dfung f\u00fcr die V\u00f6lkerwelt erhalten: <em>\u201edurch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden\u201c <\/em>(1 Mose 28,14). Die Verwirklichung dieser Verhei\u00dfung konnte nicht ohne St\u00f6rungen im Verh\u00e4ltnis zu anderen V\u00f6lkern geschehen. Denn mit der Segensverhei\u00dfung war die Gabe eines Landes verbunden (1 Mose 35,12) \u2013 eines Landes, das ja keineswegs leer, sondern stark bev\u00f6lkert war (2 Mose 3,8). Die Erf\u00fcllung der Zusagen Gottes musste zu Konflikten f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch entscheidender aber war der Gottesbund, der Israel von den V\u00f6lkern schied. Israel sollte ein Gott geweihtes Volk sein (z. B. 3 Mose 19,2), sich nicht mit anderen V\u00f6lkern verschw\u00e4gern (5 Mose 7,3) und nicht deren Religionen (z. B. 3 Mose 20,23) \u00fcbernehmen. Diese Sonderstellung Israels als von Gott erw\u00e4hlt und bevorzugt (z. B. 5 Mose 26,19) war dazu angetan, einerseits Menschen neugierig nach dem Geheimnis Israels zu machen, andererseits aber auch Israel wegen seine Sonderstellung zu kritisieren und anzufeinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider hat Israel seine Sonderstellung immer wieder verraten. Es wollte <em>\u201esein wie die Heiden\u201c<\/em> (z. B. Hes 20,32) und verlor dadurch seinen Auftrag an den V\u00f6lkern. Gott musste Israel strafen, aus dem geschenkten Land vertreiben und unter die umliegenden V\u00f6lker zerstreuen (z. B. 5 Mose 4,27).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will das Thema nun in vier Schritten entfalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Das alttestamentliche Israel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Um Gottes willen wird es zum St\u00f6renfried im zweiten Jahrtausend vor Christus. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Exodus aus \u00c4gypten kann sich nicht ohne Turbulenzen vollziehen (2 Mose 3,19). Durch die Gerichte Gottes ger\u00e4t im Land am Nil einiges durcheinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch schlimmer trifft es die Jordanl\u00e4nder. Die Bewohner sollen nicht nur besiegt, sondern vertrieben (4 Mose 33,52), ja ausgerottet (Jos 11,20) werden. Israel hat das bei der Einwanderung nicht ganz geschafft bzw. nicht gewagt (Richter 1), und das wird ihm zum Verh\u00e4ngnis (Jos 23,12f.). Israel passt sich dem Glauben der Kanaan\u00e4er an und verbindet den Jahweglauben oberfl\u00e4chlich mit den lokalen Fruchtbarkeitsriten. Dadurch verliert Israel seinen Auftrag, in seiner heidnischen Umwelt Segenstr\u00e4ger f\u00fcr die V\u00f6lkerwelt zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anstatt zum Segen zu werden, buhlt Israel immer wieder um die Hilfe der V\u00f6lker. Als es z. B. von den Assyrern bedroht wird, setzt es seine Hoffnung auf Hilfe aus \u00c4gypten, anstatt Gott zu vertrauen (z. B. Jes 30,1-5 u. 31,1). Immer wieder erinnern die Propheten daran, dass Israel allein durch <em>\u201eStillsein und Hoffen\u201c<\/em> (Jes 30,15) auf Gott stark ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dennoch<\/em> hinterl\u00e4sst das alte Israel Segensspuren unter den umliegenden V\u00f6lkern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als im Reich Davids die \u00fcberlebenden Vorbewohner mehr oder weniger integriert werden, erfahren sie vom Gottesglauben Israels und werden in den Gottesdienst an der Stiftsh\u00fctte und am Tempel einbezogen. Nach dem mosaischen Gesetz m\u00fcssen sich die Fremden im Gebiet Israels nach dem Gesetz richten (z. B. 3 Mose 24,16).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Beispiel f\u00fcr die Wirkung des Glaubens Israels ist das Buch Rut. Eine Moabiterin bekennt ihrer verwitweten Schwiegermutter: <em>\u201eDein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.\u201c <\/em>(1,16)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Psalmen ermutigen Israel zum Reden von Gott unter den V\u00f6lkern.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Israel soll unter den V\u00f6lkern von Gottes Wundern erz\u00e4hlen (96,3). Dadurch werden sich die V\u00f6lker um Gott sammeln (7,8), seine Herrlichkeit sehen (97,6), ihn anbeten (86,9), ihm danken (45,18) und ihn loben (117,1). Weil Gott K\u00f6nig \u00fcber die ganze Erde ist, beugt er V\u00f6lker unter Israel (47,3f.). Solche Aussagen \u00fcbersteigen schon damals die Wirklichkeit und k\u00f6nnen nur als Verhei\u00dfungsworte verstanden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nun m\u00fcssen wir auch die andere Seite sehen: Viele V\u00f6lker werden an Israel zu Schanden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott benutzt einerseits heidnische V\u00f6lker zum Gericht an dem abtr\u00fcnnigen Israel, z. B. Assyrien (Jes 10,5). Andererseits bestraft er diese V\u00f6lker, weil sie sich eigenm\u00e4chtig gegen\u00fcber Israel verhalten (z. B. Assyrien, Jes 10,12ff). Deshalb gilt: <em>\u201eZu Spott und zuschanden sollen werden alle, die dich <\/em>[Israel] <em>hassen\u2026\u201c <\/em>(Jes 41,11).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bekannteste Begr\u00fcndung f\u00fcr die Gerichte Gottes an den V\u00f6lkern finden wir in Sach 2,12:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDenn so spricht der HERR Zebaoth\u2026 \u00fcber die V\u00f6lker, die euch beraubt haben: Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an.\u201c <\/em>Weil Gott Israel sch\u00fctzt, werden die V\u00f6lker an Israel zu Schanden. <em>\u201eSiehe, ich will Jerusalem zum Taumelbecher zurichten f\u00fcr alle V\u00f6lker ringsumher\u2026Zur selben Zeit will ich Jerusalem machen zum Laststein f\u00fcr alle V\u00f6lker. Alle, die ihn wegheben wollen, sollen sich daran wund rei\u00dfen; denn es werden sich alle V\u00f6lker auf Erden gegen Jerusalem versammeln.\u201c <\/em>(Sach 12, 2ff)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Teilweise beziehen sich diese prophetischen Worte auf konkrete Gerichte und Rettungstaten Gottes in der Geschichte Israels. Andere weisen weit dar\u00fcber hinaus in die messianische Zeit, und es ist manchmal nicht leicht, das eine vom anderen zu unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nach Gottes Plan soll das erneuerte Israel der endzeitliche Friedensbringer f\u00fcr die V\u00f6lkerwelt sein<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wird am Anfang des Jesajabuches deutlich. Weil das gerichtete, erl\u00f6ste und erneuerte Jerusalem eine <em>\u201eStadt der Gerechtigkeit und eine treue Stadt hei\u00dfen\u201c<\/em> (1,26) wird, werden alle Heiden <em>\u201eherzulaufen\u201c<\/em> und <em>\u201eviele V\u00f6lker werden hingehen, und sagen: Kommt lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen!\u201c <\/em>(2,3).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig wird der Knecht Gottes <em>\u201edas Recht <\/em>[Jahwes] <em>unter die Heiden bringen\u201c <\/em>(Jes 42,1). Er ist das \u201e<em>Licht der Heiden \u2026bis an die Enden der Erde\u201c <\/em>(Jes 49,6). Nach Sach 9,9ff wird der endzeitliche K\u00f6nig Israels <em>\u201eFrieden gebieten den V\u00f6lkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum anderen und vom Strom bis an die Enden der Erde.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Weissagungen \u00fcbersteigen die Geschichte Israels und weisen auf die Heilszeit, die im Kommen des Messias Jesus begonnen hat. Als Christen k\u00f6nnen wir nicht davon absehen, dass viele Weissagungen sich im Kommen Jesu erf\u00fcllt haben. Durch den Juden Jesus wurde Israel zum Segen f\u00fcr die V\u00f6lker. In der weltweiten Jesus-Gemeinde aus Juden und Heiden sind die Verhei\u00dfungen der Propheten grunds\u00e4tzlich erf\u00fcllt, auch wenn ihre letzte Erf\u00fcllung im sichtbaren Reich Gottes noch aussteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kehren wir zun\u00e4chst noch einmal zur Geschichte Israels zur\u00fcck!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Das Judentum zwischen babylonischem Exil und dem Auftreten von Jesus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Trotz aller Verfehlung ist Israel Zeuge des einen Gottes in der Welt der Religionen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch Deportationen und Flucht entsteht eine gro\u00dfe Diaspora, zu der auch Nachfahren aus anderen St\u00e4mmen Israels geh\u00f6ren. Insofern ist der Begriff \u201eJudentum\u201c nicht ganz korrekt. Auf jeden Fall wird \u201eIsrael\u201c zu einer in der heidnischen V\u00f6lkerwelt lebenden Religionsgemeinschaft. Menschen aus dem Heidentum schlie\u00dfen sich Israel an. Gleichzeitig verlieren einzelne Juden den Glauben der V\u00e4ter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Judentum ist ein Ph\u00e4nomen in der V\u00f6lkerwelt. Allein die Juden glauben damals an Gott, den Sch\u00f6pfer allen Seins, Lenker der Geschichte und Geber einer hilfreichen Lebensordnung. Dieser Glaube kann nicht verborgen bleiben. Das Zeugnis von Gott beeindruckt solche Menschen, die sich innerlich vom Heidentum entfernen. Nicht alle werden Juden, aber das Judentum hat religi\u00f6sen Einfluss auf die V\u00f6lkerwelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So rettet Judith, eine israelitische Witwe, durch eine List ihr Volk vor den Assyrern und veranlasst dadurch einen ammonitischen F\u00fcrsten, sich dem Volk Gottes anzuschlie\u00dfen. Als er <em>\u201esah, wie m\u00e4chtig der Gott Israels geholfen hatte, verlie\u00df er die heidnischen Br\u00e4uche, glaubte an Gott und lie\u00df sich beschneiden. Er wurde in das Volk Israel aufgenommen\u2026\u201c <\/em>(Judit 14,6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Buch Ester berichtet von dem im Perserreich einflussreichen Juden Mordechai, der zum ersten Mann im Reich nach dem K\u00f6nig aufsteigt (10,3). Die Folge ist: <em>\u201e\u2026viele aus den V\u00f6lkern im Lande wurden Juden, denn die Furcht vor den Juden war \u00fcber sie gekommen\u201c<\/em> (Ester 8,17).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Buch Tobias endet mit einem Lobgesang, in dem es hei\u00dft (13,3): <em>\u201eIhr Israeliten, lobt den Herrn, und vor den Heiden preist ihn! Denn darum hat er euch zerstreut unter die V\u00f6lker, die ihn nicht kennen, damit ihr seine Wunder verk\u00fcndigt und die Heiden erkennen lasst, dass kein allm\u00e4chtiger Gott ist als er allein.\u201c <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Neben dem Zeugnis Israels gibt es aber auch einen bedenklichen j\u00fcdischen Nationalismus.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die B\u00fccher Ester und Judit zeigen, dass Israel alttestamentlichem Denken verhaftet bleibt. Der politische Einfluss der Juden unter Mordechai erlaubte es ihnen, sich an ihren Feinden zu r\u00e4chen und viele zu t\u00f6ten (Ester 9). Auch im Buch Judit geht es nicht ohne Mord und Krieg ab. Israel bleibt hier hinter dem zur\u00fcck, was die Propheten angek\u00fcndigt und angemahnt haben: <em>\u201eEs soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.\u201c <\/em>(Sach 4,6)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders die Makkab\u00e4er-B\u00fccher machen die innere Tragik Israels deutlich. Ein Teil der Juden will sich an die herrschende heidnisch-griechische Kultur anpassen (1,12 ff). Gegen diesen Abfall und gegen die Entweihung des Tempels durch Antiochus IV Epiphanes richtet sich der bewaffnete Kampf der Makkab\u00e4er. Sie haben zeitweilig Erfolg, aber letztlich ist ihre ganze Geschichte eine Zeit von Mord und Verrat und bleibt ohne nachhaltige Wirkung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur \u00e4u\u00dferlich ist Israel immer wieder versucht, den Weg der V\u00f6lker zu gehen. Es gibt auch eine innere Abkehr vom heilsgeschichtlichen Handeln Gottes und von seinen Verhei\u00dfungen. Der Name des ber\u00fchmten Philosophen Philo von Alexandrien (20 v. Chr. \u2013 50 n. Chr.), eines Zeitgenossen von Jesus, steht f\u00fcr diese Tendenz, aus der Heilsgeschichte Israels eine abstrakte Erkenntnislehre im Sinne der griechischen Gnosis zu machen. In dieser Tradition stehen die gro\u00dfen und einflussreichen j\u00fcdischen Religionsphilosophen des 20. Jahrhunderts. Martin Buber, Franz Rosenzweig, Leo Baeck und Elie Wiesel haben viele Nichtjuden beeindruckt und f\u00fcr das Judentum eingenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Das nachchristliche Judentum<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An Jesus von Nazareth spaltet sich das Judentum erneut. Eine Minderheit glaubt ihm als dem Messias Gottes, eine Mehrheit lehnt ihn ab. Damit beginnt eine neue Phase im Verh\u00e4ltnis Israels zur V\u00f6lkerwelt. Das den Jesus-Glauben ablehnende Israel wird zum heftigen und nachhaltigen Kritiker der christlichen Kirche mit ihrem Bekenntnis zur Gottessohnschaft von Jesus, zur Erl\u00f6sung durch Kreuz und Auferstehung sowie zur Dreifaltigkeit Gottes \u2013 bis heute. Leider hat die mittelalterliche Kirche der Anfechtung durch das Judentum nicht im Glauben standgehalten, sondern seine Stimme mit Gewalt zum Schweigen gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst verfolgt Israel die jungen Christus-Gemeinden, die sich aus Juden und Nichtjuden zusammensetzen. Im 4. Jh. wendet sich das Blatt. Nachdem das Christentum im R\u00f6mischen Reich Staatsreligion geworden ist, werden jetzt die Juden diskriminiert und unterdr\u00fcckt. Allerdings nicht \u00fcberall. Au\u00dferhalb des R\u00f6mischen Reiches bleibt den Juden viel Freiheit. Hier k\u00f6nnen sie weiterhin Einfluss auf die sie umgebenden V\u00f6lker aus\u00fcben, sind aber auch der Versuchung zur Assimilation ausgesetzt. Und schlie\u00dflich mischen sie in der Politik kr\u00e4ftig mit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gro\u00dfen Einfluss hat das Judentum auf der Arabischen Halbinsel. Hier gibt es nicht nur eine j\u00fcdische Diaspora, sondern vermutlich auch arabische St\u00e4mme, die zum Judentum konvertieren. Im Jemen gibt es im 6. Jahrhundert betr\u00e4chtliche j\u00fcdische Siedlungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein anderes Beispiel ist das Reich der Chasaren n\u00f6rdlich des Schwarzen Meeres vom 7. bis 10. Jahrhundert n. Chr. Ein Teil des Adels dieses Turkvolkes nimmt den j\u00fcdischen Glauben an und dominiert das Reich im 9. Jahrhundert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ferner unbestritten, dass das Judentum Einfluss auf die Entstehung des Islam hat. Der Koran l\u00e4sst durchblicken, dass der hier angesprochene geheimnisvolle Offenbarungs-empf\u00e4nger viel Kontakt zu Juden hat und m\u00f6glicherweise vor der Frage stand, ob er Jude werden soll. <em>\u201eUnd sie <\/em>[d. h. die Leute der Schrift] <em>sagen: \u201aIhr m\u00fcsst Juden oder Christen sein, dann seid ihr rechtgeleitet. \u201aSag: Nein! <\/em>[f\u00fcr uns gibt es nur] <em>die Religion Abrahams, eines Han\u00eefen \u2013 er war kein Heide <\/em>[w. keiner von denen, die (dem einen Gott andere G\u00f6tter) beigesellen]!\u201c (2,135 nach Paret). Der Text zeigt, dass Juden und Christen in Arabien f\u00fcr ihren Glauben werben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht steht hinter den Anf\u00e4ngen des Islam sogar ein j\u00fcdisches Bem\u00fchen, die Araber gegen die christlichen Gro\u00dfm\u00e4chte in Stellung zu bringen. Das misslingt. Im Islam setzt sich ein heidnisch-arabischer Nationalismus gegen das Judentum durch. Dieser Konflikt hat sein Echo im Koran gefunden. Der mekkanische Islam ist noch durch und durch j\u00fcdisch beeinflusst. Auch die Anf\u00e4nge Muhammads in Madina sind noch von einer Allianz mit dem Judentum gepr\u00e4gt. Der Bruch kommt, als die Juden Muhammad zur\u00fcckweisen. Muhammad wendet sich deshalb wieder dem mekkanischen Heidentum zu und integrierte es in seine Religion. Der Islam bekommt jetzt einen durch und durch arabisch-nationalistischen Charakter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ablehnung durch die Juden muss Muhammad tief verletzt haben. Die daraus resultierende Feindschaft gegen die Juden ist im Koran festgeschrieben. Juden werden im islamischen Reich ebenso B\u00fcrger minderen Rechts wie unter christlicher Herrschaft. Zeiten der Verfolgung wechseln mit Zeiten relativer Toleranz ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Anders entwickelt sich das Judentum in der westlichen Welt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung versuchen Juden, die Ghettos zu verlassen und sich an die europ\u00e4ischen Gesellschaften anzupassen. Teilweise geben sie den Glauben der V\u00e4ter auf, um als vollwertige B\u00fcrger anerkannt zu werden. Juden spielen nun eine bedeutende Rolle in Kunst, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Auch der Zionismus ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Er ist vom europ\u00e4ischen Nationalismus gepr\u00e4gt worden, um f\u00fcr das Judentum einen Nationalstaat zu schaffen und durch ihn ein f\u00fcr alle Mal der Unterdr\u00fcckung zu entgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So verst\u00e4ndlich diese Anliegen sind \u2013 sie haben unter den V\u00f6lkern viel Eifersucht, Widerstand und Aggression geweckt. Es kommt zum extremen Antisemitismus und zu den arabisch-israelischen Kriegen. Beides ist miteinander verschr\u00e4nkt. Ohne die Shoa im Dritten Reich g\u00e4be es den Staat Israel vermutlich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist aber festzuhalten, dass es inmitten dieser tragischen Prozesse immer einzelne fromme Juden gibt, die in ihrem Vertrauen auf den Gott der V\u00e4ter nicht irre werden und so Zeugen Gottes bleiben, auch wenn sie Christus nicht erkennen. Das Judentum beh\u00e4lt seine Anziehungskraft. Auch in Deutschland treten jedes Jahr Menschen zum Judentum \u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Was ist nun zum Staat Israel zu sagen \u2013 dem St\u00f6renfried in der Welt des Islam?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das moderne Israel ist ein weltlicher Staat \u2013 aber aus der Sicht des Glaubens ist er ein Ergebnis des g\u00f6ttlichen Weltregiments in Gericht und Gnade. Er ist ein Zeichen der Treue Gottes zu seinem ersten Bundesvolk, denn <em>\u201eGottes Gaben und Berufung k\u00f6nnen ihn nicht gereuen\u201c R\u00f6m 11,29).<\/em> Gottes Treue ist aber kein Blankoscheck, sondern ein Ruf an Israel, zum Vertrauen in Gott zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die arabischen Nachbarn Israels ist die Existenz des j\u00fcdischen Staates eine Katastrophe. Unz\u00e4hlige menschliche Schicksale sind damit verbunden. Sie offenbart aber auch die Unf\u00e4higkeit, gegen Israel etwas auszurichten, und n\u00e4hrt deshalb einen tief sitzenden Minderwertigkeitskomplex. Das Versagen der Araber im Sechstagekrieg f\u00fchrt zum gro\u00dfen Aufbruch des Islamismus in den Siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Er h\u00e4lt Israel und die Welt seitdem in Atem. Der Islamismus hat die Welt des Islam tief gespalten. Aber es kommt noch schlimmer. Wir erleben in diesen Tagen in Syrien, dass sunnitische gegen schiitische Islamisten k\u00e4mpfen. Um Israel herum tobt ein Orkan. In diesem Chaos konnte Israel bisher \u00fcberleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geschieht hier nicht auch ein Gericht Gottes an den V\u00f6lkern des Nahen Ostens? Ich sehe in diesem Gericht aber auch einen Ruf zur Umkehr. Die gegenw\u00e4rtige Notzeit unter arabischen Muslimen und Christen kann durch Gottes Gnade eine Zeit der Erweckung zum Jesus-Glauben werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fasse das bisher Gesagte zusammen: Alle Merkmale der Geschichte Israels finden wir auch in der wechselhaften Geschichte des Judentums: Es gibt das stille Zeugnis von Gott durch fromme Juden. Es gibt die Tendenz zur Anpassung und zur Preisgabe des alten Glaubens, und es gibt die Versuchung zu Macht und Einfluss in der Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Das endzeitliche Israel als Segenstr\u00e4ger f\u00fcr die V\u00f6lker im messianischen Reich<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Schluss muss ich noch einmal auf die alttestamentlichen Verhei\u00dfungen zur\u00fcckkommen. Selbstverst\u00e4ndlich haben sie weiterhin ihre G\u00fcltigkeit, aber als Christ kann ich sie nur im Licht von Jesus, dem Messias Israels, und im Licht des apostolischen Zeugnisses lesen. Gewiss k\u00f6nnen wir das Evangelium von Jesus nur von der hebr\u00e4ischen Bibel her verstehen; aber gleichzeitig gilt, dass das Evangelium ein ganz neues Licht auf das Alte Testament wirft. Jesus ist der Schl\u00fcssel zum Verstehen des ersten Heilsbundes. In Jesus kommt das Alte Testament zu seinem Ziel und zu seiner Erf\u00fcllung. So verstehe ich R\u00f6m 10,4: <em>\u201eChristus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht.\u201c <\/em>Das gilt f\u00fcr Juden und Nichtjuden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der gesamte Hebr\u00e4erbrief macht das deutlich: <em>\u201eNachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den V\u00e4tern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn\u2026\u201c <\/em>(1,1f).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine zweite Bemerkung scheint mir wichtig. Im Alten Testament sind drei Verhei\u00dfungsstr\u00e4nge unl\u00f6sbar miteinander verbunden: die geistliche Erneuerung Israels, das Kommen des endzeitlichen Herrschers und Retters sowie die R\u00fcckkehr ins verhei\u00dfene Land. Gewiss ist einmal mehr das eine oder das andere betont, aber letztlich lassen sich diese Str\u00e4nge nicht trennen. Es ist problematisch, die Landverhei\u00dfungen einseitig herauszul\u00f6sen, als ob sie im Staat Israel schon erf\u00fcllt w\u00e4ren. So sehr die Sammlung Israels im s\u00e4kularen Staat ein Zeichen der Treue Gottes ist \u2013 die letzte Erf\u00fcllung wird erst im Reich Christi geschehen, nachdem Israel sich zu seinem Messias bekehrt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wie sind die Verhei\u00dfungen im Licht der Verk\u00fcndigung Jesu Christi zu lesen?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verk\u00fcndigung Jesu ist Ruf zur Umkehr an Israel. So hart seine Kritik an Israel und seinen F\u00fchrern erscheint, es geht Jesus um die endzeitliche Erneuerung Israels. Das gereinigte Israel soll das Evangelium vom Reich in der ganzen Welt <em>\u201ezum Zeugnis f\u00fcr alle V\u00f6lker\u201c<\/em> verk\u00fcndigen (Mt 24,14). Nach seiner Auferweckung sendet Jesus seine J\u00fcnger als Repr\u00e4sentanten des gl\u00e4ubigen Israel zu allen V\u00f6lkern, damit diese ins Reich Gottes kommen (Mt 28,18-20). Hier wird Israel, sofern es Jesus folgt, zum Segen f\u00fcr die ganze V\u00f6lkerwelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch das von den Propheten verhei\u00dfene Kommen der Heiden zum Heil Israels geschieht zeichenhaft w\u00e4hrend des Lebens Jesu. Ein r\u00f6mischer Hauptmann (Mt 8,5ff) und eine Ph\u00f6nizierin (Mt 15,21ff) vertrauen Jesus. Jesus verhei\u00dft f\u00fcr die Zukunft: <em>\u201eViele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen\u201c<\/em>(Mt 8,11).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Sammlung der j\u00fcdischen Diaspora im Heiligen Land ist dagegen bei Jesus kein Thema. Vielmehr werden in seinem Reich <em>\u201edie Sanftm\u00fctigen\u201c<\/em> <em>\u201edas Erdreich besitzen\u201c<\/em> (Mt 5,5). Diese umfassende Verhei\u00dfung Jesu l\u00e4sst die Verhei\u00dfungen der Propheten von der R\u00fcckkehr in das Land am Jordan in einem neuen Licht erscheinen. Auf jeden Fall k\u00f6nnen wir festhalten, dass auch bei Jesus das Kommen des Messias, die Bekehrung Israels, die Bekehrung der V\u00f6lker und die erneuerte Erde thematisch eine Einheit bilden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wie sind die prophetischen Verhei\u00dfungen im Licht der apostolischen Verk\u00fcndigung zu sehen?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Apostelgeschichte, die apostolischen Briefe und die Offenbarung des Johannes enthalten zahlreiche Gerichtsworte \u00fcber das ungl\u00e4ubige Israel, weil es Jesus ablehnt und die christliche Mission unter den V\u00f6lkern behindert. Aber auch bei den Aposteln sind diese harten Worte letztlich ein Ruf zur Umkehr. Paulus spricht sogar eine Verhei\u00dfung f\u00fcr die Bekehrung ganz Israels aus: <em>\u201eVerstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die F\u00fclle der Heiden zum Heil gelangt ist; und so wird ganz Israel gerettet werden\u2026\u201c <\/em>(R\u00f6m 11,25-26). Paulus deutet hier einen heilsgeschichtlichen \u201eZeitplan\u201c an. Vor der Bekehrung Rest-Israels kommt die V\u00f6lkermission zu ihrem Ziel. An eine Sammlung des erneuerten Israel im Land der Vorfahren denkt auch Paulus nicht. Wichtiger ist f\u00fcr ihn die Rettung Israels aus seiner Verlorenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich verstehe Paulus so, dass er an eine Bekehrung Rest-Israels vor der Wiederkunft von Jesus denkt. Denn die Apostelgeschichte macht deutlich, dass es bei den Aposteln in Jerusalem gro\u00dfen Widerstand gegen die V\u00f6lkermission gab. Offensichtlich erwarteten sie eine rasche Bekehrung ganz Israels, dann die Wiederkunft Jesu und dann die V\u00f6lkermission durch das erneuerte Israel. Deshalb blieben die Apostel zun\u00e4chst in Jerusalem, anstatt in alle Welt zu ziehen. Gott hat durch seinen Geist eine andere Reihenfolge bewirkt. Weil Israel sich zum gr\u00f6\u00dferen Teil gegen das Evangelium verh\u00e4rtete, begann die V\u00f6lkermission. Seitdem l\u00e4uft das Evangelium rund um die Welt und hat die letzten V\u00f6lker erreicht. Wird die \u201eF\u00fclle der Heiden\u201c bald erreicht sein? Steht also die Bekehrung Rest-Israels bevor? Manches deutet darauf hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sp\u00fcren beim Lesen von R\u00f6m 9-11, wie sehr Paulus von der Umkehrung der Reihenfolge in der Mission bewegt war. Zuerst Israel, dann die V\u00f6lker und schlie\u00dflich Rest-Israel! Gegen\u00fcber den Gl\u00e4ubigen aus den V\u00f6lkern betont er die unwandelbare Treue Gottes zu seinem ersten Bundesvolk (11,1f; vgl. auch 3,3f.), damit sich die Christen aus den V\u00f6lkern nicht gegen Israel r\u00fchmen (11,17ff.). Die teilweise Verstockung Israels ist f\u00fcr ihn die Chance der V\u00f6lker zum Glauben, und deren Glauben wiederum kann Israel zum Glauben anspornen (11,11ff.). Ich schlie\u00dfe daraus, dass es Paulus um die Rettung von allen, Juden und Heiden, zum Heil in Jesus geht. Ich bin deshalb \u00fcberzeugt, dass Paulus keinem Aufschub der Verk\u00fcndigung unter Juden das Wort reden will. Auch die Juden sollen das Evangelium <em>jetzt<\/em> h\u00f6ren, denn es geht um ihre Rettung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb geht es sowohl Jesus als auch den Aposteln um die Einheit des Leibes Christi aus geretteten Juden und Heiden (z. B. Eph 2,11ff). Zusammen sind sie <em>\u201edas auserw\u00e4hlte Geschlecht, die k\u00f6nigliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums\u201c<\/em> (1 Petr 2,9), also das neue Gottesvolk. Auch die 144.000 Versiegelten aus den zw\u00f6lf St\u00e4mmen Israels in Offb 7,4-8 sind m. E. als Gleichnis f\u00fcr die Gesamtgemeinde Christi zu verstehen. In Offb 20 und 21 ist im Blick auf das Tausendj\u00e4hrige Reich, die neue Erde und das neue Jerusalem nicht von einer Sonderexistenz Israels die Rede.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Z<\/strong><strong>usammenfassung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr uns als Christen aus den V\u00f6lkern ist die Geschichte Israels eine Geschichte der Treue Gottes zu seinem Bundesvolk. Von dieser Treue leben wir als Kirche Christi, die ihrem Herrn auch vielfach ungehorsam war und ist. Uns ermutigt der Ausblick, dass der Rest-Israel nach seiner Bekehrung innerhalb der Gesamtkirche ein Segen f\u00fcr die V\u00f6lker sein wird. Dann ist das erl\u00f6ste Israel nicht mehr St\u00f6renfried, sondern Friedensstifter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist schon bisher immer geschehen, wo an Jesus gl\u00e4ubige Juden das Evangelium verk\u00fcndigt haben. Das geschah intensiv seit dem 19. Jahrhundert, und das geschieht in besonderer Weise in unseren Tagen. Die Zahl der an Jesus glaubenden Juden nimmt weltweit zu. Im Heiligen Land haben messianische Juden, Gl\u00e4ubige aus den traditionellen Kirchen und bekehrte Muslime geistliche Gemeinschaft miteinander. Wir sind in diesen Tagen Zeugen eines aufregenden, endzeitlichen Vorgangs!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfr. Eberhard Troeger<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dieser Vortrag wurde auf den Kongressen des Gemeindehilfsbundes \u201eGottes Weg mit Israel\u201c in Bad Gandersheim (4.4.-6.4.2014) und in Bad Teinach-Zavelstein (11.4.-13.4.2014) gehalten. Die gleichnamige Dokumentation mit allen Beitr\u00e4gen der Kongresse kann in der Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes f\u00fcr 5,00 \u20ac zzgl. Versand vorbestellt werden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung Ich bin nur einmal in Israel gewesen und meistens um Israel herum in den arabischen Nachbarl\u00e4ndern gereist. Zwei der arabisch-israelischen Kriege habe ich in \u00c4gypten erlebt: den Sechstagekrieg 1967 und den Jom-Kippur-Krieg 1973. Angesichts der antiisraelischen Propaganda war es nicht leicht, eine biblische Sicht zu bewahren und dazu zu stehen. 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