{"id":11003,"date":"2014-06-22T07:03:38","date_gmt":"2014-06-22T05:03:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11003"},"modified":"2014-06-23T16:41:27","modified_gmt":"2014-06-23T14:41:27","slug":"will-gott-dass-alle-gerettet-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=11003","title":{"rendered":"Will Gott, dass alle gerettet werden?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine alte Frage und ein neues Buch von John Piper<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr wen starb Jesus? &#8211; Es gibt wohl kaum eine Debatte unter theologisch konservativen Christen, die so intensiv und mitunter auch emotional gef\u00fchrt wird, wie die um diese Frage. Und obwohl oder gerade weil es ein hei\u00dfes Eisen ist, m\u00fcssen diese Diskussionen besonders im theologischen Unterricht gr\u00fcndlich behandelt werden. Neben der Frage, warum Christus sterben musste und wer wen durch das Kreuz vers\u00f6hnte, ist die Frage nach der Reichweite und Art des Heilswillens eine der wichtigsten in der Erl\u00f6sungslehre.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Grunde gibt es zwei Hauptantworten: Christus starb nur f\u00fcr die Erw\u00e4hlten, was traditionell &#8222;begrenzte S\u00fchne [oder S\u00fchneopfer]&#8220; (engl. limited atonement) genannt wird. Diese Position wird von den meisten Calvinisten eingenommen (in der TULIP-Formel, die die Lehren des Calvinismus umrei\u00dft, das L). Sie sprechen heute meist lieber von definite atonement, eindeutige, konkrete oder auch pers\u00f6nliche S\u00fchne, da das &#8222;begrenzt&#8220; meist falsch verstanden wird. Die andere Seite glaubt, dass Christus effektiv f\u00fcr alle Menschen starb, daher &#8222;unbegrenzte S\u00fchne&#8220; (unlimited atonement); durch den Glauben wird diese Erl\u00f6sung dann f\u00fcr den einzelnen tats\u00e4chlich wirksam. Meist wird dies als die arminianistische Position bezeichnet, traditionell z.B. vertreten von den Methodisten und den Pfingstlern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff limited atonement tauchte erst vor ungef\u00e4hr zweihundert Jahren auf, die griffige TULIP-Formel stammt sogar erst aus dem 20 Jhdt. (nach den Anfangsbuchstaben der f\u00fcnf Hauptaussagen im Englischen: Total depravity, Unconditional election, Limited atonement, Irresistable grace, Perserverance of the saints). Viele Calvinisten &#8211; Reformierte, Presbyterianer, reformierte Baptisten und Anglikaner &#8211; sind oft mehr oder weniger unzufrieden mit der Kurzformel, warnen vor Missbrauch, fordern zur richtigen Erl\u00e4uterung der Punkte auf; oder sie schlagen wie der Baptist Timothy George in Amazing Grace Alternativen vor &#8211; statt Tulpe (engl. tulip) Rosen: ROSES &#8211; Radical depravity, Overcoming grace, Sovereign election, Eternal life, Singular redemption.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn die TULIP-Formel j\u00fcngeren Datums ist, versucht sie doch nur die Lehrregel der reformierten Synode von Dort (1618\/19) zusammenzufassen. Damals wurde erstmals die begrenzte S\u00fchne pr\u00e4zise bekr\u00e4ftigt; die Lehre der Remonstranten, der Anh\u00e4nger von Jakobus Arminius (1560-1609), Namensgeber der Arminianisten, wurde verworfen. Die Synode zitierte aus ihren Thesen, und hier wird etwas von der Brisanz der Lehre der unbegrenzten S\u00fchne deutlich:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Christus hat durch seine Genugtuung f\u00fcr niemanden gewi\u00df die Seligkeit selbst und den Glauben, durch den diese Genugtuung Christi. wirksam zugeeignet wird, verdient, sondern blo\u00df dem Vater die Macht. erworben, aufs neue mit den Menschen zu handeln und ihnen neue Bedingungen nach seinem Belieben vorzuschreiben, deren Vollbringung vom freien Willen des Menschen abhinge, und es deshalb h\u00e4tte geschehen k\u00f6nnen, da\u00df entweder keiner oder alle sie erf\u00fcllten.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einfachen Worten: durch den Tod Jesu beginnt ein neues Spiel; die Karten wurden neu gemischt &#8211; und das war&#8217;s. Wir m\u00fcssen glauben, und der Glaube ist Werk unseres freien Willens; das Heil h\u00e4ngt also letztlich von uns ab. Doch all das ist nur eine halbe Errettung; der Akzent rutscht wieder zum Menschen und seinem Tun her\u00fcber. Und noch etwas zeigt sich hier: Die arminianistische Position will die Liebe Gottes gro\u00df machen. Doch was ist das f\u00fcr ein Gott, der die Rettung von niemandem wirklich bewirkt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gro\u00dfe Mehrheit der heutigen evangelikalen Christen wird dennoch ohne viel Z\u00f6gern auf die Eingangsfrage antworten: &#8222;Nat\u00fcrlich f\u00fcr die ganze Welt!&#8220; &#8211; f\u00fcr tats\u00e4chlich jeden Menschen. Ganz so einfach sind die Dinge jedoch nicht. Die Frage ist n\u00e4mlich mit anderen, sehr ernsten verbunden: Was hat Christus durch seinen Tod vollbracht? Was hat sein Tod bewirkt? Hat der Tod lediglich die Errettung jedes Menschen erm\u00f6glicht, weil er f\u00fcr alle starb, ohne jemanden konkret zu retten? Oder hat sein Tod tats\u00e4chlich die Errettung derer bewirkt, f\u00fcr die er gestorben ist? Welchen Plan verfolgte Gott mit der Sendung seines Sohnes: alle Menschen retten oder die Erw\u00e4hlten retten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den bekanntesten Vertretern des begrenzten S\u00fchneopfers geh\u00f6rt heute James I. Packer (geb. 1926), der schreibt: &#8222;Gott erm\u00f6glichte nicht nur die Rettung derer, f\u00fcr die Christus starb; er sorgte auch daf\u00fcr, dass sie zum Glauben kommen und in den Besitz ihres Heils gelangen. Das Kreuz rettet. W\u00e4hrend die Arminianer nur sagen: Ohne Golgatha w\u00e4re meine Rettung nicht m\u00f6glich gewesen, sagt der Calvinist: Christus erwarb meine Rettung f\u00fcr mich. Ersterer macht das Kreuz zum sine qua non des Heils, letzterer sieht es als die tats\u00e4chliche Ursache des Heils.&#8220; (&#8222;Introductory Essay to John Owen&#8217;s Death of Death in the Death of Christ&#8220;).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kern der calvinistischen Auffassung ist die \u00dcberzeugung, dass es undenkbar w\u00e4re, dass Christus juristisch die Schuld eines Menschen auf sich genommen hat, f\u00fcr den diese S\u00fchne jedoch nie wirksam wird. Man wehrt sich also dagegen, die Wirksamkeit des Opfers Jesu aufzuteilen: in eine rein theoretische S\u00fchne, die zwar angeboten werden kann, f\u00fcr die Verlorenen aber nie Wirklichkeit wird, und eine praktisch wirksame S\u00fchne f\u00fcr die Wiedergeborenen. Hat Christus wirklich die Schuld bezahlt? Wenn man dies bejaht, gibt es nur zwei Antworten auf die Frage, f\u00fcr wen: f\u00fcr alle, d.h. allen ist tats\u00e4chlich vergeben und alle werden gerettet (Irrlehre des Universalismus); oder die Schuld der Erw\u00e4hlten ist bezahlt und nur sie werden errettet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Packer (und \u00e4hnliches w\u00e4re von James M. Boice, R.C. Sproul und vielen anderen wie Wayne Grudem, William Edgar, Henri Blocher, John Frame, Albert Mohler, Mark Dever zu sagen &#8211; nicht zu vergessen C.H. Spurgeon!) variiert hier nur Argumente, die John Owen (1616-1683) in seinem The Death of Death in the Death of Christ vorlegt hat. Der Puritaner und wohl wichtigste Theologe Englands aller Zeiten hat die begrenzte S\u00fchne so umfassend und biblisch begr\u00fcndet, dass dem bis heute kaum etwas zuzuf\u00fcgen ist. Owen hat die Alternativen eingangs glasklar geschildert: Christus starb f\u00fcr a) alle S\u00fcnden aller Menschen; b) f\u00fcr einige S\u00fcnde aller Menschen; oder c) f\u00fcr alle S\u00fcnden einiger Menschen. Die dritte Position ist die des Calvinismus; nach der zweiten ist niemand gerettet; wenn die erste Position richtig ist, dann starb er auch f\u00fcr die S\u00fcnde des Unglaubens der zeit ihres Lebens Nichtgl\u00e4ubigen &#8211; werden dann auch die Nichtgl\u00e4ubigen errettet? In diesem Stil einer scharfen und bis heute kaum noch erreichten Logik legt Owen seine Position umfassend dar. Zum Glauben schrieb Owen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Christus starb nicht, damit die Menschen gerettet werden, wenn sie nur glauben; sondern er starb f\u00fcr alle Auserw\u00e4hlten, damit sie glauben. Nirgendwo in der Schrift wird gesagt, dass Christus f\u00fcr uns starb, wenn wir glauben. Das w\u00fcrde unseren Glauben zur Ursache von etwas machen, das andernfalls nicht wahr w\u00e4re &#8211; unser Akt des Glaubens w\u00fcrde bewirken, da\u00df sein Tod stellvertretend f\u00fcr uns ist. Aber Christus starb f\u00fcr uns, auf das wir glauben m\u00f6gen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Image des Calvinismus ist unter Christen jedoch ein weitgehend negatives (und die logische Klarheit hilft da auch kaum &#8211; im Gegenteil), weil seine Kernpunkte negativ wahrgenommen werden: Errettung wird begrenzt, in der Pr\u00e4destination werden manche Menschen zur ewigen Verdammnis vorherbestimmt usw. Greg Forster hat den Spie\u00df in The Joy of Calvinism konsequent umgedreht und alle TULIP-Punkte positiv gewendet und sie von der Liebe Gottes her gesehen. Ein ganz hervorragender Ansatz! Forster schildert das Ausgangsproblem (vor allem des Arminianismus): Viele behaupten, dass Christus f\u00fcr alle starb, aber es werden nicht alle gerettet. Wie passt das zusammen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Alle Versuche zur L\u00f6sung dieses Problems beginnen mit der Entpersonalisierung von Gottes rettender Liebe. Und eine andere M\u00f6glichkeit gibt es nicht. Wenn Gott will, dass alle Individuen pers\u00f6nlich gerettet werden [was die Arminianer behaupten], dann m\u00fcssten auch alle Individuen gerettet werden; doch wir wissen, dass dies nicht der Fall ist. Der einzige Ausweg ist zu behaupten, dass Gottes rettende Liebe sich nicht auf einzelne Individuen richtet. Wenn wir also sagen, dass Gott nicht bestimmte Individuen pers\u00f6nlich vom Heil ausschlie\u00dft, dann m\u00fcssen wir gleichzeitig behaupten, dass er bestimmte Individuen nicht pers\u00f6nlich rettet.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Forster sieht genau hier die Trennlinie zwischen dem Calvinismus und allen anderen theologischen Systemen: entweder richtet sich Gottes rettende Liebe auf die Menschheit in ihrer Masse, und dann macht sie Errettung nur m\u00f6glich; oder diese Liebe richtet sich auf konkrete Personen und schafft und garantiert dann diese Errettung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch John Piper hat in seinem Buch Five Points \u00fcber die TULIP-Punkte (<a href=\"https:\/\/dwynrhh6bluza.cloudfront.net\/website_uploads\/documents\/e-books\/pdfs\/five-points-1388566999.pdf\">hier<\/a> als pdf) sehr richtig auf wichtige positive Aspekte hingewiesen. Der Baptist, bis zum vergangenen Jahr Hauptpastor der Bethlehem Baptist Church in Minneapolis (USA), zeigt, dass der Neue Bund ganz anders als der mosaische ist, n\u00e4mlich ein Bund der v\u00f6lligen und radikalen Neuschaffung, eben nicht ein blo\u00dfes Angebot oder ein &#8218;halbe&#8216; Leistung:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Hier in Jeremia 32 [39-41] wird es noch deutlicher als in Jeremia 31 [31-34], dass n\u00e4mlich Gott die souver\u00e4ne Initiative ergreift, um daf\u00fcr zu sorgen, dass der [Neue] Bund auch wirklich gelingt [d.h. verwirklicht wird]. Gott wird es nicht der Macht des gefallenen menschlichen Willens \u00fcberlassen, ob ein Mensch die Mitgliedschaft in dem Neuen Bund erlangen oder aufrechterhalten kann. Er wird ein neues Herz schenken, ein Herz, das den Herrn f\u00fcrchtet. Es wird ausdr\u00fccklich das Tun Gottes sein, nicht das unsere. Und er wird in diesem Bund handeln, &#8217;so dass sie sich nicht mehr von mir abwende&#8216; (Jer 32,40). Daher kommentiert John Owen: &#8218;Das ist daher einer der Hauptunterschiede dieser beiden B\u00fcnde, dass der Herr im Alten Bund die Bedingung allein forderte [n\u00e4mlich Gehorsam]; nun, im Neuen, wird er diese auch in allen Bundesteilnehmern bewirken, die diesem Bund angeh\u00f6ren.&#8216;. Wenn der Neue Bund erfolgreicher als der Alte Bund sein soll, so muss Gott das Herz aus Stein herausnehmen und seinem Volk ein Herz, das ihn liebt, geben. Mit anderen Worten, er muss in wunderbarer Weise Initiative ergreifen, um den Glauben und die Liebe seines Volkes zu sichern. Im Neuen Bund verspricht Gott, dass er diese Initiative ergreifen und ein neues Herz schaffen wird, so dass die Menschen Glieder des neuen Bundes durch seine Initiative und nicht ihre eigene werden. &#8218;Ich werde die Ehrfurcht vor mir in ihr Herz legen.&#8216; (Jer 32,40). Es ist Gott selbst, der die Furcht vor ihm in uns zuerst einpflanzt. Und Gott h\u00e4lt uns davon ab, sich abzuwenden. Er tut dies durch das Blut seines Bundes, das, wie Jesus sagte, sein eigenes Blut war (Lk 22,20).&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vertreter der unbegrenzten S\u00fchne bleiben aber meist skeptisch und fragen: Kann es sein, dass Gott die Rettung irgendeines Menschen nicht will? Will Gott, dass jemand verloren geht!? Sie sehen in der Regel nicht, dass die Bibel zwischen einem souver\u00e4nen und einem moralischen Willen Gottes unterscheidet. Nat\u00fcrlich hat Gott nicht zwei ganz unterschiedliche Willen in sich. Dies ist eine Art theologische Konstruktion, um der vielf\u00e4ltigen Offenbarung gerecht zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An diesem Punkt setzt Pipers 60-Seiten-Buch Does God Desire All to be Saved? (Will Gott, dass alle gerettet werden?, erschienen im vergangenen Jahr) an. Er zitiert Texte wie 1 Tim 2,4; 2 Pt 3,9; Hes 18,23; Mt 23,37, die bekr\u00e4ftigen, dass Gott die Rettung aller w\u00fcnscht. Gott will auf der einen Seite die Rettung aller, erw\u00e4hlt aber auf der anderen Seite nur einige. Piper zeigt anschlie\u00dfend anhand nicht weniger Beispiele die zwei Aspekte oder Arten des Willens Gottes. Am deutlichsten ist dies in der Passion Christi: der Verrat des Judas (und das Handeln des Herodes, Pilatus usw.) war S\u00fcnde, widersprach dem moralischen Willen Gottes; er war jedoch auch Teil des Plans Gottes, geschah entsprechend seines souver\u00e4nen Willens. Auch im Ersten Brief des Petrus (1 Pt 2,15; 4,2 bzw. 3,17; 4,19) stehen die zwei Arten des Willens Gottes dicht beieinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Unterscheidung ist nicht Sondergut der Reformierten. Der katholische Philosoph Robert Spaemann \u00fcber die &#8222;Lehre von den zwei Willen Gottes bei Thomas von Aquin&#8220; in Das unsterbliche Ger\u00fccht: &#8222;Der absolute [o. souver\u00e4ne] Wille Gottes zeigt sich in dem, was geschieht. Er ist uns in seinem Grund verborgen und kann uns deshalb nicht zur Richtschnur des Handelns dienen.&#8220; Diesem ist auch die Erw\u00e4hlung zuzuordnen, die ja auch nicht unser Handeln bestimmt. Egal, ob ein Mensch erw\u00e4hlt ist, oder nicht &#8211; die Aufforderung zur Umkehr gilt jedem. &#8222;Richtschnur unseres Handelns ist das, wovon Gott will, dass wir es wollen. Und das k\u00f6nnen wir wissen. Es ist das sittliche Gebotene.&#8220;, also der moralische Wille Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im vierten Kapitel geht Piper wieder auf 1 Tim 2,4 (&#8222;er will, dass alle gerettet werden&#8220;) ein und fragt, warum etwas nicht geschieht, was Gott will: das tats\u00e4chliche ewige Heil aller (denn die gro\u00dfe Mehrheit lehnt die Lehre ab, dass letztlich alle gerettet werden &#8211; obwohl auch diese Front zunehmend br\u00f6ckelt, s. Youngs Die H\u00fctte oder C. Baxter Krugers Revisiting the Shack). Piper sieht hier nur zwei M\u00f6glichkeiten: eine h\u00f6here Macht im Universum, die Gott hindert, was aber von Calvinisten wie auch Arminianisten verworfen wird. Beide Parteien stimmen darin \u00fcberein, dass Gott sich um eines h\u00f6heren Wertes oder Zweckes willen dazu entschlossen hat, die Erl\u00f6sung tats\u00e4chlich aller nicht zu garantieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Arminianisten sehen diesen Faktor, der den Willen Gottes &#8218;begrenzt&#8216;, im freien Willen des Menschen. Freier Wille ist eine Gabe Gottes, die nicht widerrufbar ist, so die Arminianer. Das Problem ist jedoch, dass dieser als &#8222;ultimate (or decisive) human self-determination&#8220;, so Piper, als letztliche oder entscheidende Selbstbestimmung oder auch absolute Freiheit definiert wird. Eine breite theologische Tradition von Augustinus bis hin zu Luther und Calvin betont jedoch, dass allein Gott absolut frei ist und der Mensch nur eine begrenzte und irdische Freiheit hat. Im Hinblick auf das Heil ist der Mensch tot und bestimmt sein ewiges Schicksal nicht selbst. Gott erw\u00e4hlt zum Heil, bestimmt aber, dass diese Erw\u00e4hlten &#8222;ganz freiwillig kommen&#8220; (Westminster-Bekenntnis, 10,1). Gott bestimmt ohne uns, dass wir frei, d.h. ungezwungen zu ihm kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Arminianer folgen im wesentlichen Erasmus, der schon in Vom freien Willen (1524) meinte, der menschliche Wille k\u00f6nnen sich frei der Gnade hinwenden oder sich von ihr abwenden. Es liegt also letztlich am Menschen selbst, ob er der Gnade widerstehen will oder nicht. Roger E. Olson: &#8222;In der Erl\u00f6sung ist Gott der wichtigere Partner, der menschliche freie Wille (im Sinne von Nichtwiderstehen) der kleinere Partner&#8220; (Arminian Theology).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Piper zeigt nun aber, dass der absolut freie Wille in Texte wie 1 Tim 2,4 hineingelesen werden muss. Andere Passagen in den Pastoralbriefen wie 2 Tim 2,24-26 (dort hei\u00dft es, dass Gott Umkehr schenkt) zeigen Gottes Heilssouver\u00e4nit\u00e4t. Er h\u00e4lt fest, dass Gott in einer Hinsicht den Tod des B\u00f6sen nicht will (Hes 18,32), in anderer Hinsicht aber doch (Dt 28,63; 1 Sam 2,25). Auf den Vorwurf der Schizophrenie in Gott ging schon Calvin ein, auf den sich auch Piper hier bezieht. Viele wenden ein, so der Reformator, nach dieser Lehre beschlie\u00dfe Gott &#8222;ja in seinem verborgenen Rat [dem souver\u00e4nen Willen], was er in seinem Gesetz [dem moralischen Willen] verboten habe!&#8220; Calvin sieht hier keinen echten Widerspruch, sondern unterschiedliche Perspektiven. Er f\u00fchrt u.a. das Beispiel Hiobs an, der von R\u00e4ubern ausgepl\u00fcndert wird, was nat\u00fcrlich S\u00fcnde war, aber dennoch Gott &#8222;gefiel&#8220;; er nennt ebenfalls die S\u00f6hne Elis (1 Sam 2,22-25), Jesaja 45,7 und Amos 3,6. Wie Piper schreibt auch Calvin: &#8222;Und wahrlich, w\u00e4re Christus nicht mit dem Willen Gottes gekreuzigt worden &#8211; woher sollte dann unsere Erl\u00f6sung kommen? Aber deshalb streitet Gottes Wille nicht mit sich selbst, ver\u00e4ndert sich auch nicht, stellt sich auch nicht, als ob er nicht wolle, was er doch will; nein, obwohl er an sich einer und derselbe ist, erscheint er uns doch vielf\u00e4ltig, weil wir in unserer Kurzsichtigkeit nicht begreifen k\u00f6nnen, wie er auf verschiedene Weise in der gleichen Sache einerseits will, dass etwas geschieht, und es doch andererseits nicht will.&#8220; \u00dcber die Verworfenen, und hier begegnet uns ein wichtiges Paradox: &#8222;Indem sie gegen Gottes Willen handeln, vollzieht sich an ihnen eben Gottes Wille!.. Denn es geschieht eben auf wundersame und unaussprechliche Weise nicht ohne seinen Willen, was doch gegen seinen Willen geschieht!&#8220; (Inst. I,18,3)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Auffassung der Calvinisten beruht auf dem biblischen Zeugnis, dass Christus f\u00fcr seine Gemeinde, die Schafe, &#8222;f\u00fcr uns&#8220;, f\u00fcr die, die ihm der Vater gab, starb, und f\u00fcr niemanden sonst. Schwierige Stellen, die die Gegenposition zu st\u00e4rken scheinen, wie Joh 6,51, 1 Tim 2,6, 1 Joh 2,2 (au\u00dferdem 1 Tim 2,5-6; 4,10; 2 Kor 5,19; Joh 1,29; 3,16; Hbr 2,9) interpretieren Calvinisten in der Regel vereinfacht so: &#8222;Welt&#8220; und &#8222;alle&#8220; meint nicht jeden Menschen ohne Ausnahme, sondern einzelne Individuen aus aller Welt und allen Menschengruppen. Zum Beispiel 1 Joh 2,2 deutet D.A. Carson so: &#8222;potentiell f\u00fcr alle ohne Unterschied, nicht: effektiv f\u00fcr alle ohne Ausnahme&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Piper geht in der kleinen Schrift einen etwas anderen Weg. Eingangs schreibt er, dass man im Hinblick auf die gerade genannten Verse gar nicht nachweisen muss, dass sie nicht alle Menschen meinen. Er l\u00e4sst diese Frage offen. Wenn es die erl\u00e4uterten zwei Aspekte des Willens Gottes gibt, dann kann man durchaus zugestehen, dass Gott in einem Sinne will, dass alle gerettet werden. Der Calvinist sieht keinen Widerspruch zu der Auffassung, dass Christus nur f\u00fcr die Erw\u00e4hlten starb und Gott in einem anderen Sinne nur ihre Rettung wollte. Die Arminianer dagegen meinen: Wenn Gott die Rettung aller will, dann, bitte sch\u00f6n, in jeder Hinsicht. Die souver\u00e4ne Erw\u00e4hlung einiger k\u00f6nnen sie dann jedoch nicht erkl\u00e4ren und leugnen sie praktisch. Piper fasst gegen Ende zusammen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ich bekr\u00e4ftige daher mit Joh 3,16 und 1 Tim 2,4, dass Gott die Welt mit echter und ehrlicher Barmherzigkeit liebt und die Erl\u00f6sung aller Menschen w\u00fcnscht. Aber ich bekr\u00e4ftige genauso, dass Gott vor Anbeginn der Welt diejenigen erw\u00e4hlt hat, die er von den S\u00fcnden erl\u00f6sen will. Da nicht alle Menschen gerettet werden, m\u00fcssen wir w\u00e4hlen, ob wir mit den Arminianisten glauben wollen, dass Gottes Wille alle zu retten, durch seine Selbstverpflichtung, die letztliche menschliche Selbstbestimmung zu achten, begrenzt wird; oder ob wir mit den Reformierten glauben, dass Gottes Wille alle zu retten durch seine Selbstverpflichtung, sich im vollen Umfang seiner Vollkommenheiten in der Erh\u00f6hung seiner souver\u00e4nen Gnade zu verherrlichen. Diese Entscheidung darf nicht aufgrund von philosophischen Annahmen dar\u00fcber, was unserer Ansicht nach menschliche Verantwortung erfordert, gef\u00e4llt werden. Sie muss auf der Grundlage der Lehre der Schrift getroffen werden. Ich kann in der Bibel keine h\u00f6chste Kraft der Selbstbestimmung [ultimate power of self-detemination] finden.&#8220; (Piper widerholt damit letztlich nur Luthers Argument gegen Erasmus in Vom unfreien Willen, 1525).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vertreter des unbegrenzten S\u00fchneopfers haben meist das Anliegen, dass das Evangelium allen verk\u00fcndigt wird. Ihr Vorwurf an die Calvinisten: eure Lehre behindert Evangelisation, denn sie impliziert, dass man nicht allen sagen darf, dass Jesus f\u00fcr sie gestorben ist. Viele Calvinisten haben dagegen betont, dass das Evangelium allen gepredigt werden muss, da wir ja nicht wissen, wer die Erw\u00e4hlten sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Packer nahm ausf\u00fchrlich zu den Fragen Stellung und betonte: &#8222;Das NT ruft nie jemanden dazu auf Bu\u00dfe zu tun, weil Christus tats\u00e4chlich f\u00fcr genau ihn gestorben ist. Die Grundlage der Einladung des NT an S\u00fcnder an Jesus Christus zu glauben ist einfach der, dass sie Ihn brauchen und dass Er sich ihnen anbietet, dass allen, die ihn aufnehmen alle Segnungen seines Todes versprochen sind. Universal und alle einschlie\u00dfend ist die Einladung zum Glauben und das Versprechen der Erl\u00f6sung allen, die glauben.&#8220; Und weiter: &#8222;Das Evangelium lautet nicht &#8218;glaube, dass Christus f\u00fcr jedermanns S\u00fcnden und daher auch f\u00fcr deine gestorben ist&#8216;, genauso wenig wie &#8218;glaube, dass Christus nur f\u00fcr die S\u00fcnden von einigen bestimmten Menschen gestorben ist, daher also vielleicht auch f\u00fcr dich&#8216;. Das Evangelium lautet &#8218;glaube an den Herrn Jesus Christus, der f\u00fcr S\u00fcnden gestorben ist und sich nun selbst als dein Retter anbietet&#8216;. Diese Botschaft haben wir in die Welt zu tragen. Es ist nicht unsere Aufgabe zu Glauben an ein bestimmtes Ma\u00df der S\u00fchne aufzufordern. Unsere Aufgabe ist auf den lebendigen Christus zu weisen und zu Vertrauen in ihn einzuladen.&#8220; (Evangelism and the Sovereignty of God)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Sinne beendet auch Piper sein Buch: &#8222;Christus l\u00e4dt jeden ein zu kommen, und jeder, der kommt, ist gerettet. Jeder, der Christus empf\u00e4ngt, ist von Grundlegung der Welt an erw\u00e4hlt und ein Empf\u00e4nger des ewigen Erbes.&#8220; Auch der Calvinist Piper schlie\u00dft mit Off 22,17: &#8222;Wer Durst hat, der komme.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schie\u00dflich sei hier noch der britische Theologe Lee Gatiss genannt, der in For Us and For Our Salvation betont: die Predigten in der Apostelgeschichte unterscheiden sich, doch ein gemeinsames Kennzeichen ist dies: &#8222;Christus ist auferstanden und Herr und Richter; also tut Bu\u00dfe!&#8220; Das ist mit dem Calvinismus v\u00f6llig vereinbar. Und er weist auf die Predigten von Owen hin, der schon \u00e4hnlich wie dann Spurgeon mit Christus die S\u00fcnder aufrief: &#8222;Schaut auf mich, und ihr werdet gerettet. Verleugnet mich nicht weiter, denn es geht um die Ewigkeit, legt alles B\u00f6sartige und den Hass auf mich ab, und ihr werdet gerettet&#8220;. &#8211; F\u00fcr alle diese Aufforderung ist es ganz unerheblich, ob der Angesprochene erw\u00e4hlt ist oder nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass die Lehre vom begrenzten S\u00fchne mit Mission und Evangelisation zusammenpassen, zeigen die Beispiele von George Whitefield und Jonathan Edwards im 18., William Carey (Vater der modernen Missionsbewegung!), Charles H. Spurgeon im 19. und Francis .A. Schaeffer (der sich auch zuallererst als Evangelist sah) im 20. Jhdt. Nur die sog. Hyper-Calvinisten (im 18. und 19. besonders in England unter den Baptisten; Gegner von Spurgeon) lehnten das freie Gnadenangebot und die Verk\u00fcndigung allen ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor einigen Jahren sprach Andreas Malessa beim Missionale-Kongress zum Thema &#8222;Predigen in der Postmoderne&#8220;. Gegen Ende meint der bekannte Journalist und Pastor: &#8222;Wir kriegen weder logisch noch theo-logisch die Paradoxie der Universalit\u00e4t und der Exklusivit\u00e4t Christi harmonisiert. Christus hat alle mit Gott vers\u00f6hnt und deshalb ist in keinem anderen das Heil &#8211; wie wollen Sie das zusammen denken?&#8220; Dies sei kein grunds\u00e4tzliches Problem, denn wir m\u00fcssen &#8222;doch ohnehin lauter Paradoxien verkaufen&#8220;, die man kaum &#8222;vern\u00fcnftig harmonsieren&#8220; kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier schlie\u00dft sich der Kreis. Wenn Universalit\u00e4t nur in einer Hinsicht begriffen wird, muss man zu dem Schlu\u00df kommen, dass tats\u00e4chlich alle schon mit Gott vers\u00f6hnt sind. Ein Calvinist kann diese Paradoxien durchaus zusammendenken, denn er sieht sowohl den universalen Heilswillen, als auch die Tatsache, dass eben nicht alle mit Gott vers\u00f6hnt sind. Der Calvinist hat klare Antworten, Malessa fl\u00fcchtet sich ins Mysterium &#8211; und liefert v\u00f6llig unzureichende Antworten. Denn es stellt sich die simple Frage, die auch Malessa ber\u00fchrt, ob der nichtgl\u00e4ubige Muslim, Buddhist oder Konfuzianer schon das Heil hat oder nicht und zu was er aufgefordert werden kann und muss. Die Frage des ewigen Schicksals steht im Raum. Was kommt bei Malessa nun aber am Ende als Botschaft in unserer pluralistischen, multireligi\u00f6sen Welt heraus? Ein Mischung aus gelebtem Glauben\/guten Werken (Mt 25), Gnade und der Liebe (1 Kor 13). Die postmodern gef\u00e4rbte arminianistische Position kommt konfus daher (manche Abschnitte erschlie\u00dfen sich mir auch nach f\u00fcnfmaligem Lesen nicht). Sind es wirklich die Calvinisten, die Evangelisation erschweren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">S. auch Justin Taylor, &#8222;A Primer on Limited (or Definite) Atonement&#8220;); John Piper, &#8222;For Whom Did Jesus Taste Death?&#8220;; in deutscher Sprache ist zum Thema J.M. Boices, P.G. Rykens Die Lehren der Gnade zu empfehlen, in Wayne Grudems Biblische Dogmatik Kap. 27 D.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.lahayne.lt\">www.lahayne.lt<\/a> (9.6.2014)<\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 0pt; text-align: justify;\"><span style=\"font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 12pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine alte Frage und ein neues Buch von John Piper F\u00fcr wen starb Jesus? &#8211; Es gibt wohl kaum eine Debatte unter theologisch konservativen Christen, die so intensiv und mitunter auch emotional gef\u00fchrt wird, wie die um diese Frage. 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